Gunnar Decker Franz von Assisi

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Inhaltsangabe zu „Franz von Assisi“ von Gunnar Decker

Wer war Franziskus – und was hat der Mann aus Assisi uns heute noch zu sagen? Die katholische Kirche hat Franz von Assisi und seinen »Traum vom einfachen Leben« stets für sich vereinnahmt, seine Lebensgeschichte zur Hagiographie umgeschrieben. Dabei hat die Lehre Franz von Assisis eine Strahlkraft, die über konfessionelle Grenzen hinweg wirkt, gerade heute. Gunnar Decker enthüllt den klerikalen Mythos, der sich hinter der Gestalt des Mönchs verbirgt. Und er zeigt, auf welche Weise uns seine Lehre noch immer bewegt. In Erinnerung an Franz von Assisi hat sich der Jesuit Jorge Mario Bergoglio den Namen Franziskus gegeben – eine richtungsweisende Wahl, zumal keiner seiner Vorgänger im Vatikan diesen Namen trug. Es ist die »Rückkehr zu den Ursprüngen«, mit der der Begründer des Franziskanerordens und »Anwalt der Armen« nicht nur das 13. Jahrhundert prägte. Sein Ideal machte ein modernes Menschenbild überhaupt erst möglich und bietet in diesen Zeiten, angesichts von Turbokapitalismus und digitalem Überdruss, mehr denn je Halt und Zuflucht. In seiner klugen und kenntnisreichen Biographie zeichnet Gunnar Decker das Wirken Franz von Assisis nach und führt seine Ideale in unser Denken zurück: Oftmals liefert dessen Botschaft Antworten auf die Fragen, die wir heute an das Leben stellen.

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    Franz von Assisi

    JulesBarrois

    22. January 2017 um 10:12

    Franz von Assisi: Der Traum vom einfachen Leben - Gunnar Decker, 432 Seiten, Siedler Verlag (26. September 2016), 26. 09. 2016, 26,99 €, ISBN-13: 978-3827500618  „Was für einen Anfang wagt da einer!“ (Seite 69). Dieser Satz, den Gunnar Decker über das Auftreten des 28-jährigen Franz von Assisi vor Papst Innozenz III. sagt, könnte auch über den Amtsantritt von Jorge Mario Bergoglio stehen, als er sich am 13. März 2013, zum 266. Bischof von Rom gewählt, einen neuen Namen gab: Franziskus I. und damit auch ein völlig neues Programm in der katholischen Kirche auflegte. (siehe dazu auch seine Enzyklika Laudato si`) Gunnar Decker, der Berliner Religionsphilosoph, nimmt uns in seinem neuen Buch mit auf eine ebenso lehrreiche wie unterhaltsame Zeitreise ins Mittelalter, als der Bettelmönch Franz von Assisi nichts weniger wollte, als Welt und Kirche zu verändern. Francesco, geboren als Sohn des reichen und einflussreichen Tuchhändlers Pietro Bernadone geboren, kennt beide Seiten: Reichtum, Macht und Vergnügungen der oberen Gesellschaftsschicht und Armut und Verzweiflung der vielen Zurückgelassenen und Ausgestoßenen. Schnell erkennt er die Fehlentwicklungen von Reichtum (Kapitalismus) und vor allem der weltlichen Macht der Kirche. Wie wurde aus dem bürgerlichen Lebemann Giovanni Battista Bernadone der asketische Bettelprediger Franziskus? Und was wurde aus seiner Vision von einem Leben in der Nachfolge von Jesus Christus? Neben einer äußerst klugen und kenntnisreichen Biographie, mit sehr guten Informationen aus primären Quellen und sehr interessanten sekundären Quellen, liefert Gunnar Decker das farbige und plastische Bild eines Mannes, dessen Strahlkraft alle konfessionellen und zeitlichen Unterschiede überwindet und gerade in den Zeiten eines Turbokapitalismus und des Überdrusses, Halt und Zuflucht bietet.  Für mich besonders interessant sind in diesem Buch zwei Aspekte: Einmal der Einfluss Franz von Assisis auf Kunst und Kultur, von Boccaccio, G.K. Chesterton, Luise Rinser, Hermann Hesse, Rilke bis zu Steven Spielberg, die sich zu allen Zeiten immer wieder mit seiner Botschaft auseinandersetzen, die uns Antworten auf die Fragen gibt, die wir auch heute an das Leben stellen. Zum anderen die Reaktionen der Amtskirche, die als die wahren Mächtigen in der Kirche seine Reformbewegung ausbremsen, die vergleichbar ist mit dem Kampf, den verschiedene Kreise der Kurie heute gegen Papst Franziskus I. führen. Wer wird siegen? Das kirchliche Establishment oder der unkonventionelle neue Papst? Eine insgesamt lohnende Lektüre, die ebenso viel Kenntnisse vermittelt wie sie Lesevergnügen bereitet. Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Siedler Verlages https://www.randomhouse.de/Buch/Franz-von-Assisi/Gunnar-Decker/Siedler/e474383.rhd Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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  • Lehrreich - bis in die heutige Zeit

