György Dragomán Der Scheiterhaufen

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Inhaltsangabe zu „Der Scheiterhaufen“ von György Dragomán

Rumänien nach dem Sturz des Diktators. Emma, eine dreizehnjährige Vollwaise, wächst im Internat auf. Ihre Eltern sollen bei einem Autounfall ums Leben gekommen sein. Eines Tages erscheint eine Unbekannte, die sich als ihre Großmutter ausgibt. Widerstrebend folgt Emma ihr in eine fremde Stadt. In der Schule wird Emma nicht nur gehänselt, sondern auch bedroht, denn ihre Großmutter gilt als Spitzel und Geisteskranke. Tapfer erträgt sie die Peinigungen, zugleich aber wächst das Misstrauen gegen die alte Frau. Als sie sich über das Verbot, den Holzschuppen im Garten zu betreten, hinwegsetzt, macht sie eine verstörende Entdeckung. Die Geschichte, die nun beginnt, zieht Emma den Boden unter den Füßen weg: Stückweise kommt die Wahrheit über ihre Familie ans Licht – und über eine Gesellschaft, in der das gewaltsame Ende vieler ihrer Bürger nie verfolgt wurde.

Überwältigend!

— Himmelfarb
Himmelfarb

bedrückend, eindrücklich, hochliterarisch - trotz des schwierigen Themas ein absoluter Lesegenuss

— Ulrike_Blatter
Ulrike_Blatter

Leseempfehlung, Geheimtipp: Ein Buch wie ein Sog in die Nach-Wendezeit Rumäniens, magisch, vielschichtig, mitreißend

— StefanieFreigericht
StefanieFreigericht

Interessantes Buch mit aufrüttelnder Materie sehr spannend und lesenswert

— leserin
leserin

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hundertwasser

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  • Ein Monolith

    Der Scheiterhaufen
    Himmelfarb

    Himmelfarb

    "Der Scheiterhaufen" von György Dragoman überwältigt den Leser, lässt ihn erschöpft, aber begeistert zurück. Man klappt den Roman zu und weiß, dass man etwas gelernt hat. Das ist, besonders in diesen Tagen, sehr wertvoll. Dragomans Roman erzählt uns etwas über Europa, über die Welt, über uns. Was ist gut, was ist böse? Was ist richtig, was ist falsch? Die Heldin dieses komplexen Werks ist die 13 jährige Emma, ein Waisenkind, welches eines Tages von seiner Großmutter aus dem Heim geholt wird, in dem es seit dem Unfalltod der Eltern lebt. Die Großmutter nimmt Emma mit in ihre Stadt und ganz langsam beginnt das Mädchen die Geheimnisse der Vergangenheit zu enträtseln. Mystisch geht es zu in Dragomans Geschichte, märchenhaft und grausam. Alte Rechnungen eines untergegangenen Regimes müssen bezahlt werden und wer damals auf der richtigen Seite war, ist heute auf der falschen. Politisch ist dieses Buch aktueller denn je. Muss man für seine politischen Überzeugungen bezahlen? Und kann Schuld jemals getilgt werden? Emma wird mit der Vergangenheit ihrer Eltern und Großeltern konfrontiert, ja, muss dafür büßen. Befreien kann sie sich nur selbst. "Der Scheiterhaufen" steht symbolisch für die Dinge, die man hinter sich lassen muss, um gestärkt aus der Asche aufzusteigen. So gesehen ist Dragomans großer Roman ein Monolith der europäischen Literatur!

