Der Duft des Waldes

von Hélène Gestern 
4,4 Sterne bei7 Bewertungen
Der Duft des Waldes
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Positiv (6):
HEIDIZs avatar

wundervoll geschrieben, hat mich davongetragen und mitgenommen, fesselnd und kunstvoll - absolute Leseempfehlung

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Im Grunde reiner Kitsch - alles nimmt immer noch eine unerwartete Wendung. Keine Empfehlung . Aber doch vollständig gelesen....

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Inhaltsangabe zu "Der Duft des Waldes"

Ein verwunschenes Haus mitten in Frankreich und ein Bündel alter Briefe - Ein großer Roman über Fernweh und zugleich die Sehnsucht nach Ankunft.

Elisabeths Leben ändert sich schlagartig, als ihr die 89-jährige Alix die Briefe ihres Bruders Alban anvertraut, geschrieben von der Front des Ersten Weltkrieges an dessen Freund Anatole. Als Elisabeth außerdem Alix‘ verwunschenes Landhaus südlich von Paris erbt, weiß die junge Historikerin, dass eine große Aufgabe auf sie wartet, eine, die ihrem Leben wieder Sinn verleiht. Die Briefe geben Rätsel auf, und Elisabeth stürzt sich in die Recherche: Welches Geheimnis verband die Freunde, warum ging Alban zurück an die Front, wo ihm der Tod sicher war, und wer war die eigenwillige 17-jährige Diane? Auf der Suche nach Antworten, reist Elisabeth nach Lissabon, Bern und Brüssel und sucht all die Menschen auf, die mit ihren Erinnerungen Elisabeth helfen, hundert Jahre Lebensgeschichten zu einem Ganzen zusammenzufügen. Ein so bewegender, wie spannender Roman über die Macht der Erinnerung und der Liebe.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783103973433
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:704 Seiten
Verlag:S. FISCHER
Erscheinungsdatum:25.07.2018

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    zauberblumes avatar
    zauberblumevor 8 Tagen
    Einfach perfekt!

    "Der Duft des Waldes" ist ein äußerst gelungener Debütroman der französischen Autorin Héléne Gestern. Sie nimmt uns in ihrem herausragenden Roman auf eine ganz besondere Reise mit und diese hat bei mir bleibende Eindrücke hinterlassen.

    Der Inhalt: Im Mittelpunkt dieser tollen Geschichte steht ein verwunschenes Haus in Frankreich und ein Bündel alter Briefe, die mich sehr berührt haben. Die Historikerin Elisabeth Bathori sieht nach dem Tod ihres Lebensgefährten, von dem sie sich nicht einmals verabschieden konnte, keinen richtigen Sinn mehr in ihrem Leben. Doch da erbt sie eines Tages die rätselhaften Briefe des Soldaten Alban, die er seinem Dichterfreund Anatole von der Front des ersten Weltkrieges nach Hause schrieb. Elisabeths Neugier ist geweckt. Sie reist nach Lissabon, Brüssel und Paris und immer wieder zurück in ein Landhaus, das sie überraschend geschenkt bekommen hat. Quer durch ein ganzes Jahrhundert findet sie Lebensgeschichten und mit Samuel eine neue Liebe. ....

    Ich bin jetzt nach Beendigung des über 700 Seiten langen Werkes tief beeindruckt. Der Schreibstil der Autorin ist etwas ganz besonderes. Obwohl es sich um ein gigantisches Werk handelt, kommt beim Lesen nie Langeweile auf. Man taucht sofort in die packende Geschichte ein und wird in ihren Bann gezogen. Wir erfahren viel über die Geschichte des 1. Weltkrieges und durch diese berührenden und ausdruckstarken Briefe bekommt man ja sogar einen besonderen Einblick in das Geschehen an der Front. Und dann ist da Elisabeth. Die ihre große Liebe auf tragische Weise verloren hat und sich nur durch ihre Arbeit am Leben hält. Aber als sie diese Briefe in die Hände bekommt, taucht wieder etwas von der früheren Elisabeth auf. Wir begleiten sie auf einer interessanten und abenteuerlichen Reise durch viele Städte. Ich genieße jedoch auch die Zeit, die sie in ihrem ganz besonderen Landhaus in Frankreich verbringt. Denn in diesem Haus ist der Stein erst ins Rollen gekommen. Denn hier begann die ganze Geschichte. Und Elisabeth fügt die Lebensgeschichte vieler Menschen, die sich über ein ganzes Jahrhundert zieht, wie ein Puzzle zusammen. Einfach toll! Außerdem scheint auch Elisabeth ihr Glück wieder zu finden, denn das ist Samuel, der Elisabeth wieder zum Lachen bringt. Ein wirkliches einzigartiges Gesamtpaket, das ich von der ersten bis zur letzten Seite genossen habe.

