HOLPRIGER REIHENAUFTAKT...
Plötzlich verwitwet zieht Julia mit ihrem Sohn auf die Insel Föhr, um die Heimat ihres verstorbenen Mannes kennenzulernen. Nie hat sie mit Barne über dessen Familie gesprochen. Nach seinem unerwarteten Tod steht Julia nicht nur vor den Scherben ihrer gesamten Existenz, sondern auch vor der quälenden Frage, wie gut sie Barne überhaupt gekannt hat. Auf Föhr angekommen, um mit Sohn Liam einen Neuanfang zu wagen, sucht Julia die Verbindung zu Barnes Familie, doch die Schwiegereltern lehnen jeden Kontakt ab. Dafür bietet Julias Schwager Krischan ihr und Liam vorübergehend Unterschlupf. Seine Nähe löst bei Julia wildes Herzklopfen aus, das einfach nicht sein darf. Gelingt es Julia, ihren Plan in die Tat umzusetzen und Licht in Barnes Vergangenheit zu bringen? Und schafft sie es, den Riss in seiner Familie zu heilen? Oder macht ihr die Liebe einen Strich durch die Rechnung? (Verlagsbeschreibung)
Dieser Reihenauftakt von Hanna Paulsen ist ein Inselroman, der Nordseefeeling, Familiengeheimnisse und eine zarte Liebesgeschichte miteinander verbindet. Die Handlung begleitet die junge Witwe Julia, die nach dem Tod ihres Mannes gemeinsam mit ihrem kleinen Sohn auf die Nordseeinsel Föhr zieht, um mehr über dessen Vergangenheit und seine Familie herauszufinden. Dabei stößt sie nicht nur auf Ablehnung und ungelöste Konflikte, sondern auch auf unerwartete Gefühle.
Hanna Paulsen schreibt in einem angenehm flüssigen Stil. Die Charaktere allerdings erscheinen mir größtenteils zu eindimensional. Julia ist dabei noch am greifbarsten, auch wenn mir ihr wildes Hin und Her zwischen Trauer und heimlicher Liebe, Hoffnung und Verzweiflung, Stärke und Unsicherheit stellenweise doch zu viel wurde. Die anderen Figuren sind doch (noch) recht oberflächlich gezeichnet, selbst Julias Schwager Krischan erscheint hier in erster Linie als selbstloser Mensch und überschlägt sich dabei fast in seiner Hilfsbereitschaft. Der natürlich zarte Gefühle zugrunde liegen, das immerhin ist klar.
Schön fand ich die atmosphärischen Schilderungen der Insel Föhr. Die raue Schönheit der Nordsee, kleine friesische Traditionen und das gemütliche Inselleben werden recht lebendig geschildert, und gerade diese norddeutsche Kulisse verleiht dem Roman seinen besonderen Charme und den Wohlfühlcharakter.
Viele Konflikte und Hintergründe werden in diesem ersten Band der vierteiligen Reihe noch eher angedeutet als ausführlich behandelt, wodurch etliches unklar und ungelöst bleibt. Vermutlich werden diese offenen Aspekte in den kommenden Bänden wieder aufgegriffen und weiter vertieft. Zumindest sorgt die Mischung aus Familiengeschichte, Neuanfang und verbotenen Gefühlen für ausreichend Spannung ohne überdramatisch zu werden, auch wenn man hier vergeblich nach überraschenden Wendungen sucht.
Die ungekürzte Hörbuchausgabe (6 Stunden und 10 Minuten) wird meist angenehm gelesen von Sabine Rosenberg-Lipinsky - allerdings konnte ich an den Stellen, an denen sie die Stimme senkte oder tief sprach, kaum etwas verstehen. Das war phasenweise doch recht anstrengend.
Insgesamt ist "Föhrer Frühling" ein leichter, angenehm geschriebener Auftakt mit schöner Nordseeatmosphäre, der jedoch (noch) nicht in die Tiefe geht. Für Fans von Inselromanen und gefühlvollen Geschichten aber wohl eine Empfehlung.
© Parden





























