Hajar Taddigs

 4.3 Sterne bei 4 Bewertungen

Lebenslauf von Hajar Taddigs

Marokkanische Einflüsse: Hajar Taddigs, geboren in Bonn, ist eine marokkanische Schriftstellerin und Screenwriterin. Sie studierte Geografie und Soziologie und arbeitete nach ihrem Abschluss im PR-Bereich. Seit 2010 schreibt sie für renommierte Fernsehsendungen wie „Das perfekte Dinner“ und „Shopping Queen“. Ihr Debüt als Autorin gab sie mit ihrem Roman "Onkel Hassans wundersame Wiederauferstehung im Mercedes". Heute lebt die Autorin mit ihrer Familie und Hamburg.

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Der komplizierte Titel "Onkel Hassans wundersame Wiederauferstehung in einem alten Mercedes" klingt zu Beginn merkwürdig und das unpassende Cover schreckt erstmal ab. Doch in dem Roman von der Autorin Hajar Taddigs steckt eine lustige und authentische Geschichte.


Familie Özer lebt in der DDR und möchte die Fahrt in ihre türkische Heimat beginnen. Obwohl ihr alter Mercedes bis oben hin vollgepackt ist, müssen sie ihren unbeliebten Onkel Hassan mit auf die Reise nehmen. Ausgerechnet dann stirbt Hassan unterwegs und die Sorge ist groß. Denn wenn sie zu fünft einreisen, müssen sie auch zu fünft wieder ausreisen. Da kommt Walther genau richtig, denn er hat keinen größeren Traum als die DDR zu verlassen. Die Großfamilie nimmt ihn gebürtig auf und schnell erlebt Walther die türkische Kultur hautnah. Doch in der DDR ist sein Verschwinden nicht unbemerkt geblieben...

In dem Roman trifft die türkische Kultur mit ihren Sitten und Gebräuchen auf das Leben und die Gesetze der DDR. Mit großer Überspitzung liest man amüsant die Geschichte und hat die Szenen herrlich vor Augen. Da die Autorin marokkanischen Ursprungs ist, finde ich besonders die detaillierte Erzählung der türkischen Gebräuche und der Wortwahl faszinierend. Der Name Hassan kenne ich sonst aber eher nur aus dem Arabischen, ansonsten wurden klassische türkische Namen gewählt.

Die türkische Kultur kommt in diesem Roman super zur Geltung. Mit witzigen Vorurteilen und typischen Klischees habe ich die Sitten bildlich vor Augen. Von Hochzeitsbräuchen bis hin zur traditionellen Beerdigung ist alles in der Handlung enthalten. Die Charaktere sind vielseitig und wirken authentisch. Die Autorin hat das türkische Leben bzw. den Alltag zu Zeiten der DDR treu wiedergeben wollen und hat sich hierfür Unterstützung geholt, was man eindeutig merkt. 

Aber auch Walther gibt auf lustige Art das Leben der DDR wieder. Die Bespitzelung und die extremen Gesetze werden ebenfalls realistisch wiedergegeben. Ohne in der Zeit gelebt zu haben, habe ich das mir gut vorstellen können.

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Rezension zu "Onkel Hassans wundersame Wiederauferstehung in einem alten Mercedes" von Hajar Taddigs

Schreckliches Cover - kurzweiliger Inhalt
Literaturchaosvor 6 Monaten

"Wenn sie nicht sofort etwas zu essen bekäme, müsste sie verhungern, da war Selma sich sicher." - erster Satz

Nun ist es ja so, dass es schöne Cover gibt, dass es hässliche Cover gibt und dass es ganz besonders hässliche Cover gibt. Dieses hier gehört zur dritten Kategorie. Mehr noch: Für mich persönlich hat es jetzt schon den Preis für das schrecklichste Cover des Jahres 2018 inne. Ernsthaft, manchmal frage ich mich wirklich, was in den Köpfen derjenigen vorgeht, die sowas entscheiden? Im Handel hätte ich einen weiten Bogen um dieses Buch gemacht - und zwar einzig und allein aufgrund des Covers. Und hier zeige ich es Euch gar nicht erst, weil ich es nicht auf der Startseite meines Blogs sehen will. So. Klingt vielleicht etwas hart, ist aber meine persönliche Meinung.

 

Kommen wir zu etwas Erfreulicherem: dem Inhalt. Denn der ist - und da schwenkt meine persönliche Meinung dann flugs ins Gegenteil um - wirklich lesenswert. Wir lernen also: Man sollte ein Buch nicht nach seinem Cover beurteilen....aber okay, genug jetzt von selbigem.

