Guy de Maupassant Auf See

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Inhaltsangabe zu „Auf See“ von Guy de Maupassant

"Ich spüre, wie der Rausch des Alleinseins in mich eindringt, der süße Rausch der Ruhe, die nichts stören wird, kein weißer Brief, kein blaues Telegramm, nicht die Klingel meiner Tür, noch das Bellen meines Hundes. Ich bin allein, wirklich allein, wirklich frei." Und tatsächlich wird Maupassant während einer zehntägigen Kreuzfahrt mit der kleinen Jacht Bel-Ami durch nichts gestört als seine beiden treuen Matrosen (die sich höchstens ab und zu über die Windrichtung streiten). An Bord unternimmt er leidenschaftliche Exkurse ins Reich der Gedanken, sinniert über die Oberflächlichkeit der Welt des Geldes in Cannes und ihr prätentiöses Verhältnis zur Kunst, über die Selbstreflektiertheit des Künstlers, über Glück und Einsamkeit. Doch der Willkür von Wind und Wellen entsprechend, die das Boot mal vorwärtstreiben, mal zum Verweilen zwingen, kommt Maupassant um einige Landgänge nicht herum - und die haben es in sich. Ob er von einer Trauung berichtet oder von der Herrenrunde am Nebentisch, von in elenden Verhältnissen lebenden Bauern oder der Scheinwelt der reichen Kurorte und Casinos: Maupassants Liebe zum Kosmos, die sich auf See Bahn bricht, steht sein kritisch-sezierender Blick auf die Mitmenschen an Land gegenüber. Maupassants 1888 im Proginal erschienener und dank Cornelia Hastings kongenialer Übersetzung nun endlich auf Deutsch erhältlicher Text ist weit mehr als der Bericht über eine Kreuzfahrt von Antibes bis Saint-Tropez: 'Auf See' ist ein so vielschichtiges wie kurzweiliges und inspiriertes Stück Literatur, ein Mosaik von Zeitungsartikeln und Erzählungen aus sieben Jahren schriftstellerischer Arbeit, eine Trouvaille von zeitloser Überzeugungskraft.

Die gewonnenen Preise des Autors sprechen für sich selbst, es können sich ja nicht alle Juries irren.

— Simon_liest
Simon_liest

Ein Sommer an der Côte d'Azur

— Heldentenor
Heldentenor

Dieses Buch ist für mich die Krönung, das Sahnehäubchen im literarischen Schaffen eines der ganz großen Autoren des 19. Jahrhunderts.

— lesestunden
lesestunden

Kluge Gedankengänge zum Zeitgeschehen in einem großartigen Schreibstil und Sprache. Für philosophische und historische Entdecker!

— philine
philine

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  • Ein Sommer, eine Segeltörn, ein bischen Schwatz und irgendwie viel mehr.

    Auf See
    Heldentenor

    Heldentenor

    08. May 2016 um 07:42

    Guy de Maupassant erzählt von einer Segeltörn mit seiner geliebten Jacht Bel Ami an der Côte d'Azur. De Maupassant war ein begnadeter Erzähler und ihm gelingt viel mehr als nur eine unterhaltsame Reisebeschreibung. Die kurze Erzählung von 140 Seiten ist prall gefüllt mit Ausflügen in die Geschichte der Umgebung, das Leben der ihn begleitetenden und ihm begegnenden Menschen und die Gedankenwelt des Autors. Faszinierend ist der Blick, da man in der Zeit, als das Buch geschrieben wurde, gerade begann, die französische Mittelmeerküste für den modernen Tourismus zu entwickeln. Das elegant und unaufdringlich geschriebene Buch ist unterhaltsam und wie der Klappentext verspricht dennoch vielschichtig. Ferienlektüre kann auch große Literatur sein.

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  • Ein wunderbares Buch sowohl vom Inhalt als auch der Aufmachung

    Auf See
    lesestunden

    lesestunden

    20. August 2015 um 12:26

    Maupassant hat zahlreiche herausragende Texte verfasst. Dieses Buch ist für mich die Krönung, das Sahnehäubchen im literarischen Schaffen eines der ganz großen Autoren des 19. Jahrhunderts. Die vielen persönlichen Gedanken, Anekdoten, die Schilderungen der Gesellschaft, Maupassants Blick auf die Kunst und natürlich seine Eindrücke von der Natur, der See, des schönen Mittelmeers machen dieses Buch zu einer ganz besonderen Reise. In dieses Buch bin ich vollständig eingetaucht und diese wunderschönen Ausgabe ist ein Muss für jeden der die Literatur und das Meer liebt. Ausführliche Rezension: http://www.lesestunden.de/2015/08/auf-see-guy-de-maupassant/

