Der letzte Zar

von György Dalos 
2,2 Sterne bei6 Bewertungen
Der letzte Zar
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

D

Oberflächlich, ungenau und Halbwahrheiten kann dieses Buch vorweisen.

Bellis-Perenniss avatar

Historische ungenau, einige Fehler - dieses Buch muss man nicht unbedingt lesen

Alle 6 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Der letzte Zar"

In der Nacht vom 17. auf den 18. Juli 1918 wurde Zar Nikolaus II. mit seiner Frau und der gesamten Familie von einem Kommando der Tscheka in Jekaterinenburg ermordet. Der Alptraum aller Monarchien, der sich in Aufständen, Verschwörungen und Attentaten schon angedeutet hatte, war Wirklichkeit geworden. In dieser historisch fundierten, lebendigen Darstellung wird deutlich, wie das beständige politische Versagen der Romanow-Dynastie den revolutionären Prozess befeuert hat, den der letzte Zar nicht mehr aufhalten konnte.

György Dalos – einer der international profiliertesten Publizisten auf dem Feld osteuropäischer Geschichte – entwirft ein scharf konturiertes Bild der Zaren im 19. Jahrhundert, ohne die Ursachen für die Nöte der Arbeiter und Bauern zu vernachlässigen. Als Nikolaus II. 1894 den Thron besteigt, erweist er sich als unfähig, der vielfältigen Probleme in seinem riesigen Reich Herr zu werden. Katastrophen, Krieg und persönliches Leid, die der Autor eindrücklich schildert, verunsichern den schwachen Herrscher zutiefst, an dessen Hof schließlich der Wanderprediger Rasputin immer größeren Einfluss gewinnt. Als Nikolaus zu Reformen ansetzt, ist es zu spät. Der erfolglos geführte Erste Weltkrieg drängt den Zaren immer weiter in die Defensive, bis er und das Haus Romanow im reißenden Strom der bolschewistischen Revolution untergehen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783406713675
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:232 Seiten
Verlag:C.H.Beck
Erscheinungsdatum:23.11.2017

Rezensionen und Bewertungen

Neu
2,2 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne0
  • 4 Sterne0
  • 3 Sterne2
  • 2 Sterne3
  • 1 Stern1
  • Sortieren:
    D
    Dawinvor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Oberflächlich, ungenau und Halbwahrheiten kann dieses Buch vorweisen.
    Keine Leseempfehlung!

    Dieses Buch bekam ich als Rezensionsexemplar geschenkt, ansonsten hätte ich bereits nach den ersten Seiten wieder abgebrochen.

     

    Die Geschichte der Romanows gilt durchaus als interessanter Abschnitt der Geschichte Russlands und somit auch das Ende dieser Dynastie. Bereits auf den ersten Seiten musste ich hier schwerwiegende historische Fehler feststellen und so zieht sich das durch das Buch. Im weiteren Verlauf werden Namen verwechselt, Bilder falsch beschriftet – von einem Sachbuch, noch dazu von einem renommierten Verlag wie C.H. Beck hätte ich mir wahrlich anderes erwartet.

     

    Dass der Autor an der Zarenfamilie kein gutes Haar lässt, Alix und Nikolaus (ebenso wie in weiterer Folge die Geschichte rund um Rasputin) richtiggehend verreißt, hat mein Lesevergnügen zur Gänze getrübt. Ich finde es durchaus wichtig, dass ein Autor kritisch hinterfragt und darf auch mal seine Interpretationen einfließen lassen. In diesem Fall werden die handelnden Personen oberflächlich, distanziert und als eiskalt dargestellt, in anderer Literatur findet man hier differenziertere Charakterzüge. Nikolaus war kein Herrscher – ja, das ist korrekt. Er kann aber nicht allein als Sündenbock für gesellschaftliche Veränderungen, politische Entwicklungen und soziale Missstände verantwortlich gemacht werden. Das ist mir zu einfach.

