Gusel Jachina Suleika öffnet die Augen

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Inhaltsangabe zu „Suleika öffnet die Augen“ von Gusel Jachina

„Dieser Roman trifft mitten ins Herz.“ Ljudmila Ulitzkaja.

Suleika ist eine tatarische Bäuerin. Eingeschüchtert und rechtlos lebt die Mutter von vier im Säuglingsalter gestorbenen Kindern auf dem Hof ihres viel älteren Mannes. Ihr Weg zu sich selbst führt durch die Hölle, das Sibirien der von Stalin Ausgesiedelten. Ein anrührendes und meisterhaftes Debüt, das in 21 Sprachen übersetzt ist.

Vielfach preisgekrönt, u.a. als Großes Buch 2015 und mit dem Jasnaja Poljana-Preis 2015.

„Für mich bleibt es ein Rätsel, wie es einer so jungen Autorin gelungen ist, ein so eindringliches Werk zu schaffen.“ Ljudmila Ulitzkaja.

Hatte mir etwas mehr erhofft, trotzdem eine interessante Geschichte!

— MissPommes

Fesselnder Roman über das Schicksal der Verbannung in Zeiten Stalins.

— BLINDI

„Dieser Roman trifft mitten ins Herz“, verspricht ein Aufdruck auf der Rückseite des Buches. Dem kann ich nur zustimmen.

— gst

Es wird anfangs sehr intensiv und herzergreifend das Schicksal der Tatarin Suleika geschildert. Gegen Ende geht dem Roman die Puste aus!

— schokoloko29

Dieses Buch ist ein Erlebnis und eine Freude, erstaunt, erschüttert und berührt, ein Lesehighlight.

— sursulapitschi

Stellt euch hier positive Superlative vor, mir fehlen nach der Lektüre immer noch die geeigneten Worte!

— Mrs_Nanny_Ogg

Ein berührendes und erschütterndes Meisterwerk. Das einem Aufrüttelt und erschüttert. In leisen und poetischen Tönen erzählt.

— Arietta

Ein wunderbares Buch mit einer Protagonistin, die lernt mit beiden Beinen im Leben zu stehen.

— Sikal

Unendlich traurig, aber mit eine Protagonistin wie ein Sonnenschein

— marpije

Die Repressionen des Stalinismus aus Opfersicht - eindringlich, anschaulich, bewegend.

— TochterAlice

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  • Suleika öffnet die Augen

    Suleika öffnet die Augen

    MissPommes

    11. October 2017 um 18:52

    In "Suleika öffnet die Augen" geht es um die tatarische Bäuerin Suleika, die zusammen mit ihrem viel älteren Mann Murtasa und dessen Mutter auf einem Hof lebt. Suleika muss schwer arbeiten und lebt ein verhuschtes und einfaches Leben. Schwiegermutter und Murtasa behandeln sie eher wie eine Dienerin als wie ein Familienmitglied. Zu Anfang versteckt Suleika Essen vor Murtasa, daher habe ich gedacht dass sie von dem Hof fliehen möchte. Als jedoch Soldaten von der Roten Armee ihren Mann erschießen, Suleika enteignen und sie schließlich mitnehmen, wurde klar dass es sich hier in eine andere Richtung entwickeln würde. Suleika wird zunächst mit vielen anderen auf Pferden und in Schlitten immer weiter in Richtung Bahnhof getrieben. Schließlich werden die "Entkulakisierten" in ein Abteil gepfercht und die ungewisse Fahrt beginnt. Hunger und Tod begleiten diese lange und grausame Zeit. Die Züge mit den Häftlingen stehen oft tagelang in Bahnhöfen um Wasser und eine Mahlzeit sowie weitere Anweisungen zu erhalten. Die Fahrt als auch die Zeit im Arbeiterlager ist sicher gut beschrieben, allerdings empfand ich es manchmal gar nicht so schlimm wie es denn tatsächlich war. Und das sollte nun wirklich nicht passieren. Oft dachte ich, dass diese Leute zwar ein einfaches, aber trotzdem ein einigermaßen gutes Leben haben. Zwar unter vielen Entbehrungen leben müssen, aber trotzdem nicht übermäßig leiden müssen.Auch war die Beschreibung des Lagerlebens etwas lang, es geschah nichts wirklich aufregendes oder entsetzliches. Die einzige Veränderung habe ich bei dem Kommandanten feststellen können, der nach und nach zum Alkoholiker wurde. Auch Suleikas Sohn, der zum Schluss aus dem Lager flieht hätte ich gerne noch länger begleitet. Insgesamt hatte ich mir einfach etwas mehr erhofft. 

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  • Großartig!