    Franz von Assisi

    Jana_Zimmermann

    09. January 2017 um 11:04

    Sehr gern versinke ich in das Leben anderer Personen und geschichtsträchtiger Menschen. Daher lese ich auch liebend gern Biografien. Am liebsten mag ich es, eine Zeitreise beim Lesen durchzuführen, einfach, weil ich über den Tellerrand hinausschauen möchte. Denn versteht man das Vergangene, kann man umso besser mit dem Geschehen im Hier und Jetzt umgehen. Mit der Biografie über Franz von Assisi gelingt ein weiter Schritt zurück in die Vergangenheit, nämlich ins Mittelalter des 13. Jahrhunderts. Sicherlich: Von Franz von Assisi habe ich schon gehört. Doch wer er war und was er Ereignisreiches machte, das wusste ich nicht so richtig. Und das sich der heutige Papst den Namen Franziskus aufgrund der Figur Franz’ von Assisi wählte, war mir bis zum Lesen des Buches auch neu. Gunnar Decker schreibt in der Biografie „Franz von Assisi – Der Traum vom einfachen Leben“ wie Giovanni Bernadone, der später von seinem Vater den Namen Francesco erhielt, zu Franz von Assisi wurde. In einem gut situierten Hause aufgewachsen wendet sich Francesco auf einmal vom Reichtum ab. Er will wie Jesus leben: In Einfachheit, Armut und Liebe zum Menschen und zur Natur. Wie ihm dies gelingt – oder auch eben nicht – wird von Gunnar Decker auf detailreiche Weise beschrieben. Und ja, auch wenn ich nicht jedes Wort des Buches verstanden habe, ich habe dieses Buch verschlungen, weil ich es faszinierend finde, wie es ein einzelner Mensch auf seiner Mission sogar zu einem Heiligen geschafft hat, auch wenn das mit großer Sicherheit nicht das Ziel des Franz’ von Assisi war. Das Begehren des Franz’ von Assisi wurde immer wieder von der Kirche kritisch beobachtet, seine Anhänger teilweise als Ketzer verfolgt und getötet. Seine Heiligsprechung habe ich so ein bisschen als „Werbung“ für die Kirche von damals aufgefasst, da Franz von Assisi durch seine Einfachheit einen Zugang zu den einfachen Menschen hatte. Die Biografie ist wissenschaftlich fundiert, da sich Gunnar Decker auf viele diverse Quellen bezieht und diese immer wieder kritisch hinterfragt, selbst seine eigenen Ausführungen werden von ihm selbst kritisch beäugt. Ich persönlich habe nicht viel kirchliches Hintergrundwissen, eben nur das, was mir im Geschichtsunterricht beigebracht wurde. Viele lateinische Begrifflichkeiten finden sich im Text wieder. Und ja, auch arg verschachtelte Sätze, sodass ich manche Passagen mehrmals lesen musste. Und dennoch hat das Buch meinen Horizont erweitert, mit immer wieder staunender Anerkenntnis meinerseits. Sicherlich: Ein Leben in allzu großer Armut und ohne Besitz ist für mich heute nicht denkbar, aber man kann umfangreiche Schlüsse auf das heutige Leben ziehen. Denn ich habe viel über Gerechtigkeit gelernt bzw. mein bereits vorhandenes Verständnis davon wurde bestätigt.

