Der Golem

von Gustav Meyrink 
3,9 Sterne bei113 Bewertungen
Der Golem
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (80):
KyraCades avatar

Klassiker. Golem als Thema alter und neuer Literatur

Kritisch (9):
Ina81s avatar

Irgendwie hat mir hier der rote Faden gefehlt, war alles etwas zu wirr und abstrakt für meinen Geschmack.

Alle 113 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Der Golem"

Der Klassiker der phantastischen Literatur
»Ungefähr alle dreiunddreißig Jahre begibt es sich nämlich, daß ein vollkommen fremder Mensch, bartlos, von gelber Gesichtsfarbe und mongolischem Typus aus der Richtung der Altschulgasse her durch die Judenstadt schreitet und plötzlich - unsichtbar wird.« So erzählt man sich in der Prager Judenstadt. Die Legende vom Golem ist lebendig, noch dreihundert Jahre nachdem sich der hohe Rabbi Loew im späten 16. Jahrhundert den künstlichen Gehilfen schuf. Und nicht nur die Legende lebt: Eines Tages bringt ein fremder Mensch, bartlos, von gelber Gesichtsfarbe und mongolischem Typus dem Gemmenschneider Athanasius Pernath ein Buch mit einer kostbaren goldenen Initiale zur Reparatur. Pernaths Erinnerungsvermögen beginnt ihm seltsame Streiche zu spielen. Das Aussehen des Besuchers ist in seinem Gedächtnis wie ausgelöscht. Um es sich zu vergegenwärtigen, spielt er dessen Ankunft nach. Da kehrt die Erinnerung zurück - und mehr noch: Der Fremde ergreift von ihm Besitz.
Der Text folgt der ersten Buchausgabe (Leipzig 1915).
Mit einem Nachwort und einer Zeittafel von Ulrike Ehmann.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783423140744
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:272 Seiten
Verlag:dtv Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum:01.01.2012
Das aktuelle Hörbuch ist am 01.09.2015 bei Hierax Medien erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    KyraCades avatar
    KyraCadevor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Klassiker. Golem als Thema alter und neuer Literatur
    Klassiker, den man gelesen haben muss

    Der Erzähler schläft beim Lesen ein und träumt davon, der Gemmenschneider Athanasius Pernath zu sein. Dieser lebt im Prager Ghetto Ende des 19. Jahrhunderts. Ein Fremder taucht bei ihm auf und lässt einen Folianten zurück mit dem Auftrag, das "I" des Kapitels Ibbur (Seelenschwängerung) zu restaurieren. Danach ist nichts mehr wie zuvor, denn Pernath wird in Intrigen verwickelt und kann nicht immer zwischen Halluzination und Wirklichkeit unterscheiden. Schließlich taucht der Golem wieder auf, der früher bereits das Viertel in Angst und Schrecken versetzt hatte. Pernath gerät unter Mordverdacht und verstrickt sich noch weiter in seine unsteuerbaren Traumwelt.

    Der Golem ist ein Klassiker der phantastischen Literatur und schwer zusammenzufassen, ohne zu viel zu verraten. Nun kann man sich fragen, ob man bei solch alten und bekannten Werken überhaupt die Spannung nehmen kann, aber auch Rezensionen über diese Bücher sollen ja zur Lektüre ermutigen. Gustav Meyrink hat mit dem Golem ein Genre bedient, das man heutzutage als festen Bestandteil jeder Buchhandlung finden kann, was zu Zeiten der Entstehung, ca. 1913, nicht der Fall gewesen ist. Phantastische Literatur war aber bereits damals ein Begriff und keinesfalls ein Novum. Wer auf den Grusel der neueren Bücher hofft, wird allerdings enttäuscht. Meyrink setzt sich mit anderen Dingen auseinander und macht grandiose Ausflüge in die Philosophie und religiöse Anschauungen. Vielleicht macht das Buch dem ein oder anderen Leser auch Lust, sich ein bisschen mehr mit Ibbur, Kabbala und dem Judentum zu beschäftigen. Wenn man sich alleine auf die Spuren des Golem-Mythos begibt, findet man viel weiterführende Literatur und Hinweise.