    Suleika öffnet die Augen

    gst

    04. October 2017 um 11:46

    Suleika ist eine junge Frau, die 1930 in der Nähe von Kasan lebt. Vier Töchter hat sie schon begraben müssen. Von der Schwiegermutter drangsaliert und von ihrem viel älteren Ehemann wie ein Arbeitstier behandelt, kämpft sie sich durch ihre Tage. Doch es kommt noch schlimmer: Die Familie wird enteignet und sie auf eine schier endlose Reise nach Sibirien geschickt – auf der sie dann entdeckt, erneut schwanger zu sein …Das Buch ist in vier Teile gegliedert, die jeweils einen anderen Lebensabschnitt von Suleika beleuchten. Nach ihrem trostlosen, mit abergläubischen Ritualen bespickten Leben in ihrem Heimatdorf folgt eine monatelange Reise in einem überfüllten Zug. Nach und nach lernen wir Leser die sie begleitenden Menschen kennen, mit denen sie eine neuen Heimat schaffen soll. Einzelne Erzählungen berichten im dritten Teil aus dem Leben in der Taiga.Schon von der ersten Seite an nahm mich der Roman gefangen, doch das Leseerlebnis steigerte sich weiter. Die Autorin hat einen mitreißenden Schreibstil, der mich immer weiter in die Geschichte eintauchen ließ. Politische Hintergründe der Umsiedlung wurden deutlich und gleichzeitig bekamen die Protagonisten immer klarere Konturen. Je weiter das Geschehen fortschritt, desto schwerer fiel es mir, das Buch aus der Hand zu legen. Nach diesem Debüt bleibt mir der Name der Autorin Gusel Jachina sicher im Gedächtnis!

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    • 2
  • Schicksal

    Suleika öffnet die Augen

    schokoloko29

    24. September 2017 um 15:01

    Es geht hier um das Schicksal von Suleika. Sie lebt in einem Dorf in Tatarien bei ihrem Mann und ihrer Schwiegermutter. Sie wird wie ein Stück Vieh und eine minderwertige Arbeitskraft behandelt. Doch sie wird von den Kommunsten vertrieben. Sie wird nach Sibirien verschleppt. Während der Verschleppung stellt sie fest. dass sie schwanger ist. Sie zieht ihren Sohn unter sehr schwierigen Bedingungen groß. Auf dem Arbeitslager verliebt sie sich in einen Mann, den sie wegen seines Glaubens zuerst ablehnt. Doch mit der Zeit kommen sie näher zueinander...Eigene Meinung.Die Gegebenheiten des ersten Teils der Geschichte wird sehr herzzerreißend erzählt. Der Leser ist sehr nah dran, man spürt regelrecht den Schmerz und die Erniedrigung, die Suleika erleiden muss. Doch mit der Zeit verändert sich der Erzählstil. Was für mich eher ein Manko war. Es wurden für mich am Ende nur noch die Fakten präsentiert. Aus diesem Grund hat mich die Autorin einfach verloren. Es wurde für mich irgendwie langweilig und belanglos.Doch da der erste Teil des Buches für mich so außerordentlich war, kann ich das Buch nur jedem ans Herz legen.Fazit:Klare Leseempfehlung!

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    • 4
  • Suleika öffnet die Augen

    Suleika öffnet die Augen

    Susibelle

    03. August 2017 um 12:57

    Das Buch nimmt den Leser von der ersten Seite an mit. Es ist beeindruckend, schonungslos und sehr gut geschrieben. Der Debütroman erinnert ein wenig an die russischen Klassiker.Allerdings würde ich das Gütesiegel Meisterwerk nicht unbedingt vergeben.  (Aber das ist nur meine persönliche Empfindung.) Ich muss dazu sagen das ich das Buch stellenweise als Hörbuch unterwegs hören musste, da mir die Zeit für gemütliche Lesestunden leider fehlte. Dies führte dazu das ich mich nicht so sehr in den Roman vertiefen konnte, wie er es bestimmt verdient hätte. Am Ende flossen allerdings noch ein paar Tränen.

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  • Erstaunlich, berührend und meisterhaft erzählt

