Hédi Kaddour Die Großmächtigen

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Inhaltsangabe zu „Die Großmächtigen“ von Hédi Kaddour

„Die Großmächtigen birgt in sich den Zündstoff einer ganzen Epoche. Ein großer Weltroman.“ Le Monde des Livres 1922 ist die Welt in der maghrebinischen Stadt Nahbès zu aller Zufriedenheit aufgeteilt. Bis ein amerikanisches Filmteam wie ein Meteor in dem Wüstenort einschlägt. Für einen Moment begegnen sich die Amerikanerin Kathryn und Raouf, der Sohn des Caïd, die junge Witwe Ranja, der altersmilde Kolonialist Ganthier und die kesse Pariser Journalistin Gabrielle in einer ebenso unbeschwerten wie abenteuerlichen Utopie – ehe das Rad der Geschichte einen jeden wieder an seinen Platz verweist. In seinem vielfach ausgezeichneten Roman erzählt Kaddour mit Witz und Weisheit, Poesie und Tempo von einer vergangenen, verblüffend vertrauten Epoche voller Aufbrüche und dramatischer Kollisionen. „Kaddour versteht es, den Leser von der ersten Seite an zu fesseln: mit psychologischem Feingefühl genauso wie mit stilistischen Finessen und verdecktem ironischen Augenzwinkern.“ Christoph Vormweg, Deutschlandfunk

Ein fulminanter Roman arabischer Erzählkunst mit zeitloser Aktualität! Eine sehr lesenswerte Kulturreise zwischen Orient und Okzident, 5*

— SigiLovesBooks
SigiLovesBooks

Ein außergewöhnlicher Roman, der mich beeindruckt hat

— Curin
Curin

Lebensprall und farbenprächtig - Der Bogen spannt sich von Hollywood über den Maghreb bis nach Europa.

— Bibliomarie
Bibliomarie

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  • Eine zeitlose Kulturreise - und großartige Literatur!

    Die Großmächtigen
    SigiLovesBooks

    SigiLovesBooks

    29. August 2017 um 17:27

    "Die Großmächtigen" von Hédi Kaddour erschien gebunden, als HC im Aufbau-Verlag, 2017. Übersetzt wurde dieses epische Werk aus dem Französischen von Grete Osterwald. Bereits das wirklich sehr schön gestaltete Cover weist auf "verschiedene Welten, verschiedene Kulturen" auf diesem unserem Planeten hin - und genau darum geht es:Nahbés, Nordafrika, 1922:Das kleine nordafrikanische Städtchen ist in einen europäischen und einen Teil der "Eingeborenen" unterteilt, in dem es friedlich zugeht, bis ein Filmteam aus Amerika das beschauliche Leben aufmischt: Neil, der Regisseur und Kathryn, seine Ehefrau kommen mit dem ganzen Tross und Welten, ja Kulturen prallen erstmal aufeinander.Die weiteren Hauptprotagonisten sind Rania, eine junge, sehr kluge und wissbegierige Witwe, Raouf, ein ebenfalls sehr cleverer und intelligenter junger Mann und ihr Cousin, Ganthier, der sich, aus der französischen Kolonialmacht stammend, gerne mit ihm politische und philosophische Wortgefechte liefert; desweiteren Gabrielle Conti, die Journalistin aus Paris und eher im Hintergrund, aber dennoch unüberlesbar, Belkhjoda, ein Teppichhändler, der gerne als älterer Mann die "kleine Bande", zu der auch Raouf und Karim, sein bester Freund gehören, darin unterrichtet, wie man sich die richtige Frau sucht (auch wenn er selbst in dieser Rolle nicht eben glänzen kann).Wir verfolgen nun über zwei Jahre - bis Juni 1924 - wie Gabrielle, die mit den beiden anderen Frauen befreundet ist, sie vorsichtig miteinander bekannt macht; wie Raouf zur 'rechten Hand' und mehr für Kulturelles und auch Persönliches von Kathryn wird und was diese sehr verschiedenartigen Menschen mehr und mehr miteinander verbindet und sich mehr und mehr anfreunden - trotz aller (oder gerade wegen?) aller kulturellen Unterschiede.Der Schreibstil Kaddour's ist sehr blumig, orientalisch und reich im Detail, wobei mir die Prisen feiner Ironie mit am besten gefielen. Der Roman, der auch immer wieder brisante politische Themen umkreist, von der Kolonialmacht Frankreich angefangen bis zum Erstarken der Rechten in Europa, ist in drei Teile gefasst: Teil 1 ist in Nahbés verortet; in Teil 2 treffen wir die meisten Protagonisten, so Raoul, Ganthier und Kathryn, in Paris wieder und mit Schmunzeln stellte ich mir ihren Aufenthalt in sprachlicher Hinsicht im Elsass vor (ich wohne nicht weit davon entfernt ;). Ihr Weg führt sie über Berlin, wo Kathryn einen wichtigen Regisseur treffen möchte wieder nach Berlin zurück, von wo aus Raouf und Ganthier Richtung Marseille und Nordafrika weiterreisen. Im 3. und letzte Romanteil kehren sie nach Nahbés zurück, man schreibt das Jahr 1924: Hier trennen sich die Wege der Protagonisten, das Filmteam kehrt bis auf Weiteres nach Amerika zurück; Raouf kam aus Paris zurück, wo er mittlerweile studiert und auch bei den Menschen in Nahbés nehmen die Ereignisse ihren Lauf....Der Autor wertet nicht, mit feiner Ironie (und oftmals einem Augenzwinkern) überlässt er dies wohl lieber dem jeweiligen Leser; die Hauptcharaktere werden so schillernd und äußerst facettenhaft beleuchtet, wie es besonders in der arabischen Literatur üblich ist. Dieses Zeitportrait setzte Hédi Kaddour perfekt um und bereitet mit diesem Roman jedem Leser eine Freude, der an arabischer Erzählkunst (sehr ausgeschmückt und detailliert) interessiert ist.Fazit:Ich empfehle dieses opulente, wundervoll geschriebene Werk gerne weiter; besonders sicher jenen Menschen, die sich für interkulturelle Themen interessieren, da Kaddour hier eine sehr gelungene Brücke zwischen dem Orient und dem Okzident in literarischer Weise schlägt. Auch die zeitlose Aktualität ist fast 100 Jahre später herauszulesen. Chapeau für den Autor, ebenfalls für den Aufbau-Verlag und 5* von mir am literarischen Himmel des Abend- sowie des Morgenlandes!