 

Wir lernen im ersten Satz also Selma kennen, die kurz vorm Hungertod steht. Und das kommt so: 

 

Wir schreiben das Jahr 1984, es ist Sommer und Familie Özer möchte die Verwandtschaft in der Türkei besuchen. So weit, so gut. Nun muss man aber dazu wissen, dass die Özers in Westberlin wohnen, also somit eine sehr lange Reise und viele Grenzübergänge vor sich haben. Zu allem Übel gesellt sich auch noch Onkel Hassan zur Familie, beschließt, dass er mitfährt in die Türkei und lässt kein "Nein" gelten. Onkel Hassan, von dem keiner so genau weiß, ob er tatsächlich mit den Özers verwandt ist, ist nach eigenen Angaben der erste Türke in Berlin gewesen und sieht sich daher ganz selbstverständlich als Oberhaupt aller Berliner Türken. Steckt seine Nase überall hinein und ist definitiv der unbeliebteste Türke in ganz Berlin. 

 

Nicht nur, dass Onkel Hassan der Familie Özer sowieso schon das Leben schwer macht, muss er noch einen draufsetzen, indem er während der Reise stirbt. In der DDR. Für Beerdigungsformalitäten ist nun wirklich keine Zeit, da man rechtzeitig zu einer Hochzeit in der Türkei sein muss, außerdem gibt es ein viel größeres Problem: Man ist mit fünf Mann in die DDR eingereist, also muss man auch mit fünf Mann wieder ausreisen. 

 

Wie gut, dass die Özers in ihrer Verzweiflung auf Walter treffen, der seinerseits am Leben in der DDR und an seinem Job als Nachtwächter im größten Hühnermastbetrieb des Landes verzweifelt. Da ist die Lösung doch sehr nah, oder? Hassan wird verbuddelt und Walter wird zu Hassan.

 

"Als sie losfuhren, warf Walter noch einen Blick zurück auf die Hühnerfarm. Sie war für ihn eine perfekte Zusammenfassung der DDR. Willenlose Einwohner, eingesperrt in einem viel zu engen Hochsicherheitsgefängnis, das zum Himmel stank." - Zitat Seite 72

Nun geht der Spaß natürlich erst richtig los, denn an sämtlichen Grenzübergängen schwitzen alle Insassen des im Titel erwähnten alten Mercedes (abgekauft von Onkel Hassan....) Blut und Wasser und in der Türkei findet sich Walter in einer völlig anderen Welt wieder. 

 

Wer aber nun glaubt, dass in dieser Geschichte nur Witz und Klamauk enthalten ist, der irrt gewaltig! Natürlich geht es recht witzig zu und gerade die Personen der DDR, denen Walters spurloses Verschwinden nicht lange verborgen bleibt, werden als sehr "speziell" dargestellt. Trotzdem ist da noch so viel mehr in dieser Geschichte: Wissenswertes über das damalige Leben in und das Flüchten aus der DDR, über türkische Gastarbeiter in Deutschland und schlussendlich über türkische Bräuche und Sitten und über Essen. Viel Essen (nach der Lektüre musste ich erstmal dringend meinem türkischen Lieblingsrestaurant einen Besuch abstatten)!

 

Auch Familie Özer ist so ganz anders als es dem gängigen Klischee entspricht, mit einer resoluten und selbstbewussten Mutter, die die Hosen anhat und einem gemütlichen und schluffigen Vater, der nur nach außen hin den Schein wahrt, als hätte er das Sagen, der aber in Wirklichkeit viel zu faul ist, über die Familie zu gebieten. Mit zwei Teenagern, die sich in nichts von westlichen Teenagern unterscheiden - und nun auch noch mit Walter, Mitte 40, DDR-Flüchtling und irgendwie irgendwann fast Familienmitglied der Özers.

 

Die Herzlichkeit dieser Familie fällt dem Leser als erstes auf, ein perfektes Pendant zur Resignation Walters. Der Zusammenhalt und das "Irgendwie wird's schon gehen". Die Gastfreundlichkeit mit der Walter ganz selbstverständlich in der Türkei aufgenommen wird ...und die Dialoge, in denen immer wieder jede Menge Situationskomik zu finden ist, machen das Buch mit diesem ellenlangen Titel zu einer sehr kurzweiligen Lektüre und bekommen von mir 4/5 STERNEN.


