Guy de Maupassant Ein Leben

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Inhaltsangabe zu „Ein Leben“ von Guy de Maupassant

Ein feudales Landgut an der Küste der Normandie zu Beginn des 19. Jahrhunderts: Frisch aus der Klosterschule entlassen, kann die 17-jährige Jeanne es kaum erwarten, die romantische Liebe kennenzulernen, und ist entzückt, als der gut aussehende Julien de Lamare sie zur Frau erwählt. Doch schon die Hochzeitsnacht ist ein Schock für die zu Naivität und Unmündigkeit erzogene Jeanne. Während der Flitterwochen auf Korsika findet sie zwar allmählich mehr Gefallen an den ehelichen Pflichten, muss zugleich aber feststellen, dass sie einen unerträglichen Geizhals geheiratet hat. Dies sind indes nur die ersten in einer langen Reihe von Enttäuschungen... »Da wurde ihr klar, dass sie nichts mehr zu tun hatte«, heißt es über Jeanne kurz nach ihrer Hochzeit. Mit solchen Schlüsselsätzen bringt Maupassant in seinem 1883 erschienenen Romandebüt die damalige eheliche Situation wohlhabender Frauen und die Nichtsnutzigkeit einer ganzen sozialen Klasse auf den Punkt. Die offene Darstellung weiblicher Psychologie und Sexualität mutet außergewöhnlich modern an und führte seinerzeit dazu, dass der Roman aus allen Bahnhofsbuchhandlungen verbannt wurde und sogar im Parlament Aufsehen erregte. Endlich nun wird den deutschen Lesern eines der großen literarischen Frauenschicksale des 19. Jahrhunderts in moderner Übersetzung zugänglich gemacht.

Meine erste Lektüre eines frz. Klassikers - wunderbar!

— Literatur-Lady
Literatur-Lady

Ein sehr gut lesbares literarisches "trouvaille" (Kleinod) in wunderschöner Form (mare-Verlag, 2015) - Ein zeitloser Klassiker, lesen!

— SigiLovesBooks
SigiLovesBooks

Ein absolutes Lesevergnügen und alles andere als ein angestaubter Klassiker. Optik, Haptik und Inhalt machen es zu einem Schatz.

— anushka
anushka

Wunderbare, neue Übersetzung eines lesesnwerten Klassikers.

— Gruenente
Gruenente

Eine faszinierende Geschichte, eingebettet in die Natur und das Meer mit einem Blick auf ein Leben.

— lesestunden
lesestunden

Ironische Abrechnung mit Adel und Klerus; Hymne auf die Macht und Schönheit der Natur.

— alasca
alasca

"Ein Leben" ist das sehr unberechenbare und vielseitiges Leben der jungen Protagonistin. Gekonnt geschrieben und unbedingt zu empfehlen

— HarIequin
HarIequin

Eine beeindruckende Familiengeschichte im 19. Jahrhundert, auf keinen Fall verstaubte Ansichten sondern sehr aufgeschlossene Gedanken.

— Sikal
Sikal

Ein sehr schönes Erstlingswerk von Guy de Maupassant in edler Austattung, das das Leben der adligen Frauen im 19. Jahrhundert darstellt.

— Bibliomania
Bibliomania

Tragisch schön!

— ANATAL
ANATAL

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  • Ein Frauenporträt

    Ein Leben
    Buchina

    Buchina

    Dies ist mein erster Roman von Guy de Maupassant und wahrscheinlich nicht mein letzter. Guy de Maupassant beschreibt das Leben von Jeanne. Sie wächst behütet als Einzelkind in der französischen Provinz auf. Ihre Teenagerjahre verbringt sie in der Klosterschule. Mit 17 Jahren kehrt sie ins Elternhaus zurück. Sie träumt von der bedingungslosen Liebe und heiratet naiv den erstbesten Mann. Ihre Ehe wird unglücklich, aber Jeanne fügt sich völlig in ihr Schicksal. Guy de Maupassant gelingt in seinem Roman ein wunderbares Bild der Frau des Landadels zu schaffen. Mich überraschte immer wieder wie er es schaffte sich so genau in ein Frauenschicksal hineinzuversetzen. Denn die beschriebenen Probleme sind sicher nicht selten, aber es wird ja nicht darüber offen gesprochen. Während ich zugegebenermaßen im ersten Drittel des Roman noch etwas gelangweilt von den langen Beschreibungen der Landschaften, Menschen ect war. Bin ich mit der Zeit immer besser in den Roman hineingekommen und erkannte was Guy de Maupassant mit diesen Beschreibungen möchte. Er zeichnet ein vollkommenes Bild der damaligen Gesellschaft wobei seine Kritik zum Teil offen und auch versteckt zu finden ist. Jeanne ist dabei ein Charakter in den ich mich nur schwer hineinversetzen konnte, aber Guy de Maupassants Charakterisierung und ihre Handlungen sind schlüssig. Jeannes Figur zeigt das zum Teil sinnlose Leben des Adels schonungslos auf. Dagegen werden die Arbeiter und Bauern in einem sehr guten Licht in Form einer starken Frauenfigur dargestellt. Für die damalige Zeit muss der Roman revolutionär gewesen sein. ein wichtiger Roman der den Umbruch und die Machtlosigkeit des Adels zeigt. Insgesamt ein Klassiker, den ich weiterempfehlen würde, auch wenn ich manche Abschnitte als sehr langatmig empfand. Die Mare-Ausgabe besticht durch klassische Schöhnheit. Das Buch und der Pappschuber wirken edel. Auch wenn man über die Papierseiten streicht, merkt man die Qualität. Diese Ausgabe würde ich jedem empfehlen, dem die Haptik eines Buches wichtig ist. Mir hat das Lesen dadurch noch mehr Freude bereitet.

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    • 3
  • Gewinnt die 15 Lieblingsbücher des LovelyBooks-Teams aus dem Jahr 2015!

