Suleika öffnet die Augen

von Gusel Jachina 
4,2 Sterne bei35 Bewertungen
Suleika öffnet die Augen
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Schmiesens avatar

Blieb leider weit hinter meinen Erwartungen zurück. Wozu diese abstruse Liebesgeschichte, und warum so emotionslos und trocken? Schade!

Christine2000s avatar

Taiga, Gulag, Zeitgeschichte. Großartig!

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Inhaltsangabe zu "Suleika öffnet die Augen"

„Dieser Roman trifft mitten ins Herz.“ Ljudmila Ulitzkaja.

Suleika ist eine tatarische Bäuerin. Eingeschüchtert und rechtlos lebt die Mutter von vier im Säuglingsalter gestorbenen Kindern auf dem Hof ihres viel älteren Mannes. Ihr Weg zu sich selbst führt durch die Hölle, das Sibirien der von Stalin Ausgesiedelten. Ein anrührendes und meisterhaftes Debüt, das in 21 Sprachen übersetzt ist.

Vielfach preisgekrönt, u.a. als Großes Buch 2015 und mit dem Jasnaja Poljana-Preis 2015.

„Für mich bleibt es ein Rätsel, wie es einer so jungen Autorin gelungen ist, ein so eindringliches Werk zu schaffen.“ Ljudmila Ulitzkaja.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783351036706
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:541 Seiten
Verlag:Aufbau Verlag
Erscheinungsdatum:17.02.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 17.02.2017 bei Audible GmbH erschienen.

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    Schmiesens avatar
    Schmiesenvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Blieb leider weit hinter meinen Erwartungen zurück. Wozu diese abstruse Liebesgeschichte, und warum so emotionslos und trocken? Schade!
    Suleika ließ mich kalt

    Suleika führt mit ihrem Mann Murtasa und dessen Mutter ein entbehrungsreiches, hartes Bauernleben im russischen Tatarstan. Sie wird täglich gedemütigt und unterdrückt, doch als die "Rote Horde" einfällt, Murtasa tötet und sie als Kulakin deportiert, verschlechtert sich ihre Lage noch weiter. Eine Odyssee in die Tiefen Russlands beginnt, bis hin zu den unbewohnten Gebieten mitten in der Taiga.


    An dieses Buch von der tatarischen Autorin Gusel Jachina hatte ich hohe Erwartungen. Es wird als erschütternd, eindringlich und hochemotional gelobt, gewann in Russland den Preis als Großes Buch. Davon konnte ich beim Lesen leider nicht viel spüren. Die anfänglichen Szenarien im Dörfchen Julbasch irgendwo in Tatarstan haben mir stellenweise zwar das Blut in den Adern gefrieren lassen, so kalt und unbarmherzig war Suleikas Leben dort, doch diese erzählerische Dichte verliert sich in dem Moment, als Suleika abtransportiert wird. Weder litt ich im Gefängnis mit ihr, noch auf dem endlos dauernden Transport, noch in der Taiga.

    Das mag zu großen Teilen daran gelegen haben, dass Suleika und ihr Schicksal oft in den Hintergrund getreten sind. Die Autorin hat sich dafür entschieden, auch andere Personen in den Fokus zu setzen, allen voran Iwan Ignatow, der Kommandant des Lagers, aber auch Wolf Leibe, den deutschstämmigen Frauenheilkundler und Chirurgen. Stellenweise habe ich mich gefragt, warum das Buch nicht "Ignatow öffnet die Augen" heißt. Leider habe ich mich so immer weiter von Suleika entfernt, sie war irgendwann nicht mehr als eine Randfigur. 

    Merkwürdigerweise war Suleikas Schicksal an vielen Stellen vorhersehbar. Von so einem Roman hätte ich mir irgendwie eine ausgefeiltere Handlung mit mehr Überraschungsmomenten erhofft. Zwei Dinge sind mir hierbei besonders negativ aufgefallen: Erstens die ungeschickt dargestellte Liebesgeschichte zwischen Suleika und Ignatow (urgh, das hätte es wirklich nicht gebraucht!), die sich auf dem Niveau eines schlechten Jugendromans abspielt, und den wundersamen Zufall, dass sich der Gynäkologe Leibe auf demselben Transport befindet wie die schwangere Suleika. Das war doch etwas zu viel des Guten. Der Doktor war zwar durchaus ein Sympathieträger, doch eine Passage, die über ihn erzählt wurde, hat bei mir für großes Befremden gesorgt (eine Art Ei stülpt sich nach und nach über seinen Körper, sodass er nur noch das Schöne im Leben wahrnimmt - eine Art selbstgewählte Demenz, die er dann aber plötzlich abwirft).

