Die Vegetarierin

von Han Kang 
3,3 Sterne bei27 Bewertungen
Die Vegetarierin
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

Positiv (12):
OliverBaiers avatar

verstörendes Hungerstreikszenario mit tollen Sprechern

Kritisch (3):
katha_strophes avatar

Leider inhaltlich komplett anders als erwartet und bizarr. Deswegen hat mir das Buch auch überhaupt nicht gefallen.

Alle 27 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Die Vegetarierin"

"Bevor meine Frau zur Vegetarierin wurde, hielt ich sie für nichts Besonderes. Bei unserer ersten Begegnung fand ich sie nicht einmal attraktiv. Mittelgroß, ein Topfschnitt, irgendwo zwischen kurz und lang, gelbliche unreine Haut, Schlupflider und dominante Wangenknochen. So fühlte ich mich weder von ihr angezogen noch abgestoßen und sah daher keinen Grund, sie nicht zu heiraten."

Yeong-Hye und ihr Ehemann sind ganz gewöhnliche Leute. Er geht beflissen seinem Bürojob nach und hegt keinerlei Ambitionen. Sie ist eine zwar leidenschaftslose, aber pflichtbewusste Hausfrau. Die angenehme Eintönigkeit ihrer Ehe wird jäh gefährdet, als Yeong-Hye beschließt, sich fortan ausschließlich vegetarisch zu ernähren und alle tierischen Produkte aus dem Haushalt entfernt.

"Ich hatte einen Traum," so ihre einzige Erklärung. Ein kleiner Akt der Unabhängigkeit, aber ein fataler, denn in einem Land wie Südkorea, in dem strenge soziale Normen herrschen, gilt der Vegetarismus als subversiv. Doch damit nicht genug. Bald nimmt Yeong-Hyes passive Rebellion immer groteskere Ausmaße an. Sie, die niemals gerne einen BH getragen hat, fängt an, sich in der Öffentlichkeit zu entblößen und von einem Leben als Pflanze zu träumen. Bis sich ihre gesamte Familie gegen sie wendet.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:B01MTXODC7
Sprache:Deutsch
Ausgabe:herunterladbare Audio-Datei
Verlag:Finch&Zebra
Erscheinungsdatum:09.12.2016
Das aktuelle Buch ist am 15.09.2017 bei Aufbau TB erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

Neu
3,3 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne2
  • 4 Sterne10
  • 3 Sterne12
  • 2 Sterne0
  • 1 Stern3
  • Sortieren:
    monerls avatar
    monerlvor 4 Monaten
    Entweder man kann sich drauf einlassen oder man findet es furchtbar

    Kurzmeinung:

    Genre: Roman

    Handlung: Das ursprünglich normale Leben dreier Familen wird durch die Entscheidung von Yeong-Hye Vegetarierin zu werden, zerrüttet. Die Eltern können das Verhalten ihrer jüngeren Tochter nicht akzeptieren und stoßen sich sehr daran, insbesondere der Vater. Die Ehe der älteren Schwester In-Hye zerbricht daran, dass der Ehemann eine Obsession zu seiner Schwägerin entwickelt. Und zu guter Letzt kann der Ehemann von Yeong-Hye mit ihrem krassen Wandeln nicht umgehen und nicht weiterleben, da sie auch sein berufliches Weiterkommen hemmt. Yeon-Hye verweigert jegliche Nahrung und lässt sich auch nicht zwangsernähren. Die Folgen sind ihr klar. Ihre Familie, außer ihre ältere Schwester, wendet sich deswegen von ihr ab.  

    Charaktere: Vier Figuren führen hier durch das Buch. Die Vegetarierin und ihr Ehemann Chong, die Schwester und ihr Ehemann (ohne Namen). Der Ausschnitt der Handlung ist für mich zu kurz um sagen zu können, wie gut die Autorin ihre Figuren charakterisiert hat. Ich konnte sie mir recht gut vorstellen, ihre Handlung(en) aber nicht immer nachvollziehen. Ob dies nun ein kulturelles Problem ist, da ich von Südkorea und asiatischen Gepflogenheiten wenig Ahnung habe oder ob mich die handlung zu sehr verstört hat, um mich auf was anderes zu konzentrieren, weiß ich jetzt nicht so genau. Vielleicht von allem etwas. Die Vegetarierin jedenfalls kommt von sich aus in diesem Buch nicht zu Wort. Sie wird durch ihren Ehemann, ihren Schwager und ihre Schwester beschrieben und charakterisiert. Gerne hätte ich ein viertes Kapitel gehabt, in dem alles aus Yeong-Hyes Augen geschildert wird und wir Antworten auf Fragen bekommen, die keiner aus ihr geben kann.

