Håkan Nesser Elf Tage in Berlin

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Inhaltsangabe zu „Elf Tage in Berlin“ von Håkan Nesser

Einen Nobelpreis wird er wohl nicht bekommen. Arne Murberg ist von schlichterem Gemüt. Nach einem Badeunfall in der Kindheit hat er Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und komplexere Zusammenhänge zu erfassen. Aber Arne ist ein warmherziger, liebenswerter Mensch, der sich eine kindlich naive, offene Art bewahrt hat und voll Vertrauen auf das Leben blickt. Als sein Vater ihm auf dem Totenbett offenbart, dass seine Mutter nicht tot ist, wie Arne geglaubt hat, sondern in Berlin lebt, und ihm gleichzeitig den Auftrag gibt, sie dort aufzusuchen und ihr ein verschlossenes Kästchen zu übergeben, beginnt für ihn ein wundersames Abenteuer. Mit äußerst rudimentären Deutschkenntnissen und einem Paar strapazierfähiger gelber Schuhe macht Arne sich auf die Reise – und gerät schon bald in Schwierigkeiten. Doch ihm zur Seite stehen zwei Menschen, die der Himmel höchstpersönlich geschickt zu haben scheint: ein etwas wirrer Professor und eine kluge junge Frau im Rollstuhl. Wird Arne seiner Mutter begegnen? Wird er sein Glück finden in Berlin?

Wunderbar sympathischer Protagonist, dessen Gedanken und Handlungen mich oft zum Schmunzeln gebracht haben. Das Ende war etwas eigenartig.

— Schokoladenteddy

Schöne Geschichte aber zwischendurch und zum Ende hin ein wenig abgedreht.

— 19angelika63

Zauberhaft geschrieben - aber gegen Ende hin einfach zu abstrus. Trotzdem 4 Sterne für die tollen Charaktere.

— bellast01

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  • Mit Arne elf Tage in Berlin

    Elf Tage in Berlin

    19angelika63

    11. October 2017 um 16:00

    KlappentextEinen Nobelpreis wird er wohl nicht bekommen. Arne Murberg ist von schlichtem Gemüt. Nach einem Badeunfall in der Kindheit hat er Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und komplexe Zusammenhänge zu erfassen. Aber Arne ist ein warmherziger, liebenswerter Mensch, der sich eine kindlich naive, offene Art bewahrt hat und voll Vertrauen auf das Leben blickt. Als sein Vater ihm auf dem Totenbett offenbart, dass seine Mutter nicht tot ist, wie Arne geglaubt hat, sondern in Berlin lebt, und ihm gleichzeitig den Auftrag gibt, sie dort aufzusuchen und ihr ein verschlossenes Kästchen zu übergeben, beginnt für ihn ein wundersames Abenteuer. Mit äußerst rudimentären Deutschkenntnissen und einem Paar strapazierfähiger gelber Schuhe macht Arne sich auf die Reise - und gerät schon bald in Schwierigkeiten. Doch ihm zur Seite stehen zwei Menschen, die der Himmel höchstpersönlich geschickt zu haben scheint: ein etwas wirrer Professor und eine kluge junge Frau im Rollstuhl. Wird Arne seiner Mutter begegnen? Wird er sein Glück finden in Berlin?"Ich bin nicht verrückt, dachte Litvinas und griff zu Rasierhobel und Rasierschaum. Ich bin meiner Zeit nur hundert Jahre voraus, das ist das Problem." (Seite 56)Arne ist ein junger Mann, der seit seinem Unfall gehandicapt ist. Komplexe Zusammenhänge und Konzentration fallen ihm schwer. Dennoch reist er nach Berlin, um den letzten Wunsch seines verstorbenen Vaters zu erfüllen.Beate, eine junge Frau sitz wegen einer Erkrankung der Beinmuskulatur im Rollstuhl. Sie lebt ohne Perspektive in den Tag.Litvinas, ein älterer Herr sitzt in der Psychiatrie, weil er mit verschiedenen gefährlichen Experimenten versucht hat seine tote Frau wiederzuholen. Er steht kurz vor der Entlassung, muss nur noch die Herren der Kommission überzeugen. Die ahnen nicht, dass Litvinas nur darauf wartet der Anstalt zu entkommen, um seinen letzten großen Coup zu landen.Diese drei etwas "merkwürdigen" Gestalten treffen in Berlin aufeinander. Irgendwie hatte ich beim Lesen den Eindruck, dass jeder einzelne von ihnen in seiner eigenen Welt lebt und dennoch Teil der Welt des jeweils anderen ist. Arne ist dabei für mich die "intensivste" Figur. Seine unbändige Neugier auf das Leben und das ihm Unbekannte ist einfach so wunderschön. Nesser beschreibt seinen Protagonisten sehr liebevoll und auch seine Erkundungen in der Welt stellt er als zaghafte Schritte dar. An vielen Stellen habe ich gedacht ich befinde mich in einem modernen Märchen. Aber es ist kein Märchen. Ich denke Nessers Anliegen war/ ist ein ganz anderes. In meinen Augen möchte er Aufzeigen, dass Menschen mit Defiziten, egal welcher Art, genauso am Leben teilhaben können wie Menschen ohne Defizite. Im Gegenteil, er zeugt auf, dass gerade solche Menschen unsere Welt wesentlich bewusster wahrnehmen. Das sie offener für die Freude, die Schönheit und Einfache in dieser Welt sind, dass sie all dies auf ihre besondere Art und Weise wertschätzen. Wir in unserem täglichen Tun nehmen die Welt mit ihren einfachen und schönen Dingen gar nicht mehr wahr. Auch wenn der Roman gegen Ende etwas skurril wird, habe ich diese elf Tage sehr gerne mit Arne in Berlin verbracht."Eine Botschaft habe ich nicht. Aber ich möchte für mehr Toleranz gegenüber dem menschlichen Wahnsinn werben." Astrid Lindgren

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  • wenn nur dieser Schluß nicht wäre...

    Elf Tage in Berlin

    ulrikerabe

    03. June 2017 um 08:03

    Arne Murberg ist ein liebenswerter Kerl. Seit dem „Unglück“ als Teenager ist er leider nicht mehr ganz so der alte, er ist langsamer im Handeln und Denken und mehr wie 35 ½ Bücher wird er wohl nie mehr lesen.Als ihm sein Vater am Sterbebett den Auftrag gibt, die für tot geglaubte Mutter in Berlin aufzusuchen und ihr ein ominöses Kästchen zu bringen, macht sich Arne gut vorbereitet von Schweden nach Deutschland auf. In Berlin angekommen läuft auch alles ganz nach Plan, wenn man von verlorenen Mobiltelefonen, gestohlenen Schuhen, zutraulichen Tauben und dem Katzenjammer nach zu viel Bier und Wein absieht.Zwei Menschen kreuzen seinen Weg, der mysteriöse Professor Litvinias und die bezaubernde Beate Bittner, die ihre Tage im Rollstuhl verbringen muss. Beide nehmen großen Einfluss auf die Geschehnisse. welche auf seltsame Art und Weise dann zu einem glücklichen, - wenn auch nicht erwarteten - Ende für Arne führt.An und für sich mag ich Hakan Nesser, schon seine Van Veeteren Krimiserie war etwas Besonderes und seine zahlreichen Romane konnten mich immer wieder verzaubern.Eigentlich ist dieses Buch eine kurzweilige, amüsante und berührende Geschichte, wenn nicht dieses absolut abstruse Ende wäre. Leider kann ich mit derart metaphysischem Kram nichts anfangen, daher war ich ein wenig von dem Buch enttäuscht. Was mir auch unangenehm aufgefallen ist, ist ein Fehler in den Zeitangaben, der maximal nachvollziehar wäre, wenn er dem verwirrten Geist des Professors entspränge. Dazu habe ich aber keinen Anhaltspunkt gefunden.

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  • Liebevolles Märchen für Erwachsene

    Elf Tage in Berlin

    jomoehler

    27. May 2016 um 19:38

    Seit einem Badeunfall ist Arne Murberg etwas zurückgeblieben und langsamer als seine Mitmenschen. Darunter leidet er manchmal, dennoch versucht er, selbstbewusst und - so weit es geht - selbstsicher durchs Leben zu schreiten. Als sein Vater stirbt, gibt dieser ihm den Auftrag mit, seine Mutter in Berlin zu suchen und ihr ein verschlossenes, geheimnisvolles Kästchen zu überbringen. Für Arne ist das eine Überraschung, schließlich hatte er geglaubt, seine Mutter sei tot. Er macht sich also auf den Weg in die Metropole Berlin, die ihn zunächst überfordert. Doch er schlägt sich wacker, auch wenn sich die Suche nach der Mutter schwieriger gestaltet als gedacht. Dabei trifft er auf einen mysteriösen Professor und eine junge Frau im Rollstuhl. Und schon befindet sich Arne mitten in einem großen Abenteuer, bei dem auch Hypnose, eine Hexenverbrennung und gelbe Schuhe eine gewisse Rolle spielen. Welche, das sei an dieser Stelle nicht verraten, schließlich soll ja nicht alles verraten werden.Dass Håkan Nesser ein Meister des Erzählens ist, zeigt sich auch in "Elf Tage in Berlin". Mit einer erfrischenden Leichtigkeit lässt er Arne Berlin entdecken und man fühlt sich ein wenig an den Stil von Astrid Lindgren erinnert. Leicht, einfach und doch von großer Eleganz. Herrlich sind auch jene Momente, in denen Arne mit dem Deutschen hadert und versucht, irgendwo am Ufer der Sprache festzumachen. Besonders im schwedischen Original sind diese Passagen höchst amüsant. Wie dies in der deutschen Übersetzung gelöst worden ist, weiß ich nicht. Es muss jedenfalls eine Herausforderung für den Übersetzer gewesen.Lange Zeit während des Lesens dachte ich mir, ich hätte ein neues Lieblingsbuch vor mir, einen wahren Schatz, der fraglos nur mit fünf Sternen belohnt werden durfte. Doch dann kam das Ende, das konstruiert und nicht schlüssig wirkt. Es scheint, als habe Nesser selbst keine ordentliche Lösung für die verzwickte Geschichte gefunden und sie daher einfach offen gelassen. Zufriedenstellen kann das aber nicht, weshalb "Elf Tage in Berlin" bzw. im Original "Elva dagar i Berlin" nun doch kein Lieblingsbuch geworden ist, das ich aber dennoch ausdrücklich empfehlen kann.

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  • Einfacher ein Baum

    Elf Tage in Berlin

    schmives

    10. May 2016 um 16:52

    Die schwedische Literatur ist berüchtigt für ihre Kriminalromane, in denen schwermütige bis soziopathische Kommissare mit mindestens latentem Alkoholproblem sich mit bestialischen Mordfällen auseinandersetzen. Dass das natürlich nicht alles ist, was die Skandinavier zu bieten haben, und sich sogar ein einschlägiger Genre-Vertreter mitunter einen vielversprechenden Abstecher in andere literarische Gefilde erlaubt, beweist z.B. Håkan Nesser mit seinem neuen Roman. Zwar sind auch in Elf Tage in Berlin mehrere Tote zu beklagen, und eine männliche Hauptfigur begibt sich auf Spurensuche in der Fremde, sodass sich zumindest in Ansätzen ein kriminalistisches Grundschema nachweisen lässt. Dieses Schema wird hier jedoch auf so originelle Weise variiert, dass man dem klassischen Krimiliebhaber vielleicht von der Lektüre abraten muss. Alle Menschen mit flexibleren Lesegewohnheiten wird die Geschichte von Arne Murberg aus K. in Schweden, der sich in Berlin auf die Suche nach seiner Mutter begibt, die seinen Vater und ihn rund ein Jahr nach seiner Geburt gut 30 Jahre zuvor im Stich gelassen hat, aber sicherlich in ihren Bann ziehen. Mag man sich anfangs noch an der befremdlich einfachen Sprache stoßen, klärt sich dann doch schnell auf, dass es sich dabei keineswegs um einen schwachen Stil handelt sondern vielmehr um narratives Programm: Arne hat nämlich als Kind eine Kopfverletzung erlitten und ist seitdem kognitiv eingeschränkt, die Simplizität der Sprache ist ein veritables Abbild seiner reduzierten Weltwahrnehmung. Und dieser Simplicissimus erhält nun von seinem Vater auf dem Sterbebett einen Auftrag von geradezu existenzieller Tragweite: Begib dich nach Berlin und finde deine abtrünnige Mutter, um ihr dieses Kästchen von mir zu übergeben, das du selbst vorher nicht öffnen darfst. Auf diese abenteuerliche Reise darf der Leser Arne begleiten und erlebt aus dessen kindlich ungefilterter Perspektive viele Dinge wieder wie zum ersten Mal, z.B. das Einchecken im Hotel oder einen Schuhekauf im Kaufhaus, aber auch bestimmte Redensarten als eigentlich merkwürdige Spracherscheinungen – so werden gleichsam mit den Augen eines Kindes Dinge sichtbar gemacht, die entweder gar nicht mehr oder auf jeden Fall nicht auf solche Weise in das Bewusstsein des „gesunden“ Erwachsenen eindringen würden. Wir haben hier also neben einem Kriminal- und Abenteuerroman gleichzeitig auch einen Bildungsroman über einen Menschen mit geistiger Behinderung vor uns, der in der Fremde zum ersten Mal auf sich allein gestellt sich zunehmend von der Bevormundung durch seine Verwandten emanzipiert und sich als autonom behauptet. Pikant abgeschmeckt wird diese Melange schließlich noch durch einen guten Schuss Fantastik bzw. durchaus Schwarze Romantik, denn mit dem verschrobenen Professor Litvinas begegnet obendrein eine Figur, die den alchemistischen Sphären E.T.A. Hoffmanns entsprungen zu sein scheint. Mehr soll hier gar nicht verraten werden, um der in der Erzählung wirkmächtig entfalteten Spannung keinen Abbruch zu tun. „Es ist bestimmt einfacher, ein Baum zu sein als ein Mensch“, resümiert Arne gegen Ende der Geschichte. „Einfacher, aber gleichzeitig auch langweiliger.“ Der Protagonist in Nessers Roman ist zu diesem Zeitpunkt jedenfalls um zahlreiche – darunter übrigens romantische – Erfahrungen reicher geworden, und auch der Leser fühlt sich bis zum Ende beschenkt. Eine vielseitige und kurzweilige Lektüre, die unbedingt zu empfehlen ist.

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  • Der Schlüssel zum Glück

    Elf Tage in Berlin

    Sookie70

    06. May 2016 um 16:48

    Arne, der seit einem Badeunfall in seiner Kindheit unter einer kognitiven Beeinträchtigung leidet, verspricht seinem Vater an dessen Sterbebett, seine totgeglaubte Mutter in Berlin zu suchen und ihr ein Kästchen zu übergeben. Er tritt die Reise ganz alleine an und stößt in der unbekannten Großstadt auf mehr als nur eine Schwierigkeit. Er verliert sein Handy und seine Schuhe, eine zutrauliche Taube kreuzt seinen Weg, ein scheinbar verwirrter Professor bedient sich seiner Dienste als "Gehilfe" für ein seltsames Experiment, und die an den Rollstuhl gefesselte Beate erobert Arnes Herz im Sturm. Ein Kästchen, ein Schlüssel und ein ganz neuer Blick auf das Phänomen "Zeit" sollen das Leben der drei für immer verändern...Ein schillernder, märchenhafter Roman mit einigen surrealen Elementen - insgesamt kurzweilig und absolut lesenswert.

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  • Unbedingt lesen!

    Elf Tage in Berlin

    jaylinn

    17. January 2016 um 16:28

    Diese Rezension findet ihr auch auf meinem Blog www.zeilenliebe.wordpress.com! Dieses Buch ist gleichermaßen ein Entwicklungsroman, ein Selbstfindungstripp, eine Liebesgeschichte, ein fantastisches Buch und: insgesamt einfach wunderbar erzählt. Håkan Nesser gelingt es mit seiner wunderbaren Sprache, dem Leser die Eigenarten seiner Charaktere nahe zu bringen. Besonders Arne mit all seinen Merkwürdigkeiten erinnert an einen erwachsen gewordenen Michel aus Astrid Lindgrens Büchern. Überhaupt ist der Bezug zu Lindgren während des Lesens immer wieder spürbar, manchmal bewusst konstruiert, oft aber einfach zwischen den Zeilen zu lesen. Nesser hat mit seinen Protagonisten Typen geschaffen, die gleichermaßen skurril wie liebenswert, manchmal aber auch zu bemitleiden sind. Da wäre zunächst ARNE: unsere Hauptfigur, 36 Jahre alt, Schwede, seit einem Unfall leichte Schäden im Hirn, wird von Onkel und Tante behandelt wie ein kleines Kind, sonderbarer Mensch, nach dem Tod seines Vaters mit der Mission nach Berlin geflogen, seine Mutter zu finden, spricht kaum Deutsch und überhaupt kein Englisch, was in der Kommunikation zu einigen Verwicklungen führt, verträgt keinen Alkohol, trägt gelbe Schuhe, ist leicht zu hypnotisieren, findet seinen Platz im Leben, kennt zu “Die Brüder Löwenherz” nur den Film. “Und dann musst du Deutsch lernen. Zumindest rudimentär.” “Hä?”, sagte Arne.”Rudimentär. Das bedeutet, dass du nicht unbedingt jedes Wort verstehen musst. Nur die wichtigsten. “Scheiße” und “Krankenhaus”, um nur zwei Beispiele zu nennen.” “Scheiße”, sagte Arne. “Bravo. Mit etwas gutem Willen und einem ordentlichen Lehrbuch müsste das in ein paar Monaten zu schaffen sein. Du kannst ja nicht nach Berlin kommen und nur Schwedisch sprechen.” (S. 21) – so viel zur Vorbereitung Arnes auf seine Berlinreise. Für Arne ist das Glas immer halb voll und niemals halb leer: “Als er mehrere Stunden später ins Bett gefallen war (nachdem sie jeder drei Tassen Tee getrunken und all die seltsamen Dinge ein Dutzend Mal durchgekaut hatten, und nachdem er sich dreizehn Mal verlaufen hatte bis er in die Fasanenstraße und ins Hotel Munck zurückfand), dachte Arne, dass dieser Tag, der gerade zu Ende gegangen war, sensationell gut verlaufen war.”(S. 266) Eine weitere Figur ist BEATE: Frau in Arnes Alter, lebt in Berlin, sitzt im Rollstuhl, hat ihren Großvater sehr geliebt, von ihm hat sie die Liebe zu Büchern, ganz besonders zu Lindgrens “Die Brüder Löwenherz”, das sie dreimal im Jahr liest, hilft Arne bei der Suche nach seiner Mutter, spricht Schwedisch, begegnet Arne, als dieser in einer Schlange im Imbiss steht und seine Bestellung wegen mangelnder Sprachkenntnisse nicht aufgeben kann, er offenbart ihr seine ganze Geschichte. Beates Lebensphilosophie: “Wenn man lernt, die Tage zu nehmen,wie sie kommen, hat man das Wichtigste im Leben gelernt.”( S. 94, Beates Großvater) Weiterhin tritt der Antagonist (wenn auch nicht im herkömmlichen Sinne) Professor ANATOLIS LITVINAS auf: schizophren, zweimal längere Aufenthalte in Psychiatrie, glaubt fest an Zeitreisen, zelebriert Rituale, um zu seiner verstorbenen Frau zu gelangen (,die identisch mit Arnes Mutter ist, was Arne aber nicht weiß), trifft auf Arne, da er in demselben Haus wohnt, in dem Arne nach seiner Mutter sucht, versucht, Arne für seine Zwecke zu benutzen (,was diesem sowohl guttut als ihn auch verstört). Und dann gibt es noch eine TAUBE: sitzt täglich auf dem Fenstersims von Arnes Hotelzimmer, zieht bei Arne ein, ist ihm in einer Krise ein wichtiger Gesprächspartner. Nesser entwickelt zunächst drei scheinbar voneinander unabhängige Handlungsstränge, die sich im Verlauf des Buches einander nähern und letztlich wie ein Puzzle miteinander verzahnt werden. Fazit: Dieses Buch ist für alle Nesser-Fans ein Muss, auch für die, die eigentlich nur Krimis mögen! Ob Arne am Ende seine Mutter findet, welche Rolle Beate und der Professor in seinem weiteren Leben spielen, was aus der Taube wird – das müsst ihr unbedingt selber lesen.

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  • Mit Arne in Berlin

    Elf Tage in Berlin

    Alexandra_Luchs

    12. December 2015 um 14:27

    Wie ein defekter Computer fühlt sich Arne Murberg, der nach einem Kopfsprung ins flache Wasser in seiner Kindheit sprichwörtlich „auf den Kopf gefallen“ ist. Er hat Probleme sich zu konzentrieren und kompliziertere Aufgaben zu erfüllen. So eine komplizierte Aufgabe erhält Arne dann aber ausgerechnet am Sterbebett seines Vaters: er soll nach Berlin fahren, seine abgehauene Mutter finden und ihr ein mysteriöses Kästchen übergeben. Ganz allein macht Arne sich auf den Weg und schlägt sich wunderbar in dieser aufregenden Situation. Schon häufiger hat Hakan Nesser über liebenswerte Eigenbrötler und Außenseiter geschrieben, mit Arne Murberg hat er aber einen seiner schönsten Charaktere erdacht. Arne muss man einfach mögen und wie der „einfach gestrickte“ junge Mann im Verlauf der Geschichte über sich hinauswächst, ist toll zu lesen. Wie das Buch dabei außerdem sprachlich zum Protagonisten passt, ist einfach gelungen. Seine einfachen Sätze und Erkenntnisse sind in eine wunderbar bildhafte, liebevolle Sprache verpackt. Aus Arnes Sicht wird so die Reise nach Berlin (streng unterteilt in die elf Tage als Kapitel) geschildert. Seine Gedanken und Herausforderungen, Enttäuschungen und Freuden halten das Buch auch ohne wuchtigen Spannungsbogen durchgehend unterhaltsam. Zwar isst Arne überproportional oft (vier Currywürste, einiges an Hausmannskost und diverse Biere), aber „[…] vielleicht war es ja wirklich so einfach. Man konnte nicht gleichzeitig hungrig und glücklich sein. Und genauso wenig satt und unglücklich.“ Und so versprüht Arnes Reise trotz, in anderem Kontext sicher ein wenig ermüdender, zahlreicher kulinarischer Ausflüge einfach Glück und Freude. Das liegt auch an der tollen Konstruktion der Geschichte. Irgendwie geht bei Arne trotz manchem Problem doch immer alles gut und er trifft ungewöhnliche und meist sympathische Menschen. In Arnes Erlebnisse mischen sich außerdem noch zwei Nebenhandlungen, die der Geschichte fast einen Märchenhaften Anhauch verleihen. Das muss man mögen, ich persönlich fand es durchweg gelungen. So ist “Elf Tage in Berlin” ein absolutes Wohlfühlbuch, spannend geschrieben und emotional mitreißend ohne kitschig zu sein. Ohne Zweifel 5 von 5 Sternen und die absolute Leseempfehlung!

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  • Herzergreifend

    Elf Tage in Berlin

    AnnaChi

    Arne ist von schlichtem Gemüt und wird von seiner Umwelt bevormundet. Dennoch macht er sich nach dem Tod seines Vaters aus der schwedischen Provinz ins ferne Berlin auf, um seine verschwundene Mutter zu suchen und ihr als Vermächtnis seines Vaters ein geheimnisvolles Kästchen zu übergeben. Beate leidet seit ihrer Kindheit an einer unerklärlichen Schwäche der Beine und sitzt im Rollstuhl. Und dann ist da noch ein mysteriöser "Professor", der in der Psychiatrie einsitzt und seiner Entlassung harrt. Wie sich die Wege dieser drei Menschen kreuzen und miteinander verschlingen, beschreibt Nesser in bekannt meisterhafter Manier. Am wunderbarsten gelingt ihm die Darstellung von Arne, der in seiner Naivität von einem Faupax in den anderen stürzt, aber auch beispielsweise die Currywurst als unglaubliche Delikatesse  und die Auswirkungen von Alkohol als eher unangenehme Erfahrung verbuchen kann. Diesen Arne, dessen rudimentäre Deutschkenntnisse sich im wesentlichen auf den Satz "Isch bin Schweden" beschränken, muss man einfach gern haben. Obwohl viele Romane von Hakan Nesser phantastische Elemente aufweisen, spielt dieser Roman zu großen Teilen in einer nicht-realen Welt, in die ich dem Autoren aber gern gefolgt bin.

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    • 3
  • ganz ander als erwartet

    Elf Tage in Berlin

    sternchennagel

    08. December 2015 um 14:08

    http://bibliophilias-buecherhimmel.blogspot.de/2015/12/elf-tage-in-berlin.html Ich sage gleich vorweg, dass es mir sehr schwer fällt, hier eine Meinung zum Besten zu geben, ohne zu viel zu verraten, denn für mich hat den Zauber dieses Buches unter anderem ausgemacht, das mich viele Dinge überrascht haben. Wer also nicht gespoilert werden möchte, um den ganzen Zauber zu erleben, der ist gut damit bedient hier aufzuhören zu lesen und dieses 5 Herzen Buch einfach selbst zu erleben. ---------------------------------------------------------------------------------- Arne Murberg ist ein junger Mann in den 30ern, der als Kind leider mit dem Kopf zu erst in den Teich springen wollte und seither geistig etwas verlangsamt ist. Für mich war das eine Überraschung und hat das Bild, welches ich zu Anfang hatte grundlegend verändert.  Ich habe mich ein wenig an "Extrem laut und unglaublich nah" von J.S.Foer erinnert gefühlt, was ich großartig finde, da dies eines meiner allzeit Lieblinge ist.  Als dann plötzlich die Protagonisten in den Kapiteln andere wurden, war endgültig gefesselt von diesem Buch. Wer ist das denn jetzt? und was hat er mit Arne zu tun? Aber all das erfährt man im Laufe des Buches. Insgesamt wird von Arne, von Beate und von Professor Litvinas erzählt. Wie die insgesamt zusammenhängen lasse ich nun mal außen vor, denn sonst ist der ganze Zauber hinüber. Der Stil von Hakan Nesser ist unvergleichlich gut, es ist eine Mischung aus trockenem Humor, aus liebevollen Zeichnungen und aus spannendem Krimi. Ich muss dazu sagen, dass dies mein erstes Buch von diesem Autor ist und ich somit keinen Vergleich zu seinen sonstigen Büchern und Stilen ziehen kann.  Leser die fantastischen Gegenüber eher kritisch sind, sollten dieses Buch vielleicht lieber nicht lesen. Diejenigen werden sich dann wohl eher denken "was soll das denn nun" Dieses Buch ist eine fantastische Zeitreise, eine Philosophie Stunde, ein Liebesroman, ein Krimi, ein Schelmenroman und vieles mehr in einem Buch. Ich kann es sehr empfehlen!

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