    Suleika öffnet die Augen

    sursulapitschi

    01. August 2017 um 17:19

    Dass in Russland aus unterschiedlichsten Gründen Menschen nach Sibirien geschickt wurden, hat man gelegentlich gehört. Was das wirklich heißt, darüber habe ich nie nachgedacht, bis ich dieses Buch gelesen habe.Suleika ist eine junge tatarische Bäuerin, fest verwurzelt in ihrer Welt. Ihren despotischen Ehemann und die bösartige Schwiegermutter nimmt sie als gottgegeben, erfüllt ihre Hausfrauenpflichten und beschwichtigt die Geister, wie sie es von ihrer Mutter gelernt hat. Auch wenn ihr Leben hart ist, weil die hohen Abgaben an den Staat kaum genug für ihr eigenes Überleben lassen, kommt sie zurecht.Als plötzlich Männer der Roten Horde sie und ihr ganzes Dorf gefangen nehmen, öffnet Suleika die Augen. Sie sind Kulaken, Staatsfeinde, die nicht ihren Beitrag für das Gemeinwohl leisten. Tatarien wird 1930 entkulakisiert. In Sibirien sollen diese Kulaken lernen, wie echte sozialistische Gemeinschaft funktioniert.Wenn man bis dahin schaudernd gelesen hat, wie fatalistisch und pflichtbewusst Suleika ihren beschwerlichen Alltag bewältigt, packt einen jetzt das blanke Entsetzen. Brutal und erbarmungslos schlägt die Staatsmacht zu.Gusel Jachina schreibt wunderbar, ihr Stil ist zum Niederknien. Mit allerschwärzestem Humor erzählt sie eine wirklich üble Geschichte, die trotzdem Spaß macht, aber auch berührt und erschüttert. Man liest, staunt und leidet mit Suleika.Hier liegen alle Probleme des staatlich angeordneten Sozialismus auf dem Tisch. Man verfolgt das Schicksal einiger Menschen, die in das System gepresst werden. Aber auch für linientreue Funktionäre ist es nicht zwingend ein Zuckerschlecken. Ein falsches Wort und schon kann man Probleme bekommen. Denunzianten sind überall, selbst im tiefsten Sibirien. Und wie lebt es sich in diesem Sibirien, das man mit arktisch kalter Einsamkeit gleichsetzt? Auch das wird hier plastisch in Szene gesetzt. Man ist dabei, wie am Ende der Welt ein Kolchos entsteht, sieht die Probleme und ideelle Stolpersteine, aber auch große Liebe zu diesem Landstrich.„Suleika öffnet die Augen“ ist meisterhaft erzählt und stößt die Tür zu einer Welt auf, die nur sehr selten beleuchtet wird. Es ist ein Erlebnis und eine Freude, erstaunt, erschüttert und berührt, ein besonderes und wichtiges Buch. Es hat jeden nur denkbaren Preis verdient.

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    • 7
  • Leben, ja!!!

    Suleika öffnet die Augen

    Mrs_Nanny_Ogg

    18. July 2017 um 16:22

    Dieser Roman geht ans Herz, aber ohne ein romantischer Liebesroman zu sein, obwohl es um tiefe Liebe geht; er berührt durch die Schilderung der Unmenschlichkeiten und aber auch gerade der erlebten Menschlichkeit, die in einem sibirischen Arbeitslager, fernab jeglicher Zivilisation ertragen und geleistet werden; er reißt mit durch poetisch bewegende, fast schon Malerei gleichenden Sätzen, gleichzeitig aber auch durch eine Sprache, die einmal ganz nah, dann wieder ganz fern vom Geschehenen ist.Tatarien 1930: Die tiefgläubige Suleika wurde schon als 15jährige an den viel älteren Murtasa verheiratet, einen tartarischen Bauern. Sie ist fleißig und zäh, arbeitet oft bis zur Erschöpfung, dennoch lässt ihre Schwiegermutter kein gutes Haar an ihr und demütigt sie, wo sie nur kann. Selbst als sie schon lange tot ist, erscheint sie Suleika in ihren Träumen als Moralapostel. Suleika hat ihrem Mann vier Töchter geboren, keine davon erreichte auch nur das frühe Säuglingsalter.Eines Tages fallen wieder die "roten Horden" in das Dorf ein. Murtasa hat genug, diesmal lässt er sich nicht die zum eigenen Überleben notwendigen Lebensmittel wegnehmen. Er wehrt sich und wird prompt von Ignatow, einem jungen aufstrebenden Soldaten erschossen. Kurz darauf werden alle Bauern des Dorfes als Volksfeinde der Revolution umgesiedelt. Ausgerechnet Ignatow soll den Transportzug nach Sibirien begleiten. Unter grauenvollen Bedingungen wie Vieh eingepfercht, werden nicht nur die Bauern, sondern auch bourgoise Städter, unter ihnen ein zunächst geistig verwirrter Gynäkologe, in die Taige verschickt. Doch erstaunlicherweise erweisen sich gerade sie als zähe Truppe. Während des Transportes bemerkt Suleika, dass sie wieder schwanger ist.Von den Behörden im Stich gelassen und nur noch auf gerade mal 100 Personen geschrumpft, werden sie am Ufer der Angara ausgesetzt, mit unbrauchbaren Werkzeugen und kaum Proviant. Nicht nur Ignatow, der das örtliche Kommando des neu entstehenden Arbeitslagers übertragen bekommen hat, fühlt sich im Stich gelassen. Ob Gott überhaupt in diesen verlassenen Fleck der Taiga schauen kann, fragt sich Suleika. Erst ganz langsam lernt Suleika, ihre Augen zu öffnen und  mühsam ihr persönliches Glück zu erreichen.Dieser Roman besticht nicht nur durch die lebensnahen Schilderungen der Lebensbedingungen in den 1930er Jahren in der UdSSR, teilweise meint man in einem Volkskundemuseum zu sein, sondern auch dadurch, dass einer Generation eine Stimme gegeben wurde, die sonst nur wenig von ihrem Schicksal berichtet. Es war so bewegend, dass mir am Ende tatsächlich viele, viele Tränen kamen. Mit einem Wort: überwältigend!