    Spannung: Dieses Geschichte lebt von keiner richtigen Spannung. Als Leser stellt man sich wohl die Frage, wie das Ganze enden könnte, denn viele Seiten hat das Buch nicht. Aber dieser Aspekt ist eher zweitrangig. Es ist die Handlung an sich und der Umgang der Charaktere mit der Entscheidung von Yeong-Hye, kein Fleisch mehr zu essen. Als spannend habe ich mein Warten auf die Auflösung des Motivs empfunden. Was genau trieb Yeong-Hye dazu, so zu handeln mit allen Konsequenzen? Ist sie psychisch krank, depressiv und lebensmüde? Was genau zwingt sie zu diesem Handeln?

    Schreibstil: Die Sprache ist klar und direkt. Aber dennoch so unglaublich erzählerisch, wenn man bedenkt, welche Themen genau behandelt werden: Sexualität und Mißbrauch in der Ehe, Gewalt in Familien, Individualisierung eines Menschen, Depression, Selbstbestimmung, Abgrenzung, Psychatrie usw.

    Ende: Eine surreale Geschichte, die sehr verstörend ist in ihrer Gesamtheit. Es fällt mir auch nicht leicht sie zu interpretieren. Um was genau geht es Han Kang? Sie behandelt viele Themen auf nur ca. 190 Seiten bzw. 5 einhalb Stunden und macht aufmerksam. Doch in dieser Zusammensetzung und extremen Ausführung habe ich so eine Themenvielfalt in noch keinem Buch gelesen. Ein trauriges Ende, ein logisches Ende, auch wenn ich die Motivation wohl nicht ganz verstanden habe.

    Hörbuch: Durch die drei unterschiedlichen Sprecher gibt es Abwechslung beim Hören. Doch hatte ich hin und wieder Probleme, die beiden männlichen Kapitel voneinander zu trennen. Insbesondere, da der eine Protagonist keinen Namen hat.

    Fazit: Ein Buch, das nicht verglichen werden kann. Es ist nicht schön und auch nicht angenehm zu lesen oder zu hören. Es ist skurril, verrückt und nicht nachvollziehbar. Es ist extrem, manchmal eklig, abstoßend und hin und wieder auch erotisch. Ein Buch, das ich kaum in Worte fassen kann. Entweder man kann sich darauf einlassen oder man findet es richtig furchtbar. Mich konnte es auf eine Weise begeistern, ohne dass ich es richtig beschreiben kann.

    Kommentieren0
    4
    Teilen
    Wortklaubers avatar
    Wortklaubervor 6 Monaten
    Die Vegetarierin

