Han Kang Menschenwerk

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Inhaltsangabe zu „Menschenwerk“ von Han Kang

"Ich kämpfe, jeden Tag. Ich kämpfe gegen die Schande, überlebt zu haben und immer noch am Leben zu sein. Ich kämpfe gegen die Tatsache, dass ich ein Mensch bin. Und Sie, ebenso ein Mensch wie ich, welche Antworten können Sie mir geben?"

Ein Junge ist gestorben, und die Hinterbliebenen müssen weiterleben. Doch was ist ihnen ihr Leben noch wert? Han Kang beschreibt in ihrem neuen Roman, wie dehnbar die Grenzen menschlicher Leidensfähigkeit sind. Ein höchst mutiges Buch und ein brennender Aufruf gegen jede Art von Gewalt.

»Han Kang zu lesen ist wie in einen Strudel aus Brutalität und Zärtlichkeit geworfen zu werden, aus dem man durchgeschüttelt, perplex und tief bewegt wieder auftaucht.« Doris Dörrie

Aufwühlend, brutal, die Aufarbeitung eines totgeschwiegenen Massakers.

— Zen-Cola

Eine beeindruckende Dokumentation des Erlebens von Gewalt und der Unmöglichkeit, normal weiterzuleben.

— LitteraeArtesque

Ich finde diese Autorin schafft eine unheimliche Atmosphäre, Emotionen ... anspruchsvoll, fesselnd, atemstockend und Gänsehaut erzeugend

— Buchraettin

Einmal mehr beeindruckt die südkoreanische Autorin - und erspart dem Leser wieder nichts.

— miss_mesmerized

Insgesamt ist dieser Roman ein Werk von ungeheurer atmosphärischer Dichte, das einen gnadenlosen Blick auf das Wesen 'Mensch' gewährt.

— parden

Was bleibt, wenn die Menschlichkeit abhanden kommt?Schmerzhaft und grausam, eindringliche Lektüre.

— ulrikerabe

So gut, so herzzerbrechend, so augenöffnend!

— BloodyTodd

Stellenweise leider etwas konfus erzählt - dennoch - dieser Roman schwirrt einem noch lange im Kopf herum!

— Gegen_den_Strom_lesen

Ein grausames, schmerzhaftes und vor allem sehr wichtiges Buch über die Grauen, die wir hier in der westlichen Welt nicht vernommen haben.

— killmonotony

Ungeheuer schwere, aber wichtige, ja notwendige Kost!

— TochterAlice

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  • Eine schonungslose Aufarbeitung

    Menschenwerk

    Zen-Cola

    10. January 2018 um 22:02

    Han Kang ist mir vor einiger Zeit als Autorin durch ihren Roman »Die Vegetarierin« begegnet und wusste mich gleich für sich zu gewinnen. Der neue Roman, »Menschenwerk«, ist ebenfalls sehr stark und wuchtig und behandelt ein noch unbequemeres Thema: das Gwangju-Massaker, das sich 1980 in Korea ereignet hat. Während bspw. das chinesische Tian'anmen-Massaker an Studenten weltweit in aller Munde ist, so ist mir das hier behandelte Thema, obwohl ich viel Interesse an Ostasien aufbringe, bisher unbekannt gewesen.Han Kang schildert die Geschehnisse in ihrem Roman aus verschiedenen Blickwinkeln – jeder weist auch stilistisch leichte Eigenheiten auf. Zu Beginn folgt man dem Geschehen aus dem Blickwinkel eines Jungen, der während des Aufstandes und des Massakers einen Freund sucht, für den er sich verantwortlich fühlt. Erzählt werden diese Szenen aus der ungewöhnlichen »Du-Form« aus der Sicht einer Seele, die über dem Jungen schwebt. Anschließend folgt man dem Geschehen unter anderem, indem eine Angestellte sich an die Tage des Aufstands erinnert - wie sie Teil der Protestbewegung wurde und was sie im Gefängnis (teilweise sehr harte Foltermethoden) über sich ergehen lassen musste. Diese Geschichte wird aus der »Sie-Form« geschildert. Aber anders als erwartet. Die Angestellte wird – ebenfalls von einer Seele? - in der Höflichkeitsform, also der dritten Person Singular angesprochen. Das liest sich sehr ungewöhnlich, aber der Stil funktioniert sehr gut. Die geschilderten Geschehnisse sind von Beginn an fesselnd (wenn man das bei einem solchen Thema so sagen darf), sodass der Roman sowohl dramaturgisch als auch stilistisch sehr gelungen ist. Allerdings sollte man sich als Leser darauf einstellen, dass die Autorin das Thema schonungslos aus- und aufarbeitet. Neben dem lobenswerten literarischen Geschick bekommt man als Leser darüber hinaus, logischerweise, einen Einblick in ein wichtiges (und leider kaum präsentes) historisches Ereignis.

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  • Challenge: Literarische Weltreise 2018

    In 80 Buchhandlungen um die Welt

    Ginevra

    Liebe Lovelybookerinnen und –booker, habt Ihr (wieder) Lust auf eine große literarische Weltreise im Jahr 2018? Dann lasst uns gemeinsam durch 20 verschiedene Lese- Regionen reisen! Die Aufgabe besteht darin... - 12 Bücher in einem Jahr zu lesen; - Mindestens 10 verschiedene Regionen auszuwählen (zwei Regionen dürfen also doppelt vorkommen); - Autor und/oder Schauplatz und/oder eine bzw. mehrere der Hauptfiguren müssen zu dieser Region passen. - Bitte postet Eure Rezensionen und Beiträge bei den passenden Regionen; - Auch Buchtipps ohne Rezension sind jederzeit willkommen; - Am Ende des Jahres zählen Eure 12 Rezensionen, dabei sind 2 Kurzmeinungen erlaubt. - Eure Beiträge werde ich verlinken; - Einstieg und Ausstieg sind natürlich jederzeit möglich; - Genre und Erscheinungsjahr sind egal: - Hörbücher, Graphic Novels, Biographien, Krimis, Literatur – bei dieser Challenge ist alles erlaubt! Diese Challenge eignet sich für Neuerscheinungen aller Kategorien, um den SuB endlich mal weiter abzubauen, oder um andere Challenges damit zu kombinieren. Unter den TeilnehmerInnen, die die Challenge erfolgreich beenden, verlost Lovelybooks am Ende des Jahres ein kleines Buchpaket! Ich freue mich sehr auf Eure Beiträge und werde zu jeder Region ein Unterthema erstellen, so dass es etwas übersichtlicher wird. Viele tolle Tipps und Empfehlungen findet ihr auf der Seite der Literarischen Weltreise 2017:  https://www.lovelybooks.de/autor/Mark-Twain/Reise-um-die-Welt-144251180-w/leserunde/1402610451/ Dann heißt es wieder einmal: Bon voyage – Buon viaggio - Have a nice trip - Tenha uma boa viagem - Приятной поездки Счастливого пути - ¡Qué tengas un buen viaje! - 旅途愉快!- すばらしい旅行をなさって下さい。- Gute Reise!  TeilnehmerInnen: AglayaAischaAischaAkanthaAleidaAmilynanna_manna_mArbutusban-aislingeachBellisPerennisBeustBibliomaniablack_horseBluevanMeerbuchfeemelaniebuchjunkieBuchraettinc_awards_ya_sinCaillean79caratisCaro_LesemausChattysBuecherblogClaraChristina16Code-between-linesCorsicanaDajobamadanielamariaursulaDieBertaElkefaanieFadenchaosfasersprosseFederfeeFornikafredhelGinevraGwenliestgsthisterikerHortensia13ika17kassandra1010Kleine1984kleinechaotinkokardkalekrimielseKompassquallelesebiene27leseleaLeseratz_8leukoryxLilli33LillySjLos_AngelesMary2Merijanmiss_mesmerizedmonerlnaninkaniknakOliverBaierPagina86pardenPMelittaMRitjasansolScheckTinaSchlehenfeeschokolokoseschatSikalSommerleseStefanieFreigerichtsursulapitschiTaluziTamiraSTanyBeetaumelndundtanzendTine13ulrikerabeValabevanessablnWedmaWickie72Wiebke_Schmidt-ReyerYolandezessi79

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    • 259
  • LovelyBooks Romane-Challenge 2017: Die Challenge mit Niveau

    aba

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2017 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2017 bis 31.12.2017 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2017 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Nimmst du die Herausforderung an? Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2017 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema. Ich freue mich auf viele Anmeldungen! Teilnehmer: AgnesM aljufa Ancareenanneschuessler anushka Arietta ArizonaAspasia ban-aislingeachbanditsandra Barbara62 blaues-herzblatt BookfantasyXY bookgirl Buchina Buchraettinc_awards_ya_sin CaroasCaro_LesemausCornelia_Ruoff Corsicana Curin cyrana czytelniczka73 dia78 DieBerta Dionemma_vandertheque erinrosewell Federfee Flocke86 Fornika Frau_J_von_T Gela_HK Ginevra Gruenentegst Gwendolina hannelore259 imitas Insider2199 Isaopera jenvo82 JoBerlin kalestraKatharina99 katrin297Katze21 krimielse lesebiene27 leselea LibriHolly maria1 Maritzel marpije Mercado Miamou Mira20 miro76  miss_mesmerized moni_lovesMotte_muqqel Nane_M naninka Nilonce-upon-a-time parden Petris Pocci Sandra_Halbesar89 schokoloko29 serendipity3012 SikalSimi159 sofie solveig SorR StefanieFreigericht Sumsi1990 suppenfee Susibelle TanyBee Tinchen07 TochterAliceulrikerabe vielleser18 Weltensucher Xirxe xlxn Yolande

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    • 2070
  • Das Buch wühlt den Leser auf, nimmt einen mit und lässt ihn auch nach dem Lesen noch nicht los.

    Menschenwerk

    Buchraettin

    01. January 2018 um 11:53

    Ich habe den Klappentext erst nicht gelesen und wunderte mich so anfangs über die Erzählperspektive. Wer sollte mit dieser Ansprache gemeint sein? Du? Der Leser? Eine andere Person? Doch wer erzählt dann die Beobachtungen? Das Buch beginnt 1980. Südkorea. Während einer Demonstration, einem Studentenaufstand, kommt es zu einer Schießerei. Ein Junge stirbt und seine Seele berichtet nun. Die Erzählweise und seine Beobachtungen sind schon heftig und lassen den Leser mit einem Kloß im Hals zurück. Ich finde die gewählte Erzählweise mit dem Du sehr gelungen, weil ich das Gefühl hatte, als spreche er mit mir als Leser. Der Angriff, die Beobachtungen, das Zurücklassen des Freundes. Das sind durchaus Gänsehautmomente, Gefühle wie Angst, Gefahr. Die Autorin schafft hier wieder eine wahre Gefühlsflut für den Leser. Es ist eine besondere Atmosphäre. Wie lebt dieser Protagonist nun? Was wird ihm durch den Kopf gehen? Mir hat das andere Buch der Autorin schon gefallen „ Die Vegetarierin“. Auch hier spielt sie wieder mit ungewöhnlichen Protagonisten und diesem Stil mit Wörtern Bilder und Emotionen beim Leser auszulösen. Es sind Bilder aus Worten, Emotionen ausgelöst durch eine klare Sprache. Es ist ein ganz eigener Stil mit ungewöhnlichen Protagonisten.Dann tauchen Erinnerungen, Eigenschaften auf, die den Erzähler lebendig werden lassen im Kopfkino.Die Erzählweise wechselt mit den Figuren, die auftauchen. Es ist eine Geschichte in der auch Gewalt und Tod Thema sind. Es ist schon erdrückend das Buch, weil ich finde, die Geschichte transportiert vor allem die Emotionen der Figuren, aber auch die Grausamkeit von Menschen. Da stockt einem als Leser schon der Atem. Ich finde auch besonders die Ich- Erzähler nehmen den Leser so hautnah mit an die Geschichte und hier war das ganz besonders heftig zu lesen. Es gab schon Sätze, die will ich als Leser nicht lesen.Es tauchen auch wieder diese Sätze auf, die wirklich die Bilder entstehen lassen. Wörter, die dann sich zu einem Bild zusammenfügen, das ist für mich ein wirklich gelungenes Merkmal dieser Autorin. Die Figuren, die Wörterbilder und die Vermittlung der Emotionen. Aber sie ist auch gnadenlos mit der Darstellung von Szenen, die den Leser erschüttern.Ein Buch, das den Leser packt, das aber auch verstört und einen schlucken lässt. Diese Autorin ist schon intensiv in ihren Geschichten und lässt den Leser verstört zurück.Das Buch wühlt den Leser auf, nimmt einen mit und lässt ihn auch nach dem Lesen noch nicht los.

