Gunther Geltinger Moor

(7)

Lovelybooks Bewertung

  • 7 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 3 Rezensionen
(5)
(0)
(1)
(1)
(0)

Inhaltsangabe zu „Moor“ von Gunther Geltinger

Wenn es gut läuft für den dreizehnjährigen Dion, wenn also seine Mutter hinreichend nah und die Grenze zwischen ihr und ihm gerade richtig gezogen ist, dann ist auch das Moor eine Landschaft voller Verheißungen. Dion wohnt seit dem Tod des Vaters, der Bauer war, allein mit seiner Mutter in einem norddeutschen Dorf, im letzten Gebäude hinter den Ställen. Morgens, wenn die Mutter ihr Bad im Moor nimmt, kann er den Wind in den Binsen hören. Aber wenn die Mutter, eine erfolglose Künstlerin, ihr Scheitern mit einer grenzüberschreitenden Liebe zum Sohn kompensiert, erlebt Dion das ganze Elend des zu früh erwachsen gewordenen.
Gunther Geltinger schont niemanden, nicht seine Figuren, nicht seine Leser. Er schildert das sexuelle Erwachen Dions, die tabletten- und alkoholsüchtige Mutter, die Grausamkeiten aus dem Dorf.

Das Moor spricht sprachgewaltig, einfühlsam und in gewisser Weite komisch! Unbedingt lesenswert!

— il_micha

Stöbern in Romane

Der Weihnachtswald

Absolut bezaubernde Geschichte zwischen Gegenwart und Vergangenheit

Petra1984

Das Papiermädchen

Einfach gut geschrieben. Ich mag den Autor einfach.

Aleena

Der gefährlichste Ort der Welt

Interessantes Thema mitreissend beschrieben, aber etwas klischeehaft

Lilith79

Leere Herzen

Ein innovativer Roman, der nur wenige Jahre in der Zukunft spielt und mit seinem Szenario eine bedenkliche Gesellschaftsstruktur prophezeit.

jenvo82

Die Schlange von Essex

Dieses Buch wirkt nach. Eine Leseempfehlung bekommt es von mir auf jeden Fall.

Lesesumm

Kleine Stadt der großen Träume

Fantastisch!

DeMonSang

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Von der Libelle und dem Rochen

