Madame Bovary

von Gustave Flaubert 
3,9 Sterne bei525 Bewertungen
Madame Bovary
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (360):
Andreas_H__Dreschers avatar

Wem dieses Buch fremd bleibt, der kann das Lesen getrost ganz bleiben lassen.

Kritisch (44):

Was soll ich sagen... Madame Bovarys Langeweile langweilt mich schrecklich. Ich schaff es einfach nicht dieses Buch zu Ende zu lesen...

Alle 525 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Madame Bovary"

'Alles, was sie unmittelbar umgab: die eintönige Landschaft, die kleinlichen armseligen Spießbürger, ihr ganzes Durchschnittsdasein kam ihr wie ein Winkel der eigentlichen Welt vor. Er existierte zufällig, und sie war in ihn verbannt. Aber draußen vor seinen Toren, da begann das weite, weite Reich der Seligkeiten und Leidenschaften.'

Gustave Flaubert zeichnet in seinem berühmtesten Werk das Porträt einer Frau, die vergebens versucht, durch Liebschaften der Enge ihrer Welt zu entkommen. Besonders wegen seiner Sprache ist es ein Meisterwerk der Erzählkunst. Der Autor schuf mit 'Madame Bovary' den modernen, realistischen Roman. Er entfachte damals einen Skandal.

Flaubert über seine Titelfigur: 'Madame Bovary – das bin ich.'

Neu edierte Übersetzung mit erläuternden Hinweisen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783945909263
Sprache:Deutsch
Ausgabe:E-Buch Text
Umfang:240 Seiten
Verlag:Ideenbrücke Verlag
Erscheinungsdatum:30.03.2015
Das aktuelle Hörbuch ist am 23.09.2016 bei Der Audio Verlag erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    KaterinaFrancescas avatar
    KaterinaFrancescavor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Wechselnde Liebhaber, Lügen und Ruin. Schonungslos ehrlich für das 19. Jahrhundert.
    Traum und Realität

    Die naive und verträumte Emma Rouault verspricht sich von einer Ehe mit dem biederen Landarzt Charles Bovary ein aufregenderes Leben als im Hause ihres verwitweten Vaters. Doch schon bald erleiden alle ihre Träume Schiffbruch, als sie feststellen muss, dass ihre Ehe keineswegs den berühmten Liebesgeschichten der Literatur ähnelt. So flüchtet sie sich in wechselnde Liebschaften, die entrückte Welt der Literatur, die Religion und die Kaufsucht, während sie sich nach einem möndänen Leben in Paris sehnt.

    "Madame Bovary" ist ein, für das 19. Jahrhundert, schonungslos offener Roman, der nichts beschönigt und die Existenzleere einer  bürgerlichen Frau problematisiert, die durch Erziehung und Realitätsflucht an ihren Idealen scheitert.
    Spannend ist der Auftakt des Romans, der mit einem Ausschnitt aus Charles Bovarys Leben beginnt, obwohl im Laufe des Romans Emma stets im Mittelpunkt steht. Charles wird als freundlicher, allerdings amitionsloser und einfacher Charakter eingeführt. Zwar liebt er Emma sehr, doch bleiben ihm ihre Wünsche stets verschlossen und scheinbar lebt er im festen Glauben daran, dass Emma seine Gefühle erwidert. Es ist eine ungleiche Beziehung, der vollkommen ahnungslose Charles weiß nichts von den inneren Wünschen Emmas. Seine Frau jedoch fühlt sich eingeengt in der Übersichtlichkeit und Monotonie des Landlebens und nährt auch aus Frust ihre Verachtung für den harmlosen Charles, der dem/der Leser/in teilweise schon leidtun kann, auch wenn seine Ahnungslosigkeit verblüfft.
    Die tragische Entwicklung Emmas spielt sich vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Umwälzungen ab. Im ambitionierten und materialistischen Apotheker Homais und im katholischen Pfarrer Bourisien sind Wissenschaft und Kunst personifiziert, die gegeneinander in den Ring steigen, aber auf die Seelenqualen der jungen Emma keine Antwort kennen. In dem kleinen ländlichen Rahmen trifft Emma verschiedene Männer, an die sie ihre Träume hängt, doch auch diese können ihre Vorstellungen auf Dauer nicht erfüllen. Zunehmend leidet auch ihre Gesundheit an den Ernüchterungen ihres Lebens.
    Die Sprache des Romans ist flüssig, die Seiten fliegen nur so dahin, der Erzähler bleibt unbeteiligt, verurteilt nicht, heißt aber auch nicht gut, er schildert bloß. An einigen Stellen wird sehr bildhaft geschildert, sodass einem die Szene quasi vor Augen steht.