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  • Detaillierte Biographie unter breiter Einordnung in den historischen Kontext

    Franz von Assisi

    michael_lehmann-pape

    14. October 2016 um 14:31

    Detaillierte Biographie unter breiter Einordnung in den historischen KontextEinerseits ist da der Mann Franziskus von Assisi, der am Ende sich von seinem „Orden“ zurückzog, der bis zu seinem Tode die absolute Einfachheit und Zuwendung zu Gott und seiner Kreatur wohl radikal lebte.Und auf der anderen Seite ist die, sehr geschickte, Vereinnahmung des Mannes und damit „Zähmung“ seiner sozialrevolutionären Ideen und Haltung durch die „Amtskirche““ seit Jahrhunderten (und schon zu Lebzeiten des Franz) am Werk, um einerseits die Aura und das Charisma des Mannes für sich zu nutzen, ohne die an den Fundamenten der weltlichen Seite der Kirche rüttelnden Inhalte wirklich aufzunehmen. Nicht nur ein wenig hat die Amtskirche diesem Franziskus, seiner fast messianischen Beliebtheit über das regionale Umfeld hinaus und seiner auch provozierenden Haltung „die Zähne gezogen“.Immerhin nicht im Sinne der Ketzerei, wie es den Katharern und Waldensern erging.Doch wer das Innere der Basilika in Assisi betritt, wer allein den Prachtbau von außen sieht und dann die verschwenderische, fast überladen wirkende Ausstattung im Inneren, der sieht mit eigenen Augen, wie aus dem „ganz anderen“ Weg des Franziskus nun ein Teil der traditionellen katholischen Amtskirche geworden ist. Wobei es eine hohe Symbolkraft besitzt für die Gesamtschau dieses Lebens, wie die kleine, schmucklose Kapelle mitten in der Basilika anzuschauen ist.Wobei ebenso klar ist, dass gerade der Bezug des aktuellen Papstes in seiner Haltung und schon seiner Namenswahl verdeutlicht, dass die Kerngedanken des Franziskus von Assisi bis heute durchaus bewegend und mit Veränderungspotential vorhanden sind.Eine Spannung, die durchaus schon in der Person des Bettelmönches selber angelegt ist. Denn, anders als andere Reformbewegungen und durchaus in Kenntnis der Missstände in „seiner“ Kirche wollte Franziskus verbunden bleiben (und blieb es auch). Wie schon die Reise zu Beginn der Ordensgründung nach Rom zeigt, wo Franziskus die Erlaubnis des Papstes zum „neuen Weg der minderen Brüder“ einholen wollte (und bekam).„Franz von Assisi war kein Fanatiker. Er zügelte den Rebellen in sich, weil er wusste, ungerechte Verhältnisse ändern sich nur, wenn sich die Menschen ändern“. Und das geht besser „von innen“ als „von außen“. Mit der Folge eben, als Person in den letzten Lebensjahren den inneren Konflikt sehen und ertragen zu müssen. Zwischen seinem „Ideal“ und der „realen (Kirchen-) Welt“.Wie aber kam es überhaupt zu jener Wandlung im Leben des Franz von Assisi? Welche anderen Reformströmungen haben ihn beeinflusst? Was ist dran an so manchen Legenden, von den „Dreigefährten“ bis hin zu den „Stigmata“?Beim Anfang beginnt Decker und geht doch über eine reine äußere Beschreibung von Beginn an weit hinaus. „Vom Anfangen“ erhellt eben auch die inneren Entwicklungen, erzählt breit und flüssig von der Atmosphäre der Zeit, von der „neuen Religiosität der Städte“, von einer Zeit, in der „Umschwung“ in der Luft lag, individuelle Formen entstanden und die „harte Hand“ der Kirche zu spüren bekamen.Eine „Härte“, die auch innere Spannungen hervorrufen sollte im neuen „Orden der Minoriten“, bis hin zur Spaltung des Ordens 1517. Und in der inquisitorischen Wendung von „Franziskanern gegen Franziskaner“. Ein bis heute bestehender Hohn auf das, wofür Franziskus stand und steht.Interessant und kenntnisreich erzählt Decker die Lebensgeschichte, aber auch die Folgegeschichte der Wirkung dieses Lebens, erläutert die Adaption des „Heiligen Franziskus“ in innere Spannung zu den Idealen des „realen“ Franziskus und zeigt die Linien des Glaubens des Mannes aus Assisi bis hin die Befreiungstheologie Lateinamerikas auf und erstellt so, trotz dürftiger Quellenlage, ein „rundes“ und lesenswertes Bild des Lebens und der Wirkung des Franziskus von Assisi.

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