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  • Challenge: Literarische Weltreise 2016

    Euphoria
    Ginevra

    Ginevra

        Liebe Lovelybookerinnen und –booker, habt Ihr Lust, im Jahr 2016 auf Weltreise zu gehen – literarisch gesehen? Dann begleitet mich durch 20 verschiedene Lese- Regionen! Die Aufgabe besteht darin... -  12 Bücher in einem Jahr zu lesen;-   Mindestens 10 verschiedene Regionen auszuwählen (zwei Regionen dürfen also doppelt vorkommen);-   Autor und/oder Schauplatz und/oder eine bzw. mehrere der Hauptfiguren müssen zu dieser Region passen.-   Bitte postet Eure Rezensionen und Beiträge bei den passenden Regionen;-   Auch Buchtipps ohne Rezension sind jederzeit willkommen;-   Am Ende des Jahres zählen Eure 12 Rezensionen - bis zu zwei Kurzmeinungen sind erlaubt!-   Eure Beiträge werde ich verlinken;-   Einstieg und Ausstieg sind natürlich jederzeit möglich;-   Genre und Erscheinungsjahr sind egal:-   Hörbücher, Graphic Novels, Biographien, Krimis, Literatur – bei dieser Challenge ist alles erlaubt!Gut geeignet sind z.B. die Bücher verschiedener Literaturpreise oder Empfehlungslisten (Booker- Preis, Preis des Nordischen Rats, ZEIT- Liste zur Neuen Weltliteratur, usw.).Diese Challenge eignet sich also auch hervorragend dazu, den SuB abzubauen, oder um andere Challenges damit zu kombinieren.Unter den TeilnehmerInnen, die die Challenge erfolgreich beenden, verlose ich am Ende des Jahres drei Bücher aus meinen Beständen - natürlich passend zum Thema!Ich freue mich sehr auf Eure Beiträge und werde zu jeder Region ein Unterthema erstellen, so dass es etwas übersichtlicher wird. Einige Tipps und Empfehlungen werde ich schon mal vorab anhängen - Ihr müsst davon natürlich nichts lesen. Dann wünsche ich uns allen...Bon voyage – Buon viaggio - Have a nice trip - Tenha uma boa viagem - Приятной поездкиСчастливого пути - ¡Qué tengas un buen viaje! -旅途愉快!- すばらしい旅行をなさって下さい。-Gute Reise! TeilnehmerInnen:abaAberRushAmayaRoseAriettaArizonaarunban-aislingeachBellastellaBellisPerennisBibliomaniablack_horseBonniereadsbooksBuchraettinBücherwurmBuchinaCaroasCode-between-linesConnyMc CorsicanaCosmoKramerDaniB83DieBertaDunkelblauElkeelmidiGelindeGinevraGingkoGruenentegstGwendolinahannelore259hexepankiInsider2199IraWirajasbrjeanne1302kopikrimielseKruemelGizmoleiraseleneleseratteneuleseleaLeonoraVonToffiefeelesebiene27leucoryxLexi216189lieberlesen21LibriHollylittleowllouella2209MaritaGrimkeMinnaMminorimiss_mesmerizedmozireadnaninkaNightflowerOannikiOrishapardenPetrisPMelittaMPostboteRyffysameaSchlehenfeeschokolokoserendipity3012Sikalsnowi81StefanieFreigerichtstefanie_skysursulapitschiSvanvitheTalathielTanyBeeTatjana89Thaliomeevielleser18wandablueWanderdueneWedmawerderanerWollywunderfitz

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    • 1702
  • Ein Buch wie ein Sog in die Nach-Wendezeit Rumäniens, magisch, vielschichtig, mitreißend

