Hajo Steinert

 3.4 Sterne bei 11 Bewertungen
Autor von Blumenspiel, Der Liebesidiot und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Hajo Steinert

Hajo Steinert, geboren 1952, arbeitete von 1986 bis 2016 in der Literatur-Redaktion des Deutschlandfunks. Buchveröffentlichungen und Herausgaben erstrecken sich über die Themengebiete Deutsche Literatur, Lyrik, Fotografie und Kulturgeschichte des Fußballs. 2015 erschien sein Roman »Der Liebesidiot« im Knaus Verlag. Hajo Steinert lebt in Köln.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Hajo Steinert

Cover des Buches Blumenspiel (ISBN:9783328600084)

Blumenspiel

 (5)
Erschienen am 25.03.2019
Cover des Buches Der Liebesidiot (ISBN:9783813504293)

Der Liebesidiot

 (5)
Erschienen am 02.03.2015
Cover des Buches Rückpässe (ISBN:9783831906215)

Rückpässe

 (0)
Erschienen am 28.09.2015

Neue Rezensionen zu Hajo Steinert

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Rezension zu "Blumenspiel" von Hajo Steinert

Ein Roman, der sich gut anliest, mich aber letztendlich nicht überzeugen konnte.
Gwhynwhyfarvor 6 Monaten

Der erste Satz: »Noch vor Sonnenaufgang wanderte er los, über Feldwege, an blühenden Wiesen, Weiden und Waldrändern vorbei, über die Landstraße, fast nur bergab.«

Heinrich, ein junger Kunstschmied hat seinen Beruf zugewiesen bekommen: Familientradition, später den Handwerksbetrieb übernehmen. Er würde lieber zeichnen und malen, das ganze Gehämmer ist viel zu laut für seine feinen Ohren. Seine Mutter versteht ihn, unterstützt ihn, doch eines Tages begeht sie Selbstmord, der Vater wird damit nicht fertig, folgt ihr bald darauf. Heinrich ist nun frei, verkauft Haus und Betrieb im bergischen Engelskirchen und zieht 1908 mit einem Batzen Geld in der Tasche ins nahegelegene Cöln. Bei einer weitläufigen Bekannten, Else Römer, die ein Auge auf ihn geworfen hat, kann er zur Untermiete wohnen. Die Stadt kommt dem Landei Heinrich zunächst unheimlich vor, rücksichtslos – lautes Straßengewimmel, Menschen, die ihn anrempeln, Straßenbahnen, Autos, Gehupe und Gebimmel. Überall muss man aufpassen. Doch schnell gewöhnt er sich ein, übt erst einmal Müßiggang, zeichnet. Die Schneiderin Hedwig, die für das Opernhaus arbeitet, fällt ihm auf und er sucht ihre Nähe. Die beiden verlieben sich, treffen sich heimlich. Denn da ist ja noch Else Römer und der Verlobte von Hedwig und ihr Vater. Hedwig träumt vom freien Leben in einem Ort am Lago Maggiore, der Kolonie auf dem Monte Veritá.

»Ihm war, als bohrten sich seine beiden Spitzen in die Wolken hinein.«

»Ein Zweispänner rasselte an ihm vorbei, ein Automobil röhrte über das Pflaster, ein Kutscher ließ seine Peitsche knallen, eine Straßenbahn quietschte um die Kurve, kam direkt auf ihn zu, an der Oberleitung sprühten die Funken. Er duckte sich, hielt sich die Ohren zu und lief weg.«

Der Roman liest sich gut an, facettenreich beschreibt Hajo Steinert die Eindrücke von Heinrich, der das umtriebige Cöln betritt: der Dom, die Oper, Prachtboulevards, Luxushotels und eine gemütliche Kneipenszene, eine Stadt im Umbruch in die Moderne. Und schon bildet sich auch Widerstand gegen das Getöse: Der »Deutsche Lärmschutzverband« und die Zeitschrift »Antirüpel« (es gab beide wirklich), die ein Recht auf Stille fordern, sich gegen laute Grammophonmusik, quietschende Straßenbahnen und gegen Industrielärm auflehnen. Heinrich braucht eine Weile, um sich an das Stadtleben zu gewöhnen, beobachtet zunächst das Treiben der Stadt aus dem Fenster und erkundet dann Stück für Stück die Straßen, wie eine Katze ihr neues Zuhause. Aber irgendwann wurde mir die Geschichte zu langweilig, sie zieht sich wie Kaugummi, das Werben um Hedwig. Endlich verlassen Hedwig und Heinrich die Stadt, doch bis hierhin ergeht sich der Roman in Klischees.

Ich dachte, nun wird es wieder interessant, angekommen auf dem Monte Veritá. Das Pärchen trifft auf diverse Künstler wie Franziska Gräfin Reventlow, Hermann Hesse, und Käthe Kruse. Doch nun hagelt es noch mehr Klischees, als der Autor das ausschweifende Leben in der Künstlerkolonie beschreibt. Heinrich und Hedwig nehmen das Leben hier auf verschiedene Weise auf, Heinrich als grotesk und Hedwig als künstlerisch bereichernd. Ich dachte, im letzten Drittel noch einen Auftrieb des Romans zu bekommen, doch leider gleitet er noch weiter ab. Der Roman ist einerseits recht gut geschrieben, doch er war mir letztendlich zu schablonenhaft und in der Mitte fehlte mir die Spannung.