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    _nifelheims avatar
    _nifelheimvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Lesevergnügen für anspruchsvolle Leser
    Französischer Realismus pur

    Flaubert muss wohl im Geheimen ein Misanthrop gewesen sein. Wer Flaubert schon gelesen hat und dennoch der Meinung ist, dass der Mensch auch Gutes in sich bewahrt, dem kann ich fast nicht glauben. Flaubert lebte immer sehr zurückgezogen und pflegte längerfristig betrachtet als einzigen sozialen Kontakt den Briefwechsel zu seiner damaligen Liebschaft. Recht früh verschrieb er sich der Analyse der tiefen Abscheu vor der Menschheit und schrieb in seinen Büchern immer wieder über sie. Dass gerade auch sein Roman Madame Bovary zu seiner Zeit einen Skandal ausgelöst hat und gegen die guten Sitten verstoßen hatte (Flaubert musste dafür ins Kittchen), können Leser aus diesen Tagen wohl kaum mehr nachvollziehen. Nichtsdestotrotz hat es dieses Buch mit seinen so ausgeprägt gestalteten Figuren in sich. Nichts an Madame Bovary ist leichtfüßig oder beiläufig. Jeder Satz macht Sinn und wurde an der richtigen Stelle platziert und formuliert. Man könnte meinen, das Buch ist wie eine Symphonie komponiert worden!

    Inhalt:

    Der 1857 veröffentlichte Roman Madame Bovary schildert die Liebschaften der gelangweilten Arztgattin Emma Bovary und zählt zu den kritischen Gesellschaftsromanen. Die erzählte Zeit ist um 1900 (also eigentlich 1800) angesetzt und spielt sich in der Normandie ab. Die Protagonistin, eine junge und verträumte Frau, heiratet ganz naiv den biederen Landarzt Charles Bovary in der Hoffnung auf ein beschauliches Leben. Aber schon bald nimmt ihr die Ehe die Luft zum Atmen und die junge Emma flüchtet sich in die berauschende Scheinwelt der Literatur. Ohne Ahnung und Aufklärung wie denn so eine Ehe im Alltag verläuft, wird Emma immer trauriger darüber, dass ihre Ehe nicht so ist wie in den Büchern, die sie liest. Um die innere Leere zu füllen, stürzt sie sich in Liebesabenteuer, die aber letztendlich nicht das gewünschte Glück bringen von dem sie insgeheim träumt und der Leser bekommt ab ca der Mitte des Buches mit wie Emma geistig und körperlich verfällt und schließlich freiweillig aus dem Leben scheidet.

    Meine Meinung:

    Madame Bovary ist ein sehr gutes Buch, das aber vermutlich nicht jeden Leser glücklich machen wird. Flaubert ist mit diesem Roman zumindest für mich ganz große Literatur gelungen und zwar im Stile der alten Schule. Wem Paranthesen, rhetorische Stilfiguren aus der Antike, wie Tropen (Stilmitteln, die für eine Figur statt der Bezeichnung eine Ersatzbezeichnung setzen, meist mythologisiert) und die realistische Schilderung unbestechlicher Sachlichkeiten Vergnügen bereiten, der wird dieses Buch lieben. Wer allerdings Probleme mit solchen Termini hat, da kann ich mir gut vorstellen, dass ein solcher Leser oder eine solche Leserin Madam Bovary sehr anspruchsvoll finden wird und vermutlich nicht mal bis zur Hälfte lesen. Bis zur Hälfte nämlich zaht sich die Lektüre und man wartet vergeblich darauf, dass irgendein Knaller passiert, der zumindest etwas Spannung in die bis ca zur Seite 200 geschilderte Welt bringt. Nüchtern, ganz im Stile des Realismus, schildert Flaubert die Lebenssituation von Emma und ihrem Mann Charles Bovary. Dabei werden unschöne Details nicht ausgeklammert und die Figuren werden dem Leser komplett lieblos nach der Reihe vorgeführt. Außerordentlich ist dabei Flauberts Auge für Landschaften und Natur. Wortreich umschreibt er die Umgebung und geht auch auf Kleidung, Aussehen und Eigenheiten der Figuren sehr detailliert ein. Ich mag sowas ja sehr gerne. Am liebsten hätte ich tagelang Flauberts Landschaftsmalerien, die in diesem Falle durch Worte passieren, gelesen.

