Han Kang Die Vegetarierin

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Inhaltsangabe zu „Die Vegetarierin“ von Han Kang

Ein seltsam verstörendes, hypnotisierendes Buch über eine Frau, die laut ihrem Ehemann an Durchschnittlichkeit kaum zu übertreffen ist – bis sie eines Tages beschließt, kein Fleisch mehr zu essen.

»Bevor meine Frau zur Vegetarierin wurde, hielt ich sie für nichts Besonderes. Bei unserer ersten Begegnung fand ich sie nicht einmal attraktiv. Mittelgroß, ein Topfschnitt, irgendwo zwischen kurz und lang, gelbliche unreine Haut, Schlupflider und dominante Wangenknochen. So fühlte ich mich weder von ihr angezogen noch abgestoßen und sah daher keinen Grund, sie nicht zu heiraten.«

Yeong-Hye und ihr Ehemann sind ganz gewöhnliche Leute. Er geht beflissen seinem Bürojob nach und hegt keinerlei Ambitionen. Sie ist eine zwar leidenschaftslose, aber pflichtbewusste Hausfrau. Die angenehme Eintönigkeit ihrer Ehe wird jäh gefährdet, als Yeong-Hye beschließt, sich fortan ausschließlich vegetarisch zu ernähren und alle tierischen Produkte aus dem Haushalt entfernt. »Ich hatte einen Traum«, so ihre einzige Erklärung. Ein kleiner Akt der Unabhängigkeit, aber ein fataler, denn in einem Land wie Südkorea, in dem strenge soziale Normen herrschen, gilt der Vegetarismus als subversiv. Doch damit nicht genug. Bald nimmt Yeong-Hyes passive Rebellion immer groteskere Ausmaße an. Sie, die niemals gerne einen BH getragen hat, fängt an, sich in der Öffentlichkeit zu entblößen und von einem Leben als Pflanze zu träumen. Bis sich ihre gesamte Familie gegen sie wendet.

Die Vegetarierin ist eine kafkaeske Geschichte in drei Akten über Scham und Begierde, Macht und Obsession sowie unsere zum Scheitern verurteilten Versuche, den Anderen zu verstehen, der ja doch, wie man selbst, Gefangener im eigenen Leib ist. Der Roman wurde mit dem Man Booker International Prize 2016 ausgezeichnet.

Bizarr! Das Buch lässt mich verwirrt und nachdenklich zurück

— Abundantia

"Grotesk" und "kafkaesk" beschreiben es wirklich sehr gut. Großartig geschrieben.

— eelifant

Bin hin- und hergerissen - den Grundgedanken über ein selbstbestimmtes Leben befürworte ich; Schreibstil war ganz flüssig. Irgendwie gut.

— Cailess

Wirklich etwas kafkaesk und verstörend, aber vielleicht deswegen auch ganz fesselnd zu lesen. Über das Ende muss ich nochmal nachdenken.

— Dora

Gut durchdacht, schockierend, mal was Anderes. Ich mochte es.

— Noelli

Ich hatte den Eindruck, dieses Buch wollte einfach möglichst schockierend sein - hat bei mir nicht gezündet.

— DrunkenCherry

Eine ungewöhnliche, verstörende Geschichte über eine drastische Entscheidung mit schockierenden Reaktionen des Umfelds.

— Nabura

Das Beste an diesem Buch ist das Cover. Der Rest sind tumbe Sexfantasien rund um eine stets hörige Protagonistin.

— Georgia

Sehr emotional, aber auch verwirrend, abstoßend und beeindruckend.

— Cleo15

Einfach nur sehr beeindruckend!

— Anke_Ackermann

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  • Themen
  • Bizarr und verstörend

    Die Vegetarierin

    Abundantia

    10. November 2017 um 17:14

    !SPOILER!Yong-Hye, eine durchschnittliche (Ehe-)Frau, die wenig auffällt und stets ihre Pflichten erfüllt, verändert nach einem Alptraum radikal ihr Essverhalten. Doch nicht nur, dass sie plötzlich auf Fleisch und Produkte tierischen Ursprungs verzichtet, sie zieht sich immer mehr in sich zurück und wird immer weniger kommunikativ. Weder Ihr Ehemann, noch die Schwester, oder die Eltern verstehen Yong-Hye. Nach und nach flüchtet sie in eine Welt jenseits der menschlichen Norm und wird immer unerreichbarer für ihr Umfeld. Als eines Abends bei einem Essen die Situation eskaliert, schneidet sich Yong-Hye vor den Augen ihrer Familie die Pulsadern auf. Nach diesem Ereignis trennt sich ihr Ehemann von ihr und ihre Schwester In-Hye und deren Ehemann kümmern sich um die leidende Frau. Bizarre Fantasien des Schwagers und nicht nachvollziehbare Sehnsüchte Yong-Hays, führen dazu, dass auch die Ehe der Schwester zerbricht und Yong-Hye letzen Endes in der Psychiatrie landet. Han Kang‘s Roman „Die Vegetarierin“ hat mich gleichermaßen überrascht wie schockiert. Die drei Perspektiven der Protagonisten zeigen deutlich, wie jeder in seinem eigenen Leid verstrickt ist, den anderen trotz Versuchen nicht verstehen kann und welche bizarren Abgründe hinter vermeintlich normalen und glücklichen Menschen lauern. Mich lässt das Buch nachdenklich zurück und ich kann mich nicht entschieden, ob es mir gefallen hat oder ob ich es im Nachhinein betrachtet, besser nicht gelesen hätte.

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    • 3
  • Die Vegetarierin

    Die Vegetarierin

    BeaSwissgirl

    04. November 2017 um 17:04

    Mein Leseeindruck subjektiv, aber spoilerfrei ;)Eigentlich wollte ich zuerst " Menschenwerk" lese das zweite Buch der Autorin, da mich dort einfach die Thematik viel mehr angesprochen hat. Irgendwie bin ich dann aber doch neugierig auf dieses Werkt hier geworden.....Übrigens sind mir erst auf den zweiten Blick die versteckten Dinge auf dem Cover aufgefallen ;) Ich habe die Geschichte grösstenteils in der ungekürzten Hörbuchvariante gehört, welche durch verschiedene Sprecher gut interpretiert wurde.  Durch diese Aufteilung fiel es mir auch leichter die Charaktere voneinander unterscheiden zu können. Jedoch benötigt das Buch doch auch eine gewisse Konzentration so dass ich immer wieder auch zur Printversion gegriffen habe um das ein oder andere nochmals nachlesen zu können.Der Schreibstil ist schnörkellos, einfach, eher sachlich, ja fast schon unterkühlt und hat für mich so diesen typischen asiatischen Touch. Trotz dieser doch eher nüchternen Art gelingt es der Autorin mich zu fesseln, verschiedenste Emotionen hervorzurufen und Atmosphäre entstehen zu lassen.Die Geschichte ist in drei Abschnitte gegliedert, bei der jeweils eine Sichtweise zum Zug kommt. Erzählt wird nämlich in der ICH-Perspektive des Ehemannes, des Schwagers und der Schwester. Die eigentliche Hauptperson Yeong- hye ergreift nur in Bezug auf ihren Traum selber das Wort ( in kursiver Schrift festgehalten) Beim Wechseln der Blickwinkel benötigte ich meistens ein paar Zeilen um zu bemerken welche Person nun an der Reihe war, da es keine Namensdeklarierung am Anfand des Kapitels gab.Wir erhalten also einen nur ganz kleinen Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelt von Yeong- hye. Einiges kann man zwar anhand ihres Verhaltens ableiten, vieles bleibt aber doch Spekulation, entweder meine eigenen oder die der Angehörigen.Der Ehemann, der Schwager sowie auch der Vater waren mir absolut unsympathisch, da ihre ganze Denkweise und ihre Taten einfach nur verabscheuungswürdig waren. Mehr als einmal drehte sich mir der Magen um und ich bin wirklich nicht zartbesaitet....Ihre Schwester hingegen fand ich ganz nett, sie war eigentlich auch die Einzige, die einigermassen versuchte Yeong-hye auf die " richtige" Art zu helfen.Die ganze Geschichte ist schonungslos brutal, eklig, sehr eigenwillig,  merkwürdig, ja teilweise schon fast absurd. Ich war schockiert, fassungslos, verwirrt, hilflos und deprimiert. Viele Fragen stehen im Raum, welche mich sehr zum nachdenken anregten und zum diskutieren einladen.Mehrere Dinge bleiben übrigens offen und ungeklärt, was mich zuerst störte, erst nach einer Weile konnte ich besser damit umgehen.Ein Buch das nicht jeden Geschmack treffen wird, bei mir wird es aber noch länger im Gedächtnis haften bleiben und nachhallen....Ich vergebe 4,5 Sterne 

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  • Das Buch hat mich einfach nicht gekriegt

    Die Vegetarierin

    DrunkenCherry

    09. August 2017 um 16:32

    Der Klappentext versprach viel - und erschien mir schon bald ziemlich irreführend.Ich hatte mit einer Geschichte darüber gerechnet, wie eine Koreanerin mit ihren Idealen an die Grenzen ihres konservativen Landes stößt.Doch das ist (wenn überhaupt) nur im ersten Drittel des Buches so. Es geht kaum um vegetarische Ernährung, sondern vielmehr um eine ernstzunehmende Krankheit und wie das Verhalten der Frau eine Kette von Ereignissen in ihrem Umfeld in Gang setzt. So lernen wir ihren Ehemann kennen, der ein ziemlich selbstsüchtiger Typ ist, die Schwester, die sich selbst für andere aufopfert und deren Mann, der einen abstrusen sexuellen Fetisch hat und sich in dieser Obsession zu verlieren droht.Diese menschlichen Schicksale hängen natürlich alle eng verwoben zusammen und werden mit einem klaren, auf den Punkt bringenden Schreibstil erzählt. Mit einer Seitenzahl von 190 Seiten kann man der Autorin kaum vorwerfen, zu verspielt zu schreiben. Dennoch schafft sie es an einigen Stellen, beinah poetische Bilder zu schaffen, was ich durchaus bemerkenswert fand.Doch an vielen Stellen hatte ich das Gefühl, dass hier bewusst schockiert werden wollte, mit möglichst ekelerregenden Bildern. Man will dem Leser Scham und Mitgefühl aufdrängen, doch das hat bei mir leider in keinster Weise gezündet. Ich halte mich für gewöhnlich für einen sehr empathischen Menschen, doch die Figuren waren hier alle so stumpf und passiv, dass ich hier keine Gefühle aufbringen konnte. Fing das Buch durchaus interessant an, verliert es immer mehr an Kraft und dümpelt schließlich etwas zäh vor sich hin. Mein Lieblingsbuch wird es wohl definitiv nicht.

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  • Vielleicht ist es nur ein Traum

    Die Vegetarierin

    Cleo15

    29. June 2017 um 08:40

    Die Vegetarierin von der Autorin Han Kang ist ein kleines Büchlein mit sehr verstörender Wirkung. Ich hatte es in zwei Tagen ausgelesen und musste danach noch lange darüber nachdenken. Inhalt: Yeong-Hye ist eine ganz normale, durchschnittliche Hausfrau in Südkorea. Sie hat sich an das Leben angepasst, an die Gewalt ihres Vaters, an die Traditionen des Landes und das Desinteresse der Umgebung. Doch dann hat sie einen Traum, der sie rebellieren lässt. Sie isst kein Fleisch mehr und verbannt alle tierischen Produkte aus dem Haushalt. Ihre Familie kann das nicht verstehen und will es schon gar nicht akzeptieren. Durch die Ausbeutung und die Gewalt, die ihr nun begegnet entwickelt sie eine Psychose und wünscht sich bald, so stark und unbekümmert zu sein wie eine Pflanze. Charaktere: Yeong-Hye ist der Hauptcharakter, obwohl ihre Gedanken nur im ersten Abschnitt kurz Erwähnung finden. Sie ist ein stiller, in sich gekehrter und sehr sensibler Charakter. Durch die ständige Gewalt von klein auf und die Emotionslosigkeit und Lieblosigkeit im Erwachsenenalter zerbricht sie. Sie versucht sich selbst zu retten, indem sie gegen das Nutzen toter Tiere rebelliert, was ihr noch mehr Gewalt und Gegenwind einbringt. Auch wenn sie verrückt zu sein scheint, hat sie mich bis zum Schluss beeindruckt. Sie trotzt allen Wiederständen und irgendwie konnte ich sie, nachdem ihr Leben einmal grob Revue passiert war, verstehen. Ihr Schwager ist ein sehr emotionaler, verweichlichter Künstler. Er nutzt die Schwäche und Verwirrtheit von Yeong-Hye schamlos aus und verschlimmert damit ihren Zustand dramatisch. Über seine Vorgehensweise war ich wirklich entsetzt- die Zeilen haben mich abgestoßen. In meinen Augen ist er derjenige, der unbedingt psychologische Hilfe erhalten sollte, doch er wird noch nicht einmal bestraft… Yeong-Hye´s Schwester ist im Grunde genommen genau wie sie, auch wenn sie stärker und selbstständiger erscheint. Sie musste nicht die Qualen der Kindheit erdulden und doch kämpft sie mit den gleichen Problemen. Sie hadert mit ihrem Leben, kämpft sich mit der Liebe zu ihrem Sohn durch eine tiefe Depression. Ich mochte ihren Charakter, weil sie ihrer Schwester bis zuletzt geholfen hat und immer an ihrer Seite stand. Schreibstil: Han Kang hat es geschafft, eine zerstörte Familie zu skizzieren, deren lose Fäden am Ende vollständig zerreißen. Sie dokumentiert sehr anschaulich und bildhaft, wie eine Frau in einem so traditionstreuen Land ausbricht und am Wiederstand der Umgebung zerschellt. Einige Szenen waren etwas abstrus, doch ich kann mir vorstellen, dass es Menschen gibt, die soetwas Schreckliches tatsächlich zu Stande bringen. Fazit: Ich vergebe an die Vegetarierin vier Sterne.  Den einen Stern habe ich abgezogen, weil mir der Schwager etwas zu überdreht vorkam und weil das Ende zu plötzlich war. Ich habe es lieber, wenn wenigstens ein kleiner Schlusssatz noch mit da steht.

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    • 2
  • Sehr beeindruckend!

    Die Vegetarierin

    Anne42

    28. May 2017 um 14:47

    Klappentext: Ein seltsam verstörendes, hypnotisierendes Buch über eine Frau, die laut ihrem Ehemann an Durchschnittlichkeit kaum zu übertreffen ist - bis sie eines Tages beschließt, kein Fleisch mehr zu essen.Aufgrund der Kürze des Buches (gerade einmal 190 Seiten) möchte ich keine großen Worte zum Inhalt verlieren, da ich niemanden "spoilern" möchte. Es geht, wie der Klappentext und der Titel schon verraten, um eine Frau, die beschließt, kein Fleisch mehr zu essen. Die Wandlung und Konzequenzen, die dies mit sich bringt, erleben wir aus drei verschiedenen Perspektiven. Jeder Buchabschnitt ist einer Perspektive gewidmet. Mein Eindruck: Dieser Roman ist einfach sehr sehr außergewöhnlich. Es fällt mir schwer, mein sehr gespaltenes Empfinden diesem Buch ggü in Worte zu fassen. Nach der lektüre habe ich einfach nur gedacht "was habe ich da gerade eigentlich gelesen". Und auch während des lesens habe ich oft inne gehalten und mich gefragt was das eigentlich hier alles soll. Es ist sehr bedrückend und sehr eindrucksvoll geschrieben, was mit der Frau (die Vegetarierin) passiert, nachdem sie beschließt, kein Fleisch mehr zu essen. Das hat mcih wirklich mitgenommen und auch ziemlich verstört.Also erstmal: Grandiose Idee und angenehmer bzw. passender SchreibstilABERWie schon geschildert, ist das Buch aus drei Perspektiven geschrieben. Leider ist keine der Perspektiven die Vegetarierin selbst, wodurch uns ihre eigenen Gefühle und Gedanken verborgen bleiben. Ich denke, das war mein Problem mit diesem Buch. Ich ahbe mich sehr schwer getan, mich in die Frau hinein zu versetzen. Aber vielleicht sollte ich das auch gar nicht... Wie auch immer, mich hätte es interessiert und es hat mir gefehlt, ihre Sicht der Dinge zu hören. Daraus folgte allerdings, dass ich aus diesem Buch nichts für mich oder mein Leben mitnehmen konnte, obwohl es mich so berührt hat. Was ich sehr schade finde. Ich werde aber definitiv noch mindestens ein weiteres Buch der Autorin lesen, einfach weil mcih ihre Art, eine Geschichte zu erzählen, so beeindruckt hat.

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  • *+* Han Kang: "Die Vegetarierin" *+*

    Die Vegetarierin

    Irve

    16. May 2017 um 16:10

    Yeong-Hye ist an Durchschnittlichkeit und Gewöhnlichkeit nicht zu übertreffen – dachte ihr Mann, und hat sie genau deshalb als Ehefrau gewählt. Schon bald trifft ihn eine Erkenntnis, die zunächst nur kleine Risse in die perfekte Fassade seines Lebens bringt, im Lauf der Zeit aber in einer Katastrophe endet. „In diesem Augenblick wurde mir klar, dass ich meine Frau nicht kannte.“ Der Ehemann, den eine erschreckende Gleichgültigkeit leitet, die nur vom Desinteresse an seiner Frau übertroffen wird, weiß überhaupt nichts mit Yeong-Hyes Rebellion anzufangen. Alles beginnt ganz harmlos- Die Ehefrau ist doch nicht so durchschnittlich und gewöhnlich wie erhofft. Sie fügt sich nicht stillschweigend in ihr Schicksal und verweigert eines Tages ihr automatisches Funktionieren. Yeong-Hye erledigt zwar nach wie vor ebenso leidenschaftslos ihre häuslichen und ehelichen Pflichten wie zuvor, aber die Unterwürfigkeit gegenüber dem sozialen Gefüge mit all seinen Regeln gibt sie durch ihr Verhalten sukzessive auf. Ob dies aus Nicht-Loyalität dem Regime gegenüber geschieht, aus persönlichen Gründen oder einer Kombination aus beiden, das wird nicht ganz klar. Was der Hörer als einzige Begründung für ihr Tun erfährt, ist lediglich, dass Yeong-Hye einen Traum hatte….. Die Frau beschließt von heute auf morgen, zur Vegetarierin zu werden. Das, obwohl die fleischlose Ernährungsform in Südkorea als stiller, subtiler Putschversuch im kleinen Rahmen gilt. Aber das interessiert die Normen durchbrechende Frau nicht. Schließlich hat sie diesen Traum, der sie verfolgt. Die einzige Möglichkeit, dieser Qual zu entkommen, ist für Yeong-Hye die Verbannung aller tierischen Produkte aus ihrem Leben. Ein kleiner Schritt, eine persönliche Entscheidung, die jedem selbst überlassen sei, sollte man meinen….. Weit gefehlt! Die Veränderung der Frau hat sehr unbequeme Folgen für ihren Ehemann. Mit der neuen Ernährungsform hätte er zur Not noch leben können, aber dass dieser revolutionäre Lebenswandel ihm beruflich Steine in den Weg legt, kann er nicht verwinden. Darüber hinaus bleibt es nicht dabei, dass die nun nicht mehr durchschnittliche und fügsame Ehefrau „nur“ zum Vegetarismus übergegangen ist… Yeong-Hye tat mir sehr leid. Ihre Rebellion schien nicht gegen das koreanische System zu gehen. Viel mehr wirkt sie mir tiefgreifend unzufrieden und unglücklich zu sein. Sie spielt ihre Rolle der fügsamen, mundtoten Ehefrau, macht so lange gute Miene zum bösen Spiel, bis die Verzweiflung sie schon bis in ihre Träume verfolgt. Die Schlüsse, die sie daraus zieht, und die daraus resultierende Veränderung ihres Verhaltens muten wie stumme Hilfeschreie an – die leider niemand versteht, oder niemand verstehen will. Denn Verhaltensweisen, die es nicht geben darf, kann es schließlich auch nicht geben. Yeong-Hyes Familie kümmert sich – allerdings auf eine sehr fragwürdige Weise. Die Frau hat wieder zu gehorchen und Fleisch zu essen, dazu ist jedes Mittel recht, alles andere interessiert nicht! Niemand macht sich die Mühe, zu hinterfragen, warum die verzweifelte Ehefrau so handelt, wie sie es tut. Yeong-Hye zieht sich immer mehr aus ihrer Rolle als Ehefrau, Tochter, Schwester und Tante heraus und flüchtet in ihre eigene Welt. Man mag ahnen, wohin dieser Weg Yeong-Hyes führen könnte, wenn nicht endlich jemand aus der richtigen Motivation heraus eingreift….. Die Protagonisten wirken trotz ihrer stellenweise puristischen Ausarbeitung – oder vielleicht auch gerade deshalb – sehr intensiv auf mich. Die Aura, die sie alle umgab, war fast sichtbar und zu spüren, vor allem Yeong-Hye und ihre Schwester, deren Rolle im Verlauf des Romans immer größer wird, werden immer greifbarer. Manchmal beschlich mich das Gefühl, ich bräuchte nur den Arm ausstrecken und würde die Hand der Hauptfigur greifen können, um ihr Trost zu spenden und ihr beizustehen. Sympathisch waren mir lediglich die Vegetarierin selbst und später zunehmend auch ihre Schwester, die nach und nach zu begreifen scheint, was in der Schwester vorgeht. Alle anderen Protagonisten glänzen durch ihre blinde Funktionalität und Gleichgültigkeit. Sie lassen jegliches Einfühlungsvermögen und auch nur den kleinsten Ansatz an Empathie vermissen. Selbst als man sich vermeintlich einfühlsam der Frau zuwendet, geschieht dies aus purem Egoismus…. Der Klappentext des Hörbuchs bemerkt, „Die Vegetarierin“ sei „ein seltsam verstörendes, hypnotisierendes Buch.“ Dem stimme ich uneingeschränkt zu. Verstörend war für mich jedoch nicht das, was Yeong-Hye tat, sondern die Art und Weise, wie ihr unmittelbares Umfeld damit umging. Denn wenn die Würde eines Menschen missachtet wird, ist das sehr verstörend und entsetzend. Hypnotisierend sind der Stil, die sprachliche Umsetzung, die inhaltlich Füllung der grauen Geschichte, aus der trotz einiger bunter Farbtupfer nicht eine fröhliche, prächtige Blumenwiese des Lebens heranwachsen konnte. Der Erzählton und Inhalt sind sehr facettenreich, schwanken zwischen nüchtern, lebendig, ästhetisch (und nicht ganz jugendfrei), plakativ, oberflächlich und tiefgreifend, dramatisch und deprimierend. Eine Mischung, so vielfältig und abstrakt wie das Leben selbst – und einem offenen Ende, das die Hörer zum weiteren Nachdenken und Sinnieren einlädt. Sehr gut haben dir drei Sprecher Rike Schmid, Thomas Loibl und Devid Striesow sich in ihre jeweilige Erzählperspektive hineinversetzt und tragen die vielfältigen Stimmungen überzeugend an die Hörer heran. So wurden die Charaktere glaubhaft und lebendig und verliehen dem Roman einen authentischen Mantel. „Die Vegetarierin“ ist für mich schon jetzt eines der Hörbuch-Highlights des Jahres! Inhalt Yeong-Hye und ihr Ehemann sind ganz gewöhnliche Leute. Er geht beflissen seinem Bürojob nach und hegt keinerlei Ambitionen. Sie ist eine zwar leidenschaftslose, aber pflichtbewusste Hausfrau. Die angenehme Eintönigkeit ihrer Ehe wird jäh gefährdet, als Yeong-Hye beschließt, sich fortan ausschließlich vegetarisch zu ernähren und alle tierischen Produkte aus dem Haushalt entfernt. »Ich hatte einen Traum«, so ihre einzige Erklärung. Ein kleiner Akt der Unabhängigkeit, aber ein fataler, denn in einem Land wie Südkorea, in dem strenge soziale Normen herrschen, gilt der Vegetarismus als subversiv. Doch damit nicht genug. Bald nimmt Yeong-Hyes passive Rebellion immer groteskere Ausmaße an. Sie, die niemals gerne einen BH getragen hat, fängt an, sich in der Öffentlichkeit zu entblößen und von einem Leben als Pflanze zu träumen. Bis sich ihre gesamte Familie gegen sie wendet. Autorin Han Kang wurde in Gwangju, Südkorea, geboren. 1993 debütierte sie als Dichterin, ihr erster Roman erschien 1994. Für ihr literarisches Schreiben wurde sie mit dem Yi- Sang-Literaturpreis, den Today’s Young Artist Award und dem Manhae Literaturpreis ausgezeichnet. Derzeit lehrt sie kreatives Schreiben am Kulturinstitut Seoul. Sprecher Rike Schmid liest mit ihrer selbsbewussten Stimme Hörbücher und dreht international Filme. Thomas Loibl, geboren 1969, absolvierte seine Ausbildung an der Schauspielschule Bochum und ist seit 2001 Ensemblemitglied am Bayerischen Staatsschauspiel. Devid Striesow, gebürtiger Rügener, wurde auf den Bühnen von Hamburg und Düsseldorf zum umjubelten Theaterschauspieler. Auf der Leinwand glänzte der Grimme-Preisträger in Filmen wie Yella oder So glücklich war ich noch nie. Als Tatort-Kommissar ist er ab 2013 regelmäßiger Gast in vielen deutschen Wohnzimmern.

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  • Eine literarische Perle aus Südkorea

    Die Vegetarierin

    kornmuhme

    14. May 2017 um 22:13

    Inhalt: Von einem Tag auf den anderen verändert sich Yong-Hye. Sie, die von ihrem Ehemann als absolut durchschnittlich und unscheinbar beschrieben wird, isst plötzlich kein Fleisch und auch sonst keine tierischen Produkte mehr. Wegen eines Traums, wie sie sagt. Ihr familiäres Umfeld kann damit überhaupt nichts anfangen, wird in Südkorea doch gerne und viel Fleisch gegessen. Dieser plötzliche Veganismus Yong-Hyes kommt einem Affront gleich, die Eltern sprechen gar von Ungehorsam. Man will sie zwingen, wieder "normal" zu werden. Doch Yong-Hye bleibt dabei, und nach und nach wird deutlich, dass sie psychisch krank ist. Sie wird immer verschlossener, zieht sich in sich selbst zurück, möchte viel lieber eine Pflanze sein, die sich nur noch von Licht und Wasser ernährt. Sie isoliert sich, als einzige hält noch ihre Schwester In-Hye zu ihr, doch auch sie vermag nicht mehr an Yong-Hye heranzukommen ... Meinung: Was kann man tun, wenn man einen Menschen nicht mehr versteht, seine Gedanken und Entscheidungen nicht mehr nachvollziehen kann und mit ansehen muss, wie dieser Mensch vor die Hunde geht? In drei Episoden aus drei unterschiedlichen Perspektiven werden Yong-Hyes Veränderung und die Reaktionen, die sie damit auslöst, beschrieben und beleuchtet. Da ist ihr Ehemann, eine lieblose und egoistische Gestalt, der in Yong-Hye eigentlich nur eine Frau für seine Bedürfnisse und die gesellschaftliche Norm sieht. Er kommt, neben ihren Eltern, am wenigsten mit Yong-Hyes Veränderung zurecht. Ein wenig Verständnis und Zuneigung erhält sie von ihrem Schwager, einem Video-Künstler, der langsam eine Obsession für Yong-Hye entwickelt, weil sie eben so ganz anders als die ihm bekannten Frauen sind. Seine erotischen Visionen mit ihr möchte er in einem Video verwirklichen. Zum Schluss begleiten wir In-Hye, die ihre Schwester in der Psychiatrie besucht. Mittlerweile hat Yong-Hye die Nahrungsaufnahme komplett eingestellt und sich von ihrer Umwelt abgekapselt. Es bleibt nur die Zwangsernährung. Dieses Buch wird lange in mir nachhallen, das kann ich jetzt schon sagen! Das liegt sicherlich auch an dem Schreibstil, der zwar sehr nüchtern daherkommt, aber dadurch umso intensiver auf den Leser einwirkt. Es hat mich sehr betroffen gemacht, wie Yong-Hye, aber auch einige andere Charaktere, so sehr in ihren Leben gefangen sind, aus denen sie so gern ausbrechen wollen, aber so oft scheitern. Nach und nach werden Schichten freigelegt, die eine gemarterte Psyche zeigen. Man möchte helfen, aber es geht einfach nicht, weil man niemals in der Haut des Gegenübers steckt. Auch die Episode aus Sicht des Schwagers hat mir sehr gut gefallen. Erst war ich angesichts des Perspektivwechsels überrascht, aber es hat sich schnell alles harmonisch gefügt. Was macht jemand, der tiefe erotische Phantasien, ja, Visionen hat und spürt, dass er so, wie er bisher gelebt hat, nicht weitermachen kann? Kann dieses Fieber, dieses Feuer in einem gelöscht werden? Hin und wieder gibt es kleine Hinweise darauf, warum Yong-Hye sich plötzlich so verändert - Indizien, die darauf schließen lassen, dass ihr Verhalten nicht von ungefähr kommt. Ich fand es allerings gut, dass die Autorin sich dahingehend so bedeckt gehalten hat, so ergeben sich viele Spiel- und Gedankenräume. Fazit: Manchmal hat mich dieser kurze Roman an Franz Kafka erinnert, der sich auch oft mit dem Thema des vergeblichen Entkommens beschäftigt und auch ähnlich nüchtern schreibt. Mich hat das Buch sehr zum Nachdenken angeregt und mir noch einmal deutlich gezeigt, dass wirkliches Verstehen anderer Personen, vor allem jener mit einer psychischen Erkrankung, eigentlich nicht möglich, aber oftmals sehr verstörend und faszinierend sein kann. 5 von 5 Sternen

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    • 4
  • "Lasst mich eine Pflanze werden"

    Die Vegetarierin

    simone_richter

    29. April 2017 um 15:15

    Klappentext: Die Vegetarierin ist eine kafkaeske Geschichte in drei Akten über Scham und Begierde, Macht und Obsession sowie unsere zum Scheitern verurteilten Versuche, den Anderen zu verstehen, der ja doch, wie man selbst, Gefangener im eigenen Leib ist. Der Roman wurde mit dem Man Booker International Prize 2016 ausgezeichnet. Ein Roman aus Südkorea, der mich wirklich aufgewühlt zurückgelassen hat, allerdings positiv. Schon das Titelbild macht deutlich, dass es in dem Buch um Lust und Sinnlichkeit - gehen wird: rote Orchideenblüten, Rindfleisch, mit Fingern einer Hand und einer Zunge geschmückt. Das allein hat mich schon neugierig gemacht. Eine durchschnittliche Frau, die junge Yong-Hye, wird in diesem schmalen Buch total aus ihrem Leben herausfallen. Die Frau isst kein Fleisch mehr, will sich ihrem nach Fleisch stinkenden Mann nicht mehr hingeben, die Familie bedrängt sie und der Vater schlägt sie sogar. Im rückständigen Südkorea wird Fleischessen noch mit Potenz und Reichtum verbunden. Ihr Vegetarismus wird zur Krankheit und sie sogar in die Psychatrie eingeliefert. Zum Schluss fragt Yong-Hye, die einzig gebliebene Schwester: "Ist es denn verboten zu sterben?" Sie will sich einfach nur als abhängige Untertänin, unterdrückten Sehnsüchten, von Pflichtbewusstsein und hemmenden Ängsten befreien. Das ist große Erzählkunst - tiefgründig und schonungslos direkt. Schönheit, Grausamkeit und Bitterkein liegen nah beieinander. Mich hat diese Intensität mitgerissen.

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  • "Ich brauche keine Nahrung, ich brauche nur Sonne"

    Die Vegetarierin

    Ambermoon

    28. April 2017 um 11:09

    »Bevor meine Frau zur Vegetarierin wurde, hielt ich sie für nichts Besonderes. Bei unserer ersten Begegnung fand ich sie nicht einmal attraktiv. Mittelgroß, ein Topfschnitt, irgendwo zwischen kurz und lang, gelbliche unreine Haut, Schlupflider und dominante Wangenknochen. So fühlte ich mich weder von ihr angezogen noch abgestoßen und sah daher keinen Grund, sie nicht zu heiraten.«Yeong-Hye und ihr Ehemann sind ganz gewöhnliche Leute. Er geht beflissen seinem Bürojob nach und hegt keinerlei Ambitionen. Sie ist eine zwar leidenschaftslose, aber pflichtbewusste Hausfrau. Die angenehme Eintönigkeit ihrer Ehe wird jäh gefährdet, als Yeong-Hye beschließt, sich fortan ausschließlich vegetarisch zu ernähren und alle tierischen Produkte aus dem Haushalt entfernt. »Ich hatte einen Traum«, so ihre einzige Erklärung. Ein kleiner Akt der Unabhängigkeit, aber ein fataler, denn in einem Land wie Südkorea, in dem strenge soziale Normen herrschen, gilt der Vegetarismus als subversiv. Doch damit nicht genug. Bald nimmt Yeong-Hyes passive Rebellion immer groteskere Ausmaße an. Sie, die niemals gerne einen BH getragen hat, fängt an, sich in der Öffentlichkeit zu entblößen und von einem Leben als Pflanze zu träumen. Bis sich ihre gesamte Familie gegen sie wendet....(Klappentext)                                     --------------------------------Der Titel des Buches ist nicht ganz korrekt und sollte eigentlich "Die Veganerin" heißen, denn Yong-Hye beschließt von einem Tag auf den anderen keinerlei tierischen Produkte mehr zu essen. Der Grund - sie hatte einen Traum.Im ersten Teil wird dies aus der Sicht ihres Mannes erzählt und das auf erschreckende kalte Art und Weise. Im Grunde sorgt er sich nur welche Auswirkungen das Ganze auf ihn hat. Yong-Hye kommt nur selten zu Wort, dafür sind diese, in Kursivschrift gehaltenen Passagen, umso gewaltiger und verstörender. Dadurch wird klar, dass der Schmerz viel tiefer sitzt, bereits in ihrer Kindheit begann zu reifen und sie nun knapp vor dem Abgrund steht. Es ist eine Rebellion ihrerseits gegen die Welt und gegen sich selbst, die sich in einer krankhaften Obsession manifestiert.Der zweite Teil des Buches wird aus der Sicht ihres Schwagers Han-Kang erzählt, einem erfolglosen Videokünstler und ebenfalls Gefangener seiner selbst. Auch er hegt eine geheime Obsession. Er fühlt sich vom Mongolenfleck seiner Schwägerin sexuell angezogen und diese Leidenschaft scheint Überhand zu nehmen und lässt ihn alles andere vergessen, bis er dieser Leidenschaft nachgibt und seine Schwägerin Yong-Hye dadurch in den Abgrund reißt.Der dritte Teil wird aus der Perspektive von In-Hye erzählt, der Schwester von Yong-Hye und Gattin Han-Kang's.Der physiche und psychische Zustand von Yong-Hye hat sich mittlerweile stark verschlechtert und sie wurde in eine psychiatrische Klinik eingeliefert. In-Hye steht weiterhin zu ihr, besucht sie regelmässig und versucht ihr Bestes ihre Schwester in die reale Welt zurückzuholen. Der Leidensweg ihrer Schwester lässt In-Hye über ihr eigenes Leben nachdenken, sowie über ihren eigenen Wunsch vor Allem flüchten zu wollen. Auch hier wird klar, dass sie eine Gefangene ihrer selbst ist.Dieses Buch ist keineswegs leicht zu lesen, behandelt es doch Themen wie Magersucht, krankhafte Obsessionen, welche Auswirkungen diese auf die Mitmenschen haben und zwar mit all den Gefühlen wie Schuld und Ohnmacht. Es erzählt wie einem Gefühle in den Abgrund reißen können und sich in verstörenden Handlungen äußern, welche nur für den Betroffenen selbst als logisch erscheinen, sowie vom Wunsch verschwinden, bzw. etwas anderes sein zu wollen.Die Autorin bedient sich hierbei einer flüssigen, aber sehr ungeschönten Sprache und lässt den Leser direkt in die Abgründe einer kranken Seele blicken. Dies ist mitunter verstörend, provozierend und vor allem heftig.Ebenso wird die Hilflosigkeit von Betroffenen, sei es von den Erkankten selbst, als auch die der Außenstehenden, thematisiert.Obwohl dieses Buch auch Einblicke in die koreanische Lebensweise gibt, könnte diese Geschichte ebenso in Europa angesiedelt sein.Betrachte man nur die vielen Patienten/Innen auf Psychosomatischen Krankenstationen.Fazit:Obwohl dieses Buch teilweise verstörend, provozierend und abgründig ist, übte es doch einen merkwürdigen Sog auf mich aus (oder etwa gerade deshalb?). Man blickt hier hinter die Fassade einer kranken Seele und das auf eine sehr heftige und ungeschönte Weise.Das Buch ist zwar aus literarischer Sicht vielleicht nicht ungewöhnlich, aber vom psychologischem Standpunkt aus betrachtet einfach top.

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    • 7
  • LovelyBooks Romane-Challenge 2017: Die Challenge mit Niveau

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    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2017 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2017 bis 31.12.2017 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2017 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Nimmst du die Herausforderung an? Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2017 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema. Ich freue mich auf viele Anmeldungen! Teilnehmer: AgnesM aljufa Ancareenanneschuessler anushka Arietta ArizonaAspasia ban-aislingeachbanditsandra Barbara62 blaues-herzblatt BookfantasyXY bookgirl Buchina Buchraettinc_awards_ya_sin CaroasCaro_LesemausCornelia_Ruoff Corsicana Curin cyrana czytelniczka73 dia78 DieBerta Dionemma_vandertheque erinrosewell Federfee Flocke86 Fornika Frau_J_von_T Gela_HK Ginevra Gruenentegst Gwendolina hannelore259 imitas Insider2199 Isaopera jenvo82 JoBerlin kalestraKatharina99 katrin297Katze21 krimielse lesebiene27 leselea LibriHolly maria1 Maritzel marpije Mercado Miamou Mira20 miro76  miss_mesmerized moni_lovesMotte_muqqel Nane_M naninka Nilonce-upon-a-time parden Petris Pocci Sandra_Halbesar89 schokoloko29 serendipity3012 SikalSimi159 sofie solveig SorR StefanieFreigericht Sumsi1990 suppenfee Susibelle TanyBee Tinchen07 TochterAliceulrikerabe vielleser18 Weltensucher Xirxe xlxn Yolande

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    • 1883
  • Rezension zu "Die Vegetarierin" von Han Kang

    Die Vegetarierin

    SomeBody

    25. April 2017 um 11:42

    Ich weiß im Nachhinein wirklich nicht mehr, was mich überhaupt zum Lesen des Buches veranlasst hat. Vielleicht, weil es hier und da doch relativ heftig diskutiert wurde oder weil es oft hieß, es sei etwas ganz Besonderes? Dieses vermeintlich Besondere hat sich mir jedoch leider nicht offenbart. Auf den Nenner gebracht: Ich konnte einfach keinen Zugang finden – weder über die (in meinen Augen oft sinnlos brutal „banal“ dargestellte) Handlung noch über die Charaktere. Fazit: Schade, dieses Buch war leider nichts für mich, habe vielleicht aber auch einfach etwas anderes erwartet. ;)

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  • "Ich hatte einen Traum"...

    Die Vegetarierin

    smayrhofer

    18. April 2017 um 09:55

    … antwortet Yeong-Hye, wenn sie gefragt wird, warum sie kein Fleisch mehr isst. Doch dabei bleibt es nicht: Die bis dahin eher unscheinbare Frau isst immer weniger, wird dünner und dünner und träumt schließlich von einem Leben als Pflanze. In drei Akten bzw. Kapiteln nähern wir uns der Thematik auf unterschiedliche Art: Zunächst berichtet Yeong-Hyes Ehemann als Ich-Erzähler über die Anfänge. Dabei zeigt sich, dass in einem Land, in dem Fleischkonsum einen hohen Stellenwert hat, niemand verstehen kann oder will, was Yeong-Hye fühlt oder denkt. Im zweiten Kapitel wechselt die Perspektive zu einem „neutralen“ Erzähler, allerdings mit Fokus auf Yeong-Hyes Schwager, der eine regelrechte Obsession für seine Schwägerin entwickelt. Dass das zu keinem guten Ende führt, ist abzusehen. Im dritten und letzten Kapitel schließlich liegt der Fokus auf Yeong-Hyes Schwester, die die einzige ist, die sich nach wie vor um Yeong-Hye kümmert. Diese ist mittlerweile in einer psychiatrischen Klinik und verweigert jede Form der Essensaufnahme.Alles in allem lässt mich dieser Roman, der 2016 mit dem renommierten „Man Booker International Prize“ ausgezeichnet wurde, mit gemischten Gefühlen zurück. Die Handlung hat mich zunächst nicht sonderlich mitgerissen, aber je mehr man sich mit der Geschichte und den handelnden Personen beschäftigt, umso mehr wirkt es nach. Die Grenze zwischen Realität und Fantasie beginnt zu verschwimmen, und es offenbaren sich tiefe Abgründe: Da sind auf der einen Seite die teilweise irrational anmutenden Träume und Fantasien, die bis zur Selbstzerstörung führen können (nicht nur bei Yeong-Hye). Auf der anderen Seite stehen die Personen, die scheinbar rational denken, aber den Träumen und Fantasien ihrer Mitmenschen hilflos gegenüber stehen und nur mit Unverständnis bzw. Ablehnung reagieren. Verstärkt wird dieses Problem durch die herrschenden, gesellschaftlichen Normen, die in Südkorea wohl noch einen höheren Stellenwert haben als bei uns. Beide Seiten können letztendlich nicht zueinander finden; und so bleibt am Ende nur Ratlosigkeit zurück. Nicht nur bei den Protagonisten, sondern auch bei mir: es bleiben viele Fragen offen und – um es positiv auszudrücken – viel Spielraum für Interpretation. „Die Vegetarierin“ ist ein Buch, das lange nachwirkt. Teilweise sehr real erzählt, aber mit vielen surrealen Elementen gespickt. Und gerade diese gehen einem lange nicht aus dem Kopf. Wer sich auf diese Traumwelt einlässt, für denn kann dieses Buch ein kurzweiliges Lesevergnügen sein. Wer eher geradlinige Geschichten mag, sollte besser die Finger davon lassen… 

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  • Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017

    Warum Lesen glücklich macht

    GrOtEsQuE

    Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017 Achtung - es handelt sich nicht um eine Leserunde sondern eine Challenge zum SUB-Abbau!!! Es werden keine Bücher verlost. Ich habe es nur als Leserunde erstellt, damit das Ganze etwas übersichtlicher wird.Ich möchte mich 2017 mehr dem SUB-Abbau widmen, daher habe ich mir überlegt eine Challenge zu erstellen. Die Regeln möchte ich so einfach wie möglich halten - es soll ja auch Spaß machen und nicht in Stress ausarten.Es wird jeden Monat ein anderes Motto geben. Für die zum Monatsmotto passenden Bücher, gibt es jeweils einen Extrapunkt. Das Monatsmotto werde ich immer Ende des Vormonats im entsprechenden Unterthema bekannt geben. Den Extrapunkt kann man mehrmals im Monat sammeln, wenn man genügend passende Bücher für das Motto hat.Jeder der mitmachen möchte, postet bitte im Unterthema Sammelbeiträge seinen Sammelbeitrag. Ich werde dann jeden Monat hier im Startbeitrag die Punkte aktualisieren. Bei den einzelnen Sammelbeiträgen ist mir eigentlich nur wichtig, dass in der ersten Zeile die Gesamtpunktzahl steht, ansonsten kann jeder seinen Beitrag so gestalten wie er möchte - entweder nur die Punkte aufschreiben oder auch das gelesene Buch benennen.Man kann jederzeit noch einsteigen - einfach einen Sammelbeitrag posten und los gehts!!! Rezensionen sind keine Pflicht. Es gelten alle Bücher, die in 2017 beendet werden, man kann also ruhig auch die in 2016 angefangen erst in 2017 beenden. Die Punkteverteilung sieht wie folgt aus: Für jedes gelesene Buch gibt es einen Punkt. Für jedes gelesene Buch, was vor 2017 auf dem SUB gelandet ist, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 400 Seiten hat, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 600 Seiten hat, gibt es zwei Extrapunkte. Für jedes gelesene Buch, was zum Monatsmotto passt, gibt es einen Extrapunkt. Für Comics und Mangas werden nur die Hälfte der Punkte vergeben. Hörbucher zählen auch. Bei den Extrapunkten für die Seiten einfach an dem "echten" Buch orientieren. Wenn es sich um die gekürzte Fassung des Hörbuchs handelt, dann ein dreiviertel der Seiten. (Also mal angenommen das Buch hat 400 Seiten und du hast die gekürzte Fassung des Hörbuchs, zählt es nur für 300 Seiten, also kein Extrapunkt.) Bereits früher gelesene Bücher zählen auch, aber hier gibt es den vor-2017-auf-dem-SUB-gelandet-Punkt nicht, da die Bücher ja nicht mehr zum SUB gehören. Im besten Fall kann man also 5 Punkte pro Buch erhalten. Wer noch Fragen hat, kann sie im Unterthema für Fragen stellen. Nun hoffe ich auf eine rege Teilnahme und wünsch uns schon mal viel Spaß :-) Teilnehmer --- Gesamtpunktzahl --- zuletzt aktualisiert 20.10.2017: _Jassi                                           ---  77 Punkte AmberStClair                             ---   69 Punkte (Gesamtpunkte angeben) Arachn0phobiA                         ---   259 Punkte Astell                                           ---    9 Punkte BeeLu                                         ---   92 Punkte Bellis-Perennis                          ---  691 Punkte Beust                                          ---   352 Punkte Bibliomania                               ---   233 Punkte Buecherkaetzchen                   ---   48 Punkte Buchgespenst                         ---  444,5 Punkte ChattysBuecherblog                --- 285 Punkte Buchperlenblog (CherryGraphics)  ---   154,5 Punkte Code-between-lines                ---  154 Punkte DieBerta                                    ---   ?  Punkteeilatan123                                 ---   80 Punkte Eldfaxi                                       ---   52 Punkte Farbwirbel                                ---   46 Punkte fasersprosse                            ---    35 PunkteFrau-Aragorn                           ---   216 Punkte Frenx51                                     ---  103 Punkte glanzente                                  ---   94 Punkte GrOtEsQuE                               ---   84 Punkte hannelore259                          ---   78 Punkte hannipalanni                           ---   181 Punkte Hortensia13                             ---   148 Punkte Igelchen                                    ---   26 Punkte Igelmanu66                              ---  191 Punkte janaka                                       ---   118 Punkte Janina84                                   ---    95 Punkte jasaju2012                               ---   20 Punkte jenvo82                                    ---   135 Punkte kalestra                                    ---   33 Punkte Kattii                                         ---   88 Punkte Katykate                                  ---   121 Punkte Kerdie                                      ---   239 Punkte Kleine1984                              ---   145 Punkte Kuhni77                                   ---   129 Punkte KymLuca                                  ---   110 Punkte LadyMoonlight2012               ---   29 Punkte LadySamira090162                ---   285 Punkte Larii_Mausi                              ---    63 PunkteLeif_Inselmann                       ---   40,5 Punkteleseratte89                               ---   50 Punkte Leseratz_8                                ---   18 Punktelisam                                          ---   257 Punkte louella2209                            ---   69 Punkte lyydja                                       ---   94 Punkte mareike91                              ---    47 Punkte MissSnorkfraeulein                  ---  44 Punkte MissSternchen                          ---  55 Punkte mistellor                                   ---   181 Punkte Mone97                                    ---   55 Punktemy_own_melody                     ---   18 Punktenaevia                                        ---   17 Punktenatti_Lesemaus                        ---  148 Punkte Nelebooks                               ---  245 Punkte niknak                                       ----  313 Punkte nordfrau                                   ---   143 Punkte PMelittaM                                 ---   242 Punkte PollyMaundrell                         ---   34 Punkte Pucki60                                        --- 37 Punkte QueenSize                                 ---   132 Punkte readergirl                                   ---    5 Punkte Readrat                                      ---   67 Punkte SaintGermain                            ---   139 Punkte samea                                           --- 76 PunkteSandkuchen                              ---   241 Punkteschadow_dragon81                  ---   92 Punkte Schmiesen                                  ---   195 Punkte Schokoloko29                            ---   35 Punkte Somaya                                     ---   315 Punkte SomeBody                                ---   189,5 Punkte Sommerleser                           ---   215 Punkte StefanieFreigericht                  ---   236,5 Punkte tlow                                            ---   165 Punkte Veritas666                                 ---   151 Punkteverruecktnachbuechern         ---   97 Punktevielleser18                                 ---   131 Punkte Vucha                                         ---   151 Punkte Wermoeve                                 ---   17 Punkte widder1987                               ---   69 Punkte Wolly                                          ---   184 Punkte Yolande                                       --   189 Punkte

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    • 2500
  • Löst einen merkwürdigen Sog beim Lesen aus...

    Die Vegetarierin

    hello_marlie

    06. April 2017 um 20:20

    Ganz zufällig und ohne, dass ich es eigentlich auf meiner Wunsch-Lese-Liste hatte, kam ich dazu, dieses Buch zu lesen. Weder die Thematik, noch der Titel haben mich so überzeugt, dass ich es mir überhaupt merken wollte, nachdem ich es entdeckt hatte, und trotzdem kam ich vom Lesen nicht mehr weg, bis ich es zuende gelesen hatte. So eine seltsame Wirkung haben Bücher eigentlich selten auf mich. Wenn mir ein Buch so gar nicht zusagt, les ich es erst gar nicht oder leg es tatsächlich nach ein paar Seiten wieder weg. Die Gründe, weshalb ich es schließlich doch zuende gelesen habe, lassen sich nicht so klar definieren, die Handlung lässt sich in wenigen Sätzen beschreiben, es passiert tatsächlich nicht sehr viel in dieser Geschichte, doch die Geschichte hatte einen merkwürdigen Sog auf mich. Im Kurzen zusammengefasst, geht es um eine Südkoreanerin, deren Leben und Ehe nicht wirklich auffallend oder bemerkenswert zu beschreiben ist. Der Ehemann, aus dessen Sicht der erste Teil des Romans auch geschrieben ist, gibt sogar selbst offen zu, er habe seine Frau nur geheiratet, weil sie an Durchschnittlichkeit kaum zu übertreffen sei. Das ruhige und unspektakuläre Leben der beiden ändert sich jedoch schnell, als die Frau beschließt, Vegetarierin zu werden. Dieses zum Teil sehr radikal ausgeführte Vegetarier-Dasein kann von ihr weder rational erklärt werden, noch können ihre Familie und Freunde den richtigen Draht zu ihr knüpfen, um ihr Beistand oder Unterstützung zu sein. Diese Kluft zwischen der vernünftig erscheinenden Denkweise der Verwandten und der immer verrückter werdenden Obsession der Protagonistin führen durch mehrere Zwischenfälle schließlich zu einem grotesken und zugespitzten Fiasko. Die Art und Weise, wie Han Kang es schafft, den Leser zusehends in eine so seltsame kafkaeske Szene reindenken zu lassen ist wahrlich bemerkenswert. Beim Lesen ist man zum Teil angeekelt, zum Teil fasziniert und doch kann man sich auf irgendeine komische Art in die Protagonistin hineinversetzen, obwohl nicht immer alles nachvollziehbar erscheint. Nicht alle drei Teile des Romans haben mir gleich gut gefallen, an manchen Stellen wurde mir das Thema zu offensichtlich auf die sexuell-psychologische Ebene abgeleitet, was für mich irgendwie wenig Sinn machte, an anderen fehlte mir die Aufklärung und das Eingehen auf die inneren Ereignisse der Protagonistin, was aber von der Autorin bestimmt mit Absicht weggelassen wurde. Trotz allem ein fesselndes Buch, das durch die Schlichtheit in der Sprache und die Absurdität der Begebnisse besticht.

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  • Gelesen: Englische Übersetzung "The Vegetarian"

    Die Vegetarierin

    ErinaSchnabu

    05. April 2017 um 19:05

    or ein paar Wochen ging ich durch die Bücherei und entdeckte „Die Vegetarierin“ auf Englisch. Dieser Roman stand auf meiner Wunschliste und ein englisches Buch wollte ich ohnehin mal wieder lesen, also nahm ich die englische Übersetzung des Bestseller-Romans kurzerhand mit und begann zu lesen.InhaltDie laut ihrem Ehemann völlig unscheinbare und durchschnittliche junge Frau Yeong-Hye beschließt plötzlich, kein Fleisch mehr zu essen und verbannt alle tierischen Lebensmittel aus dem ehelichen Haushalt. Dabei stößt sie auf völliges Unverständnis. Zuerst bei ihrem Mann, dann bei ihrem Umfeld und vor allem bei ihrer Familie. Ihr Mann holt Yeong-Hyes Familie dazu, um ihm dabei zu helfen, seine Frau wieder zur Vernunft zu bringen. Dies endet jedoch in einer Katastrophe und im Laufe des Romans erfahren wir aus der Perspektive von zwei weiteren Familienmitgliedern, wie sich Yeong-Hye verändert.MeinungDie Handlung des Romans kam anders als gedacht und lieferte einiges, was sehr unerwartet kam. Bevor ich das Buch las, dachte ich, „Die Vegetarierin“ ist ein emanzipatorischer Roman. Ich erwartete, dass es in diesem Roman darum geht, dass eine Frau sich, aufgrund gesellschaftlichen Drucks, in eine nicht wirklich berauschende Ehe begeben hat und dort ein unbefriedigendes Leben als Hausfrau führt und deshalb mit dem Fleischverzicht versucht, zu rebellieren.Vielleicht ist dem ja auch so. Vielleicht macht es einen Teil des Romans aus, denn es werden schon die gesellschaftlichen Umstände Koreas angeprangert, eine Gesellschaft, die einerseits modern, andererseits ziemlich konservativ zu sein scheint. Vegetarismus wird, zumindest im Roman, als aufmüpfiges Verhalten betrachtet, sofern man kein buddhistischer Mönch ist. Yeong-Hye verweigert ihrem Mann auch das Kochen von Gerichten mit Fleisch, weshalb sie sich meiner Meinung nach auch von der hausfräulichen Rolle entfernt, ihren Pflichten nicht mehr nach kommt. In einer solchen Gesellschaft, in der nicht nur der Mann, sondern auch die Familie und das Umfeld Sanktionen verhängt, wenn man seine Rolle nicht mehr erfüllt, hat man nicht viele Mittel, um aufzubegehren. Das Verbannen tierischer Produkte aus ihrer Küche, ihrem Reich als Hausfrau ist aber eines.Yeong-Hye hat außerdem eine Abneigung gegen BHs und trägt deshalb nie einen, was ihrem Mann überhaupt nicht gefällt. Sie sagt, sie könne darin nicht richtig atmen und fühle sich unwohl. Ihm hingegen ist es unangenehm, wenn er mit ihr in der Öffentlichkeit auftritt, da man ihre Brustwarzen durch die Bluse sehen kann.Auch dies ist ein Symbol von Freiheit und Rebellion, denke man bloß an die BH-Verbrennungen der 60er-Jahre.Jedoch ist der Roman „Die Vegetarierin“ nicht nur emanzipatorisch angelegt. Es handelt sich hierbei auch um die Geschichte einer Frau, deren mentaler Zustand sich verschlechtert und keiner um sie herum weiß, wieso. Als Leser kann man mutmaßen, dass es vielleicht daran liegt, dass Yeong-Hye in vielen Gefängnissen sitzt, aus denen sie kaum ausbrechen kann oder aus denen der Ausbruch nicht ohne Schmerzen erfolgt: In dem ehelichen, in dem patriarchischem, in dem sexistischen, in dem familiären, in dem gesellschaftlichen, was bestimmt, was psychische Gesundheit ist und was nicht.Die englische Übersetzung war relativ leicht zu lesen. Vor allem der erste Teil der Geschichte, erzählt aus der Sicht von Yeong-Hyes Ehemann, war ziemlich minimalistisch und nüchtern. Von Abschnitt zu Abschnitt wurde die Geschichte immer ausgeschmückter, der Schreibstil immer poetischer, was auch zu den einzelnen Personen passt, aus deren Sichtweise die Teile erzählt werden. Die drei Teile sind durch die Personenkonstellation miteinander verwoben und chronologisch aber keineswegs verwirrend. Jede der drei Personen erzählt zwar Yeong-Hyes Geschichte, aber auch die eigene. Jede der drei erzählenden Personen hat ihren eigenen "Struggle" im Leben und der momentanen Situation, mit Einsamkeit und dem Gefühl, nicht verstanden zu werden. Han Kang hat ein interessantes, bedrückendes -und wie viele sagen- kafkaeskes Werk geschaffen, das Lust auf mehr von dieser Autorin macht. Die Melancholie im Roman und die Art und Weise wie Sexualität dargestellt wird, erinnerte mich oftmals an japanische Literatur. Inwieweit da ein kultureller Zusammenhang zwischen japanischer und koreanischer Literatur (und Mentalität) besteht, kann ich aber leider nicht beurteilen.Ich bin mir aber sicher, dass das Buch nicht unbedingt etwas für zarte Gemüter ist und für Menschen, die heitere oder leichte Unterhaltung suchen.

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