H.G. Wells , Dobbs H.G. Wells. Band 1: Die Zeitmaschine

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Inhaltsangabe zu „H.G. Wells. Band 1: Die Zeitmaschine“ von H.G. Wells

Splitter widmet dem Meister der Science Fiction eine sechsbändige Prachtausgabe H.G. Wells ist, neben Jules Verne, nicht nur ein, sondern der Ahnherr und Klassiker der modernen Science-Fiction-Literatur. Einige seiner Bücher sind Schlüsselwerke des utopischen Zukunftsromans, »Der Krieg der Welten« etwa, »Die Insel des Dr. Moreau« und natürlich »Die Zeitmaschine«. Im Laufe der Jahrzehnte sind sie unzählige Male adaptiert, interpretiert, kopiert, zitiert und auch persifliert worden. Allein »Der Krieg der Welten« ist ein äußerst beliebter Stoff, auch und gerade im Comic, und dürfte so oft im Stil der jeweiligen Zeit verarbeitet worden sein – von Orson Welles‘ legendärer Hörspielfassung, die 1938 in den USA angeblich für Massenpanik sorgte, bis hin zu Roland Emmerichs »Independence Day« 1 & 2 (Tim Burtons »Mars Attacks!« nicht zu vergessen) –, dass der eigentliche Urheber dahinter gerne vergessen wird. Szenarist Dobbs hat sich deshalb nun daran begeben, zusammen mit einigen ausgewählten Zeichnern eine zeitgemäße Interpretation der Hauptwerke von H.G. Wells im klassischen Geist vorzulegen – neben den eingangs genannten Titeln zudem noch »Der Unsichtbare«, ein weiteres Beispiel dafür, dass die Erzählungen von Wells stets spannend sind, unterhaltsam, auch amüsant und vor allem eins: zeitlos aktuell!

Moderne Comicadaption eines absoluten Klassikers, die mit Werktreue und fantastischen Bildern punktet!

— Elmar Huber

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    H.G. Wells. Band 1: Die Zeitmaschine

    Elmar Huber

    20. June 2017 um 15:39

    STORYLondon 1895: Ein ehrgeiziger Wissenschaftler, der sich bereits einige Jahre mit der Möglichkeit der Zeitreisen beschäftigt, lädt drei Kollegen zum Abendessen in sein Haus ein, auch um ihnen endlich die Frucht seiner Arbeit zu präsentieren. Eine kleine Zeitmaschine, die, in Betrieb genommen, vor den Augen der Anwesenden verschwindet. Die Gäste tun dies als Trick ab und konzentrieren sich lieber auf das Abendessen. Nachdem sich der Gastgeber kurz entschuldigt, kehrt er einige Minuten später, um Tage gealtert, unrasiert und sichtbar ramponiert, wieder an den Essenstisch zurück. Völlig perplex folgen seine Gäste ihm in den Keller, wo sie eine größere Version der Zeitmaschine erwartet und wo ihnen ihr Kollege eine unglaubliche Geschichte aus der Zukunft erzählt. MEINUNGMit DIE ZEITMASCHINE eröffnet Autor Dobbs, eine sechsbändige Reihe von H.G. Wells-Adaptionen, die er mit wechselnden Künstlern realisiert hat. Dass er sich im viktorianischen London wohl fühlt, hat er bereits mit SCOTLAND YARD und MISTER HYDE VS. FRANKENSTEIN (beide erschienen bei Splitter) bewiesen, wo er bereits einige wilde Mischungen aus historischen und literarischen Figuren aus dem Hut gezaubert hat. Im vorliegenden Band legt er dagegen eine fast sklavische Werktreue an den Tag. So folgt die grafische Erzählung den vorgegebenen Pfaden, die die meisten wohl aus der fantastischen George Pal-Verfilmung kennen. Auch diese war bereits relativ vorlagentreu, so dass sich dem Kenner keine großartigen Überraschungen bieten. Der namenlose Zeitreisende – damit hält sich Dobbs an den Roman – landet im Jahr 802701 in einer offenbar friedlichen Zukunft, die jedoch dem Verfall preisgegeben scheint. Zunächst sitzt er hier fest, da seine Maschine während eines Erkundungsgangs in einen wieder verschlossenen Bunker verschleppt wurde. Die Menschen, die er trifft, die Eloy, gehen dem Müßiggang nach und leben in dem vermeintlichen Paradies unbeschwert aber auch ziel- und nutzlos in den Tag. Erst im weiteren Umkreis seines Ankunftsortes erkennt er teils schon wieder überwachsene Ruinen von unterirdischen Industrieanlagen, in denen sich noch anderes Leben tummelt: Die lichtempfindlichen Morlocks, die bei Nacht aus dem Untergrund kommen und sich unter den Eloy ihre Nahrung holen. Offenbar haben sich beide Arten aus den Menschen entwickelt und die Eloy, die die Morlocks zunächst als Arbeiter hielten verweichlichten zunehmend und sind inzwischen nur mehr ergebenes Futtervieh für die Morlocks. Nach einem finalen Schlag gegen die Morlocks gelingt es dem Zeitreisenden, seine Maschine zu erreichen und in seine Gegenwart zurück zu kehren. Soweit funktioniert die Geschichte vorzüglich als schmissig-exotische SF-Abenteuergeschichte mit Horrorelementen, die Mathieu Moreau in fantastische, satte und doch auch elegante Bilder kleidet, weitab von der Patina sonstiger illustrierter Klassiker. Besonders gefällt auch die Panelanordnung, die zwar nur ganz selten von der rechtwinkligen Anordnung abweicht, diese aber in Größe und Ausrichtung der einzelnen Panels sehr frei nutzt. Die Nutzung ganz unterschiedlicher Perspektiven sorgt für ein filmreifes „Look-and-Feel“. Das einzige Manko, wenn man es denn so nennen kann, ist das fulminante Tempo, das Autor Dobbs vorlegt. Das ist einerseits packend und mitreißend, andererseits hätten einige leise und bedächtigere Szenen nicht geschadet um das Ganze zu entschleunigen. Die unterschwelligen Aspekte der Geschichte werden schlicht überfahren, die emotionalen Höhepunkte können durch die schnelle Taktung gar nicht ihre volle Wirkung entfalten. Grundsätzlich besitzt DIE ZEITMASCHINE neben dem oberflächlichen SF-Abenteueraspekt noch eine Ebene zwischen den Zeilen, besonders, wenn man die sozialen Zustände der Entstehungszeit bedenkt. So führte das aufkommende Industriezeitalter in eine Art moderner Sklaverei, in der viele Lohnarbeiter für wenige (reiche) Industrielle tätig waren, was sein weitergedachtes Spiegelbild in den Morlocks und Eloy findet. Außerdem ist DIE ZEITMASCHINE auch ein Plädoyer wider das Vergessen. Unvergessen die großartige (Film-)Szene, in der dem Zeitreisenden die unzähligen Bücher zwischen den Fingern zu Staub zerfallen. In der Comicadaption kommt dies überhaupt nicht zum Tragen. Die Folgeausgaben der Reihe, KRIEG DER WELTEN und DER UNSICHTBARE, sind jeweils als zwei Bände angelegt. Allein von der Fülle her hätte dies hier auch nicht geschadet. FAZITModerne Comicadaption eines absoluten Klassikers, die mit Werktreue und fantastischen Bildern punktet, der aber zeitweise der notwendige Raum zum Atmen fehlt.

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