Guy Bois Umbruch im Jahr 1000

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Inhaltsangabe zu „Umbruch im Jahr 1000“ von Guy Bois

Wir befinden uns im 10. Jahrhundert n.Chr., in ganz Frankreich herrscht Mittelalter. In ganz Frankreich? Nein, ein kleines Dorf in Burgund lebt noch in der Antike. Das jedenfalls behauptet der Pariser Professor Guy Bois in seiner Monographie über Lournand, über das wir durch zahlreiche Urkunden aus dem benachbarten Kloster Cluny relativ gut informiert sind. Auf dieser Grundlage untersucht der Autor die Lebens- und Wirtschaftsformen der Dorfbewohner und kommt zu dem Schluss, dass das, was wir gemeinhin als Mittelalter bezeichnen, nicht vor dem Jahr 1000 begann. Bis weit ins 10. Jahrhundert herrschten demnach nicht nur in Lournand -- natürlich schreibt Bois seiner Fallgeschichte insgeheim repräsentativen Charakter zu -- antike Gesellschaftsstrukturen vor, am sichtbarsten in Form der Sklavenhaltung durch adlige Großgrundbesitzer. Daneben entwickelte sich jedoch bereits die Wirtschaftsform der Zukunft: die Bestellung der Ackerböden durch die damals noch eigenständige kleinbäuerliche Familie, die im Rahmen der Dorfgemeinschaft ihr hartes Brot verdiente. In dem Maße, wie nun politische Strukturen -- zuvorderst die Autorität des Staates - zerfielen und ökonomische Veränderungen -- in erster Linie das Aufkommen der Geldwirschaft und anderer marktwirtschaftlicher Elemente -- an Dynamik gewannen, begab sich diese kleinbäuerliche Schicht in wirtschaftliche und bald auch rechtliche Abhängigkeit. Im Falle Lournands hieß das zumeist, dass man sein Land den Mönchen von Cluny schenkte, es aber als Pächter weiter bewirtschaften konnte. Das ist eine der gravierenden Umwälzungen, die Bois mit dem Etikett "feudale Revolution" versieht. Erst mit diesem Umbruch beginnt für ihn das Mittelalter, also rund 500 Jahre später als in den gängigen Geschichtsbüchern. Schon allein wegen dieser ketzerischen Grundthese lohnt die Lektüre -- wenngleich der Spagat zwischen Mikroanalyse und universaler Theroriebildung nicht in allen Punkten zu überzeugen vermag. Fazit: nichts fürs breite Publikum, sondern etwas für ambitionierte Geschichtslaien und alle Fachleute, die lieb gewonnene Gewissheiten hinterfragen und eventuell über Bord werfen möchten.--Patrick Fischer
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