    Moor

    Kyoshi

    03. October 2015 um 14:56

    Vier einhalb Jahre hat Geltinger an dieser Geschichte geschrieben und es ist unglaublich wie verstörend und erdrückend. Ich habe es eben erst zuende gelesen und fühle mich - ich kann es gar nicht anders beschreiben - schmutzig. Schmutzig, als hätte ich im Moor gebadet und als klebe mir die braune Masse am ganzen Körper. Zäh fühlt es sich an und schwer. Zur Sprache: Es gibt zwei Arten von Schriftstellern: Erzähler und Künstler. Geltinger ist ohne Zweifel zweiteres. Ich habe noch nie im Leben so eine Sprachgewalt erlebt, so viel Beobachtung, noch nie so lange Sätze gelesen (die über Seiten gingen!), die ich bald nicht einmal mehr verstanden habe. Ich fragte mich ganz oft: Was hat Geltinger gelesen, das er so schreiben kann?! Denn jeder Schreiber entwickelt seinen Stil aus Fetzen von dem was er gelesen hat. Das Buch ist bis zum Rand gefüllt und dicht gepackt mit Wörtern, Beschreibungen, Assoziationen, Ausschweifungen, und Metaphern, ja, unglaublichen Sinnbildern, Geltinger schreibt in Bildern, und doch ist nichts davon fehl am Platz. Und dann fragte ich mich auch: Was hat Geltinger gesehen und erlebt, das seinen Kopf mit all diesen Beschreibungen gefüllt hat? Unglaublich viel Zeit hat er sich für dieses Monstrum gelassen und das zurecht, ich habe großen Respekt und Ehrfurcht und hege große Sympathie dafür, dass er sich dem Thema mit vollem Einsatz gewidmet hat. So soll es immer sein! Nicht in einem Jahr einen halbherzigen Kommerz Roman hinklatschen für die Massen sondern ein Monstrum schaffen aus den Innereien des Moors und der Menschlichkeit. Er hat sich, wie er sagte, sehr intensiv mit dem Moor beschäftigt, hat 240 Seiten gebraucht um überhaupt darauf zu kommen, die Erzähl Perspektive seiner sogenannten "Seelenlandschaft" zu übergeben. Was für eine Leidenschaft, was für ein Autor! Er schreibt 240 Seiten, schmeißt sie mehr oder weniger weg und ändert die Perspektive, weil er nicht sich und Ruhm im Mittelpunkt sieht, sondern die Geschichte und nur, zum Geier noch mal, die Geschichte. "Ich habe gemerkt, dass ich die Geschichte nicht richtig erfasse", meinte er und tat das einzig richtige, er ließ sich Zeit, er passte sich an die Geschichte an, nicht andersherum und schuf ein Kunstwerk, ein Gemälde aus Worten, ja sogar die Zeitsprünge sind geschichtet wie das Moor; unfassbar. Und das ist eine weitere Besonderheit: Die Perspektive. Wir, die Leser, werden angesprochen mit "Du", wir sind Dion, und sprengt so alle Grenzen zwischen Leser und Protagonist. Sein Schmutz ist unser Schmutz, sein Elend ist unser Elend, seine Gefühle sind unsere Gefühle. Diese Perspektive ist äußerst selten und war auch einer der wichtigsten Gründe, weshalb ich dieses Buch überhaupt gelesen habe. Ich hatte genug von der auktorialen Sicht und die Ich-Perspektive hasse ich seit einiger Zeit schon über alle Maße. Geltinger macht in "Moor" Schluss mit menschlicher Egozentrik, er stellt die herzlose Natur in den Mittelpunkt und was rauskommt ist roh, das ist authentisch, das ist zerfleischend und erdrückend, niederschlagend und zermalmend und brutal wie die Natur selbst; im letzten Kapitel sagt es zu uns: "Keine Angst, ich werde dir nicht wehtun." und es ist einer der ergreifendsten Momente der Geschichte. Die personifizierte Natur tötet Dion in einem letzten Akt, einem brutalen Akt, der mit solcher Gleichgültigkeit und Sanftmut geschrieben ist, dass es mir den Boden unter den Füßen gerissen hat. Ich habe noch nie so eine wunderbare Beschreibung der Natur gelesen; brutal, herzlos, launisch und am Ende doch das, was uns alle am Leben hält, Mutter Natur, die Nährende, die Brutale, die Fordernde, vielleicht auch Dions Mutter. Es ist schlicht und ergreifend Kunst, was Geltinger uns hier gegeben hat und sein Buch lebt von dieser Sprache. Übersetzer werden vermutlich extreme Schwierigkeiten haben, dieses Sprachmonstrum in eine andere Kleidung, eine andere Sprache zu stecken. Zum Inhalt kann ich nicht viel sagen, nur, dass Dion mir unendlich leid getan hat und ich mit jeder Seite den innigen Wunsch versprürte, dass Marga qualvoll stirbt. Es ist die Geschichte eines Jungen, der tatsächlich ohne Vater und praktisch ohne Mutter aufwächst, denn was dieses "Muttertier" an Mütterlichkeit gibt, ist nichts als Verantwortung für ihren schlechten Zustand; Dion lernt, dass er an allem Schuld ist, erlebt eine Kindheit, die keine ist, weil er zu früh erwachsen sein muss um sich um seine elende Mutter zu kümmern. Was sie ihm seelisch und körperlich abverlangt ist kaum zu ertragen, dieser Charakter wiedert mich an und ich wünschte, Geltinger hätte sie qualvoll sterben lassen. Aber das gehört zur Geschichte: Die Verantwortung verfolgt einen überallhin, sie klebt an einem, sie überfällt einen nachts, sie ist gierig und reißt einen aus der Kindheit, sie will und will und will und gibt nichts. Geltinger schafft sehr realistische Personen, es gibt keine Statisten, es gibt tatsächlich nur Personen und auch das ist bewundernswert. Und am Ende der Geschichte ertrinkt der Junge in einem Meer, was unheimlich, wiederlich und großartig von der Natur beschrieben wird und das ich leider noch immer nicht richtig interpretieren konnte. Gesamteindruck: Ein verwirrendes, unheimliches und perfekt umgesetztes Kunstwerk über die Kindheit, Einsamkeit, abgründige Liebe, Schuld, Elend und Schmutz, das mir etwas in die Magengrube geschlagen hat. Ebenso, wie Geltinger sich die Mühe gemacht hat, das Buch zu schreiben, sollte man sich die Mühe geben, sich damit zu befassen, es ist es wert. Zarte Gemüter, haltet euch fern!