    Lua und die Zaubermurmel
    Daniliesing

    Daniliesing

    Die Vorweihnachtszeit ist doch die schönste Zeit im Jahr für tolle Buchempfehlungen, oder? Da es ja schon eine kleine Tradition geworden ist, möchten wir vom LovelyBooks Team euch auch 2015 wieder unsere Lieblingsbücher des Jahres empfehlen und einen von euch sogar mit einem Buchpaket, das alle 15 Bücher enthält, glücklich machen! Bevor es mit den einzelnen Lieblingsbüchern losgeht, möchten wir euch aber ein wunderbares Kinderbuch ans Herz legen, das uns alle bezaubert hat und das Klein und Groß mit seiner berührenden Geschichte in seinen Bann zieht! "Lua und die Zaubermurmel" ist unser gemeinsamer Buchtipp für das Jahr 2015. Unsere Buchempfehlungen: 1. kultfigur empfiehlt: "Unterwerfung" von Michel Houellebecq Ein hochinteressantes Gedankenspiel zum schlummernden Konfliktpotential in unserer Gesellschaft und der Anpassungsfähigkeit des Einzelnen. Zeitlos und aktuell zugleich. Für mich ein geniales Buch, gerade weil es stellenweise auch banale und langweilige Seiten hat - denn so sind wir Menschen nunmal. 2. Daniliesing empfiehlt: "Der Tag, an dem der Goldfisch aus dem 27. Stock fiel" von Bradley Somer Ein Goldfisch fällt aus dem 27. Stock - vorbei an den vielen Fenstern des Hochhauses und den Geschichten der Menschen dahinter. Gekonnt verknüpft Bradley Somer die einzelnen Schicksale dieser Menschen - mal ganz gewöhnlich, mal total abstrus und verbindet sie zu einem einzigartigen Gesamtkunstwerk, das man in dieser Form bestimmt noch nicht gelesen hat! Genial! 3. TinaLiest empfiehlt: "Im Frühling sterben" von Ralf Rothmann Ralf Rothmann hat mich mit seinem sprachlich sehr beeindruckenden Roman "Im Frühling sterben" aus einer Leseflaute geholt: Ich habe ebenso gebannt wie erschüttert von den Erlebnissen des Protagonisten Walter während der letzen Monate im zweiten Weltkrieg gelesen & auch nach dem Lesen hat mich der Roman nicht so schnell losgelassen. Ein beeindruckendes, leises und sehr starkes Buch! 4. doceten empfiehlt: "Chaos" von David Mitchell In "Chaos" erzählt David Mitchell in neun Geschichten über den freien Willen des Einzelnen in einer deterministisch-chaotischen Welt - nicht das kleinste Thema für einen Debütroman. Nahezu mikroskopisch klein sind jedoch oft die verbindenden Elemente zwischen den Geschichten, bis sie sich in ein großes Ganzes fügen, das wir wohl Leben nennen. Wer die Erzählweise aus dem bekannteren "Cloud Atlas" mag, wird auch von "Chaos" begeistert sein - ich bins! 5. Malista empfiehlt: "Die schönste Art, sein Herz zu verlieren" von Mamen Sánchez Es gibt Bücher, die liest man und am Ende waren sie gut. Und es gibt Bücher wie Mamen Sanchez' "Die schönste Art sein Herz zu verlieren", erschienen im Thiele Verlag, welches einen auf eine Reise mitnimmt, die niemals enden soll! Die Faszination des Buches liegt in den pointierten Beschreibungen der Protagonisten, ihrer Herkunft und ihrer Lebensstile, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Unbedingt lesen! 6. ValerieLiebtLesen empfiehlt: "Das achte Leben (Für Brilka)" von Nino Haratischwili Ich habe das Familienepos dieses Jahr im Sommerurlaub in Portugal gelesen und war vom ersten Moment an gefesselt von dieser spannenden Geschichte rund um acht beeindruckende Frauenfiguren. Die 1200 Seiten habe ich verschlungen und danach war ich fast ein wenig wehmütig, dass die Geschichte "schon" rum war. Grandios! 7. Sophia29 empfiehlt: "Das Geheimnis des weißen Bandes" von Anthony Horowitz In diesem Jahr bin ich auf den Sherlock Holmes-Geschmack gekommen. Deswegen zählt „Das  Geheimnis des weißen Bandes“ von Anthony Horowitz zu meinen absoluten Lesehighlights 2015. Die ersten Seiten dieses Buches haben ausgereicht, um mich voll und ganz in seinen Bann zu ziehen:   London im November 1890 – der unvergleichliche Detektiv Sherlock Holmes und sein alter Freund Dr. Watson setzen alles daran, das Geheimnis um „Das weiße Band“ schnellstmöglich zu lüften, um   weitere Morde zu verhindern. Ich habe die beiden wirklich gerne auf ihrer Verfolgungsjagd begleitet und von Seite zu Seite mehr der Auflösung dieses dubiosen Falls entgegengefiebert. Dieses Buch bietet nicht nur durch und durch sympathische Protagonisten und einen einzigartigen Stil des Autors, sondern garantiert vor allem auch Spannung bis zum Schluss. 8. HannaBuecherwurm empfiehlt: "Der Name des Windes" von Patrick Rothfuss Lasst euch nicht vom schleppenden Anfang des Buches trügen! Sobald ihr diesen einmal hinter euch habt, wird euch das Buch vollkommen fesseln und bis zur letzten Seite nicht mehr loslassen. Vor allem der originelle Schreibstil macht dieses Buch aus, macht euch darauf gefasst, wiederholt in Lachen ausbrechen zu müssen. Das Buch ist der Auftakt zu einem fantastischen Fantasy-Epos, auf dessen Fortsetzung ich nun richtig gespannt bin! 9. aba empfiehlt: "Die Straße der Geschichtenerzähler" von Kamila Shamsie Gegen Ende des Jahres nur ein Lieblingsbuch zu nennen, fällt einem oft schwer, wenn fast jedes gelesene Buch diese Auszeichnung verdienen könnte. Dieses Mal ist es bei mir nicht so, ich musste keine Sekunde lang überlegen, die Entscheidung stand schon im Frühjahr fest. "Die Straße der Geschichtenerzähler" von Kamila Shamsie ist mein absolutes Lieblingsbuch aus 2015. Für so viel Leidenschaft, so konsequente und menschliche Charaktere, und eine glaubhafte und spannende Entwicklung habe ich dieses Buch sehr geliebt. 10. Kathycaughtfire empfiehlt: "Wer die Nachtigall stört ..." von Harper Lee Eines der Bücher, das man in seinem Leben unbedingt gelesen haben sollte. Es ist ein Klassiker der amerikanischen Literatur, aber einer, den man schlichtweg lieben muss. Die Geschichte ist wunderschön, die Botschaft nach wie vor eine unglaublich wichtige und Harper Lee eine grandiose Autorin. 11. markusros empfiehlt: "Vom Inder, der auf dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden" von Per J. Andersson Das Buch und speziell der so mutige Pikay haben mir die eigene Lust am Abenteuer und an fernen Ländern nicht nur in den Lesestunden zurückgebracht. Ich bewundere den Mut, sich aus Überzeugung für eine Sache in Situationen zu begeben, ohne vorher alle Eventualitäten intellektuell durchdacht und durchdrungen zu haben. 12. Tree_Trunks empfiehlt: "Altes Land" von Dörte Hansen Für mich ist "Altes Land" von Dörte Hansen eines der besten Bücher 2015 gewesen. Die Geschichte beschreibt die kleinen Wunden, die sich die Generationen einer Familie gegenseitig zufügen können und erzählt von der Bürde der Vergangenheit. Gleichzeitig hat Dörte Hansen einen tollen Humor, der mich wirklich laut zum Lachen gebracht hat und der von einer ungetrübten Menschenkenntnis zeugt. Ein großartiges Buch über menschliche Stärken und Schwächen! 13. Tasmetu empfiehlt: "Ich bin Malala" von Malala Yousafzai Dieses Buch war so viel mehr als das, was ich erwartet habe und ließ mich tief berührt und nachdenklich zurück. Es ist die Geschichte des Swat Lands, es ist die Geschichte der Taliban, des Islams, es ist die Geschichte ihres Dorfes, ihrer Eltern, ihrer Freunde, ihrer Heimat, ihrer Flucht. Sympathisch, aufrüttelnd, aktuell. 14. nordbreze empfiehlt: "Bora" von Ruth Cerha Die Frankfurter Verlagsanstalt sollte dieses Buch nur zusammen mit einem Flugticket nach Kroatien verkaufen. Obwohl ich schon immer eine Wasser-Sehnsucht hatte, war diese noch nie so stark wie beim Lesen von "Bora". Ich möchte auch eine Insel erkunden, klettern, schwimmen, Wein trinken (ich mag gar keinen Wein ..) und Fisch essen. Ruth Cerha beschreibt das Inselleben einfach, alltäglich, aber trotzdem prägnant, so dass man das Gefühl hat, schon einmal dort gewesen zu sein (was ich für mich ausschließen kann. Ich war noch nie in Kroatien). Hinzu kommen mit Mara und Andrej zwei unaufdringliche Protagonisten, deren Liebesgeschichte so dezent aufgestellt ist, eigentlich will ich das gar nicht Liebesgeschichte nennen. Zwischen den beiden herrscht einfach eine große Vertrautheit, die ohne große Worte auskommt. Seid ihr neugierig auf unsere 15 Lieblingsbücher 2015 geworden? Dann habt ihr bis einschließlich 6. Januar Zeit, bei der Verlosung eines tollen Buchpakets mit allen 15 Büchern mitzumachen. Jetzt müsst ihr uns über den "Jetzt bewerben"-Button ganz oben nur noch folgendes verraten und dann seid ihr dabei: Da wir selbst immer so gerne Bücher verschenken, würden wir von euch gern wissen, welche Bücher ihr dieses Jahr zu Weihnachten verschenkt und wieso ihr euch für genau diese entschieden habt? Welche sind eure Buchgeschenktipps des Jahres? Wir wünschen euch ein wunderschönes Weihnachtsfest & einen guten Rutsch ins neue Jahr!