    Zurück zum Buch. Man muss sich natürlich etwas an die Sprache gewöhnen, die sich von der meisten Literatur des 21. Jahrhunderts unterscheidet. Gleichzeitig hilft sie aber auch, dass man wegkommt von der heutigen Zeit, von Internet und der Vernetzung, und sich viel einfacher in das Prag um 1890 rum einfinden kann. Hat man das aber getan, kann man sich wunderbar von der Geschichte um Pernath und seine Halluzinationen fesseln lassen, hat Phantastik und einen spannenden Krimi in einem.

    Man sollte sich auch mal etwas auf ältere Literatur einlassen, die keineswegs überholt ist. Man denke nur an Edward LeeGolem oder auch an andere Literatur, die sich mit dem Wesen aus Lehm befasst. Wer das Buch nicht mag, es wurde auch verfilmt.

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    PMelittaMs avatar
    PMelittaMvor 2 Jahren
    Meyrink lässt das alte Prag auferstehen - und verwirrt den Leser mit seiner Geschichte

    Die Geschichte des Rabbi Löw und des von ihm erschaffenen Menschen aus Lehm, dem Golem, kennen sicher viele. Doch davon erzählt der Roman nicht, auch wenn der Titel einem das glauben lässt. Die Golemlegende ist nur die Basis für diesen Roman (und sollte dem Leser bekannt sein): Alle 33 Jahre bricht in Prags „Judenstadt“ eine geistige Epidemie aus und der Golem wird gesichtet …

    Klassiker können unterhaltend sein, oder Sie können einem das Leben schwer machen, weil sie anstrengend zu lesen sind und interpretiert werden wollen. Wobei ich nichts dagegen habe, eine Botschaft in einer Geschichte finden zu sollen, wenn sich aber der Sinn versteckt, dann macht es mir keinen Spaß, da nützt dann auch die schönste, bildreiche Sprache nichts mehr. Leider fällt Meyrinks „Golem“ in letztere Kategorie.

    Dass ich Meyrink Werk dennoch zu Ende gelesen habe, liegt vor allem daran, dass es mich tatsächlich stellenweise nach Prag entführt hat. Dort habe ich das Buch auch gekauft, in einer Buchhandlung im Goldenen Gässchen. Meine Ausgabe ist, auf Deutsch, im Prager Verlag Vitalis erschienen und sehr schön ausgestattet, mit einem passenden Cover, acht Illustrationen Hugo Steiner-Prags und einem sehr angenehmen Schriftbild. Im Anhang enthält es einen Brief des Illustrators an den Autor aus dem Jahr 1931, die beiden kannten sich aus Meyrinks Prager Zeit. Das Buch war also auch ein Mitbringsel aus einem schönen Urlaub, das ich nicht einfach beiseite legen konnte.

    Das Lesen war ein einziges Auf und Ab, immer wieder fesselte mich die Geschichte, besonders, wenn Geschichten und Legenden erzählt wurden, dann wieder kamen Passagen, die ich nur querlesen konnte und wollte, da sich mir ihr Sinn nicht erschloss. Sehr gut gefallen hat mir Meyrinks bildgewaltige Sprache, die mir Bilder ins Gehirn malte und Erinnerungen an Prag weckte. Wunderschön z. B. der Beginn des Kapitels „Not“, in dem der Autor das Fallen von Schneeflocken beschreibt. Einige Elemente der Erzählung machten mich neugierig auf den historischen Hintergrund und ließen mich einen bisschen recherchieren. Wegen letztgenannter Punkte vergebe ich doch noch 3 Sterne.