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    • 2
  • Suleika erwacht und öffnet endlich ihre Augen

    Suleika öffnet die Augen

    Arietta

    05. July 2017 um 17:12

    Meine Meinung zur Autorin: Gusel Jachina ist mit ihrem Debüt Roman „ Suleika öffnet die Augen“, ein gelungenes Erstlingswerk gelungen. Er Roman ist schon ein kleines Meisterwerk und Kleinod. Man spürt schon beim Lesen wie viel Herzblut sie diese Geschichte geschrieben hat. Vielleicht weil sie selbst aus Tatarstan wie ihre Hauptproganistin Suleika, konnte sie sich so gut in sie hineinversetzen. Ihr Sprachstil ist warmherzig, poetisch, klar und sehr Kraftvoll. Sie hat viel Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl bewiesen beim erzählen dieser Geschichte. Ihre Recherche ist einfach großartig. Sie lässt einem Abtauchen in das Russland nach 1930, nach der Revolution und der Schreckensherrschaft von Stalin. Schon erschütternd wie man einfach Menschen ihrer Heimat entwurzelte und sie Entkulasierte, einfach unter primitivsten Bedingungen nach Sibirien deportierte. Menschen die nicht ins Schema passten oder sich nicht beugte von der Bildfläche verschwinden lies und in die Verbannung schickte. Das alles hat sie so eindringlich und Bildhaft wiedergegeben. Ihre Figuren sind wie aus Fleisch und Blut, auch deren einzelnen Charaktere und Emotionen hat sie sehr gut heraus gearbeitet. Eine Geschichte die einem beim Lesen unter die Haut geht, einem betroffen macht und schaudern lässt. Ich habe mit großer Begeisterung diesen Roman gelesen, er ist sehr facettenreich und Lehrreich, auch wenn es traurige Abschnitte gibt, gibt es auch Humor und Hoffnung. Mir war es gar nicht bewusst das der Islam in Russland verbreitet war . Schon traurig das man die Menschen einfach so gnadenlos in die Verbannung schickte. Meine Meinung zum Inhalt: Sehr eindringlich hat sie die Tatarin Suleika beschrieben, eine Junge Frau die mit dem viel älteren Murtasa verheiratet hat. Die den untersten Weg in dieser Ehe geht. Ihr Mann ist nicht sehr Liebevoll zu ihr, im Gegenteil sie ist für ihn nur eine billige Arbeitskraft. Das die vier Kinder die sie geboren hat, nicht überlebt haben wird ihr zum Vorwurf gemacht. Die Schwiegermutter ist die Ausgeburt der Hölle, sie demütigt und schikaniert Suleika wo sie kann. Ich fand es so schlimm, ich hätte Suleika gerne mal in die Arme genommen und gesagt Öffne die Augen. Das alles ändert sich als die roten Horden die Kulaken Bauern tyrannisieren, Murtasa gibt sein Vieh und Vorräte nicht her, was ihm zum Verhängnis wurde, man erschoss ihn vor den Augen seiner Frau. Man verschleppt Suleika und deportiert sie mit vielen anderen. Eine wochenlange und beschwerliche Reise, in Viehwagons gepfercht rollen sie durch Russland Richtung Sibirien Was sich dort in den Waggons abspielte und was die Menschen erleiden mussten trieb einem die Tränen in die Augen, das schlimme Suleika ist von ihrem Mann schwanger. Es herrschten unmenschliche und Bedingungen. Ihre Endstadion ist die Taiga in Sibirien, keine Unterkunft sie nächtigen unter freiem Himmel. Unter primitivsten Bedingungen und Hilfsmitteln, erbauen sie sich mit der Zeit ein Dorf. Suleika, bringt dort ihren Sohn zur Welt, ihren Jusuf den sie zärtlich liebt. Hier wächst Suleika über sich hinaus, sie hat gelernt ihre Augen zu öffnen. Sehr gut gefiel mir auch Dr. Wolf Karlowitsch, ein warmherziger Mensch, der sich am Anfang der Geschichte wie eine Auster in seine Muschel zurück gezogen hatte, und sich langsam wieder öffnet. Eine sehr Abenteuerliche Geschichte von Menschen die man in die Wildnis der Taiga deportierte, und die täglich um ihr überleben kämpfen. Was aus Suleika , Jusuf und den Menschen dort wird und wie ihre Wege weitergehen das ist sehr spannend zu lesen und es gibt überraschendes.Es ist spannend !!!

