Gusel Jachina

 4 Sterne bei 116 Bewertungen
Autorin von Suleika öffnet die Augen, Wolgakinder und weiteren Büchern.
Autorenbild von Gusel Jachina (© Basso Cannarsa_elkost.com / Quelle: Aufbau-Verlag)

Lebenslauf von Gusel Jachina

Die russische Autorin Gusel Jachina kommt 1977 in Kasan, Tatarstan zur Welt. Sie studierte Germanistik und Anglistik und arbeitete danach zunächst in der Werbung, wo sie nebenbei auch erste Artikel schrieb. Ihr schriftstellerisches Debüt, „Suleika öffnet die Augen“, erschien 2017 auf Deutsch. Jachina ist unter anderem Preisträgerin des Das-große-Buch-Preises 2015, der nach dem Literatur-Nobelpreis der zweitgrößte Literaturpreis der Welt ist.

Neue Bücher

Cover des Buches Wo vielleicht das Leben wartet (ISBN: 9783351038984)

Wo vielleicht das Leben wartet

 (8)
Neu erschienen am 16.08.2022 als Gebundenes Buch bei Aufbau.

Alle Bücher von Gusel Jachina

Cover des Buches Suleika öffnet die Augen (ISBN: 9783746634517)

Suleika öffnet die Augen

 (63)
Erschienen am 09.11.2018
Cover des Buches Wolgakinder (ISBN: 9783746638065)

Wolgakinder

 (37)
Erschienen am 12.04.2021
Cover des Buches Wo vielleicht das Leben wartet (ISBN: 9783351038984)

Wo vielleicht das Leben wartet

 (8)
Erschienen am 16.08.2022
Cover des Buches Suleika öffnet die Augen (ISBN: B01MSBIINH)

Suleika öffnet die Augen

 (8)
Erschienen am 17.02.2017
Cover des Buches Wolgakinder (ISBN: B07VJMLPYT)

Wolgakinder

 (0)
Erschienen am 16.08.2019

Neue Rezensionen zu Gusel Jachina

Cover des Buches Wo vielleicht das Leben wartet (ISBN: 9783351038984)mimitati_555s avatar

Rezension zu "Wo vielleicht das Leben wartet" von Gusel Jachina

Ein Mensch sein
mimitati_555vor 9 Tagen

Der ehemalige Soldat Dejew bekommt den Befehl, fünfhundert Kinder von Kinderheimen und Sammelstellen abzuholen und mit dem Zug von Kasan nach Samarkand zu bringen, um diese vor dem Hungertod zu bewahren. Dieser Auftrag ist ungewöhnlich für Dejew, der trotz seines jungen Alters bereits im Bürgerkrieg gekämpft hat, denn bisher transportierte er Waren und keine Personen, geschweige denn elternlose Kinder. Es ist das Jahr 1923, es herrscht große Hungersnot im Wolgagebiet, genauso wie im restlichen Land. Die Reise steht unter keinem guten Stern, denn es fehlt alles, was man auf einer solchen Reise benötigt. Dejew nimmt die Herausforderung an und kommt schon bald an seine Grenzen.

„Dejew war ein einfacher Mann und liebte einfache Dinge. Zum Beispiel, wenn einer die Wahrheit sagte. Wenn die Sonne aufging. Wenn ein unbekanntes Kind ihm ein sattes, sorgloses Lächeln schenkte. Wenn Frauen sangen, oder auch Männer. Er liebte Alte und Kinder, er war ein Menschenfreund.“ (Seite 91)

Dieses ungewöhnliche Buch lässt mich erschüttert zurück. Ich habe bereits oft am Rande über die Hungersnot in der Sowjetunion gelesen, mich aber nie mit dem Thema beschäftigt. Hier vermischt die Autorin Realität und Fiktion, wodurch eine ergreifende Geschichte entsteht, die so ähnlich tatsächlich passiert sein könnte. Die fremdländischen Namen und Bezeichnungen im Buch wurden nicht alle übersetzt oder erklärt, dies war aber auch nicht nötig. Daneben gab es zudem viele verschiedene Bevölkerungsgruppen, von denen ich noch nie gehört habe, aber auch diese Fülle erschwerte mir die Lektüre nicht. Die Autorin hat eine unglaubliche Gabe, so zu erzählen, dass diese Dinge zwar auffallen, aber den Lesefluss nicht behindern. Hier muss ich aber zusätzlich ein Kompliment an den Übersetzer aussprechen, der großartige Arbeit geleistet hat.