    Kommentare: 2
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    Falaffelwaffelvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein durchaus anspruchsvolles und teilweise abstraktes Werk, welches den Leser aber durchgehend in die Gedankenwelt des Protagonisten zieht.
    Eine Reise in den okkulten Teil des Judentums

    Der Roman von Gustav Meyrink, gehört zu den von den Nationalsozialisten als "undeutsche Werke“ bezeichneten. Zuvor habe ich noch nichts gelesen, was sich auf vergleichbare Weise mit dem Übernatürlichen auseinandersetzt, und den Leser derart in einen Strudel von Gedankenströmen und Tagträumen zieht. Ähnlich wie bei Thomas Mann oder Arthur Schnitzler, neigt man schnell dazu sich in den Gedanken und Visionen des Protagonisten zu verlieren, doch es geht ein gewisser Reiz von der Mystik und geheimnisvollen Welt aus, was die Leselust aufrechterhält.
    Wer sich also auf eine Reise in die Psyche eines Pragers im frühen 20. Jahrhunderts begeben möchte, dem empfehle ich dieses Buch zu lesen.

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    Hypochrisys avatar
    Hypochrisyvor 4 Jahren
    - Hypochrisy -

    Ein namenloser Erzähler, zu Besuch in Prag, fällt in seinem Hotelzimmer nach der Lektüre eines Buchs über das Leben des Buddha Gotama in einen unruhigen Halbschlaf. Sein schwindendes Bewusstsein entlässt ihn in einen Traum, in dem er sich als der Gemmenschneider Athanasius Pernath im geheimnisvollen Labyrinth des Prager Gettos wiederfindet. In dessen gespenstischer Atmosphäre voller Liebe und Leidenschaften, Intrigen, Hass und Verbrechen, Angst und Grauen begegnet »Pernath« dem Golem, der als Doppelgänger des Menschen erscheint. Seine Begegnungen mit dem Golem gipfeln im Wunsch und in der Hoffnung, ein erlöstes, unsterbliches Ich zu erlangen. Als der Erzähler wieder erwacht, findet er einen verwechselten Hut mit dem Namen Athanasius Pernath. Bei seinen Nachforschungen entdeckt er weitere Spuren des Geträumten in der so genannten Wirklichkeit. Der Schluss, in dem der Erzähler sich selbst, d. h. seinem geträumten Ich als Doppelgänger begegnet, lässt ihn – und mit ihm die Leser – im Ungewissen über den Wirklichkeitscharakter des Erlebten.

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    sabistebs avatar
    sabistebvor 6 Jahren
    Rezension zu "Der Golem" von Gustav Meyrink

    Phantastisch wie ein Opiumrausch
    Prag um 1914. Der anonyme Erzähler träumt von Athanasius Pernath, dessen Hut er in der Kirche versehentlich mit seinem eigenen verwechselt hat.
    Um 1890 lebt der ca. vierzigjährige Pernath als Gemmenschneider und Restaurator von Antiquitäten im Judenviertel der Stadt. Athanasius Pernath hat psychische Probleme. Er kann sich an seinen Vergangenheit nicht erinnern, hat immer wieder Gedächtnislücken, Krampfanfälle und Wahnvorstellungen, die sich noch verstärken, als ein Unbekannter ihm einen alten Folianten zur Restaurierung bringt, das Buch Ibbur. Pernath vermutet, dass der mysteriöse Auftraggeber, an dessen Gesicht er sich nicht erinnern kann, der Golem gewesen sei, der alle 33 Jahre in Prag umhergehe.
    Durch dieses Ereignis gerät Pernaths ohnehin bereits angeknackste Psyche noch weiter aus den Fugen. Erschwerend kommt hinzu, dass er in den Rachefeldzug des Medizinstudent Charousek gegen gegen den Trödler Aaron Wassertrum verwickelt wird, in den auch eine alte Bekannte aus Pernaths früherem Leben verwickelt ist, in die er wohl mal verliebt war, woran er sich aber nur schemenhaft erinnert, außerdem ist sie verheiratet und liebt einen anderen, mit dem sie eine Affäre hat. Was Pernath zusammenhält ist seine Liebe, für die ebenfalls etwas verrückte, schöne Jüdin Mirjam, die Tochter des Archivars Hillel, der sein Nachbar ist. Mirjam glaubt an Wunder, will Wunder erleben, erwartet Wunder und ist selber dabei ziemlich wunderlich.