    An Yong-Hye ist alles durchschnittlich. Nicht hübsch, nicht hässlich. Ihr Ehemann hegte, als er sie kennenlernte, keine besondere Zuneigung für, aber auch keine Abneigung gegen sie, was sie in seinen Augen zur perfekten Heiratskandidatin machte. Sie bekocht ihren durchschnittlichen Ehemann und ist ihm eine durchschnittlich gute Frau, unauffällig und still, ohne mit ihrer Persönlichkeit groß in Erscheinung zu treten oder mit Eigenheiten für Unmut zu sorgen. Bis sie eines Tages aufhört, Fleisch zu essen. Diese eigentlich als persönliche Freiheit anzunehmende Entscheidung gerät selbst in einem Land, in dem Konformität über allem steht, nicht automatisch zu einem Skandal. Yong-Hyes Entscheidung ist allerdings nicht rein verstandes- und auch nicht rein gefühlsmäßig zu erklären. Yong-Hye driftet zunehmend in eine Parallelwelt ab. Sie meidet bald alles Fleischliche – konsequenterweise schließlich auch den Verkehr mit ihrem Ehemann. Als sie der dominante Vater bei einem gemeinsamen Essen dazu zwingen will, Fleisch zu essen, kippt die Situation vollends. Yong-Hye wird in ein Krankenhaus eingewiesen, in dem sie unangenehm auffällt, indem sie in der Öffentlichkeit ihren Oberkörper entblößt und der Sonne entgegenreckt – wie eine Pflanze, die Photosynthese zum Leben braucht. Yong-Hye will nicht nur kein Fleisch mehr zu sich nehmen, sondern im wahrsten Sinne des Wortes am liebsten selbst eine Pflanze sein. Für ihren Mann ist sie bald untragbar, er lässt sich von ihr scheiden. Dafür entwickelt der Mann ihrer Schwester eine im Keim immer vorhanden gewesene, bis dato in ihrer Wucht aber nie geahnte sexuelle Obsession für seine Schwägerin. Als Video-Künstler auf eingetretenen Pfaden unterwegs, beginnt ihn ihm eine Vision zu entstehen, die darin gipfelt, Yong-Hyes Körper mit Blumenmotiven zu bemalen und sich mit ihr vor der Kamera zu vereinigen. Eine Art Folie à deux bricht sich Bahn – ohne die zumindest im Ansatz wahnhaften Anwandlungen des einen wären die des anderen nicht aus dem Ruder gelaufen.

    Der Roman ist in drei Teile geteilt, von denen jeder von einem anderen Ich-Erzähler erzählt wird: dem Ehemann, dem Schwager, der Schwester. Der Ehemann führt in die Geschichte ein, der Schwager gibt ihr eine entscheidende Wendung, die Schwester erzählt das dramatische Ende, unterfüttert mit Ausflügen in die gemeinsame Kindheit, die zumindest ahnen lassen, wie es in ihrer Schwester aussieht. In Südkorea erschienen diese drei Teile zunächst als separate Novellen. Yong-Hye, die Frau, um die sich alles dreht, an der sich alle reiben, die alle mehr oder weniger in ihre eigenen Abgründe stürzt, hat keine Stimme. Sie selbst kommt nur mit einer Handvoll Sätze zu Wort.

     „Die Vegetarierin“ (ein eher unglücklicher Titel, da zum einen ungenau, zum anderen in eine falsche Richtung deutend) kann im Ansatz als Gesellschaftssatire verstanden werden, sprengt diese Grenze aber sehr schnell.  So weist „Die Vegetarierin“ nicht nur skurrile, überspitzte, sondern auch durchaus verstörende Elemente auf. Yong-Hye ist weniger eine Individualistin als eine Getriebene. Der im Original bereits 2007 erschienene Roman der 1970 geborenen Autorin wurde mit dem internationalen Man Booker Prize ausgezeichnet.

    Kommentieren0
    3
    Teilen
    OliverBaiers avatar
    OliverBaiervor 8 Monaten
    Kurzmeinung: verstörendes Hungerstreikszenario mit tollen Sprechern
    Anorexia vegetaria

    Ich hatte nur die Einstiegszeilen gelesen und mir etwas vollkommen anderes vorgestellt, es hat sich zu einem absolut verstörenden Drama entwickelt. Mich hat es verstörend fasziniert. Zum Teil skurril und krank, aber mit einer vernichtenden emotionalen Ehrlichkeit. Die Welt einer anorektisch schizophrenen Vegetarierin, deren Vegetarismus dabei nicht Vordergrund steht. Die Phantasien sind absolut krank und das von allen Beteiligten. Der Blick jedes Einzelnen auf die Szenerie zeigt überall nur Abgründe. Die Sprecher sind absolut herausragend und haben mir eine 4 Sterne Bewertung erlaubt. Spannender Einblick in eine Welt, die man sich nur ansatzweise vorstellen kann...zwischendurch dachte ich: was soll das, aber das ist wirklich( für mich) literarische Kunst.