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    • 990
  • Die Auf und Abs des Lebens

    Ein Leben
    Orisha

    Orisha

    „Wissen Sie, das Leben ist nie so gut oder so schlecht, wie man glaubt.“ (Maupassant, S. 315) Diese Weisheit muss auch Jeanne im Laufe ihres Lebens erkennen, doch das fällt ihr gewiss nicht immer leicht. Mit 17 Jahren aus dem Kloster kommend, malt sich Jeanne ein Leben in den schönsten Formen und Farben aus. Als sie dann auf den schneidigen, charmanten und gutaussehenden Julien de Lamare trifft und dieser sie heiraten möchte, scheinen all ihre Träume in Erfüllung zu gehen. Die Hochzeit ist schnell arrangiert, die Hochzeitsreise nach Korsika geplant und schneller als Jeanne es erahnen kann, ist sie im Alltag auf Le peuples angekommen. Doch gerade dieser bereitet der jungen Frau Probleme. Als sie dann auch noch andere Seiten ihres Mannes entdeckt und erkennen muss, dass Julien nicht der ist, für den er sich ausgegeben hat, scheint sie nach und nach an dieser Realität zu zerbrechen. Einzig ihr Söhnchen Paul bringt ihr noch Freude und wird zum Quell ihrer unbändigen (Mutter)-Liebe. Maupassants erster Roman erschien erstmals 1883 und beschreibt die Lebensgeschichte von Jeanne, die sich in ihrer kindlichen Naivität in ihre romantische Vorstellung von Ehe und Liebe stürzt. Als sie diese nicht erfüllt sieht, droht die junge Frau immer wieder in Depressionen zu versinken. Maupassant hat eine Frau portraitiert, die so gar nicht stark und herrschaftlich daherkommt, wie man es von solch einem Roman zunächst erwarten würde. Jeanne wird nicht zur Überfrau, zur Amazone oder Feministin. Sie zerbricht an ihren eigenen Vorstellungen, unfähig mit ihrem Mann zu kommunizieren oder sich eine eigene Identität aufzubauen. Sie lebt durch ihren Mann, später durch ihren Sohn und durch ihr Hausmädchen Rosalie. Jeanne ist keine Frau, die auf eigenen Beinen steht, und damit zeichnet Maupassant ein Frauenbild, welches sicherlich nicht jedem gefällt, aber von dem ich mir vorstellen kann, dass es sie im 19. Jahrhundert zu Hauf gegeben hat. Mit seiner expliziten Sprache schafft er es zudem sehr modern mit dem Thema Sex und auch Gewalt umzugehen und beschönigt dabei nichts. Die neue Auflage des Klassikers im Mare-Verlag kommt chic daher. In rotem Stoff eingebunden mit eigenen Schuber und der dezenten Gestaltung ist das Buch auf jeden Fall ein Blickfang. Einziges kleines Manko sind die Rechtschreibfehler, die mir doch immer mal wieder vor die Linse kamen. Fazit: Ein guter Klassiker in schicker Aufmachung. Lohnenswert.

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    • 2
  • Am Abgrund die Wahrheit...

    Ein Leben
    Aspasia

    Aspasia

    Eine Neuübersetzung des Weltklassikers mit informativem Anhang aus dem mare Verlag, der literarische Schätze hebt, um sie mit viel Liebe zum Buch für die Ästheten unter den Buchverrückten prächtig herauszuputzen: im edlen Schuber, farblich abgestimmt auf das feine, mehrfach geprägte Leinenkleid, mit einem von Hand aufgeklebten Schildchen mit Monet Motiv, die exzellente Typografie gedruckt auf schmeichelweichem Papier, die einzelnen Seiten durch Fadenheftung verbunden. Der Roman “Ein Leben” von Guy de Maupassant schildert das Leben von Jeannette Le Perthuis des Vauds, Jeanne genannt, ein 17 jähriges Mädchen gerade aus der Klosterschule entlassen, voller Träume und freudiger Erwartungen “..endlich für immer frei.”. Sie steckt mitten in den letzten Vorbereitungen zur Abfahrt in das familieneigene, von Ländereien umgebende, alte Sommerschloss “Les peuples”, nach den, die Auffahrt säumenden, Pappeln benannt. Dieser frisch renovierte Landsitz nahe der Steilküste in der Nähe von Yport, zwischen Etretat und Fécamp, soll von ihren Eltern Baron Simon-Jaques und Baronin Adelaide in Jeannes Besitz übergehen. Der Erzähler beschreibt Jeanne unbändige Freude aufs Landleben, auf einen Sehnsuchtsort fern der Stadt, an dem ihr Leben endlich beginnen soll. In diesem Haus wird sie wenig später mit ihrem Ehemann Julien de Lamar und ihrem Sohn leben, es Jahre später verarmt, verkaufen, um seine Spiel- und Geschäftsschulden auslösen zu können. Jenes verhätschelten, durch die kein anderes Ziel findende Liebe seiner Mutter charakterschwachen, jungen Mannes, der den Kontakt zu ihr abgebrochen hat, und bis zum Schluss der Geschichte ohne ihre finanzielle Hilfe nicht überleben kann. An dieser rauen Küste, nah am Abgrund ins Meer, die ein Sinnbild ihres Leben darstellt, ist sie vielen Schicksalsschlägen ausgesetzt, windet sich in Verzweiflung und gibt sich schließlich der Resignation hin.Der Autor, Guy de Maupassant, wird am 5. August 1850 als Sohn einer lothringschen Adelsfamilie auf Chateau de Miromesnil geboren. Nachdem er die ersten Lebensjahre auf dem normannischen Chateau de Grandville-Ymauville verbracht hatte, zerbricht die Ehe seiner Eltern 6 Jahre nach der Geburt seines Bruders. Die Eltern lassen sich 1863 einvernehmlich scheiden und die Mutter zieht mit den Söhnen in ihr Landhaus “Les Verguies” in Étretat, wohin er als Internatsschüler in den Ferien und auch später als Erwachsener immer wieder zurückkehrt. Ab 1864 unternimmt er erste literarische Versuche und begegnet den Malern Courbet und Monet und trifft vier Jahre später erstmal auf Gustave Flaubert, der ihn bis zu seinem Tod 1880 fördernd begleitet. Er studiert Jura, wird Beamter und langweilt sich in der Verwaltung. 1873 trifft er in Paris auf Zola, Daudet, Tugenjew und Cézanne. 1877 fungiert er als einer der der “Geburtshelfer” des Naturalimus bei einem Diner verschiedener Schriftsteller im Restaurant Trapp. Im selben Jahr im Dezember beginnt er mit “Ein Leben”, das im April 1883 erscheint. Viele Reisen und Veröffentlichungen folgen, trotz zunehmender gesundheitlicher Probleme. Nach einem Suizidversuch in Cannes 1892, wird er in eine Nervenklinik eingewiesen, in der er am 6. Juli 1893 stirbt. Er gilt als Vertreter des Naturalismus, jener literarischen Strömung, der es um wahrheitsgetreue Literatur geht, um die Darstellung des wahren Menschen. Ihr Ziel ist es die Realität im Detail wiederzugeben durch eine möglichst vollständige Beschreibung der Umwelt im Nebentext. Das Verhalten der Figuren soll durch eine exakte Erfassung von Gestik und Mimik und ihrer sprachlichen Besonderheiten, wie z.B. Dialekt, dargestellt werden. Flauberts, drei Jahre zuvor gestorben, hat Maupassant in “Ein Leben” sicherlich noch hinsichtlich Stil und Form, z.B. die leicht verständlichen Struktur durch die Chronologie der Darstellung vom Beginn des Romans 1819 bis zum Ende 1852, beeinflusst. Andere Elemente, wie die Art der Beschreibung von Landschaft und Wetter, mit der Hervorhebung von Form, Textur und Licht, haben sich in der Auseinandersetzung mit den Malern des sich gerade herausbildenden Impressionismus ausgebildet. Die Küstenlandschaft fungiert hier auch als Mittel für die Psychologisierung der Protagonisten. Ihre ausgiebige Darstellung dient als Blaupause der Seelenzustände der Figuren. Hinzu kommt Maupassants Fähigkeit, in seinen Erzählungen eingeübt, die rechte Balance zwischen Stillstand und Veränderung der Handlung zu finden.Man kann sein Werk als eine Studie des Verfalls lesen, des persönlichen von Jeanne und auch des Adels im allgemeinen, beide unfähig oder unwillig sich den Veränderungen anzupassen, bleiben sie passiv, Objekte der Handlungen, verharren sie im Sturm, der um sie tobt. Was letztendlich zum Untergang der Einen, allein und verlassen von allen, die sie liebte, ohne das Bestreben aus sich selbst heraus Glück zu empfinden, wie der Anderen, die lieber Vögel schießen und spazieren gehen, statt Anbetracht der sozialen Veränderungen im Gefolge der Industrialisierung, aktiv den Wandel mitzugestalten, führt.Der Gegenentwurf ist Rosalie, Jeannes Milchschwester und ehemaliges Hausmädchen, die trotz aller Widrigkeiten des Lebens, ganz im Reinen mit sich ist, sie akzeptiert Veränderungen als Herausforderungen und verkörpert damit die neue Zeit. Vielleicht auch deshalb hat ihr Maupassant das letzte Wort des Romans in den Mund gelegt, Worte seines Freundes Flaubert aus einem Brief an ihn im Dezember 1878: ”Wissen Sie, das Leben ist nie so gut oder schlecht, wie man glaubt.”