     

    Ich kann hier nur einen Stern vergeben, was ich wirklich bedaure.

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    sabatayn76s avatar
    sabatayn76vor 10 Monaten
    Eher blutleeres und langatmiges Buch

    Obwohl die Rezensionen zu diesem Titel bisher eher negativ ausgefallen sind, habe ich mich auf das Buch gefreut, denn ich kenne aus meiner Schulzeit in der DDR nur die typische Anti-Zaren- und Pro-Bolschewiki-Propaganda. Aus inhaltlicher Sicht kann ich das Buch somit kaum kritisieren, denn im Gegensatz zu anderen Rezensenten habe ich mich noch nicht umfassend mit dem Thema befasst und kann so keine Fehler im Text detektieren.

    Was ich aber sagen kann, ist, dass mir die Lektüre überhaupt keinen Spaß gemacht hat. Ich lese gerne und oft Sachbücher, aber ‚Der letzte Zar‘ ist meiner Meinung nach so langatmig geschrieben, dass ich mich durch die gerade einmal 200 Seiten regelrecht quälen musste. Ich fand die Beschreibungen im Buch einerseits sonderbar blutleer, andererseits viel zu detailliert, wenn es um unnötige Informationen geht, z.B. welche Speisen wo aufgetragen wurden oder wie viele Wachleute wann eingesetzt waren. Normalerweise führen solche Details dazu, dass man sich die beschriebenen Situationen besser vorstellen kann und dass Schilderungen lebendiger wirken, aber hier fand ich es eher zerfahren, zumal an anderer Stelle mit Details gespart wurde, die wichtiger und spannender gewesen wären.

    Vermisst habe ich zudem eine übersichtliche Auflistung der Ereignisse, z.B. in einer knappen Chronik, die es dem Leser einfacher macht, sich in der Biografie des Zaren und den geschichtlichen Ereignissen besser zurecht zu finden.

    Am Ende bleibt bei mir zudem noch eine Unsicherheit, ob das Gelesene überhaupt korrekt ist, denn selbst Passagen, die ich interessant und gelungen fand, lassen mich zweifeln, ob die Ereignisse richtig wiedergegeben wurden, nachdem mehrere Rezensenten fehlerhafte Beschreibungen kritisierten.

    Kommentieren0
    3
    Teilen
    Bellis-Perenniss avatar
    Bellis-Perennisvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Historische ungenau, einige Fehler - dieses Buch muss man nicht unbedingt lesen
    Leider kein besonders gelungenes Buch

    Der C. H. Beck-Verlag ist für seine sorgfältig recherchierten Sachbücher bekannt, die ich immer mit Genuss lese, enthalten sie doch eine Menge Wissenswertes.
    Auch an diese Biografie des letzten Zaren bin ich mit gespannter Erwartung herangetreten. Leider bin ich diesmal enttäuscht worden.

    Das Buch ist in elf Kapitel gegliedert, die jeweils eine signifikante Überschrift tragen, wenn man von Kap. 1 (= Einleitung) absieht. Hier hätte ich mir einen groben Überblick zur Dynastie erwartet.

    Schon auf den ersten 20 Seiten musste ich feststellen, dass der Autor (oder die Übersetzerin) die Genealogie der Romanows nicht wirklich im Griff hat (S.19). So wird hier eine Abfolge von Herrschern angeführt, die so nicht stattgefunden hat.

    „Nikolaj II. erklomm nun den Thron einer Dynastie, die im Zeitraum ihrer Herrschaft seit 1613 dem Russischen Reich die unterschiedlichsten Zaren beschert hatte: den westlich orientierten Reformer Peter I., die aufgeklärte, mit Voltaire korrespondierende Monarchin Katharina II., dann Alexander I., der Bezwinger Napoleons, der durch die Heilige Allianz die europäische Politik mitbestimmte. Schließlich folgten der Erzreaktionär Nikolaj I., sowie einige kurzlebige Übergangsherrscher, darunter Peter II., und Paul I., die von großfürstlichen Rivalen entmachtet bzw. ermordet wurden.“

    In Wirklichkeit waren Peter II. und Paul I. Vorfahren von Nikolaus I. (Regierungszeit 1825-1855). Peter II, der Enkel von Peter I. und regierte von 1727-1730. Paul I. war der Sohn Katharinas II. (regierte von 1796-1801) – also keine direkte Nachfolge.