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  • Suleika wird erwachsen

    Suleika öffnet die Augen

    Sikal

    19. May 2017 um 07:09

    Tatarstan in den 1930er Jahren: Die junge Suleika ist mit einem viel älteren Mann verheiratet, der sie demütigt und kein nettes Wort für sie übrig hat. Doch sie ist zufrieden mit ihrem Leben, versorgt auch noch die uralte blinde Schwiegermutter, von der Suleika mit Grausamkeiten überhäuft wird. Außerdem hat sie alle vier Töchter begraben müssen – und doch hat Suleika einen positiven Blick auf das Leben, nimmt es wie es ist und beklagt sich nicht. Als ihr Mann vor ihren Augen erschossen wird, weil er sich weigert die geforderten Abgaben des stalinistischen Regimes weiter hinzunehmen, ändert sich Suleikas Leben dramatisch. Sie wird mit unzähligen anderen deportiert, Endstation Sibirien. Suleika, der Zeit ihres Lebens gesagt wurde, was zu tun sei, muss nun selbst die Initiative ergreifen, um ihr Leben und das ihres ungeborenen Kindes zu schützen. Die Geschichte ist unendlich traurig und doch wieder so hoffnungsvoll. Das Buch hat mich mitgerissen, ich fühlte mit den Menschen, die aus ihrem bisherigen Leben einfach herausgerissen wurden, die von ihren Familien getrennt wurden, um dem Regime zu dienen. Die Autorin Gusel Jachina schreibt mit viel Empathie eine großartige Geschichte über Menschen, die alles verloren haben und trotzdem an eine Zukunft glauben, die lernen in der Wildnis der Taiga zu überleben. Jachina stammt ebenfalls aus Tatarstan, kennt die Geschichten ihrer Vorfahren und lässt uns hier an ihren Recherchen teilhaben. Sie schreibt flüssig, bildgewaltig, eindrucksvoll. Obwohl der Großteil des Romans auf Suleika als Protagonistin ausgerichtet ist, verblassen die anderen Charaktere nicht. Diese sind ebenso facettenreich in ihren Persönlichkeiten, entwickeln sich im Laufe der Geschichte und tragen Hoffnung in sich. Das Buch hat mir sehr gut gefallen, es war für mich ein schockierendes Zeitzeugnis. Es rüttelt auf, wenn man sich darauf einlassen kann. „Der Schmerz, der eben noch die ganze Welt erfüllte, ist zwar nicht vergangen, aber er lässt sie wieder atmen.“

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  • Hart und schonungslos

    Suleika öffnet die Augen

    marpije

    10. May 2017 um 16:06

    Suleika, eine junge Tatarin lebt mit ihren viel älteren Mann und uralten Schwiegermutter in einem, kleinem tatarischen Dorf. Das Leben von Suleika besteht nur aus Arbeit und aus Demütigungen von die beiden, ihr ist nichts gespart, Prügel und Beleidigungen sind ihre ständige Begleiter im Alltag , dazu kommt noch der große Trauer nach Verlust von ihren vier Töchtern  , trotz allem Suleika ist für mich eine Heldin, sie weint nie, sie beklagt sich nie, in Gegenteil sie lobt ihren Mann und ist zufrieden mit das was sie hat   , woher nimmt die kleine, zierliche Frau so viel Kraft, ist mir eine Rätsel.  Ihre Perosn umgibt eine gute, positive Aura , die naive Optimismus hilft Suleika später wenn ihre Mann erschossen wird und sie wird aus ihrer Dorf deportiert, in Gefängnis sitzt und reist mit anderen Leuten nach Sibirien, wenn die andere geben auf, Suleika  kämpft und überlebt, sie muss weil unter ihren herz ein Baby wächst....Das Buch ist unendlich traurig, die Wörter hart und schonungslos, so wie das Leben von die Protagonistin, hier sind keine Verschönerungen , brutal und schamlos, berührend und erschütternd schreibt die Autorin , in kurzen aber deutlichen Sätzen über das ganze Leid sind die Gefühle sehr gut spürbar und mich , als Leser hat die Geschichte sehr bewegt. Die Stimmung ist beklemmen und betrübt , das ist kein Buch für gute Unterhaltung, das Buch lässt mich verärgert und nachdenklich.Die Personen sind hier sehr ausführlich ausgebaut und dicht in die Ereignissen verankert, egal ob die Haupt- oder die Nebenprotagonisten alle haben klaren, scharfen Riss und sind mit viel Details beschrieben, ich kann mich von jeden hier ein Bild machen. Sehr gut ist die Metamorphose von Ignatow dargestellt , aus den kalten, arroganten russischen Soldat wird ein Mensch mit Herz geworden , ein Mensch welche während der langer, grausamer Reise  nach Sibirien hat der Meinung geändert und in den transportierten Leuten sieht nicht nur Nummer sondern eine Person aus Leib und Seele , so wie er selbst, ein Mensch welche hat bemerkt dass der System nicht perfekt ist und das ganze an einem großen Absurd grenzt.Ich werde das Buch weiter empfehlen, weil das hier ist eine Geschichte welche bewegt und bleibt noch lange im Kopf

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    • 3
  • Kaum zu glauben, was Menschen in der Lage sind, zu ertragen