    Für mich ein absolutes Lesehighlight. Das Cover wirkt auf mich etwas melancholisch, passt jedoch zur Lektüre. Gerne vergebe ich für diesen Debütroman 5 Sterne und freue mich schon auf den näcshten Roman der Autorin.

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    HEIDIZs avatar
    HEIDIZvor 15 Tagen
    Kurzmeinung: wundervoll geschrieben, hat mich davongetragen und mitgenommen, fesselnd und kunstvoll - absolute Leseempfehlung
    Wundervolles Buch - tolle Geschichte - super Umsetzung

    Ein wundervolles Buch - es entführte mich während des Lesens in Elisabeths Leben, als sie Briefe des Soldaten Alban erbt, die dieser seinem Freund, dem Dichter Anatole von der Front während des Ersten Weltkrieges geschrieben hatte. Elisabeth geht auf Reisen, um Antworten zu finden und nimmt ihre Leser mit nach Paris, Brüssel oder Lissabon - immer wieder kommt sie aber zurück zum Landhaus, welches sie geschenkt bekommen hatte. Wir erleben ein Jahrhundert Geschichte ein Leben und eine neue Liebe ...

    Extrem anregend, spannend, kurzweilig und in einem Stil geschrieben, der mich davongetragen hat, der mich hat alles um mich herum vergessen ließ, kunstvoll geschrieben und mitreißend. Es gibt absolut nichts zu bemängeln. Ich empfehle das Buch wärmstens. 

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    19angelika63s avatar
    19angelika63vor 18 Tagen
    Kurzmeinung: Was für ein grandioses Buch ... von der ersten bis zur letzten Seite Spannung pur! Unbedingt lesen ♥♥♥
    Der Duft des Waldes von Hélène Gestern

    Klappentext
    Elisabeths Leben ändert sich schlagartig, als ihr die 89-jährige Alix ihr die Briefe ihres Bruders Alban anvertraut, geschrieben von der Front des ersten Weltkriegs an seinen Freund Anatole. Als Elisabeth außerdem Alix' verwunschenes Landhaus südlich von Paris erbt, weiß die junge Historikerin, dass eine große Aufgabe auf sie wartet, eine, die ihrem Leben wieder Sinn verleiht. Die Briefe geben Rätsel auf, und Elisabeth stürzt sich in die Recherche: Welches Geheimnis verband die Freunde, warum ging Alban zurück an die Front, wo ihm der Tod sicher war, und wer war die eigenwillige 17-jährige Diane?
    Auf der Suche nach Antworten, reist Elisabeth nach Lissabon, Bern und Brüssel und sucht all die Menschen auf, die mit ihren Erinnerungen Elisabeth helfen, Lebensgeschichten eines Jahrhunderts zu einem Ganzen zusammenzufügen.