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    • 3
  • Han Kang - Menschenwerk

    Menschenwerk

    miss_mesmerized

    21. December 2017 um 20:05

    Dass Studentenbewegungen selten friedlich enden und die jungen Menschen auch meist ihre Ziele nicht erreichen, ist bekannt. Die Autorin Han Kang, weltweit 2016 mit dem Gewinn des Man Booker Prize International für ihren Roman „The Vegetarian“ bekannt geworden, greift in ihrem nunmehr 13. Roman die eskalierenden Studentendemonstrationen ihrer Heimatstadt Gwangju in Südkorea auf. Entstanden aus Protest gegen die herrschende Militärdiktatur fanden die Tage der Eskalation im Mai 1980 mit dem Massaker in Gwangju ihren traurigen Höhepunkt. Die Zahl der Toten schwankt je nach Quelle zwischen 150 und 2000, die der Verletzten geht bis an die 4000. Die Verhaftungen sind vielfach nicht nachvollziehbar, auch über 25 Jahre später vermissten viele Familien immer noch angehörige.Hat man Han Kang schon einmal gelesen, weiß man, dass man auf vieles gefasst sein muss und dass die Autorin dem Leser nur wenig erspart. Wir erfahren vom Schicksal verschiedener Figuren, die alle irgendwie in die Tumulte geraten sind. Zuerst der junge Dong-Ho, der die Aufbahrung unzähliger Toter bestaunt und bald selbst dabei hilft, diese zu waschen und für die Identifizierung vorzubereiten. Auch Jeong-Dae berichtet von seinem Schicksal, ebenso Eun-Suk, die Verlagsmitarbeiterin, deren Folter sogar noch schlimmere seelische Wunden hinterlassen hat, als die physischen, die viele ihrer Mitbürger in dieser Zeit und auch in den Jahren danach noch erleiden mussten. Auch die Berichte der anderen sind voller Brutalität des Regimes – viel mehr als man oftmals als Leser ertragen kann.Es sind vor allem die Gedanken der Figuren, die sich beim Lesen einbrennen, vor allem jene von Eun-Suk, die einstmals große Pläne für ein Studium hatte. Das Leben jedoch hatte einen anderen Plan für sie:Sie jedoch will nur so schnell wie möglich alt werden. Sie wünschte, dieses verdammte Leben würde keine Sekunde länger dauern als nötig. Den Lebenswillen hat sie längst verloren, was kann ihr dieses Dasein auch bieten?Von Anfang an war es nicht ihre Absicht gewesen, alles zu tun, um zu überleben.Schon während der Proteste konnten viele sehr realistisch ihre Lage einschätzen, aber was hatten sie faktisch zu verlieren?Rückblickend war es ein idiotisches Unterfangen, aber wir wollten daran glauben. Unsere Chancen zu sterben waren ebenso hoch wie die zu überleben. Entweder wir hielten uns oder wir gingen unter.Das Gewissen verleiht ihnen Kraft und Macht, das Gefühl keine Angst mehr zu haben, verleiht ihnen Flügel. Zum Scheitern verurteilt, können sie nicht aufgeben. Und wer überlebt, wird Zeuge der Absurdität und Willkür des Regimes. Inwieweit der Roman faktisch korrekt ist bzw. das Geschilderte exakt so hätte geschehen können, kann ich nicht einschätzen. Aber es wirkt authentisch und glaubwürdig, keine Sekunde zweifelt man daran, dass sich alles genau so zugetragen haben könnte. Schließlich ist ein grausames Zeitzeugnis entstanden, das hoffentlich diejenigen trifft, die daran mitgearbeitet haben.

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  • Was ist Menschlichkeit und wie lässt sie sich bewahren?

    Menschenwerk

    parden

    17. December 2017 um 02:10

    WAS IST MENSCHLICHKEIT UND WIE LÄSST SIE SICH BEWAHREN?In ihrem neuen Roman führt die südkoreanische Schriftstellerin ("Die Vegetarierin") den Leser zurück in die jüngere Vergangenheit Koreas. Im Jahr 1980 kam es in der Stadt Gwangju zu friedlichen Studentenprotesten gegen die Militärdiktatur. Diese Proteste wurden von der Militärregierung mit einem brutalen Massaker zerschlagen: der damalige südkoreanische Militärmachthaber Chun Doo-Hwan ließ seine Truppen wahllos in die Menge schießen. Als sich in den darauf folgenden Tagen die Bevölkerung der Stadt mit den Studenten solidarisierte, wurde die Mehrzahl der Demonstranten ermordet. Im Mittelpunkt der Erzählung steht der der 15-jährige Schüler Dong Ho, der mit einem gleichaltrigen Freund in einen Demonstrationszug gerät, wobei dieser erschossen wird. Dong Ho hilft später, die Getöteten zu bergen und in eine Schule zu bringen, wo sie von Verwandten identifiziert werden können. Schließlich stirbt auch Dong Ho, als die Soldaten die Schule stürmen. In Rückblicken wird von den Überlebenden des Massakers berichtet, von den Erlebnissen während der brutalen Ereignisse, aber auch von den Folgejahren. Traumatisierungen durch Haft und Folter, soziale Entfremdung und Einsamkeit, Depression und Schuldgefühle ziehen sich durch die Generationen. Eine Dokumentation der Gewalt und der Unmöglichkeit, normal weiterzuleben. "Ich kämpfe gegen die Schande, überlebt zu haben und immer noch am Leben zu sein. Ich kämpfe gegen die Tatsache, dass ich ein Mensch bin." In jedem Kapitel kommen andere Menschen zu Wort, die dieses Massaker miterlebten. Jeder Zeitzeuge erzählt seine Geschichte - sachlich oft im Stil, die Sätze meist kurz gehalten. Hinzu kommt, dass die Erzählenden oft mit jemandem sprechen, den sie als 'Du' bezeichnen: einem Toten, einem Überlebenden, einem Vermissten. Dadurch schafft Han Kang für den Leser eine Distanz zum Geschehen, die durch die akribische und detaillierte Art der Schilderung der Gewalttaten und ihrer Folgen jedoch aufgeweicht wird. Hier wird die existenzielle Gewalterfahrung auf eine derart eindringliche Weise vermittelt, dass man meint, unmittelbar am Schauplatz unmenschlichen Geschehens, nahezu Augenzeuge der Vorgänge zu sein. Die einzelnen Geschichten greifen zunehmend ineinander und verdichten sich zu einem Ganzen, das den Leser an den Rand des Erträglichen führt. Doch Han Kang schafft auch sinnliche, stille, poetische und zeitweise surreale Bilder wie beispielsweise den Monolog einer Seele, die sich vergeblich bemüht, sich von ihrem verwesenden Körper auf einem Leichenhaufen zu lösen. Der Epilog verrät, dass die Autorin selbst aus Gwangju stammt, und dass  ihre Eltern vor dem Umzug nach Seoul ihr Haus an die Familie von Dong Ho verkauft haben. Der Hauptcharakter des Buches ist also eine reale Figur, die zum Auslöser für den Roman wurde. Dabei schaut Han Kang in ihrem Resümee nicht nur nach Südkorea, sondern auch über den Tellerrand, und auch dem Leser dürfte klar sein, dass derlei Geschehnisse in der Weltgeschichte kein Einzelfall sind. Insofern gewinnt der Titel 'Menschenwerk' tatsächlich eine übergreifende Bedeutung. Insgesamt ist dieser Roman ein Werk von ungeheurer atmosphärischer Dichte, das einen gnadenlosen Blick auf das Wesen 'Mensch' gewährt. Er verdeutlicht, dass der Mensch sowohl zu der ihm innewohnenden Gutherzigkeit als auch zu der ihm ebenso innewohnenden Gewaltbereitschaft getrieben werden kann und bietet damit auch eine nahezu philosophische Auseinandersetzung mit der Frage nach dem 'Menschsein' und der 'Menschlichkeit'. Wieder einmal ein beeindruckender Roman der Südkoreanerin! © Parden

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    • 9
  • Was bleibt den Menschen ohne Menschlichkeit?

    Menschenwerk

    ulrikerabe

    14. December 2017 um 16:17

    1980, Gwangju in Südkorea. Ein studentischer Aufstand eskaliert. Ein junger Bursche sucht zwischen all den Toten und Verletzten nach seinem verschwundenem Freund. Jahre später leiden Frauen und Männer immer noch wegen der physischen und psychischen Folter und Inhaftierung, Mütter weinen auch noch nach dreißig Jahren um ihr4e toten Kinder. Die Autorin Han Kang lässt Menschen, denen Schreckliches widerfahren ist, eindringlich zu Wort kommen. Die Grausamkeit ist fast unerträglich, das Leiden der damaligen Akteure schier unfassbar. Das Buch spricht trotz all seiner Grausamkeit eine Sprache voller Mitgefühl und seltsam poetisch anmutend. Es wird von Haft, Folter, Schuldgefühlen und Trauer der Überlebenden berichtet. Lebende so wie die Toten erhalten eine Stimme. Am intensivsten beeindruckt hat mich der Bericht der Seele eines Verstorbenen, der zwischen den verwesenden Leichenbergen sich vom Körper lösen und Ruhe finden will. Was bleibt, wenn Menschen die Menschlichkeit abhandenkommt, wie lässt sie sich bewahren? Manchmal frage ich mich, warum ich mir immer wieder solche Bücher wie Menschenwerk antue. Ich kann es nicht ganz einfach beantworten, aber meistens ist es die Mahnung und der intensive Wunsch, dass die Menschen irgendwann doch aus der Geschichte lernen. Menschenwerk ist ein Buch das verstört, eine Anklage und ein Plädoyer für die Menschlichkeit. Es wird mich noch lange beschäftigen.  

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  • Menschenwerk

    Menschenwerk

    BeaSwissgirl

    10. November 2017 um 20:59

    Mein Leseeindruck subjektiv, aber spoilerfrei ;)Erst vor kurzem habe ich den ersten Roman " die Vegetarierin" gelesen und war auf besondere Weise beeindruckt, weshalb ich unbedingt auch dieses Buch hier lesen wollte.Ich habe übrigens die Hörbuchvariante gewählt, würde aber doch eher die Printvariante empfehlen. Nicht weil ich die Sprecherin nicht mochte, im Gegenteil sie hat das Ganze wirklich gut interpretiert, sondern weil es vom Stil her sehr schwierig war der Geschichte in dieser Version zu folgen.Erzählt wird nämlich aus mehreren Perspektiven in verschiedenen Formen ( Ich- Sicht, Du- Anrede, allwissender Erzähler usw..) zusätzlich kriegen wir es auch noch mit Zeitsprüngen zu tun.Für mich persönlich war es recht schwierig alles korrekt kombinieren zu können und immer zu wissen wer da jetzt spricht und wie die Personen alle untereinander verbunden sind.Öfters habe ich zur Printversion gegriffen um den ein oder anderen Abschnitt nochmals in aller Ruhe durchlesen zu können.An sich mochte ich zwar dieses Stilmittel echt gerne und irgendwie hat es ja auch was ganz Besonderes, aber wie gesagt es führt auch zu Verwirrungen.....Der Schreibstil ist übrigens eine einzigartige Kombination aus nüchternen, sachlichen Sätzen und poetisch angehauchten Worten.Weshalb mich die Autorin doch auf eine ganz spezielle Weise berühren, schockieren und aufwühlen konnte.Zwar konnte mich die Geschichte insgesamt emotional erreichen, dennoch war es nicht so, dass ich mich mit den Charakteren verbunden fühlte. Es waren einfach zu viele Personen und die Ausarbeitung war entsprechend auch nichts so intensiv und ins Detail gehend.Die Atmosphäre des Buches ist sehr beklemmend, erschütternd und hat mich mehrere Male leer schlucken lassen.Eine Geschichte, die auf einem wahren Ereignis basiert und noch lange in mir nachhallen wird.4,5 Sterne

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  • Rezension: Menschenwerk

    Menschenwerk

    killmonotony

    25. October 2017 um 19:14

    Nachdem ich im Januar die englische Ausgabe der „Vegetarierin“ von Han Kang gelesen habe, war mir klar, dass ich auch ihre nächsten Werke lesen würde. Und so musste doch direkt bei Erscheinen Kangs neues Buch „Menschenwerk“ her. Es geht um das Gwangju-Massaker, das 1980 in Korea stattgefunden hat. Ich muss sagen, ich hatte noch nie etwas darüber gehört und war geschockt, dass so etwas meinen Wissenshorizont scheinbar verfehlt hat. Nicht, dass ich zu der Zeit schon gelebt hätte, aber in keiner Geschichtsstunde, an die ich mich erinnere, wurde sich außerordentlich mit Korea beschäftigt. Jedenfalls versucht Han Kang hier nicht, eine detailgetreue Wiedergabe von außerhalb und oberhalb vorzunehmen, sondern sie berichtet aus verschiedenen Perspektiven und auch aus verschiedenen Zeiten, wie dieses Massaker sich aus Studentenprotesten ergeben hat und welche Grausamkeit verübt wurde. Aus Sicht der verschiedenen Protagonisten bekommt der Leser aus erster Hand mit, wie Menschen gefoltert werden, was für ein Leid sie sehen, was für ein Elend sie erfahren müssen. „Menschenwerk“ ist kein Buch für zarte Mägen und Wesen. Es beschreibt die Erlebnisse, die selbst Kindern widerfahren sind, und nimmt kein Blatt vor den Mund, nicht, um zwingend zu schockieren, sondern um wiederzugeben, was geschehen ist. Der Leser verfolgt verschiedene Charaktere, vom Schüler Dong-Ho, seiner Familie bis zu Menschen, deren Wege er kreuzt. Was mir in der „Vegetarierin“ gar nicht so aufgefallen ist und auch vielleicht an der deutschen Übersetzung liegen mag, ist die eigenartige Erzählweise. Von oben herab wird teilweise erzählt, aber nicht als allwissender Erzähler, sondern viel mehr als eine Seele, die den Protagonisten begleitet und fühlt, was er fühlt, aber nicht mehr weiß als er und auch vielmehr seine Taten und Gedanken in Worte fasst: Du fragst dich, wohin die Seele wandert, wenn der Körper stirbt. Wie lange bleibt sie noch in der Nähe ihrer sterblichen Hülle? […] Wenn ein Trauernder einen Verstorbenen betrachtet, steht dann dessen Seele daneben und betrachtet das Gesicht seiner irdischen Hülle? Han Kangs Erzählweise ist zunächst ungewohnt, man benötigt einige Seiten, um sich einzufinden. Dann tritt sofort die Sogwirkung des Buches ein und man kann sich nur noch schwer losreißen, auch, wenn man gar kein Zeuge dieses Grauens werden möchte. Wir verfolgen auch einen gefangenen Protestanten während seiner Folter. Diese Kapitel sind definitiv nichts für zarte Gemüter. Wessen Magen sich bei plastischen Beschreibungen in diesem Szenario umdrehen könnte, überfliegt vielleicht lieber einige Seiten, wobei dann natürlich auch ein Teil der Wirkung des Buchs verpufft. Die Frage nach dem Weiterleben der Seele nach dem Tod der menschlichen Hülle ist eine grundlegende in diesem Werk. Diverse Seelen begleiten uns in „Menschenwerk“ und wir erhaschen Einblicke in das, was möglicherweise geschieht nach dem Tod. Ein weiteres zentrales Thema ist der Wert eines Lebens, besonders nach einer Tragödie. Warum überlebt der Eine, während der Andere sterben muss? Und was ist das Leben noch wert, wenn man erst dieses Grauen gesehen hat, das einen bis ans Lebensende verfolgt? Wie könnte man nur eine Sekunde dieses Lebens noch genießen, wenn man überlebt hat, während tausende andere gestorben sind? Mit diesen Fragen setzt Han Kang sich kritisch auseinander, lässt uns die Schicksale ihrer Figuren erfahren und mit ihnen leiden. Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.de

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  • Was bleibt

    Menschenwerk

    TochterAlice

    22. October 2017 um 18:29

    Ungeheuer schmerzhaft ist die Lektüre dieses Buches, das muss gleich vorweg gesagt werden: es geht um LEIDEN (ja genau, es muss groß geschrieben werden, so stark ist die Wirkung dieses Begriffs), um Trauer und um Schmerzen, um Verlust - und auch um Unrecht.Man könnte dieses Buch als historischen Roman bezeichnen: Die Autorin Han Kang, in Deutschland durch ihren 2016 erschienenen (jedoch bereits 2007 verfassten) Roman "Die Vegetarierin" bekannt geworden, hat hier einen mutigen, kraftvollen und schmerzhaften Roman über ihre Heimatstadt Gwangju verfasst, in der 1980 ein furchtbares Ereignis stattfand: der Aufstand der Bevölkerung gegen die neue Militärregierung wurde blutig niedergeschlagen, es gab haufenweise Opfer (was leider wörtlich zu nehmen ist, wie während der Lektüre von "Menschenwerk" klar wird). Diesen Aufstand, vor allem jedoch seine Folgen, hat Han Kang in ihrem Roman verarbeitet, wobei sie sich an der realen Biographie eines Jungen orientiert.Verschiedene Charaktere, tote und lebendige, kommen zu Wort, zu unterschiedlichen Zeiten. Doch immer geht es um dieses Ereignis, das auch Jahre später nichts von seiner Tragik verloren hat - verständlicherweise. Denn: Was bleibt, ist der Schmerz. Und die Trauer.Ein ganz anderes Buch als "Die Vegetarierin", in dem es um die Entwicklung einer Person ging - hier hingegen geht es um Zerstörung und zwar nicht nur eines Menschen.Dieses Wissen machte es mir fast unerträglich, weiterzulesen, wobei ich meine Lektüre jedoch keine Sekunde bereut habe. Wie "Die Vegetarierin" ist auch dies ein eher stilles Buch, das jedoch voller Kraft und auch Mut steckt. Denn es erfordert sehr viel Mut, sich einem solchen Thema zu stellen und zwar so vollständig, wie es Han Kang getan hat. Ein kleines großes Buch von einer großen Autorin.

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  • Zwischen Dichtung und Denkmal.

    Menschenwerk

    wandablue

    20. October 2017 um 20:09

    Zwischen Dichtung und Denkmal.Über Korea und seine Geschichte wissen wir in der Regel relativ wenig. Der Gwangju-Aufstand von 1980, „in Südkorea 18. Mai Gwangju Demokratiebewegung genannt,“ ist auch auf Wikipedia nur ein kleiner Bericht und war mir gänzlich unbekannt. Er dauerte zehn Tage lang und war so grausam, dass die Koreaner noch jahrelang danach nur im Flüsterton davon sprachen und die wenigen Überlebenden mit dem Leben nicht mehr zurechtkamen, Traumata, Suizide, soziale Entfremdung. Darüber schreibt Han Kang. Die Dichterin stammt selbst aus dem betreffenden Distrikt und lebte mit ihren Eltern bis zu ihrem achten Lebensjahr in Chungheung-Dong, in einem Haus, das ihre Familie an die Mutter von Dong-Ho verkaufte, der der Hauptprotagonist des Romans ist. Durch den persönlichen Bezug der Autorin wird der Roman, der mit Distanz und einer gewissen Kühle geschrieben ist, trotzdem zu einem erschütternden Zeitzeugnis menschlicher Grausamkeit.Literarisch hat die Autorin den Leser durch die gewählte Form auf Distanz gehalten. Natürlich bleibt einem bei detaillierten Beschreibungen von Folterungen der Atem weg. Man will es nicht glauben. Andererseits, auch davon redet die Autorin im Epilog, ist dieses historische Ereignis kein Ausrutscher der Menschheit, sondern "Menschenwerk" und geschieht bis zum heutigen Tage in dieser oder jener Form. Jedoch ähnelt Han Kangs Roman in seiner kunstvollen,  nicht immer logischen Herangehensweise mehr an eine Dichtung als an einen "normalen" Roman. Dadurch entsteht ein Verfremdungseffekt, der die Sicht des Lesers auf das Geschehen verstellt. Denn das Geschehen wird nicht beleuchtet oder ins Zeitgeschehen eingebettet. Was war los zu der Zeit in Korea? Nichtkoreaner werden leider nicht den Bezug zum Land haben wie die Landsleute Han Kangs. So ist zumindest mir, Korea kein bisschen näher gerückt. Es gibt philosophisch-dichterische Einschübe, mit denen ich besser zurechtkomme, einmal spricht die Seele des verstorbenen Protagonisten über das Totsein. Aber das sind nur Anklänge, die nicht zu Ende geführt werden. Wie auch? Als Roman hat mich der Text nicht gepackt, doch als Andenken an die sinnlos getöteten Menschen, die friedlich gegen eine Militärjunta demonstrierten, ist der Text wertvoll. Fazit: Zwischen Dichtung und Denkmal. Der Textzugang ist schwierig, weil literarisch verfremdet, der Inhalt naturgemäß schwer zu verdauen. Als Erinnerung und Mahnmal notwendig. Kategorie: Anspruchsvolle LiteraturAufbauverlag, 2017

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    • 4
  • Überlebende eines Massakers

    Menschenwerk

    eulenmatz

    20. October 2017 um 11:37

    INHALT: "Ich kämpfe, jeden Tag. Ich kämpfe gegen die Schande, überlebt zu haben und immer noch am Leben zu sein. Ich kämpfe gegen die Tatsache, dass ich ein Mensch bin. Und Sie, ebenso ein Mensch wie ich, welche Antworten können Sie mir geben?" Ein Junge ist gestorben, und die Hinterbliebenen müssen weiterleben. Doch was ist ihnen ihr Leben noch wert? Han Kang beschreibt in ihrem neuen Roman, wie dehnbar die Grenzen menschlicher Leidensfähigkeit sind. Ein höchst mutiges Buch und ein brennender Aufruf gegen jede Art von Gewalt. MEINUNG: Ich habe von Han Kang bereits Die Vegetarierin gelesen und ich war nach dem Lesen nur mäßig begeistert. Wenn ich heute darüber nachdenke, dann würde ich meine Bewertung von drei Sternen auf jeden Fall nochmal nach oben korrigieren. Aus diesem Antrieb heraus war ich total gespannt auf das neue Werk von Han Kang. Menschenwerk ist ein Werk für sich und sollte auf keinen Fall mit Die Vegetarierin verglichen werden. Menschenwerk beruht auf wahren Begebenheiten und zwar aus dem Gwangju-Massaker in den frühen 1980er in Südkorea, von dem ich zu meiner Schande behaupten muss, noch nie etwas gehört zu haben. Die Charaktere sind allerdings fiktiv. Da Han Kang selbst aus Gwangju stammt und zu der Zeit ca. zehn Jahre alt war, könnte man vermuten, dass hier auch persönliche Erfahrungen miteingeflossen sind. Vielleicht ist auch eine Art Aufarbeitung, weil sie vielleicht selbst jemanden verloren hat, der ihr wichtig war. Im Epilog kommt sich auch noch einmal selbst zu Wort. So ein Massaker verursacht in der Regel immer ein Trauma bei den Hinterbliebenen und den Überlebenden und genau darum geht es in dem Buch. Die Geschichte beginnt direkt nach dem Massaker und arbeitet sich dann langsam in die Gegenwart vor. Jedes Kapitel ist aus der Sicht einer anderen Person geschrieben und doch hängen alle miteinander zusammen. Anfangs war es schwierig mit den koreanischen Namen zurecht zu kommen, da man diese einfach nicht gewohnt ist. Ich musste ein paar Mal hin und her blättern. Die verschiedenen Perspektiven auf das gleiche Ereignis haben mich ein wenig an Geständnisse Kanae Minato erinnert. Die Erzählungen der einzelnen Personen habe alle eines gemeinsam: Sie sind schmerzlich und sie kämpfen damit überlebt zu haben. Jeder geht damit anders um, aber alle sind innerlich zerbrochen und sie versuchen ihren Weg alle irgendwie weiterzuleben. Dem einen gelingt es. Der andere zerbricht an den Nachwirkungen von Gefängnis und Folter. Immer wieder gewehrt Han Kang auch Einblicke in die südkoreanische Gesellschaft, so z.B. unterliegen Bücher zumindest zu dieser Zeit ein strengen Zensur und werden vor Veröffentlichung durch eine staatliche Stell geprüft. Das Dinge, die man sich irgendwie als Deutscher schwer vorstellen kann. Die geschilderte Brutalität und Gewalt ist grausam zu lesen, dennoch fand ich die Erzählung recht nüchtern und konnte mich wenig in die Charaktere hineinfühlen. Vielleicht ist das auch eine kulturelle Art damit umzugehen, die ich nicht ganz nachvollziehen konnte. Dennoch bleibt Fassungslosigkeit zurück und das Unverständnis, wie eine vermeintlichen studentischer Aufstand so eskalieren konnte. Nachdem Lesen habe ich mich mit dem Massaker noch einmal ausführlicher beschäftigt und das sollte man auch, um zu verstehen, was dort wirklich passiert ist. FAZIT: Menschenwerk ist der Versuch einer Verarbeitung des Traumas aus dem Gwangju-Massaker in Südkorea. Ein Buch, welches sehr ehrlich und bewegend ist. Es gibt uns einen Teil Geschichte, der Mahnung für all jene Massaker stehen sollte, an dem unschuldige Menschen ums Leben gekommen sind.

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  • Studie des Grauens

    Menschenwerk

    sursulapitschi

    19. October 2017 um 17:18

    Dieses Buch ist nichts für schwache Nerven. Es erzählt von Leid und Gräueltaten in jeder denkbaren Form. Menschenwerk. Der Titel ist aussagekräftig.Im Mai 1980 gab es im südkoreanischen Gwangju Demonstrationen gegen die Regierung, die vom Militär brutal niedergeschlagen wurden und in einem grauenhaften Massaker endeten. „An diesem Tag waren achthunderttausend Schuss Munition an die Soldaten ausgegeben worden. Die Einwohnerzahl der Stadt betrug ungefähr vierhunderttausend. Sie hätten also jeden Bürger zweimal erschießen können.“Diese Ereignisse erlebt man hier aus den unterschiedlichsten Perspektiven. Ein paar Schüler und Studenten treffen zufällig in einer Turnhalle zusammen und kümmern sich um die Registrierung der Leichen. Das ist der Ausgangspunkt. Wie sind sie da hingekommen? Was verbindet sie? Sie haben eigentlich nichts mit den Demonstrationen zu tun. Trotzdem landen sie mitten im Brennpunkt des Geschehens.Später gibt es Verhöre und Folterungen, bei denen einem die Haare zu Berge stehen. Verhört wird wahllos, jeder der auch nur das Blickfeld der Justiz streift, ist verdächtig. Noch Jahre später leben Menschen mit dem Trauma, das sie erlitten haben und selbst, wenn sie nicht direkt betroffen sind, kennen sie doch Menschen, die spurlos verschwunden sind. Han Kang erzählt gekonnt und gnadenlos. Tiefes Grauen spricht aus jeder Zeile. Es nimmt den Leser mit. Manchmal ist dieses Buch nahezu unerträglich. Sehr spannend sind die Erzählperspektiven. Man weiß nie direkt, wer gerade berichtet oder von wem berichtet wird und rätselt, wie dieser neue Aspekt in den Gesamtzusammenhang passt. Die Zeit schreitet fort bis in die heutige Zeit, aber das Grauen bleibt bestehen. Dieses Ereignis hat langfristige Folgen und auch die Frage, wie können Menschen auf Befehl zu Bestien werden, steht im Raum.„Ist der Mensch von Natur aus grausam? Ist das, was wir durchgemacht haben, eine ganz normale Erfahrung? Leben wir nur in der Illusion, Würde zu besitzen, obwohl wir uns von einem Moment auf den nächsten in Abschaum verwandeln können, in ein lästiges Insekt, in eine wilde Kreatur, in eine formlose Masse aus Geschwüren und Eiter?“„Menschenwerk“ ist ein eindrucksvolles Buch, beklemmend, erschütternd und großartig erzählt. Ein Lesevergnügen ist es nicht, aber es hinterlässt nachhaltigen Eindruck und zwingt den Blick auf Tatsachen, die man lieber ignorieren möchte. So ein Buch kann man nicht wirklich empfehlen, eine Erfahrung ist es trotzdem.

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    • 6
  • Ein Teil dunkler Geschichte Südkoreas, das Gwangju-Massaker

    Menschenwerk

    Ayda

    15. October 2017 um 19:12

    Inhalt:In dem neuen Werk der Erfolgsautorin, von "Die Vegetarierein", Han Kang geht es um die Verarbeitung und Thematisierung des Gwangju-Aufstandes, der im Mai 1980 mit einer friedlichen Demonstration von der Studentenbewegung anfing und dem immer mehr Menschen aus der Zivilbevölkerug hinzukamen. Ziel war es, sich gegen eine Militärdiktatur und dem Kriegsrecht zu positionieren. Allerdings geht das Militär so brutal gegen die Demonstranten vor, dass zahlreiche Menschen getötet wurden und als Gwanju-Massaker in die Geschichte Südkoreas eingeht. Meine Meinung:Ich hatte damals "Die Vegetarierin" unheimlich gerne gelesen und fand es großartig. Auch mit ihrem neuen Werk hat sie mich überzeugt. Es geht hier um die Verarbeitung dieses Traumas und leider auch um sehr viel Gewalt und schrecklich brutale Handlungen und Beschreibungen. Ich konnte das Buch auch nicht einfach mal so weg lesen und musste es immer wieder zur Seite legen,pausieren,mir Gedanken machen und habe dann weitergelesen. Das schlimme ist, dass wenn man nebenbei über diese Zeit recherchiert,einem vor Augen geführt wird,dass das auch alles wirklich passiert ist. Han Kang ist eine direkte Schreiberin,sie schildert alles sehr genau und redet nicht drumrum und deshalb finde ich sie auch so verdammt gut. Sie kann einfach schreiben und die Leser mitnehmen!! Sie erinnert mich sehr an Yoko Ogawa aus Japan,eine meiner Lieblingsautorinnen zu denen ich nun auch Han Kang zähle. Das Buch hat 222 Seiten, die ganz viel auslösen und einen bedrückt zurücklassen. Es ist kein Buch für Menschen,die keine Gewaltszenen lesen können aber wenn man Interesse an politischen Geschehen hat,sollte man sich das Buch angucken. Es geht auch um Haftbedingungen,Folter,Ohnmacht,Ungerechtigkeit aber auch um Liebe,Sehnsucht und villeicht auch irgendwo ein bisschen Hoffnung. Der einzige Punkt,der mich etwas gestört oder eher verwirrt hat, waren die vielen Perspektivwechsel. Auch wenn Menschenwerk nicht ganz an die Vegetarierin rankommt,zumal man die Bücher nicht miteinander vergleichen sollte, vergebe ich 4,5 Sterne und eine klare Leseempfehlung!Autorin:Han Kang wurde in Gwangju, Südkorea, geboren. 1993 debütierte sie als Dichterin, ihr erster Roman erschien 1994. Für ihr literarisches Schreiben wurde sie mit dem Yi- Sang-Literaturpreis, den Today’s Young Artist Award und dem Manhae Literaturpreis ausgezeichnet. Derzeit lehrt sie kreatives Schreiben am Kulturinstitut Seoul. Mehr Informationen zur Autorin: www.writerhankang.com(www.aufbauverlag.de)

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  • In den Trümmern unserer Körper

    Menschenwerk

    MikkaG

    22. September 2017 um 18:43

    "Ich musste eine Brücke schlagen von der Gewalt zur Würde, einen Weg, der zwischen diesen beiden Klippen, über dem Abgrund frei in der Luft hängen würde."(Han Kang über ihre Arbeit an "Menschenwerk"¹)"Menschenwerk" ist ein ungeheuer schmerzhaftes Buch.Han Kang bringt ihre Charaktere an die Grenzen ihrer Leidensfähigkeit und darüber hinaus – besser gesagt, sie begleitet sie auf diesem Weg, denn die Geschichte entspringt keineswegs nur ihrer Vorstellungskraft, auch wenn man sich als Leser unweigerlich wünscht, es wäre so.Dong-Ho, Jeong-Dae, Eun-Suk, Jin-Su, Seon-Ju und die anderen Protagonisten dieses Buches stehen für die Menschen,  die während der Aufstände in der südkoreanischen Stadt Gwangju und der darauf folgenden Massaker verletzt oder getötet wurden, sowie für deren Angehörige und Hinterbliebene. So präsent dieses Kapitel der Geschichte in Südkorea jedoch auch heute noch ist, so wenig wissen die meisten Menschen hierzulande darüber, daher zunächst eine kleine Zusammenfassung:In Gwangju fanden im Mai 1980 anfangs friedliche Demonstrationen von Studenten gegen die damals herrschende Militärdiktatur statt. Das Militär reagierte mit äußerst brutaler Gewalt, worauf es zu weiteren Aufständen der Bevölkerung kam, die wiederum ohne Rücksicht auf Menschenleben niedergeschlagen wurden. Soldaten benutzten Bajonette, auch gegen Alte, Kinder und am Protest Unbeteiligte, oder feuerten wahllos in Menschenmengen, woraufhin sich die Aufständischen ebenfalls bewaffneten. Sprach das Militär damals offiziell von 170 Todesopfern und 730 Verhaftungen, geht eine 1988 herausgegebene Broschüre des Hilfswerk Terre des Hommes von über 2.000 Todesopfern aus, was auch andere Quellen unterstützen², während die The May 18 Memorial Foundation von über 3.000 Verhaftungen spricht³.Han Kang wurde in Gwangju geboren, ihre Eltern zogen jedoch im Jahr der Aufstände mit ihr nach Seoul. Dennoch verspürte sie stets eine innere Verbundenheit mit dem Geschehenen und besuchte im Alter von neunzehn Jahren das Grab eines Jungen, der als 15-Jähriger während der Massaker getötet wurde und vorher mit seinen Eltern in dem Haus lebte, in dem sie selber bis zu ihrem achten Lebensjahr mit ihren Eltern gewohnt hatte. Dieser Junge ist ein zentraler Charakter in "Menschenwerk".Die Autorin schwelgt nicht unnötig in der Darstellung der Gewalt um der Gewalt willen, beschönigt aber auch nichts und schreckt vor nichts zurück. Während manche Charaktere versuchen, ihre Erinnerungen zu verdrängen, erinnern sich andere nur zu deutlich an unmenschliche Folter und Erniedrigung, die darauf angelegt schien, sie jeglicher Menschenwürde zu berauben.An dieser Stelle eine eindringliche Triggerwarnung: explizit beschrieben werden Folter, sexuelle Gewalt, drastische Verwundungen und Verstümmelung, zum Teil auch Jugendliche betreffend."In den Trümmern unserer Körper lebte immer noch der Verhörraum aus dem Schicksalssommer."Mir raste mehr als einmal das Herz, ich empfand starke Gefühle der Beklemmung, der Wut und der Trauer, gelegentlich wurde mir auch leicht übel. Tatsächlich konnte ich mich kaum davon lösen, es beschäftigte mich mehrere Tage hindurch unentwegt.Auch wenn es vielleicht so klingt, bereue ich keineswegs, das Buch gelesen zu haben. Es ist ein wichtiges Buch, das den Menschen, die damals gestorben sind oder schwer traumatisiert überlebt haben, eine Stimme gibt – das aus ihnen mehr macht als eine Statistik oder eine Fußnote der südkoreanischen Geschichte. Die Autorin betont in Interviews, sie wolle diese Menschen auch nicht als Opfer darstellen, denn im koreanischen Verständnis beinhalte das Wort für 'Opfer' automatisch eine Annahme von Schwäche, und diese Menschen seien nicht schwach gewesen.In der Tat gelingt ihr, was sie anstrebte: sie schlägt die Brücke von der Gewalt zur Würde.Sie zeigt, wozu der Mensch fähig ist, im Guten wie im Schlechten. "Menschenwerk" sind die Folter und die Ermordung Unschuldiger, aber "Menschenwerk" sind auch die Selbstlosigkeit, der Mut und die Entschlossenheit, für das einzustehen, was richtig ist, und im äußersten Fall auch dafür zu sterben.Auch der Schreibstil spiegelt diese Kluft wieder. Meist ist er ruhig, manchmal sogar nüchtern, dann wieder poetisch. Die Geschichte wird aus der Sicht verschiedener Personen erzählt, sogar in verschiedenen Erzählperspektiven – mal spricht ein personaler Erzähler in der Ich-Perspektive, mal ein auktorialer in der dritten Person, in manchen Szenen wird der Leser sogar mit "Du" angesprochen, was ihn zwingt, die Rolle eines der Charaktere einzunehmen."Noch bevor der Mann seinen Satz beenden konnte, hast du gesehen, wie sich ein Arm hob. Dann sahst du mit an, wozu Hände, Füße und andere Körperteile imstande waren. Der Mann rief keuchend um Hilfe. Die Angriffe gingen weiter, bis er sich nicht mehr rührte."Fazit:"Menschenwerk" ist ein wichtiges Buch, ein bewegendes Buch, ein erschütterndes Buch – aber ganz sicher kein leichtes Buch, das man halbherzig nebenher lesen kann. In Romanform beschreibt es die Schicksale von Menschen, die auf verschiedenste Arten an den Aufständen in der südkoreanischen Stadt Gwangju im Jahr 1980 beteiligt waren, die in einem wahren Blutbad vom Militär niedergeschlagen worden. Nach all dieser Zeit gibt es ihnen eine Stimme: den Gefolterten, den Getöteten, den Angehörigen.Im Rahmen dieser Tragödie beleuchtet Han Kang alle Facetten der Menschlichkeit, von ihren grausamsten Abgründen bis hin zu ihren edelmütigsten Eigenschaften – eben Menschenwerk.

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