    Ab der Hälfte des Buches nimmt die Erzählung dann Fahrt an und Emma und ihr inneres Seelenleben rücken in den Vordergrund. Vom Liebhaber verlassen, verfällt sie in Depressionen und wird sogar Bettlägrig. Durch ihre Krankheit werden Schulden angehäuft und Charles Bovary wächst dem Leser irgendwie ans Herz. Wie er alles Erdenkliche versucht, um seine geliebte Emma zu retten, das ist irgendwie rührend. Spätestens ab hier kann man das Buch dann nicht mehr aus der Hand legen. Dramatisch setzt ein Ereignis nach dem anderen ein und man vermutet schon, dass diese Geschichte kein gutes Ende mehr nehmen wird.

    Fazit:

    Madame Bovary besticht durch eine wortreiche Sprache und durch Flauberts eigenartigen Schreibstil, den man eben mag oder nicht. Anspruchsvoll und wortreich entführt er den Leser nach Frankreich, ins 19 Jahrhundert und nimmt kein Blatt vor dem Mund, um die damalige Gesellschaft ganz kritisch auf Papier zu bringen. Für mich ist der Roman große Literatur, er erfüllt jedes Literatenherz und ist purer Lesegenuss, wenn man denn nun auf sowas steht. Leser, die lieber moderne Literatur lesen und Probleme mit mythologischen Begriffen aus der Antike habe, werden das Buch vermutlich nicht besonders mögen. Meine Rezension bezieht sich allerdings auch auf die Ausgabe von 1985, eventuell gibt es schon modernere Überstzungen, die ohne dem auskommen. Einfach mal ausprobieren und Flaubert lesen! Von mir gibt es die ganze Punktezahl und das Buch kommt in meine Top 100 Liste.

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    Herbstroses avatar
    Herbstrosevor einem Jahr
    „Ein Sittenbild aus der Provinz“


    Emma hatte sich das Leben anders vorgestellt, als sie den älteren, verwitweten Landarzt Charles Bovary heiratete. Die Ehe mit ihm wurde ihr bald langweilig, sie erträumte sich ein mondäneres Leben mit Empfängen und Bällen, wie Charles es ihr nicht bieten konnte. An Emmas Einstellung änderte auch die Geburt Ihrer Tochter Berthe nichts. So blieb es nicht aus, dass sie sich in den nächstbesten Junggesellen verliebte, in Léon, den Praktikanten des Steuereinnehmers. Als dieser nach Paris zog um zu studieren, lernte sie den Gutsbesitzer und Lebemann Rodolphe kennen. Er entspricht ganz ihren romantischen Vorstellungen, die sie vom Lesen vieler Liebesromane übernommen hat. Eine heftige Affäre beginnt, doch als Emma mit ihm fliehen will, schreibt er ihr einen Abschiedsbrief. Emma bekommt einen Nervenzusammenbruch. Ihr Mann Charles, der sie aufrichtig liebt, pflegt sie hingebungsvoll und verschuldet sich sogar, nur um ihre ausgefallene Wünsche zu erfüllen.