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    • 2
    BrittaRoeder

    BrittaRoeder

    12. September 2015 um 20:28
  • Leserunde zu "Ein Leben" von Guy de Maupassant

    Ein Leben
    Mare_Verlag

    Mare_Verlag

    Liebe Lovelybooks-Freunde, schon geht es weiter mit der nächsten Vorableserunde. Am 11. August 2015 erscheint ein neuer Titel in unserer wunderbaren Klassiker-Reihe: Guy de Maupassants »Ein Leben«. Hier habt ihr die Möglichkeit, euch schon vor dem offiziellen Erscheinungstermin um eins von 15 exklusiven Vorableseexemplaren zu bewerben. Zum Buch: Ein feudales Landgut an der Küste der Normandie zu Beginn des 19. Jahrhunderts: Frisch aus der Klosterschule entlassen, kann die 17-jährige Jeanne es kaum erwarten, die romantische Liebe kennenzulernen, und ist entzückt, als der gut aussehende Julien de Lamare sie zur Frau erwählt. Doch schon die Hochzeitsnacht ist ein Schock für die zu Naivität und Unmündigkeit erzogene Jeanne. Während der Flitterwochen auf Korsika findet sie zwar allmählich mehr Gefallen an den ehelichen Pflichten, muss zugleich aber feststellen, dass sie einen unerträglichen Geizhals geheiratet hat. Dies sind indes nur die ersten in einer langen Reihe von Enttäuschungen . . . »Da wurde ihr klar, dass sie nichts mehr zu tun hatte«, heißt es über Jeanne kurz nach ihrer Hochzeit. Mit solchen Schlüsselsätzen bringt Maupassant in seinem 1883 erschienenen Romandebüt die damalige eheliche Situation wohlhabender Frauen und die Nichtsnutzigkeit einer ganzen sozialen Klasse auf den Punkt. Die offene Darstellung weiblicher Psychologie und Sexualität mutet außergewöhnlich modern an und führte seinerzeit dazu, dass der Roman aus allen Bahnhofsbuchhandlungen verbannt wurde und sogar im Parlament Aufsehen erregte. Endlich nun wird den deutschen Lesern eines der großen literarischen Frauenschicksale des 19. Jahrhunderts in moderner Übersetzung zugänglich gemacht. »Was uns Ein Leben in Hülle und Fülle bietet, ist das Leben selbst: eine lebenspralle Handlungsführung, eine lebensnahe Charakterzeichnung, ein lebhaftes Gespür dafür, wie ungerecht das Leben sein kann – besonders für Frauen.« Julian Barnes  Hier geht's zur Leseprobe. Möchtet Ihr zu den 15 Vorablesern gehören?* Dann bewerbt Euch gleich und beantwortet uns dazu bis zum 27. Juli 2015 die folgende Frage:  Guy de Maupassant erzählt in seinem Roman vom Leben einer jungen Frau zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Könnt Ihr Euch vorstellen damals gelebt zu haben? Was hättet Ihr an einem Leben vor 200 Jahren schön gefunden und was gar nicht? Wir sind sehr gespannt auf Eure Antworten und freuen uns auf viele Bewerbungen! Euer mareverlag  * Bedingung ist wie immer, dass Ihr Euch zeitnah am Austausch in allen Leseabschnitten beteiligt und abschließend eine Rezension zum Buch schreibt.

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    • 360
  • "Wissen Sie, das Leben ist nie so gut oder so schlecht, wie man glaubt!"

    Ein Leben
    Literatur-Lady

    Literatur-Lady

    "Ein Leben", 1883 erschienen, ist meine erste Annäherung an Klassiker der französischen Literatur. Guy de Maupassant war mir aus dem früheren Französischunterricht noch ein Begriff mit seiner Novelle "Boule de suif", und so war ich gespannt, diesen Autoren wieder für mich zu entdecken. Ein sehr schöner, poetischer Roman aus der Feder eines damals erst Anfang dreißigjährigen Autors, der für Skandale sorgte und sogar aus den Buchhadlungen verbannt wurde. Beschrieben wird das Schicksal der jungen Jeanne Le Perthuis des Vauds, der Tochter eines Barons und einer Baronesse. Als 17jährige ohne jegliche Lebenserfahrung kehrt sie nach einer Ausbildung im Kloster nach Hause zurück und verbringt den Sommer gemeinsam mit den Eltern auf dem Landgut Les Peuples. Dort lernt sie den einige Jahre älteren Vicomte Julien de Lamare kennen und wird ziemlich prompt mit ihm verheiratet. Die ganz neuen, aufkeimenden Gefühle des jungen Mädches für einen Mann werden schlagartig durch die harte Realität zerschlagen. Die rohe und unromantische Hochzeitsnacht ist etwas, auf das niemand Jeanne vorbereitet hat und ihre naiven Vorstellungen von Liebe in den Schatten stellt. Schon bald kommen auch die dunklen Seite des verherrlichten Gatten ans Licht und Jeanne sieht sich mit Geiz und Kontrolle konfrontiert. Schlimmer aber noch wiegt die ständige Untreue Juliens, aus dessen Affäre ein uneheliches Kind hervorgeht. Ein schwerer Schlag für die junge Ehefrau. Ihre Familie bietet ihr keinen Rückhalt und so lebt sie weiter mit dem untreuen Gatten. Die Geburt des eigenen Sohnes Paul gibt ihrem Leben endlich einen Sinn, doch soll der weitere Lebensweg Jeannes weiterhin beschwerlich und voller Schicksalsschläge sein.  Wird die adlige Dame ihren Weg meistern? Der Titel "Ein Leben oder Die schlichte Wahrheit" ist meiner Meinung nach ziemlich treffend. Das Leben einer adligen Dame des 19. Jahrhunderts muss ziemlich sinnfrei und auch in gewisser Weise ereignislos gewesen sein. Jeannes Leben ist frei von einer effektiven Beschäftigung, nur gelegentliche Besuche von Freunden und Landpartien zu Pferde oder auf dem Boot bieten kurze abwechslungsreiche Stunden. Nur das Mutterglück ist eine besondere Aufgabe, die mit (zuviel) Eifer in Angriff genommen wird. Dieses oft oberflächliche Leben kennt leider kaum echte Zuneigung und Freundschaften, das muss Jeanne erkennen. De Maupassant gelingt es, das ganze Leid und den Kummer der jungen Frau stilistisch treffend und in sehr poetischer Form einzufangen. Sätze wie " Zuweilen beweint man die Illusionen mit ebenso viel Trauer wie die Toten." sind ein wahres Kleinod der Literatur. Naturbeobachtungen gehen oft mit den Emotionen der Protagonistin einher, so verändert sich mit Herbst und Winter oft die Stimmung und auch die Handlung wird zunehmend düsterer. Der Einstieg in den Roman fiel mir zunächst ein wenig schwer, man musste sich natürlich erst in die etwas altertümliche Sprache und den Stil einfinden. Die Handlung nahm aber bald an Fahrt auf und der Lesegenuss begann. Eine wechselvolle Geschichte voller Tragik und Dramatik, eine ganz neue Entdeckung eines Klassikers um Frauen des 19. Jahrhunderts.. Ich kann nur empfehlen, sich an die Lektüre zu wagen!

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    • 2
  • Das Leben einer schwachen Frau - überaus kraftvoll dargestellt

    Ein Leben
    TochterAlice

    TochterAlice

    30. August 2015 um 11:52

    Guy de Maupassant zeichnet hier ein Bild der zunächst jungen Jeanne, die sich nach Beendigung ihrer schulischen Laufbahn in einem mehr als gut behüteten Pensionat voller Naivität und Neugierde ins Leben stürzt - und alsbald einiges an Tiefen erleiden muss. Ein Leben ist es, das der großartige Autor Maupassant uns hier vor Augen führt, dasjenige einer Frau im frühen 19. Jahrhundert, eines, in dem es wesentlich mehr Abs als Aufs gibt - und das leider nur allzu plastisch Wohl und Wehen eines Frauenlebens aus der gehobenen Gesellschaft der damaligen Zeit vor Augen führt. Maupassants größter - wenn auch nicht einziger - Verdienst ist es, sich so in diese Frauenfigur einzufühlen, sie dergestalt authentisch zu präsentieren, dass man als Leser das Gefühl hat, in die damalige Epoche zurückversetzt zu werden - für uns Menschen des 21. Jahrhunderts gottseidank nur eine Versetzung auf Zeit. Denn Jeanne ist definitiv nicht zu beneiden: Generös gestatten ihr die Eltern, den Mann ihres Begehrens zu ehelichen, der sich alsbald als rechter Tunichtgut entpuppt, der ihr Geld - selbst hat er keines - mit vollen Händen ausgibt und sie vor allem nach Strich und Faden betrügt. Dabei ist auch er "nur" ein Kind seiner Zeit, wie Maupassant gar treffend darzustellen weiß. Ebenso klar lässt er aber auch seine Kritik an diesen Strukturen durchscheinen, für ihn ist es bereits damals nicht selbstverständlich, dass es auf immer so weitergeht, er stellt diese Ordnung durchaus in Frage. Kein Wunder, dass dieser Schriftsteller auch in der Gegenwart noch in aller Munde ist, ist es doch ein Mann mit Visionen, einer mit fundierten gesellschaftskritischen Argumenten, der diesen Roman erschaffen hat - einen Roman, der zwar alt sein mag, jedoch niemals altmodisch sein wird!

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  • Ein wahres literarisches "trouvaille" - ein Kleinod!

    Ein Leben
    SigiLovesBooks

    SigiLovesBooks

    Der französische Klassiker des berühmten Schriftstellers Guy de Maupassant erschien erstmals 1883 in Paris (Une vie ou L'humble vérité), wobei dieser Originaltitel in der Neuübersetzung ins Deutsche von Cornelia Hasting und mit einem aufschlussreichen Nachwort von Julian Barnes versehen, in einer wunderschönen Buchgestaltung (Leinen in hellem bordeaux-rot mit einer Bleistiftzeichnung, spazierende Dame mit Schirm, in einem crèmefarbenen, edlen Schuber) im mare-Verlag, Hamburg, 2015 eine exquisite Wiederauflage fand.So ist es bereits eine Freude, diesen Klassiker in Händen zu halten, noch schöner jedoch ist es, die ebenfalls aus edlem Papier bestehenden Seiten umzublättern und den Roman zu lesen! In "Ein Leben" spielt Jeanne le Perthuis des Vauds, die Tochter eines Barons und einer Baronesse gleichen Namens, die Hauptrolle: Wir begleiten sie durch ihr Leben, das Maupassant 1819 bis 1852 spielen lässt: Nach einer Erziehung hinter abgeschotteten Klostermauern fährt Jeanne mit ihren Eltern nach "Les Peuples", dem Schlösschen der Familie in der Normandie unweit des Meeres. Das erst 17jährige gefühlvolle und romantische Mädchen träumt von der Zukunft, der Liebe, von Lebensglück und -freude und verliebt sich kurz darauf in Julien, der ihr seinerseits den Hof macht, augenscheinlich ein freundlicher und höflicher Mann. "Papachen" arrangiert die alsbaldige Hochzeit mit dem gutaussehenden Vicomte und Jeanne weiß gar nicht, wie ihr geschieht, so überrollen sie die Ereignisse - und die eigenen Gefühle: Das junge Paar fährt nach Korsika, wobei Jeanne bei der Rückkehr feststellt, dass ihr Glück eine große Desillusionierung erfährt, da sich Julien als geiziger, knauseriger als auch aufbrausender Ehemann entpuppte und sie selbst entdeckt, dass es "für sie nichts mehr zu tun gibt, auch niemals mehr etwas zu tun geben würde": Diese (berechtigte) Erkenntnis und die Angst vor Leere und Eintönigkeit in ihrem Leben stellt einen Schlüsselsatz des Romans dar - und bestimmt einige Entscheidungen sowie die persönliche Entwicklung der jungen Frau mit... Meine Meinung: Die Natur- sowie die Stimmungs- und Gefühlsbeschreibungen von Jeanne sind von einer feingezeichneten, emotionalen, intensiven und großartigen Poesie des Autors gekennzeichnet und tragen diesen Roman in seinen Grundfesten: Auch Julien, die Eltern Jeanne's, Tante Lison, befreundete adlige Ehepaare sind sehr authentisch dargestellt; man glaubt fast, sie zu kennen. Im Sohn von Julien und Jeanne, Paul oder "Poulet" manifestieren sich dann leider viele negative Eigenschaften, die bereits dem Vater zuzuschreiben sind: Dennoch wird er mit der Liebe seiner Mutter (Jeanne) geradezu überschüttet, selbst dann, als er nur noch - inzwischen im Erwachsenenalter - Versprechungen macht und Geld von ihr fordert... Jeanne, einstmals schön, auch sentimental und aufrechten Herzens, stellt mehr und mehr fest, dass das Bild von den Menschen, das sie einst hatte, nach und nach durch Enttäuschungen und Desillusionierungen mehr und mehr zerstört und demontiert wird und eine Traurigkeit, Depression senkt sich über sie..."Zuweilen beweint man die Illusionen mit ebenso viel Trauer wie die Toten" - ein weiterer zentraler Satz, dem  den anfangs sehr heitere Roman in eine gewisse Düsterkeit taucht und der auch im Nachwort von Julian Barnes zitiert wird. Fazit: Ein wundervoller Klassiker, der zeitlos zu lesen ist (dessen Wertung jedoch in der Zeit bleiben sollte, in der er mit großem Erfolg veröffentlicht wurde), in dem Guy de Maupassant die Intoleranz und Doppelmoral der ihm verhassten (katholischen) Kirche anprangert sowie die Geltungssucht des (niederen) Landadels und deren Unnützigkeit zur Schau stellt: "Das waren jene Leute von Etikette, deren Geist, Gefühle und Worte scheinbar auf Stelzen daherkommen" (Zitat S. 180). Der Autor nimmt von Beginn an den Leser an die Hand und führt ihn - durch eine frühere Epoche - durch Jeanne's Leben, das nicht von vielen glücklichen Jahren bestimmt ist, aus dem Jeanne jedoch auch nicht ausbrechen kann, da sie nicht erlernen konnte, eigene Willensentscheidungen zu treffen. ("sie hatte keine Zeit zum Nachdenken). Hierin liegt für mich das Tragische an diesem Roman, der dennoch nach guten Lösungen und Auswegen sucht, die das Leben bietet: In Rosalie, die Jeanne später unterstützt, findet sich eine Art weiblichen Pendants: Tatkräftig, handlungsfähig und klug sowie willensstark verhindert das einstige Dienstmädchen den völligen Ruin ihrer früheren "Herrin" und legt ihr die Enkeltochter des recht mißratenen Sohnes in den Schoß mit den Worten: "Wissen Sie, das Leben ist nie so gut oder so schlecht, wie man glaubt". Dazu ist das Lesen des Nachwortes von Julian Barnes überaus interessant, um den Roman in den zeitlichen und literarischen Kontext zu seiner Zeit der Entstehung bringen zu können: Die Anmerkungen der Übersetzerin sind ebenfalls überaus hilfreich; die Chronik in dem der Lebenslauf des Autors vermerkt ist, sind ebenfalls Schlüsselelemente zum Verständnis des Romans. Die Sensibilität der Sprache Guy de Maupassant's, die noch heute sehr gut lesbar und keineswegs antiquiert ist, hat mich sehr fasziniert und macht "Ein Leben oder die schlichte Wahrheit" zu etwas Einzigartigem und ganz Besonderem für mich!Daher vergebe ich mit einer absoluten Leseempfehlung 5 Sterne und 96°.