    Suleika öffnet die Augen

    meppe76

    30. April 2017 um 18:52

    Suleika lebt gemeinsam mit ihrem deutlich älteren Mann und ihrer Schwiegermutter in einfachsten Verhältnissen auf einem tatarischen Bauernhof. Sie ist rechtlos und fügsam, arbeitet bis zum Umfallen und niemals würde es ihr in den Sinn kommen, sich gegen ihren Mann oder ihre bösartige und ungerechte Schwiegermutter aufzulehnen. Im Gegenteil: sie hat es gut getroffen, hat genug zu essen und ein Dach über dem Kopf.  Bis der stalinistische Terror auch bis zu ihrem Dorf vordringt. Vor ihren Augen wird ihr Mann erschossen und sie selbst zusammen mit vielen Leidensgenossen in Richtung Sibirien deportiert. Immer weiter nach Osten geht die Reise, die Verhältnisse sind kaum noch erträglich und niemand weiß, was sie am Ende erwartet. In dieser Situation entdeckt Suleika, dass sie erneut schwanger ist. Sie ist überzeugt, dass auch dieses Kind – wie schon ihre Mädchen vorher - nicht überleben wird. Angeführt wird die Gruppe der Verbannten von dem Kommandanten Ignatov, ein überzeugter Kommunist, der Befehle ausführt und doch selbst Opfer des stalinistischen Systems ist. Wie alle anderen Personen des Romans macht auch Ignatov eine Entwicklung durch und wird mehr und mehr Teil der bunt zusammen gewürfelten Schar der Deportierten. Für sie alle gilt es, die überaus harten Winter zu überleben, zusammen zu halten, sich gegenseitig zu helfen, und so entsteht mitten in der sibirischen Wildnis eine Art ‚Dorf‘, in dem Suleika tatsächlich einen Sohn zur Welt bringt, der ihr Leben noch einmal verändert. Gusel Jachina gelingt es, die ganze Härte und Brutalität der Überlebenskampfes in der Verbannung  zu schildern und gleichzeitig die leisen Beziehungen, die untereinander entstehen und die Stärke, die auch Suleika bei sich entdeckt, für den Leser deutlich werden zu lassen.  Entstanden ist ein Buch, das ich kaum aus der Hand legen konnte. Es hat mich berührt, aufgewühlt, gefesselt bis zum Schluss. Absolut lesenswert!!

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  • Über die Überlebensfähigkeit des Menschen

    Suleika öffnet die Augen

    Federfee

    20. April 2017 um 10:46

    Im ersten Drittel des Buches lernen wir das harte Leben von tatarischen Bauern kennen. Die zierliche Suleika mit den großen grünen Augen ist mit dem wesentlich älteren Murtasa verheiratet, der allerdings zu den wohlhabenderen Bauern gehört, den Kulaken. Sie besitzen eine Kuh, ein Pferd und ein Fohlen. Aber was für ein Leben, besonders für Frauen! Suleika muss von morgens bis abends hart arbeiten, ihren Mann und die uralte blinde und taube Schwiegermutter bedienen und sie tut das ohne Murren. Sie kennt es nicht anders und sie erträgt sogar die Quälereien und Beleidigungen durch die alte Frau, ohne sich zu wehren. Dieses harte Leben beschreibt die junge Autorin sehr anschaulich und manchmal auch in poetischen Worten.Doch dann erreicht Stalins Schreckensherrschaft auch diese Gegend. Da ist von Entkulakisierung die Rede, Bauern werden enteignet, deportiert oder erschossen, auch Murtasa, der seine Kuh nicht abgeben will. Für Suleika beginnt eine Odyssee. Man denkt jedes Mal, es könne nicht mehr schlimmer werden, aber was unschuldigen Menschen in dieser Zeit angetan wurde, ist fast unbeschreiblich: Hunger, unhaltbare hygienische Zustände und entwürdigende Situationen, Gefängnis, Deportation im Zug. Es geht immer Richtung Osten, nach Sibirien. Das alles erzählt die Autorin so eindringlich, dass man wie gebannt weiter und weiter liest und hofft, dass Suleika überleben wird, zumal sie auch noch schwanger ist.Die Überlebenden der strapziösen 'Reise' werden zuerst einmal sich selbst überlassen und mitleidlos im sibirischen Winter ausgesetzt. Mit Hilfe des russischen Kommandanten, den somit das gleiche Los getroffen hat, schaffen es die meisten, über den Winter zu kommen. Was Menschen doch alles aushalten können! Das wird von der Autorin so erzählt, dass man sich alles gut vorstellen kann und mitleiden muss. Interessant sind auch die zwischenmenschlichen Verhaltensweisen und Kontakte, die sich entwickeln, die Freundschaften und vielleicht sogar eine Liebesbeziehung.Dann endlich kommen mit dem Frühling neue unfreiwillige Siedler, neue Vorräte, Werkzeug und Materialien und ein Dorf entsteht, eine Art Kolchose, in der selbst hier im fernen Sibirien Bespitzelung und kommunistische Agitation an der Tagesordnung sind. Suleika hat sich den Umständen anpassen müssen und ist eine selbstbewusste Frau geworden.Während ich zwei Drittel des Buches ganz hervorragend fand, fiel der letzte Teil in meinen Augen etwas ab. Zu sehr wurde die Handlung gerafft, zu sehr flachten die Personen ab.Dennoch ist dies ein lesenswertes Buch über die Überlebensfähigkeit des Menschen und ein erstaunliches Debut einer jungen tatarischen Autorin.