Dejew ist die Hauptperson im Buch, aber da gibt es noch die Kinderkommissarin und Kinder, deren Sicht ich kennenlernen durfte. Dies war, besonders was die Kinder angeht, sehr emotional und stellenweise schwer zu ertragen, weil viele Erlebnisse zwar kindlich und unschuldig vorgetragen wurden, dadurch aber umso schwerer wogen. Es ist ein Unterschied, ob ein Erwachsener oder ein Kind beschreibt, wie ein Toter aussieht, besonders, wenn das Kind nicht wirklich versteht, was das tatsächlich heißt. Diese  und anderen Beschreibungen haben mich oft an meine Grenzen gebracht, aber auch das Leid der Kinder und der Umgang mit ihnen haben dazu geführt, dass ich das Buch oft auf die Seite legen und mich förmlich sammeln musste. Auf der anderen Seite gab es aber viele Momente der Hoffnung und des kleinen Glücks, wenn etwa Hilfe erfolgte von einer Seite, von der man es nicht mal hätte erträumen dürfen. Auch der Einfallsreichtum und die Findigkeit von Dejew, der einfach nicht müde wurde, für diese ihm völlig fremden Kinder sein Leben aufs Spiel zu setzen, entlockte mir oft ein Lächeln und, so kitschig es auch klingt, bewirkte eine Wärme im Herzen.

„Vielleicht können wir die Welt tatsächlich so drehen, wie wir es wollen? So verstehen, wie wir es wünschen?“ (Seite 399)

Ein wunderbares Buch über Hoffnung, Menschlichkeit und Liebe und darüber, was es heißt, ein Mensch zu sein. Eine Zeitreise in die Vergangenheit, die mir wieder einmal vor Augen führt, zu was ein Mensch fähig ist, wenn er nur will. Oder auch nicht. Von mir gibt es fünf Sterne mit Sternchen und eine Leseempfehlung.

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Cover des Buches Wo vielleicht das Leben wartet (ISBN: 9783351038984)sursulapitschis avatar

Rezension zu "Wo vielleicht das Leben wartet" von Gusel Jachina

Taschentücher erforderlich
sursulapitschivor einem Monat

Für dieses Buch sind Taschentücher erforderlich. Hier lernt man, was das Wort „Hungersnot“ wirklich bedeutet, wie schrecklich und gnadenlos Hunger ist.

In großen Teilen Russlands herrschte 1922 eine grauenhafte Hungersnot, weil die neue kommunistische Regierung nicht in der Lage war, die Versorgung eines so riesigen Landes zu organisieren.

Aus Verzweiflung wurden wenigstens ein paar Kinder evakuiert. 500 elternlose Kinder sollten mit einem Zug von Kasan nach Samarkand gebracht werden, über 4000 Kilometer weit weg, weil es in Turkistan warm ist und weil es da jede Menge Lebensmittel gibt, hieß es.

Nur lässt sich so ein Zug nicht besonders komfortabel ausstatten, wenn ringsherum Mangel an allem besteht. Woher soll man Proviant für mehrere Wochen Fahrt für 500 Kinder auftreiben? Es gibt keine Kleidung, keine Decken, keine Seife und auch nicht immer Wasser.

Gusel Jachina erzählt hier von der irrwitzigen Reise dieses Zuges. Es liest sich wie ein aufregendes Abenteuer mit grausigem Hintergrund. Zugführer Dejew begibt sich verzweifelt in eine Gefahr nach der nächsten, um die Weiterfahrt des Zuges möglich zu machen und trifft immer wieder unerwartet großherzige und hilfreiche Menschen.

Dieses Buch ist originell und anrührend und schafft es, mit Gefühl und Humor ein schlimmes Kapitel russischer Geschichte zu erzählen. Es erzählt so lebendig, dass man versucht ist, sich beim Lesen nach Flöhen abzusuchen. Es hat skurrile, traurige und schaurige Momente, aber auch Witz und ganz viel Herz. Ein paar Längen hat es auch bisweilen, das schmälert den großartigen Gesamteindruck aber kaum. 

Kommentare: 1
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Cover des Buches Wo vielleicht das Leben wartet (ISBN: 9783351038984)SanneLs avatar

Rezension zu "Wo vielleicht das Leben wartet" von Gusel Jachina

Beeindruckend
SanneLvor 2 Monaten

500 elternlose Kinder sollen 1923 in Kasan vor dem Hunger- und Kältetod gerettet und mit einem Zug nach Samarkand gebracht werden. Dejew, ehemaliger Rotarmist, wird diese Mission leiten. An seiner Seite agiert die strenge und rigorose Belaja.

