Ich bin ein wenig hin und hergerissen nach der Lektüre dieses Romans, weiß nicht so wirklich, was er mir sagen will. Die Geschichte ist spannend, tragisch, dramatisch, aber die Erzählform ist wirr, teilweise (bewusst?) irreführend, und Details bleiben ungeklärt, Zusammenhänge nicht erkennbar.
Der Grundplot ist einfach zu verstehen und bildet eine Art roter Faden, an dem man sich als Leser entlanghangeln kann, aber zwischenzeitlich verliert man immer wieder den Überblick:
Vier Ich-Erzähler/innen, von denen – bis auf vielleicht die „gegenwärtige“ Camille, die per Brief Infos aus der Vergangenheit erhält – alle nicht unbedingt die Wahrheit wiedergeben (teils aus Unwissenheit, teils als bewusste Fehlinfo):
Camille hat den geringsten Text, ist aber die zentrale Figur. Sie erzählt ein wenig von ihrer Gegenwart, dient sonst nur als Adressatin der Briefe von Louis.
Louis schreibt Camille Briefe, in denen er sie über ihre Vergangenheit aufklärt, soweit er sie zu kennen glaubt. In seinen Briefen berichtet er von seinen Gesprächen mit Annie.
Annies Darstellung der Geschichte wird in diesen Gesprächen wiedergeben, in denen es um ihre Freundin Madame M. und ihre folgenreiche, tragische Abmachung geht.
Ebenso werden Madame M’s Worte indirekt aus der Erinnerung über Louis‘ Kladde vermittelt, in die er alles Erzählte wörtlich (?) aufgeschrieben hat (über 100 Seiten aus dem Gedächtnis, na ja). Diese Kladde bildet den zweiten Teil des Romans und erzählt quasi die Geschichte noch einmal aus einer anderen Sicht. Zwar wird hier vieles anders wiedergegeben als zuvor, aber zwischendrin gibt es immer wieder Beschreibungen von Begebenheiten, die man schon kennt. Die Spannung wird dadurch immer wieder von Langweile unterbrochen
Dann die vielen Zeitebenen, die ineinander verschachtelt sind, in einem teilweise sprunghaften Hin und Her. Ich habe zum Beispiel oft nicht gewusst, wann denn eine der Begegnungen zwischen Louis und Annie stattgefunden hat: vor oder nach einer anderen Begebenheit, die für die Entwicklung von Bedeutung gewesen wäre.
Viel schwerer kann man es dem Leser nicht machen, und einen literarischen Nutzen sehe ich auch nicht in der sperrigen Konstruktion dieser Geschichte. Es gibt einige schockierende und überraschende Wendungen in diesem Plot, vor allem das Ende hat es in sich, aber zwischenzeitlich verliert man sich in diesem Konstrukt aus Crimestory, Beziehungsdrama, Sittengemälde und Kriegsroman. Es fehlt eine klare Richtung im Konzept der Autorin, die aus diesem grausig-faszinierenden Plot mehr hätte machen können.