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"Onkel Hassans wundersame Wiederauferstehung in einem alten Mercedes" wurde von Hajar Taddigs geschrieben, sie lebt als Tochter marokkanischer Eltern in Deutschland und kennt tagelange Fahrten aus ihrer Kindheit. Der Roman erscheint am 29.10.2018 im Blanvalet Verlag.

Kreuzberg, 1984. Die Familie Özer bereitet ihre Urlaubsreise in die türkische Heimat vor. Eigentlich ist das Auto schon randvoll gepackt, doch dann quartiert sich in ihrem alten Mercedes auch noch der recht unbeliebte Onkel Hassan ein – der allerdings ausgerechnet in der DDR das Zeitliche segnet. Da sie aber zu fünft eingereist sind, müssen sie auch zu fünft wieder ausreisen. Die Lösung kommt ihnen in Person von Walter wie gerufen. Er möchte gern die DDR verlassen und wird als Onkel Hassan verkleidet und auf die tagelange Reise nach Karasu mitgenommen, um dort die Hochzeit von Emines Schwester zu feiern.


Dieser Roman zeigt Einblicke in die türkische Kultur, macht die Zeit der Bespitzelung in der DDR vor dem Mauerfall deutlich und beschreibt eine ganz besonders erlebnisreiche Reise der türkischen Familie Özer in ihre Heimat. Dort soll die Hochzeit von Emine Özers Schwester gefeiert werden, das Brautkleid im Stil von Lady Diana spendiert die vermeintlich reiche Gastarbeiterfamilie. Yilmaz Özer packt den alten Mercedes randvoll, mit seiner Frau und den zwei Kindern wollen sie gerade losfahren, als Onkel Hassan auftaucht. Er will mitfahren, was der Familie zwar nicht passt, aber was will man machen, Verwandtschaft ist eben Verwandtschaft. Unterwegs in der DDR stirbt Onkel Hassan, die Familie beerdigt ihn so gut es geht und findet einen Ersatz - Walter Eschek, der nichts gegen eine Reise aus diesem Bespitzelungsstaat einzuwenden hat.

Die Fahrt über gibt es einige typische Vorkommnisse zu belachen, man sitzt selbst mit im Wagen und erlebt alles hautnah mit.

Familie Özer ist gastfreundlich und versorgt Walter mit selbstgemachten türkischen Leckereien, Walter erlebt seine erste große Reise und schaut endlich mal über den Rand seiner sozialistischen Heimat, die ihn nie groß begeistern konnte. Die Chance hier rauszukommen nutzt er liebend gern. In der DDR wird sein Verschwinden bemerkt, Republikflucht ist strafbar und die verscharte Leiche von Onkel Hassan wird Walter angehängt.

Währenddessen schaukelt er, der Einzelgänger, zig Tausend Kilometer bis ins kleine Städtchen Karasu, wo das Wasser noch aus dem Brunnen geholt werden muss und die Özers von ihrer Großfamilie für reiche Leute gehalten werden.

Dabei sind sie in Deutschland noch nicht reich geworden, Emine arbeitet als Putzfrau und Yilmaz Traum ist eine eigene Imbissbude. Auf der Reise erzählen sie sich gegenseitig von ihren Heimatländern, werden zu Freunden und die Özers zu Fluchthelfern.

Mit Walter im Schlepptau bürden sie sich auch Schwierigkeiten auf, ihn durch diverse Grenzübergänge zu mogeln, erfordert nicht nur Nerven wie Drahtseile, sondern auch Mut und Entschlossenheit.

Die Kinder Selma und Cem sind sehr westlich geprägt, die Sprachschwierigkeiten zwischen Walter und der türkischen Familie in Karasu wird zwischenmenschlich gelöst und man kommt sich schnell näher.

Der Erzählstil ist locker, lebensnah wird die Geschichte beschrieben und die lustigen Szenen sorgen für Kopfkino pur. Es würde mich nicht wundern, wenn dieser Roman die Vorlage für einen Spielfilm bilden würde.


Dieses Buch hat mir schöne Lesestunden geschenkt, es hat mich sehr gut unterhalten, ich konnte oft lachen und mir wurde diese Reise in die Türkei der 80er Jahre sehr authentisch nahegebracht.
Man erlebt die üblichen Gebräuche rund um Hochzeit, Todesfall mitsamt den kulinarischen Speisen mit und erlebt sogar einen Besuch in Istanbul mit den bekanntesten Sehenswürdigkeiten.



Wer sich auf eine abenteuerliche und lustige Reise machen will, mehr über die DDR und die Türkei lernen will, sollte dieses Buch lesen. Ich hatte großen Spaß dabei.

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