Halldis Engelhardt

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Halldis EngelhardtSieh dich nicht um!
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Sieh dich nicht um!
Sieh dich nicht um!
 (3)
Erschienen am 22.05.2018

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Rezension zu "Sieh dich nicht um!" von Halldis Engelhardt

Eine kämpferische und mutige Frau
Ariettavor 3 Monaten

Inhaltsangabe: Quelle Dumont-Verlag

Als die Deutschen am 20. April 1940 in der südnorwegischen Kleinstadt Flekkefjord einmarschieren, muss sich jeder Bürger am Straßenrand aufstellen. Die Norweger befolgen zwar den Befehl, drehen den Soldaten aber den Rücken zu. Doch Jorna, die siebzehnjährige, lebenslustige und mutige Jorna, kann nicht widerstehen – sie sieht sich um, dreht ihren Kopf und schaut hin. In diesem Augenblick geht ein junger Soldat an ihr vorbei, und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Halldis Engelhardt erzählt einfühlsam und anrührend von einer Liebe, die nicht sein darf. Von einer Frau, die um ihr Glück kämpft, von ihrer norwegischen Mutter, die ihr so vieles verschwieg.

»Für mich war die Beschäftigung mit ihrer Vergangenheit eine Befreiung, denn ich habe eine neue Mutter kennengelernt, eine Frau voller Mut und Widerstandskraft, und was am allerschönsten ist: eine große Liebende.«
Halldis Engelhardt


Meine Meinung zur Autorin und zum Buch

Man spürt beim Lesen wie viel Herzblut, Halldis Engelhardt in diese Geschichte und Recherche über ihre Eltern hineingesteckt hat. Ihr Schreibstil ist kraftvoll, Bildhaft und flüssig, sie versteht es uns diese Geschichte der Eltern über deren Liebe in Glückloser Zeit wiederzugeben. Man konnte sehr gut abtauchen in die Seelen und Gefühlswelt von Jorna und Heinz. Wir lernen ihre Mutter so richtig kennen. Mir taten sie so Leid, Jorna dieses sehr Intelligentes Mädchen, verliebt sich ausgerechnet, als die Deutschen Norwegen und ihren kleinen Ort Flekkefjord besetzen, in den deutschen Soldaten Heinz. Dieses heimliche Treffen waren schon Aufregend und Spannend. Und doch fliegt es eines Tages auf, sie wird zu den sogenannten Deutschmädchen, die man verachtet und meidet. Es ist wie ein Menschliches Makel, eine Liebe die nicht sein darf. Ihre Freundinnen wenden sich von ihr ab, der ein zigste Halt sind ihre Familie. Es war schon ergreifend wie sie um ihr Glück und ihre große Liebe kämpfte. Dann, als Deutschland kurz vor dem Niedergang steht, braucht man neues Kanonenfutter für Russland, auch Heinz wird dorthin eingezogen. Die Feldpost wird spärlicher, schließlich hört sie gar nichts mehr von ihm, ist er gefallen. Die Amerikaner haben Norwegen befreit, sie geht mit einem Amerikaner nach Amerika, die große Liebe ist es nicht, man spürte Jornas Sehnsucht nach Heinz und Norwegen.

Das Ende wird noch sehr spannend, als ein gewisser Brief eintrifft, ergreift Jorna die Konsequenzen und reist nach Norwegen. Es war schön Jorna auf ihren Wegen durch tiefen und Höhen zu begleiten. Eine wirkliche mutige Frau, die kämpfte gegen alle widerstände und für ihre große Liebe in kauf nahm als Deutschmädchen verachtet zu werden. Sehr schön fand ich auch diese viele Fotos im Buch, von den Eltern und der Familie in Norwegen. Das macht das ganze noch Authentischer.

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Monika58097s avatar

Rezension zu "Sieh dich nicht um!" von Halldis Engelhardt

Was macht man, wenn man sich unsterblich verliebt, diese Liebe aber verboten ist?
Monika58097vor 5 Monaten

Als die Deutschen 1940 in dem beschaulichen norwegischen Ort Flekkefjord einmarschieren, haben sich die Bewohner am Straßenrand aufzustellen, doch diese drehen den Soldaten den Rücken zu. Nur eine ist neugierig, dreht sich um und blickt direkt in die dunklen samtigen Augen von Heinz, dem deutschen Wehrmachtssoldaten. 

Es ist die berühmte Liebe auf den ersten Blick, doch diese Liebe darf nicht sein. Trotzdem sehen sich die beiden wieder und trotz aller Vorsichtsmaßnahmen, bleibt die junge Liebe nicht unentdeckt.

Jorna wird zum sogenannten Deutschenmädchen. Sie gehört zu einer Vielzahl junger Frauen, die sich im Krieg mit einem Deutschen eingelassen haben und während und nach dem Krieg von ihren Landsleuten verachtet wurden. 

Nachdem Heinz nach Russland an die Front geschickt wird, bekommt Jorna nur noch wenige Lebenszeichen von ihm, bis es ganz still um ihn wird und sie vermuten muss, dass er gefallen ist. So folgt sie einem jungen Amerikaner nach Übersee, um dort ein neues Leben frei von der Verachtung ihrer Mitmenschen ihr gegenüber aufzubauen, doch Heinz kann sie einfach nicht vergessen. Dann eines Tages erreicht sie ein Brief, ein Brief von Heinz...

Wer "Erzähl es niemanden" von Randi Crott gelesen hat, wird auch von diesem Buch begeistert sein! Was für eine Geschichte! Es ist die Geschichte zweier Liebender, eine geheime Liebesgeschichte, die alle Zeit und alle Brutalität des Krieges überdauert hat. 

Jorna, die junge Frau, die sich nicht hat unterkriegen lassen. Zahlreiche Fotos im Buch zeigen, um was für eine lebensbejahende Frau es sich hier gehandelt hat. Eine Frau, die sich für ihre große Liebe entschieden hat. 

Nachdem sie eine Beziehung zu Heinz eingegangen ist, wurde sie zum Deutschenmädchen. Sie wurde im Ort gemieden. Ihre Freundinnen durften und wollten keinen Kontakt mehr zu ihr haben. Wie muss sich diese junge Frau gefühlt haben? Sie, die doch einfach nur verliebt war? 

Halldis Engelhardt erzählt sehr einfühlsam die Geschichte ihrer Eltern, einer Geschichte, von der sie bisher eigentlich nur sehr wenig wusste. So wird es vielen von uns gehen. Über die Zeiten des Kriegen wurde einfach nicht gesprochen - wird heute oft noch nicht gesprochen. Man kann nicht oder man will nicht. Umso berührender ist die Geschichte von Jorna und Heinz, die sich nach vielen Jahren wiedergefunden haben. 

"Sieh dich nicht um!" - absolute Leseempfehlung!

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R_Mantheys avatar

Rezension zu "Sieh dich nicht um!" von Halldis Engelhardt

"Dumm, hässlich, ungebildet, primitiv und geistig minderbemittelt"
R_Mantheyvor 5 Monaten

So wurden die sogenannten "Deutschenmädchen" nach dem Krieg in Norwegen dargestellt (S. 314). Rund 50.000 norwegische Mädchen ließen sich mit deutschen Soldaten ein, was bei einer Bevölkerung von 3,2 Millionen Menschen, also rund 1,6 Millionen Frauen, eine beachtliche Quote ist, denn schließlich betrafen solche Beziehungen nur eine kleine Altersgruppe. Die meisten dieser Frauen und ihre Kinder mussten nach 1945 lange durch die Hölle gehen. Nicht nur, dass sie von ihren Mitmenschen verachtet wurden: Ihnen und ihren Kinder blieben auch Drangsalierungen durch den norwegischen Staat nicht erspart. Eine Rechtsgrundlage dafür existierte natürlich nicht.

In diesem Buch geht es um einen ganz speziellen Fall, der etwas vom Normalen in diesem Zusammenhang abweicht. Über die damalige Situation solcher Frauen erfährt man in der Gesamtheit in diesem Buch nicht viel. Nur im Anhang stehen einige Anmerkungen. Halldis Engelhardt ist ein Kind eines solchen Deutschmädchens. Ihr Vater war Soldat in Norwegen. Nur kam sie in Westdeutschland zur Welt, und das lange nach Ende des Krieges. Über die Zeit des Krieges wurde auch in rein deutschen Familien nach dem Krieg wenig oder gar nicht gesprochen. Die Väter wollten oder konnten das Grauen ihrer Erlebnisse nicht weitergeben. Und in der Familie der Autorin schwieg auch die Mutter. Zu tief saß der Stachel der Ausgrenzung, und noch weniger wollte sie wahrscheinlich, dass ihre Töchter ein schlechtes Bild ihrer norwegischen Heimat bekommen.

Nach dem Tod der Mutter begann Halldis Engelhardt die Geschichte ihrer Eltern zu rekonstruieren. Viel hatte sie nicht in der Hand, denn die Eltern hatten nur wenige Dokumente oder Aufzeichnungen zurückgelassen. So mussten Zeitzeugen helfen, Verwandte oder Bekannte, die sich noch erinnern wollten. Oder ein alter Pass, der Reiserouten verriet.

Jorna Gronsund sah ihren Heinz das erste Mal beim Vorbeimarsch der nun in ihrem Heimatort in Südnorwegen stationierten deutschen Wehrmachtssoldaten. Und sie verguckte sich in ihn. Vermutlich hatte er sie auch bemerkt, sodass sich beide anschließend suchten und fanden. Lange blieb diese Beziehung in dem kleinen Ort trotz größter Vorsicht nicht geheim. Da Jorna zu ihrer Liebe stand, begannen sich ihre Freundinnen von ihr zu distanzieren. Wenn man das Buch liest, glaubt man oft, Jorna hätte es geschrieben. Oder jemand der zur selben Zeit diese Geschichte von außen beobachtet hätte. Aber eigentlich weiß man nicht, ob sich die Dinge tatsächlich so zugetragen haben oder ein wenig anders. Ihre Schilderung durch Jornas Tochter, die von alledem von der Mutter nie etwas erzählt bekam, beeindruckt deshalb ungemein. Vielleicht gibt es ein inneres Band zwischen Mutter und Tochter, die zu diesem einfühlenden Verständnis führte. Mich hat diese Geschichte jedenfalls sehr gefesselt.

Man kann es sich einfach machen und sich auf die Seite von Jorna schlagen, wenn man unbedingt Partei ergreifen möchte. Doch auch die andere Seite kann man gut verstehen. Fremde haben ein Land besetzt, schreiben dessen Bewohnern vor, wie sie sich zu verhalten haben. Und dann vergreifen sich diese Fremden auch noch an den Frauen. So kann man es als Norweger betrachten. Und so haben es die meisten Norweger wohl auch gesehen. In Wirklichkeit trafen sich jedoch Männern und Frauen, weil sie sich gegenseitig attraktiv fanden. Zwischen Jorna und Heinz entstand danach eine tiefe Liebe, die ein Leben lang hielt.

Und so berichtet dieses Buch nicht nur über ein dunkles Kapitel in der norwegischen Geschichte, sondern auch über diese Liebe, die Jornas Tochter erst nach dem Tod der Mutter wirklich verstand. Ein beindruckendes und hervorragend geschriebenes Buch.

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