Hajo Steinert, geboren 1952, arbeitete von 1986 bis 2016 in der Literatur-Redaktion des Deutschlandfunks. Buchveröffentlichungen und Herausgaben erstrecken sich über die Themengebiete Deutsche Literatur, Lyrik, Fotografie und Kulturgeschichte des Fußballs.

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Rezension zu "Blumenspiel" von Hajo Steinert

Aufbruch zu Neuem, Freieren!
TochterAlicevor 7 Monaten

Genau mein Fall - so dachte ich beim ersten Blick auf das Buch. Das Szenario: Wir schreiben das Jahr 1909. Der junge Kunstschmied Heinrich kommt in einer privaten Extremsituation aus dem bergischen Engelskirchen nach Köln, wo er bei einer flüchtigen Bekannten aus der Heimat zur Untermiete wohnen kann. Sie hätte nichts gegen eine richtige Beziehung, aber Henri, wie sich der junge Mann bald nennt, hat nur Augen für die schöne Schneiderin aus der Nachbarschaft. Durch einen Zufall lernt er Hedwig, so heißt sie, kennen und entbrennt mehr und mehr für sie. Auch Hedwig ist ihm zugetan, doch in ihr lodert es - sie träumt von einem anderen, einem freien Leben und weiß auch schon, wo sie es finden wird: in einer Siedlung auf dem Monte Verità in Ancona in der Schweiz, wo ein neues Lebensmodell entwickelt wird.

Henri fühlt sich eigentlich in Köln sehr wohl, ist das Leben dort doch für ihn bereits der Inbegriff der Freiheit. Sowohl Hedwig, ein kölsch Mädsche, als auch seine Wirtin machen ihn mit den vielfältigen Facetten dieser Stadt bekannt und das Herz geht ihm über!

Doch als es Hedwig unwiderruflich in die Schweiz zieht, bleibt er an ihrer Seite, denn für ihn ist der Platz an ihrer Seite das Erstrebenswerteste in seinem Leben. Dort angekommen, erleben sie das neue Leben völlig unterschiedlich. Während Hedwig darin aufgeht, ist Henri ausgesprochen befremdet. Die Situation eskaliert...

Ich habe mich so gefreut auf den Roman, der meiner Heimatstadt Köln und dem interessanten Projekt in Ancona gleichermaßen ein Denkmal der Erinnerung setzt, doch leider wurde ich herb enttäuscht. Nicht durch den Stil des Autors, nein, dieser ist ausgesprochen gefällig und liest sich runter wie Öl und auch die in den Roman eingearbeiteten Informationen zur damaligen Zeit sind durchaus sind durchaus ungewöhnlich und damit spannend. Aber aus meiner Sicht wird hier kein Stimmungsbild, nichts Atmosphärisches transportiert, leider bleibt alles nur an der Oberfläche. Und der Monte Verità kommt als Hort der Laster und als sittenloses Gefüge rüber - und zwar defintiv nicht nur aus Henris Sicht! Leider ist es dem Autor - so finde ich - nicht gelungen, hier das Spannende, Neuartige der Kolonie, das sie für viele Suchende zu einem Ort der Sehnsucht werden ließ, zu transportieren. Viele Begriffe und Informationen werden nur erwähnt, aber nicht näher beleuchtet bzw. in die Handlung eingefügt.

Schade, ich hatte mir so viel versprochen von dieser Lektüre und bin jetzt richtiggehend enttäuscht!

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Rezension zu "Blumenspiel" von Hajo Steinert

Ein Kunstschmied geht auf Reisen
YukBookvor 7 Monaten

Der Roman beginnt mit einer Reise, und zwar einer äußerst strapaziösen, die wir uns sicher nicht freiwillig antun würden. Der Kunstschmied Heinrich Karthaus verlässt im Jahr 1908 seine Heimat Engelskirchen und begibt sich zu Fuß nach Köln, um seine Berufung zu finden. Dort wohnt er zur Untermiete bei der fürsorglichen Else Römer, die sich mehr für ihn interessiert als er für sie. Sein Interesse gilt einzig und allein der Näherin Hedwig, die er schon lange in der Nähstube beobachtet und bei einem Treffen des Deutschen Lärmschutzverbands unerwartet trifft und kennen- und lieben lernt.

Neben den genannten drei Figuren spielt in dieser Geschichte vor allem der Schauplatz eine tragende Rolle. Wir erleben die Stadt Köln im Wandel und das mit all unseren Sinnen. Kenntnisreich erzählt der Autor, wie die Stadt vom Baufieber erfasst wurde, beschreibt Brücken, Parks, edle Kaufhäuser, aber auch gefährliche Gassen und den zunehmenden Lärm, gegen den sich der Lärmschutzverband mit verschiedenen Aktionen auflehnt.

Doch nicht nur die Stadt, auch Heinrich macht einen Wandel durch. Um seine Chancen bei der Arbeitssuche zu erhöhen, hat er sich längst den eleganten Namen Henri Cartouse zugelegt, trägt einen schicken Anzug und sieht, blind vor Liebe für Hedwig, die Stadt, die er anfangs noch bedrohlich und abstoßend fand, auf einmal mit ganz anderen Augen. 

Der Roman ist eine wunderbar geschriebene, gut recherchierte Milieustudie, die ich an einem Tag verschlungen habe. Mit großem Vergnügen tauchte ich in die damalige Zeit und die verschiedenen Schauplätze ein und begleitete das Liebespaar bis zum Monte Verità mitten hinein in die Reformbewegungen.

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