Luis ist ein großer pelziger Bär, der gerne Lieder auf seiner Gitarre spielt und rundum zufrieden mit seinem Leben ist. Pablo ist ein kleiner pelziger Maulwurf, der eher negativ eingestellt ist, sein Leben im Großen und Ganzen aber ziemlich okay findet. Die beiden sind die besten Freunde und leben gemeinsam im Irgendwo. Zusammen wandern sie durch die Natur, essen Kiefernzapfenbrei und genießen ihre Ruhe. Doch dann beginnt sich Luis zu fragen, ob das wirklich alles ist. Hat das Leben nicht vielleicht noch mehr zu bieten? Als Luis eines Tages zwei Karten für das Theaterstück „Die müde Meerjungfrau“ in der großen Stadt gewinnt, erwacht in ihm die Reiselust. Er ist fest entschlossen, sich auf den Weg in die große Stadt zu machen. Diese ist jedoch sehr weit weg. Und die anderen Waldtiere erzählen ihm die verrücktesten Geschichten darüber. Angeblich soll es in der großen Stadt Zombiehühner geben! Luis lässt sich von seinem Vorhaben aber nicht abbringen und kann schließlich auch seinen mürrischen Freund Pablo davon überzeugen, ihn zu begleiten. Eine lange und abenteuerliche Reise beginnt.
Bei diesem Buch war sehr schnell klar, dass es bei mir einziehen muss. Das Cover hat mich direkt angelacht und der Klappentext tat dann sein Übriges. Es war mein erstes Werk von Gus Gordon und sicherlich nicht mein letztes.
Gus Gordon hat hier einen bezaubernden Kindercomic geschaffen, an dem man auch als Erwachsener seine helle Freude hat. Warmherzig und mit feinem Humor erzählt der australische Künstler die Geschichte seiner zwei pelzigen Hauptfiguren, die unterschiedlicher kaum sein könnten. In gewisser Hinsicht erinnern die beiden an Ernie und Bert aus der Sesamstraße: Während Luis naiv und lebensfroh ist, kommt Pablo ziemlich griesgrämig und pessimistisch daher. Die Zwei bilden ein herrlich ungleiches Gespann, das man einfach lieben muss. Pablo wirkt auf den ersten Blick zwar eigentlich nicht so sympathisch, mit seinen ständigen, wenig schmeichelnden Bezeichnungen für seinen Freund wie „Spinner“ oder „Erbsenhirn“ – aber man spürt dennoch sehr, wie gern sich die beiden haben. Ihre ungewöhnliche und tiefe Freundschaft erwärmt einem so richtig das Herz und zaubert einem immerzu ein Lächeln ins Gesicht. Es macht total viel Spaß, das Duo auf seiner abenteuerlichen Reise zu begleiten, die voller Verrücktheiten und Tiefgang steckt. Auf der einen Seite haben wir die wunderbaren schrägen Figuren (Ray, eine Art brauner Yeti, ist einfach großartig!). Auf der anderen Seite greift die Graphic Novel tiefgründige Themen auf wie die Bedeutung von Zuhause, die Sehnsucht nach dem Unbekannten, Glück und Lebenszufriedenheit. Die Kombi aus skurrilem Witz und nachdenklichen Tönen hat genau meinen Geschmack getroffen, allerdings bin ich mir nicht sicher, wie dieser Comic bei Kindern ankommen wird. Für jüngere Leser*innen könnte der subtile Humor vielleicht nicht immer sofort verständlich sein und die Handlung zu wenig actionreich. Nichtsdestotrotz ist „Irgendwo ist Anderswo“ ganz bestimmt ein Buch, das auch jüngere Leser*innen gerne in die Hand nehmen. Durch die sehr überschaubare Textmenge ist es ideal für Erstleser*innen geeignet, sorgt aber auch als Vorlesebuch für wundervolle gemeinsame Lesemomente.
Die Illustrationen von Gus Gordon sind ein ganz besonderer Genuss – warm, stimmungsvoll und farbenfroh und voller liebevoller Details. Mal großflächig, mal in mehreren Panels pro Seite entführen seine Bilder in idyllische Waldlandschaften, zeigen eine große, geschäftige Stadt und schaffen eine gemütliche Atmosphäre, in der man sich stundenlang verlieren kann.
Fazit: „Irgendwo ist Anderswo“ ist eine humorvolle und feinsinnige Geschichte über Freundschaft, Fernweh, Lebensglück und den Mut, seine Komfortzone zu verlassen. Eine entzückende und wunderschön gestaltete Graphic Novel ab 8 Jahren mit liebenswert-schrulligen Charakteren, die das Leserherz im Sturm erobern. Also mir, als Erwachsene, hat dieser süße Tiercomic großen Spaß gemacht, ich kann ihn nur empfehlen, vor allem Fans von Janoschs „Oh, wie schön ist Panama“. Von mir gibt es 4,5 hier gerundet auf 5 von 5 Sternen.
Gus Gordon
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Neue Bücher
Alle Bücher von Gus Gordon
Herman und Rosie
Irgendwohin oder der Tag, an dem George das Fliegen lernte
Flaschenpost für Ferdinand
Olga, die mutigste Kuh der Welt
Irgendwo ist Anderswo
Der allerbeste Platz
Herman and Rosie
Neue Rezensionen zu Gus Gordon
In dem Buch "Irgendwo ist Anderswo" von Gus Gordon erzählt der Autor mit so viel Wärme von Freundschaft, Heimweh, großen Emotionen und dem Mut, sich auf eine Reise ins Unbekannte einzulassen. Man schließt die Figuren ab der ersten Seite ins Herz. Es geht um das Gefühl, irgendwo dazuzugehören, aber auch um das Fernweh und die Frage, was "Zuhause" eigentlich bedeutet.
Die Mischung aus Graphic-Novel, schönen Illustrationen und Collagenelementen ist so voller liebevoller Details, dass man auf jeder Seite hängen bleibt. Die Sprache ist einfach, aber tiefgründig und genau auf den Punkt gebracht.
Es ist ein Buch, das beim gemeinsamen Vorlesen echte Gesprächsanlässe über Gefühle schafft, weshalb es 4,5 von 5 Punkten von mir bekommt.
Alice wohnt bei ihrer Großmutter in Paris und genießt ihr Leben mit Bilder malen, Bücher lesen, über den Markt schlendern und mit Crème brûlée. Doch irgendwie fehlen Alice Gleichaltrige und so schreibt sie eine Flaschenpost, die sie in den Fluss wirft.
Diesen Fluss erkennen wir als Erwachsene schnell als Seine und die Stadt, die immer wieder im Hintergrund zu sehen ist, als Paris. Spannend, dass ich noch nie dort war und ich die Architektur trotzdem gleich zuordne. Vielleicht liegt das auch an so zauberhaften Kinderbüchern wie diesem hier, weil wir damit schon früh lernen, Dinge einzuordnen. Der Ort Paris gibt Alice' Geschichte ein ganz eigenes Flair, dazu kommen französische Versatzstücke auf Bücherrücken oder bei Ladenschildern. Hier gefällt mir, dass nicht alles komplett übersetzt wurde, weil auch so Kindern ein Gefühl für eine andere Sprache und Kultur bekommen.
Diese Geschichte ist nicht ganz realistisch zu lesen: Auf magische Weise kommt die Antworten von Ferdinand auf Alice' Brief immer wieder genau zu Alice zurück. Das Leben hält Schicksalsschläge bereit und als Alice' Oma nicht mehr da ist, wird sie so traurig, dass sie nicht mehr schreibt. Zwei Aspekte fand ich etwas schade: Die quasi magische Flaschenpost fand ich toll und es wird sogar damit gespielt, dass Alice und Ferdinand nie sagen, wo sie wohnen. Aber da wäre eine Suche für die Reise zu Ferdinands Leuchtturm dann später noch hübscher gewesen, als dass sie einfach dort hinfahren können. Und ich fand schade, dass Alice Ferdinand nicht erklärt, warum sie sich so lange nicht gemeldet hat. Da hätte die Trauer nochmal gut ausgesprochen werden können, besonders Ferdinands Trauer, denn wir sehen ja, dass er leidet, weil sich Alice nicht mehr bei ihm meldet.
Eine charmante Freundschaftsgeschichte, die mir besonders wegen des Pariser Savoir-vivre sehr gut gefallen hat. 4,5 von 5. Sternen.
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