Hannah Arendt

 4,2 Sterne bei 224 Bewertungen
Autorin von Eichmann in Jerusalem, Die Freiheit, frei zu sein und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Der lebenslange Kampf für Freiheit und Gleichheit: Hannah Arendt, geboren am 14. Oktober 1906 in Hannover, war eine jüdische Theoretikerin und Publizistin. Sie studierte Philosophie und Theologie an der Universität Marbug. Durch die Verfolgung der Juden zur Zeit des Nationalsozialismus und ihre eigene Inhaftierung emigrierte sie 1933 nach Deutschland. Nachdem sie ausgebürgert worden war galt sie bis 1951 als staatenlos. Erst dann erhielt sie die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.

 Dort war sie dann zunächst als Journalistin und Hochschullehrerin tätig. Sie veröffentlichte Beiträge zur politischen Philosophie und Theorie. Sie schrieb stets nach dem von ihr entwickelten Konzept der potentiellen Freiheit und Gleichheit in der Politik. So übernahm sie eine bedeutende Rolle in den Debatten ihrer Zeit. Ihren Durchbruch als Autorin schaffte sie es mit ihrem politischen Hauptwerk „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“. 

Nach dem Kriegsende beschäftigte sie sich vor allem mit Existenzphilosophie und einer umfassenden Studie über den Nationalsozialismus. Außerdem engagierte sie sich nach wie vor für jüdische Organisationen. 1953 bekam sie dann eine Professur am Brooklyn College und war Mitbegründerin des Leo Beack Instituts. Am 4. Dezember 1975 starb sie dann schließlich in New York City.

Ihr Vermächtnis besteht vor allem in der Entwicklung des Totalitarismusbuchs, das bis heute zum Standard politischer Bildung gehört. Nach ihrem Tod wurde sie auch die verschiedensten Weisen geehrt. So unter anderem als der 1990 entdeckte Asteroid nach ihr benannt wurde. Außerdem wird seit 1995 der Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken vergeben. In ganz Deutschland sind zudem Gedenktafeln und Veranstaltungen zu finden. Darüber hinaus wurden zahlreiche Parks und Straßen nach ihr benannt.

Alle Bücher von Hannah Arendt

Cover des Buches Eichmann in Jerusalem (ISBN: 9783492317085)

Eichmann in Jerusalem

(39)
Erschienen am 31.03.2022
Cover des Buches Die Freiheit, frei zu sein (ISBN: 9783423146517)

Die Freiheit, frei zu sein

(31)
Erschienen am 12.01.2018
Cover des Buches Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft (ISBN: 9783492317092)

Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft

(18)
Erschienen am 02.11.2023
Cover des Buches Vita activa oder Vom tätigen Leben (ISBN: 9783492316910)

Vita activa oder Vom tätigen Leben

(19)
Erschienen am 12.10.2020
Cover des Buches Über das Böse (ISBN: 9783492250634)

Über das Böse

(16)
Erschienen am 01.10.2007
Cover des Buches Macht und Gewalt (ISBN: 9783492307291)

Macht und Gewalt

(11)
Erschienen am 29.02.2024
Cover des Buches Wir Flüchtlinge (ISBN: 9783150193983)

Wir Flüchtlinge

(8)
Erschienen am 13.07.2016

Neue Rezensionen zu Hannah Arendt

Cover des Buches Die weisen Tiere (ISBN: 9783907248164)
simone_richters avatar

Rezension zu "Die weisen Tiere" von Hannah Arendt

simone_richter
Unbekannte Seite Hannah Arendts

Berühmt wurde Hannah Arendt unter anderem als Beobachterin des Eichmann Prozesses. Eher unbekannt ist, dass sie auch Märchen verfasst hat. Auf den Text ist Hildegard E. Keller während der Recherche zu ihrem Roman „Was wir scheinen“ (Eichborn, 2021) gestoßen. „Die weisen Tiere“ lag in einer Schachtel mit der Aufschrift „Poetry and Stories“ und wurde auf sieben Blätter Luftpolsterpapier getippt. Die Originalausgabe von „Die weisen Tiere“ erschien Anfang März 2025 in der Zürcher Edition Maulhelden. Nun hat auch die Büchergilde Gutenberg dieses schöne Buch herausgebracht. Es hat eben auch zwei dieser Originalseiten als Vor- und Nachsatzpapier in diesem Buch. Außerdem hat es einen geprägten festen Einband, schwarzes Papier mit weißer Schrift, Fadenheftung und einen silbernen Buchschnitt. Ein kleiner schmucker Schatz mit 80 Seiten, welcher neue Facetten der bedeutenden Denkerin des 20. Jahrhunderts offenbart.

Die zauberhafte Geschichte handelt von einer kleinen Gänsehirtin, die aufbricht, um eine geheimnisvolle Gans mit einem schwarzen Fleck auf der Brust zu suchen. Sie lernt die Vogelsprache und auf ihrem Weg mit einem Flugzeug spricht sie mit zahlreichen weltberühmten Fabeltieren; dem Pferd mit Flügeln, einem klugen Uhu, einem Kamel, Schlange, Leviathan und dem Mondkalb. Jedes mit eigenem Charakter und Haltungen. Das Pferd Pegasus trägt das Mädchen weiter zu einem kurzen prägnanten Schluss.
Eine detailreiche und fantasievolle Erzählung, die ich mir aber mehr für Erwachsenen vorstellen kann. Es geht um Aufbruch, Lernen und Gemeinschaft.

Zwei verschriftlichte Interviews von 1964

In dem kleinen Buch sind zwei Gespräche von Hannah Arendt abgedruckt. Einmal ihr Interview bei Günther Gaus 1964 und einmal bei Joachim Fest im gleichen Jahr.

Ich merke an, dass die beiden Interviews bei YT zu finden sind, und die ich zum Durcharbeiten genutzt habe. Auch deswegen, weil ich beide Abdrucke schon kannte und so schneller durch die Seiten kam. So kam ich schneller zu den Stellen, die für mich interessant waren und wo ich dann meine Anmerkungen an die Seite schreiben konnte.

ABER: Beide Abdrucke sind nicht 1:1 übernommen. Hier und da fehlen Teile. Was mir beim Fest-Interview deutlich mehr aufgefallen ist und ich dann Probleme hatte, den Einstieg wiederzufinden. Da hätte ich mir von Verlagsseite her gewünscht, dass man da noch mal drüber sieht und abgleicht. Das ist aber Meckern auf hohem Niveau.

Cover des Buches Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft (ISBN: 9783492210324)
Trishen77s avatar

Rezension zu "Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft" von Hannah Arendt

Trishen77
Wie es kam

In ihrem dreiteiligen Werk (das erstmal 1951 erschien und danach von ihr mehrfach aktualisiert wurde), möchte Hannah Arendt nicht mehr und nicht weniger tun, als zu erklären, wie sich die totalen Herrschaften in Nazideutschland (und der Sowjetunion unter Stalin) entwickelten, woher also die Elemente stammten, die ihren Aufstieg und ihre Verbrechen ermöglichten. In dieser Rezension werde ich kurz auf alle drei Teile eingehen.

I

Im ersten Teil beschäftigt sich Arendt mit dem Antisemitismus. Bedeutsam ist, dass sie ihn vom Judenhaß, der historisch eine lange Tradition hat, insofern trennt, als dass er sich nicht gegen die Juden als Volksgruppe, sondern die Juden als gesondertes Element in den Gesellschaften des 19. und 20. Jahrhunderts richtet. Antisemitismus war in diesem Sinne weniger ein emotionales Ventil als eine sittliche Einstellung, die nicht mehr von z.B. religiösen Motiven befeuert, sondern von gesellschaftlichen Normen geprägt war. Arendt legt dar, dass dieser neue Antisemitismus in der besonderen Verquickung von Juden und Staat, die seit einigen Jahrhunderten in Europa bestand, wurzelte. Womit nicht gemeint ist, dass die Juden irgendeine Form von Staatsmacht gehabt hätten, wie es Verschörungstheoretiker*innen leider immer noch stupent behaupten. Sondern, dass Juden sehr oft mit dem Staat identifiziert wurden, weil sie den jeweiligen Herrscher*innen (oft im Bereich der Beschaffung von Geldern) zu Diensten waren, im Tausch gegen Schutz für sich und die eigenen Gemeinden. Diese Identifikation führte in den enttäuschten Teilen der Bevölkerung, dem Mob, zu einer Antipathie gegen Juden, die sich als sehr exponierte, weil nicht in der Gesellschaft aufgehende, Gruppe, auch noch leicht herausgreifen ließen. Arendt schilderte die komplexe und absurde Lage der Juden, die zum einen geschätzt (für ihre Dienste und als Kuriosum in der feinen Gesellschaft) und zum anderen von einem auf den anderen Tag zu Sündenböcken werden konnten. Dies geschah anfangs nur vereinzelt, bis dann der Nationalsozialismus das mobilisierende Potenzial des Antisemitismus erkannte und voll umsetzte.

Arendts Darstellung changiert zwischen allgemeiner Darstellung und literarischen und biographischen Ausflügen. Es gelingt ihr, das Bild des Antisemitismus klar herauszuarbeiten. Man glaubt, man versteht, was Antisemitismus ist und lernt dann doch noch sehr viel über die fluide Geschichte, die zu diesem Begriff geführt hat. 

II

Der zweite Teil beschäftigt sich mit dem Imperialismus, jener Epoche, in der die europäischen Staaten danach trachteten, nicht nur Kolonien für die Plünderung anderer Erdteile zu gründen, sondern dorthin auch ihr Staatsterritorium zu erweitern. Wie dies zusammenhängt mit Kapitalismus und dem Niedergang des Nationalstaats und durch beides (+ die Entwicklung einer umfassenden Bürokratie) dann mit dem Aufstieg der faschistischen und schließlich totalitären Systeme, das weiß Arendt sehr schlüssig darzulegen. Zugleich ist dieser zweite Teil aber auch der fragwürdigste, sind Arendts Vorstellungen von Zivilisation und vor allem von den Lebenswirklichkeiten der afrikanischen Ureinwohner*innen, doch ziemlich befremdlich, für heutige Maßstäbe. Man will ihr das nicht vorwerfen, aber ihre Ausführungen zu Kannibalen und europäischer Vernunft stoßen, bei aller Milde, doch sauer auf. 

III

Im dritten Teil dann, geht es, finally, darum, inwiefern totalitäre Staaten besondere Gebilde sind, die nicht mit faschistischen oder tyrannischen oder diktatorischen Systemen verwechselt werden sollten, auch wenn sie Elemente davon enthalten; vielmehr treiben sie deren Züge auf eine neue Spitze, die es bis dato nicht gab und die nicht nur eine ganz neue Form von Schreckensherrschaft, sondern auch den massenhaften Genozid an den Juden ermöglichte.


Dies ist nur eine sehr kurze Zusammenfassung. Arendt brilliert manchmal in Nebensätzen und setzt Dinge in kluge Zusammenhänge, was alles hier nicht simuliert werden soll und kann. Es ist ein reiches Buch mit ein paar Längen und als solches muss es gelesen werden; überblättern sollte man nur im Notfall, da sich oft etwas Substanzielles, auch in Bezug auf unsere heutige Zeit, jederzeit ergeben kann, unverhofft geradezu. Das Buch wirft letztlich nicht nur einen Blick zurück, sondern manche Beobachtungen ihre Schatten auch voraus. Was Arendt zu Kapitalismus, zu den Vereinigten Staaten und zur Verfassung des Menschen, die Wahrheit zu akzeptieren, sagt, das könnte kaum aktueller sein und kann leider noch aktueller werden. 

Kleine Kostprobe:

"Was heute auf dem Spiel steht, ist die Existenz der Geschichte selbst, sofern sie verstanden und darum erinnert werden kann; denn dies ist nicht mehr möglich, wenn Tatsachen nicht in ihrer Unabweisbarkeit respektiert werden als das, was den Bestand der Vergangenheit wie der gegenwärtigen Welt garantiert, sondern als Argumente ge- und verbraucht werden, um bald diese, bald jene Meinung zu beweisen."

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Zusätzliche Informationen

Hannah Arendt wurde am 14. Oktober 1906 in Hannover (Deutschland) geboren.

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