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  • Das Tagebuch eines Schriftstellers aus dem 19. Jahrhundert

    Auf See
    philine

    philine

    20. May 2015 um 15:28

    „Auf See“ ist eine wertvolle Niederschrift der Gedankengänge eines französischen Schriftstellers aus dem 19. Jahrhundert. Emotionale und solch persönliche Worte sind wohl das Authentischste und damit (neben anderen künstlerischen Ausdrucksformen) das Interessanteste, was die Zeitgeschichte aus den letzten Jahrhunderten liefern kann. Durch den übermittelten Zeitgeist, de Maupassants Ton, Schreibstil und die betrachteten Themen war dieses Buch für mich hochinteressant und kurzweilig. Es ein wunderbares, in Leinen gebundenes Geschenk für HistorikerInnen, PhilosophInnen und LeserInnen von Autobiographien von SchriftstellerInnen! „Auf See“ ist das Tagebuch eines Seefahrers, der mit ein paar Männern in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf einem kleinen Schiff die französische Südküste entlangfährt. Weg von der ansonsten ihn umgebenden Gesellschaft, notiert er seine Gedanken. Scharfsinn, Unverständnis, Ärgernis und Zynismus mischen sich in seinen Gedankengängen und lassen durchblicken, dass sie ihm schon länger auf der Seele lasten; erleichtert, sie nun niederzuschreiben. In überaus trefflichen Metaphern trägt er unter anderem seinen Pessimismus über die dumme Durchschnittlichkeit der Menschen vor. „Denn das menschliche Denken kommt nicht voran. Sind die abgesteckten, engen, unüberwindlichen Grenzen einmal erreicht, dreht es sich um sich selbst wie ein Pferd in einer Manege, wie eine Fliege in einer verschlossenen Flasche, in der sie bis zur Wand fliegt, wo sie sich ständig stößt. Und doch, mangels Besserem, tut Denken gut, wenn man alleine lebt.“ (s.40) Besonders gefällt mir die Passage, in der er sich wütend über Kriegsverherrlichung auslässt. Ein zeitloses Portrait des massenhaften Verschleißes von Menschen, die kopflos gegen die falschen kämpfen und sich besser gegen diejenigen auflehnen sollten, die ihnen die Waffen geben. Er verabscheut die Lust, die Ehe und Hochzeiten. Aber er erkennt auch an sich den Drang dazu, Sex mit Frauen zu haben. In den ersten Sätzen gleich warnt er seine LeserInnen vor (vermutlich hatte er vorwiegend Leser vermutet), dass sie keine Abenteuer erwarten sollen. Wer weiß, wen er damit abschrecken wollte, denn er untertreibt: Die Handlung enthält nicht den Spannungsbogen eines aufregenden Seefahrerromans, aber sie geht im Hintergrund stetig voran und untermalt seine Gedankenausflüge. In den Geschehnissen auf seinen Landgängen, die er zwischen seinen emotionalen Ausbrüchen schildert, beschreibt er, wie er selbst den durch ihn noch kurz zuvor geächteten menschlichen Handlungen nachgeht. Das ist großartige Ironie, denn er outet selbstkritisch ganz bewusst vor seinen LeserInnen seine eigene Durchschnittlichkeit, ohne sie vor sich selbst in seiner Niederschrift direkt zuzugeben. Im Nachwort erzählt Julian Barnes von de Maupassants Freundschaft mit Flaubert: „Beide waren Normannen, die ihr Bedürfnis nach Gesellschaft ständig mit einem noch stärkeren Bedürfnis nach Alleinsein in Einklang bringen mussten; beide gingen […] gern ihrem Vergnügen nach; beide legten großen Wert auf ihre Privatsphäre und hegten ein tiefes Misstrauen gegen die Ehe und emotionale Bindungen; beide waren Pessimisten und Melancholiker, litten unter der Dummheit der Menschen und wurden leicht von Abscheu vor dem Leben überhaupt ergriffen.“ (s. 1995) Julian Barnes gibt dem Gelesenen zum Schluss noch eine aufschlussreichere Perspektive, indem er de Maupassants Einstellung zum Schreiben und die wahrscheinliche Entstehung des Tagebuchs aufdeckt.

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