Es fehlt an allem: an Kleidung, Proviant, Heizmaterial für die Lokomotive, Seife, Medikamenten. Nicht einmal Schuhe gibt es. Es sind mehr Kinder als die vorgegebene Anzahl, viele sind krank und eigentlich auch zu klein für die strapaziöse Fahrt. 

Dejew engagiert sich unermüdlich, organisiert, droht, bettelt, geht ungewöhnliche Wege und kämpft um jedes einzelne Leben. Mit viel Herz kümmert er sich um die ihm anvertrauten Kinder. Auf dieser ganz besonderen Reise gibt es zahlreiche Begebenheiten, die dem Leser Tränen in die Augen treiben. Die Kinder sind hart im Nehmen, machen das beste aus der Situation. Allein ihre selbstgewählten Namen! Ihre Eheschließungen! 

Dejews Mitgefühl und Verständnis setzt allerdings für Erwachsene oft aus. Deren Schicksal ist meist nicht minder erbärmlich.

Ein emotional mitnehmender Bericht über unglaubliche Not, Armut, Verzweiflung, Fieberphantasien und entsetzliches Elend. Aber es wird auch von großer Menschlichkeit, Opfermut und unerschütterlichem Optimismus erzählt. Und über sozialistische Idealgestalten.  Die dieser „Sozialismus“ nicht verdient hatte. Ein unmenschliches, korruptes und schlecht organisiertes System. 

Beeindruckender, schwer zu ertragender und doch sehr lesenswerter Roman von Gusel Jachina, verlegt vom Aufbau Verlag. 

Kommentare: 2
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Gespräche aus der Community

Autoren oder Titel-Cover
„Gusel Jachina fesselt ihre Leser von der ersten bis zur letzten Seite.“ Neue Zürcher Zeitung

In der Weite der Steppe am Unterlauf der Wolga siedeln seit dem achtzehnten Jahrhundert Deutsche.1916 führt Jakob Bach in dem kleinen Dorf Gnadental ein einfaches Leben als Schulmeister, das geprägt ist von den Rhythmen der Natur. Sein Leben ändert sich schlagartig, als er sich in Klara verliebt, eine Bauerntochter vom anderen Ufer der Wolga. Doch ihre Liebe kann sich den Ereignissen nicht entziehen, die die Revolution und die Gründung der Deutschen Republik an der Wolga mit sich bringen. 

Hier zur Leseprobe:  https://www.aufbau-verlag.de/media/Upload/leseproben/9783351037598.pdf

Erscheinungstermin: 16.08.2019

Über Gusel Jachina

Gusel Jachina, geboren 1977 in Kasan (Tatarstan), russische Autorin und Filmemacherin tatarischer Abstammung, studierte an der Kasaner Staatlichen Pädagogischen Hochschule Germanistik und Anglistik und absolvierte die Moskauer Filmhochschule. Ihr erster Roman “Suleika öffnet die Augen“ wurde in 31 Sprachen übersetzt. Mit „Wolgakinder“, bisher in 14 Sprachen übersetzt, legt die international erfolgreiche Autorin ihren zweiten Roman vor. Gusel Jachina lebt mit ihrer Familie in Moskau.

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329 BeiträgeVerlosung beendet
Corsicanas avatar
Letzter Beitrag von  Corsicanavor 3 Jahren

Auch von mir einen herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar.

Die Autorin kann wunderschön schreiben - ein anderes Buch von ihr wurde auch hochgelobt - allerdings konnte mich dieses Buch inhaltlich nun so gar nicht überzeugen. Mir war es zu surreal - abgehoben - märchenhaft. Ich hatte ganz andere Erwartungen, ich dachte, es ist ein sprachlich hochwertiger historischer Roman.

Meine Erwartungen waren wohl falsch. Schade. Interessant war es , in dieser Leserunde festzustellen, dass einerseits viele andere Leser*innen auch etwas anderes erwartet hatten und enttäuscht waren - andererseits auch viele vom Buch begeistert waren. Vielleicht braucht man für dieses Buch viel Muße und eine Lese-Einstellung ohne bestimmte Erwartungen an den Inhalt.

Hier meine Rezi - ich werde sie nicht so sehr weit streuen - denn vielen hat das Buch auch gefallen - und ich will keinen verschrecken.

https://www.lovelybooks.de/autor/Gusel-Jachina/Wolgakinder-2028444761-w/rezension/2311914100/?selektiert=2311913263

Zusätzliche Informationen

Gusel Jachina wurde am 01. Juni 1977 in Kasan (Russland) geboren.

Community-Statistik

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