    Um Emma eine Freude zu machen und sie aufzumuntern, geht Charles eines Tages mit ihr ins Theater. Dort trifft sie zufällig Léon wieder. Bald hat sie auch mit ihm abermals eine wilde Liaison. Die Treffen der Beiden bleiben jedoch nicht unbemerkt und um sich das Schweigen des Kaufmanns Lheureux zu sichern, kauft sie bei ihm teure Waren auf Kredit. Die Schulden häufen sich, bis gar der Gerichtsvollzieher in Bovarys Haus erscheint. Verzweifelt bittet Emma Léon und Rodolphe um Geld, vergeblich. So sieht sie keinen anderen Ausweg, als sich am Giftschrank des Apothekers zu bedienen …

    „Madame Bovary“ ist das erste Werk des französischen Schriftstellers Gustave Flaubert (1821 – 1880), welches 1857 als Buch erschien. Wegen angeblicher Unsittlichkeit des Romans wurde er damals angeklagt, das Gerichtsverfahren endete jedoch mit Freispruch. Das Werk wurde, nicht zuletzt wegen dieses Skandals, zum Erfolg und erschien bereits 1858 in deutscher Sprache. Flaubert unternahm zahlreiche Reisen, die ihn u. A. in die Schweiz, nach Italien, Ägypten, Syrien, Palästina, Griechenland und in die Türkei führten. Er war nie verheiratet, hatte aber eine langjährige Geliebte.

    Das Buch, das mir in einer Neuauflage des Reclam Verlag Leipzig aus dem Jahre 2003 vorliegt, stand über zehn Jahre ungelesen in meinem Bücherschrank, da ich eine altmodische Schreibweise befürchtete. Umso mehr bin ich nun überrascht, wie modern und zeitgemäß doch Inhalt und Schreibstil sind, was wohl der sehr guten Übersetzung von Ilse Perker und Ernst Sander zu verdanken ist. Die Handlung ist auf einen Zeitungsbericht aus dem Jahre 1848 zurück zu führen, in dem über den Selbstmord einer Arztgattin berichtet wurde. Flaubert nahm diesen zum Anlass, einen Roman mit dem Untertitel „Ein Sittenbild aus der Provinz“ zu schreiben. Die Geschichte liest sich, trotz einiger Längen, sehr gut und flüssig. Manche Handlungsweisen mag man in der heutigen Zeit zwar seltsam finden, doch darin liegt ja gerade der Reiz dieses zeitlosen Klassikers. 

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    Maddie-Sunshines avatar
    Maddie-Sunshinevor 2 Jahren
    Madame Bovary

    Dieses Buch entführt einen in eine Zeit und Welt, die ich mir so nicht vorstellen könnte. Flaubert beschreibt so viele Details, dass es leicht fällt, genaue Bilder im Kopf zu erzeugen. Lässt man sich ganz drauf ein, kann man eine Weile auf den Spuren einer Frau um 1850 wandeln. 

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    Dunkelblumevor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Es hat mich wirklich umgehauen und mitgenommen. Immer noch beeindruckend!
    Gesellschaftliche Enge und menschliche Schwäche (SPOILER)

    Charles und Emma Bovary leben ihr Leben gemeinsam und doch in völlig verschiedenen Welten. Während Charles, ein gutmütiger, etwas einfältiger und bodenständiger Mann, seiner Tätigkeit als Arzt nachgeht und seine Frau aufrichtig vergöttert, fühlt sich Emma gefangen im ehelichen Heim in der französischen Provinz. In ihrem Hunger nach Leben steigert sie sich in jugendlich-kindische Traum- und Romanwelten hinein. Schließlich flüchtet sie in außereheliche Affairen. die sich wahlweise als Mistkerle oder hilflos-charakterlose Träumer herausstellen. Sie versucht ihre anhaltende seelische Unruhe mit Kaufsucht zu betäuben, treibt sich und Charles jedoch in den finanziellen Abgrund. Charles ist kaum in der Lage zu erfassen was geschieht und blind für die Fehler seiner Frau. Schließlich geht die Sache sehr schlecht für die Familie Bovary aus. 