    Insgesamt waren zu viele Szenen dabei, die mich abgestoßen haben, beispielsweise als Suleika ihre Freude beschreibt, wenn ihr kleiner Sohn sie anpinkelt und sie dann den nassen Fleck und den Penis ihres Kindes küsst. Warum, Frau Jachina, warum? Da entsteht bei mir keine Emotion, sondern einfach nur ein angeekeltes Schaudern. Und warum wird das Leben im Exil, im russischen Nichts, irgendwann fast wie eine Befreiung, eine Emanzipation dargestellt? Nur, weil Suleika jetzt arbeiten darf (muss!) wie ein Mann? Diese Botschaft finde ich sehr fragwürdig!

    Keines der Themen, weder das des Vertrieben- noch das des Mutterseins, wurde auch nur annähernd so behandelt, wie ich es mir erhofft und erwartet hatte. Die Figuren blieben mir allesamt fremd, ihr Schicksal war mir unwichtig. Als Unterhaltungsbelletristik taugt das Buch allemal, zumal es sich auch sehr flott lesen lässt, aber in die Riege großer Literatur gesellt es sich ganz sicher nicht. Schade, ich bin enttäuscht!
    PS: Nicht einmal ein schönes Zitat für den Beginn meiner Rezension konnte ich finden...

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    Christine2000s avatar
    Christine2000vor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Taiga, Gulag, Zeitgeschichte. Großartig!
    Ein Meisterwerk

    Gusel Jachina ,die Autorin dieses Jahrhundert- Buches, ist laut Beschreibung tatsächlich die Enkelin einer echten Tartarin. Und diesen persönlichen Bezug merkt man der einfühlsamen Beschreibung der Hauptprotagonistin auch an. Ich finde es einfach unglaublich, wie lakonisch und doch eindrucksvoll lebendig die ungebildete Bäuerin Suleika ihr Leben als quasi Leibeigene erduldet, aber auch meistert. Zuerst „gehört“ sie ihrem derben Mann und dessen hundertjähriger, grausamer Mutter, die durchaus Züge einer bösen Märchenhexe trägt. Später, nachdem sie im Rahmen der sogenannten „Entkulakisierung“ ins Gulag nach Sibirien deportiert wird, ist sie Eigentum des kommunistischen Moloch, der mit seinem Menschenmaterial nach Gutdünken verfährt. Das ist so aberwitzig gefühllos, gleichzeitig aber so echt geschildert, dass es wie ein völlig aus der Zeit gefallenes Konstrukt wirkt. Einerseits sind die Verbannten in der Taiga völlig von der Umwelt abgeschnitten, andererseits müssen sie ein willkürlich festgesetztes Plansoll erfüllen, das vollkommen unnötig zu Not, Mangel und ständigem Überlebenskampf führt. Es war oft sehr schwer zu ertragen, das zu lesen. Umso wunderbarer ist, dass es der zarten Suleika in all ihrer sturen Beharrlichkeit und Naivität gelingt, sich auf ihre ganz eigene Art, ein fast selbstbestimmtes Leben aufzubauen und dabei auch noch einen Sohn aufzuziehen. Das ambivalente Verhältnis zum Kommandanten des Lagers, der auf seine Art ebenso ein Gefangener des Systems ist, hat sowohl herzzereissend poetische und gleichzeitig dramatische Züge. Die Story bietet einfach alles. Eine anrührende Liebesgeschichte, ein packendes Sozialdrama, Zeitgeschichte und Sittengemälde. Der Sprachstil ist dabei so klar und prägnant, so ganz eigen elegant und schnörkellos, dass es eine wahre Freude war, den Text sowohl als Hörbuch zu erfahren, als auch als Print zu lesen. Für mich ist Gusel Jachina eine der ganz großen Entdeckungen und eines großen Literaturpreises mehr als würdig. Ich bin begeistert.

