Hajo Schomerus Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen, 1 DVD

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Inhaltsangabe zu „Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen, 1 DVD“ von Hajo Schomerus

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  • Rezension zu "Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen, 1 DVD" von Hajo Schomerus

    Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen, 1 DVD

    Sokrates

    10. January 2012 um 22:44

    Selten ein Dokumentarfilm, der mich so verstört hat. - - Hajo Schomerus, bislang nur Kameramann, hat mit diesem Film sein Regiedebüt vorgelegt und m.E. einen einmaligen Film geschaffen. Rein objektiv soll die Situation in der Grabeskirche in Jerusalem dargestellt werden. Bei einigen der Amazon-Rezensionen konnte man noch erkennen, dass manchem Zuschauer noch ein „liturgisch-religiöser Charakter“ aufgefallen war, also das die Bilder noch einen „religiösen“ Eindruck hinterließen. Genau dieser Eindruck bzw. dieses Gefühl konnte bei mir zu keinem Zeitpunkt entstehen. Die Grabeskirche müssen sich seit je her mehrere christliche Kirchen teilen; sie alle berufen sich unmittelbar auf den Ort, möchten ihn als religiöse Stätte für sich nutzen. Da man weder den einen ausschließen, noch den anderen bevorzugen kann, musste man sich arrangieren. Hierfür irgendwann getroffene Rechtsvorschriften werden halbherzig eingehalten, gewohnheitsrechtliche Arrangements gerne durchgedrückt, meist von den Größeren zu Lasten der kleineren Religionsgruppen (z.B. Katholiken gegen Armenier oder Kopten). Wer den meisten Einfluss hat, wird bald klar; wie er diesen über die Jahrzehnte hat geltend machen können, auch bald, denn es fällt irgendwann im Film der Kommentar, wonach sich die kleineren Kirchen einfach die hohen Steuern/Mieten nicht haben leisten können ... und deshalb einfach irgendwann auf dem Dach der Grabeskirche „ausquartiert“ wurden. Das organisatorische Nebeneinander von Feiertagen, Prozessionen, Gottesdienstes mag schwierig sein, hört man jedoch die betroffenen Geistlichen, schwingt auch hier wieder die Überlegenheit des jeweiligen Konfessionsangehörigen mit: zunächst wird Bedauern darüber geäußert, dass die andere Glaubenspartei zur gleichen Zeit im gleichen Raum ihren Gottesdienst halten muss und man dank lauter (katholischer) Orgel dann wohl kaum etwas verstehen wird, aber das wäre – so die stolze Bemerkung des Franziskanermönches – auch nicht weiter schlimm, sondern noch mehr ein Zeichen für die (sinngemäß) „schönere“ katholische Orgelmusik. Den Schlüssel für die Grabeskirche haben zwei muslimische Familien erhalten – zunächst ist man versucht zu sagen: „Oh, wie diplomatisch“, doch schaut man genauer hin, sind auch diese sich spinnefeind, der eine unterjocht den anderen, jeder der beiden denkt, er habe DIE herausgehobenere Position von beiden. Selbst unter den Gleichen ist einer gleicher. Genau dieser Widerspruch zwischen angeblicher Koexistenz, die konfliktfrei versucht wird, und der dann immer wieder hervorbrechenden Arroganz und Überzeugtheit vom eigenen allein richtigen Weg ist befremdlich, stößt unangenehm auf. Nebenher fällt der unglaubliche Zirkus der Pilger und Besucher auf, die den Rahmen dieses unterschwellig brodelnden Problems noch auf die Spitze treiben. - - Ein sehr reifer, intelligenter Film, der unglaublich zum Nachdenken anregt: über Menschen, über Religion, über Verhältnisse und Koexistenzen.

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