Hannah Dübgen

 3,8 Sterne bei 47 Bewertungen
Autorin von Strom und Über Land.
Autorenbild von Hannah Dübgen (© Susanne Schleyer / autorenarchiv.de)

Lebenslauf von Hannah Dübgen

Hannah Dübgen wurde 1977 geboren. Sie studierte Philosophie, Literatur- und Musikwissenschaft in Oxford, Paris und Berlin. Sie arbeitete für Schauspiel und Musiktheater, und schrieb die Libretti mehrerer international erfolgreicher Opern. Ihr Debütroman ›Strom‹, ausgezeichnet mit Preisen der Landeshauptstadt Düsseldorf und des Literaturfestivals von Chambéry, erschien 2013 bei dtv.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Hannah Dübgen

Cover des Buches Strom (ISBN: 9783423143820)

Strom

 (40)
Erschienen am 01.02.2015
Cover des Buches Über Land (ISBN: 9783423146432)

Über Land

 (7)
Erschienen am 22.06.2018

Neue Rezensionen zu Hannah Dübgen

Cover des Buches Strom (ISBN: 9783423143820)
wandablues avatar

Rezension zu "Strom" von Hannah Dübgen

Wenn man nichts zu sagen hat …
wandabluevor 4 Monaten

Es ist sicherlich nicht leicht, einen Roman zu schreiben und es ist sicherlich noch viel schwerer, einen interessanten Roman zu schreiben. Der Ansatz, den Hannah Dübgen mit ihrem Erstling wählte, ist nicht verkehrt, ein altes Muster, das viele vor ihr praktiziert haben. Man nehme, x Personen und stelle sie mit ihren Leben(släufen) in Auszügen vor. 

Obwohl die von Dübgen ausgedachten Personen einigermaßen originell ausgestattet sind, können sie mich kaum fesseln. Ihnen fehlt inneres Gehalt, Charakter und Innenleben, sie brillieren, wenn sie denn brillierten, einzig und allein durch die von Dübgen dazugestrickten Accessoires ihres Lebens oder durch ihre Aktivitäten. Nun ist ja grundsätzlich nichts gegen Aktivität zu sagen, aber … - sie braucht ein Ziel. Und einen Zweck, und den vermisse ich. 

Für Jason, einen Amerikaner, der in Tokio für seine Firma Geschäfte machen soll, kann ich mich noch am ehesten erwärmen, denn Jason stellt fest, dass die japanische Art zu denken auch in geschäftlichen Angelegenheiten anders ist als die amerikanische, die Tradition ist wichtiger als die Effizienz. Allerdings lässt Dübgen die Auseinandersetzung mit der japanischen Kultur bald wieder los – und wird damit auch mein kurzzeitig aufgeflammtes Interesse an ihrem Roman los. 

Es ist verwirrend und seltsam, und allzu künstlich angelegt, dass sämtlichen Protagonisten, eine Doppelnation zugeschrieben wird: so ist der Amerikaner in Japan, der Brasilianer in Israel, die Israelitin in Berlin, die Japanerin in Frankreich. For what? Soll das originell sein? Um eine Auseinandersetzung mit der Globalisierung zu sein, müsste da mehr kommen. Aber die Thematik "der Ausländer im Ausland" ist allerhöchstens angerissen - und bleibt stets an der Oberfläche.

Geschrieben ist das Ganze zwar ziemlich flott, es liest sich angenehm, abgesehen von den hunderten von Malen, in denen die Protas tief Luft holen. Gut, man muss atmen, aber man könnte auch mal eine andere Formulierung wählen. Auch sonst dienen merkwürdig viele Sätze nur als Füllsel. Sie sind nett zu lesen, bringen aber bezüglich der Handlung gar nichts. Beispiel gefällig? „Als er einstieg, brachte das blitzende Sonnenlicht den runden Hautteller auf seinem Hinterkopf einen Augenblick lang zum Glänzen, was ihm eine Art Heiligenschein … verlieh“, etc. Nette Beobachtung über Personen, die keine erhebliche Rolle im Roman spielen. Und so geht es fort und fort. Sex sells. Wird hinzugefügt und fertig ist der Erstling. No!

