Hanna Krall

 3.9 Sterne bei 11 Bewertungen
Autor von Herzkönig, Tanz auf fremder Hochzeit und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Hanna Krall

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Herzkönig

Herzkönig

 (4)
Erschienen am 15.10.2007
Tanz auf fremder Hochzeit

Tanz auf fremder Hochzeit

 (3)
Erschienen am 01.01.1993
Hypnose

Hypnose

 (2)
Erschienen am 01.01.1997
Schneller als der liebe Gott

Schneller als der liebe Gott

 (1)
Erschienen am 01.05.1980
Rosa Straußenfedern

Rosa Straußenfedern

 (0)
Erschienen am 01.02.2012
Existenzbeweise

Existenzbeweise

 (0)
Erschienen am 01.01.1995
Unschuldig für den Rest des Lebens

Unschuldig für den Rest des Lebens

 (0)
Erschienen am 01.10.2001
Dem Herrgott zuvorkommen

Dem Herrgott zuvorkommen

 (0)
Erschienen am 01.01.1992

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tomars avatar

Rezension zu "Tanz auf fremder Hochzeit" von Hanna Krall

Wie ist es möglich?
tomarvor 4 Jahren

„Wie ist es möglich, daß ausgerechnet in unserem Jahrhundert darüber die Vernichtung kommt?“
Vor mehr als einem Jahrtausend siedelten sich Juden in Polen an. Sie hatten im Königreich Polen mehr Rechte als in anderen Ländern Europas und es entstand eine der größten jüdischen Gemeinden der Welt.
Mehr als drei Millionen Juden lebten in Polen 1939.

Hanna Krall erzählt in den sieben Geschichten dieses Buches von Menschen, die in der Zeit der Vernichtung, der Schoah, gelebt haben. Sie nimmt den Leser bei der Hand, führt ihn - keine Klischees, unpathetisch.
Nach der ersten Geschichte war ich mir nicht sicher, ob ich weiterlesen wollte. Es geht um eine Jüdin, die von einem kinderlosen Ehepaar versteckt wird und sich alles gefallen lassen muss. Der Mann beginnt ein Verhältnis mit ihr und die Ehefrau täuscht eine Schwangerschaft vor um das Kind, das schließlich geboren wird, als ihres auszugeben.
Die Autorin bleibt ganz nah an den Menschen, schildert ihre Motive und Handlungen sehr realistisch. Es fällt schwer, diese erschütternde Realität zu akzeptieren.

Hanna Krall berichtet von Überlebenden, von ihren Familien und Freunden. Sie geht dabei oft in die Geschichte zurück und man lernt diese besondere jüdische Kultur kennen, die es in Polen gegeben hat. In ihren Erzählungen gibt es verschiedene Ebenen - persönliche, politische, historische Beschreibungen wechseln sich ab. Sie schreibt in einem objektiven journalistischen Erzählstil, mal nüchtern, fast lakonisch und dann wieder sehr einfühlsam.
Am Ende von vielen Biografien steht der Name eines Vernichtungslagers. Nur der Name, mehr Aufmerksamkeit gibt sie den Mordfabriken der Nazis nicht. Nur einmal berichtet ein Überlebender von dem Aufstand in Sobibor.

Die Autorin gibt dem Leser keine Gelegenheit, die Juden nur auf ihre Opferrolle zu reduzieren, um die ganze Dimension der Vernichtung nicht zu spüren, nicht an sich heran zu lassen. Hanna Krall berichtet von Menschen, Mitgliedern einer reichen spannenden Kultur, die mit einer unvorstellbaren Bedrohung leben mussten. Sie beschreibt ihr Leben, ihren Mut, ihre Stärken und ihre Schwächen.
Viele Juden waren im polnischen Widerstand aktiv. Einige glaubten an den Kommunismus und gerieten in das stalinistische Terrorregime - auch darum geht es in diesem Buch.

Wer es liest, sollte es wirklich bis zu Ende lesen. Denn es schließt mit einem Tanz auf der richtigen Hochzeit und einem sehr vorsichtigen Weg nach Hause.

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Rezension zu "Hypnose" von Hanna Krall

Rezension zu "Hypnose" von Hanna Krall
Hallogenvor 9 Jahren

Mit dem sehr offenen Stil des Erzählens dürfte so mancher Leser Probleme haben: Manchmal wünscht man sich einfach auch mal Klarheit darüber, was sie mit all den Pünktchen andeuten will ("..." kommt auf jeder Seite mindestens einmal vor). Auf der anderen Seite ist es genau das, was das Buch so lesenswert macht. Das hier sollte niemand nebenbei lesen, man soll Pausen einlegen und darüber nachdenken, und meistens versteht man es dann auch. Wären es pure Erzählungen geworden, hätte man viele ihrer Anspielungen überlesen. So entwickelt sie aus dem Grauen der Vernichtung ein Panoptikum Polens (und Deutschlands sowie Israels), ist bemüht, wirklich alles abzudecken: polnische Antisemiten und Helfer, jüdische Verräter und Kämpfer, deutsche Mörder und solche, die man mit der Waffe am Kopf zum Mord zwingen muss. Aus diesem vielfältigen Spektrum entdeckt Krall einem erstaunliche Details: wie die Chassiden von Kock (dt. Kotzk), die in Treblinka umgebracht wurden, in den Köpfen der Befreiten von Bergen-Belsen (!) weiterleben werden, weil sie mit deren Gesängen ihren ersten Sabbat in Freiheit erleben, etwa. So etwas erkennt man aber nur, wenn man gründlich liest.


Das Hauptproblem solcher Bücher ist aber die Gratwanderung zwischen Realität und Realismus. Wenn man nicht weiß, was davon wirklich so geschehen ist, verliert es an Wert, ja man beginnt Dinge zu hinterfragen. Die Autorin versucht es dadurch zu lösen, dass sie bei einigen Erzählungen Fußnoten verwendet, doch macht es das nur bedingt besser, da es dadurch noch mehr zwischen Erzählung und Abhandlung schwankt. Ich habe das Buch einige Male zur Seite gelegt, seit ich es vor zwei Wochen angefangen habe, irgendwie hat mich schon die erste Erzählung geärgert, doch zum Glück habe ich mich auch von den nächsten Geschichten nicht verschrecken lassen, denn es wird immer besser und besser. Wenn man auf dem Umschlag etwas von Meistererzählungen liest, und gleich die erste so unfassbar unglaubwürdig ist, dann quält man sich da – trotz der Kürze – schon heftig durch, bis man anhand des Schlusses erkennt, dass das alles genau so passiert und kein Stück weit erfunden ist. Genau dadurch wird vermittelt, welch absurde Geschichten die Realität schreibt. Das ist kein Spoiler, sondern soll all denen helfen, die ähnlich wie ich an diesem selbstlobenden Stil kleben bleiben, der die ersten Erzählungen schwer erträglich macht. Diese absolut glatt geleckten und tadellosen Figuren sind schwer zu ertragen, besonders, wenn man sie für erfunden hält. Erst die Erzählungen, die mehr im Reportagestil verfasst wurden, entwickeln wahre Größe, berichten kleine Details, die viele nicht kennen dürften. Einige Dinge fand ich unnötig, etwa die mehrfache Erwähnung des Aussehens des Dr. Mengele, die für mich keine erkennbare Relevanz hatte. Auch die Wiederholung des Bildes mit der Ausbürgerung von Juden durch Polen, erschien mir unnötig. Manche Wiederholung hängt aber vielleicht damit zusammen, dass "Hypnose" eine deutsche Zusammenstellung von Werken aus den Jahren 1978 bis 1996 ist.


"Schwierigkeiten beim Aufstehen" behandelt die Unterwanderung der Solidarnosc-Bewegung, "Doktorarbeiten" antisemitische Diskriminierung im Polen der späten 1960er Jahre. Danach hatte ich erneut Probleme weiterzulesen, denn die "Hauptsache ICH bin toll"-Einstellung konnte ich noch nie leiden. Das ist mir einfach zu platt. "Rosenfeld" schildert Entwurzelung, "Eine Story für Hollywood" Ghostwriting. "Hypnose" ist zwar die Titelgeschichte, aber eher ein zersplittertes Wanken durch die polnisch-jüdische Geschichte, das auch Bilder aus Israel einbezieht. Sie erwähnt verständnislose Amerikaner und desinteressierte Israelis, umgenutzte Synagogen und kritisiert mehrfach Israel. Dazu sollte man vielleicht anmerken, dass Krall selbst polnische Jüdin ist, was auf und in meiner Ausgabe nirgends erwähnt wird, so dass ich bei einigen Sachen überlegte, ob sie da nicht etwas weit geht für eine Polin, und mich doch erst mal über sie informierte.


Die nächste Erzählung überzeugte mich dann aber von der Qualität der Autorin: "Das Eckhaus mit dem Türmchen" enthält schon erwähntes Detail zu den chassidischen Juden von Kock, berichtet von dem schwierigen Umgang mit der Vergangenheit des Ortes (etwa mit den jüdischen Gräbern). Auch alle folgenden Erzählungen sind überdurchschnittlich: "Begegnung im Bialy-Tal" verknüpft extrem geschickt wenige Namen zu einem Mosaik der polnischen Geschichte (v. a. ab 1939) und berichtet dabei vom Streit um Tote zwischen verschiedenen Verteidigungsorganisationen der Polen. Ein sehr dichtes Meisterwerk mit schockierend-bewegenden Szenen! „Der Hintergrund des Auges“ berichtet vom RAF-Terroristen Stefan Wisniewski und seinem polnischen Vater, „Die Nacht der Vereinigung“ zeigt deutsche Lebensläufe in einem äußerst gelungenen Bild (v. a. der Schlußabsatz), „Pola“ kehrt schließlich nach Kock bzw. in dessen Umgebung zurück. Das ist eine andere Stärke des Buches: Trotz der Zusammenstellung gibt es einen roten Faden, etwas das das Buch vollkommen macht und ihm genau dadurch Größe verleiht. Hart geht sie mit allen ins Gericht. Es ist immer schwer Bände mit Erzählungen zu bewerten. Der hier steht bei mir zwischen vier und fünf Sternen, weil auch die, die mir nicht so gefielen ihre Berechtigung für das Gesamtkonzept haben.

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