Eichmann in Jerusalem

von Hannah Arendt 
4,2 Sterne bei30 Bewertungen
Eichmann in Jerusalem
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Hazel93s avatar

Eine zuweilen schwierige Lektüre, aber es lohnt sich wirklich dieses Buch zu lesen!

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Inhaltsangabe zu "Eichmann in Jerusalem"

»Das Erschreckende war seine Normalität«

Der Prozess gegen den ehemaligen SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann, der in der internationalen Öffentlichkeit als einer der Hauptverantwortlichen für die »Endlösung« der Juden in Europa galt, fand 1961 in Jerusalem statt. Unter den zahlreichen Prozessbeobachtern aus aller Welt war auch Hannah Arendt. Ihr Prozessbericht – zunächst in mehreren Folgen im New Yorker veröffentlicht – wurde von ihr 1964 als Buch publiziert und brachte eine Lawine ins Rollen: Es stieß bei seinem Erscheinen auf heftige Ablehung in Israel, Deutschland und in den USA – und wurde zu einem Klassiker wie kaum ein anderes vergleichbares Werk zur Zeitgeschichte und ihrer Deutung.
Mit dem Eichmann-Prozess und der Kontroverse, die Arendts Bericht auslöste, setzt sich Historiker Hans Mommsen in einem ausführlichen Essay auseinander. Dieser Text aus dem Jahr 1986 hat bis heute nichts von seiner analytischen Schärfe und Brisanz verloren. Ergänzend dazu diskutiert Hans Mommens in einem Nachwort zur aktuellen Ausgabe den Forschungsstand zur Eichmann-Debatte.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783492264785
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:448 Seiten
Verlag:Piper
Erscheinungsdatum:01.07.2011
Das aktuelle Hörbuch ist am 28.03.2011 bei Tantor Media Inc erschienen.

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    BrittaRoeders avatar
    BrittaRoedervor 2 Jahren
    Tatsachenwahrheit als (einziger?) Maßstab der Gerechtigkeit

    Hanna Arendt, Publizistin, Autorin, streitbare politische Theoretikerin, begleitete von April bis Dezember 1961 als Journalistin die Jerusalemer Eichmannprozesse und veröffentlichte dazu eine Berichtstrecke „Eichmann in Jerusalem - von der ‚Banalität des Bösen‘ in der Zeitschrift New Yorker.
    Dieser Veröffentlichung folgte eine große Debatte, in deren Rahmen Arendt heftig kritisiert, ja sogar angefeindet wurde.
    Denn – die deutsch-amerikanische Journalistin, selbst Jüdin, kritisierte in ihrem Text nicht nur offen den Prozessverlauf, ja sie stellte ihn sogar teilweise in Frage.
    Die öffentliche Empörung war riesig. Wie konnte sie es wagen, einen der schlimmsten Massenmörder des Dritten Reiches zu verteidigen? Wie die Schwere seiner Schuld zu relativieren?

    Die 2011 erschienene mit einem sehr aufschlussreichen Vorwort von Hans Mommsen versehene Ausgabe gibt der Berichterstattung eine dankenswert neutrale Plattform.
    Insgesamt sind die zusammengefassten Berichte von Arendt gut lesbar. Chronologisch folgt sie in ihrer Darstellung dem Prozessverlauf, weicht aber auch regelmäßig ab um ergänzende Fakten einzubringen. In diesem Sinne liefert Arendt auch heutigen Lesern noch immer eine fundierte Quelle über die Ereignisse rund um den Prozess. Man kann ihre Texte aber auch als eine große zusammenfassende historische Darstellung der Gräueltaten der Nationalsozialisten sehen.  Arendts Berichtston bleibt dabei immer kühl und sachlich. Bittere Ironie ist das höchste Maß an Polemik, das sie sich als Berichterstatterin gestattet. Diese Nüchternheit, mit der sie das Grauen ungeschönt benennt,  verleiht den zahllosen Opfern die verdiente Würde und weitet den Blick der Leserschaft auf das unfassbare Ausmaß dieses Verbrechens.

    Darüber hinaus sind Arendts Schriften noch in einem weiteren Kontext zu betrachten:
    Immer wieder kommt sie auf die Frage zurück, wie Eichmanns Anteil am Holocaust zu bewerten ist. Und immer wieder kommt sie dabei zu dem Schluss, dass er in Wahrheit lange nicht die tragende Rolle spielte, die man ihm anhängt. Um allen Missverständnissen vorzubeugen: sie nimmt ihn nicht in Schutz, sie zweifelt nicht an seiner Schuld, an seinem Beitrag am Morden. Aber sie stellt die Korrektheit des juristischen Verfahrens in Frage, kritisiert die Verhandlungsführung, die Auslegung der Beweise etc.
    Und sie sieht in den Verbrechen Eichmanns (und der Nationalsozialisten) nicht nur das Verbrechen am jüdischen Volk bzw. ein Verbrechen an der Menschlichkeit sondern das Verbrechen an der Menschheit begangen am jüdischen Volk, wodurch es im Grunde nur noch schwerer wiegt.
    Auch wehrt sie die These ab, das jüdische Volk historisch in einer Opferrolle zu sehen.