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    • 3
  • Interessant, aber wenig Schwung

    Ein Leben
    Phliege

    Phliege

    20. August 2015 um 18:24

    Bei dem Buch ist der Name Programm: Man begleitet Jeanne le Perthuis des Vauds durch einen sehr großen Abschnitt ihres Lebens und verfolgt den Verfall einer jungen Frau. Jeanne wird mit siebzehn aus dem Kloster geholt und lebt fortan auf dem idyllischen Familiengut auf dem Land. Sie genießt dabei alle Freiheiten und hat alles, was sie braucht: Eine sorgende Familie, ein wunderschönes Haus und eine Landschaft, die sie liebt und gern erlebt. Und natürlich träumt sie von der großen Liebe, weil ihr das eben auch eingetrichtert wurde. Ihre Hoffnungen werden auch schnell erfüllt. Kaum zu Hause angekommen, tritt ihr der schnieke Julien vor die Nase. Da wird Nägel mit Köpfen gemacht und gleich geheiratet und natürlich ist das alles nicht so schick, wie sie es sich gedacht hat, sonst wäre das auch ein ziemlich langweiliges Buch. Der Schreibstil ist flüssig und schön und nur zu zehn Prozent altbacken und schwülstig. WIe man aus dem Anhang des Buches erfährt, hat Maupassant die Kunst des Streichens wirklich gut beherrscht, denn hier gibt es keine überflüssigen Charaktere (mehr) und auch die Szenerien sind eigentlich kurz und knapp beschrieben. Gleichzeitig passiert jedoch gar nicht so viel in dem Buch, man beschäftigt sich viel mit Jeannes Selbstmitleid und irgendwann doch sehr weinerlichem Gehabe. Mit der Protagonistin wurde hier ein Charakter beschrieben, der bespiellos schwach ist. Das macht sie irgendwann ziemlich nervig. Da Maupassant den Adel demontieren wollte, ist der Schritt aber verständlich und wichtig. Das vervollständigt er dann noch mit den anderen Charakteren, die alle Extreme der Sinnlosigkeit aufweisen. Unter dem Aspekt, dass dieses Buch skandalös war, ist es schon interessant zu lesen. Die ehelichen Pflichten setzt Maupassant beispielsweise mit einer Vergewaltigung gleich. Damals sicher sehr gewagt. Und das ist heute auch immernoch nachvollziehbar. Maupassants Aussage in dem Werk ist definitv interessant und das Buch schnell gelesen. Wie das aber mit damals skandalösen Werken so ist: Sie verdienen Anerkennung für die Schritte die hier gewagt wurden, aber heute hat man schon Heftigeres gelesen und gesehen. Daher fehlt dann doch einfach der Schwung in der Handlung, um es zu einem wirklich guten Buch zu machen. Lesenswert ist es aber allemal.

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  • Traum und Wirklichkeit

    Ein Leben
    alasca

    alasca

    Traum und Wirklichkeit Maupassants Une vie ou L’Humble Vérité (Ein Leben oder Die schlichte Wahrheit) erzählt die Geschichte von Jeanne de Perthuis des Vauds, Tochter des Barons Simon-Jacques und der Baronin Adélaïde, von ihrem siebzehnten bis etwa 45sten Lebensjahr. Jeanne hat gerade die Klosterschule beendet, „endlich für immer frei und bereit, alles Lebensglück zu ergreifen, von dem sie seit so Langem träumte.“ Doch ihre Träume werden sich nicht erfüllen; Ein Leben ist die Geschichte eines Niedergangs. Mit ihren Eltern bezieht Jeanne das Schloss Les Peuples in der Normandie, nahe Etretat, das im Fall ihrer Verheiratung ihr Wohnsitz sein wird. Erzogen von einem Vater, der als Anhänger Rousseaus an „ die heiteren Gesetze des Lebens“ glaubt, ist sie in keiner Weise auf die Wirklichkeit vorbereitet. Nach kaum 3 Monaten heiratet sie Julien de Lamare, einem Mann mit einem „dieser vorteilhaften Gesichter, von denen die Frauen träumen und die alle Männer abstoßen.“ Schnell tritt sein wahres Gesicht zutage; er ist respektlos, geizig und untreu und schwängert bald Rosalie, Dienstmädchen der Baronin und Jeannes fast gleichaltrige Milchschwester. Die hochherzige Jeanne kann verhindern, dass Rosalie dem Elend überantwortet wird; dies ist die erste in einer langen Reihe von Enttäuschungen, die Jeanne bis zur völligen Apathie demoralisieren und vor ihrer Zeit altern lassen werden. Am traurigen Ende ist es die dankbare Rosalie, mittlerweile eine resolute, bodenständige Bäuerin, die zu Jeannes Rettung vor Einsamkeit und Bankrott herbeieilt. Das Personal des Romans dient Maupassant als Folie, um seine Überzeugungen zu Gesellschaft, Klerus und zur schwachen Menschheit an sich zu transportieren. Wenn je ein Roman die Bezeichnung „Sittenbild“ verdient hat, dann Ein Leben. Den Adel zeichnet M. als eine nutzlose Klasse, die von der Arbeit der einfachen Leute lebt. Im Extrem der Baronin Adélaïde, die aufgrund von Fettleibigkeit und einer „Hypertrophie des Herzens“ ohne Rosalies Hilfe nicht einmal gehen kann, wird dies besonders deutlich. Auch den Hochmut seiner Klasse geißelt Maupassant: Der Adel sind für ihn „jene Leute von Etikette, deren Geist, Gefühle und Worte scheinbar immer auf Stelzen daherkommen.“ Die Situation der Frauen verdeutlicht unter anderem Jeannes Tante Lison, die als unverheiratete Frau weder im Leben noch im Tod von ihrer Umgebung wahrgenommen wird. An den Figuren des alten und des neuen Gemeindepfarrers führt Maupassant uns die Irrungen der Institution Kirche vor. Der opportunistische alte Pfarrer stillt seine zölibatäre Lust an den sexuellen Verfehlungen seiner Schäfchen; der fanatische neue Abbé ist buchstäblich lebensgefährlich in seiner religiösen Verblendung. Die einfachen Leute sind für M. der Natur näher; das klingt manchmal ein wenig herablassend, etwa wenn er von dem „animalischen Dösen der Leute aus dem Volk“ spricht; er sieht aber auch ihre widrigen Lebensumstände, wie die „elenden Behausungen“ der Fischer in Yport, und die positivsten, lebenstüchtigsten Figuren des Buches sind durchgängig Leute aus dem einfachen Volk. Mit der Psychologie seiner Figuren ist Maupassant als scharfer Beobachter der Condition humaine seiner Zeit weit voraus: In Ein Leben fällt mehrfach das Wort „unbewusst“, und das lange bevor Freud das Konzept des Unbewussten entwickelt. Der Roman ist in einer exquisit bildhaften Sprache geschrieben, die die menschlichen Befindlichkeiten und die Erscheinungen der Natur mit lyrischer Präzision nachzeichnen. Seine Figuren haben immer wieder Transzendenzerlebnisse in der Natur; hier zeigt sich Maupassants eigener pantheistischer Ansatz, der die Kraft und Schönheit der Schöpfung idealisiert. Sprache und Menschenbild haben eine erstaunlich moderne Anmutung, dadurch bleibt der Text, bei aller Meisterschaft, durchgängig leicht lesbar und wirkt wie ein Schlaglicht in die Vergangenheit. Dem Romantext hat der Verlag noch einen Textkommentar, eine Chronik von Maupassants Leben, einen Auszug aus der alten Romanfassung, einige Briefe und ein kluges Nachwort von Julian Barnes beigestellt. Die Ausstattung des Bandes – feiner Leineneinband mit einer Zeichnung von Monet, geschützt von einem stabilen Schuber – machen das Buch zudem zu einem Schmuck für den Bücherschrank. Fazit: Edle Ausgabe eines inhaltlich und stilistisch bravourös gealterten Klassikers. Sehr zu empfehlen.