    "Mir lag das Album eines poilu vor, eines Frontsoldaten, der während des Ersten Weltkriegs zweieinhalb Jahre lang Postkarten und selbstaufgenommene Fotos vom Alltag in den Schützengräben verschickt hatte. Außerdem hatte er fast jede Woche seiner Schwester geschrieben und dem berühmten postsymbolischen Dichter Anatole Massis, der offenbar sein bester Freund gewesen war. Der Fundus war von unschätzbarem historischem Wert, ein solcher Schatz war mir im Lauf meines Berufslebens nur zwei- oder dreimal untergekommen." (Seite 11)

    Elisabeth ist Historikerin und immer wieder auf der Such nach neuem Material. Als einen Tages die 89-jährige Alix de Chandelar an sie herantritt, um ihr Briefe, Fotos und Postkarten ihres im Ersten Weltkrieg verstorbenen Onkels Alban de Willecot anzubieten. Bei der Durchsicht des Materials stellt sich heraus, das Alban Briefkontakt zu dem berühmten Dichter Anatole Massis hatte. Elisabeth ahnt, welchen unvorstellbaren Schatz sie in den Händen hält.

    Kurz nach der Übergabe der Briefe stirbt Alix und hinterlässt Elisabeth ihr Haus in Südfrankreich. Und hier kommt die Historikerin endlich das erste Mal nach zwei Jahren zur Ruhe. Denn vor zwei Jahren starb ihre große Liebe. Sein Tod hat sie in eine depressive Phase gestürzt und das Leben schien ihr ohne ihn sinnlos.

    "Je länger ich die Zeilen dieses jungen Mannes entzifferte, der mit neunundzwanzig Jahren seinem Tod entgegenging und dessen elegante Schrift den entsetzlichen Bedingungen zu trotzen schien, in denen er sich beim Schreiben befand, desto mehr Zuneigung empfand ich für ihn, der sich weiterhin an Gedichtversen festhielt, weiterhin seine Kameraden fotografierte, während die Welt Tag und Nacht Feuer und Stahl über ihn ergoss. Mich bewegte vor allem, wie unermüdlich er nach dem Wohlergehen seiner Lieben fragte und wie beharrlich er sich nach einer gewissen Diane erkundigte (seine Verlobte?). Vielleicht, weil ich, genau wie Alban de Willecot, wenn auch in einem ganz anderen Kontext, dieses quälende Schweigen erlebt hatte, das alles Mögliche bedeuten konnte, Vergessen, Verschwinden oder Tod." (Seite 56/ 57)

    Doch durch die Briefe von Alban und dem damit verbundenen Geheimnis um den Dichter Massis, macht sich Elisabeth an die Recherche. Parallel dazu bekommt sie eine Anfrage aus Lissabon. Sie soll einer Frau dabei helfen ihre jüdischen Vorfahren zu finden. Elisabeth lernt den Bruder ihrer Klientin kennen und verliebt sich in ihn. Doch ihrer beider etwas komplizierte Vergangenheit macht es ihnen schwer sich aufeinander einzulassen.

    Zeitgleich fallen ihr in Lissabon verschlüsselte Tagebucheinträge einer Diane in die Hände, die scheinbar auch Kontakt zu Alban und Anatole hatte.

    Je weiter Elisabeth in die Geschichte von Alban und Anatole eintaucht desto verschlungener wird sie. Ähnlich wie ihre Beziehung zu Samuel. Immer wieder muss sie neu ansetzen, neue Wege und Spuren verfolgen, umdenken und neuzusammensetzen. Wird sie hinter das Geheimnis kommen? Und wird sie sich ganz auf Samuel einlassen können?

    "Der Soldat führt die Zeile zu Ende, hebt kurz den Kopf, als er in der Ferne einen Schrei hört, schreibt weiter. Es ist kalt, daran denkt er aber nicht mehr, er denk auch nicht mehr an die Boches, an das Geschützgewitter, an die Ratte, die in seiner Nähe hastig einen verschimmelten Brotkanten frisst. Im Schutz seiner Nische sucht der Leutnant nach den richtigen Worten, um das Herz einer Siebzehnjährigen zu ergreifen, sie zu unterhalten, sie an sich zu binden, wenigstens ein bisschen, nur, um weiterhin auf ihre Briefe hoffen zu dürfen, nur um des Vergnügens willen, sich ihr Lächeln oder ihr Stirnrunzeln auszumalen angesichts der besonders kniffligen Mathematikaufgabe, die er ihr gestellt hat.
    In diesem Augenblick besteht Alban de Willecot, der tief in der Erde, tief im Krieg steckt, nur noch aus dieser einen Handlung, bescheiden, aber zwingend: schreiben. Eine Handlung des Überlebens, so methodisch, so wild entschlossen ausgeführt, dass sie den Tod aufhebt, der ihn einkreist, den Tod umkehrt wie ein Negativ die Bereiche von Licht und Schatten, eine Handlung, die dieses eiskalte, dreckige, unbequeme Loch in das Königreich eines Liebenden verwandelt." (Seite 200)


