Hédi Kaddour

 3.7 Sterne bei 14 Bewertungen
Autor von Die Großmächtigen, Waltenberg und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Hédi Kaddour

Hédi Kaddour wurde 1945, als Sohn eines tunesischen Vaters und einer französischen Mutter, in Tunesien geboren. Er studierte an der École normale supérieure in Paris Literatur und Dramaturgie. Seit dem Studium arbeitet er als Übersetzer aus den SPrachen deutsch, englisch und arabisch und lehrt Französische Literatur und Theaterwissenschaft an der École normale supérieure de Fontenay sowie Saint Cloud de Lyon. Außerdem ist er Professor für Französisch an der New York University in Frankreich. Seine ersten Veröffentlichungen waren Gedichtbände, bis er 2007 seinen Debütroman »Waltenberg« bei Gallimard veröffentlichte. In Deutschland erschien der Roman 2009 bei Eichborn. Anfang 2010 erschienen zwei neue Bücher von Hédi Kaddourm ebenfalls bei Gallimard. Der Roman »Savoir-vivre« sowi die Sammlung seiner Notizen und Skizzen aus dem Jahr 2008 unter dem Titel »Les pierres qui montent : Notes et croquis de l'année 2008«. Ob und wann diese auf deutsch erscheinen, ist zur Zeit noch nicht bekannt. Heute lebt Kaddour in Frankreich.

Alle Bücher von Hédi Kaddour

Die Großmächtigen

Die Großmächtigen

 (9)
Erschienen am 14.07.2017
Waltenberg

Waltenberg

 (4)
Erschienen am 30.07.2009
Savoir-Vivre

Savoir-Vivre

 (1)
Erschienen am 29.04.2011
Savoir-vivre, französische Ausgabe

Savoir-vivre, französische Ausgabe

 (0)
Erschienen am 21.03.2011

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Neue Rezensionen zu Hédi Kaddour

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Rezension zu "Die Großmächtigen" von Hédi Kaddour

‚[...] sie erregten Aufsehen [...]‘
sabatayn76vor einem Jahr

‚[...] sie erregten Aufsehen, aber das störe vor allem die Franzosen, die es nicht leiden könnten, wenn man Leute bestaunte, die größer und reicher waren als sie selbst [...]‘

Anfang der 1920er Jahre im nordafrikanischen Nahbès: Einheimische und Franzosen leben hier recht friedlich miteinander, doch eines Tages wird die alltägliche Routine durch das Eintreffen eines amerikanischen Filmteams erschüttert. Dieses ist nach Nahbès gekommen, um hier den Film ‚Der Wüstenkrieger‘ zu drehen, und binnen kürzester Zeit mischen die offenen, lebensfrohen, unkonventionellen, kurzröckigen Amerikaner das Leben der Bewohner Nahbès‘ auf.

Fünf Personen spielen eine zentrale Rolle in Hédi Kaddours Roman:
Raouf, der von seinem Vater Si Ahmad gebeten wurde, sich um den Regisseur und seine Frau, die Schauspielerin Kathryn Bishop, zu kümmern, verfällt bald der allseits umschwärmten, offenherzigen Schauspielerin. Auch das Leben von Ganthier, einem französischen Siedler und dem größten Grundbesitzer der Region, der Raoul zum Lesen gebracht hat, gerät durcheinander, als er auf die Journalistin Gabrielle trifft. Und Raoufs Cousine Rania, die früh verwitwet ist und nach Nahbès gekommen ist, um ihrem Onkel Abdesslam den Haushalt zu führen, versucht, ein eigenständiges Leben zu leben und sich mehr von der Beeinflussung ihres Vaters und ihres Bruders loszusagen.

Ich hatte mich sehr auf ‚Die Großmächtigen‘ gefreut, da ich gerne maghrebinische Autoren lese, und der Einstieg ins Buch versprach eine gelungene Lektüre. Leider empfand ich den weiteren Verlaufs des Romans oft als ermüdend, auch wenn einzelne Passagen immer wieder spannend zu lesen waren und mich zur weiteren Lektüre animierten.

Ich habe mittendrin sogar eine Pause von mehreren Wochen eingelegt, was ich eigentlich nie mache, und beim Wiedereinstieg hatte ich die Hoffnung, dass ich beim zweiten Anlauf gefesselter von dem Roman sein würde. Leider war dies nicht so, und ich musste mich stellenweise durch die Seiten quälen,, obwohl mir die Beschreibungen der Protagonisten und der Handlungsorte, die Schilderung des Aufeinanderprallens der Kulturen und der blumige Schreibstil gut gefallen haben. Auch die Einblicke in die Zeit des Umbruchs, die historische Epoche zwischen den beiden Weltkriegen, das Leben in Nordafrika vor der Unabhängigkeit der maghrebinischen Länder und in die Entwicklung der Emanzipierung der Frau fand ich gelungen.

Nichtsdestotrotz war mir der Roman im Ganzen betrachtet zu episodenhaft und zu zerfahren erzählt, wodurch er auf mich oft unzusammenhängend wirkte und eher anstrengend zu lesen war, was durch die Bandwurmsätze noch verstärkt wurde.

Ich bin mir sicher, dass ich eines Tages nochmals zu ‚Die Großmächtigen‘ greifen werde, denn die fast durchweg positiven Kritiken vermitteln mir den Eindruck, dass ich möglicherweise zur falschen Zeit zu diesem Roman gegriffen habe.

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Rezension zu "Die Großmächtigen" von Hédi Kaddour

Überraschend und anspruchsvoll
gagamausvor einem Jahr

Wer sind sie „Die Großmächtigen“? Das fragte ich mich sofort, als ich diesen ungewöhnlichen Titel gelesen habe. Dazu ein vielversprechendes, wunderschönes Cover, welches mich zugreifen ließ.


Groß und mächtig fühlen sich in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts in der maghrebinischen Stadt Nahbès die Franzosen, als Kolonialherren in ihrem scheinbar abgeschlossenen, elitären Zirkel. Aber die Gesellschaft ist bereits in Umbruch. Und deutlich wird das durch ein amerikanisches Filmteam, dass überraschend in die Stadt einfällt und die Menschen durcheinanderwirbelt und eine Lawine an kleinen und großen Ereignissen in Kraft setzt, die wie eine stetig wachsende Welle aus der kleinen Stadt bis hin in das ferne Europa, ja bis ins Ruhrgebiet schwappt.


Eine Handvoll kulturell sehr unterschiedlicher Menschen steht im Zentrum der Geschehnisse. Frauen und Männer, jungen und reifere, die jeder auf seine Weise auf der Suche sind. Dabei treffen sie aufeinander, umkreisen sich, kommen sich näher.


Der Stil, in dem Hedi Kaddour erzählt, ist anspruchsvoll, farbenfroh und mit einer Prise schalkhaften Humors für die Schwächen und Sehnsüchte der Menschen. Er macht dabei keinen großen Unterschied zwischen den Nationalitäten, hält allen einen Spiegel vor. Ich hatte das Gefühl, er möchte einen Bogen spannen zu heutigen Tagen. Einen Bogen zu den Beziehungen der Afrikaner und Europäer, die schon vor langem auf eine schiefe Bahn gerieten.


Ein schönes Buch für ein paar überraschende Lesestunden.

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Rezension zu "Die Großmächtigen" von Hédi Kaddour

Eine zeitlose Kulturreise - und großartige Literatur!
SigiLovesBooksvor einem Jahr

"Die Großmächtigen" von Hédi Kaddour erschien gebunden, als HC im Aufbau-Verlag, 2017. Übersetzt wurde dieses epische Werk aus dem Französischen von Grete Osterwald. Bereits das wirklich sehr schön gestaltete Cover weist auf "verschiedene Welten, verschiedene Kulturen" auf diesem unserem Planeten hin - und genau darum geht es:

Nahbés, Nordafrika, 1922:

Das kleine nordafrikanische Städtchen ist in einen europäischen und einen Teil der "Eingeborenen" unterteilt, in dem es friedlich zugeht, bis ein Filmteam aus Amerika das beschauliche Leben aufmischt: Neil, der Regisseur und Kathryn, seine Ehefrau kommen mit dem ganzen Tross und Welten, ja Kulturen prallen erstmal aufeinander.

