H. G. Wells Der Besuch

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Inhaltsangabe zu „Der Besuch“ von H. G. Wells

Ein Engel, der eine friedliche Landschaft Großbritanniens überfliegt, wird von einem jagdlustigen Vikar mit der Flinte aus der Luft geholt. Dieses Ereignis nimmt der Autor als Ausgangspunkt für eine scharfsinnige, pointenreiche Auseinandersetzung mit der Welt und den Zeitgenossen. Der neue Dorfbewohner sorgt in der viktorianisch geprägten Gemeinde von Sidderton für Verwirrung und Konflikte. Im Fortgang des Romans wird immer deutlicher, wie unvereinbar die paradiesische Unschuld und Güte des Engels mit der von allerlei Vorurteilen geprägten Auffassung der Menschen ist. Für ein Wesen mit reinem Herzen ist in der Welt kein Platz, und so entschwindet zuletzt der Engel und kehrt in seine eigene Welt zurück.

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    Der Besuch
    Stefan83

    Stefan83

    28. November 2011 um 09:57

    Bücher sind immer wieder für Überraschungen gut. Das machte mir in diesem Fall auch „Der Besuch“ von H.G. Wells sehr deutlich. Der englische Schriftsteller und Pionier der Science-Fiction-Literatur dürfte den meisten heutigen Lesern, wohl nicht zuletzt wegen der zahlreichen Verfilmungen, am ehesten durch seine Werke „Die Zeitmaschine“ und „Krieg der Welten“ bekannt sein. Der Großteil seiner über 60 Romane ist mittlerweile nicht mehr erhältlich bzw. wartet immer noch auf eine Übersetzung. Zwischen all diesen Klassikern der Weltliteratur, könnte „Der Besuch“ glatt untergehen, denn der Klappentext gibt wenig Aufschluss über den Inhalt, die Geschichte klingt simpel gestrickt. Ein amüsantes Märchen für Erwachsene also, das ich mir lediglich aus dem Regal zog, um Wells' Bibliographie chronologisch „abzuarbeiten“. Mit den Gedanken schon beim nachfolgenden Buch „Der Unsichtbare“, begann ich mit der Lektüre, nur um relativ schnell feststellen, dass Wells „Besuch“ mehr ist als nur sein zweiter Roman. Viel mehr. Die Geschichte sei zum besseren Verständnis hier kurz angerissen: Das kleine englische Dörfchen Sidderford zu Zeiten Königin Victorias. Der Vikar der Gemeinde, Mr. Hillyer, ein leidenschaftlicher Ornithologe und Sammler seltener Tierarten, ist gerade auf dem Weg durch das unwegsame Sidderforder Moor, als er von einem riesigen Schatten überflogen wird. Ohne zu Zögern greift er zur Flinte und gibt einen gezielten Schuss ab. Ein Schmerzensschrei deutet an, dass er sein Ziel getroffen hat. Als er sich dann jedoch langsam nähert, erwartet den Vikar eine Überraschung. Die Jagdtrophäe ist keinesfalls eine neue Adlerart, sondern ein leibhaftiger Engel, der sich mit blutenden Flügeln auf dem Boden wälzt. Nachdem er den Besucher notdürftig versorgt hat, nimmt er ihn mit zu sich nach Hause … wo der Engel, dem Aufgrund seiner Verletzung die Rückkehr in seine Welt versagt bleibt, von nun an für Verwirrung und Konflikte sorgt. Denn niemand glaubt, dass er ein Wesen aus ein anderen Dimension ist. Niemand außer Mr. Hillyer, der gegen die konservative Gemeinde vom ersten Augenblick an auf verlorenem Posten kämpft. Das „Der Besuch“ von Wells mehr als nur ein realistisches Märchen ist und sein will, wird dem Leser bereits nach wenigen Seiten deutlich. Geschickt verteilt der Autor gezielte Seitenhiebe gegen eine Gesellschaft voller Spießbürger, die in ihrer Scheinheiligkeit das Andersartige nicht anerkennen will und die gesetzten Regeln unter allem Umständen einhält. Phantasie, Musik, Kunst und Kreativität sind für sie Begriffe, die im streng geordneten Empire keinen Platz haben dürfen und die man, wenn man sie schon nicht ausmerzen kann, zumindest so gut es geht ignoriert. Wells' Abrechnung mit seiner Welt und ihren Zeitgenossen, gehört zu den besten Gesellschaftskritiken, die ich bis hierhin gelesen habe. Scharfsinnig, pointiert, entblößend und bittersüß verteilt er kräftige Seitenhiebe an die Bourgeoise, hält er ihr wortgewandt den Spiegel ins Gesicht. Dabei wird kein Satz zu viel verbraucht und keine Ausschweifungen benötigt. „Der Besuch“ liest sich auch mehr als 100 Jahre nach seiner Veröffentlichung flüssig, kurzweilig und amüsant. Zumindest bis zum letzten Drittel, wo das unschuldige Unverständnis des Engels auf menschliche Gefühle trifft und seine Reinheit zu verlieren droht. Zorn, Hass, Wut, Liebe, Angst, Schmerz. Schnell lernt der Besucher, dessen Güte den Leser bewegt und berührt, all diese Emotionen kennen. Vom straff geordneten System bleibt nichts mehr als eine Unvollkommenheit, die gegenüber der Reinheit des Engels wie Hohn und Makel wirkt. Über gerade mal 174 Seiten (mit Nachwort) stellt Wells die von Vorurteilen geprägte Auffassung der Menschen bloß, wobei er sich allen Formen des Humors bedient. Vom anzüglichen Witz bis hin zu tiefstem schwarzen Zynismus, wenn er sich z.B. beim Leser dafür entschuldigt, dass das Dienstmädchen in seiner Geschichte nicht unscheinbar und hässlich ist, ja, sogar ein Stück von Selbstachtung besitzt. Dieses aufgesetzte Bedauern ist ein weiterer, zielgerichteter Schlag in das Gesicht der damaligen Gesellschaft, die sich aber wohl bis zum heutigen Tage nicht allzu sehr verändert haben dürfte. Würde man heute an einen Engel glauben? Würde man ihn als Freund akzeptieren? Würde man ihn gegen eine drohende Gefahr verteidigen? Unausgesprochen bleiben diese Fragen. Doch stets sind sie allgegenwärtig, regt die Handlung des Buches und das tragische und doch wunderschöne Ende zum Nachdenken an. Insgesamt ist „Der Besuch“ von H.G. Wells ein Buch, das mich tief und nachhaltig beeindruckt hat. Eine poetische, gefühlvolle und gleichzeitig ausdrucksstarke Geschichte, welche allen Freunden großer klassischer Literatur nur zum empfehlen ist. Für mich das bisher beste Werk, das ich von diesem Autoren lesen durfte.

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  • Rezension zu "Der Besuch" von H. G. Wells

    Der Besuch
    metalmueller1807

    metalmueller1807

    12. December 2009 um 22:16

    Ein Vikar schießt einen Engel vom Himmel ab, und dieser sorgt ungewollt im Dorf für Aufsehen. Was hier ironisch und wie eine Komödie klingt, ist die Grundlage für "Der Besuch" von H.G. Wells. Wells setzt sich hier kritisch mit dem christlichen Glauben auseinander und stellt viele Thesen in Frage! Sehr interessant!