    Eine Abbildung des Stammbaums, der im Buch fehlt, hätte hier Abhilfe schaffen können. 
    Genauso hätte die peinliche Verwechslung auf Seite 114 von Olga (geb. 1895) und Tatjana (geb. 1897) durch einen Blick auf die Ahnentafel vermieden werden können.

    Auffällig ist auch, dass öfters genaue Quellenangaben fehlen.

    Irritiert haben mich einige Querverweise in die jüngere Geschichte. Z.B. das angebliche Verhalten von Präsident Putin als er vom Untergang der „Kursk“ gehört hat. Soweit bekannt, hat Putin sofort nach Bekanntwerden der Katastrophe seinen Urlaub unterbrochen und ist an den Unglücksort gereist.

    Auch dieser Hinweis „Alix, Anja und Grigorij ähnelten den assoziierten Mitgliedern einer GmbH, ohne deren Tätigkeit formal bestimmen zu können.“ (S. 163.) lässt mich die Stirne runzeln. Was will uns der Autor damit sagen?
    Mitglieder des Englischen Königshauses nennen ihre Familie manchmal „Firma Windsor“. Wenn hier der Autor einen Scherz machen wollte, so ist der gründlich danebengegangen. Einem Außenstehenden steht eine solche Bezeichnung meiner Ansicht nach nicht zu.

    Die Rolle Rasputins innerhalb der Romanows bleibt zum Großteil vage. Allerdings werden die üblichen Spekulationen über seine Ausschweifungen gerne übernommen, dabei ist bekannt, dass sie Teil einer üblen Verleumdungskampagne waren, die von unterschiedlichen Ecken gesteuert wurden.

    Das letzte Kapitel trägt, in Anspielung auf Bürger Capet (= Louis XVI.) den Titel „Die Tragödie des Bürgers Romanow“.

    Als Ungar hat der Autor natürlich einige Ressentiments Russland (einst und jetzt) gegenüber. Trotzdem haben sich die Mitglieder der Zarenfamilie eine solche abfällige Berichterstattung nicht verdient.

    Ich habe mir eine strukturierte Biografie erwartet, die nicht nur Nikolaus II. in den Mittelpunkt stellt, sondern auch das politische Umfeld genauer erläutert. Die Missstände im Land, die Armut der Bevölkerung, die Entwicklung der politischen Strömungen usw. usw. wird nicht thematisiert. Doch all das führt zum Untergang der Romanows und zu dem Umstand, dass Nikolaus II. der letzte Zar Russlands war.

    Wer mehr über den letzten russischen Zaren und seiner Familie lesen möchte, muss andere Autoren bemühen.

    Fazit:

    Dieses Buch wird weder Nikolaus II. noch seiner Gemahlin Alix gerecht, daher nur zwei Punkte.

    Kommentare: 5
    22
    Teilen
    Sikals avatar
    Sikalvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein oberflächliches Buch mit teilweise lapidaren Aussagen über einen historisch äußerst wichtigen Abschnitt russischer Geschichte.
    Der letzte Zar

    Nachdem ich in letzter Zeit einige Bücher über die Romanows und das Ende der Zarenzeit gelesen hatte, wollte ich unbedingt auch dieses Werk aus dem Verlag C. H. Beck lesen. Etwas Neues konnte mir der Autor hier leider nicht erzählen.