Fazit: Nett geschrieben, allerdings mit Phrasen und jede Menge Füllsel, reicht nicht. Mein Interesse tendierte gegen Null. 

Kategorie: Roman. Schreibversuch.
Dtv, 2013

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Cover des Buches Über Land (ISBN: 9783423280945)
Eggi1972s avatar

Rezension zu "Über Land" von Hannah Dübgen

Einfach Bewegend
Eggi1972vor 6 Jahren

Inhalt :
Über das, was wir suchen – in uns, im Anderen, in der Fremde
Berlin im Sommer 2013. Ein Fahrradunfall führt sie zusammen: Clara, eine junge Ärztin, und Amal, eine 21-jährige Studentin, die aus dem Irak geflohen ist und in Deutschland Asyl beantragt hat. Die beiden Frauen freunden sich vorsichtig an, gerade als Claras Freund Tarun, ein Architekt, durch ein Bauprojekt zum ersten Mal seit Jahren mit seiner Geburtsstadt Kolkata konfrontiert wird. Als Amals Großmutter stirbt, beschließt Clara spontan, an Amals Stelle nach Bagdad zu deren Mutter zu fliegen. Bei ihrer Ankunft in Bagdad weiß Clara noch nicht, dass sich ihr und Taruns Leben wie auch das von Amal entscheidend verändert hat.
Ein spannend und tiefgründig erzählter Roman über Selbstbestimmung, Wahrhaftigkeit und das Leben in der Fremde. Alles beginnt mit einem kleinen Unfall, am Ende aber steht ein Drama.

Rezension :

Es gibt ja Bücher, die bewegen einen wirklich und man hofft, sie bewegen viel in den Menschen, die sie lesen. So auch bei diesem. Es erzählt die Geschichte der beiden Frauen Amal und Clara. Clara hat Amal angefahren, begibt sich dann auf die Suche nach ihr und findet diese dann doch relativ schnell. Daraus entwickelt sich eine tiefe Freundschaft zwischen den ungleichen Frauen. Frau Dübgen schaltet immer wieder zwischen den beiden Frauen hin und her und man kann so in die Tiefe der Gedanken eintauchen ohne das es schwierig wird - zumindest wenn man sich einmal darauf eingelassen hat.
Man bekommt immer mehr auch einen Einblick in die Sorgen und Nöte eines Asylbewerbers, ohne ständig einen erhobenen Zeigefinger zu sehen. Es ist einfach so, dass man irgendwie hautnah miterlebt was Menschen fühlen, wenn sie abgeschoben werden oder was vorgehen kann, wenn der Asylantrag angenommen wurde.
Ganz nebenbei lernt man dann noch einiges über irakische Kultur und das Ischtar – Tor, welches in Berlin steht, weil es ein deutscher Archäologe abgetragen und dann über Hamburg nach Berlin hat bringen lassen.
Durch die Beziehung zwischen Tarun und Clara erlebt man außerdem, wie sich eine Beziehung entwickeln kann, wenn die Familie des Partners noch auf einem anderen Kontinent bewegt lebt und dort ihre eigenen Probleme hat.
Man könnte sagen „Oh Gott, ist der Roman überfrachtet mit Ereignissen“, denn Clara reißt wegen der Freundschaft zu Amal auch noch zu einer Beerdigung in den Irak, und um ein Versprechen von Amal zu erfüllen, aber es passiert alles so nebenbei, dass es nicht überfrachtet ist.
Die Autorin schafft es, dies alles schnell und unproblematisch auf 252 Seiten zu komprimieren und es trotzdem mit sehr viel Gefühl zu füllen, so dass ich mich des Öfteren habe rufen hören „Wie kann sie dies denn nun machen und wie kann man das ganze nur so plastisch beschreiben“. (Ok so habe ich mich nicht ausgedrückt, bei meinen entsetzten ausrufen, aber es ist wohl so, dass alles andere nicht Jugendfrei wäre.) Ich habe mich oft dabei erwischt, wie ich mit Amal und ihren Freunden im Asylbewerberheim gefiebert habe, aber auch dabei, wie ich mit Clara und ihrem Freund Tarun gefiebert habe was nun aus den beiden wird.
Wie dies die Autorin in diesem doch recht schmalen Buch geschafft hat, keine Ahnung - aber sie hat es geschafft! Sie hat bewiesen, dass ansprechende Literatur mit Herz nicht auf 800 Seiten oder mehr ausgebreitet werden muss. Es geht auch kürzer mit dem gleichen emotionalen Level. Sie hat es mit noch nicht einmal 300 Seiten geschafft.
Gut, man muss sich darauf einlassen, dass es zwei Erzählstränge gibt - einmal von Clara und dann von Amal, aber dies schafft man innerhalb der ersten 20 Seiten gut zu trennen und auch die dicken Wälzer arbeiten oft mit zwei Erzählsträngen. Man bekommt ein wenig erklärt, wie die Flucht verlaufen könnte und welche Gefahren dabei lauern.
Im Nachhinein hätte ich mir manchmal gewünscht, dass die Ruhepausen zwischen den Dingen die passieren vielleicht ein wenig länger wären, aber dies tut der Qualität des Buches keinen Abbruch. Möglicher Weise ist es gerade das, was für mich so bewegend ist und mir viele Einblicke mit Herz und Verstand vermittelt hat.