    Was für ein Buch, was für eine Geschichte!!!

    Wer mich kennt, weiß, dass ich kaum Bücher mit mehr als 450 max. 500 Seiten lese. Frei nach dem Motto, was ein Autor nicht auf 500 Seiten schafft zu erzählen, schafft er auf 700 erst Recht nicht. Aaaaaaber ... es gibt Ausnahmen. Und dieses Buch ist definitiv eine. Von der ersten bis zur letzten Seite bin ich durch dieses Buch geflogen und ja, es braucht dieses "Masse" an Seiten, weil es einfach unmöglich ist diese Geschichte auf weniger Seiten zu erzählen.

    Was mir besonders gefallen hat, ist die abwechselnde Erzählweise. Da ist einmal Elisabeths Leben und Vergangenheit, die hier Raum findet. Parallel dazu wird die Geschichte von Alban, Anatole, Diane und vielen anderen Menschen aus dem Ersten Weltkrieg erzählt. Im Buch kursiv dargestellt. Mich haben die Briefe und Postkarten sehr berührt. Sie erzählen das Leben der Soldaten an der Front während des Ersten Weltkriegs. Von den Hoffnungen, der Wut, der Sehnsucht und der Trauer.

    Spannend war auch die Suche nach den Verbindungen zwischen den einzelnen Protagonisten. Die Autorin schafft es, ihre Protagonisten sehr real zu zeichnen. Zeitweise habe ich wirklich gedacht, Alban de Willecot und Anatole Massis haben wirklich gelebt. Doch ein Blick ins Web und ich musste feststellen, dass es doch nur fiktive Personen waren. Ich war so gefesselt von der Geschichte, das ich sogar mit gerätselt habe wer wen wie kennt und mit wem wer wie verbandelt/ verwandt ist oder nicht. Das macht dieses Buch unendlich spannend ... bis zur letzten Seite.

    "Auch wenn noch viele Einzelheiten fehlten, zeichneten sich bereits die einzelnen Stränge ihrer Geschichte ab, eines komplexen Gebildes, in dem sich alles Mögliche verwob, Liebe, Krieg, Erwachsenwerden, Zuversicht und Enttäuschung. Im Laufe der Zeit wuchs mein Gefühl von Vertrautheit mit den beiden. Sie führten mich mit ihrer Perspektive in diese bewegte Epoche ein und erschienen mir bald wie Verwandte, wie liebe Freunde, wie Bruder und Schwester, die mit mir ihre alltäglichen Sorgen und ihre Liebeswirren teilten." (Seite 230)

    "Der Duft des Waldes" ist ein grandioses Buch und eines meiner Lesehighlights in diesem Jahr, welches auf 700 Seiten eine monumentale Geschichte über ein ganzes Jahrhundert erzählt. Angefangen beim Elend des Ersten Weltkriegs, bis hin zur Judenverfolgung während des Zweiten Weltkriegs. Doch es wurde mir nie zu viel. Im Gegenteil, ich habe alles aufgesogen und war dankbar für all die Einblicke die Hélène Gestern mir mit diesem Buch gegeben hat.

    In ihrem Nachwort sagt sie an einer Stelle (unten), warum sie dieses Buch geschrieben hat. Ich persönlich finde, dass ihr mit diesem Buch eine Hommage an all eben diese Menschen gelungen ist. Danke dafür!!!

    Unbedingt lesen!!!