    Arendts Beharren auf eine neutrale Behandlung aller historischer Fakten, ihre Forderung nach Objektivität zu jeder Seite hin, hat viele Diskussionen aufgeworfen.
    Sie muss eine unbequeme Frau gewesen sein. Eine mutige Frau war sie in jedem Fall, denn mit ihrer kompromisslosen Art brachte eine breite Öffentlichkeit gegen sich auf.
    Alleine diese ihr eigene unbestechliche Art auf die Wahrheit der Tatsachen zu bestehen, macht dieses Buch zu einer lohnenden und hochaktuellen Lektüre.

    Kommentare: 5
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    Sokratess avatar
    Sokratesvor 7 Jahren
    Rezension zu "Eichmann in Jerusalem" von Hannah Arendt

    Hannah Arendt hat als Prozessbeobachterin aus erster Hand den Eichmann-Prozess in Jerusalem 1961 miterleben können; 1986 wurde dieses Buch schließlich publiziert. Darin wird in besonderem Maße zweierlei deutlich: einerseits Eichmanns Perversität und Frechheit, sich überall als "nicht schuldig" oder nicht wirklich beteiligt oder nur halb beteiligt oder frei bar aller Verfehlungen darzustellen, und andererseits wie enorm diese dumm-freche Methode Hannah Arendt (damit stellvertretend für alle jüdischen Opfer, die damit ein weiteres Mal verhöhnt wurden) empörte. Arendts Text liest sich daher auch als eine fortdauernde Empörung. Sie dokumentiert damit eindringlich, wie durch Verbindung mit Ideologie und der Möglichkeit, in einem System Karriere machen zu können, Täterschaft und Unterstützung durch Unterlassen fließend sind - und: wie sich in ein und derselben Person häufig zwei Geister vorfinden: das des Täters und das des "Opfers", also desjenigen, der immer nur die Hälfte gewusst haben wollte oder die Tragweite seines Tuns nicht hat begreifen wollen/können.

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    rd19779vor 8 Jahren
    Rezension zu "Eichmann in Jerusalem" von Hannah Arendt

    (Karl) Adolf Eichmann (1906 – 1962) war während der Nazi-Diktatur verantwortlich für den Transport der Juden aus allen Teilen Europas in die Konzentrationslager – um sie dort vernichten zu können. Er selbst hat keinen Menschen getötet und auch jener Schauprozess in Jerusalem (1961), den dieses Buch als Thema hat, konnte ihm nicht das Gegenteil beweisen.
    Hannah Arendt – selbst angehörige des betroffenen Volkes – beschreibt als Reporterin die Ereignisse vor Ort und pendelt dabei zwischen den Rollen als Anklägerin, Verteidigerin und Richterin. Sie lehnt das Verfahren ab, weil sie ein internationales Tribunal bevorzugt hätte und fertig dabei einen »Bericht von der Banalität des Böses«, indem sie den Angeklagten als unfähige, selbstgefällige Marionette seiner Eitelkeiten zeigt, der selbst gar nicht Antisemit ist und nur der Karriere wegen, Millionen Menschen in den Tod schickt!
    Die Autorin philosophiert über diverse rechtstheoretische Fragen: von der Legitimität der Entführung des Angeklagten über Rechtsgrundlagen für das Verfahren und seinen Ablauf bis hin zur Urteilsbegründung und dem Strafmaß. Das ist einerseits sehr interessant und aufschlussreich, andrerseits aber extrem schwierig zu lesen, da sie ihre scheinbar unendlichen Gedankengänge in ebensolche Sätze fassen will. Dabei vergisst man leider manchmal am Ende bereits, worum es am Anfang ging. Das Werk verlangt sehr viel Konzentration und eine intensive Auseinandersetzung mit der Geschichte, ist aber dennoch sehr empfehlenswert.

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    nickidovor 9 Jahren
    Rezension zu "Eichmann in Jerusalem" von Hannah Arendt

    Hannah Arendt ist ohne Frage eine der intelligentesten Frauen des 19. Jahrhunderts, noch dazu über die Maßen couragiert, eine politische Philosophin die ihresgleichen sucht

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 10 Jahren
    Rezension zu "Eichmann in Jerusalem" von Hannah Arendt

    Otto Adolf Eichmann ist ein höchst dankbares Thema. wenige naziverbrecher gaben freiwillig so umfassend über sich selbst Auskunft. Erschreckend ist das völlige Fehlen eines Unrechtsbewußtseins.
    Eichmann begreift sich als Bürokraten (der er war), dem himmelschreiendes Unrecht geschieht.
    Er repräsentiert etwas sehr "deutsches" vorbildliche Pflichterfüllung, ohne den Sinn seiner handlungen zu hinterfragen.
    Hannah Arendt beleuchtet seine Person näher und stellt damit die Frage nach der "Banalität des Bösen".
    Sicher nicht banal für die Opfer, wohl aber für Eichmann...
    Es ist die Frage nach der Mitschuld des Einzelnen, des kleinen Rädchens, des Beamten, der seine Anweisungen befolgt...
    Ein wirklich spannendes Sachbuch, das ich jedem ans Herz legen möchte, der sich mit Täterprofilen nicht nur aus NS-Zeiten auseinander setzt.

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    Hazel93s avatar
    Hazel93vor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Eine zuweilen schwierige Lektüre, aber es lohnt sich wirklich dieses Buch zu lesen!
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    Zouba
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    Flona
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    Schuhbandlivor 11 Tagen

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