Hanna Krall Hypnose

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Inhaltsangabe zu „Hypnose“ von Hanna Krall

Als Anfang der achtziger Jahre die politische Situation in Polen in der Ausrufung des Kriegszustands kulminiert, legt die renommierte Journalistin aus Protest ihre Arbeit nieder. Aus der Not des Publikumsverbots macht Hanna Krall eine Tugend: sie wendet sich vom Tagesgeschehen ab und jüdischen Themen zu. Ihr Stil wird zunehmend literarisch und vereint in seiner Dichte aufwühlendes Erzählen mit lakonischer Beschreibung. Präzise Beobachtung und das Wissen um die gekonnte Verknüpfung der Schicksalsfäden bestimmen die obsessive Spurensuche. Ihr souveräner Zugriff auf die Fakten und das begründete Vertrauen, dass diese für sich selbst sprechen, bestimmen Hanna Kralls Geschichten, deren Kunst in der Aussparung, im Nichtgesagten liegt, denn »man muss soviel es geht über die Menschen erfahren und dann möglichst wenig schreiben«. Der Band »Hypnose« ist eine Bestandsaufnahme dieser Entwicklung. Im Zentrum dieser Erzählungen von Hanna Krall stehen Menschen, die dem Holocaust zum Opfer fielen oder ihn überlebten. Die Geschichten erzählen alle davon, wie gegenwärtig die Folgen des Zweiten Weltkriegs noch sind. Und sie handeln von den ewigen Dingen des Lebens: Angst, Liebe, Eifersucht und Tod, für die Polen, Kanada, Israel und Deutschland nur die Kulissen sind.

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  • Rezension zu "Hypnose" von Hanna Krall

    Hypnose
    Hallogen

    Hallogen

    11. January 2010 um 22:10

    Mit dem sehr offenen Stil des Erzählens dürfte so mancher Leser Probleme haben: Manchmal wünscht man sich einfach auch mal Klarheit darüber, was sie mit all den Pünktchen andeuten will ("..." kommt auf jeder Seite mindestens einmal vor). Auf der anderen Seite ist es genau das, was das Buch so lesenswert macht. Das hier sollte niemand nebenbei lesen, man soll Pausen einlegen und darüber nachdenken, und meistens versteht man es dann auch. Wären es pure Erzählungen geworden, hätte man viele ihrer Anspielungen überlesen. So entwickelt sie aus dem Grauen der Vernichtung ein Panoptikum Polens (und Deutschlands sowie Israels), ist bemüht, wirklich alles abzudecken: polnische Antisemiten und Helfer, jüdische Verräter und Kämpfer, deutsche Mörder und solche, die man mit der Waffe am Kopf zum Mord zwingen muss. Aus diesem vielfältigen Spektrum entdeckt Krall einem erstaunliche Details: wie die Chassiden von Kock (dt. Kotzk), die in Treblinka umgebracht wurden, in den Köpfen der Befreiten von Bergen-Belsen (!) weiterleben werden, weil sie mit deren Gesängen ihren ersten Sabbat in Freiheit erleben, etwa. So etwas erkennt man aber nur, wenn man gründlich liest. Das Hauptproblem solcher Bücher ist aber die Gratwanderung zwischen Realität und Realismus. Wenn man nicht weiß, was davon wirklich so geschehen ist, verliert es an Wert, ja man beginnt Dinge zu hinterfragen. Die Autorin versucht es dadurch zu lösen, dass sie bei einigen Erzählungen Fußnoten verwendet, doch macht es das nur bedingt besser, da es dadurch noch mehr zwischen Erzählung und Abhandlung schwankt. Ich habe das Buch einige Male zur Seite gelegt, seit ich es vor zwei Wochen angefangen habe, irgendwie hat mich schon die erste Erzählung geärgert, doch zum Glück habe ich mich auch von den nächsten Geschichten nicht verschrecken lassen, denn es wird immer besser und besser. Wenn man auf dem Umschlag etwas von Meistererzählungen liest, und gleich die erste so unfassbar unglaubwürdig ist, dann quält man sich da – trotz der Kürze – schon heftig durch, bis man anhand des Schlusses erkennt, dass das alles genau so passiert und kein Stück weit erfunden ist. Genau dadurch wird vermittelt, welch absurde Geschichten die Realität schreibt. Das ist kein Spoiler, sondern soll all denen helfen, die ähnlich wie ich an diesem selbstlobenden Stil kleben bleiben, der die ersten Erzählungen schwer erträglich macht. Diese absolut glatt geleckten und tadellosen Figuren sind schwer zu ertragen, besonders, wenn man sie für erfunden hält. Erst die Erzählungen, die mehr im Reportagestil verfasst wurden, entwickeln wahre Größe, berichten kleine Details, die viele nicht kennen dürften. Einige Dinge fand ich unnötig, etwa die mehrfache Erwähnung des Aussehens des Dr. Mengele, die für mich keine erkennbare Relevanz hatte. Auch die Wiederholung des Bildes mit der Ausbürgerung von Juden durch Polen, erschien mir unnötig. Manche Wiederholung hängt aber vielleicht damit zusammen, dass "Hypnose" eine deutsche Zusammenstellung von Werken aus den Jahren 1978 bis 1996 ist. "Schwierigkeiten beim Aufstehen" behandelt die Unterwanderung der Solidarnosc-Bewegung, "Doktorarbeiten" antisemitische Diskriminierung im Polen der späten 1960er Jahre. Danach hatte ich erneut Probleme weiterzulesen, denn die "Hauptsache ICH bin toll"-Einstellung konnte ich noch nie leiden. Das ist mir einfach zu platt. "Rosenfeld" schildert Entwurzelung, "Eine Story für Hollywood" Ghostwriting. "Hypnose" ist zwar die Titelgeschichte, aber eher ein zersplittertes Wanken durch die polnisch-jüdische Geschichte, das auch Bilder aus Israel einbezieht. Sie erwähnt verständnislose Amerikaner und desinteressierte Israelis, umgenutzte Synagogen und kritisiert mehrfach Israel. Dazu sollte man vielleicht anmerken, dass Krall selbst polnische Jüdin ist, was auf und in meiner Ausgabe nirgends erwähnt wird, so dass ich bei einigen Sachen überlegte, ob sie da nicht etwas weit geht für eine Polin, und mich doch erst mal über sie informierte. Die nächste Erzählung überzeugte mich dann aber von der Qualität der Autorin: "Das Eckhaus mit dem Türmchen" enthält schon erwähntes Detail zu den chassidischen Juden von Kock, berichtet von dem schwierigen Umgang mit der Vergangenheit des Ortes (etwa mit den jüdischen Gräbern). Auch alle folgenden Erzählungen sind überdurchschnittlich: "Begegnung im Bialy-Tal" verknüpft extrem geschickt wenige Namen zu einem Mosaik der polnischen Geschichte (v. a. ab 1939) und berichtet dabei vom Streit um Tote zwischen verschiedenen Verteidigungsorganisationen der Polen. Ein sehr dichtes Meisterwerk mit schockierend-bewegenden Szenen! „Der Hintergrund des Auges“ berichtet vom RAF-Terroristen Stefan Wisniewski und seinem polnischen Vater, „Die Nacht der Vereinigung“ zeigt deutsche Lebensläufe in einem äußerst gelungenen Bild (v. a. der Schlußabsatz), „Pola“ kehrt schließlich nach Kock bzw. in dessen Umgebung zurück. Das ist eine andere Stärke des Buches: Trotz der Zusammenstellung gibt es einen roten Faden, etwas das das Buch vollkommen macht und ihm genau dadurch Größe verleiht. Hart geht sie mit allen ins Gericht. Es ist immer schwer Bände mit Erzählungen zu bewerten. Der hier steht bei mir zwischen vier und fünf Sternen, weil auch die, die mir nicht so gefielen ihre Berechtigung für das Gesamtkonzept haben.

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