H.M. van den Brink

 4.2 Sterne bei 10 Bewertungen

Alle Bücher von H.M. van den Brink

Ein Leben nach Maß

Ein Leben nach Maß

 (9)
Erschienen am 29.01.2018
Über das Wasser

Über das Wasser

 (1)
Erschienen am 21.08.2000

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Rezension zu "Ein Leben nach Maß" von H.M. van den Brink

Maßvoll
Pongokatervor 11 Tagen

Ein Buch über Wandel und Bestand. Zwei Mitarbeiter des niederländischen Eichamts stehen im Mittelpunkt. Einer von beiden ist der Ich-Erzähler, der andere ist die Hauptperson der Erzählung: Dijk (sein Name, zu deutsch "Deich", ist auch der Titel im Original). Während der Ich-Erzähler sich den Wandlungen im Amt und im Eichwesen mehr oder weniger anpasst, bleibt Disk fest und starr den Regeln seiner Ausbildungszeit verbunden. Privatisierung, Digitalisierung: Dijk bleibt so unverändert wie der Urmeter in Paris. Aus demZusammenspiel der beiden Figuren entwickelt sich für den Leser die Frage, wer von den beiden angemessener reagiert hat. Ein stilles und sehr bewegendes Werk.

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Rezension zu "Ein Leben nach Maß" von H.M. van den Brink

Meine Meinung zu "Ein Leben nach Maß" von H.M. van den Brink
SomeBodyvor 6 Monaten

„Ein Leben nach Maß“ konnte mich in all seiner Ruhe und mit elegantem Schreibstil durchaus begeistern. In der Rolle des Ich-Erzählers wird die Arbeit gleich zweier Beamter und jahrelanger Kollegen im Wandel der Zeit erzählt und was wie ein vielleicht eher langweiliger Plot klingt, wird hier nebst informativer Darstellung der Abläufe im Eichamt zu einer unheimlich sensiblen Charakterstudie. Wie gehen Menschen, die feste Pfeiler in ihren Leben brauchen, mit (drohenden) Veränderungen um? Wie das System mit denen, die sich dem Umbruch nicht anpassen oder gar unterordnen können? H.M. van den Brink ist es gelungen, mir leise Gedanken dazu einzuflüstern, demnach kann ich eine klare Leseempfehlung für diesen Roman aussprechen. Einzig für’s Ende hätte ich mir vielleicht ganz banal griffig gewünscht, mehr über den Verbleib des Karl Dijk zu erfahren.

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Rezension zu "Ein Leben nach Maß" von H.M. van den Brink

So und nicht anders
Ein LovelyBooks-Nutzervor 9 Monaten

Für seinen langjährigen, aber vorzeitig in den Ruhestand entlassenen Kollegen soll der Erzähler die Abschiedsrede verfassen. Obgleich gemeinsam in den Dienst getreten, zusammen gelernt und lange Jahre miteinander gearbeitet, wird dem Redenschreiber in spe bewußt, daß er so gut wie nichts von seinem Kollegen außerhalb des Dienstverhältnisses weiß. Und auch eine Recherche ergibt: der Kollege – Karl Dijk – hat kaum Spuren in dieser Welt hinterlassen. Er hat keine Familie, er hat keine Freunde, er hat keine Hobbys. Seine herausragenden Merkmale: korrekt in allen Belangen und nicht Willens, sich an die sich verändernde Welt anzupassen. Karl Dijk erscheint nicht zu seiner Abschiedsfeier. Karl Dijk verschwindet.

H. M. von den Brink erzählt von einem an Konstanz ausgerichteten Leben in einer sich erst langsam, dann schnell verändernden Welt. Dabei nimmt er als Erzähler die Ich-Perspektive ein und reflektiert das Leben des Karl Dijk an dem des Erzählers. Beide starten unter beinahe gleichen Gegebenheiten ins Erwachsenenleben: junge Männer, ungebunden, beginnen bald nach dem zweiten Weltkrieg eine Ausbildung und damit eine aussichtsreiche Laufbahn im Amt für Eichwesen. Während der Erzähler – er bleibt namenlos – Erfüllung in Beruf und mehr noch im Familienleben findet, scheint Dijks Leben ausschließlich der Behörde gewidmet und verläuft eintönig, vorhersehbar, der Tagesablauf scheinbar Tag um Tag identisch. Der Fortschritt zieht Veränderungen im Arbeits- und Lebensalltag nach sich – nicht so für Dijk. Sein Leben verläuft ohne Highlights, ist unauffällig und ereignislos. Was ist in Dijks Leben passiert, daß ihm ein solches Leben passiert?

Der Roman handelt von Konstanz und Veränderung und davon, wie Veränderung sich auf das Leben Einzelner auswirkt ebenso wie auf die Gesellschaft. Langsam. Unauffällig. Stetig. Plötzlich sind Dinge, Menschen nicht mehr da. Man hat sie nicht vermißt, bis man deren Abwesenheit bemerkt. Man ist betroffen. Man macht weiter.

„So kommen Durchbrüche zustande. Nicht mit einem Knall, sondern mehr oder weniger nebenbei, kaum bemerkt, langsam und vorsichtig, flüsternd und tropfenweise, bis es irgendwann zu spät ist, noch etwas dagegen zu unternehmen.“

Hätte mir, dem Leser, ähnliches passieren können? Kann es? Wie wäre mein eigenes Leben verlaufen, hätte ich zu einer bestimmten Zeit nicht eine bestimmte Entscheidung getroffen, einen bestimmten Menschen getroffen, wäre am falschen Ort gewesen? Van den Brink schafft es in einem sehr ruhigen, gleichmäßigen Erzählstil die mehr oder weniger latenten Ängste des Lesers anzusprechen: Erfolglosigkeit, Einsamkeit, Bedeutungslosigkeit, Vergessen werden. Aber ist das nicht eigentlich alles relativ? Womit vergleicht man sich? Muß man denn?

Und vielleicht war er ja glücklich, der Karl Dijk. Vielleicht ist er es noch.

"Ein Leben nach Maß" ist ein leises, wenn auch kein wirklich einfaches Buch - auch wenn das erst lange nach der Lektüre deutlich wird. Denn das ist es, was es tut: es wirkt nach, es taucht wieder auf in unerwarteten Momenten, so wie der Geist des Karl Dijk.

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