    Gustav Meyrink dürfte heutzutage vor allem als Übersetzer von Dickens bekannt sein. Weniger bekannt ist, dass Meyrink selber Schriftsteller war um mit "Der Golem" 1913/14 selber einen Bestseller landete. Das Buch erinnert an die albtraumhaften Welten einiger Geschichten Lovecrafts, in denen sich Wahn und Realität mischen, das war damals in der phantastischen Literatur wohl gerade in. Meyrinks Schreibstil ist dabei blumig poetisch "Mit erschreckender Deutlichkeit hörte man plötzlich wie die eisernen Gasstäbe fauchend die flachen herzförmigen Flammen aus ihren Mündern in die Luft bliesen – – dann fiel die Musik über das Geräusch her und verschlang es."
    Die Geschichte ist ein abgedreht, da der Erzähler diese Erlebnisse durch die Augen eines verrückten erlebt und diese auch so wiedergibt. Eine Geschichte wie im Opiumrausch. Die Erlebnisse stehen dabei für sich, werden nicht hinterfragt oder mit Belegen untermauert. Die Geschichte gibt die subjektiven Wahnvorstellungen des Pernath oder den Traum des Erzählers wieder. So gesehen eine klassische, psychodelische Schauergeschichte um 1900. Unterhaltsam, teils ein wenig langatmig, weil über lange Strecken einfach gar nichts passiert, aber ein hübsches Portrait des Prager Ghettos vor seiner Sanierung, in welchem Juden und Christen gemischt und friedlich in sie vereinender Armut mehr schlecht als Recht über die Runden kamen.

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    brividolibrovor 6 Jahren
    Rezension zu "Der Golem" von Gustav Meyrink

    ZUSAMMENFASSUNG

    Ein Erzähler, dessen Namen im Buch nicht genannt wird, geht schlafen und findet sich in einem Traum wieder. In seiner Traumwelt ist er der Gemmenschneider und Ausbesserer Athanasius Pernath. Dieser lebt in einem heruntergekommenen Viertel in Prag.

    Wiedererwarten erscheint ein Mann, welcher ihn darum bittet, die Initiale I zu restaurieren. Nachdem Pernath den Gegenstand untersucht hat, ist der Mann auf wundersame Weise verschwunden. Kurz darauf vermutet Pernath, dass der Mann der Golem gewesen sei. Der Golem ist eine Gestalt, welche alle 33 Jahre in Prag sein Unwesen treibt. Rabbi Löw behauptet, dass er ihn 1580 an der Moldau aus Lehm erschaffen hat, weil er einen Gehilfen benötigte. Dieser sollte die Juden beschützen.

    Der Ausbesserer von Antiquitäten muss sich von nun an überaus oft aus Schwierigkeiten befreien. Des Weiteren leidet er unter Wahnvorstellungen und wird in den Streit vom Studenten Chaousek und Aaron Wasserturm hineingezogen. Doch er lernt auch Archivar Hillel kennen. Dieser hilft ihm, wenn es nötig ist.

    Eines Tages findet Pernath eine Falltür und gelangt in ein Zimmer.

    Er kommt ins Gefängnis, wird aber nach einem halben Jahr wieder entlassen. Sein Viertel wurde abgerissen und zerstört, seine Freunde sind verschwunden und als er in das Zimmer des Golems zurückkehren will, beginnt das Haus zu brennen.

    Danach wacht der Erzähler wieder auf und entdeckt einen Hut. Auf diesem ist der Name Athanasius Pernath eingestickt.

    Von einem Freund erfährt er, dass Athanasius Pernath ein bekannter Name sei und geht mit ihm zur Moldau. Dort angekommen, weist er ihm den Weg zu einem Haus. Hier sieht er einen Diener, dem er den Hut gibt.

    INTERPRETATION

    Gustav Meyrink versucht uns darauf Aufmerksam zu machen, dass der Wunsch nach Harmonie und Zusammenhalt in jedem von uns steckt. Der Golem, kann als der innere Schweinehund bezeichnet werden, der in jedem von uns haust.

    Er ist tief in unserem Unterbewusstsein versteckt und kommt immer wieder zum Vorschein. Vor allem dann, wenn wir ihn am wenigsten brauchen. Mit ihm ringen wir unser ganzes Leben.

    Der Golem ist phantastisch geschrieben und Wirklichkeit und Traum vermengt sich und ist unmöglich zu unterscheiden. Die Realität und das Surreale nehmen sich an der Hand und beginnen einen phantastischen Tanz, bei dem einmal der eine, dann der andere führt.

    In dieser Welt, die Gustav Meyrink geschaffen hat verliert man sich auf angenehme Art und Weise. Während dem Lesen betritt man unmerklich den Traum zusammen mit dem namenlosen Erzähler und verirrt sich in diesem.

    Das war, so wage ich zu behaupten, die Idee hinter diesem Buch. Während meiner Internetrecherche habe ich herausgefunden, dass Meyrink oft auf eine Stufe mit E.T.A Hoffmann gestellt wird und so betrachtete ich abermals meine Werke von E.T.A Hoffmann und bemerkte, dass sich tatsächlich Ähnlichkeiten vorweisen lassen.

    Meyrink stellt sich in seinem Werk den Problemen und Schwierigkeiten des 20. Jahrhunderts. Es begann das Zeitalter der Innovationen und neuer technischen Entwicklungen. Ebenso zogen Ausbeutung und Vereinheitlichung der Menschen einher.

    Wir werden zur Oberflächlichkeit gedrillt und wer aus dem Muster fällt, wird nicht nur entwürdigt, sondern auch vom „System“ entfernt.

    Gustav Meyrink will mit seinem Werk, der Goldem, keine Antworten geben, wie wir ein humanitäres Miteinander erschaffen können, aber er will uns vor Augen führen, dass es möglich ist, da die Sehnsucht danach in uns allen schlummert.

    PERSÖNLICHER EINDRUCK

    Mein Resümee für dieses Werk fällt höchst positiv aus. Ich denke, dass dies daher kommt, dass ich viel lese und meist schon aus dem Titel eines Werkes erahnen kann, ob mir ein Buch gefallen wird oder nicht.

    Mit dem Golem hatte ich wieder einen dieser Glückmomente. Zugegeben hat es mir anfangs Probleme bereitet zu verstehen, was der Sinn dieser Geschichte sein soll, dann habe ich aber registriert, dass dieses Buch kein Leitfaden ist oder Antworten geben soll, ich bin mir auch nicht sicher, ob es einen Sinn geben soll. Jedenfalls habe ich mich auf den einzigartigen Schreibstil von Meyrink eingelassen und mich von seinen Worten treiben lassen.

    Die Mischung aus einer Erzählung, dem Übernatürlichem und der Mystik haben mich gefesselt und zum weiterlesen animiert.

    Gustav Meyrink besitzt die Gabe selbst seelenlosen Gegenständen Leben einzuhauchen. Ein Beispiel dafür sind die Häuser, die er mit Tiere vergleicht, die in ihrem Lebensabend unmotiviert nebeneinander sitzen.

    Die Atmosphäre in diesem Buch berührte mich auf merkwürdige Weise und schaffte es, dass ich mich für den Menschen Meyrink interessierte und Nachforschungen anstellte. Ebenfalls war es ein Anliegen meinerseits, dass ich etwas über die Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert herausfinde.
    Oftmals hatte ich auch die Vermutung, dass Meyrink versucht, dem Leser kleine Aufgabenstellungen oder besser gesagt Fragen zu stellen, die den Leser anregen sollen, über das Leben nachzudenken. Der Autor schaffte es, mich in das alte Prag zu entführen, mitten in das für viele so fremde Milieu.

    Zu den Schätzen dieses Werkes zählen die überaus interessanten, wenn auch sonderbaren Ideen und die sprachliche Perfektion, sowie die Spannung, die mich stets verzauberte.

    Abschließend will ich noch anmerken, dass der Inhalt und die Hintergründe der Geschichte geschickt formuliert waren und es ein Genuss für Geist und Seeleist .

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    sabistebs avatar
    sabistebvor 6 Jahren
    Rezension zu "Der Golem" von Gustav Meyrink

    Phantastisch wie ein Opiumrausch
    Prag um 1914. Der anonyme Erzähler träumt von Athanasius Pernath, dessen Hut er in der Kirche versehentlich mit seinem eigenen verwechselt hat.
    Um 1890 lebt der ca. vierzigjährige Pernath als Gemmenschneider und Restaurator von Antiquitäten im Judenviertel der Stadt. Athanasius Pernath hat psychische Probleme. Er kann sich an seinen Vergangenheit nicht erinnern, hat immer wieder Gedächtnislücken, Krampfanfälle und Wahnvorstellungen, die sich noch verstärken, als ein Unbekannter ihm einen alten Folianten zur Restaurierung bringt, das Buch Ibbur. Pernath vermutet, dass der mysteriöse Auftraggeber, an dessen Gesicht er sich nicht erinnern kann, der Golem gewesen sei, der alle 33 Jahre in Prag umhergehe.
    Durch dieses Ereignis gerät Pernaths ohnehin bereits angeknackste Psyche noch weiter aus den Fugen. Erschwerend kommt hinzu, dass er in den Rachefeldzug des Medizinstudent Charousek gegen gegen den Trödler Aaron Wassertrum verwickelt wird, in den auch eine alte Bekannte aus Pernaths früherem Leben verwickelt ist, in die er wohl mal verliebt war, woran er sich aber nur schemenhaft erinnert, außerdem ist sie verheiratet und liebt einen anderen, mit dem sie eine Affäre hat. Was Pernath zusammenhält ist seine Liebe, für die ebenfalls etwas verrückte, schöne Jüdin Mirjam, die Tochter des Archivars Hillel, der sein Nachbar ist. Mirjam glaubt an Wunder, will Wunder erleben, erwartet Wunder und ist selber dabei ziemlich wunderlich.

    Gustav Meyrink dürfte heutzutage vor allem als Übersetzer von Dickens bekannt sein. Weniger bekannt ist, dass Meyrink selber Schriftsteller war um mit "Der Golem" 1913/14 selber einen Bestseller landete. Das Buch erinnert an die albtraumhaften Welten einiger Geschichten Lovecrafts, in denen sich Wahn und Realität mischen, das war damals in der phantastischen Literatur wohl gerade in. Meyrinks Schreibstil ist dabei blumig poetisch "Mit erschreckender Deutlichkeit hörte man plötzlich wie die eisernen Gasstäbe fauchend die flachen herzförmigen Flammen aus ihren Mündern in die Luft bliesen – – dann fiel die Musik über das Geräusch her und verschlang es."
    Die Geschichte ist ein abgedreht, da der Erzähler diese Erlebnisse durch die Augen eines verrückten erlebt und diese auch so wiedergibt. Eine Geschichte wie im Opiumrausch. Die Erlebnisse stehen dabei für sich, werden nicht hinterfragt oder mit Belegen untermauert. Die Geschichte gibt die subjektiven Wahnvorstellungen des Pernath oder den Traum des Erzählers wieder. So gesehen eine klassische, psychodelische Schauergeschichte um 1900. Unterhaltsam, teils ein wenig langatmig, weil über lange Strecken einfach gar nichts passiert, aber ein hübsches Portrait des Prager Ghettos vor seiner Sanierung, in welchem Juden und Christen gemischt und friedlich in sie vereinender Armut mehr schlecht als Recht über die Runden kamen.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 6 Jahren
    Rezension zu "Der Golem" von Gustav Meyrink

    Im jüdischen Viertel von Prag scheint ein seltsames Wesen umzugehen. Alle 33 Jahre streift erneut die sagenumwobene und zutiefst gefürchtete Gestalt des Golem durch die verwinkelten Gassen, so munkelt man. Vor diesem Hintergrund gerät Athanasius Pernath, dem jegliche Erinnerung an seine Vergangenheit fehlt, in ein undurchsichtiges Gespinst von Mystik, Intrigen und Geheimnissen, in dem Traum und Realität fließen ineinander übergehen.
    .
    Ein dunkler Verdacht stieg damals in mir auf: was, wenn am Ende wir Lebewesen auch so etwas Ähnliches wären wie solche Papierfetzen? – Ob nicht vielleicht ein unsichtbarer, unbegreiflicher „Wind“ auch uns hin- und hertreibt und unsre Handlungen bestimmt, während wir in unserer Einfalt glauben, unter eigenem, freiem Willen zu stehen? (S.45)
    .
    Die Gestalt des Golems an sich tritt kaum persönlich auf. Vielmehr handelt es sich bei ihr um Symbol und Sinnbild für das Viertel und ihre Bewohner. So, wie Pernath beispielsweise von dem verborgenem Zimmer erfährt, in das der Golem einst verschwunden sein soll, so ist auch er auf der Suche nach dem verborgenen Zimmer, in dem seine Erinnerung eingeschlossen ist.
    Die Atmosphäre im Buch ist sehr dicht und lässt sich kaum beschreiben. Eine Ahnung von Angst macht sich in einem bemerkbar, wenn davon die Rede ist, wie die agierenden Personen, ohne dass sie selbst wissen warum, von einem namenlosen Grauen gepackt werden. Überall lauern Gestalten in den Schatten, deren Absichten nicht immer ganz klar sind. Niemand ist, was er zunächst zu sein scheint - und manch armer Bewohner entpuppt sich als großer Magier, während ein anderer einen Rachefeldzug, den er sich selbst kaum erklären kann, antritt.
    .
    Das Buch hat viel mit Mystik und Spiritualität zu tun. Hier konnte ich nicht immer mithalten, da mir dann doch zu viel Hintergrundwissen bezüglich Kabbala, Tarock und der jüdischen Golems-Sage fehlte. Zwischendurch entwickelt sich die Geschichte dann auch zu einem fast schon kriminalistischen Fall mit Mord und Totschlag, Intrigen, Verleumdung und allerlei Geheimnissen.
    Durch diese bunte Mischung von Erzählweisen fiel das Buch für mich allerdings an einigen Stellen etwas auseinander, wirkte sogar sperrig und unfertig, was allerdings auch an der Tatsache liegt, das vieles offen und ungeklärt bleibt. Das mag zwar auch einen gewissen Reiz ausmachen, doch zum Ende hin hätte ich dann doch einige Sachen noch gerne etwas klarer erfahren.
    .
    Mir hat das Buch dennoch eigentlich recht gut gefallen, auch wenn es mir schwer fällt, es einzuordnen. Es ist eben ein Klassiker und eigentlich schon ein Klassiker der Schauerliteratur - und man ist dann doch überrascht, wie unheimlich es werden kann, obwohl alles Schaurige mit einer große Subtilität eher nur angedeutet als ausgesprochen wird.
    Ein Buch für verregnete Herbsttage, an denen der Nebel gegen die Fenster drückt und die Schatten in den Zimmerecken zu flüstern beginnen.

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    Saralondes avatar
    Saralondevor 7 Jahren
    Rezension zu "Der Golem" von Gustav Meyrink

    Dieses Buch war ganz anders, als ich erwartet hatte. Zum einen spielt das unheimliche Wesen, der Golem, gar keine so wesentliche Rolle, er tritt – für meine Begriffe – lediglich als eine Art Versinnbildlichung der alten Judenstadt Prags in Erscheinung. Zum anderen ist der Stil des Romans expressionistisch, kafkaesk, stellenweise hat er mich gar an Wolfgang Borchert erinnert, und das ist ja jetzt so gar nicht mein Ding. Vor allem zu Beginn des Romans ist die Handlung so verworren und konfus, dass ich das Buch beinahe abgebrochen hätte. Ich bin froh, dass ich das nicht getan habe, im weiteren Verlauf wird es durchaus spannend und interessant. Den literarischen Wert des Werks muss man zweifellos anerkennen, aber die Stilrichtung ist nicht meine und inhaltlich wurde ich doch ziemlich enttäuscht.

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    Kleinstadtkatzes avatar
    Kleinstadtkatzevor 8 Jahren
    Rezension zu "Der Golem" von Gustav Meyrink

    x Autor: Gustav Meyrink
    x (Original-) Titel: Der Golem
    x Genre: phantastische Literatur
    x Erscheinungsdatum: Leipzig, 1915
    x 254 Seiten
    x Anaconda Verlag (in meinem Fall)
    x ISBN: 3-86647-001-0
    x Der erste Satz: Das Mondlicht fällt auf das Fußende meines Bettes und liegt dort wie ein großer, heller, flacher Stein.

    Klappentext

    Gustav Meyrinks Kultklassiker und Erfolgsbuch "Der Golem" entstand in unmittelbarem Anschluss an seine Vorbilder E.T.A. Hoffmann und Edgar Allan Poe. Im Zentrum steht die alte Prager Legende vom Rabbi Löw und seiner Erschaffung eines künstlichen Menschen, den er aus Lehm zum Leben erweckt. Im Halbschlaf träumt der Erzähler, er würde im Gassengewirr des jüdischen Viertels dem Golem begegnen. Die Stimmung ist düster-dämonisch: Es herrscht eine gespannte Atmosphäre von Liebe, Leidenschaft, Angst und Verbrechen. Wieder erwacht, verfolgen ihn Spuren des Ich, von dem er geträumt hat. Immer stärker ergreift die phantastische Welt des Traums von seinem Alltag Besitz... .

    Worum geht es?

    Ein anonymer Erzähler fällt, nach der Lektüre über das Leben des Buddha Gautama, in einen unruhigen Schlaf und träumt, dass er der jüdische Gemmenschneider Athanasius Pernath in einem alten Prager Judenviertel ist. Auch er kennt die Legende von dem Golem, der bei den Juden als eine Schreckensgestalt gilt, die alle 33 Jahre durch das Viertel wandert und Schrecken verbreitet, obwohl er eigentlich den Juden zu Hilfe erschaffen worden ist.
    Pernath wird im Lauf des Romans in einen mysteriösen Rachefeldzug des Medizinstudenten Charousek am Trödler Aaron Wassertrum verwickelt, wobei noch das Leben und Liebe einer guten Freundin Pernaths, Angelina, auf dem Spiel steht. Durch eine Inszenierung Wassertrums wird Pernath verhaftet und eines Mordes verdächtig gesprochen. Er verbüßt ein halbes Jahr Gefängnisstrafe, in welcher er sowohl hinsiecht als auch erstaunliche Fähigkeiten an sich entdeckt, ständig mit den Gedanken beim Rachefeldzug und dessen ungewissen Ausgang... . Mehr möchte ich nicht verraten ;)

    Rezeption:

    Ich empfand das Buch persönlich sehr spannend, stellenweise sogar richtig gruselig. Man wird sofort in das Geschehen hineingeführt, lernt viele Personen kennen, wobei jede ihre eigene Geschichte und Mystik hat und einen Einfluss auf die Geschichte Pernaths ausübt. Der Höhepunkt war natürlich der sich immer weiter aufbauende Rachefeldzug des Studenten und die Ungewissheit Pernaths, denn man liest den Roman aus der personalen Erzählperspektive des Gemmenschneiders, obwohl im Hintergrund immer sehr viele Prozesse ablaufen.
    Allerdings sollte man sich vor der Lektüre dieses Romans mit der Prager Legende um den Golem befassen, denn die Kenntnis wird hierbei beim Leser vorausgesetzt.

    Fazit:

    Spannend!

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