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    • 2
  • Verbannung und Deportation

    Suleika öffnet die Augen

    Dreamworx

    25. March 2017 um 12:07

    1930 Tatarstan. Die junge Suleika hat einen wohlhabenden älteren Bauern geheiratet, ist für ihn und seine Mutter allerdings nur eine billige Arbeitskraft und hat ein recht hartes Leben auf dem familieneigenen Hof. Ihr Ehemann Murtasa ist der örtlichen stalinistischen Politik ein Dorn im Auge, denn er widersetzt sich jeglichen Befehlen, wird sein Hof doch enteignet. Bei seinem Widerstand wird Murtasa vor Suleikas Augen erschossen und sie selbst mit vielen anderen Leidensgenossinnen und –genossen in die Taiga nach Sibirien deportiert. Während der Deportation entdeckt sie, dass sie ein Kind erwartet und muss sich nun in einer fremden Umgebung mitten im Nirgendwo ein neues Leben aufbauen für sich und das Kind. Doch sie ist nicht allein, andere Frauen mit ähnlichem Schicksal stehen vor der gleichen Situation. Unfreiwillig zusammengewürfelt müssen sie sich der Lage stellen und gründen sie eine Kolonie. Suleika, die bisher immer fremdbestimmt war, lernt nun, obwohl noch immer nicht frei, doch auch eigene Entscheidungen zu treffen.Gusel Jachina hat mit ihrem Buch „Suleika öffnet die Augen“ einen beeindruckenden Debütroman vorgelegt, der sich hauptsächlich mit der Thematik der Enteignung und Deportation in der ehemaligen UDSSR beschäftigt und dem Schicksal, das die Menschen, die nicht regimekonform waren, erleiden mussten, mit diesem Roman eine Bühne gegeben. Der Schreibstil ist flüssig und sehr bildhaft, schnell zieht er den Leser in den Bann und lässt ihn an den Vorkommnissen der damaligen Zeit teilhaben. Dabei schildert die Autorin sehr anschaulich das harte Leben und die Gewalt ebenso wie die Folgen der Verbannung, kann sie doch aus dem Nähkästchen plaudern, da ihre eigenen Vorfahren diese noch Zeit erlebt haben. Die Charaktere sind sehr schön ausgearbeitet und passend in Szene gesetzt. Sie wirken sehr kraftvoll, lebendig und authentisch. Suleika ist noch eine junge Frau, die allerdings schon so einiges im Leben ertragen musste. Ihr Ehemann behandelt sie lieblos und für ihre Schwiegermutter ist sie nur eine billige Arbeitskraft. Durch den gewaltsamen Tod ihres Ehemannes erfährt ihr Leben eine Wende, die Deportation nach Sibirien ist erneut fremdbestimmt, diesmal nicht durch die angeheiratete Familie, sondern durch Menschen, die sie gar nicht kennt. Jedoch ist Suleika diesmal ganz allein auf sich gestellt und hat die Möglichkeit, auch für sich und ihr Leben eigene Entscheidungen zu treffen. Dr. Wolf Karlowitsch ist ein Mann, der erst einmal nur für sich bleibt und das Geschehen beobachtet. Doch je länger er zusieht, umso mehr rumort es in ihm. Es dauert eine Weile, doch dann muss auch er erkennen, dass er sich einbringen muss in die Gesellschaft, damit sie funktioniert. Kommandant Ignatow ist zwar Kommunist mit Leib und Seele, der sich keinem Befehl widersetzt, doch ist er in erster Linie ein Mensch mit Empathie und Mitgefühl für seine Mitmenschen. Er versucht, sie zu unterstützen und zu helfen. Die Entwicklung der Charaktere in ihrer jeweiligen Lebenssituation ist während der Geschichte wunderbar zu beobachten. Auch die anderen Protagonisten bewirken mit ihren Episoden eine Verdichtung der Erzählatmosphäre.„Suleika öffnet die Augen“ ist ein sehr berührender historischer Roman über die vergangene Geschichte der ehemaligen UDSSR. Der Leser erhält Einblicke in die Thematik der Deportation und Enteignung aus den Erfahrungen der Autorin und ihrer eigenen Familie. Wer sich für diese geschichtlichen Hintergründe und eine gut erzählte Handlung interessiert, ist hier absolut gut aufgehoben. Absolute Leseempfehlung!  

