Hakan Nesser

 3.9 Sterne bei 3,500 Bewertungen
Autor von Eine ganz andere Geschichte, Mensch ohne Hund und weiteren Büchern.
Hakan Nesser

Lebenslauf von Hakan Nesser

Spannung jenseits des Schwedenkrimi-Klischees: Håkan Nesser ist einer der erfolgreichsten Autoren des modernen Schwedenkrimis. Am 21. Februar 1950 in Kumla, Schweden geboren, arbeitete er zunächst als Lehrer. Nebenher begann er mit dem Schreiben – und nutzte dafür zum Beispiel die Unterrichtszeit, während derer seine Schüler über ihren Aufsätzen brüteten. Sein Debüt gab er mit dem Roman „Koreografen“ (1988). Sein Inspektor van Veeteren erblickt 1993 in „Det grovmaskiga nätet“ („Das grobmaschige Netz“, 1999) das Licht der Krimiwelt. Die Serie mit van Veeteren umfasst zehn Bände und wurde mehrfach ausgezeichnet. Dem deutschen Fernsehpublikum ist sie zudem durch die Verfilmungen für das schwedische Fernsehen bekannt. Seit 2006 arbeitet Nesser an einer zweiten Krimireihe rund um den Kriminalinspektor Gunnar Barbarotti, in der er die üblichen Pfade des Kriminalromans verlässt. So entwirft er im ersten Band „Mensch ohne Hund“ eine schwedische Familiensaga, der zweite Roman „Eine ganz andere Geschichte“ wird aus der Sicht des Mörders geschildert. Der Roman „Kim Novak badete nie im See von Genezareth“ und der Jugendroman „Und Piccadilly Circus liegt nicht in Kumla“ zählen in Schweden zur Schullektüre. Håkan Nesser lebt in Stockholm und auf der Insel Gotland.

Botschaft an meine Leser

Liebe LovelyBooks Leser, ich bin sehr glücklich, dass es euch gibt, aber - traut niemals einem Autor! Ich glaube, ich habe das schon einmal zuvor gesagt, aber es kann nicht schaden, das noch einmal zu wiederholen. Liebe Grüße von Gotland, euer Håkan

Neue Bücher

INTRIGO

 (1)
Neu erschienen am 08.10.2018 als Taschenbuch bei btb.

INTRIGO

 (1)
Neu erschienen am 08.10.2018 als Hörbuch bei Der Hörverlag.

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Eine ganz andere Geschichte

Eine ganz andere Geschichte

 (286)
Erschienen am 03.05.2010
Kim Novak badete nie im See von Genezareth

Kim Novak badete nie im See von Genezareth

 (198)
Erschienen am 29.09.2008
Mensch ohne Hund

Mensch ohne Hund

 (204)
Erschienen am 25.05.2009
Das grobmaschige Netz

Das grobmaschige Netz

 (177)
Erschienen am 18.04.2006
Die Schwalbe, die Katze, die Rose und der Tod

Die Schwalbe, die Katze, die Rose und der Tod

 (151)
Erschienen am 01.05.2005
Der unglückliche Mörder

Der unglückliche Mörder

 (140)
Erschienen am 01.07.2008
Die Frau mit dem Muttermal

Die Frau mit dem Muttermal

 (126)
Erschienen am 01.10.1998

Nach Gotland mit...

Håkan Nesser ist nicht nur einer der beliebtesten schwedischen Krimi-Autoren, sondern besticht in seinen Werken immer wieder mit seinen philosophischen Gedanken und Fragestellungen. 2018 kommt mit "Todes eines Autors" der erste Film der "Intrigo"-Trilogie in die Kinos, der auf den gleichnamigen Kurzgeschichten basiert. Vor dem Filmstart hat uns Håkan Nesser verraten, wie es möglich ist, seinen Partner unter tausend anderen zu erkennen, warum die deutschen Leser skandinavische Krimis lieben und was er gerne William Shakespeare fragen würde...

Hej Håkan, vielen Dank für deine Zeit. Du bist schon sehr lange Autor. Was ist das schönste Feedback, das du von deinen Lesern erhalten hast?

Ich bin in in der glücklichen Position, schon 30 Bücher veröffentlicht haben zu dürfen, von daher gibt es inzwischen eine Menge an wunderbaren Reaktionen meiner Leser überall auf der Welt - am meisten aus Deutschland. Es ist jedes Mal aufs Neue ein tolles Gefühl, wenn ich an E-Mails oder Briefen von Lesern merken kann, dass sie mein Buch und mich wirklich verstanden haben.

Kannst du uns ein Geheimnis verraten? In Deutschland sind skandinavische Krimis aus den Buchhandlungen und Bestenlisten nicht mehr wegzudenken. Was ist das Besondere am "Nordic Noir"?

Ich glaube, es hat alles mit den Schweden-Krimis angefangen. Mit Kommissar Beck von Maj Sjöwall und Per Wahlöö in den 60ern und dann Henning Mankells Kommissar Wallander in den 90er Jahren. Ich glaube, dass die deutschen Leser skandinavische Krimis aus verschiedenen Gründen mögen. Skandinavische Krimis bestehen nicht nur aus einer Kriminalgeschichte. Sie haben oft eine tiefe psychologische Handlung, vielschichtige Charaktere und behandeln philosophische, existentielle Fragen der Menschheit. Zudem wachsen deutsche Kinder bereits mit skandinavischer Literatur auf. Astrid Lindgren gehört genau so zu eurer Kindheit wie zu unserer. Dadurch habt ihr früh einen Bezug zu unserer Menatalität, unseren Gedanken, unserem Land, unseren Bewohnern. Durch die KInderbücher geht diese Vorliebe in euer Blut über und es ist sehr leicht, später zu erwachsener Lektüre zu wechseln, sie kommt euch vertraut vor. Ich drehe die Frage gerne um. Es ist scheinbar ein deutsches Problem: Warum lest ihr so gerne unsere Krimis?

Skandinavische Literatur besticht auch immer durch ihren ganz eigenen etwas morbiden Humor. Kannst du den deutsche Lesern verraten, was es damit auf sich hat?

Humor ist die beste Möglichkeit, Dunkelheit aufzubrechen. In Schweden ist es im Winter sehr lange sehr dunkel. Ich denke, du brauchst diesen Humor, um zu überleben. Das gilt auch für die Literatur. Es braucht diesen speziellen Humor, um die Düsterkeit eines Thrillers oder Krimis zu durchbrechen.

Hast du ein Lieblingswort?

Ehrlich gesagt liegen mir aussterbende Wörter am Herzen. Ich versuche immer wieder, sie in jedem Buch zu verwenden, um sie in den Lesern am Leben zu erhalten. Eins dieser Wörter ist das schwedische Wort "luguber" (dt. "düster"), das ich versuche, in jedem einzelnen Buch einmal zu benutzen.

Welchen anderen Job würdest du gerne für einen Tag ausüben?

Ich war über zwanzig Jahre lang Lehrer und muss sagen, ich habe den Job wirklich gerne gemocht. Wenn ich nicht schreibe, kümmere ich mich aktuell hauptsächlich um unsere Pferde. Wir leben auf einem Hof auf Gotland, einer Insel in der Ostsee, und haben eine Menge Tiere, vor allem Pferde und Hunde. Ich würde gerne viel mehr über Pferde wissen und ein guter Reiter sein. Ich kann überhaupt nicht reiten. Ich füttere sie nur, pflege sie, rede mit ihnen und genieße ihre Gesellschaft. Ich würde wirklich gerne etwas Professionelles, etwas Gutes tun, was mit Pferden zu tun hat - ohne die lange Ausbildung, die man dafür braucht.

Gibt es ein Buch, das du gerne verschenkst?

Oh, das sind viele. Ich meine, ein Buch ist das perfekte Geschenk. Zu Weihnachten verschenke ich eigentlich nur Bücher an meine Kinder und andere Verwandte. Es ist schwierig, sich für eins zu entscheiden. Aktuell verschenke ich gerne "Himmel und Hölle" des isländischen Autoren Jón Kalman Stefánsson. Es ist ein außergewöhnliches, großartiges Buch. Die Sprache ist wunderbar und es handelt von allem und gleichzeitig nichts. Es ist sensationell gut, wie die Fragen des Lebens behandelt werden. Ich finde, es sollten viel mehr isländische Bücher gelesen werden. Wir beide fangen einfach damit an, Island als Buch zu verschenken!

Das ist eine super Idee! Gibt es denn einen Ort, wo wir unbedingt hinreisen sollten? Und welches Buch sollte uns begleiten?

Du stellst wirklich gute Fragen, sie sind so präzise, und ich muss wirklich nachdenken. Ihr solltet selbstverständlich unbedingt nach Gotland reisen. Es ist ein wunderbarer Ort, eine große und spektakulär schöne Insel! Im Winter ist es wunderbar verlassen, nur die 60.000 Einwohner sind anzutreffen, im Sommer ist es natürlich voller Touristen. Aber: Komm unbedingt nach Gotland! Ein Buch brauchst du dann gar nicht, denn du möchtest die Landschaft und das Meer anschauen, tief durchatmen. Im Winter ist es so dunkel, dass du vielleicht ein oder zwei Bücher brauchst. Wir haben einen eigenen kleinen Verlag, "Gotlandica", und wunderschöne Buchläden, dort kannst du dir zum Beispiel ein Buch über Gotland kaufen. 1361 fand die berühmte Schlacht um Visby statt, wonach Gotland 400 Jahre unter dänischer Herrschaft stand. Es gibt spannende Bücher darüber, zum Beispiel von Bengt Thordeman oder Gun Westholm.

Gibt es etwas, das du gerne lernen würdest?

Es gibt eine Menge, aber am liebsten würde ich Tiere verstehen können. Mit Pferden und Hunden sprechen können.

Ich habe gerade die Preview zu "Intrigo - Tod eines Autors" gesehen. Ein großartiger Film. Kannst du uns etwas über den Filmdreh verraten?

Wir haben im Sommer 2017 gedreht, in ganz Europa. Ich glaube, es waren vier verschiedene Länder und über 20 verschiedene Städte. "Intrigo" ist eine Trilogie und die drei Filme spielen alle im gleichen Universum um meine fiktive Stadt Maardam. Der Regisseur Daniel Alfredson hat fantastische Arbeit geleistet. Wir hatten nur 100 Tage und das Ergebnis ist großartig. Normalerweise finde ich immer, dass das Buch besser ist als der Film, aber in diesem Fall sind die Filme wirklich genau so gut. Es gibt eine ganz eigene Spannung, die Filme sind nicht aufregend, eher ruhig, aber dennoch hältst du den Atem an und kannst dich nicht zurücklehnen.

Nicht zu wissen, was wirklich passiert ist, ist das die schlimmste Strafe?

Vielleicht, ja. Wenn jemand Nahestehendes stirbt, ist es furchtbar, absolut. Aber nicht zu wissen, ob jemand tot ist oder noch lebt, das ist wahrscheinlich noch schlimmer.

Woran würdest du deine Frau unter tausenden anderen Frauen erkennen?

Sehr leicht, denke ich. Es braucht nur ein Wort, ein Husten, denkst du nicht? Unsere Stimmen sind individuell, aber auch diese kleinen Dinge wie ein Husten, ein Niesen sind nicht weniger individuell. Aber vielleicht liege ich auch falsch. Der Autor in der Geschichte weiß auch nicht, ob sie es wirklich war, seine innere Überzeugung und anschließende Suche beruht lediglich auf einem Gefühl.

"Intrigo" spielt mit dem Überraschungsmoment. Gibt es etwas, das dich überraschen würde?

Wenn du älter wirst, wird es immer schwieriger, überrascht zu sein. Erst bist du überrascht, aber dann bist du eher überrascht, dass du überrascht bist. Denn Überraschungen lauern überall und du gewöhnst dich daran. Ich wäre aber wirklich überrascht, wenn zum Beispiel Donald Trump sagen würde, dass es ihm leid tut, dass er ein riesiger Idiot war und sich nur entschuldigen kann und das Amt zurück an die Demokraten übergeben. Dann wäre ich wirklich überrascht! Das, was mich also wirklich überraschen würde, sind Dinge oder Situationen, die eher unwahrscheinlich sind, ich kann mir also nur in der Theorie vorstellen, was mich überraschen könnte.

Gibt es einen Schlüsselsatz in "Intrigo"?

Es gibt einen Satz, über den ich viel mit Benno Führmann gesprochen habe, als wir in Berlin waren. Es ist ein Satz, den Ben Kingsley, der andere Hauptdarsteller, sagt: "Entweder kreierst du deine eigene Lebensgeschichte oder du bist nur Teil der Lebensgeschichte eines anderen." Ungefähr so. Und im Film realisiert Bennos Figur David, dass das wirklich etwas ist, worum es im Leben geht und auch als Autor und was dem Leben vielleicht sogar Bedeutung gibt.

Zu guter Letzt: Welchen Buchcharakter würdest du gerne einmal treffen und was würdet ihr gemeinsam unternhemen?

Ich habe eine sehr dringende Frage an William Shakespeare. Als er den berühmten Hamlet Monolog "To be or not to be" schrieb, schrieb er das in einem Zug, also in wenigen Minuten, oder hat er sehr lange daran gearbeitet, die Worte oder ganze Sätze geändert und es immer wieder umgeschrieben? Dieser Monolog und dieser eine Satz sind so klug. Es handelt von den grundsätzlichen Fragen des Lebens und man kann sehr lange darüber nachdenken. Aber wie kam dieser Monolog zu ihm? War er einfach da, hat er lange darüber nachgedacht? Ich weiß, dass er einige Stücke sehr schnell schrieb und in einem durch und an anderen sehr lange saß. Daher würde ich ihn wirklich gerne treffen und fragen, wie man so viel Klugheit in nur circa 20 Zeilen schreiben kann und wie viel Zeit es kostete.

Das ist eine sehr gute Frage und nun würde ich es auch gerne wissen. Danke für das Interview.

Ich verspreche dir, falls ich William Shakespeare treffe, bist du die erste, der ich seine Antwort erzähle. Vielen Dank.

Videos zum Autor

Neue Rezensionen zu Hakan Nesser

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Rallfoss avatar

Rezension zu "Die Perspektive des Gärtners" von Hakan Nesser

Bis auf den Schluss...
Rallfosvor einem Monat

Obwohl es schon einige Rezensionen gibt, möchte ich trotzdem hier noch meine Meinung dazu schreiben.
Ein erfreulich anderer Krimi, der aus der Sicht des Vaters eines entführten Kindes geschrieben ist. Timing und Rückblenden sind bis auf die letzten zehn Seiten perfekt. Keine Minute langweilig mit stetig wachsender Spannung. Keine Person zu viel, alle genannten tragen zum Fortgang der Handlung bei. Großartig gemacht.
Wenn da nicht der selsame Schluss wäre, der sich anfühlt, als müsse das Buch (schnell) fertig werden. Überstieret Dramatik, die aber wenig Zeit hat, sich zu entfalten. Wärend in 95% der Handlung alles plausibel erklärt wird, konnte ich nur raten, was wirklich passiert ist. Hier stimmen die Proportionen nicht mehr. Als Leser fiel ich in ein Loch und wurde nicht abgefangen.
Somit ist der Roman eine wundervolle Lektüre, ein schöner Zeitvertreib, bis auf den Schluss...

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Rezension zu "INTRIGO" von Hakan Nesser

Rezension zu "Intrigo - HB"
Zsadistavor 2 Monaten

„Intrigo – HB“ ist eine Anthologie von drei Kurzgeschichten aus der Feder des Autors Hakan Nesser.

Gelesen wurde das Hörbuch von Dietmar Bär, der seine Aufgabe fantastisch machte. Ich höre dem Sprecher prinzipiell schon sehr gerne zu.

Das Hörbuch beinhaltet die drei Geschichten „In Liebe, Agnes“, „Die Wildorchidee aus Samaria“ und „Tod eines Autors“. Leider muss ich mich hier dann schon fragen, warum das Hörbuch nur drei von fünf Geschichten enthält. Das Printbuch beinhaltet laut Inhaltsangabe zwei Storys mehr. Alleine dafür ziehe ich schon einen Stern in der Wertung ab. Wenn ich schon ein Hörbuch zu einem Buch höre, dann möchte ich schon alles hören, zumal nicht einmal auf dem Umschlag des Hörbuches zu lesen war, dass es sich um eine gekürzte Fassung handelt.

Wenn ich jetzt überlege, dass von diesen drei Kurzgeschichten jeweils ein Film gedreht wird, muss ich mich letztendlich fragen, was da verfilmt werden sollte.

Die erste Geschichte „In Liebe, Agnes“ besteht lediglich aus ein paar Briefen, die hin und her geschrieben werden. Zumal mir in der Hälfte der Story schon klar war, wie sie endete. Ich fand diesen Teil weder spannend noch sehr gekonnt verwoben.

Die zweite Story „Die Wildorchidee aus Samaria“ fand ich so zäh und langatmig, dass ich schon gar nichts mehr darüber sagen kann.

Der dritte Teil des Hörbuches „Tod eines Autors“ war leider so einschläfernd, dass ich angefangen habe, die Kapitel zu springen. Am Ende ersparte ich mir sogar die Auflösung des Falles.

Leider konnte ich mit dem Autor und seinem Werk so gar nichts anfangen. Keine Spannung, kein tiefes Abtauchen in die Geschichte, kein hängen bleiben an den Zeilen. Da hilft auch die versprochene Verfilmung als Trilogie mit Stars nichts.

Für Fans des Autors ist das Werk mit Sicherheit ein Leckerbissen. Für mich liegt es eher schwer im Magen. Vor allem auch noch, weil 2/5 des Umfangs einfach fehlen.

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N

Rezension zu "Der Fall Kallmann" von Hakan Nesser

Netter Roman, aber kein Krimi
Nadezhdavor 5 Monaten

Ich nehme gleich einmal vorweg, dass ich aufgrund des Autors, der Kurzbeschreibung bei amazon.de, wo das Ganze wie ein Krimi aufgezogen wird, und der Leseprobe auf vorablesen.de, aber v.a. wegen des Titels einen Kriminalroman erwartet hatte, auch wenn „Roman“ auf dem Buchdeckel steht, und somit eine gewisse Enttäuschung vorprogrammiert war. Diese laste ich teilweise mir selbst an (wer lesen kann, ist klar im Vorteil), zum Teil aber auch dem Verlag, denn mit der Titelwahl und der Kurzbeschreibung wird das Buch m.E. durchaus von der Wahrnehmung her in die Krimiecke geschoben; so ging es ja auch anderen RezensentInnen z.B. auf amazon.de und anderen Portalen. (Zum Titel der deutschen Übersetzung später noch mehr.)


Die Leseprobe hatte mir großen Spaß gemacht; ich fand die Handlung von der ersten Seite an packend und hatte sofort eine große Neugier auf das Geschehen um Kallmann entwickelt. Daher hätte ich im Verlauf des Romans mit einem ähnlichen Tempo und v.a. einem gewissen Maß an Spannung gerechnet. Die Erzählweise mit den verschiedenen Perspektiven hat mich auch gleich angesprochen. Es werden schön schrullig-sympathische Lehrerpersönlichkeiten entfaltet und amüsante Einblicke in schwedische Lehrerzimmer geboten. Mit Leon konnte ich aufgrund seines schweren Verlustes gleich Mitgefühl entwickeln, aber auch mit den anderen Figuren, aus deren Sicht die Kapitel abwechselnd geschrieben sind, bin ich mühelos warmgeworden, v.a. mit der Beratungslehrerin Ludmilla. Alle diese Figuren erscheinen trotz oder gerade wegen ihrer Eigenheiten liebenswert. Mir hat auch gut gefallen, dass verschiedene Generationen zu Worte kommen, auch wenn das Ganze vielleicht etwas ausgewogener hätte gestaltet werden können, indem z.B. eine weitere Schülerperspektive aufgenommen worden wäre oder Andreas Mutter Ulrika nicht nur als zeitliche Rückblende, sondern auch verstärkt mit ihrem Blick aufs aktuelle Geschehen Mitte der Neunziger eingearbeitet worden wäre.


Von diesen Figuren lebt der Roman, denn nach dem packenden Einstieg zieht die Handlung sich in der ersten Hälfte des Buches schier endlos hin. Aus jeder Perspektive wird das immer gleiche Geschehen beleuchtet und es dauert bis etwa zur Mitte des Buches, bis die Geschichte ein wenig an Tempo zulegt und man wirklich etwas von Substanz erfährt. Zwar sind die Perspektivwechsel erzähltechnisch durchaus interessant, aber der Autor hätte sie viel stärker dazu nutzen können, die Handlung voranzutreiben. Mindestens im ersten Buchteil bremsen sie die Handlung eher aus; sie werden fast nur dazu benutzt, dass mehrere Personengruppen um immer dieselben spärlichen Informationen kreisen und kaum einmal etwas Neues dazukommt oder in der Handlung etwas Substanzielles passiert. So wird es allmählich langweilig… Allein schon bis zur Mitte des Romans hätte es meiner Ansicht nach nicht geschadet, wenn er um 100 Seiten gekürzt worden wäre.


Im zweiten Teil geschieht endlich ein bisschen mehr; neue Informationen, neue Verwicklungen werden ins Spiel gebracht, das Geschehen entfaltet sich zu einer halben Sozialstudie. Aber auch hier hätte deutlich straffer geschrieben werden können. Allein die nett-skurrilen Figuren haben mich durch die Handlung getragen; ihre sanft ironisch vorgetragenen Lebensweisheiten haben mich schmunzeln und nachdenken lassen, und auf dieser Ebene hat mir das Buch durchaus Vergnügen bereitet.


Die Auflösung jedoch, die am Ende sehr knapp und schnell auf wenigen Seiten erfolgt, hinterlässt mich ein wenig ratlos und auf jeden Fall traurig. Schade um mehrere Leben, die so viel glücklicher hätten verlaufen können.



Nun aber noch zur Wahl des Titels: Der schwedische Originaltitel „Eugen Kallmanns ögon“ – Eugen Kallmanns Augen – gefällt mir um Welten besser als der deutsche Titel „Der Fall Kallmann“. Zum einen wurde auch aufgrund der Titelwahl im Deutschen bei mir die Erwartung geweckt, dass es sich um einen Krimi handelt, was ja dann im Laufe der Lektüre zu gewissen Enttäuschungen führte. Vor allem aber verengt der Titel „Der Fall Kallmann“ den Blick unnötigerweise auf den toten Kallmann als einen eventuell ungelösten Kriminalfall, während der schwedische Titel „Eugen Kallmanns Augen“ den lebendigen Kallmann, seine scharfsichtigen (vielleicht auch hochsensiblen?) Beobachtungen und das gesamte Geschehen um ihn herum berücksichtigt, also auch den Strang der Familiengeschichte von Andrea Wester, der ja mindestens genauso wichtig ist wie der mögliche Mordfall Kallmann. Ich begreife nicht, warum ein Verlag da ohne Not von einem gut übersetzbaren Titel abweicht und damit in Kauf nimmt, falsche Erwartungen bei der Leserschaft zu schüren. Ich zumindest hätte ein deutlich größeres Lesevergnügen gehabt, wenn das Buch in meiner Wahrnehmung nicht vorzeitig in der Krimiecke gelandet wäre (denn ich lese sehr gern Romane) – und da hat durchaus der Titel eine entscheidende Rolle gespielt.


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Gespräche aus der Community

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Daniliesings avatar
Håkan Nesser ist wohl einer der bekanntesten schwedischen Krimiautoren. Seine Fans und all jene, die es noch werden möchten, dürfen sich freuen, denn am 01. Oktober erscheint sein neues Buch "Am Abend des Mordes" bei btb. Gemeinsam wollen wir in einer Leserunde einige spannende Lesestunden mit dem Buch verbringen und uns darüber austauschen. Und Spannung ist euch auf jeden Fall garantiert im Finale der Barbarotti-Serie!

Mehr zum Inhalt:
Wird Barbarotti kaltgestellt? Aufs Abstellgleis befördert? Nach einem persönlichen Schicksalsschlag mit privaten Problemen beschäftigt, erhält er von seinem Vorgesetzten die Anweisung, sich mit dem Fall eines fünf Jahre zuvor spurlos verschwundenen Elektrikers zu beschäftigen, als er wieder seinen Dienst antritt. Nicht nur Kollegin Backman fragt sich, ob es sich hierbei nicht nur um eine Form von Beschäftigungstherapie für einen trauernden und labilen Kollegen handelt. Und zunächst sieht es auch ganz so aus, als sei Barbarotti nun zum Spezialisten für sogenannte »kalte Fälle« geworden, denen man nur routinemäßig nachgeht. Zum Zeitpunkt seines Verschwindens lebte besagter Elektriker nämlich mit einer Frau zusammen, die bereits einmal einen Mord begangen und dafür elf Jahre im Gefängnis gesessen hatte. Doch ohne Leiche keine Mörderin. Beweisen konnte man ihr in diesem Fall nichts. Gunnar Barbarotti tut das, was er am besten kann: Er ermittelt. Mosaiksteinchen um Mosaiksteinchen setzt er zusammen, und als er schließlich begreift, was gespielt wird, hat das weitreichende Konsequenzen ...

Wir suchen ab sofort 25 Testleser, die fesselnde Kriminalromane lieben und gern bei der Leserunde zu "Am Abend des Mordes" mitmachen möchten. Um diesen neuen Band der Barbarotti-Serie zu verstehen, muss man die Vorgänger nicht kennen, aber es lohnt sich auf jeden Fall auch diese zu lesen! Verpasst also auf keinen Fall den neuen Håkan Nesser!

Bewerbung als Testleser:
Ab sofort und bis einschließlich 23. September 2012 könnt ihr euch als Testleser bewerben und erhaltet mit etwas Glück das Buch. Im Gewinnfall sind eine Beteiligung an der Leserunde in den Leseabschnitten sowie eine zeitnahe abschließende Rezension natürlich selbstverständlich.

Verratet uns für die Chance auf eines der Bücher ganz einfach, wieso ihr gern bei der Leserunde dabei wärt und was euch besonders am Buch interessiert!

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Steffi_Peepunkts avatar
Letzter Beitrag von  Steffi_Peepunktvor 6 Jahren
So, fertig, endlich.... Also, gleich mal als erstes, ich finde es trotz allem was noch kommt sehr schön geschrieben. Der Schreibstil sagt mir absolut zu. Aber, es ist schon sehr langatmig geschrieben. Manchmal kommt es mir so vor, als wäre es mit Absicht so in die Länge gezogen worden dass es mehr Seiten werden. Zum Schluss gehts dann nämlich Schlag auf Schlag und ich gebe mich nicht mit der Lösung des Falles zufrieden.... Wie kann er da nur durch seine Intuition drauf kommen?? Nee, reicht mir nicht. Auch diese Epsiode mit Wallman, was hat das mit der Handlung zu tun?? Das hätte man auch leicht weglassen können. Und was hat es denn jetzt mit den "Schwestern" auf sich?? Es bleiben mir einfach zuviele Fragen offen. Barbarottis Trauer wird manchmal dann doch zu melodramatisch dargestellt, die Vision von Marianne wenn sie ihm erzählt, dass ein Brief am Donnerstag kommt, alles ein bisschen zu phantastisch. Ich mein, mit toten Angehörigen sprechen find ich ja noch im Bereich des Normalen, aber muss sie ihm erscheinen?? Im Traum ja, aber nicht am hellichten Tag. So, aber genug negatives, gut finde ich auch, dass Vergangenheit und Gegenwart sich immer gegenüber standen. Auch die Wortwahl finde ich sehr ansprechend. Ellen Bjarnebos Schicksal fand ich sehr gut geschildert. Emotionen werden treffsicher mit den richtigen Wörtern umschrieben. Manchmal sogar mit einem Hauch von Philosophie. Im großen und ganzen hat es mir aber gefallen, aber ich kann nicht mit Sicherheit sagen, dass ich noch ein Buch des Autoren lesen werde.
Zur Leserunde
sarah_elises avatar
Endlich ein neues Inspektor Barbarotti Buch aus der Serie von Hakan Nesser. Kann mir jemand bei der Reihenfolge der Serie weiterhelfen?
Zum Thema

Zusätzliche Informationen

Hakan Nesser wurde am 21. Februar 1950 in Kulma (Schweden) geboren.

Hakan Nesser im Netz:

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