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    Caro_Lesemauss avatar
    Caro_Lesemausvor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Mehr emotionale Tiefe hätte der Geschichte gut getan - insgesamt aber dennoch ein beeindruckendes Debüt
    Ein erzwungener Neuanfang in Sibirien

    Die Protagonistin Suleika führt ein sehr einfaches Leben als tatarische Bäuerin mit ihrem viel älteren Ehemann Murtasa und der tyrannischen Schwiegermutter. Nachdem Soldaten ihren Ehemann töten, wird sie enteignet und verschleppt. Die lange Reise führt wochenlang im eng bepackten Zug durch Russland, bis die wenigen Überlebenden schließlich in Sibirien ankommen. Nur mit einigen Fuchsschwänzen ausgestattet muss die Gruppe eine neue Siedlung bauen und den sibirischen Winter überleben. Nach einiger Zeit wird daraus ein Arbeitslager, dem immer wieder neue Menschen zugeführt werden.


    Der Klappentext in Verbindung mit dem Titel hatte bei mir andere Erwartungen geweckt. Ich dachte, Suleika erkennt ihre schwierige Situation und wird versuchen, vor ihrem Ehemann zu fliehen und ein neues Leben beginnen, da am Anfang auch beschrieben wird, wie sie Essen versteckt. Doch es kam ganz anders. Die Reise im viel zu kleinen Zug, die eher einem Viehtransport gleich kam, war eindrücklich beschrieben. Auch die Gewissensbisse des Kommandanten, der Essen und Wasser für die "Entkulakisierten" abzweigte und gleichzeitig den unnachgiebigen Soldaten mimen musste, fand ich glaubwürdig. Schwieriger wird es beim Lagerleben. Der Anfang ist eindrücklich beschrieben mit der andauernden Suche nach Holz, kaum zu essen, körperliche Schwäche und dennoch das immer weitere Antreiben zur Arbeit. Danach flachte die Handlung sehr ab. Im Lager geschah nicht wirklich etwas Aufregendes. Die Siedler der ersten Stunden schienen in verhältnismäßig guten Positionen zu sein. Aus meiner Sicht wurde das dem Leben in einem solchen Arbeitslager in Sibirien nicht gerecht, es wirkte fast zu beschönigend. Traurig fand ich auch, dass Suleika mit allem so zufrieden war. Aber vielleicht wäre es auch zu viel verlangt oder unrealistisch, dass eine Bäuerin aus der damaligen Zeit, die jung verheiratet wurde und nie etwas anderes kennen gelernt hat, großen Träumereien nachhängt. Gut zu lesen, dass ihr Sohn nach der großen Welt strebt und am Ende aus dem Lager flieht.


    Fazit:
    Ein gutes Debüt, anspruchsvoll geschrieben, aber nicht zu jeder Zeit packend. Vor allem im letzten Abschnitt hat mir die Emotionalität gefehlt.

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    MissPommess avatar
    MissPommesvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Hatte mir etwas mehr erhofft, trotzdem eine interessante Geschichte!
    Suleika öffnet die Augen