    In einzelnen Kapiteln werden wichtige Stationen des letzten Zaren genannt, wie z.B. Chodynka, wo es anlässlich der Krönungsfeierlichkeiten von Nikolaus zu einer Tragödie kam und dies wie ein böses Omen seine Regentschaft eröffnete. Des Weiteren werden der Krieg mit Japan sowie die Revolution von 1905 erwähnt. Einen großen Teil nimmt die Beziehung der Zarenfamilie zu Rasputin ein und endet – wie könnte es anders sein – mit dem Sturz des Zaren sowie der Ermordung der Familie.

    Der Autor schreibt flüssig und die gerade mal 200 Seiten lesen sich auch relativ schnell. Doch was mich massiv gestört hat, ist das gerade Mal eineinhalb Seiten lange Literaturverzeichnis, in dem der Autor auch noch hinzufügt „Ich habe zahlreiche Quellen aus dem Internet verwendet“ – was versteht man nun unter „zahlreich“ und warum wurden hier nicht sämtliche Quellen angeführt, wie es in einem gut recherchierten Werk üblich ist? Ebenso hätte ich mir eine Stammtafel erwartet, wie man es von anderen personenbezogenen Sachbüchern gewohnt ist. Aber gut, darüber kann man noch hinwegsehen.

    Doch inhaltlich bin ich ziemlich enttäuscht von diesem Buch. Ich vermisse hier eine gewisse Wertschätzung der Zarenfamilie und deren Freunden gegenüber. Man muss mit Nikolaus‘ Weltbild nicht übereinstimmen, aber man muss ihn respektieren. Auch Alix kommt bei Dalos ganz schlecht weg, wird als Intrigantin dargestellt, die mit hysterischen Anfällen ihren Mann zu politischen Entscheidungen erpresst. Hier fehlt mir völlig, dass Alix eine pragmatische, hilfsbereite Frau war, loyal gegenüber Russland und sich für ihre Familie aufopferte, obwohl sie es nicht leicht hatte und von der restlichen Zarenfamilie nicht anerkannt wurde. Ebenso erschreckt es mich, dass hier diverse Legenden über Rasputin als wahre Begebenheiten dargestellt werden. Ich lese parallel gerade „Und die Erde wird zittern“ von Douglas Smith und hier werden sehr wohl überlieferte Geschichten widerlegt. Ebenso erschreckend finde ich, wenn in einem historischen Werk Sachfehler oder Flüchtigkeitsfehler gemacht werden – wie z.B. die älteste Tochter des Zarenpaares mal Olga und mal Tatjana heißt (das ist nur ein Beispiel).

    Fazit: Ein oberflächliches Buch mit teilweise lapidaren Aussagen über einen historisch äußerst wichtigen Abschnitt russischer Geschichte.

    Kommentare: 3
    14
    Teilen
    Wedmas avatar
    Wedmavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Peinliche Sachfehler, zynische Pietätslosigkeit, herablassende Attitüde, anti-rus. Stimmung insg. Die Welt hat das Pamphlet nicht gebraucht.
    Kann man vergessen.

    Ich bin mit großer Vorfreude an dieses Werk rangegangen, da ich die Sachbücher aus dem Hause C. H. Beck sehr schätze. Sie haben mir oft viel Lesevergnügen bereitet und eine Menge Spannendes und Wissenswertes berichtet. Über jede Neuerscheinung freue ich mich sehr.

    Dieses Buch erwies sich leider als die erste Ausnahme. Auch weil es deutlich hinter meinen Erwartungen geblieben ist, was Qualität solcher Werke anbelangt. Spätestens ab der Hälfte beschlich mich die im Klappentext  versprochene Beklemmung, aber aus einem ganz anderen Grunde: Dieser nachlässige Umgang mit Daten, Fakten und Quellen, peinliche Sachfehler, die geringschätzige, von oben herab Attitüde gegenüber den beiden letzten russischen Herrschern, ihrem Hof und anderen Akteuren der rus. Geschichte insg., sowie der deutlich durchschimmernde Zynismus mit dem Hang zum Pietätlosen zum Schluss hinterließen bei mir, milde gesagt, keinen positiven Eindruck.