    Der Scheiterhaufen
    StefanieFreigericht

    StefanieFreigericht

    24. January 2016 um 23:02

    Die junge Ich-Erzählerin bleibt lange namenlos getreu eines Satzes im Buch, dass man die schmerzvollsten Geschichten nur so erzählen könne, dass der, der zuhört, das Gefühl hat, dass sie ihm selbst widerfahren. Das junge Mädchen muss mehrfach mit einer völlig veränderten Situation umgehen, erst sind die Eltern bei einem Autounfall gestorben, dann lebt sie im Internat, währenddessen endet das Ceaușescu-Regime, dann erhält sie Besuch von ihrer Großmutter, von deren Existenz sie bislang nichts wusste und die sie mitnehmen will. Doch ihre Großmutter bringt auch etwas anderes mit in ihr Leben, sie erzählt von der Vergangenheit, gibt Mut für Gegenwart und Zukunft – und bei allem schleicht sich durch sie, mit ihr eine zweite Ebene ein, eine magische, phantasievolle, und die gesamte Familiengeschichte spannt sich auf. In anderen Rezensionen wird Dragomán daher verglichen mit Isabel Allende und „Das Geisterhaus“, die Richtung ist sicherlich nicht falsch, jedoch trifft sie nach meiner Meinung nur zum Teil: Beim Geisterhaus ist das Auftauchen der Verstorbenen für die handelnden Personen die Realität ebenso wie die durch Gedankenkraft verschobenen Gegenstände, bei „Der Scheiterhaufen“ erscheint der verstorbene Großvater nur beim Blinzeln, im dahingestreuten Mehl, oder etwas war vielleicht auch nur ein Traum – der Autor spielt geschickt mit der Grenzlinie zwischen Phantasie, bloßem Hoffen nach großen Verlusten und der Magie der Situation. Ebenso virtuos steigert er seine Beschreibung dabei, überfordert den Leser nicht – der Einstieg in den magischen Bereich beim Kaffeesatzlesen mag natürlich auch einfacher Aberglaube sein oder ein alter dörflicher Brauch. Er lässt seine Geschichte mal zügig, mal gemächlich voranschreiten und schafft es, Rückblenden vorzunehmen, ohne dass man den Zeitbezug verliert. Die jüngere Geschichte Rumäniens wird in einen noch viel weiteren Bezug gestellt, gut herausgearbeitet sind die Brüche in der Gesellschaft durch ein Nebeneinander von neuen Möglichkeiten und althergebrachten Vorstellungen, von Schuld und Schuldgefühl, von Rache und Gerechtigkeit. Der Roman ist dabei „Coming-of-age“ sowohl der jungen Protagonistin als auch der jungen rumänischen Demokratie, wobei beiden die wohl dafür unvermeidlichen harten Landungen auf dem Boden der Realität widerfahren. Dragomán schafft es, mit dem Ende seiner Geschichte vieles dabei in der Schwebe zu halten, viele offene Fragen aufzuwerfen, ohne dadurch unversöhnlich zu werden. Weiterführend: Ich hatte nach der Lektüre von Andrei Mihailescus „Guter Mann im Mittelfeld“ nach einem weiteren Roman gesucht, der mir das bis dahin unbekannte Rumänien näherbringen würde, mein Bild erweitern sollte – und habe mit diesem Buch für mich einen Glücksgriff getan, den ich fast in einem Zug gelesen habe. Dragomán verläßt sich hauptsächlich auf die Geschichte und die Kraft der Bilder, dabei mag dem Leser einiges an Hintergrundwissen zum Verständnis fehlen; so erinnern das Moralverständnis oder die schulischen Erziehungsmethoden einen deutschen Leser eher an das Deutschland der fünfziger oder sechziger Jahre. Auch erklären sich manche Befindlichkeiten der Personen im Roman nur aus den Besonderheiten des rumänischen Systems inklusive Personenkult und sehr rigider gesellschaftlicher Kontrolle. Wer hier tiefer gehen möchte, dem sei das erwähnte Buch von Mihailescu ans Herz gelegt. Beide Autoren nähern sich der Thematik auf verschiedene Art - während man dem Scheiterhaufen vorwerfen mag, zu beschreiben, was nicht jeder Leser gleichermaßen zu deuten vermag, wurde Mihailescu vorgeworfen, die Anforderung an zu viel Sachbuch im Roman erfüllen zu wollen. In dieser Weise ergänzen beide einander: Wer nach aktueller Literatur aus Rumänien sucht, merkt, dass diese stark in der Auseinandersetzung mit besonders der jüngsten Geschichte fußt, stärker, als man sich dies als Deutscher mit der Erfahrung zur DDR vorstellt. Wer nach aktueller rumänischer Literatur sucht, wird merken, wie sehr diese um die jüngere Geschichte kreist und sich an ihr reibt. Zu einem Verständnis UND zu tieferen Leseerlebnissen sollten beide genannten Werke beitragen.

