György Dragomán Der weiße König

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Inhaltsangabe zu „Der weiße König“ von György Dragomán

Rumänien im Jahr von Tschernobyl, 1986. Ein Elfjähriger wird Zeuge, wie Beamte des Geheimdiensts den Vater abholen. Von Monat zu Monat schwindet die Hoffnung, ihn wiederzusehen. Seiner tapferen, als Jüdin und Dissidentin geächteten Mutter versucht er beizustehen, während er ihr die Schikanen in der Schule verschweigt. Er begleitet sie zum „Genossen Botschafter“, von dem sie sich Hilfe erhofft, sinnt auf eigene Wege, um den Vater aus dem Arbeitslager am Donaukanal freizubekommen.

„Ein inhaftierter Vater, eine mutige Mutter und die Konfrontation eines hellwachen Jungen mit einer abscheulichen Diktatur. György Dragomán ist das herausragende Talent der jungen ungarischen Literatur. Dieser leidenschaftliche, wilde, zärtliche Roman mit seiner dichten, kraftvollen Sprache wird lange Bestand haben.“
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  • Rezension zu "Der weiße König" von György Dragomán

    Der weiße König

    Wolkenatlas

    01. September 2008 um 13:33

    Der weiße König als roter Faden "Der weiße König" beginnt quasi mit einem Paukenschlag. Der Vater des elfjährigen Ich-Erzählers Dszátá wird vor dessen Augen von vermeintlichen Arbeitskollegen des Vaters weggebracht und dem Jungen wird erklärt, der Vater müsse sich einer wichtigen, geheimen Aufgabe am Meer widmen. Er verspricht dem Vater, in seiner Abwesenheit der Mann im Haus zu sein. Schnell begreift er auch, dass es sich hier um das Arbeitslager am "Donaukanal" handelt und dass die Arbeitskollegen eigentlich Mitarbeiter des Geheimdienstes waren. Aus dieser Keimzelle entwickelt der 1973 in Marosvásárhely (Siebenbürgen) geborene György Dragoman in seinem zweiten Roman (sein Erstling "Das Buch der Zerstörung" ist meines Wissens leider nie in deutscher Sprache erschienen- sollte ich mich irren, so bitte ich um Verzeihung und Hinweise zum Verlag) einen beeindruckenden, sensiblen Roman, fast wie ein Thema mit 16 Variationen und einem Finale. Denn die 18 Kapitel (die wie eigenständige Kurzgeschichten aus dem Leben des Protagonisten erscheinen) dieses Romans fügen sich erst im Gesamtbild zu einem wirklich geschlossenen Ganzen zusammen. Erniedrigung, Sadismus, Unterdrückung, Verhöhnung und die totalitäre Macht eines diktatorischen Regimes habe ich selten so beeindruckend und überzeugend erlebt, wie sie hier aus der Sicht des elfjährigen Jungen geschildert werden; eine unglaubliche, fast naive Stärke des Jungen, der trotz aller Schläge nie den Mut verliert, der immer an seinen Vater glaubt, der immer zu seiner Mutter steht. Ungefähr in der Mitte des Romans lässt Dszátá bei einem Verzweiflungsbesuch bei "seiner Exzellenz, dem Botschafter" eine besondere Schachfigur mitgehen, den weißen König, der ihm ab diesem Moment Schutz, Glück und vor allem, seinen Vater wiederbringen soll. Ein genialer Schachzug von György Dragomán, zum genau richtigen Zeitpunkt ausgespielt, ist der weiße König der rote Faden, der diese Momente und Ausschnitte zusammenschweißt. Ein Roman mit unvergesslichen Momenten, wie der Hochzeitstag der Eltern in Abwesenheit des Vaters, der Kinobesuch, Spitzhacke und eine Annäherung an das erste Verliebtsein (um nur einige zu nennen), mit einer bildhaften, beeindruckenden poetischen Prosa, ein Roman, der bei aller Tragik der Geschehnisse (und der Tragikomik mancher Szenen- wie dem Versuch krank zu werden um einer Bestrafung zu entgehen, oder der zwölfte Geburtstag des Jungen) dank der Figur Dszátás hell leuchtet. Ein absolutes Leseerlebnis, große Literatur.

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  • Rezension zu "Der weiße König" von György Dragomán

    Der weiße König

    HeikeG

    12. August 2008 um 17:41

    Ein atemlos machender Schocker über die Ceausescu-Diktatur Achtzehn miteinander verwobene Geschichten berichten mit atemberaubender Intensität, über einen Zeitraum von über einem Jahr, Mitte der achtziger Jahre in einer rumänischen Kleinstadt, vom dramatischen Schicksal eines zehn-, am Ende zwölfjährigen Jungen, der seiner Kindheit mit der Verhaftung seines Vaters auf dramatische Art und Weise beraubt wird. "Vater war schon seit einem halben Jahr nicht mehr bei uns, obwohl es geheißen hatte, dass er nur für eine Woche wegfahren würde, ans Meer, zu einer Forschungsstation, in einer äußerst dringlichen Angelegenheit, beim Abschied hatte er zu mir gesagt, wie leid es ihm tue, mich nicht mitnehmen zu können, denn das Meer biete jetzt, im Spätherbst, einen wirklich unvergesslichen Anblick, es sei viel wilder als im Sommer, werfe riesige gelbe Wellen, alles sei voll weißer Gischt, so weit das Auge reicht, macht nichts, hatte er versprochen, wenn er wieder nach Hause komme. werde er mich mitnehmen, um es mir zu zeigen, (...) egal, (...) wir hätten genug Zeit für alles, das ganze Leben liege noch vor uns ...", so beginnt György Dragomán seinen Roman. Ob Dzsátá - der Ich-Erzähler - das Meer je zu Gesicht bekommt, bleibt unklar. Seinen Vater jedenfalls wird er für einen Zeitraum von beinahe zwei Jahren nicht mehr sehen, dann wiederum auch nur für wenige Augenblicke und als gebrochenen Mann. Mit dessen Unterschrift auf einer systemkritischen Petition, wurde er zum Staatsfeind erklärt und eines morgens vom rumänischen Geheimdienst, der berühmt berüchtigten Securitate, abgeholt und zur Zwangsarbeit am Donaukanal deportiert, einer dem stalinistischen Gulag gleichkommenden menschlichen Folterkammer, der viele nicht mehr lebend entkamen. Abnorme jüdische Hure Seither ist für Dzsátá nichts mehr wie früher. Die Unbeschwertheit seiner Kindheit scheint mit einem Mal vorbei. Das Geld, was seine Mutter durch Zeitungsaustragen verdient, reicht nicht zum Überleben. Nur durch einen illegalen Nebenverdienst kann die, ihres Vaters beraubte, kleine Familie mehr schlecht als recht existieren. Denn Dzsátás Mutter verlor auf Grund dieser, durch ihren Mann unterschriebenen Petition, ihre Anstellung als Lehrerin. Hilfe bei ihrem Schwiegervater ist nicht zu erwarten, denn auch dieser musste von seinem hohen Amt eines städtischen Parteisekretärs zurücktreten und macht seither die "abnorme jüdische Hure" für das Fehlverhalten seines Sohnes verantwortlich. Die ganzen Einzelheiten dringen erst nach und nach zu dem kleinen Ich-Erzähler und damit auch zum Leser durch. Kindlich unbedarft und beinahe unbeschwert beginnt Dzsátá von seinen Erlebnissen zu berichten, davon wie er seiner Mutter zu deren fünfzehnten Hochzeitstag einen riesengroßen Strauß Tulpen "besorgt", um ihr eine Freude zu machen, da auch Vater bei derartigen Anlässen immer diese, von ihr so geliebten Blumen auf den Tisch stellte. Auch die Versuche unbedingt krank zu werden oder sich zu verletzen - sei es durch Trinken von eiskaltem Wasser oder einem Sprung in einen tiefen Graben -, weil Dzsátá und sein Freund das Geld der Klassenkasse, welches für Fahnen und Transparentmaterial zum Aufmarsch am Ersten Mai gedacht war, beim Glücksspiel verloren haben, erzeugen beim Leser noch das ein oder andere Schmunzeln, werden als "Dummejungen"-Streiche und kindliche Lausbubengeschichten gelesen. Korrupte Funktionäre, Brutalität, Verrat und Erpressung Doch nach und nach zieht ein bedrohlicher Schatten über die kindliche Erzählwelt. Die Spiele werden brutaler und die Beobachtungen des Jungen offenbaren eine beinahe mörderische Aggressivität der Gesellschaft. Da wird seine erste Verliebtheit zu seiner Klassenkameradin Iza überschattet, von Zeichen schwerer Misshandlungen durch ihren Onkel, denn ihr Körper ist von blauen Flecken übersät. Da übersteigt die an der Tagesordnung stehende "gewöhnliche Schülerzüchtigung" der Lehrerschaft das "normale" Maß gewaltig. Anstiftung ihrer Zöglinge zu Lug und Trug stellen dabei noch "geringfügige" Vergehen dar. Zu guter Letzt wird der Streit mit den Nachbarjungen um einen Fußball, mittels eines Kriegs-"Spiels" ausgetragen, welches am Ende brutal eskaliert und mit geköpften Tauben, in Schultern gerammten Taschenmessern und dem Niederbrennen eines ganzen Weizenfelds endet. Die anschließende Rache der unterlegenen Gruppe erfolgt mit einem hinterhältigen Angriff, bei der auf den Sieger mit Ziegelsteinen in Plastiktüten eingeschlagen wird. Auch der Reaktorunfall in Tschernobyl fließt in eine Erzählung ein, bei der ein Kind seine Gesinnung (seine Eltern gehören den Zeugen Jehovas an) und seine Weigerung, sich in das radioaktiv verseuchte Gras fallen zulassen, mit dem Leben bezahlen muss, als der brutale Trainer seinen Gehorsam aus ihm herausprügeln will. Sprachmächtige und ergreifende Geschichte Korrupte Funktionäre, Erpressung, Brutalität, Angst, Verzweiflung, Verrat, Ausgeliefertsein, körperliche und seelische Gewalt durchziehen latent metaphorisch alle Geschichten, denn mit dem Vater ist nicht nur Dzsátá das Gesetz abhanden gekommen: auch der bis ins Mark kranken Gesellschaft, die in völliger Agonie erstarrt zu sein scheint. Aber auch Hoffnung, Trotz und Liebe bestimmen die großartigen Zeilen des jungen, in Budapest lebenden Schriftstellers, der die ersten 15 Jahre seines Lebens in Marosvásárhely (Rumänien), als Mitglied der in Transsylvanien lebenden ungarischen Minderheit, verbrachte. 1988 siedelt seine Familie nach Ungarn über. Dragománs Roman wartet mit derart emotionaler Wucht und Dichte auf, dass man von Zeit zu Zeit durchatmen muss. Durch die unschuldigen, putzig-kindlichen Augen des jungen Dzsátá gesehen, trifft den Leser das Ungeheuerliche, die "höllische Melange" des Erzählens mit doppelter Intensität. Doch der Autor zeichnet nicht nur ein düsteres Weltuntergangszenario, sondern er setzt mit der wunderbaren Anmut der Sprache des Ich-Erzählers, mit Sätzen, die teilweise über mehrere Seiten gehen und den Leser geradezu vorwärts treiben, einen Funken Hoffnung und so etwas wie Licht ans Ende des Tunnels. Die sprachmächtigen und ergreifenden Geschichten, die in ihrer Gesamtheit einen vielschichtigen und komplexen Roman ergeben, haben in Laszlo Kornitzer einen großartigen Übersetzer erfahren. Er hat den ganz eigenen Ton Dragománs dem deutschen Leser ohne Abstriche zugängig gemacht. Fazit: György Dragomán verzaubert und terrorisiert zeitgleich in seinem neuen Roman "Der weiße König" - ein Buch über das Erwachsenwerden eines Jungen im Alltag einer totalitären kommunistischen Diktatur. Ein junger Autor, den man fortan nicht mehr überhören wird. Ein Geheimtipp, der bald in aller Munde sein wird.

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