    Gleich am Anfang ließ mich folgende Darstellung stutzen: „Nikolaj II. erklomm nun den Thron einer Dynastie, die im Zeitraum ihrer Herrschaft seit 1613 dem Russischen Reich die unterschiedlichsten Zaren beschert hatte: den westlich orientierten Reformer Peter I., die aufgeklärte, mit Voltaire korrespondierende Monarchin Katharina II., dann Alexander I., der Bezwinger Napoleons, der durch die Heilige Allianz die europäische Politik mitbestimmte. Schließlich folgten der Erzreaktionär Nikolaj I., sowie einige kurzlebige Übergangsherrscher, darunter Peter II., und Paul I., die von großfürstlichen Rivalen entmachtet bzw. ermordet wurden.“ S. 19. Der letzte Satz stimmt nicht. Peter II. und Paul I. folgten keineswegs. Sie waren Vorfahren vom Nikolaus I., der in den Jahren von 1825-1855 regierte. Das steht klar in jedem Werk zum Thema mit einer Zeittafel, bzw. Stammbaumdiagramm der Romanows, die in diesem Buch übrigens komplett fehlen. Peter II. war Enkel vom Peter I. und regierte von 1727 bis 1730. Paul I. war der unbeliebte Sohn von Katharina II. Sehr gut beschrieben in der Biographie „Maria, Kaiserin von Russland: Die Württembergerin auf dem Zarenthron“ von Marianna Butenschön. Paul I. regierte 1796-1801. Vom Folgen kann also keine Rede sein. Hier dachte ich noch, gut, es ist vllt unglücklich formuliert, aber was dann für peinliche Sachfehler kamen, da mochte ich meinen Augen nicht glauben. S. 114: „Diese Post zirkulierte zwischen den Kinderzimmern im Erdgeschoss und dem Wohnraum der Mutter im ersten Stock des Schlosses in Zarskoje Selo. So schreibt die Älteste, die sechzehnjährige Tatjana, im Januar 1909… Die zwei Jahre jüngere Olga beschwerte sich ebenfalls über die Abwesenheit der Mutter…“ Zwei Fehler hier: Die älteste Tochter, das erste Kind von Alix und Nikolaus II., war Olga. Sie wurde 1895 geboren. In 1897 kam Tatjana. (Quellen hier: E. Almendingen „Die Romanows“, C. Erickson „Alexandra Romanowa“, uvm.) Somit kann Tatjana keine 16 Jahre im Januar 1909 gewesen sein und die Älteste schon gar nicht. Der Witz ist: Paar Seiten später wird Olga als die älteste Tochter bezeichnet, s. S. 132, Mitte.

    Wohlwollend dachte ich noch: Gut, der Autor hat’s mit dem Familiären nicht so, was aber schon recht peinlich ist, da leicht nachzuprüfen, was die Pflicht und Professionalität hätten eigentlich mit sich bringen sollen. Aber weitere Ausrutscher wie bloße Unterstellungen, da die Quellen fehlen, Ungenauigkeiten und dergleichen ließen mein Lesevergnügen in Keller sinken. Z.B. S. 117. Hier wurde Rasputin als Mönch bezeichnet. Falsch. Rasputin hatte von jungen Jahren an eine Familie und Kinder in seinem Heimatort Pokrowskoje, nahe Tobolsk in Westsibirien. Er hat nie eine klassische Mönch-Karriere wie etwa Iliodor, sein einstiger Freund und später arger Feind, angestrebt. Im gleichen Atemzug wurde der Begriff „Starez“ gebraucht, der nirgends erklärt wurde. Wenn man das Wort zum ersten Mal sieht, muss man um seine Bedeutung raten, um verstehen zu können, warum Rasputin nun als Starez bezeichnet wurde.

    Insg. was zu Rasputin und Anna Wyrubowa, der Zofe und Vertrauten der Zarin, gesagt wurde, ähnelt schon stark einer bösen Posse. Ganz grob kommt es hin, aber der Teufel steckt im Detail. Natürlich durfte hier bei der Charakterisierung Rasputins sein auch woanders viel zitiertes Auftreten im Restaurant „Jar“ im Jahr 1915 nicht fehlen. Englischer Historiker Douglas Smith aber, in seiner wohl recherchierten Rasputin Biographie „Und die Erde wird zittern“ (2017) schreibt, dass die „Jar“-Geschichte schlicht erfunden und ein Teil der Verleumdungskampagne war, die Rasputin, sowie Zarenhof insg., in diesen Jahren plagte. Dalos übernahm schlicht das äußerst Negative zu Rasputin aus anderen, weniger gut recherchierten Quellen.

    Auf S. 117 wurden die Tagebucheinträge von Nikolaus II. erwähnt, der über die Treffen mit Rasputin berichten. Die genauen Quellenangaben fehlen wieder mal.

    Manche vom Autor aufgestellten Parallelen zu späteren Ereignissen in rus. Geschichte sind schlicht fehl am Platz und entbehren ebenso Wahrheitsgehalt und sind entweder auf dürftige Recherchen zurückzuführen, oder auch auf den Wunsch, Persönlichkeiten der rus. Geschichte und Politik negativ in der Öffentlichkeit darzustellen. So assoziiert Dalos die Tragödie von Chodynka zur Krönung von Nikolaus II., 1896, i.e. die Unschlüssigkeit des Zaren, die Feierlichkeiten angesichts der vielen Todesopfer abzusagen mit der Unschlüssigkeit Gorbachews im Jahr 1986, die 1. Mai Feier nach der Tschernobyl Tragödie fallen zu lassen, sowie den angeblichen Unwillen des heutigen rus. Präsidenten, seinen Urlaub in 2000 zu unterbrechen, nachdem der U-Boot „Kursk“ samt Mannschaft verunglückt war, s. S. 212. Zum Letzteren nimmt der rus. Präsident die Stellung in „Putin: Innenansichten der Macht“ (2015) von Hubert Seipel: Von „Kursk“-Tragödie wurde er von seinen Leuten nicht rechtzeitig informiert. Sobald er aber davon erfuhr, war er vor Ort.

    An anderer Stelle liest man „Alix, Anja und Grigorij ähnelten den assoziierten Mitgliedern einer GmbH, ohne deren Tätigkeit formal bestimmen zu können.“ S. 163. Von welcher GmbH kann hier bitte die Rede sein? Es ist eine ganz andere Epoche, ganz andere Verhältnisse.

    An einigen Stellen wurde Dalos wage, z.B. was Alexejs Hämophilie-Anfälle und Rasputins Rolle in deren Bekämpfung angeht. Hierzu gibt es gute Beschreibungen von Carolly Erickson in Alix‘  Biographie „Alexandra Romanowa“ oder auch von D. Smith in Rasputins Biographie.

    Was Rasputins Rolle bei dem Schiffsunglück mit dem Lord Kirchener an Bord 1916 angeht, schreibt D. Smith auch etwas anderes, und gerade seine Sicht der Dinge erscheint mir glaubhafter, schon allein weil er ganz anders an den Stoff herangeht, seine Quellenangaben sehen auch sehr solide aus.

    Negative Darstellungen der Russen insg. musste der Autor unbedingt noch reinbringen. Als Quelle soll hier ein namenloser Informant des franz. Diplomaten dienen, s. S. 161, was auch herzlich wenig zu der Glaubwürdigkeit solcher Ausführungen beiträgt. Die Frage ist: Was möchte der werte Autor mit solchen Darstellungen erreichen? Wenn er seine Russophobie zur Schau stellen wollte, so ist es ihm zweifelsohne gelungen.

