Hanna Krall Tanz auf fremder Hochzeit

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Inhaltsangabe zu „Tanz auf fremder Hochzeit“ von Hanna Krall

»Kinder, ihr tanzt auf einer fremden Hochzeit«, entfährt es einer jüdischen Mutter in der Titelgeschichte mit einem tiefen Seufzer angesichts der kommunistischen Aktivitäten ihrer Tochter.

Den Erzählungen von Hanna Krall liegt stets ein authentischer Kern zugrunde, und die Recherchen nach dem Schicksal polnischer Juden haben sie in viele Länder geführt. Immer betrachtet Hanna Krall die Welt durch ein Einzelschicksal, das für sie den Schlüssel zum Kosmos darstellt: jemandes Liebe, Tod und Verstrickung, ein nächster Henker und ein neues Opfer.

Aufgrund historischer Ereignisse verlief das Leben der Protagonisten ihrer neuen Geschichten anders als geplant. Inwieweit darin eine Ordnung zu sehen ist, eine blutige und erbarmungslose oder gar eine biblische, bleibt Hanna Kralls literarisches Geheimnis.

Zu den Erzählungen: Sechs Wehrmachtsoffiziere (unter ihnen Axel von dem Bussche und Richard von Weizsäcker) schießen 1943 vor Leningrad auf ein Hitlerporträt; in ein osteuropäisches Städtchen ist der Kapitalismus eingekehrt, doch statt des sehnlich erwarteten Sponsors tauchen die Schatten der Vergangenheit auf; 1944, eine Frau täuscht eine Schwangerschaft vor, während sich die tatsächlich Schwangere, eine Jüdin, im Schrank verstecken muss.

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    Tanz auf fremder Hochzeit

    tomar

    25. October 2014 um 14:15

    „Wie ist es möglich, daß ausgerechnet in unserem Jahrhundert darüber die Vernichtung kommt?“ Vor mehr als einem Jahrtausend siedelten sich Juden in Polen an. Sie hatten im Königreich Polen mehr Rechte als in anderen Ländern Europas und es entstand eine der größten jüdischen Gemeinden der Welt. Mehr als drei Millionen Juden lebten in Polen 1939. Hanna Krall erzählt in den sieben Geschichten dieses Buches von Menschen, die in der Zeit der Vernichtung, der Schoah, gelebt haben. Sie nimmt den Leser bei der Hand, führt ihn - keine Klischees, unpathetisch. Nach der ersten Geschichte war ich mir nicht sicher, ob ich weiterlesen wollte. Es geht um eine Jüdin, die von einem kinderlosen Ehepaar versteckt wird und sich alles gefallen lassen muss. Der Mann beginnt ein Verhältnis mit ihr und die Ehefrau täuscht eine Schwangerschaft vor um das Kind, das schließlich geboren wird, als ihres auszugeben. Die Autorin bleibt ganz nah an den Menschen, schildert ihre Motive und Handlungen sehr realistisch. Es fällt schwer, diese erschütternde Realität zu akzeptieren. Hanna Krall berichtet von Überlebenden, von ihren Familien und Freunden. Sie geht dabei oft in die Geschichte zurück und man lernt diese besondere jüdische Kultur kennen, die es in Polen gegeben hat. In ihren Erzählungen gibt es verschiedene Ebenen - persönliche, politische, historische Beschreibungen wechseln sich ab. Sie schreibt in einem objektiven journalistischen Erzählstil, mal nüchtern, fast lakonisch und dann wieder sehr einfühlsam. Am Ende von vielen Biografien steht der Name eines Vernichtungslagers. Nur der Name, mehr Aufmerksamkeit gibt sie den Mordfabriken der Nazis nicht. Nur einmal berichtet ein Überlebender von dem Aufstand in Sobibor. Die Autorin gibt dem Leser keine Gelegenheit, die Juden nur auf ihre Opferrolle zu reduzieren, um die ganze Dimension der Vernichtung nicht zu spüren, nicht an sich heran zu lassen. Hanna Krall berichtet von Menschen, Mitgliedern einer reichen spannenden Kultur, die mit einer unvorstellbaren Bedrohung leben mussten. Sie beschreibt ihr Leben, ihren Mut, ihre Stärken und ihre Schwächen. Viele Juden waren im polnischen Widerstand aktiv. Einige glaubten an den Kommunismus und gerieten in das stalinistische Terrorregime - auch darum geht es in diesem Buch. Wer es liest, sollte es wirklich bis zu Ende lesen. Denn es schließt mit einem Tanz auf der richtigen Hochzeit und einem sehr vorsichtigen Weg nach Hause.

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