    In "Suleika öffnet die Augen" geht es um die tatarische Bäuerin Suleika, die zusammen mit ihrem viel älteren Mann Murtasa und dessen Mutter auf einem Hof lebt. Suleika muss schwer arbeiten und lebt ein verhuschtes und einfaches Leben. Schwiegermutter und Murtasa behandeln sie eher wie eine Dienerin als wie ein Familienmitglied. Zu Anfang versteckt Suleika Essen vor Murtasa, daher habe ich gedacht dass sie von dem Hof fliehen möchte. Als jedoch Soldaten von der Roten Armee ihren Mann erschießen, Suleika enteignen und sie schließlich mitnehmen, wurde klar dass es sich hier in eine andere Richtung entwickeln würde. Suleika wird zunächst mit vielen anderen auf Pferden und in Schlitten immer weiter in Richtung Bahnhof getrieben. Schließlich werden die "Entkulakisierten" in ein Abteil gepfercht und die ungewisse Fahrt beginnt. Hunger und Tod begleiten diese lange und grausame Zeit. Die Züge mit den Häftlingen stehen oft tagelang in Bahnhöfen um Wasser und eine Mahlzeit sowie weitere Anweisungen zu erhalten. Die Fahrt als auch die Zeit im Arbeiterlager ist sicher gut beschrieben, allerdings empfand ich es manchmal gar nicht so schlimm wie es denn tatsächlich war. Und das sollte nun wirklich nicht passieren. Oft dachte ich, dass diese Leute zwar ein einfaches, aber trotzdem ein einigermaßen gutes Leben haben. Zwar unter vielen Entbehrungen leben müssen, aber trotzdem nicht übermäßig leiden müssen.
    Auch war die Beschreibung des Lagerlebens etwas lang, es geschah nichts wirklich aufregendes oder entsetzliches. Die einzige Veränderung habe ich bei dem Kommandanten feststellen können, der nach und nach zum Alkoholiker wurde. Auch Suleikas Sohn, der zum Schluss aus dem Lager flieht hätte ich gerne noch länger begleitet. Insgesamt hatte ich mir einfach etwas mehr erhofft. 

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    gsts avatar
    gstvor einem Jahr
    Kurzmeinung: „Dieser Roman trifft mitten ins Herz“, verspricht ein Aufdruck auf der Rückseite des Buches. Dem kann ich nur zustimmen.
    Großartig!

    Suleika ist eine junge Frau, die 1930 in der Nähe von Kasan lebt. Vier Töchter hat sie schon begraben müssen. Von der Schwiegermutter drangsaliert und von ihrem viel älteren Ehemann wie ein Arbeitstier behandelt, kämpft sie sich durch ihre Tage. Doch es kommt noch schlimmer: Die Familie wird enteignet und sie auf eine schier endlose Reise nach Sibirien geschickt – auf der sie dann entdeckt, erneut schwanger zu sein …

    Das Buch ist in vier Teile gegliedert, die jeweils einen anderen Lebensabschnitt von Suleika beleuchten. Nach ihrem trostlosen, mit abergläubischen Ritualen bespickten Leben in ihrem Heimatdorf folgt eine monatelange Reise in einem überfüllten Zug. Nach und nach lernen wir Leser die sie begleitenden Menschen kennen, mit denen sie eine neuen Heimat schaffen soll. Einzelne Erzählungen berichten im dritten Teil aus dem Leben in der Taiga.

    Schon von der ersten Seite an nahm mich der Roman gefangen, doch das Leseerlebnis steigerte sich weiter. Die Autorin hat einen mitreißenden Schreibstil, der mich immer weiter in die Geschichte eintauchen ließ. Politische Hintergründe der Umsiedlung wurden deutlich und gleichzeitig bekamen die Protagonisten immer klarere Konturen. Je weiter das Geschehen fortschritt, desto schwerer fiel es mir, das Buch aus der Hand zu legen.

    Nach diesem Debüt bleibt mir der Name der Autorin Gusel Jachina sicher im Gedächtnis!

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    schokoloko29s avatar
    schokoloko29vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Es wird anfangs sehr intensiv und herzergreifend das Schicksal der Tatarin Suleika geschildert. Gegen Ende geht dem Roman die Puste aus!
    Schicksal

    Es geht hier um das Schicksal von Suleika. Sie lebt in einem Dorf in Tatarien bei ihrem Mann und ihrer Schwiegermutter. Sie wird wie ein Stück Vieh und eine minderwertige Arbeitskraft behandelt. Doch sie wird von den Kommunsten vertrieben. Sie wird nach Sibirien verschleppt. Während der Verschleppung stellt sie fest. dass sie schwanger ist. Sie zieht ihren Sohn unter sehr schwierigen Bedingungen groß. Auf dem Arbeitslager verliebt sie sich in einen Mann, den sie wegen seines Glaubens zuerst ablehnt. Doch mit der Zeit kommen sie näher zueinander...