    Kommentieren0
    4
    Teilen
    Charleas avatar
    Charleavor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Ein wirklich erschreckendes Buch
    Ein wirklich erschreckendes Buch

    Cover / Artwork / Aufbau des Hörbuchs

    Das Cover war definitiv der Grund, warum ich dieses Buch lesen/hören wollte. Gerade auf der Hörbuchfassung erkennt man in meinen Augen das Fleisch erst auf dem dritten Blick, zumindest ging mir das so. Das Hörbuch ist in etwas über 100 Kapitel unterteilt, welche bisweilen auch gar nicht so lang sind, was das Hören recht kurzweilig gestaltet und ich mit dem Buch in sehr kurzer Zeit durch war. Die Sprecher fand ich wirklich gut, gerade bei der Aussprache der Namen hätte ich glaube ich mehr Schwierigkeiten gehabt. Die Geschichte ist aus unterschiedlichen Sichtweisen erzählt, so liest man einmal aus der Sicht ihres Mannes, dann aus ihrer eigenen. In späteren Kapiteln dann aus Sicht ihrer Schwester und deren Ehemann.

     

    Inhalt

    Im Grunde kann man den Inhalt in wenigen Sätzen zusammenfassen, und doch hat man damit nicht viel ausgesagt: Die Geschichte spielt in Korea. Yong-Hye ist verheiratet und ihre Ehe ist an Durchschnittlichkeit kaum zu übertreffen. Angeregt durch einen Traum entwickelt sie eine Abneigung gegen Fleisch und wird Vegetarierin. Doch dabei bleibt es nicht, ihre Tendenz dem Fleisch abzusprechen wird immer drastischer und mündet in einer Art Verweigerung, überhaupt Essen zu sich zu nehmen. Ihre Umgebung kommt mit ihrer Wandlung überhaupt nicht zurecht.

     

    Fazit

    Es ist wie in vielen Romanen, bei denen man sich beim Lesen des Klappentextes wundert, wie der Roman mehr als zehn Seiten haben kann bei dem Inhalt. Eine andere Leserin hatte so schön gesagt, dass man bei diesem Roman sehr viel zwischen den Zeilen lesen kann und dem kann ich mir nur anschließen. Yong-Hyes Metamorphose nimmt Ausmaße an, die man kaum beschreiben kann und ich war auch auf weiten Teilen des Buches unsicher, wie ich sie empfinde und bewerten soll. Jedoch hat mir zunächst erst mal der geniale Perspektivwechsel wirklich beeindruckt. Alle Perspektiven haben einen völlig eigenen Charme und man hatte während des Lesens das Gefühl, dass hier wirklich unterschiedliche Menschen zu Wort kommen, da es die Autorin Han Kang geschafft hat, jedem Charakter Leben einzuhauchen. Das einzige Manko war in meinen Augen das Ende des Buches, bei dem ich das Gefühl hatte, dass etwas fehlt, vielleicht nur ein einzelner Satz, aber eben dieser hat einfach gefehlt. Dennoch ist es ein wirklich sehr gutes Hörbuch, das ich gerne weiter empfehlen möchte.

    Kommentare: 1
    78
    Teilen
    Ravens avatar
    Ravenvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein schwieriges Thema und Hörbuch mit unerwarteter Wendung, welches unter die Haut geht, aber auch viele Fragen unbeantwortet lässt!
    Interessant, schräg!

    Das Buch "Die Vegetarierin" von Han Kang ist als Hardcover und Softcoverausgabe erschienen, sowie als Hörbuch bei Finch&Zebra mit einer Dauer von 5 Stunden und 32 Minuten.

    Die Vorleserin hat eine angenehme Stimme. Man kann der Story gut folgen.

    Yeong-Hye und ihr Ehemann sind ganz einfache Menschen. Er geht seinem Bürojob pflichtbewusst nach und sie erledigt artig den Haushalt. Das eintönige Leben wird auf den Kopf gestellt, als Yeong-Hye beschließt Vegetarierin zu werden und alle tierischen Lebensmittel aus dem Haus verbannt.

    Das Buch hat mich total überrascht, denn ich hatte mit etwas völlig anderem gerechnet. Es ist tiefgehend, eigenartig. Das Werk ist eine Art Kunstwerk und es ist aus der Sicht von verschiedenen Protagonisten geschrieben. Die Geschichte hat eine unerwartete, interessante Wendung. Teilweise ist sie sehr philosophisch, auf der anderen Seite kommt man nicht immer mit dem Stil zurecht und fragt sich was der Autor mit dem ein oder anderen bezwecken will. Irgendwie fehlt mir was, zumal am Ende noch einige Fragen offen bleiben. Es wirkt im Ganzen sehr melancholisch und bedrückend bis zum Ende hin. Das Buch handelt im Kern von Unterdrückung, Demütigung, Lieblosigkeit, Egoismus und Intoleranz der Gesellschaft und der Familie. Ein sehr trauriges, seltsames, nachdenkliches Werk, welches sich nur schwierig umschreiben lässt. Es ist absolut eigenständig.

    Fazit: Ein seltsames, trauriges, nachdenkliches, philosophisches Werk mit interessanter Wendung und teilweise skurrilem Inhalt. Eine Art Kunstwerk in sich, welches sich nur schwer umschreiben lässt. Interessant, schräg!

    Kommentare: 2
    27
    Teilen
    Federzaubers avatar
    Federzaubervor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Sehr verstörend und seltsam. Habe das Gefühl es nicht richtig verstanden zu haben. Konnte aber gut zuhören.
    Verstörend und seltsam

    Ein für mich durch und durch seltsames und verstörendes Buch. 
    Aus drei Sichten und von drei Personen vorgelesen, wird das Geschehen um die Vegetarierin erzählt. Sie selbst kommt so gut wie nicht zu Wort.  Warum sie so reagiert, so handelt,  wie sie es tut wird überhaupt nicht erläutert.  


    Ich konnte im Laufe der ganzen Geschichte gut folgen und wurde auch gut mitgenommen,  doch so harmlos wie der Klappentext erscheint, so verwirrt und verstört war ich beim Zuhören. Der Schreibstil ist deutlich anders als für mich bekannt. Man erkennt eine ganz andere Kultur, die auch anders reagiert und auf bestimmte Dinge ganz anders drauf eingeht. 
     
    Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl den Sinn der Geschichte  nicht verstanden zu haben. So verstört ich während der ganzen Geschichte war, so verwirrt und ratlos war ich am Ende. 


    Note: 2,5/5

    Kommentieren0
    2
    Teilen
    daydreamins avatar
    daydreaminvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein grotesker und schonungsloser Roman über den Ausbruch einer Frau.
    Grotesk

    Yong-Hye hat nie Widerworte gegeben. Still hat sie ihr bisheriges Leben ertragen. Von der Gewalt des Vaters bis hin zur Oberflächlichkeit ihres Mannes. Doch damit soll eines Tages Schluss sein. Die an Durchschnittlichkeit nicht zu übertreffende junge Frau entsorgt in einer Nacht- und Nebelaktion jegliche tierische Produkte aus ihrem Haushalt. Kiloweise schmeißt sie Fleisch weg und macht auch vor Milch, Eiern und Lederwaren nicht Halt. Tatsächlich wird sie nicht zur Vegetarierin, wie der Buchtitel vermuten lässt, sondern ernährt sich von nun an sogar vegan. Ihrem Mann antwortet sie auf seine Nachfrage für den Grund nur "Ich hatte einen Traum". Yong-Hye beginnt sich damit von allen ihr gekannten Konventionen zu befreien und aus ihrem Leben auszubrechen. Die Konsequenzen lassen nicht lange auf sich warten. 

    Das Hörbuch wird von drei Personen gelesen, denn Yong-Hyes Geschichte wird aus drei verschiedenen Perspektiven erzählt: Ihr Ehemann, ihr Schwager und ihre Schwester kommen zu Wort. Die Stimmen jedes einzelnen empfand ich dabei als sehr passend. Besonders der passiv-aggressive Ton des Ehemanns kam für mich gut rüber. Das Zuhören war jedoch nicht nur deswegen sehr einfach und angenehm, sondern vor allem durch Han Kangs bildliche Sprache. Sie nutzt durchweg eher kurze, direkte und unkomplizierte Sätze. Trotzdem oder vielleicht sogar gerade deswegen trifft jedes Wort den Leser (oder in meinem Fall Hörer) direkt ins Mark.


    Bei näherer Betrachtung des Covers fällt schon auf, dass es in diesem Buch um mehr als die vegetarische Ernährung geht. Zwischen Blüten erkennt man Finger, einen Augapfel, Fleisch. Tatsächlich glaube ich sogar, dass der Vegetarismus nur ein Mittel zum Zweck ist. Für mich war es interessant Yong-Hyes Verwandlung zu beobachten. Ausgerechnet durch einen Traum erwacht sie aus einem sehr kontrollierten Leben, aus welchem sie dann auszubrechen versucht. Schrittweise zerstört sie dabei ihren Körper und verfällt dem Wahnsinn. Diese erschreckende Verwandlung deutete für mich auf die Frage hin, wie viel Freiheit ein Mensch überhaupt haben darf, um nicht vollkommen verrückt zu werden. 

    So ähnlich ergeht es übrigens nicht nur ihr. Vor allem in ihrem Schwager und ihrer Schwester schlummern groteske Sehnsüchte und Ängste, die sie vor Yong-Hyes Ausbruch ganz gut kontrollieren können. Mit ihrem Wahnsinn konfrontiert geraten die bisher verdrängten und weggeschlossenen inneren Kämpfe an die Oberfläche und Schwester und Schwager müssen sich wie Yong-Hye entscheiden: Kontrolle behalten oder abgeben? 

    So interessant ich diesen Grundgedanken finde, so abstoßend fand ich viele Szenen im Buchdrittel aus Sicht von Yong-Hyes Schwager. Ich muss zugeben, dass ich kurz vor dem Abbruch des Buches stand, als endlich der ersehnte Perspektivwechsel kam. Han Kangs bildliche Sprache ist gleichzeitig Fluch und Segen, denn nicht selten fasziniert und schockiert sie den Leser zu gleichen Teilen. Trotz aller bestialischer und grotesker Kapitel überwog schlussendlich doch meine Neugier und mein Wusch, dieses Buch zu verstehen. Für schwache Mägen ist dieser Roman jedoch nichts. 

    Fazit

    Entgegen des Buchtitels geht es in diesem Roman ganz und gar nicht um die vegetarische oder vegane Lebensweise. In meinen Augen geht es viel mehr um das Ausbrechen aus Konventionen, Erwartungen und Demütigungen. Yong-Hyes Verwandlung wirft aber auch die Frage auf, ob ein kompletter Ausbruch und eine endgültige Befreiung für den Menschen die Lösung sein kann. Mit dem Ende und der damit verbundenen "Moral von der Geschicht" (zumindest so, wie ich sie verstanden habe) bin ich nicht ganz einverstanden, daher vergebe ich auch nur 3 Sterne (es wären 3.5, wenn das auf Lovelybooks gehen würde). Außerdem hat Han Kangs Stil mich zwar fasziniert, doch einige Szenen waren durch ihre bildliche und wirkungsgewaltige Sprache einfach zu grotesk und abstoßend. So kurz dieser Roman auch scheint, er ist definitiv nicht einfach zu verdauen! 

    Kommentieren0
    5
    Teilen
    Ein LovelyBooks-Nutzervor 2 Jahren
    Einen genauen Blick wert

    Ein Buch, das polarisiert. In 3 Abschnitten aus 3 Sichten geschrieben, haben wir 3 Charaktere, miteinander verbunden und doch völlig verschieden. Es geht viel um zwischenmenschliche Beziehungen, Obsessionen, Träume, Sex und das Ausbrechen aus der Norm. Obwohl die Thematik schwer wiegt, war es schnell und einfach zu lesen und auf jeden Fall empfehlenswert.

    Kommentieren0
    4
    Teilen
    Ro_Kes avatar
    Ro_Kevor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Bedrückende Auseinandersetzung mit Obsessionen. Erschreckende, faszinierende Bilder. Sprachlich gradlinig. Manches bleibt unausgesprochen.
    Kommentieren0
    MonicaSs avatar
    MonicaSvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Den Roman zu mögen, fällt nicht leicht. Und doch ist es eine unter die Haut gehende Beschreibung der Auswirkung von Unterdrückung.
    Kommentieren0

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu

    Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks