Gustave Flaubert Leidenschaft und Tugend

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Inhaltsangabe zu „Leidenschaft und Tugend“ von Gustave Flaubert

Man kennt Flaubert als den Schöpfer des modernen Romans. Weniger bekannt, aber nicht minder wichtig für seine Entwicklung sind seine Jugendwerke, die einen neuen, wild- und schauer-romantischen und unmeisterlichen Flaubert enthüllen. Hier sind die ersten Erzählungen aus den Jahren 1836–1839.

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  • Rezension zu "Leidenschaft und Tugend" von Gustave Flaubert

    Leidenschaft und Tugend

    Sokrates

    19. February 2011 um 17:37

    Die ersten Erzählungen Flauberts, zusammengefasst unter dem Titel „Leidenschaft und Tugend“ enthalten folgende Kurzgeschichten: ‚Ein riechbarer Duft oder Die Gaukler‘, ‚Bibliomanie‘, ‚Eine Lektion Naturgeschichte. Gattung: Kommis‘, ‚Quidquid volueris‘, ‚Leidenschaft und Tugend‘, ‚Betrunken und tot‘ und ‚Das Totenfest des Doktor Mathurin‘. Die erste Erzählung „Ein riechbarer Duft“ erzählt von einer Truppe Gaukler, unter ihnen die hässliche Marguerite. In mitunter drastischer Weise schildert Flaubert ihr Leben, die abgrundtiefe Ablehnung anderer die sie erfährt, weil sie angeblich so unendlich hässlich ist. Die Derbheit der Erzählung ist an manchen Stellen arg grenzwertig. Flaubert schafft es aber auf diese drastische Weise dem Leser die Bosheit des Menschen gegenüber Unliebsamen in klarer, ungekünstelter Form zu demonstrieren. Die „Bibliomanie“ erzählt von Giacomo, einem blässlichen Buchhändler, der nur eine Leidenschaft in seinem Leben kennt: das Sammeln von Büchern. Als er sich eines Tages in die einzige in Spanien existierende Erstausgabe eines Werkes verliebt, ist er sogar bereit hierfür einen Mord zu begehen... In der „Gattung Kommis“ beschreibt Flaubert auf’s vortrefflichste einen Menschen der mittleren Sorte: arbeitswillig, Angestellter in einem Büro; wenn er Stinklaune hat dann eher von der sprachlosen Sorte, Wochenends mal mit intellektuell-einfachem Anspruch das Theater besuchend, ansonsten äußerst bodenständig, wenig redsam, eben mittelmäßig. Man denkt, man lese Brehms Tierleben – konzipiert wie ein Lexikoneintrag... In gleicher Weise auch die folgenden Erzählungen. Flaubert ist bereits in seinen frühen Erzählungen unübersehbar auf dem Weg zu seiner eigenen „Klasse“. Traugott König schreibt in ihrem Nachwort zur vorliegenden Ausgabe (erschienen bei Diogenes), dass sich die „vorliegende Übersetzung der Jugendwerke (...) nicht versucht, die romantische Schwülstigkeit und die stilistischen Unsicherheiten abzuschwächen oder gar zu kaschieren.“ (S. 258) Nun, derlei wird man wenig finden als Laie. Dass Flaubert noch nicht auf dem Zenit seines Könnens angelangt ist, liegt in der Natur der Sache; es sind die ersten Erzählungen. Seinen unverkennbaren Humor, seine unvergleichliche Gabe, menschliche Naturen und Karikaturen zu beschreiben, die hat er allemal bereits in bester Form. Mit viel Pfeffer in Ironie und Dramatik sind bereits diese sieben Erzählungen eine sehr unterhaltsame, mitunter traurige, aber auch erheiternde Leselektüre. Sehr empfehlenswert!

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