    "Dieses Buch ist aus dem Bedürfnis heraus entstanden, die Geschichte der Verschwundenen nachzuzeichnen, die vom Krieg, der Zeit, dem Schweigen verschluckt worden sind. Aus dem Wunsch zu erzählen, was ihren Spuren wurde, die die Lebenden bereichern, aber auch verzehren können." (Seite 703)

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    WinfriedStanzickvor einem Monat
    „Der Duft des Waldes“ ist ein großes ein ganzes Jahrhundert überspannendes Werk, voller Tiefe


    Um es gleich vorweg zu sagen: „Der Duft des Waldes“ ist mein absolutes Lieblingsbuch dieses Sommers. Trotz monumentaler 700 Seiten und einer sehr vielsträngigen Geschichte, die sich über ein ganzes Jahrhundert erstreckt und bei der viele verschiedene historische und aktuelle Themen behandelt werden, hat mich dieser Roman aus Frankreich nicht losgelassen.

    Die Protagonistin dieses Romans heißt Elisabeth Bathori. Sie arbeitet als Historikerin in einem Archiv für Fotogeschichtsschreibung und hat sich auf alte Postkarten spezialisiert. Zwei Jahre ist es jetzt her, dass die Liebe ihres Lebens an einem Hirntumor starb. Dieser Tod hat sie in eine lange Phase depressiver Trauer gestürzt, aus der sie ihr Chef versucht herauszuholen, indem er sie mit der hochbetagten Alix de Calendar bekannt macht, die eine unschätzbar wertvolle Sammlung alter Briefe, Postkarten und Fotos besitzt, die ihr Onkel Alban seinem besten Freund, dem berühmten Dichter Anatole Massis von der schrecklichen Front des Ersten Weltkrieges geschrieben hat.
    Sofort ist Elisabeth fasziniert von diesen Dokumenten, die sie auch ganz persönlich in der Tiefe ihrer trauernden Seele ansprechen, denn es geht in ihnen um Liebe, Vertrauen, Verlust, Sehnsucht und Erinnerung. Sie beginnt sofort sich in die Briefe von Alban de Willecot einzulesen, die Helene Gestern in chronologischer Folge zwischen den einzelnen Kapiteln des Buches abdruckt, als Alix de Calendar stirbt und Elisabeth zu einem Notar gerufen wird. Alix hat ihr ein Haus im Süden Frankreichs vererbt, das nun in der nächsten Zeit zu einem Ort wird, wo ihre Seele zur Ruhe kommt.  
    Die aufwändige Recherche, die sie über die Briefe Albans beginnt, verleiht ihrem Leben nicht nur den Hauch eines neuen Sinnes, sondern führt sie auch nach Portugal zu einer Frau namens Violeta, die sie um Hilfe bei der Suche nach einer jüdischen Vorfahrin bittet. Dort lernt Elisabeth den Anwalt Samuel kennen, den stillen Bruder von Violeta, in den sie sich gleich verliebt. Ihre durch schwere biographische Erfahrungen geprägte komplizierte Liebesgeschichte ist ein Strang des Romans, der immer wieder durch neue Entdeckungen und Überraschungen aufwartet.
    So kommt Elisabeth in den Besitz eines Tagebuchs von Diane, einer damals 17-jährigen, die mit Alban an der Front korrespondierte und auch mit Anatole Massis eine Beziehung gehabt zu haben scheint. Elisabeth gelingt es, das codierte Tagebuch zu entschlüsseln und entwickelt eine Theorie über die Beziehung der drei.

    Doch so wie der Leser durch immer neue Wendungen überrascht und ständig von Helene Gestern auf neue Wege geführt wird, ohne dass sie selbst ihren Faden verliert, muss auch Elisabeth immer wieder neu ansetzen in ihrer Forschungsarbeit.
    Diese langwierige Spurensuche hilft Elisabeth aus einer Sackgasse in ihrer eigenen Biographie, sie findet dabei die Kraft, den Verlust ihres Liebsten zu verarbeiten und eine neue Perspektive für ihr Leben zu entwickeln. Diese Perspektive entwickelt sich aber erst langsam, immer wieder gestört durch Rückschläge in ihrer neuen Beziehung zu Samuel und drohenden Selbstverlust durch das rastlose Arbeiten an immer mehr historischen Dokumenten, die auf oft seltsame Weise auftauchen, obwohl sie als verloren galten.

    Eine Menge durchaus wichtiger Charaktere können hier nicht alle erwähnt werden, es sind zu viele. Doch jeder hat für die Handlung des Romans eine wichtige Funktion, die in vielen Fällen erst am Ende des Buches offenbar wird.

    „Der Duft des Waldes“ ist ein großes ein ganzes Jahrhundert überspannendes Werk, voller Tiefe und sich durch eine breite Themenvielfalt auszeichnend, vom Elend des Ersten Weltkrieges, über die Judenverfolgung während der deutschen Besatzung bis hin zur Flüchtlingskrise der Gegenwart. Doch es wird nie zu viel. Helene Gestern hat die Fäden ihres Stoffes immer im Griff und führt den Leser sicher durch einen spannenden und unterhaltsamen Roman, dem man hierzulande viele LeserInnen wünscht.




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    buchstabensammlerins avatar
    buchstabensammlerinvor einem Monat
    Kurzmeinung: 150 Seiten weniger und ein Personenregister und es wäre perfekt
    150 Seiten weniger und ein Personenregister und es wäre perfekt



    Inhalt:
    Elisabeth, Historikerin und in einem neuen Lebensabschnitt stehend, denn ihr Partner verstarb erst kürzlich an einer schweren Krankheit, erbt von ihrer letzten und 89-jährigen Auftraggeberin, die ihr Briefe ihres Bruders Alban zur Sichtung anvertraut, die er aus dem ersten Weltkrieg an seinen Freund schrieb, ein Landhaus nicht weit von Paris. Elisabeth macht sich auf den Weg, der Geschichte der Briefe auf den Grund zu gehen und lenkt sich so auch von ihrer ganz persönlichen Trauer ab. Nichtsahnend welche Geheimnisse in den Briefen stecken, wird es für sie immer spannender und sie reist nach Lissabon, Bern, Brüssel, um die Menschen aufzusuchen, die Schreiber und Adressat der Briefe gekannt haben oder verwandt waren, um ihr bei der Erstellung der Lebensgeschichten der beiden Freunde behilflich zu sein.
    Meine Meinung:
    Das Buch ist ein geschichtsträchtiger Roman, der den Leser an die Front des ersten Weltkriegs führt. Hier liegt Alban Willecot im Schützengraben und schreibt an seinem Freund Anatole Massis Briefe über die Geschehnisse und später fängt er an, diese zu fotografieren. Diese Briefe gehen Elisabeth nah und sie möchte mehr erfahren, kennt aber nur die eine Seite, denn die Antwortbriefe von Anatole liegen ihr nicht vor – sie macht sich auf die Suche, denn Anatole Massis ist auch ein sehr berühmter Schriftsteller gewesen, was noch mehr ihr Interesse an den Briefen weckt.
    Immer wieder spricht die mir sehr sympathische und einfühlsame Protagonistin mit ihrem verstorbenen Partner, sehnt sich nach ihm, ihren Gesprächen. Fällt in Trauer und Lethargie zurück, aber die Briefe und vor allem das Landhaus, mit seinen verborgenen Geschichten lässt sie weiter machen.
    „Nach dem glutheißen Sommer und einigen unangenehm kühlen Tagen, als ich aus Portugal zurückkehrte, war der Herbst wieder mild geworden. Ich liebe diese Zwischenzeit, diese Abende mitten im Oktober, wenn der Tag noch golden nachglüht und es dann jäh Nacht wird, ich mag diese späten Stunden, wenn man sich wieder gern ein Plaid um die Schultern legt, während man liest. Das sind die Vorboten des Windes, deiner und meiner Jahreszeit, wegen ihrer Weiße, ihres trägen Tempos, das die Kontemplation begünstigt...... “(Seite 160)
    Im Buch können wir die Briefe – kursiv dargestellt – lesen und erleben mit, was im Schützengraben und in diesen Zeiten den Menschen passiert und vor allem wie sie gedacht habe. Die Sehnsucht nach der Heimat, dort sind Menschen, nach denen sie sich sehnen... der Wunsch nach einem Stück Schokolade und nachher immer wieder die „Aufträge“ von Willecot an seinen Freud, Filmrollen zu senden, damit er die Wahrheit im Bild festhalten kann.
    „Plötzlich merkte er, dass dem Geruch von Wasserkristallen und Frost nun etwas anderes beigemengt war. Ein ferner, feiner Geruch, durch die Kälte gedämpft, so dass er, der fast ganz vergessen hatte, was Leben ausmacht, ein paar Sekunden brauchte, um ihn einzuordnen: der Duft des Waldes.“ (Seite 47)
    Und Elisabeth lernt auf ihrer Reise Menschen und sich selbst kennen und erfährt die Liebe und das Loslassen in neuen Perspektiven.