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  • Wüstenmagie

    Die Großmächtigen
    SABO

    SABO

    23. August 2017 um 16:56

    Hédi Kaddour - Die Großmächtigen - Aufbau"1922 ist die Welt in der maghrebinischen Stadt Nahbès zu aller Zufriedenheit aufgeteilt. Bis ein amerikanisches Filmteam wie ein Meteor in dem Wüstenort einschlägt."Nahbès, 1922Die kluge und noch sehr junge Witwe Rania stammt aus einer gutsituierten Familie und lebt bei ihrem Vater. Bei dem eher spärlichen Angebot an intelligenten Männern, denkt sie keine Sekunde daran, noch einmal eine Ehe einzugehen. Sehr zum Bedauern ihrers Vaters, der sie aber zu sehr liebt, um sie zu zwingen. Als ihre Tante erkrankt, wird sie auf der Großfarm ihres Onkels um Hilfe gebeten. Einen Haushalt zu organisieren und die Buchhaltung zu führen liegt ihr, schon gibt sie die ersten Befehle..Wenn sie mit der Kutsche ausfährt, sitzt ein Diener neben ihr, der so tut, als hielte er die Zügel in der Hand. Rania hat Freude am Fortschritt und erhebt ebenfalls Anspruch darauf. Sie liest gerne, aber ihre Autorenauswahl sorgt immer wieder für Missfallen.Ihr Onkel beschwert sich schon, dass sie ihre Nase zu tief in die Bücher steckt und Widerworte gibt. "Bruder, willst dass ich ihr das Lesen verbiete? dass ich sie schlage? sie einsperre? Ich wollte ein wunderbares kleines Mädchen haben, nun ist es großgeworden.."Doch Rania macht sich unentbehrlich, niemand geht so gut mit Zahlen um, wie sie.Die Journalistin Gabrielle kommt oft mit noch nachtfrischen Morgentau an den Füßen zu Besuch, die Nacht war wieder einmal lang. Beim Frühstück erzählt ihr die freche und hosentragende Französin von einem mondänen Abend im Grand Hotel. Ein amerikanisches Filmteam besetzt für kurze Zeit den friedlichen Wüstenort. Auch Ranias Cousin Raouff gerät in moralische Konflikte, als er die zauberhafte Kathryn kennenlernt.Einige Schicksale berühren sich. Menschen, die sich sonst nie begegnet wären und dies auch in ihren kühnsten Träumen nie für möglich gehalten hätten.Hédi Kaddour stülpt über Okzident und Orient eine literarische Käseglocke. Genial! Spannend, atmosphärisch, dramatisch, geschrieben mit einer leichten Feder. Eine sogstarke und stilsichere Utopie. Sehr empfehlenswert.