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  • Augen auf und durch

    Suleika öffnet die Augen

    TochterAlice

    17. March 2017 um 22:25

    heißt es für die junge tatarische Bäuerin Suleika, nachdem ihr Mann vor ihren Augen erschossen wird - einfach so. Er ist einer der wohlhabenderen Bauern seiner Region, ein Kulak also und weigert sich, den Befehlen des stalinistischen Regimes beugen - bedingungslose Abgaben und Umsiedlung. So wird Suleika, deutlich jünger als ihr Mann und bisher nicht an Selbständigkeit gewöhnt, auf eine Odyssee geschickt, die über ein Gefängnis in Kazan mitten in die Taiga, nach Sibirien führt, in bisher unbesiedeltes Gebiet, wo sie mit anderen Leidensgenossen, die aus unterschiedlichen Gründen verschickt wurden - Kulaken wie sie, Intellektuelle, "richtige" Straftäter, eine Kolonie gründet. Ja, Suleika öffnet in der Tat erst jetzt ihre Augen und das zieht so einiges nach sich!Ein etwas anderer Road-Movie ist dies, in dem ein Häufchen Deportierter einfach so durch die sowjetische Landschaft geschickt wird, bis sie - eher durch Zufall - an einem Ort landen, an dem sie seßhaft werden können, einer der ganz besonders tragischen Art. Denn keiner dieser Menschen wollte seine gewohnte Umgebung verlassen, sie sind allesamt dazu gezwungen worden - wie Millionen anderer in den Jahren des Stalinismus.Die Autorin Gusel Jachina stammt selbst aus Tatarstan und geht in ihrem Buch einem Teil der Geschichte ihrer Vorfahren nach, einem sehr schmerzhaften, den sie nichtsdestotrotz mit großartig gezeichneten Figuren, jede davon mit absolutem Wiedererkennungswert, sowie einer gehörigen Ladung Atmosphäre ausstattet. Nur pro forma erwähne ich, dass ihre Erzählungen obendrein auf sorgfältigen Recherchen basieren.Ein spannendes Buch, wenn auch die Autorin aus meiner Sicht (noch) nicht ganz die Faszination erreicht, die bspw. eine Sofi Oksanen mit ähnlichen Themenkreisen zu vermitteln vermag, ein ausgesprochen eindringliches noch dazu, das ich mit Sicherheit nicht so schnell vergessen werde, und dem trotz der ganzen Tragik, die durchgehend mitschwingt, eine Prise Leichtigkeit innewohnt.Das kurze Geleitwort der großen russischen Autorin Ludmilla Ulitzkaja fällt euphorisch aus, was ich wirklich gut nachvollziehen kann - ich hoffe auch, dass Gusel Jachina weiterschreibt und dabei thematisches Neuland beschreitet. Sehr zu empfehlen für jeden, bei dem das Interesse für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts internationaler Natur ist und der neben historischen Fakten eine gute Geschichte zu schätzen weiß.

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    • 2
  • Schicksale in der Verbannung

    Suleika öffnet die Augen

    Curin

    13. March 2017 um 12:51

    Tatarien 1930: Suleika lebt gemeinsam mit ihrem viel älteren Ehemann und ihrer bösartigen Schwiegermutter zusammen auf einem Hof, der im Zuge der Entkulakisierung enteignet wird. Ihr Mann Murtasa wird dabei erschossen und Suleika mit vielen anderen Menschen monatelang nach Sibirien deportiert. Unterwegs bemerkt sie ihre erneute Schwangerschaft und muss sich nun fernab jeder Zivilisation ein neues Leben aufbauen... .Die Autorin Gusel Jachina hat mit diesem Roman ein beeindruckendes Debüt vorgelegt. Sie hat sich intensiv mit dem Thema der Enteigung und der Deportation von Menschen in der Sowjetunion, die nicht ins stalinistische System passten, beschäftigt und zeigt an ihrer Protagonistin Suleika und an weiteren Figuren, wie die Verbannung konkret ausgesehen haben könnte.Suleika steht in der Erzählung fast immer im Mittelpunkt. Sie hat bereits vor der Entkulakisierung ein schweres Leben, indem sie für ihre Schwiegermutter nur eine nutzlose Arbeitskraft darstellt und auch von ihrem Ehemann keine echte Liebe erfährt. Für sie beginnt mit der Deportation und mit dem Gulag in Sibirien eine Lebenswende, in der sie wieder von anderen fremdbestimmt wird, aber auch eigene Entscheidungen treffen kann. Mit ihr hat Gusel Jachina eine authentische Figur geschaffen, die sehr glaubhaft wirkt. Auch die anderen Figuren und ihre Perspektiven auf das Geschehen werden gut und anschaulich dargestellt. Da ist zum Beispiel der Doktor Wolf Karlowitsch, der sich immer mehr in eine Eierschale zurückgezogen hat, die erst platzen muss, bevor er anderen im Lager richtig helfen kann. Aber auch der Kommandant Ignatow ist nicht einfach nur ein Befehle befolgender Kommunist, sondern entwickelt auch Mitgefühl für die Menschen und macht in Sibirien ebenfalls eine Veränderung durch.Gusel Jachina schreibt flüssig und lässt wirklich Bilder im Kopf ihrer Leser bestehen. Sie schildert das ganze Ausmaß der Verbannung und hat es aus meiner Sicht geschafft die Gewalt und die Härte, die den Menschen dort widerfährt lesbar zu machen, ohne sie abzuschwächen.Mich hat ,,Suleika öffnet die Augen" gepackt und auch sehr berührt. Es ist eine besondere Erzählung über einen Teil der Geschichte Russland, über den man sonst kaum etwas liest. Ich kann daher das Buch wärmstens weiterempfehlen.

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