    Das Buch ist gewaltig, nicht nur in ihrer bildhaften Sprache, sondern mit Themen voll, der Krieg, die Erinnerung, die Fotografie, das Landhaus und die Umgebung, Elisabeth und ihre Trauer, neue Menschen, die ihr Lebensmut geben und sie weiter machen lassen und natürlich die Liebe. Diesem gezollt lesen wir in über 700 Seiten die Geschichte um das Erbe von der alten Dame, die das Leben von Elisabeth komplett auf den Kopf stellt, ihre Geschichte aber durch all die anderen Themen in den Hintergrund rückt.
    Mir hätten 150 Seiten weniger gut getan, denn für mich hatte das Buch teilweise Längen. Und aufgrund der vielen Personen hätte ich mir ein Register gewünscht, wo ich ab und an auch mal nachschauen kann, wer nochmal genau von wo jetzt in dieser Situation dargestellt wird.
    Trotzdem ist die Geschichte eine ganz große, die wir über 100 Jahre bis zu ihrer Aufklärung begleiten dürfen und die mich immer wieder mit dem Gedanken zurückgelassen hat, wie gut es mir hier geht, ohne Krieg, ohne diese Erbärmlichkeit. Und doch immer wieder auch mit der Hoffnung, dass die Liebe – fast – alles besiegt.
    Fazit:
    Ein Buch, was man nicht eben nebenbei lesen kann, denn hier werden wir mit allem, was Krieg, Liebe, Hass, Verzweiflung, Verlust, Krankheit, Leiden, Hoffnung .... und vieles mehr konfrontiert, mit einer Menge an Menschen und Plots, die diese 700 Seiten zu einem Buch machen, dass man sicherlich auch ein zweites Mal lesen sollte, um nichts zu verpassen. 

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    Ariettas avatar
    Ariettavor einem Monat
    Kurzmeinung: Ein Grandioses Roman Debüt, facettenreich und berührend.
    Eine fesselnde Geschichte voller Überraschungen

    Inhaltsangabe: Quelle Fischerverlag


    Ein verwunschenes Haus mitten in Frankreich und ein Bündel alter Briefe - ein großer Roman über Fernweh und die Sehnsucht nach Ankunft.

    Elisabeths Leben ändert sich schlagartig, als ihr die 89-jährige Alix die Briefe ihres Onkels Alban anvertraut, geschrieben von der Front des Ersten Weltkrieges an dessen Freund Anatole. Als Elisabeth außerdem Alix‘ verwunschenes Landhaus südlich von Paris erbt, weiß die junge Historikerin, dass eine große Aufgabe auf sie wartet, eine, die ihrem Leben wieder Sinn verleiht. Die Briefe geben Rätsel auf, und Elisabeth stürzt sich in die Recherche: Welches Geheimnis verband die Freunde, warum ging Alban zurück an die Front, wo ihm der Tod sicher war, und wer war die eigenwillige 17-jährige Diane? Auf der Suche nach Antworten reist Elisabeth nach Lissabon, Bern und Brüssel und sucht all die Menschen auf, die mit ihren Erinnerungen Elisabeth helfen, hundert Jahre Lebensgeschichten zu einem Ganzen zusammenzufügen. Ein so bewegender wie spannender Roman über die Macht der Erinnerung und der Liebe.


    Meine Meinung:

    Zur Autorin:

    Helene Gestern ist mit ihrem ersten Roman auf Deutsch ein großartiges Romandebüt gelungen. Gerade richtig zum Ende des 1. Weltkrieges nach 100 Jahren. Sie erzählt in einem Anspruchsvollen und facettenreichen Panorama, das Schicksal der französischen Soldaten. Sie nimmt einem mit auf eine wahre und fesselnde Geschichtsstunde. Das ganze ist auf zwei Zeitebenen erzählt, der Vergangenheit und der Gegenwart, die sie wundervoll mit einander verwebt hat. Sehr Bildhaft beschreibt sie die Landschaften, das verwunschene und romantische Haus von Alix, aber auch die Fratze des Krieges, mit all seiner Brutalität und dem sinnlosen Abschlachten der Soldaten, wird Deutlich durch die Bilder und Briefe von Alban Willecot an seinen Freund Anatole Massis, einer der bedeuteten Dichter Frankreichs. Aber auch die Geschichte über die Historikerin Elisabeths kommt nicht zu kurz, dank ihr können wir eintauchen in diese geheimnisvolle und mysteriöse Geschichte. Voller unerwarteter Wandlungen, eine Geschichte die nicht aktueller sein könnte. Alles ist sehr stimmig aufgebaut. Ich war fasziniert von diesem Roman, der einem auch forderte.


    Zum Inhalt:

    Elisabeths ist so plastisch dargestellt das man ihren Kummer und Gramm über den Tod ihres Mannes spürt. Aber Danke der 89 Jährigen Alexis, die vertrauen zu der Historikerin Elisabeth hat, übergibt sie ihr die geheimnisvollen Briefe ihres Onkels Alban Willecot, hier erwachen ihre Sinne zum leben, und sie macht sich auf eine Reise für Umfangreiche Recherche, es wird zu ihrer Obsession. Außerdem erbt sie nach dem raschen Tod von Alix deren altes Haus, ein Kleinod, verwunschen und Märchenhaft.Wir tauchen mit ihr ein in die Briefe von Alban und Anatole, lernen die geheimnisvolle Diane kennen und deren verschlüsselnde Tagebücher, die nicht einfach zu knacken sind, und einem fast in den Wahnsinn treiben. Wer war Diane und ihre große Liebe und was für eine Rolle spielte ihre Schwester Rose. Wir reisen mit Elisabeth nach Lissabon und lernen Violetta kennen, die ein dunkles und trauriges Schicksal umgibt und deren unsympathische und bösartige Tante Sybille. Was für eine Rolle spielte Viktor und was hat er mit Tamara Zilberg zu tun.? Alles wird immer Rätselhafter, das reinste Puzzle, das es aufzudecken gilt, außerdem war Alban noch ein Fotograf und dessen Bilder vom Krieg sind sehr lebhaft beschrieben. Eine sehr fesselnde Geschichte, die ich nicht missen möchte.

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    lectorvor einem Monat
    Kurzmeinung: Im Grunde reiner Kitsch - alles nimmt immer noch eine unerwartete Wendung. Keine Empfehlung . Aber doch vollständig gelesen....
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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Vorfreude! So freuen sich unsere Leser auf das Buch

    Kristall86s avatar
    Kristall86vor 3 Monaten
    Das klingt nach einer äußerst spannenden Reise quer durch Europa und doch zurück ins Herz.
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    Hortensia13s avatar
    Hortensia13vor 3 Monaten
    Ein weiteres FISCHER Buch, dass viel verspricht.
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    YasminRs avatar
    YasminRvor 3 Monaten
    ... eine mitreissende Erfahrung über einen Lebensabschnitt des eigenen Bruders uns zu erwarten scheint. Inklusive Reisen an verschiedenste Orte.
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