Hanna Dietz Das Haus der verrückten Kinder

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Inhaltsangabe zu „Das Haus der verrückten Kinder“ von Hanna Dietz

Interessanter und bedrückender Bericht über Magersucht, Familie und das Leben in einer psychatrischen Anstalt.

— Cattie
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  • Rezension zu "Das Haus der verrückten Kinder" von Valerie Valere

    Das Haus der verrückten Kinder
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    28. October 2010 um 08:40

    Kann es sein, dass es Menschen gibt, die für das Leben nicht geschaffen sind? Menschen, die sich nichts als den Tod wünschen? Im Falle der französischen Schriftstellerin Valérie Valère scheint sich dieses zu manifestieren. Es ist ein Jammer, dass dieser menschlichen Tragödie niemand Einhalt gebieten konnte. Weder Ärzte noch Freunde konnten helfen und die sog. Eltern schon gar nicht ... 1961 wurde sie in Paris als zweites Kind einer "ganz normalen" Familie geboren. "Ganz normal" bedeutete in ihrem Fall, dass sie stark vernachlässigt wurde. Was für jedes Kind ein Drama bedeutet, traf sie umso härter, da sie von Natur aus ein eher verschlossenes Kind war. Die Eltern verstanden sich nicht besonders gut, und heftigen Streit trugen sie vor den Kindern aus. Für diese gänzlich unbegreiflich war die Flucht der Eltern in andere Partnerschaften. Aber auch das mussten die Kinder ertragen, und Valérie traf es am schlimmsten. Einmal fuhr sie mit ihrem Vater in Urlaub - gemeinsam mit der Geliebten! Dabei soll es sich zugetragen haben, dass Valérie mit ihrem Vater und der Geliebten in einem Bett übernachtet hat. Sie bekam zwangsläufig "einiges" mit, doch verstehen konnte sie es natürlich nicht. Bereits zwölf Jahre alt, verwandelte sie das Unverständnis in negative Energie ... Der Hass in ihr wuchs in unermessliche Höhen. Doch sie richtete ihn nicht nur gegen die Eltern, sondern nahm sich schließlich selbst ins Visier, und so begann ein fürchterlicher Teufelskreis. Mit dreizehn Jahren hörte sie auf zu essen! Als sie nur noch 31 Kilo wog, entschloss sich die Mutter, sie in eine psychiatrische Klinik einzuweisen, und lieferte ein hochsensibles Kind dem Regime eines unbarmherzigen Systems aus. Erbarmungslose Schwestern und abgestumpfte Ärzte sahen Valérie ... aber sie erkannten ihr Wesen nicht. Valérie verweigerte allerdings nicht nur das Essen, sondern auch jede Art von Erklärung oder Mitteilung. Die Ärzte konnten somit keine gezielte Therapie anwenden, zumal ihnen auch noch die häuslichen Verhältnisse des Kindes vorenthalten wurden. Das geschundene Kind steigerte sich mit einer unglaublichen Präzision in seine Einsamkeit und Isolation. Sie entwickelte aber auch schmale Wege zu einer Selbsterkenntnis, welcher aber eine gnadenlose Beobachtungsgabe im Weg stand...! Sie kann Dialoge im Voraus formulieren und klagt die ganze Verlogenheit des Systems schonungslos an. Leider spielt sich das alles in ihrem Kopf ab, so dass niemand wirklich angemessen reagieren kann, und somit steigert sie sich immer weiter in die Aussichtslosigkeit. Sie beginnt wieder zu essen, doch ihre selbstzerstörerischen Mechanismen ("Ich wünsche das Nichts") haben längst die Oberhand gewonnen. Sie möchte aus der menschenunwürdigen Anstalt heraus, und nur aus diesem Grund nimmt sie wieder zu. Diese Bedingung erfüllt sie, ohne aber die Notwendigkeit tatsächlich zu begreifen. Es kommt leider, wie es kommen muss, denn auch "draußen" kann sie nicht mehr existieren. Nichts macht einen Sinn ... bis sie das Schreiben entdeckt! Leider bleibt ihr nicht viel Zeit ... "Das Haus der verrückten Kinder" ist ihr erstes Buch. Den Bericht über die vier Monate Klinikaufenthalt schrieb sie mit fünfzehn Jahren! Das Buch ist ein erschütterndes Zeugnis von Ignoranz, welches nicht nur aufreibt, sondern unendlich wütend macht. Valérie Valère hatte die falschen Eltern. Doch die haben viele ... ! Offenbar hatte sie aber generell (fast) immer die falschen Leute um sich! Ich frage mich, wieviel Pech dazu gehört, ständig gegen Wände laufen zu müssen, ohne die Aussicht, jemals auch nur annähernd verstanden zu werden. Schließlich ist sie auch noch ein Opfer ihrer eigenen Fähigkeiten geworden. Getötet haben sie ihre scharfsinnige Gesellschaftskritik in Verbindung mit ihrer verzweifelten Suche nach dem Sinn ihrer Existenz, aber auch ihre Sturheit und ihre destruktive Intelligenz. Wäre sie "blöd" gewesen, wie die "verrückten Kinder", hätte sie wohl alles ertragen. Doch wenn man die Freiheit als "Mythos" definiert und die Welt außerhalb der Klinikmauern als "anderes Gefängnis", dann ist die Katastrophe vorprogrammiert. Die Welt ist ein verlogenes Chaos, die Menschen sind "Kolonnen von verrückten, besessenen Ameisen", die nichts besseres zu tun haben, als ständig "in ihre Zellen mit den angestrichenen Wänden heimzukehren. Sie eilen ihren Hirngespinsten von seidigen Stoffen und von Zwängen bedingter Liebe entgegen." Mit beängstigendem Scharfsinn karikiert eine 15-jährige die sog. Normalität und landet einen Volltreffer nach dem anderen. Das Schlimme daran ist, dass sie oftmals gar nicht mal so unrecht hat ... 1982 war ihr Weg dann zu Ende. Sie starb mit 21 Jahren. Zurück bleiben ein paar Bücher, unvollendete Werke und jede Menge Fragen. Am meisten beschäftigt mich die Frage, was wohl aus ihr geworden wäre, wenn sie jemand an die Hand genommen und nie mehr losgelassen hätte ... Fazit: Bitterböse Karikatur des Lebens. © Thomas Lawall - www.querblatt.com

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