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    • 2
  • Ein "klassisches" Lesevergnügen

    Ein Leben
    anushka

    anushka

    17. August 2015 um 22:34

    Die 17-jährige Jeanne ist überglücklich, als ihre Zeit im Kloster beendet ist und sie ins Herrenhaus zu ihren Eltern zurückkehren kann. Sie kann kaum an sich halten vor lauter Vorfreude auf die große Liebe und die Ehe, doch als sie schließlich verheiratet ist, muss sie feststellen, dass es für sie als Adlige keine weiteren Lebensaufgaben gibt. Ihre ganze Liebe und Energie verwendet sie dementsprechend auf den Nachwuchs und muss ansonsten selbst zusehen, ob und wie sie dem Leben einen Sinn abgewinnt. "Ein Leben" erschien bereits 1883 und erregte großes Aufsehen, was nachvollziehbar wird, wenn man dieses Frauenschicksal des 19. Jahrhunderts selbst liest. Der Autor - ein Mann - zeigt ein faszinierendes Einfühlungsvermögen in das Leben und die Psyche einer Frau seiner Zeit bzw. etwas vor seiner Zeit. Auf den ersten rund 50 Seiten war ich mir noch nicht sicher, wie die Schilderungen gemeint sind und es wirkte zunächst überspitzt und parodistisch, vor allem was die Ziele und Einstellungen der Damenwelt zu Beginn des 19. Jahrhunderts betrifft. Dann jedoch werden die Schilderungen überzeugend und nehmen den Lesenden mit in die Tiefen von Jeannes Leben. Besonders überraschend sind die recht expliziten sexuellen Szenen, bei denen man sich den Skandal plastisch vorstellen kann, den dieses Buch ausgelöst haben muss. Der Autor schildert diese Szenen sehr direkt, aber nicht vulgär. An Jeannes Seite hat er einen charismatischen und ehrgeizigen Mann gestellt, dessen negative Seiten sich nach der Hochzeit schnell zeigen, der aber in seinem Geiz einen starken Kontrast zu Jeannes eher verschwendungssüchtigem Vater bildet. Von Klassikern denkt man ja oft als angestaubte, aus der Zeit gekommene, schwierig zu lesende Romane. "Ein Leben" ist genau das Gegenteil davon. Jeannes dramatisches Leben und die zahlreichen Enttäuschungen sorgen durchweg für Spannung. Die opulenten Beschreibungen, vor allem der Natur und Landschaft, lesen sich poetisch und angenehm. Und de Maupassants Kritik an der feudalistischen Lebensweise sowie der Kirche können teilweise auch auf die heutige Zeit angewendet werden. Vor allem aber ist dieses Buch ein farbenprächtiges Sittengemälde des frühen 19. Jahrhunderts mit unverhohlener Gesellschaftskritik. Die junge Protagonistin sieht all ihre Hoffnungen und Illusionen zerfallen und droht, an der Wirklichkeit zu scheitern, was nicht wenig dem Umstand geschuldet ist, dass sie naiv und lange Zeit der Welt fern gehalten wurde. Schmerzlich muss sie lernen, was für alle selbstverständlich ist, in ihre romantischen Vorstellungen aber so gar nicht passt. Anhang und Nachwort bieten weitere interessante Einblicke. Zum einen helfen sie bei der Interpretation, zum anderen bieten sie neue Informationen, da beispielsweise aus einer früheren Version des Romans zitiert wird. Zudem ist das Buch sehr wertig und liebevoll aufgemacht: ein Pappschuber, in dem das in glänzendes Leinen gebundene Buch daherkommt. Buch und Schuber ziert eine Zeichnung von Monet. "Ein Leben" in der vorliegenden Version und Übersetzung ist ein absolutes Lesevergnügen und alles andere als ein angestaubter Klassiker. Optik, Haptik und Inhalt machen es zu einem Schatz für jeden Buchliebhaber bzw. -liebhaberin. So macht Klassiker-Lesen richtig Spaß.

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  • Die Sonne scheint in der Düsternis

    Ein Leben
    MissWatson76

    MissWatson76

    Für alle, denen Klassiker immer ein wenig ein Gräuel sind, weil zu schwer geschrieben, zu unverständlich oder überhaupt zu schwer zu verstehen, denen kann man Gue de Maupassant nur empfehlen.  Das Buch hier besticht natürlich zum einen durch sein wunderschönes Äußeres und kommt sehr edel und auch robust daher. Ich habe es am Strand bei Wind und Salzluft und Sand gelesen und es sieht immer noch genauso schön aus wie vorher :-). Das aber nur mal so am Rande.  Maupassant schreibt sehr flüssig, leicht, aber doch in wunderschönen beinahe schwingenden Worten, die einen immer genau dahin führen, wo man sein soll.  Im Großen und ganzen geht es um das Leben eines jungen Frau, das hier als 17jährige anfängt kurz nach dem Verlassen des Klosters. Sie ist heiter, beschwingt, voller Tatendrang. Aber sie würde ihrem Vater auch nie widersprechen und tut in der Regel was er sagt.  Eine Hochzeit wird arrangiert und Jeanne scheint doch verliebt zu sein und Julien eröffnet auch erst nach der Hochzeit sein wahres Gesicht.  Ein Grobian, ein Sparfuchs, ein echter Widerling, der Jeannes Träume in keiner Weise erfüllen kann.  Er tut, was Ehemänner wohl damals so taten, er betrügt sie und schenkt ihr zwar einen Sohn, lässt sie aber ansonsten für sich allein, solange sie sich seinen Wünschen nicht groß widersetzt.  Jeannes Leben wird verfolgt schon Schicksalsschlägen, von Dunkelheit und Trübsinn. Nur hin und wieder darf sie sich in ihrer eigenen kleinen Welt auch wohl fühlen. Und erst vierundzwanzig Jahre später wird sie endlich durch die Hilfe einer guten Freundin, dem ehemaligen Dienstmädchen, erwachsener und glücklich.  Was ich schade finde, ist, dass Jeanne im ganzen Roman immer ein wenig sehr naiv daherkommt. Sie will glücklich sein aber ständig passiert etwas, dass sie es nicht ist. Aber sie steht nicht auf und nimmt endlich mal die Zügel in die Hand, sondern sie lässt sie immer von jemand anderem führen. Man wartet förmlich darauf, dass sie selbst etwas tut, aber das tut sie nicht. Das finde ich ein wenig schade.  Aber sonst hat mir das Buch, nicht zuletzt durch die Sprache sehr gut gefallen. Man konnte die Personen deutlich sehen und hören und war immer mittendrin im Geschehen. Und wenn am Ende dann doch die Sonne scheint, dann ist man versöhnt und glaubt, dass jetzt auch Jeannes Leben endlich glücklicher sein wird. 

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    • 2
  • Ein Leben einer hilflosen Frau

    Ein Leben
    Gruenente

    Gruenente

    Jeannette, genannt Jeanne ist süße 17 Jahre alt (im Jahr 1819). Sehr behütet im liebevollen Elternhaus und in der Klosterschule aufgewachsen ist sie jetzt bereit für ein neues Leben. Und die Liebe. Mit sehr romantisch verklärten Vorstellungen von IHM, dem einen, reist sie mit ihren Eltern in die Normandie, wo die Familie einen Landsitz besitzt, der nach einer Heirat Jeanne als Wohnsitz dienen soll. Naturverbunden wie ihr Vater geht sie viel spazieren, badet ausdauernd im Meer, unternimmt kleine Ausflüge mit ihren Eltern. Über den Pfarrer wird sie mit dem Vicomte de Lamare bekannt gemacht. Ein auffallend schöner junger Mann aus gutem Haus, der in der Nähe wohnt. Ist er der eine? Von Anfang an wechseln sie Blicke und suchen die Nähe des anderen. Zu weit können sie freilich nur selten sein. Da gibt es schon mal lange Spaziergänge und Gespräche und eine heimliche Berührung zweier Finger. Recht schnell wird eine Verlobung organisiert. Es folgt eine kleine Hochzeit und eine Reise nach Korsika In dieser Zeit durchlebt Jeanne viele Höhen und Tiefen.Tief: ihr Gatte und der Umgang mit ihm. Hoch: die Landschaft, die Bewohner Doch Jeannehält sich an glücklichen Momenten fest, versucht die negativen Seiten zu verdrängen. Wieder zurück in Frankreich, sieht sie sich einem Leben in totaler langeweile ausgesetzt. Das Buch beschreibt Jeannes Leben, ihre Freude, ihren Kummer, ihre Leiden, die sie umgebenden Menschen. Überhaupt ist die Zeichnung der Charaktere ein großes Talent des Autors. Maupassant lässt manchmal 15 Jahre auf ein paar Seiten vergehen und verweilt an anderen Zeiträumen viel länger und setzt dadurch deutliche Akzente. Themen sind die Kirche (die nicht gut wegkommt), Ehebruch, Mord, das Leben der Adligen einige zeit nach der französischen Revolution, die Hilflosigkeit von Fraune, da sie rechtlos waren. Eine Empfehlung für alle, die mal wieder einen Klassiker lesen möchten, sich aber nicht sehr "anstrengen" wollen. Herauszuheben ist auch die schöne Ausgabe! meine Rezi "in lang" gibt es hier: http://leckerekekse.de/wordpress/ein-leben/

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    • 3
    Gruenente

    Gruenente

    14. August 2015 um 07:00
  • Eine faszinierende Geschichte, eingebettet in die Natur und das Meer mit einem Blick auf ein Leben.

    Ein Leben
    lesestunden

    lesestunden

    12. August 2015 um 19:13

    Maupassant ist ein begnadeter Autor, der Charaktere so vielschichtig und realistisch beschreibt und herausarbeitet, dass er für mich in die gleiche Riege wie Tolstoi, Flaubert und Dumas eingeordnet wird. Ein Leben ist eine stimmige Geschichte und es ist faszinierend Jeannes Leben und Schicksal zu verfolgen, dabei aber auch in ihre Welt, in die Natur und das Meer um Les Peuples, einem wunderschönen Schloss in der Normandie, einzutauchen und die vielen Eindrücke zu geniesen. Ein Buch, das ich in dieser Ausgabe uneingeschränkt empfehlen kann und das auch einen Ex Libris Stempel bekommt (nur die besten Bücher von denen ich mich auf keinen Fall mehr trennen werde, bekommen einen Ex Libris Stempel). Ausführliche Rezension: http://www.lesestunden.de/2015/08/ein-leben-guy-de-maupassant/

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  • Anders, als ich erwartet hatte

    Ein Leben
    HarIequin

    HarIequin

    12. August 2015 um 12:16

    In seinem Roman schildert der französische Schriftsteller Guy de Maupassant das Leben seiner Heldin Jeannette Le Perthuis de Vauds, kurz Jeanne. Mit 17 Jahren gerade aus der Klosterschule entlassen, träumt sie von einer aufregenden Zukunft und natürlich von IHM – ihrem perfekten, zukünftigen Ehemann. In Julien de Lamare meint sie diesen zu finden, doch die Ernüchterung folgt schnell. Mit der jungen Jeanne wird dem Leser ein sehr naives Mädchen präsentiert, das die Realität etwas verklärt wahrnimmt. So war ihr Handeln für mich teilweise nicht nachvollziehbar und ich hätte sie am liebsten ein wenig geschüttelt, um ihr die Augen zu öffnen. Gleich zu Beginn ist der Aufbruch in ihr neues Leben beschrieben; man merkt die Vorfreude und Hoffnung. Ihr Leben selbst begleitet der Leser dann (grob geschätzt) um die 20 Jahre - Und über mangelndes Geschehen kann man sich hier wahrlich nicht beschweren. Der Protagonistin bleibt nichts erspart, das Leben schlägt unberechenbar zu und sie muss so einiges durchmachen. Das einzige, was ich an dem Roman zu kritisieren habe, ist dass ich keinen Bezug zu Jeanne gefunden habe und mich die ganze Geschichte nicht so berührt hat, wie sie es hätte können. Ihr Charakter war teilweise für mich nicht greifbar und ich wusste sie nicht einzuordnen. Sehr positiv muss ich allerdings Mauspassant als Autor erwähnen. Zum einen versteht er es wirklich, sich in Jeanne als Frau hineinzuversetzen und zum anderen hat er einige ganz moderne Ansichten in sein Werk gepackt. An manchen Stellen will man gar nicht meinen, dass es 1883 erschienen ist. Auf jeden Fall hat Maupassant mich damit schon neugierig auf seine anderen Werke gemacht. Als Fazit möchte ich hier sagen, dass der Roman mir durchaus gut gefallen hat, auch wenn er mich nicht vollends überzeugen konnte. Altmodische Atmosphäre, spannende Handlung mit unerwarteten Wendungen und ein angenehmer Schreibstil. Nur so richtig ergriffen hat er mich leider nicht. Trotzdem zeigt „Ein Leben“ für mich mal wieder, dass Klassiker keinesfalls angestaubte Geschichten sind, die den Leser langweilen. Was zwar nicht in die Wertung mit einfließt, aber unbedingt erwähnt werden muss, ist die tolle Aufmachung vom Verlag „mare“. In Leinen gebunden und einem robusten Schuber sieht der Roman sehr schlicht, aber dennoch edel aus. Dazu kommt noch ein hilfreicher Anhang mit Erklärungen, Briefen des Autors, einer Chronik seines Lebens und einem Nachwort von Julian Barnes.

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