    Mehr
  • Das Moor ist gar nicht so düster ...

    Moor

    il_micha

    15. December 2014 um 16:24

    Gunter Geltinger lässt das Moor sprechen und macht dies auf eine sprachlich und thematisch einmalige Weise. Sein Sprachgefühl ist grandios und hat mich direkt in die Geschichte hineingezogen. Auf den ersten Blick scheint das Buch eine düstere Abhandlung einer Dorfgeschichte zu sein und auch das Cover verspricht eine dunkle Geschichte. Doch das Moor ist gar nicht so düster, es finden sich immer wieder kleine, komische Anekdoten und Erzählweisen, die das Buch so lesenswert macht! Geltingers Protagonist spricht kaum, stottert viel. Von dieser Sprachlosigkeit ist im Buch aber nichts zu spüren, denn das Moor übernimmt für Dion das Sprechen und baut Sätze, die wunderschön sind. Geltingers Moor erzählt nicht nur eine spannende Geschichte, sondern er erzählt diese so sprachgewandt, dass es einfach Spaß macht, dieses Buch zu lesen! 

    Mehr
  • Mit diesem Buch hat Gunther Geltinger gezeigt, dass er ein großer Schriftsteller werden kann

    Moor

    WinfriedStanzick

    13. January 2014 um 10:26

      Am Ende meiner Rezension zu Gunther Geltingers Debütroman „Mensch Engel“ im  Jahr 2009 schrieb ich:   „Gunther Geltinger ist ein furioser Auftakt gelungen, doch man hat erhebliche Zweifel, ob er noch einmal diese Kraft aufbringen wird für ein Buch, vielleicht auch mal eines außerhalb seiner ghettoartigen Existenz. Er hat viel in Schwulenzeitschriften veröffentlicht, doch ich wünschte mir ein Buch, in dem diese Thematik einmal nicht endlos variiert wird.“   Er hat sich für seinen zweiten Roman viel Zeit genommen und wieder variiert er das Thema Homosexualität, doch er hat es eingebettet in eine Geschichte, die er erzählen lässt vom Moor. An dessen Rand nämlich wächst der 13- jährige Dion Katthusen mit seiner psychisch erheblich gestörten Mutter Marga auf. Immer wieder während der Kindheit von Dion übertritt seine Mutter die Grenzen einer für das Kind gesunden Eltern-Kind-Beziehung, bis hin zum  sexuellen Missbrauch.   Dion wächst auf in einer von Geltinger brillant beschriebenen, engen, geradezu gespenstischen Atmosphäre, aus der ihm jedoch erste Schritte eines Ausbruchs gelingen. Er entdeckt sowohl seine Liebe zur Pfarrerstochter als auch seine ersten homosexuellen Neigungen.   Mit einer kräftigen und bildreichen Sprache, in der sich der Erzähler und das Erzählte kunstvoll abwechseln, verknüpft Geltinger immer wieder geschickt die Ebenen von Realität und Traum.   Dion kann, weil er stottert, nur in sich selbst zur Sprache kommen. Deswegen lässt Geltinger das Moor erzählen über den Zeitraum eines ganzen Jahres.   Doch irgendwann kommt der Leser zu einer Stelle, wo es unklar und unsicher wird, ob sich das alles so zugetragen hat, oder alles doch ganz anders war.   Ein Roman voller faszinierender Naturbeschreibungen. Ein Buch über Depression, Sucht und Missbrauch, über erwachende jugendliche Sexualität und um soziale Ausgrenzung von Menschen, die anders sind.   Mit diesem berührenden Buch hat Gunther Geltinger gezeigt, dass er ein großer Schriftsteller werden kann.        

    Mehr
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks