Hannah Dübgen

 3.9 Sterne bei 45 Bewertungen
Autorin von Strom, Über Land und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Hannah Dübgen

Strom

Strom

 (38)
Erschienen am 01.02.2015
Über Land

Über Land

 (7)
Erschienen am 22.06.2018
Über Land: Roman

Über Land: Roman

 (0)
Erschienen am 26.08.2016

Neue Rezensionen zu Hannah Dübgen

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Rezension zu "Über Land" von Hannah Dübgen

Ein kleines Büchlein mit einer intensiven Geschichte.
Buchraettinvor 2 Jahren

Clara ist Ärztin. Eines Tages fährt sie eine junge Frau mit dem Fahrrad an, diese flüchtet ohne ein Wort. Amal ist diese junge Frau, die aus dem Irak nach Deutschland geflohen ist. Clara lässt der Gedanke an diese Frau, die vielleicht auch verletzt ist, nicht los und sie sucht nach ihr. Es ist der Beginn einer Freundschaft zwischen zwei Frauen, die so unterschiedlich sind.

Ich muss zugeben, zum Lesebeginn dachte ich, dass mir der etwas kühle Stil und die hier anfänglich etwas schwierig zu lesenden bandwurmartigen Sätze nicht so gefallen.  Das ist wieder so etwas, da muss man manchmal trotzdem weiterlesen um zu entdecken, das ich als Leser mitten im Buch und der Geschichte stecke und kurz aufschaue und bemerke, dass ich gefesselt bin von der Geschichte.

Sehr gut gefallen hat mir der Wechsel der Erzählperspektive zwischen Amal und Claire. Hier muss ich das Gespräch der beiden erwähnen. Das atemlose Rennen, Amal und Claire unterhalten sich anfangs während eines Spazierganges. Es passt zu Amal und ihrer Geschichte. Sie floh aus dem Irak, ließ ihre Familie zurück, sie versucht als Flüchtling anerkannt zu werden in Deutschland, versucht den Kontakt zu ihrer Mutter zu halten. Die Sorgen, Ängste, Wünsche, das spüre ich als Leser. Gut gefallen hat mir in diesem Zusammenhang Claras Sicht, ihre Fragen an Amal, die bei ihr im Kopf entstehen und wo ich als Leser das Gefühl hatte, ich bin hautnah dabei, bei den beiden, unsichtbar neben ihnen.

Dieser Erzählstil war sehr intensiv.  Auch Amals Einblick in das Leben in Deutschland, in dem Flüchtlingsheim, ihre Unsicherheit, die Ängste, das ist sehr greifbar beschrieben. Ich finde den Stil trotzdem etwas kühl, aber dennoch bewegt es mich als Leser in meinem Inneren.

Claires Freund ist ein Architekt, der aus Indien stammt, auch bei ihm hat die Familie einen hohen Stellenwert. Er spielt anfangs ein wenig mehr eine Nebenrolle, aber für mich war es so der Eindruck, dass er im Laufe der Geschichte schon eine Art dritte Hauptfigur im Buch wird. Es wird auch dadurch erzeugt, dieser Eindruck bei mir, weil Clara immer wieder über ihn grübelt und dem Leser auch Tarun damit näher kommt.

Für alle, die das Buch gelesen haben, ich glaube, wenn ich nun ein blaues Veilchen sehe, wird mich das an diese Geschichte erinnern.

Ein kleines Büchlein mit einer intensiven Geschichte. Eine Freundschaft zwischen zwei Frauen, intensiv, anspruchsvoll zu lesen, etwas kühl im Erzählstil und dennoch werde ich als Leser emotional berührt. Vollste Leseempfehlung.

Kommentare: 1
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Eggi1972s avatar

Rezension zu "Über Land" von Hannah Dübgen

Einfach Bewegend
Eggi1972vor 2 Jahren

Inhalt :
Über das, was wir suchen – in uns, im Anderen, in der Fremde
Berlin im Sommer 2013. Ein Fahrradunfall führt sie zusammen: Clara, eine junge Ärztin, und Amal, eine 21-jährige Studentin, die aus dem Irak geflohen ist und in Deutschland Asyl beantragt hat. Die beiden Frauen freunden sich vorsichtig an, gerade als Claras Freund Tarun, ein Architekt, durch ein Bauprojekt zum ersten Mal seit Jahren mit seiner Geburtsstadt Kolkata konfrontiert wird. Als Amals Großmutter stirbt, beschließt Clara spontan, an Amals Stelle nach Bagdad zu deren Mutter zu fliegen. Bei ihrer Ankunft in Bagdad weiß Clara noch nicht, dass sich ihr und Taruns Leben wie auch das von Amal entscheidend verändert hat.
Ein spannend und tiefgründig erzählter Roman über Selbstbestimmung, Wahrhaftigkeit und das Leben in der Fremde. Alles beginnt mit einem kleinen Unfall, am Ende aber steht ein Drama.

Rezension :

Es gibt ja Bücher, die bewegen einen wirklich und man hofft, sie bewegen viel in den Menschen, die sie lesen. So auch bei diesem. Es erzählt die Geschichte der beiden Frauen Amal und Clara. Clara hat Amal angefahren, begibt sich dann auf die Suche nach ihr und findet diese dann doch relativ schnell. Daraus entwickelt sich eine tiefe Freundschaft zwischen den ungleichen Frauen. Frau Dübgen schaltet immer wieder zwischen den beiden Frauen hin und her und man kann so in die Tiefe der Gedanken eintauchen ohne das es schwierig wird - zumindest wenn man sich einmal darauf eingelassen hat.
Man bekommt immer mehr auch einen Einblick in die Sorgen und Nöte eines Asylbewerbers, ohne ständig einen erhobenen Zeigefinger zu sehen. Es ist einfach so, dass man irgendwie hautnah miterlebt was Menschen fühlen, wenn sie abgeschoben werden oder was vorgehen kann, wenn der Asylantrag angenommen wurde.
Ganz nebenbei lernt man dann noch einiges über irakische Kultur und das Ischtar – Tor, welches in Berlin steht, weil es ein deutscher Archäologe abgetragen und dann über Hamburg nach Berlin hat bringen lassen.
Durch die Beziehung zwischen Tarun und Clara erlebt man außerdem, wie sich eine Beziehung entwickeln kann, wenn die Familie des Partners noch auf einem anderen Kontinent bewegt lebt und dort ihre eigenen Probleme hat.
Man könnte sagen „Oh Gott, ist der Roman überfrachtet mit Ereignissen“, denn Clara reißt wegen der Freundschaft zu Amal auch noch zu einer Beerdigung in den Irak, und um ein Versprechen von Amal zu erfüllen, aber es passiert alles so nebenbei, dass es nicht überfrachtet ist.
Die Autorin schafft es, dies alles schnell und unproblematisch auf 252 Seiten zu komprimieren und es trotzdem mit sehr viel Gefühl zu füllen, so dass ich mich des Öfteren habe rufen hören „Wie kann sie dies denn nun machen und wie kann man das ganze nur so plastisch beschreiben“. (Ok so habe ich mich nicht ausgedrückt, bei meinen entsetzten ausrufen, aber es ist wohl so, dass alles andere nicht Jugendfrei wäre.) Ich habe mich oft dabei erwischt, wie ich mit Amal und ihren Freunden im Asylbewerberheim gefiebert habe, aber auch dabei, wie ich mit Clara und ihrem Freund Tarun gefiebert habe was nun aus den beiden wird.
Wie dies die Autorin in diesem doch recht schmalen Buch geschafft hat, keine Ahnung - aber sie hat es geschafft! Sie hat bewiesen, dass ansprechende Literatur mit Herz nicht auf 800 Seiten oder mehr ausgebreitet werden muss. Es geht auch kürzer mit dem gleichen emotionalen Level. Sie hat es mit noch nicht einmal 300 Seiten geschafft.
Gut, man muss sich darauf einlassen, dass es zwei Erzählstränge gibt - einmal von Clara und dann von Amal, aber dies schafft man innerhalb der ersten 20 Seiten gut zu trennen und auch die dicken Wälzer arbeiten oft mit zwei Erzählsträngen. Man bekommt ein wenig erklärt, wie die Flucht verlaufen könnte und welche Gefahren dabei lauern.
Im Nachhinein hätte ich mir manchmal gewünscht, dass die Ruhepausen zwischen den Dingen die passieren vielleicht ein wenig länger wären, aber dies tut der Qualität des Buches keinen Abbruch. Möglicher Weise ist es gerade das, was für mich so bewegend ist und mir viele Einblicke mit Herz und Verstand vermittelt hat.

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Buecherschmauss avatar

Rezension zu "Über Land" von Hannah Dübgen

Das Ischtar-Tor
Buecherschmausvor 2 Jahren

Am Ende ist es eine grüne Schachtel mit köstlicher Baklava, die Clara, eine junge Berliner Ärztin, ihrer irakischen Freundin Amal aus deren Heimat mitbringen wird. Ein süßer, delikat duftender Gruß aus der Heimat, die Amal aus Angst vor Verfolgung verlassen hat, nachdem ihr Vater auf dubiose Weise spurlos verschwunden ist.
Die Flucht hat sie nach Berlin geführt, in ein Aufnahmeheim an Rande der Stadt. Damit teilt sie das Schicksal von unzähligen Anderen, die nun in vordergründiger Sicherheit leben, aber zu kämpfen haben, mit der Sprache, den ungewohnten Sitten, der Heimatlosigkeit, der Ungewissheit. Was wird drinstehen in dem gleichermaßen herbei gesehnten wie gefürchteten Schreiben der Behörden. Asyl oder Abschiebung?
Hannah Dübgen gelingt es ausgesprochen gut, die Gefühlswelt und das Leben einer jungen Geflohenen zu schildern. Sie beweist dabei genauso viel Empathie wie Sensibilität. Aber sie schafft noch eine zweite Ebene und eine zweite Erzählstimme, indem sie Amal eine junge Deutsche an die Seite stellt.
Clara und Amal begegnen sich durch Zufall. Die junge Irakerin läuft in das Fahrrad der Deutschen. Aus anfänglichem Schuldgefühl erwächst nach zunächst vorsichtigem Annähern eine tiefe Freundschaft. Hinter all den unterschiedlichen Traditionen und kulturellen Unterschieden ist es doch das Menschliche, das verbindet. Das klingt ein wenig klischeehaft und ist es tatsächlich auch, zumindest stellenweise. Hannah Dübgen hat eine Botschaft. Und die ist hochaktuell, sie ist ungemein wichtig und wird hier sensibel vermittelt. Da verzeiht man der Autorin, dass sie manchmal allzu deutlich wird und manch ein Aspekt ein wenig unglaubwürdig erscheint (welche junge deutsche Frau würde nach einer solch kurzen Freundschaft aus Gefälligkeit in den brandgefährlichen Irak reisen?).
Hannah Dübgen schafft fein gezeichnete, überzeugende Figuren. Sie lässt die Ängste, Schwierigkeiten und Vorbehalte, die entstehen, wenn Menschen unterschiedlicher Kulturkreise aufeinandertreffen, deutlich werden. Mit Claras Liebesbeziehung zu dem indischen, in Deutschland lebenden Architekten Tarun soll dieser Aspekt auch in Hinblick auf eine multikulturelle Partnerschaft beleuchtet werden. Leider behindert das die Haupthandlung, bereichert sie zumindest nicht, wirkt ein wenig aufgesetzt. Sollte da vielleicht durch ein wenig Liebe und Erotik ein weibliches Publikum bei der Stange gehalten werden?
Das hat der Roman nicht nötig. Die Autorin erzählt klar und flüssig, empathisch und sensibel und ihr gelingen immer wieder beeindruckende Bilder.
Eines davon schmückt den Buchumschlag. Er zeigt ein Detail aus dem Ischtar-Tor, jenem der mesopotamischen Kriegs- und Liebesgöttin Ischtar geweihten babylonischen Tor, das seit 1899 von deutschen Archäologen in akribischer Arbeit ausgegraben, in 399 Kisten zerlegt nach Berlin verschifft wurde und seit 1930 im Berliner Pergamonmuseum zu bewundern ist. Dort steht es nun, fern der Heimat, relativ beziehungslos in einem viel zu kleinen Raum. Auch ein Sinnbild für die vielen nicht nur aus dem Irak Geflohenen. Denn Hannah Dübgen versäumt es nicht zu erwähnen, dass ohne die deutsche Ausgrabungs- und Instandhaltungsarbeiten dieser Kunstschatz wahrscheinlich verloren gegangen wäre. Der Gedanke an die vielen in den Ländern verbliebenen, nun den unterschiedlichsten Kriegsverwüstungen ausgesetzten Kulturgüter, ist da nah. Hannah Dübgen schafft dieses Bild, lässt es aber dem Leser, was er daraus schöpft. Auch eine Stärke dieses klugen Buchs.

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Gespräche aus der Community

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HannahDuebgens avatar
Hallo!

Heute beginnt die Leserunde zu "Strom", meinem Debüt-Roman, der Ende Juli 2013 erschienen ist.

„Nah oder fern gibt es nicht mehr, nur noch nah oder fremd“ heißt es zu Beginn des Romans. Wir leben in einer Welt, in der wir mittels eines Mausklicks mit anderen in Kontakt treten können, einer Welt, in der wir innerhalb von Stunden Kontinente wechseln können oder dies beruflich teils auch müssen. Was für Auswirkungen hat dieser Lebensstil auf unser Leben, auf unsere Beziehungen, auf unser Gefühl von Zuhause?


Die vier Hauptfiguren in meinem Roman, der Amerikaner Jason, die Japanerin Makiko, der Brasilianer Luiz und die Deutsche Ada kämpfen für das, was ihnen nah ist, sie begeben sich in die Fremde, stoßen dort auf Grenzen, geographischer oder anderer Natur, sie verlieren sich und finden sich wieder. Im Anderen, in einer Landschaft oder in einer gemeinsamen Erinnerung. Als Leser erleben wir die Welt jeweils aus der Sicht der vier Figuren, gleichzeitig sehen wir eine Welt, in der die Vier, ohne es zu wissen, aneinander vorbeilaufen, in der sich ihre Schicksale spiegeln, einander nah sind.

--> Leseprobe

Wer noch mehr über die vier Hauptfiguren von „Strom“ und ihr Leben erfahren will, findet hier weitere Informationen:
http://www.dtv.de/hannah-duebgen

Der Deutsche Taschenbuch Verlag stellt 20 Exemplare von "Strom" zur Verfügung, die ich unter denen verlosen darf, die sich bis zum 27.8.13 zur gemeinsamen Leserunde anmelden. Verratet doch einfach, wieso Ihr hier gern mitlesen würdet!

Ich freue mich darauf, mit Euch gemeinsam den Geschichten der vier Protagonisten zu folgen und ich bin gespannt auf Eure Kommentare!
Bis dahin herzliche Grüße in die Runde,
Hannah Dübgen
Zur Leserunde

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