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  • Aufwühlender politischer Roman

    Der Scheiterhaufen
    leserin

    leserin

    13. January 2016 um 20:01

    Emma, eine dreizehnjährige Vollwaise,  wächst im Internat auf. Sie wird von ihrer Großmuter abgeholt und in die Stadt ihrer Großeltern gebracht. Dort besucht sie die Schule, sie wird immer wieder "gemobbt". Sie erlebt zu dieser Zeit eine intensive Jugendliebe. Ihre Gr0ßmutter soll eine "Hexe"und geisteskrank sein, ihr Großvater ein politischer Verbrecher. Für den Holzschuppen, der im Garten steht, gibt es ein strengstes "Betreten verboten". Doch eines Tages besiegt die Neugier das kleine Mädchen und sie entdeckt Schreckliches. Durch diese Erfahrung wird für Emma die Familiengeschichte langsam aufgelöst. Der Roman ist ein politisch-historisches Abenteuer in der Zeit nach dem Sturz Rumäniens, teils verstörend, aber magisch, aber auf jedenfall sehr spannend und großartig. Der Autor György Dragomán war mir unbekannt, aber er hat mich durch dieses interessante Buch überzeugt.

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  • 'was vergangen ist, ist vergangen [...]'

    Der Scheiterhaufen
    sabatayn76

    sabatayn76

    15. November 2015 um 20:06

    'was vergangen ist, ist vergangen, sage ich, während ich weiß, dass das nicht stimmt, dass es eine unermesslich große Lüge ist, es ist nicht vergangen, es vergeht nicht' Inhalt: Die 13-jährige Ich-Erzählerin Emma lebt seit dem Tod ihrer Eltern in einem Internat, wo sie eines Tages von einer unbekannten Frau besucht wird, die sich als ihre Großmutter ausgibt und sie mit zu sich nach Hause nimmt. Emma wird in der fremden Stadt von ihren Mitschülern gehänselt, bedroht und beschimpft. Mit der Zeit erfährt sie von den Gerüchten, die über ihre Familie erzählt werden, lernt, sich gegenüber ihren Mitschülern durchzusetzen, und findet in ihrer Großmutter eine Vertraute, die ihr schließlich von ihrem eigenen Leben, ihren Verlusten und ihrer Schuld erzählt. Mein Eindruck: György Dragomán war mir bislang als Autor kein Begriff, doch der Titel des Romans und der Klappentext haben mich neugierig gemacht, so dass ich 'Der Scheiterhaufen' gerne lesen wollte. Nach der Lektüre bin ich froh, dass ich diesen beeindruckenden Autor, der mit 'Der Scheiterhaufen' seinen dritten Roman vorgelegt hat, kennenlernen durfte, und weiß, dass ich nun auch seine anderen Bücher lesen muss. Dragomán schreibt anspruchsvoll: mal kurze, stakkatoartige Sätze in schnörkelloser Sprache, mal lange, atemlos wirkende Sätze mit unzähligen Einschüben und phantastischen Elementen. Ich bin eine große Liebhaberin von Gabriel García Márquez' magischem Realismus, und auch Dragomán beherrscht die Verknüpfung von Wirklichkeit und Fiktion meisterhaft und überzeugend. Dabei erzählt der Autor die Geschichte aus der Sicht der 13-jährigen Emma auf eindringliche und eindrückliche Weise, und auch die Passagen, in denen die Großmutter von ihrem Leben berichtet, sind glaubwürdig, wenn auch bisweilen kryptisch und mysteriös. Sehr gut gefallen hat mir zudem, wie der Autor historische Ereignisse in die Geschichte eingewoben hat, obwohl er diese nur andeutet und nicht explizit benennt oder erklärt. Mein Resümee: Ein düsterer, aufwühlender, trostloser, sprachlich anspruchsvoller, mysteriöser, magischer und schlichtweg großartiger Roman um Schuld, Verlust und Erwachsenwerden.

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