    Eigene Meinung.
    Die Gegebenheiten des ersten Teils der Geschichte wird sehr herzzerreißend erzählt. Der Leser ist sehr nah dran, man spürt regelrecht den Schmerz und die Erniedrigung, die Suleika erleiden muss. Doch mit der Zeit verändert sich der Erzählstil. Was für mich eher ein Manko war. Es wurden für mich am Ende nur noch die Fakten präsentiert. Aus diesem Grund hat mich die Autorin einfach verloren. Es wurde für mich irgendwie langweilig und belanglos.

    Doch da der erste Teil des Buches für mich so außerordentlich war, kann ich das Buch nur jedem ans Herz legen.

    Fazit:
    Klare Leseempfehlung!

    Kommentare: 3
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    Susibelles avatar
    Susibellevor einem Jahr
    Suleika öffnet die Augen

    Das Buch nimmt den Leser von der ersten Seite an mit. Es ist beeindruckend, schonungslos und sehr gut geschrieben. Der Debütroman erinnert ein wenig an die russischen Klassiker.

    Allerdings würde ich das Gütesiegel Meisterwerk nicht unbedingt vergeben.  (Aber das ist nur meine persönliche Empfindung.) Ich muss dazu sagen das ich das Buch stellenweise als Hörbuch unterwegs hören musste, da mir die Zeit für gemütliche Lesestunden leider fehlte. Dies führte dazu das ich mich nicht so sehr in den Roman vertiefen konnte, wie er es bestimmt verdient hätte. Am Ende flossen allerdings noch ein paar Tränen.

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    sursulapitschis avatar
    sursulapitschivor einem Jahr
    Kurzmeinung: Dieses Buch ist ein Erlebnis und eine Freude, erstaunt, erschüttert und berührt, ein Lesehighlight.
    Erstaunlich, berührend und meisterhaft erzählt

    Dass in Russland aus unterschiedlichsten Gründen Menschen nach Sibirien geschickt wurden, hat man gelegentlich gehört. Was das wirklich heißt, darüber habe ich nie nachgedacht, bis ich dieses Buch gelesen habe.

    Suleika ist eine junge tatarische Bäuerin, fest verwurzelt in ihrer Welt. Ihren despotischen Ehemann und die bösartige Schwiegermutter nimmt sie als gottgegeben, erfüllt ihre Hausfrauenpflichten und beschwichtigt die Geister, wie sie es von ihrer Mutter gelernt hat. Auch wenn ihr Leben hart ist, weil die hohen Abgaben an den Staat kaum genug für ihr eigenes Überleben lassen, kommt sie zurecht.
    Als plötzlich Männer der Roten Horde sie und ihr ganzes Dorf gefangen nehmen, öffnet Suleika die Augen. 
    Sie sind Kulaken, Staatsfeinde, die nicht ihren Beitrag für das Gemeinwohl leisten. Tatarien wird 1930 entkulakisiert. In Sibirien sollen diese Kulaken lernen, wie echte sozialistische Gemeinschaft funktioniert.
    Wenn man bis dahin schaudernd gelesen hat, wie fatalistisch und pflichtbewusst Suleika ihren beschwerlichen Alltag bewältigt, packt einen jetzt das blanke Entsetzen. Brutal und erbarmungslos schlägt die Staatsmacht zu.

    Gusel Jachina schreibt wunderbar, ihr Stil ist zum Niederknien. Mit allerschwärzestem Humor erzählt sie eine wirklich üble Geschichte, die trotzdem Spaß macht, aber auch berührt und erschüttert. Man liest, staunt und leidet mit Suleika.

    Hier liegen alle Probleme des staatlich angeordneten Sozialismus auf dem Tisch. Man verfolgt das Schicksal einiger Menschen, die in das System gepresst werden. Aber auch für linientreue Funktionäre ist es nicht zwingend ein Zuckerschlecken. Ein falsches Wort und schon kann man Probleme bekommen. Denunzianten sind überall, selbst im tiefsten Sibirien.
    Und wie lebt es sich in diesem Sibirien, das man mit arktisch kalter Einsamkeit gleichsetzt? Auch das wird hier plastisch in Szene gesetzt. Man ist dabei, wie am Ende der Welt ein Kolchos entsteht, sieht die Probleme und ideelle Stolpersteine, aber auch große Liebe zu diesem Landstrich.

    „Suleika öffnet die Augen“ ist meisterhaft erzählt und stößt die Tür zu einer Welt auf, die nur sehr selten beleuchtet wird. Es ist ein Erlebnis und eine Freude, erstaunt, erschüttert und berührt, ein besonderes und wichtiges Buch. Es hat jeden nur denkbaren Preis verdient.

    Kommentare: 6
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    Mrs_Nanny_Oggs avatar
    Mrs_Nanny_Oggvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Stellt euch hier positive Superlative vor, mir fehlen nach der Lektüre immer noch die geeigneten Worte!
    Leben, ja!!!


    Dieser Roman geht ans Herz, aber ohne ein romantischer Liebesroman zu sein, obwohl es um tiefe Liebe geht; er berührt durch die Schilderung der Unmenschlichkeiten und aber auch gerade der erlebten Menschlichkeit, die in einem sibirischen Arbeitslager, fernab jeglicher Zivilisation ertragen und geleistet werden; er reißt mit durch poetisch bewegende, fast schon Malerei gleichenden Sätzen, gleichzeitig aber auch durch eine Sprache, die einmal ganz nah, dann wieder ganz fern vom Geschehenen ist.
    Tatarien 1930: Die tiefgläubige Suleika wurde schon als 15jährige an den viel älteren Murtasa verheiratet, einen tartarischen Bauern. Sie ist fleißig und zäh, arbeitet oft bis zur Erschöpfung, dennoch lässt ihre Schwiegermutter kein gutes Haar an ihr und demütigt sie, wo sie nur kann. Selbst als sie schon lange tot ist, erscheint sie Suleika in ihren Träumen als Moralapostel. Suleika hat ihrem Mann vier Töchter geboren, keine davon erreichte auch nur das frühe Säuglingsalter.
    Eines Tages fallen wieder die "roten Horden" in das Dorf ein. Murtasa hat genug, diesmal lässt er sich nicht die zum eigenen Überleben notwendigen Lebensmittel wegnehmen. Er wehrt sich und wird prompt von Ignatow, einem jungen aufstrebenden Soldaten erschossen. Kurz darauf werden alle Bauern des Dorfes als Volksfeinde der Revolution umgesiedelt. Ausgerechnet Ignatow soll den Transportzug nach Sibirien begleiten. Unter grauenvollen Bedingungen wie Vieh eingepfercht, werden nicht nur die Bauern, sondern auch bourgoise Städter, unter ihnen ein zunächst geistig verwirrter Gynäkologe, in die Taige verschickt. Doch erstaunlicherweise erweisen sich gerade sie als zähe Truppe. Während des Transportes bemerkt Suleika, dass sie wieder schwanger ist.
    Von den Behörden im Stich gelassen und nur noch auf gerade mal 100 Personen geschrumpft, werden sie am Ufer der Angara ausgesetzt, mit unbrauchbaren Werkzeugen und kaum Proviant. Nicht nur Ignatow, der das örtliche Kommando des neu entstehenden Arbeitslagers übertragen bekommen hat, fühlt sich im Stich gelassen. Ob Gott überhaupt in diesen verlassenen Fleck der Taiga schauen kann, fragt sich Suleika. Erst ganz langsam lernt Suleika, ihre Augen zu öffnen und  mühsam ihr persönliches Glück zu erreichen.
    Dieser Roman besticht nicht nur durch die lebensnahen Schilderungen der Lebensbedingungen in den 1930er Jahren in der UdSSR, teilweise meint man in einem Volkskundemuseum zu sein, sondern auch dadurch, dass einer Generation eine Stimme gegeben wurde, die sonst nur wenig von ihrem Schicksal berichtet. Es war so bewegend, dass mir am Ende tatsächlich viele, viele Tränen kamen. Mit einem Wort: überwältigend!

    Kommentare: 1
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    Ariettas avatar
    Ariettavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein berührendes und erschütterndes Meisterwerk. Das einem Aufrüttelt und erschüttert. In leisen und poetischen Tönen erzählt.
    Suleika erwacht und öffnet endlich ihre Augen

    Meine Meinung zur Autorin:


    Gusel Jachina ist mit ihrem Debüt Roman „ Suleika öffnet die Augen“, ein gelungenes Erstlingswerk gelungen. Er Roman ist schon ein kleines Meisterwerk und Kleinod. Man spürt schon beim Lesen wie viel Herzblut sie diese Geschichte geschrieben hat. Vielleicht weil sie selbst aus Tatarstan wie ihre Hauptproganistin Suleika, konnte sie sich so gut in sie hineinversetzen. Ihr Sprachstil ist warmherzig, poetisch, klar und sehr Kraftvoll. Sie hat viel Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl bewiesen beim erzählen dieser Geschichte. Ihre Recherche ist einfach großartig.

    Sie lässt einem Abtauchen in das Russland nach 1930, nach der Revolution und der Schreckensherrschaft von Stalin. Schon erschütternd wie man einfach Menschen ihrer Heimat entwurzelte und sie Entkulasierte, einfach unter primitivsten Bedingungen nach Sibirien deportierte.

    Menschen die nicht ins Schema passten oder sich nicht beugte von der Bildfläche verschwinden lies und in die Verbannung schickte. Das alles hat sie so eindringlich und Bildhaft wiedergegeben. Ihre Figuren sind wie aus Fleisch und Blut, auch deren einzelnen Charaktere und Emotionen hat sie sehr gut heraus gearbeitet. Eine Geschichte die einem beim Lesen unter die Haut geht, einem betroffen macht und schaudern lässt. Ich habe mit großer Begeisterung diesen Roman gelesen, er ist sehr facettenreich und Lehrreich, auch wenn es traurige Abschnitte gibt, gibt es auch Humor und Hoffnung. Mir war es gar nicht bewusst das der Islam in Russland verbreitet war . Schon traurig das man die Menschen einfach so gnadenlos in die Verbannung schickte.



    Meine Meinung zum Inhalt:

    Sehr eindringlich hat sie die Tatarin Suleika beschrieben, eine Junge Frau die mit dem viel älteren Murtasa verheiratet hat. Die den untersten Weg in dieser Ehe geht. Ihr Mann ist nicht sehr Liebevoll zu ihr, im Gegenteil sie ist für ihn nur eine billige Arbeitskraft. Das die vier Kinder die sie geboren hat, nicht überlebt haben wird ihr zum Vorwurf gemacht. Die Schwiegermutter ist die Ausgeburt der Hölle, sie demütigt und schikaniert Suleika wo sie kann. Ich fand es so schlimm, ich hätte Suleika gerne mal in die Arme genommen und gesagt Öffne die Augen. Das alles ändert sich als die roten Horden die Kulaken Bauern tyrannisieren, Murtasa gibt sein Vieh und Vorräte nicht her, was ihm zum Verhängnis wurde, man erschoss ihn vor den Augen seiner Frau. Man verschleppt Suleika und deportiert sie mit vielen anderen. Eine wochenlange und beschwerliche Reise, in Viehwagons gepfercht rollen sie durch Russland Richtung Sibirien Was sich dort in den Waggons abspielte und was die Menschen erleiden mussten trieb einem die Tränen in die Augen, das schlimme Suleika ist von ihrem Mann schwanger. Es herrschten unmenschliche und Bedingungen. Ihre Endstadion ist die Taiga in Sibirien, keine Unterkunft sie nächtigen unter freiem Himmel. Unter primitivsten Bedingungen und Hilfsmitteln, erbauen sie sich mit der Zeit ein Dorf. Suleika, bringt dort ihren Sohn zur Welt, ihren Jusuf den sie zärtlich liebt. Hier wächst Suleika über sich hinaus, sie hat gelernt ihre Augen zu öffnen. Sehr gut gefiel mir auch Dr. Wolf Karlowitsch, ein warmherziger Mensch, der sich am Anfang der Geschichte wie eine Auster in seine Muschel zurück gezogen hatte, und sich langsam wieder öffnet. Eine sehr Abenteuerliche Geschichte von Menschen die man in die Wildnis der Taiga deportierte, und die täglich um ihr überleben kämpfen. Was aus Suleika , Jusuf und den Menschen dort wird und wie ihre Wege weitergehen das ist sehr spannend zu lesen und es gibt überraschendes.Es ist spannend !!!

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