H.M. van den Brink Über das Wasser

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Inhaltsangabe zu „Über das Wasser“ von H.M. van den Brink

Wenn David und Anton, zwei Jungen aus ganz unterschiedlichen Stadtvierteln, in perfekter Harmonieüber den Fluss gleiten, sind sie wenigstens zwei Sommer lang zu einer idealen Einheit verschmolzen. Ein Buch über das Glück, das selbst ein Glücksfall ist, so melancholisch, so zart in seiner Beschreibung des Wassers und der Freundschaft.

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  • Rezension zu "Über das Wasser" von H.M. van den Brink

    Über das Wasser
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    24. May 2010 um 15:07

    Kurz kann das Glück sein. Schnell die Zeit vergangen. Was bleibt: die Erinnerungen. Auch wenn sie ein starker Kontrast zur Gegenwart sind. Anton, Held in der Novel „Über das Wasser“ von Hans Maarten van den Brink, blickt auf zwei Sommer zurück. Einen mit einer besonderen Begegnung, der zweite mit einer speziellen Verbindung, einer Freundschaft. Zu David. Beide erleben als Ruderer in einem Zweier, was es heißt, als Einheit sich zu bewegen, obwohl es viele Unterschiede gibt. BEGEGNUNG AUF DEM FLUSS Er hat ihn immer fasziniert: der Fluss den jungen Anton, Sohn aus einer Arbeiterfamilie. Der eines Tages mit dem Vater in das Bootshaus des städtischen Rudervereins am Fluss geht, um sich anzumelden. Eigentlich ist es ein ganz normaler Tag, doch wie es oft im Nachhinein erst bewusst wird, lag auch in dieser Normalität das Besondere. Anton lernt in den Übungseinheiten im Achter den Juden David kennen, der auffällt durch seinen ruhigen Charakter, seinen dunklen Augen, seinen lockigen Haaren. Es ist Trainer Dr. Alfred Schneiderhahn, der schließlich beide Jungen trotz ihrer Unterschiede aus dem Achter nimmt und in einen Zweier ohne Steuermann setzt. Fortan trainiert der Deutsche das Duo, das bereits im zweiten Sommer Erfolge feiert, einige Rennen siegreich bestreitet. Und Schneiderhahn hat große Pläne mit den Jungen. Die olympischen Spiele in Helsinki stehen bevor. Doch dazu soll es nie kommen. Das Jahr 1939 bringt der Welt den Krieg und Anton und David das Ende ihrer Träume und ihrer gemeinsamen Zeit. Jahre später kehrt Anton an die Stelle des ereignisreichen Sommers zurück. Und nichts ist, wie es einmal war. Das Bootshaus ist nahezu abgerissen, das Haus von Davids Familie steht leer, die Stadt erdrückt mit ihrer Dunkelheit und Trostlosigkeit. ZU ZWEIT EINS SEIN Dass sich in diesen traurigen Momenten Erinnerungen an ein gemeinsames Glück finden, dass helle und dunkle Momente nebeneinander existieren, zeigt die Großartigkeit dieser Novelle, die mit ihrer genrebedingten Kürze von knapp 150 Seiten eine unbeschreibliche Wirkung erzielt. Nicht immer sollte man mit dem Lob wie mit der Tür ins Haus fallen, aber in diesem Fall ist es einfach gerechtfertigt. Denn nicht jeder ist bootstauglich, denn die Buchkritik sollte diesmal in Form einer Ruderfahrt auf ungefähr 500 Metern verdeutlicht werden. Wir steigen ein: Viel Zeit haben wir allerdings nicht. Denn wir werden schnell mit den Charakteren, allen voran Anton, der als Erzähler fungiert, vertraut gemacht. Mit den Eltern des Jungen, die sich nur wenig um ihren Sohn kümmern, sich nur mit sich selbst beschäftigen und kaum Akzente in ihrem Leben setzen, geschweige denn im Leben ihres Sohnes, der indes einen besonderen Verbündeten an seiner Seite weiß. Es ist der Fluss, der ihn fasziniert, dessen Oberfläche und seine Bewegung den Jungen schon in ganz jungen Jahren in den Bann ziehen. Mit dem Start lassen wir die Eltern von Anton zurück. Sie spielen kaum mehr eine Rolle. Stattdessen steigen zwei weitere Protagonisten ein, die für die Geschichte eine wichtige Rolle spielen. Da ist David, Sohn einer jüdischen, gut betuchten Familie, die in einem ganz anderen Viertel der Stadt lebt. Und nicht nur hier erlebt man die Unterschiede zwischen beiden Jungen, die wie das stetige Fließen des Flusses immer wieder angesprochen werden. Als zweiter nimmt Dr. Alfred Schneiderhahn Platz, der Trainer, der die Jungen zusammenführt, in der folgenden Zeit sie zu einem Team zusammenschweißt, auch wenn er sich immer im Hintergrund verbirgt. Seine Person bleibt bis zum Schluss undeutlich. Mit den ersten zweihundert Metern nimmt das Boot an Fahrt auf. Anton erkennt in David einen Freund, den „anderen Teil“ für das gefühlte Glück. Der erste Sommer, in dem David im Urlaub weilt, wird für Anton zur Tortur. Er vermisst den Freund und wartet sehnsüchtig auf den Beginn der kommenden Saison. Und auch Schneiderhahn ist auf Reise, vermutlich geschäftlicher Art. In einem ruhigen Takt wird die Geschichte erzählt. Sprachlich virtuos mit einem Gefühl für besondere Momente, in denen mit bildhaften Vergleichen gearbeitet wird, stimmungsvolle Szenen sich zu einer einzigartigen Atmosphäre verdichten. Es ist wunderschön zu lesen, wie der Fluss und seine Ufer sowie die Brücken beschrieben werden, oder die technischen Einzelheiten des Bootes und die einzelnen Bewegungen der Ruderer während der Fahrt, ihre Körperlichkeit und Nähe zueinander. Symbolisch erscheint der Fluss wie ein Band, das beide Jungen verbindet, indes die zwei Teile der Stadt - das Arbeiterviertel und das eher gediegene Umfeld der Villen - voneinander trennt. Im Boot werden Anton und David zu einer Kraft, die das Boot bewegt. Zusammen bleiben sie jedoch im Ruderclub die Außenseiter, trotz ihrer Erfolge, die sie im zweiten Sommer erringen. Auf dem Meter 450 ruckelt das Boot das erste Mal. Anton wird deutlich, dass David vielleicht einen anderen Weg wählen wird. Nach der Schule will er studieren, vielleicht sogar die Stadt verlassen. Ruhe kommt wieder hinein, als David nach einer Meisterschaft seinem Freund verspricht, mit ihm weiterzurudern. Auf den letzten Metern verdunkelt es sich indes. Und es wird für einige Zeit dunkel bleiben. Für den Leser wird die Fahrt ein Ende haben. Mit einem Gefühl, etwas Intensives erlebt zu haben. Einen Kontrast: zum einen das Glück auf diesem Weg, zum anderen das bittere Ende. Erst da wird deutlich, was Anton Jahre nach dem wunderbaren Sommer umher treibt, so, dass er es erzählen muss, in einzelnen Rückblenden eingebettet zwischen jenem dunklen Geschehen seiner Rückkehr in die graue Stadt während des Krieges, über der der Geruch der Kakaofabrik liegt, wie auch ein grauer Schleier der Angst und der Zerstörung. Es ist dabei nicht das Bild des zerstörten Bootshauses, das aufwühlt, es ist das Bild des leeren Hauses von Davids Familie, das nichts anderes als ein erschütterndes Ende ahnen lässt. Es wird keinen Sommer mehr mit David geben und auch kein Glück mit ihm. Doch Anton hält sich an dem vergangenen Glück, auch wenn es nur eine kurze Dauer hatte. Der Ausstieg aus dem Boot ist ein irgendwie schmerzvoller, aber gleichzeitig mit dem Wissen verbunden, dass die Zeit auf dem Wasser, dem Fluss, kostbar war. und immer wieder Erinnerungen wert. DER AUTOR Hans Maarten van den Brink, 1956 in Oegstgeest als Sohn eines niederländischen Vaters und einer deutschen Mutter geboren, begann nach dem Studium des Niederländischen an der Universität Leiden bei der Tageszeitung „NRC-Handelsblad“ zu arbeiten. Später lebte van den Brink als Korrespondent im Ausland, unter anderem in den USA und Spanien. Sein Debüt als Schriftsteller gab er 1993 mit dem Roman „Der Fortschritt“. Für die folgende Novelle „Über das Wasser” wurde er für zahlreiche Preise nominiert, wie beispielsweise für den Foreign Fiction Prize, den Prix Femina und den Prix Médicis. Derzeit ist van den Brink Direktor des Förderungsfonds der niederländischen Rundfunkanstalt. Er lebt heute mit seiner Frau und drei Kindern als freier Autor und Journalist in Amsterdam.

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