    Des Öfteren lässt der Autor die historischen Persönlichkeiten in Dialogen ihre Standpunkte erläutern. Grundsätzlich fehlen dabei die Quellen, z.B. S. 168 und viele andere. Welchen Dokumenten wurde diese Darstellung bitte entnommen? Was gerechtfertigt diese Interpretation? Die Antwort bleibt offen. Man kann nur rätseln, woher dies kommen kann.

    Hinten im Buch gibt es Literatur, bestehend aus gerade mal 20 Titeln. In respektablen Werken erstrecken sich Literaturhinweise über dutzende von Seiten. Hier nicht. Folgende Anmerkung des Autors illustriert seinen lässigen Umgang mit Quellen sehr treffend: „Ich habe zahlreiche Quellen aus dem Internet verwendet.“ In jeder Klassenarbeit wird so etwas vom Lehrer abqualifiziert und als unzulässig erklärt. Hier nicht.

    Das gleiche gilt für Bildnachweise: kryptische Angaben, die gar nicht weiterhelfen können, wenn man wissen will, wo, in welchen Jahr die Fotos aufgenommen wurden, in welchen hist. Quellen sind die Originale zu finden, etc. Da steht einfach: Sämtliche Abbildungen: so und so Images, Berlin.

    Da musste ich mich unwillkürlich fragen: Was denkt bitte der werte Autor von seinen Lesern? Dass so ein Umgang mit Quellen überhaupt als annehmbar erachtet wurde, erzählt Bände über seine Professionalität und untergräbt die Reste seiner Glaubwürdigkeit.

    Ja, es gibt paar gelungene Erläuterungen zu den Hintergründen der europäischen Politik der damaligen Zeit, z.B. das Verhältnis zw. Wilhelm II. und Nikolaus II. und wie es zur Beteiligung Russlands im Krieg von 1914 kam, oder auch zur Rolle von Queen Victoria. Dabei sieht man, dass Politik eher die starke Seite des Autors ist. Der Rest lässt vieles zu wünschen übrig.

    Die Struktur hat bei mir auch keine Jubelrufe hervorbringen können. Erst habe ich angenommen, es wäre Nikolaus‘ Biographie, aber nein. Es ist eine Ansammlung von Aufsätzen von etwa 20 Seiten zu den in den Überschriften genannten Themen wie „Krieg mit Japan“, „Allein mit der Revolution“, „Der Zar in der Julikrise“ usw., in zehn Kapitel geordnet. Klar schildert das Ganze den Untergang der Romanows, wie der Untertitel verspricht, aber die Art und Weise stürzte mich in tiefe Verzweiflung.

    Zum Schluss wurde der Ton herablassender und insg. einfach grässlich und pietätslos, s. z.B. S. 200.

    Fazit:  Dieses Pamphlet hat die Welt nicht gebraucht. Allein die von oben herab Attitüde gegenüber den historischen Persönlichkeiten, ob es um Nikolaus, Alix, Rasputin oder anderen geht, wie auch zum erzählten Stoff insg., hat mein Lesevergnügen gleich Null gesetzt. Hinzu kommen die peinlichen Sachfehler, zu lässiger Umgang mit Quellen, wie auch Zitate und Übersetzungen des nicht nachvollziehbaren Ursprungs, sowie die anti-russische Grundstimmung insg. uvm. Zwei Sterne mit viel Wohlwollen erscheinen mir hier realistisch.

     Wer mehr zu der Zarenfamilie, Rasputin oder zu der Zeit um Oktoberrevolution 1917 erfahren möchte, der lese die o.g. Bücher von C. Erickson, D. Smith, E. Almedingen oder auch O. Figes „Die Tragödie eines Volkes“.

    G. Dalos‘ Werk kann man vor diesem Hintergrund und auch insg. getrost vergessen.

    Verrisse schreibe ich äußerst ungerne, aber manchmal, wie in diesem konkreten Fall, muss es einfach sein.

    Kommentare: 6
    25
    Teilen
    EsthersBuechers avatar
    EsthersBuechervor 3 Monaten

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu

    Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks