Ha Jin

 3.9 Sterne bei 63 Bewertungen
Autor von Warten, Ein schlechter Scherz und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Ha Jin

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Warten

Warten

 (19)
Erschienen am 01.06.2004
Ein schlechter Scherz

Ein schlechter Scherz

 (8)
Erschienen am 01.10.2002
Verrückt

Verrückt

 (7)
Erschienen am 01.03.2004
Ein freies Leben

Ein freies Leben

 (7)
Erschienen am 09.06.2010
Im Teich

Im Teich

 (7)
Erschienen am 01.11.2001
Kriegspack

Kriegspack

 (7)
Erschienen am 01.11.2005
Nanking Requiem

Nanking Requiem

 (2)
Erschienen am 14.09.2012
Papagei über Bord

Papagei über Bord

 (1)
Erschienen am 23.09.2016

Neue Rezensionen zu Ha Jin

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GrauerVogels avatar

Rezension zu "Papagei über Bord" von Ha Jin

Zwölf Schicksale zwischen zwei Kulturen
GrauerVogelvor 6 Monaten

In zwölf Kurzgeschichten zeigt Ha Jin verschiedene Schicksale chinesischer Einwanderer im New Yorker Stadtteil Flushing auf. Nicht nur die kulturellen Unterschiede stellen die Menschen vor diverse Probleme - auch Geldsorgen, Zukunftsängste und die Frage nach dem eigenen Ich bestimmen den Alltag.

Die Themen, die innerhalb dieser zwölf Geschichten behandelt werden, sind sehr vielfältig. Die Geschichten sind dabei zwischen vier und vierzig Seiten lang. Zumeist gibt es einen Ich-Erzähler, nur ein paar wenige Geschichten sind aus der dritten Person geschrieben. Daher war es am Anfang immer etwas schwierig, ein Gefühl dafür zu bekommen, wer der Ich-Erzähler überhaupt ist, aber wenn man etwas Geduld hat, erfährt man es immer früh genug.

Ein Opernkomponist wird von seiner Freundin vorübergehend mit deren Papagei allein zurückgelassen und erst allmählich entwickelt er eine Bindung zu ihm; die in Amerika geborenen Enkelkinder wollen ihre chinesischen Namen ind englischsprachige ändern; eine junge Frau beendet eine Affäre als ihr Ehemann seine Einreiseerlaubnis erhält; ein Professor für amerikanische Literatur reist illegal ein unter völlig falschen Vorstellungen wie er in Amerika Geld verdienen könnte, …

Die Probleme sind einerseits kultureller Art, häufig aber auch familiärer. So hat die Verwandschaft zuhause in China häufig eine völlig falsche Vorstellung vom Leben in Amerika und hat nicht nur kein Verständnis für die Probleme der Auswanderer sondern bedrängt diese regelmäßig mit Wünschen und Bitten. Nicht selten schicken die Auswanderer fast all ihr Gehalt nach Hause an die Familie und behalten von ihrem hart verdienten und dennoch wenigen Geld fast nichts für sich. Gute Jobs sind nur für wenige erreichbar, denn die meisten sprechen kein oder nur schlecht Englisch, manche sind illegal eingewandert und viele verfügen auch über keine Ausbildung, die einen besser bezahlten Beruf ermöglichen würde.

Besonders aufgefallen ist mir das Thema Ehe. Heiraten scheint für Chinesen noch immer ein wichtiges Ziel im Leben zu sein und auch einen gewissen gesellschaftlichen Status mit sich zu bringen, gleichzeitig aber auch viele Verpflichtungen. Die Ehe hat dort anscheinend noch einen viel höheren Stellenwert als heutzutage in den meisten westlichen Ländern, wobei das hier ja auch nur wenige Jahrzehnte zurückliegend noch ähnlich war. 

In fast jeder Geschichte wird auch recht detailiert über das Essen geschrieben, was mich sehr interessiert hat, aber ich habe beim Lesen deshalb immer Hunger auf asiatisches Essen bekommen. 

Allgemein bietet dieses Buch sehr viele Ansätze zum Analysieren und Interpretieren und ich behaupte mal, dass man auch genau das tun muss, um dieses Buch wirklich verstehen und erfassen zu können. Wer sowas mag, wird dieses Buch lieben. Wer sowas nicht kann und nicht mag, der wird hierin vermutlich nur einen trockenen Schreibstil ohne Tiefe sehen. Man in der Lage sein, zu sehen, was dahinter liegt.

Ein gelungenes Werk, das einen interessanten Einblick in die chinesische Kultur gibt und auch die Probleme der Auswanderer verständlich machen. Der Schreibstil mag für manch einen gewöhnungsbedürftig sein, für mich war er jedoch sehr passend und gut zu lesen. Manche Geschichten hätte ich gerne noch länger verfolgt und werde mich definitiv noch nach anderen Büchern von Ha Jin umsehen.

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Bibliomanias avatar

Rezension zu "Nanking Requiem" von Ha Jin

Gemetzel über Gemetzel
Bibliomaniavor 3 Jahren

China, Nanking 1937. Die Japaner marschieren in China ein und metzeln alles nieder, was sich ihnen in den Weg stellt. Nicht nur Soldaten und Männer, auch Kinder und Frauen haben darunter zu leiden. Es kommt neben Massenvergewaltigungen auch zu Hungernöten überall. Doch eine Frau, Minnie Vautrin, stellt sich der Katastrophe in einem ehemaligen Elite-Mädchen-College in Nanking. Sie bietet tausenden Flüchtlingen Schutz und rettet damit vielen das Leben.
Die Heldentaten dieser Frau werden in "Nanking Requiem" beschrieben. Ein wirklich guten, wenn auch grausamen Buch. Unfassbar, was damals auch in China passiert ist. Ich bin immer noch erschüttert und trauere regelrecht um Minnie, die eine tragische Geschichte hat.
Wer sich für die Geschichte und Kultur Chinas interessiert, kann fast gar nicht anders, als dieses Buch zu lesen. Doch Vorsicht, es ist nichts für schwache Nerven.

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Zen-Colas avatar

Rezension zu "Warten" von Ha Jin

»We can't spend our lives waiting to live ...« (Rise Against)
Zen-Colavor 4 Jahren

China, Ende der 60er Jahre, kurz nach der heißen Phase der Kulturrevolution. Lin Kong arbeitet als Militärarzt in einem Krankenhauskomplex der Armee. Im entfernten Gänsedorf, dem Ort seiner Kindheit, hat er Familie - seine Frau Shuyu, die er nicht liebt und noch nie geliebt hat, sowie seine Tochter Hua, die ihm fremd geworden ist. Aufgrund des geringen Urlaubs, der ihm zusteht, sieht er sie nur einmal im Jahr. Und schon bald tritt er die langen Heimreisen nur an, um seine Frau jedes Jahr aufs Neue zur Scheidung zu überreden.
Denn im Krankenhaus verliebt er sich in die Schwester Manna Wu. Ihnen, den Unverheirateten, bleibt nichts anderes als ein kameradschaftlicher Umgang, solange Lin noch verheiratet ist. Da Shuyu der Scheidung nicht zustimmt, gilt es, achtzehn Jahre zu warten - dann erst kann die Ehe auch ohne Zustimmung des Ehepartners annulliert werden. Achtzehn Jahre ... eine lange Zeit des Wartens.

Ha Jins »Warten« ist ein absolut großartiger Roman. Die gesamte Geschichte spielt fast ausnahmslos an zwei Handlungsorten: dem Krankenhaus und dessen Grundstück (=Stadt) sowie Gänsedorf (=Land). In diesem engen Handlungsrahmen schafft es Ha Jin, eine sehr dichte und atmosphärische Stimmung zu erzeugen, die dem Leser diese stille Geschichte sehr nahe gehen lässt. Während der Romanhandlung wird nahezu das ganze Leben des Protagonisten geschildert. Zwischen den Kapiteln werden teilweise ganze Jahre ausgelassen, nur um innerhalb der Kapitel bestimmte Situationen und Gespräche fast minutiös zu schildern. Mit viel Liebe fürs Detail lässt Ha Jin seine Figuren, deren Gespräche, die Umgebung, die Jahreszeiten sowie die gesamte Natur, Essen und Gerüche sehr plastische und eindringliche Formen annehmen. Dem Leser wird, wie der Titel bereits erahnen lässt, dabei eine ordentliche Portion Geduld abverlangt, aber diese wird absolut belohnt.

»Warten« pendelt zwischen dichter und atmosphärischer Stille, Wärme, Kälte, Trauer, Wut, Apathie, Hoffnung und Hoffnungslosigkeit ... kurz: den geduldigen Leser erwartet hier ein gutes Stück großartiger Literatur.

Wer das Buch mochte, sollte vielleicht auch einmal einen Blick in Yan Liankes »Dem Volke dienen« werfen. Wenngleich es völlig verschiedene Geschichten sind, so musste ich beim Lesen von »Warten« das eine oder andere Mal daran denken, da es doch Parallelen in Stil und Setting gibt.

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