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  • Ein außergewöhnlicher Roman

    Die Großmächtigen
    Curin

    Curin

    20. August 2017 um 19:43

    1922: Ein amerikanisches Filmteam sucht sich für ihre neue Produktion die maghrebische Stadt Nahbès als Drehort aus. Die von der französischen Kolonialmacht geprägte Gesellschaft gerät dadurch ziemlich durcheinander, da ganz unterschiedliche Weltansichten aufeinander prallen... .Hédi Kaddour hat es hier geschafft, einerseits einen Einblick in das Leben und die Kultur im Maghreb zu geben, aber auch die Weltpolitik in den 20er Jahren durch seine Figuren genau durchleuchten zu lassen. Einer der Protagonisten ist Raouf, ein aus der arabischen Oberschicht stammender junger Mann, der mich mit seiner ruhigen und feinsinnigen Art, aber auch mit seinem Sinn für Literatur sehr beeindruckt hat. Er und seine Cousine Rania, die sich als junge Witwe gegen jegliche Fremdbestimmung wehrt, haben mich am meisten beeindruckt. Leider gerät Rania und ihr weiteres Schicksal im Buch immer mehr in den Hintergrund. Dagegen entsteht im Laufe der Handlung eine Art Quartett aus Raouf, der amerikanischen Schauspielerin Kathryn, der französischen Journalistin Gabrielle und dem Kolonialisten Ganthier. Diese vier völlig unterschiedlichen Figuren im Bezug auf Herkunft und ihre Lebens- und Denkart verbringen während einer Frankreichreise viel Zeit miteinander und erleben dort mit, wie sich der politische Ton immer mehr verschärft. Was mir dabei nicht gefallen hat, sind die verschiedenen Beziehungen zwischen den Figuren, die ständig zwischen Liebe und Eifersucht hin und her schwanken. Gerade diese untereinander unausgesprochenen Dinge hemmen den Handlungsfluss aus meiner Sicht.Hédi Kaddour schreibt sehr gut lesbar, aber verlangt auch die ganze Aufmerksamkeit seiner Leser. Stellenweise fand ich die Handlung manchmal etwas zäh, aber dann wird man immer wieder durch tolle ironische Spitzen überrascht und kann das Buch kaum mehr weglegen. Insgesamt wird man durch ,,Die Großmächtigen" in eine ganz andere Kultur versetzt und erfährt viel über die Denkart in den 20er Jahren über die Grenzen Europas hinaus. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

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  • Sollte man sich nicht entgehen lassen

    Die Großmächtigen
    Bibliomarie

    Bibliomarie

    25. July 2017 um 12:15

    Der Maghreb in den Zwanziger des letzten Jahrhunderts, eine Welt in der es brodelt. Zwischen den französischen Kolonialisten und den politisch geprägten Nationalisten, zwischen den traditionellen Muslimen und den Fortschrittsgläubigen. Diese labile Konstellation gerät aus den Fugen, als ein amerikanisches Filmteam in Nahbès einzieht. Die geschlossenen Kreise werden durcheinander gewirbelt und die „Großmächtigen“ so der Spottname für die einfluss-und geldreichen Franzosen fürchten um ihre Vormachtstellung. Hier treffen die fünf Hauptcharaktere aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein können: Rania, eine junge Araberin, von Büchern fasziniert und aufgeschlossen, schon mit 19 Jahren Witwe geworden, versucht sie ein eigenständiges Leben zu führen und sich der Bevormundung von Vater und Bruder zu entziehen. Raouf, ein achtzehnjähriger Abiturient, ist angezogen von der französischen Literatur und Sprache, er ist charmant, gebildet und gehört als Sohn des Caîd zu oberen Schicht der Araber. Ganthier ist Franzose, gehört also zu den Großmächtigen, ist ein gebildeter, aber auch zynischer und reaktionärer Mann. Kathrin Bishop gehört als Schauspielerin zur Filmcrew, charmant und reizend wirbelt sie gehörig Staub auf. Dazu kommt noch die Journalistin Gabrielle Conti. Zwischen diesen fünf Hauptfiguren entwickeln sich dramatische, leidenschaftliche und folgenreiche Beziehungen. Hier prallen Welten und Weltanschauungen aufeinander. Der Roman ist ein farbenreiches Epos aus einer für mich bislang fremden Welt. Doch finde ich in all diesen Konflikten und politischen Machtspielen schon den Kern des Konflikts, der bis heute die Region bestimmt. Aber nicht nur der geschichtliche oder politische Hintergrund hat mich gefesselt. Es ist vor allem die Entwicklung der Figuren. Großartig vor allem Rania und Raouf, zwei junge Menschen, die durch die Begegnung mit der Literatur und den Fremden auch die Enge ihrer Welt begreifen. Es gibt viele wunderbare Geschichten in der Geschichte, kleine zwischenmenschliche Episoden von Neid, Liebe, Eifersucht und Enttäuschung, die mich an Episoden aus Tausendundeiner Nacht erinnerten. Die Handlung führt in einem weiten Bogen aus Nordafrika bis nach Europa und ins Ruhrgebiet und wieder zurück nach Nahbès. Sogar Hollywood darf mit einigen Skandalen auftreten. Die Atmosphäre ist stimmig und nahm mich sofort gefangen. Die Geschichte ist lebensprall und farbenprächtig, unterhaltsam und traurig zugleich.  Ich bin begeistert!        

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