Die weiteren Hauptprotagonisten sind Rania, eine junge, sehr kluge und wissbegierige Witwe, Raouf, ein ebenfalls sehr cleverer und intelligenter junger Mann und ihr Cousin, Ganthier, der sich, aus der französischen Kolonialmacht stammend, gerne mit ihm politische und philosophische Wortgefechte liefert; desweiteren Gabrielle Conti, die Journalistin aus Paris und eher im Hintergrund, aber dennoch unüberlesbar, Belkhjoda, ein Teppichhändler, der gerne als älterer Mann die "kleine Bande", zu der auch Raouf und Karim, sein bester Freund gehören, darin unterrichtet, wie man sich die richtige Frau sucht (auch wenn er selbst in dieser Rolle nicht eben glänzen kann).

Wir verfolgen nun über zwei Jahre - bis Juni 1924 - wie Gabrielle, die mit den beiden anderen Frauen befreundet ist, sie vorsichtig miteinander bekannt macht; wie Raouf zur 'rechten Hand' und mehr für Kulturelles und auch Persönliches von Kathryn wird und was diese sehr verschiedenartigen Menschen mehr und mehr miteinander verbindet und sich mehr und mehr anfreunden - trotz aller (oder gerade wegen?) aller kulturellen Unterschiede.

Der Schreibstil Kaddour's ist sehr blumig, orientalisch und reich im Detail, wobei mir die Prisen feiner Ironie mit am besten gefielen. Der Roman, der auch immer wieder brisante politische Themen umkreist, von der Kolonialmacht Frankreich angefangen bis zum Erstarken der Rechten in Europa, ist in drei Teile gefasst: Teil 1 ist in Nahbés verortet; in Teil 2 treffen wir die meisten Protagonisten, so Raoul, Ganthier und Kathryn, in Paris wieder und mit Schmunzeln stellte ich mir ihren Aufenthalt in sprachlicher Hinsicht im Elsass vor (ich wohne nicht weit davon entfernt ;). Ihr Weg führt sie über Berlin, wo Kathryn einen wichtigen Regisseur treffen möchte wieder nach Berlin zurück, von wo aus Raouf und Ganthier Richtung Marseille und Nordafrika weiterreisen. 

Im 3. und letzte Romanteil kehren sie nach Nahbés zurück, man schreibt das Jahr 1924: Hier trennen sich die Wege der Protagonisten, das Filmteam kehrt bis auf Weiteres nach Amerika zurück; Raouf kam aus Paris zurück, wo er mittlerweile studiert und auch bei den Menschen in Nahbés nehmen die Ereignisse ihren Lauf....

Der Autor wertet nicht, mit feiner Ironie (und oftmals einem Augenzwinkern) überlässt er dies wohl lieber dem jeweiligen Leser; die Hauptcharaktere werden so schillernd und äußerst facettenhaft beleuchtet, wie es besonders in der arabischen Literatur üblich ist. Dieses Zeitportrait setzte Hédi Kaddour perfekt um und bereitet mit diesem Roman jedem Leser eine Freude, der an arabischer Erzählkunst (sehr ausgeschmückt und detailliert) interessiert ist.

Fazit:

Ich empfehle dieses opulente, wundervoll geschriebene Werk gerne weiter; besonders sicher jenen Menschen, die sich für interkulturelle Themen interessieren, da Kaddour hier eine sehr gelungene Brücke zwischen dem Orient und dem Okzident in literarischer Weise schlägt. Auch die zeitlose Aktualität ist fast 100 Jahre später herauszulesen. Chapeau für den Autor, ebenfalls für den Aufbau-Verlag und 5* von mir am literarischen Himmel des Abend- sowie des Morgenlandes!










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