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Cover des Buches Über Land (ISBN: 9783423280945)
Buecherschmauss avatar

Rezension zu "Über Land" von Hannah Dübgen

Das Ischtar-Tor
Buecherschmausvor 6 Jahren

Am Ende ist es eine grüne Schachtel mit köstlicher Baklava, die Clara, eine junge Berliner Ärztin, ihrer irakischen Freundin Amal aus deren Heimat mitbringen wird. Ein süßer, delikat duftender Gruß aus der Heimat, die Amal aus Angst vor Verfolgung verlassen hat, nachdem ihr Vater auf dubiose Weise spurlos verschwunden ist.
Die Flucht hat sie nach Berlin geführt, in ein Aufnahmeheim an Rande der Stadt. Damit teilt sie das Schicksal von unzähligen Anderen, die nun in vordergründiger Sicherheit leben, aber zu kämpfen haben, mit der Sprache, den ungewohnten Sitten, der Heimatlosigkeit, der Ungewissheit. Was wird drinstehen in dem gleichermaßen herbei gesehnten wie gefürchteten Schreiben der Behörden. Asyl oder Abschiebung?
Hannah Dübgen gelingt es ausgesprochen gut, die Gefühlswelt und das Leben einer jungen Geflohenen zu schildern. Sie beweist dabei genauso viel Empathie wie Sensibilität. Aber sie schafft noch eine zweite Ebene und eine zweite Erzählstimme, indem sie Amal eine junge Deutsche an die Seite stellt.
Clara und Amal begegnen sich durch Zufall. Die junge Irakerin läuft in das Fahrrad der Deutschen. Aus anfänglichem Schuldgefühl erwächst nach zunächst vorsichtigem Annähern eine tiefe Freundschaft. Hinter all den unterschiedlichen Traditionen und kulturellen Unterschieden ist es doch das Menschliche, das verbindet. Das klingt ein wenig klischeehaft und ist es tatsächlich auch, zumindest stellenweise. Hannah Dübgen hat eine Botschaft. Und die ist hochaktuell, sie ist ungemein wichtig und wird hier sensibel vermittelt. Da verzeiht man der Autorin, dass sie manchmal allzu deutlich wird und manch ein Aspekt ein wenig unglaubwürdig erscheint (welche junge deutsche Frau würde nach einer solch kurzen Freundschaft aus Gefälligkeit in den brandgefährlichen Irak reisen?).
Hannah Dübgen schafft fein gezeichnete, überzeugende Figuren. Sie lässt die Ängste, Schwierigkeiten und Vorbehalte, die entstehen, wenn Menschen unterschiedlicher Kulturkreise aufeinandertreffen, deutlich werden. Mit Claras Liebesbeziehung zu dem indischen, in Deutschland lebenden Architekten Tarun soll dieser Aspekt auch in Hinblick auf eine multikulturelle Partnerschaft beleuchtet werden. Leider behindert das die Haupthandlung, bereichert sie zumindest nicht, wirkt ein wenig aufgesetzt. Sollte da vielleicht durch ein wenig Liebe und Erotik ein weibliches Publikum bei der Stange gehalten werden?
Das hat der Roman nicht nötig. Die Autorin erzählt klar und flüssig, empathisch und sensibel und ihr gelingen immer wieder beeindruckende Bilder.
Eines davon schmückt den Buchumschlag. Er zeigt ein Detail aus dem Ischtar-Tor, jenem der mesopotamischen Kriegs- und Liebesgöttin Ischtar geweihten babylonischen Tor, das seit 1899 von deutschen Archäologen in akribischer Arbeit ausgegraben, in 399 Kisten zerlegt nach Berlin verschifft wurde und seit 1930 im Berliner Pergamonmuseum zu bewundern ist. Dort steht es nun, fern der Heimat, relativ beziehungslos in einem viel zu kleinen Raum. Auch ein Sinnbild für die vielen nicht nur aus dem Irak Geflohenen. Denn Hannah Dübgen versäumt es nicht zu erwähnen, dass ohne die deutsche Ausgrabungs- und Instandhaltungsarbeiten dieser Kunstschatz wahrscheinlich verloren gegangen wäre. Der Gedanke an die vielen in den Ländern verbliebenen, nun den unterschiedlichsten Kriegsverwüstungen ausgesetzten Kulturgüter, ist da nah. Hannah Dübgen schafft dieses Bild, lässt es aber dem Leser, was er daraus schöpft. Auch eine Stärke dieses klugen Buchs.

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Gespräche aus der Community

Hallo!

Heute beginnt die Leserunde zu "Strom", meinem Debüt-Roman, der Ende Juli 2013 erschienen ist.

„Nah oder fern gibt es nicht mehr, nur noch nah oder fremd“ heißt es zu Beginn des Romans. Wir leben in einer Welt, in der wir mittels eines Mausklicks mit anderen in Kontakt treten können, einer Welt, in der wir innerhalb von Stunden Kontinente wechseln können oder dies beruflich teils auch müssen. Was für Auswirkungen hat dieser Lebensstil auf unser Leben, auf unsere Beziehungen, auf unser Gefühl von Zuhause?


Die vier Hauptfiguren in meinem Roman, der Amerikaner Jason, die Japanerin Makiko, der Brasilianer Luiz und die Deutsche Ada kämpfen für das, was ihnen nah ist, sie begeben sich in die Fremde, stoßen dort auf Grenzen, geographischer oder anderer Natur, sie verlieren sich und finden sich wieder. Im Anderen, in einer Landschaft oder in einer gemeinsamen Erinnerung. Als Leser erleben wir die Welt jeweils aus der Sicht der vier Figuren, gleichzeitig sehen wir eine Welt, in der die Vier, ohne es zu wissen, aneinander vorbeilaufen, in der sich ihre Schicksale spiegeln, einander nah sind.

--> Leseprobe

Wer noch mehr über die vier Hauptfiguren von „Strom“ und ihr Leben erfahren will, findet hier weitere Informationen:
http://www.dtv.de/hannah-duebgen

Der Deutsche Taschenbuch Verlag stellt 20 Exemplare von "Strom" zur Verfügung, die ich unter denen verlosen darf, die sich bis zum 27.8.13 zur gemeinsamen Leserunde anmelden. Verratet doch einfach, wieso Ihr hier gern mitlesen würdet!

Ich freue mich darauf, mit Euch gemeinsam den Geschichten der vier Protagonisten zu folgen und ich bin gespannt auf Eure Kommentare!
Bis dahin herzliche Grüße in die Runde,
Hannah Dübgen
327 BeiträgeVerlosung beendet
abas avatar
Letzter Beitrag von  abavor 9 Jahren
Wie ich sehe, gibt es noch Leser, die das Buch für diese Leserunde gewonnen und die leider noch keine Rezension geschrieben haben. Ich bitte euch, die Teilnahme an der Leserunde nachzuholen und die Rezension zu schreiben. Danke!

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