    Der Schreibstil ist angenehm. Die Detailschilderungen ufern hier und da etwas aus, was für mich persönlich etwas störend ist. Für alle, die am Anfang stecken bleiben: Ab Teil II nimmt die Geschichte Fahrt auf.  
    Flaubert schildert ein "Sittenbild" und kann seine Verachtung über die Hauptfiguren kaum verbergen. Und in der Tat: Sie tragen alle mit ihren Charaktermakeln und Fehlentscheidungen zur Katastrophe am Ende bei. Dennoch: Als Frau der heutigen Zeit beneide ich Madame Bovary nicht um ihre Lebenswelt. Und dem armen Charles kann ich irgendwie nicht recht böse sein, obwohl es an ihm gewesen wäre, die Notbremse zu ziehen. 

    Fazit: Am Ende war ich aufrichtig mitgenommen und etwas fassungslos. Ein wirklich gutes Buch! 

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    Farbwirbels avatar
    Farbwirbelvor 2 Jahren
    Ach, Emma ...

    Im Jahr 1879 wird in Frankreich der Roman „Madame Bovary“ von Gustave Flaubert veröffentlicht. Kurz darauf wird er verboten und zensiert... Flaubert sprach ein Thema an, welches für damalige Verhältnisse dermaßen frivol und unchristlich war, dass es verpönt wurde. Doch warum geht es?

    Zuerst einmal geht es um Charles Bovary, der mehr oder weniger ambitioniert Arzt wird und sich in einem kleinen Städtchen niederlässt. Eines Tages wird er aufgrund eines Beinbruchs zu einem Gut gerufen. Der Gutsherr wird von Charles gepflegt und dieser wiederum lernt seine Tochter Emma kennen. Wie der Name der bekannten Protagonistin schon verrät: die beiden heiraten. Charles und Emma sind zu diesem Zeitpunkt beide selig. Sie ziehen in ein anderes französisches Dorf um, welches in der Nähe Rouens liegt.

    Charles, der etwas einfältig wirkt, realisiert nicht, dass Emma sich von ihm löst. Sie verlangt mehr vom Leben, fühlt sich erdrückt von der Einfältigkeit ihres Lebens und sucht vor allem die große, leidenschaftliche Liebe. Ihr Herz ist nie gesättigt. Ihre Hände fangen dauernd etwas neues an. Ihre Gedanken scheinen ein endloser Strudel von Begehren und Wünschen.

    Die Liebe, glaubte sie, müsse ganz plötzlich kommen, mit feurigen Blitzen und Donnerschlägen – wie ein Himmelsorkan, der über das Leben hereinbricht, es aufwühlt, den eigenen Willen wie Blätter mit sich fortreißt und das ganze Herz in den Abgrund weht. - S. 129

    Ganz nebenbei missachtet Emma die finanziellen Grenzen ihres Hauses und gibt sich dem Luxus und der Mode hin. Sie kauft vieles für den einmaligen Gebrauch, lässt sich Dinge anfertigen, weil sie leicht abgetragen wirken.

    Sie lernt Léon kennen, der sich augenblicklich in sie verliebt. Die beiden trauen sich jedoch nicht, eine Affäre zu beginnen, geschweige denn ihre Gefühle zu offenbaren. Léon zieht um – die Chance verpasst? Rodolphe, ein gut situierter Charmeur – heute würden wir wohl Womenizer sagen – zieht in die Nähe Emmas und bezirzt sie inniglich.

    Charles ist blind vor Liebe zu Emma und bemerkt keine ihrer Eskapaden. Er sieht ihre Verschwendungssucht genauso wenig, wie ihre Liebe zu anderen Männern... Ein Tölpel, ein Einfältiger, ein Ausgenutzter.

