Hanna Zeckau

 4,8 Sterne bei 4 Bewertungen

Lebenslauf von Hanna Zeckau

Hanna Zeckau, Jahrgang 1978, ist Grafikerin und Illustratorin. 2007 brachte sie gemeinsam mit Carsten Aermes Brehms verlorenes Tierleben. Illustriertes Lexikon ausgestorbener Vögel und Säugetiere heraus, das 2008 die Bronzemedaille bei "Best book design from all over the world – International Competition" erhielt und von der Stiftung Buchkunst als eines der schönsten Bücher 2007 prämiert wurde. Hanna Zeckau lebt und arbeitet in Berlin.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Hanna Zeckau

Cover des Buches Der Schmetterlingskoffer (ISBN: 9783869710242)

Der Schmetterlingskoffer

 (4)
Erschienen am 23.09.2010
Cover des Buches Brehms verlorenes Tierleben (ISBN: 9783861507949)

Brehms verlorenes Tierleben

 (0)
Erschienen am 01.10.2007

Neue Rezensionen zu Hanna Zeckau

Cover des Buches Der Schmetterlingskoffer (ISBN: 9783869710242)ChiefCs avatar

Rezension zu "Der Schmetterlingskoffer" von Hanna Zeckau

Rezension zu "Der Schmetterlingskoffer" von Hanna Zeckau
ChiefCvor 10 Jahren

Wer schon einmal in Großmutters alten Schränken gestöbert hat, kennt vielleicht das Entzücken, wenn ganz hinten in einer modrigen Schublade ein altes Zigarrenkistchen auftaucht, randvoll mit längst vergessenen Erinnerungsstücken, etwa gerissenen Granatketten, Briefmarken mit Porträts längst vergessener Potentaten, verwitterte, gepresste Wiesenblumen, süßliche Sammelbildchen. Wer das selbst schon erlebt hat, kann sich vorstellen, wie groß der Zauber gewesen sein muss, als der Schauspieler und Publizist Hanns Zischler und die junge Illustratorin Hanna Zeckau 2006 bei Recherchen im Naturkundemuseum Berlin auf einen ganzen Schatzkoffer gestoßen sind, gefüllt mit Hunderten von Zigarrenkästchen, darin rund 18.000 Schmetterlinge. Die Falter waren, zwecks sicherem Transport, sorgfältig in Papier gefaltet, und Zeckau musste sie ebenso vorsichtig wieder entfalten, um sie gestalten zu können. Das Resultat ist ein Buch, das selbst ein Schatzkästchen geworden ist.
Klappt man den Deckel des Schmetterlingskoffers auf, dann taucht man in eine Welt voller Preziosen ein. Zum einen sind das natürlich Zeckaus Illustrationen exotischer Schmetterlinge, die in dieser altmodischen Darstellungsweise seltsamerweise mehr faszinieren als es Fotos könnten. Nicht nur das Kunstwerk, auch die Natur, ist in Zeiten der technischen Reproduzierbarkeit beliebig und somit auch der Blick des Betrachters lieblos und flüchtig geworden.
Eine weitere Entdeckung ist aber ebenso die spannende Geschichte des Mannes, dem dieser fast vergessene Schatz zu verdanken ist: Arnold Schultze war ein deutscher Geograf, Naturwissenschaftler und Schmetterlingssammler, der Jahre seines Lebens im Ausland, unter anderem in Kolumbien, verbracht hat. Als er 1939 per Schiff nach Deutschland zurückkehren wollte, fing gerade der Krieg an. Der Frachter wurde von den Briten aufgebracht und versenkt, mit ihm ging fast das gesamte Lebenswerk Schultzes in den Fluten unter. Den Schmetterlingskoffer hatte er schon früher nach Berlin voraus geschickt.
Schultzes eigenhändig verfasste Berichte aus Kolumbien muten trotz der seither verflossenen Zeit so gar nicht nostalgisch, sondern fast erschreckend modern an. Denn wissenschaftlich unpathetisch und dennoch eindringlich beschreibt er den Raubbau an der Natur, die rücksichtslosen Brandrodungen, die Vernichtung des Urwalds aus kurzsichtiger Profitgier. Und Schultze zieht bereits vor rund 90 Jahren die richtigen Schlussfolgerungen: dass die Zerstörung der Wälder sogar Auswirkungen auf das Klima, und zwar nicht nur in der Region, haben dürfte. Außerdem erweist sich Schultze als echter Natur- und Tierliebhaber und auch diese Passion vermittelt er dem Leser in einem Stil, der an sich unsentimental ist. Dass er aber dennoch so viele Eindrücke und auch Gefühle derart farbig vermitteln kann, liegt daran, dass Schultze eine Kunst beherrscht, die vor allem angelsächsische Journalistenschulen ihren Studenten beizubringen suchen: Show, don’t tell. Schultze zeigt alles in seinen detaillierten Schilderungen, also muss er nichts wortreich beteuern.
Zwischen Schultzes Texten finden sich ferner Einsprengsel anderer Autoren, die zum Themenbereich passen, darunter Stücke weiterer Schmetterlingsliebhaber, so von Vladimir Nabokov, aber auch etwa kurze Lexikonartikel.
Zeckau hat nicht nur viele der Schmetterlinge gezeichnet, die sie in den Kistchen gefunden hat, sondern zum Teil auch Letztere selbst, die mit ihren pompösen, farbenprächtigen Dekors einen ganz eigenen Reiz verströmen. Ebenso hat Zeckau etliche der Hüllen illustriert, in die die Falter gefaltet waren, damals Abfallpapier, heute interessante und teils auch skurrile und schmucke Zeitzeugnisse.
Die Bergung dieses Schatzes besticht durch ihre Vielschichtigkeit. Wissenschaftliche und ästhetische Aspekte sind nur ein Teil davon. Darüber hinaus fesselt die immanente Poetik dieses Unterfangens: Gleich einer Schmetterlingspuppe in ihrem Kokon dämmerte die Sammlung ihrer Wiederbelebung entgegen. Im Begriff Illustration steckt ja selbst schon das lateinische Wort erleuchten, erhellen. Und Zeckau und Zischler haben durch ihre Arbeit diese kostbare Kollektion wieder ans Licht gebracht. Seite um Seite umblätternd, entpuppt sich dem geneigten Leser nun ein Mikrokosmos, der ums Haar für immer verhüllt geblieben wäre.
Ein wunderbar versponnenes Buch!

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