    „Was du dir manchmal in den Kopf setzt! Ich war heute in Barfeuchères. Nun gut! Madame Liégeard hat mir versichert, daß ihre drei Töchter, die in der Miséricorde sind, Stunden für fünfzig Sous pro Sitzung erhalten, und dazu bei einer bekannten Lehrerin!“ Sie zuckte mit den Schultern und öffnete das Klavier nicht wieder. Aber wenn sie daran vorbeiging, seufzte sie (wenn Bovary in der Nähe war): „Ach! Mein armes Klavier!“ Und wenn sie besucht wurde, dann versäumte sie nicht, einen wissen zu lassen, daß sie die Musik aufgegeben habe und im Augenblick nicht wieder damit beginnen könne, aus zwingenden Gründen. Man bedauerte sie. Das war schade! Sie, die so ein schönes Talent hatte! Man redete sogar mit Bovary darüber. Man machte ihm Vorwürfe […]. - S. 315

    Doch auch Emma wird einem in diesem Roman nicht sympathisch. Gleichwohl sind nur wenige Dorfbewohner auf Anhieb sympathisch... Dies liegt womöglich an der intensiven auktorialen Erzählweise. Flaubert beleuchtet die Charaktere von allen Seiten, was diese komplexer erscheinen lässt. Gerade Emma ist aber kaum als Identifikationsfigur wahrzunehmen. Sie stieß mich ab.

    Es entwickelten sich durch die verschiedenen Gespräche aber auch sehr amüsante Passagen:

    „Es ist wie in der Bibel; dort gibt es... Sie wissen schon... mehr als eine reizvolle Stelle... Dinge, die wirklich... schlüpfrig sind!“ Und als Monsieur Bournisien eine unwillige Bewegung machte: „Oh, Sie werden doch zugeben, daß das kein Buch ist, das man einem jungen Mädchen in die Hand gibt, und ich wäre sehr ärgerlich, wenn Anthalie...“

    „Aber es sind die Protestanten, und nicht wir, die die Lektüre der Bibel empfehlen“, rief der andere ungeduldig. - S. 266

    Der Roman ist in drei Bücher eingeteilt, diese wiederum in Kapitel. Die wörtliche Rede irritiert teilweise, da sie nicht in der gewöhnten Schreibung gebraucht wird.

    Ich persönlich hatte bis zu der Hochzeit zwischen Charles und Emma einen lockeren Lesefluss, dann aber musste ich ca. 80 Seiten überbrücken, um wieder Fahrt aufnehmen zu können. Diese Durststrecke war parallel zu Emmas Langeweile in der neuen Umgebung und ist somit vermutlich vom Autor so angelegt. Für mich war es streckenweise etwas ermüdend.

    Zudem fiel mir auf, dass ich die detaillierte Schreibweise Flauberts nicht so schätzen konnte wie Austens oder Brontës. Tatsächlich ist das Buch vor allem aufgrund der historischen Brisanz interessant und man erkennt einmal mehr, in welch aufgeschlossenen Verhältnissen wir jetzt leben dürfen. Doch auch den Mut zu haben, eine anstrengende, nervige und selbstverliebte Protagonistin zu erdenken, macht den Reiz dieses Buchs aus.

    Nichts lohnte im Übrigen die Mühe, danach zu suchen; alles trog! Jedes Lächeln verbarg ein Gähnen der Langeweile, jede Freude einen Fluch, jedes Vergnügen seinen Ekel, und die besten Küsse hinterließen auf den Lippen nur die unstillbare Begierde nach einer höheren Wollust. - S. 324

    Ich für meinen Teil hätte doch mehr von dem Roman erwartet, als er am Ende ablieferte. Dennoch empfand ich es als ein angenehmes Lesen und gerade die Charakterkomplexität begeisterte mich.


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    dotvor 2 Jahren
    "Madame Bovary" von Gustave Flaubert

    Der Liebesroman "Madame Bovary" von Gustave Flaubert erzählt die Geschichte von Emma Rouault, einer schönen, jungen Frau, die die Liebe nur aus Büchern kennt. In der Hoffnung auf ein besseres Leben heiratet sie den verwitwerten Landarzt Charles Bovary. Schnell frustriert von der Bodenständigkeit ihres Mannes und dem fehlenden Luxus, flüchtet Emma in eine Scheinwelt und verfällt in tiefe Depressionen. Um seiner Frau zu helfen, zieht Charles mit ihr nach Yonville. Doch Emma schottet sich nur mehr von der Realität ab, sehnt sich nach einem anderen Leben und stürzt sich in Affären. Letztendlich führt Emma die Bovarys mit ihrem verschwenderischem Lebensstil in den Ruin und weder ihr Mann, ihre Affären, noch ihre Tochter Berth kann ihr die Liebe geben, nach der sie sucht. [...]


    "Madame Bovary" ist ein Klassiker, der mit einer zum nachdenken anregenden Tragik, einen sehr guten Einblick in die Gesellschaft des 19. Jahrhunderts ermöglicht.

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    lesestundens avatar
    lesestundenvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Ein Buch das sowohl sprachlich als auch von der Beschreibung Emmas perfekt ist
    Ein Buch das sowohl sprachlich als auch von der Beschreibung Emmas perfekt ist

    Die sprachliche Perfektion, die einfühlsame Porträtierung Emmas, die sowohl nachvollziehbar, als auch beim Lesen nachempfunden wird und gleichzeitig die Distanz zu der scheinbar zügellosen Ehebrecherin, machen dieses Buch zu einem Meisterwerk. Ich betrachte das Buch durch den literarischen Wert, den es von einem egozentrischen Standpunkt aus gesehen, nur für mich hat. Dieses Buch in seiner vollen Bedeutung mit allen Einzelheiten zu würdigen überlasse ich an dieser Stelle der Literaturwissenschaft, wenngleich die Tiefgründigkeit dieses Werkes alleine schon beim entspannten Lesen deutlich zutage tritt.

    Ausführliche Rezension: http://www.lesestunden.de/2015/01/madame-bovary-gustave-flaubert/

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    S
    sKnaerzlevor 4 Jahren
    Und wo bleibt das Gute?

    Flaubert sagte, er habe Madame Bovary in einem beständigen Zustand des Ekels geschrieben.  Und diesen Zustand vermittelt er auch seinen Lesern. Die Personen sind praktisch alle egoistisch, schwach und engstirnig. Von Außnahmen abgesehen, ist niemand zur Liebe fähig, weil das ja erfordern würde, die Interessen des Geliebten über die eigenen zu stellen. Da ist der Priester, der nicht merkt, dass ihn jemand um Hilfe anfleht, der Geldgierige Stoffhändler, der heuchlerische, ehrgeizige Apotheker (der Schlimmste von allen), der ergebene, aber schwache Ehemann, die tratschsuchtigen Frauen. Emma Bovarys Liebhaber (es sind nur zwei) sind keinen deut besser, beide schrecken zurück, als Emma von ihnen einen unwiderruflichen Schritt verlangt.
    Und Emma selbst? Sie bleibt undurchschaubar: Ist sie nicht selbst schuld, dass sie nicht merkt, dass ihre aus Romanen zusammengelesene Vorstellung von Liebe nichts und wieder nichts mit der Realität zu tun hat. Hat Sie nicht das Recht, sich angesichts der Ödnis der Provinz (und die führt der Autor ausführlich vor) sich mit schönen Dingen zu umgeben? Ist ihre Verschwendungssucht unverantwortlich ihrem Mann und ihrem Kind gegenüber oder ist es nicht richtig, sein Glück zu genießen, wenn man erst tot ist, hat man nichts davon, wenn man etwas gespart hat.

    Am Ende jedenfalls zelebriert der Autor ausführlichst das Thema Tod, einschließlich ekliger Details, so dass jeder Leser darauf gestoßen wird, mit seinem Leben etwas anzufangen. Nur was? Dazu schweigt Flaubert sich aus. Er schildert nur abschreckende Beispiele.

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    Oriodorans avatar
    Oriodoranvor 4 Jahren
    ein Meisterwerk

    Nachdem seine erste, zweckmäßige Ehe scheitert, schätzt sich der Landarzt Charles Bovary glücklich, als er mit der klugen und attraktiven Emma verheiratet wird. Er sieht in ihr die perfekte Frau, er verehrt sie und legt ihr die Welt zu Füssen.Doch Emma fühlt sich in der Ehe gefangen und empfindet ihren Mann als einen Taugenichts. In ihrer Phantasie lebt sie ein Leben voller gesellschaftlicher Höhepunkte, Prunk und Geld. Als sie an Depressionen erkrankt, zieht Charles mit ihr in eine andere Stadt, in der Hoffnung, ihr damit zu helfen. Emma aber wird nicht glücklich, sie stürzt sich in hohe Schulden bis hin zu Affären mit Männern guten Standes.Immer weiter verwickelt sich Emma in ihr Streben nach einem besseren Leben, in ihre Lügen und ihre Schulden. Doch glücklich wird sie auch dadurch nicht.
    Flaubert hat mir in jeder Zeile des Buches eines vor Augen gehalten: Du wirst nie zufrieden, mit dem, was du hast. Sobald du es erreicht hast, hast du schon wieder ein neues Ziel. Was ja durchaus sein Gutes hat. Mit seiner von Traurigkeit und Verzweiflung geschwängerten Geschichte vermittelt er uns etwas, was damals wie heute Wert hat. 
    Trotz ihrer unsymphatischen Art, litt ich mit Emma mit, denn es war mir ein Leichtes, mich in ihre Lage zu versetzen. Denn geht es nicht uns allen so? Sind nicht wir Madame Bovary? So wie Flaubert eins sagte "Madame Bovary - C'est Moi"?

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    rumble-bees avatar
    Alle diejenigen, welche die "Lovelybooks-Klassiker-Zeitreise" bis hierher geduldig verfolgt haben, können aufatmen: es geht in die nächste Runde!

    Hier findet ihr weitere Informationen zur gesamten Aktion:
    http://www.lovelybooks.de/aktion/klassiker/

    Chronologisch gesehen, ist nun die "Madame Bovary" von Gustave Flaubert an der Reihe. Im Jahre 1857 veröffentlicht, bewegt dieses Buch auch heute noch die Gemüter. Seinerzeit stand der Autor sogar wegen dieses Buches vor Gericht! Man warf ihm vor, die moralisch verwerflichen Irrungen seiner Hauptfigur "zu realistisch" und zu wenig wertend geschildert zu haben. Wir, der Fischer Verlag, das LB-Team und ich, sind gespannt, ob auch heutige Leser sich noch von Emmas Geschichte bewegen lassen.

    Der Fischer-Verlag stellt wieder 10 Exemplare zur Verfügung - und zwar wahlweise als Printausgabe oder als E-Book. Wenn ihr euch für ein Exemplar bewerben wollt, beantwortet uns doch bitte folgende Frage: Welchen Liebesroman habt ihr zuletzt gelesen? Und was habt ihr aus der Lektüre mitgenommen? Schreibt bitte dazu, ob ihr lieber eine Printausgabe oder ein E-Book haben möchtet.

    Die Bewerbungsfrist läuft diesmal ein wenig länger, und zwar bis einschließlich zum 15.10., da vorher Buchmesse ist. Eine Lektorin des Fischer-Verlages wird sich anschließend auch an der Leserunde beteiligen, und für Fragen zur Verfügung stehen.

    Also los, schildert uns eure letzten amourösen Lese-Erlebnisse, und erzählt uns, warum gerade ihr "Madame Bovary" neu entdecken möchtet! Wir freuen uns auf zahlreiche Bewerbungen!
    Flauschis avatar
    Letzter Beitrag von  Flauschivor 5 Jahren
    da ist meine: http://www.lovelybooks.de/autor/Gustave-Flaubert/Madame-Bovary-142899020-w/rezension/1040470384/ ich glaube ich bin die letze oder? Entschuldigung aber der April hat mir die Nerven geraubt und ich wollte nichts mehr zu schreiben, ich habe an dem Buch nämlich kein gute Haar mehr abgelassen. Emma war mir so zuwider...
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    Mina - Das Irrlichts avatar
    Willkommen zur "Wir lesen Klassiker - Monat für Monat"-September-Leserunde mit Gustave Flaubert und seiner Madame Bovary.

    Ich bin gespannt, ob uns das Buch ähnlich fesseln wird, wie Frankenstein im Vormonat. Auch wenn das Genre ja ein ganz anderes ist.

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