Hannah Kent Das Seelenhaus

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Inhaltsangabe zu „Das Seelenhaus“ von Hannah Kent

Nordisland 1828. Die Tat war grausam: zwei Männer erschlagen, erstochen und verbrannt. Angeklagt und zum Tode verurteilt wird Agnes Magnúsdóttir, eine Magd von Mitte 30. Die letzten Monate vor ihrer Hinrichtung soll sie auf dem Hof eines Beamten und seiner Familie verbringen. Entsetzt darüber, eine verurteilte Mörderin in ihrem Haus zu haben, meidet die Familie jeglichen Kontakt. Nur der junge Dekan Tóti, der die Verurteilte auf den Pfad der Wahrheit und der Buße führen soll, spricht mit ihr. Als dann der Winter naht und die Gemeinschaft in der schroffen Landschaft zusammenrücken muss, enthüllt sich Agnes’ Geschichte vollständig und die Familie muss feststellen, dass das, was sie für wahr hielt, vielleicht nicht stimmt.

Historische Erzählung mit Tiefgang

— Gwhynwhyfar
Gwhynwhyfar

Ein großartiges Hörbuch, welches ein eindruckvolle Bild von Island im 19. Jh. zeigt.

— Buchina
Buchina

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    Das Seelenhaus
    silkedb

    silkedb

    01. August 2017 um 21:42

    Ich habe "Das Seelenhaus" von Autorin Hannah Kent als Hörbuch gehört. Gelesen wird es von Vera Teltz die hier mit der nötigen Ernsthaftigkeit liest und ihre Aufgabe sehr gut erfüllt."Das Seelenhaus" beruht auf der wahren Geschichte von Agnes Magnusdottir, der letzten Frau die in Island hingerichtet wurde. Autorin Hannah Kent hat ein Auslandsjahr in Island verbracht und dort von dieser Frau und ihrer Geschichte erfahren, die ihr fortan keine Ruhe mehr gelassen hat. Mir selber war Agnes Magnusdottir vorher kein Begriff, aber ihre Geschichte hat mich sehr berührt.Erzählt wird hier keinesfalls von einer kaltblütigen Mörderin, die aus Habgier oder Heimtücke ein Verbrechen begannen hat. Es ist eine Geschichte von falschem Vertrauen, Hingabe und dem Wunsch nach Anerkennung die mich von Anfang an für sich eingenommen hat. Zu Anfang wusste ich noch nicht so recht, was ich von der unnahbaren Agnes halten soll, die weder über ihre Gefühle spricht, noch sich wirklich rechtfertigt oder für unschuldig erklärt. Erst nach und nach erfährt man mehr über diese Frau, die schon in jungen Jahren für sich selber sorgen musste und doch eigentlich nie etwas anderes wollte als ihr eigenes Heim.Es ist eigentlich keine spannende Geschichte die hier gefangen hält, denn der Leser/Hörer weiß schließlich was am Ende mit Agnes geschehen wird. Aber ich wollte Agnes begleiten, ihre Geschichte hören und ihr die Möglichkeit geben das plakative Bild das die Bewohner Islands von ihr als Mörderin haben zu revidieren und so erstmals in ihrem Leben für sich selber einzustehen. Auch das Bild das hier von Island im 19. Jahrhundert gezeichnet wird und die Schilderung der kulturellen Besonderheiten hat mir sehr gut gefallen. Erzählt wird dabei aus der Ich-Perspektive von Agnes.Ich kann "Das Seelenhaus" an alle Leser/Hörer empfehlen, die Geschichten mögen die unter die Haut gehen und nicht nur an der Oberfläche kratzen.

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  • Vom harten Leben in einem kalten Land

    Das Seelenhaus
    AnnaChi

    AnnaChi

    10. September 2016 um 16:40

    Die Geschichte, die im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts auf Island spielt, führt uns in die karge und ärmliche Welt der Magd Agnes, in deren Leben es wenig mehr als harte Arbeit gibt. Agnes wird wegen Mordes an ihrem Dienstherren zum Tode durch Enthaupten verurteilt und bis zur Urteilsvollstreckung in einem bäuerlichen Gehöft untergebracht, in der sie arbeiten muss. Die Familie, zunächst voller Abwehr auf die Anwesenheit einer vermeintlich kaltblütigen Mörderin reagierend, erfährt nach und nach die Geschichte dieser Frau ... Das Buch wird in verteilten Rollen gelesen. Zum einen spricht Agnes zum Zuhörer, zum anderen gibt es einen Erzähler, der auch die amtlichen Dokumente zu dem Kriminalfall vorträgt. Abgesehen davon, dass die auf einem realen Fall basierende Geschichte ergreifend ist, ist auch der historische Hintergrund, der die Lebensbedingungen der isländischen bäurischen Bevölkerung schildert, sehr interessant und packend geschildert. Ein großartiges Hörerlebnis, das sich lohnt!

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  • Das Seelenhaus

    Das Seelenhaus
    BeaSwissgirl

    BeaSwissgirl

    04. May 2016 um 11:10

    Mein Höreindruck subjektiv, aber spoilerfrei ;)Der Klappentext und das spezielle Cover haben mich neugierig gemacht, ebenso überzeugte mich die Hörprobe, so dass das Buch bei mir einziehen durfte....Geschrieben ist das Ganze aus verschiedenen Perspektiven, teilweise auch in Form von Briefen oder Dokumenten ( männliche Stimme). Zusätzlich wird aber auch aus der Sicht von Agnes in der ICH- Form erzählt ( weibliche Stimme).Beide Sprecher harmonisieren sehr gut miteinander und tragen mit ihren Stimmen dazu bei, dass die Geschichte noch mehr Eindruck hinterlässt.Der Schreibstil ist nämlich sehr atmosphärisch, bildhaft,  wortgewandt, ja und teilweise schon fast poetisch.Ich persönlich habe schon das ein oder andere Buch gelesen, welches in Island spielt so dass ich mit den fremden Namen keine Mühe hatte. Ein weiterer Vorteil der Hörbuchvariante ist aber sicher, dass sie einem ja vorgelesen werden....;)Die Charaktere wurden gut ausgearbeitet und gerade Agnes als Hauptperson wuchs mir mit dem fortschreiten der Geschichte immer wie mehr ans Herz. Ihre ganze Gedanken/ Gefühle waren transparent und sehr eindringlich wiedergegeben, so dass ich einige Male leer schlucken musste.Die Autorin hat intensiv recherchiert und es ist ihr gelungen diesen fiktiven Roman, der auf wahren Begebenheiten im Jahre 1828 beruht authentisch darzustellen. Ich jedenfalls konnte mir dieses "alte" Island mit seiner rauen, Landschaft und den damaligen strengen Sitten und Bräuchen sehr gut vorstellen.Dies ist ein Buch der leisen Töne, mit einer beklemmenden düsteren Stimmung und dennoch hat es mich fasziniert, beeindruck und schlussendlich auch berührt.Ich vergebe hiermit gerne 4,5 Sterne

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  • Ein Buch mit Nachhall

    Das Seelenhaus
    Gwhynwhyfar

    Gwhynwhyfar

    07. September 2015 um 14:27

    Hörbuch, 11 Stunden, 57 Minuten gesprochen von Vera Teltz, Tobias Kluckert Ich würde das Buch unter Geschichtsroman einordnen, denn das Buch beruht auf Tatsachen und wurde unter geschichtlichen Aspekten recherchiert. Wie der Verlag auf „Krimi“ kommt, ist mir rätselhaft, denn niemand ermittelt hier und ein Thriller ist es auf keinen Fall. Das Buch beschreibt schlicht die Lebensgeschichte einer Magd auf Island, Bezugnehmend auf 1828. Die Magd Agnes Magnúsdóttir wurde wegen Mordes zum Tode verurteil, in Tateinheit mit einer weiteren Magd und einer männlichen Person, einen Bauern umgebracht zu haben. Sie wartet nun auf die Vollstreckung der Strafe. Dazu wird sie auf ein einsames Gehöft gebracht. Natürlich haben die Bewohner Angst vor der Mörderin. Agnes darf sich einen Geistlichen zum Beten aussuchen, der sie erläutert. Diesem jungen Vikar Thorvardur Jónson, genannt Tóti, zu dem sie Vertrauen fasst, erzählt sie ihre Lebensgeschichte. Tóti ist fasziniert. Agnes betet weder mit ihm, noch lässt sie sich läutern, Agnes redet. Die Bauernhäuser damals waren kleine Torfhütten und das gesamte Leben fand in einem Raum statt, indem auch alle gemeinsam schliefen. Entweder war es eiskalt oder zu warm in den Häusern, in denen die Luft stand, es ständig feucht war, sich Schimmel an der Wand bildete und man oft von herunterfallenden Torfstückchen getroffen wurde. Dung und Torf diente im Winter als Heizmaterial, die mit beißendem Qualm den Raum füllten. In dieser Enge kommen die anderen nicht umhin, mitzuhören und Stück für Stück erfahren sie, dass die Agnes ein Mensch mit einer Geschichte ist, kein böses Monster. Agnes macht sich sehr nützlich auf dem Hof und wird nach einer Weile als vollwertiges Mitglied der Hofgemeinschaft angenommen. Je länger Agnes Geschichte wird, umso mehr Vertrauen erhält sie von den Hofmitgliedern. Von der ersten Seite an wird man in die Geschichte hineingezogen, schon auf Grund der schönen Sprache. Man fröstelt bei der Beschreibung der kargen Landschaft, der ärmlichen Hütten, dem kargen Essen. „Sie kochte schleimige Moossuppe.“ Die Beschreibung der Zeit, ihrer Sitten, ist exzellent. Geprägt von strengem Katechismus, Glaube, harter Arbeit wird dem Leser das damalige Island präsentiert. Kälte und Dunkelheit bestimmt einen Großteil des Lebens. Wir tauchen ein in die Seele von Agnes, die sich nicht beklagt. Ihre Mutter gebar zwei uneheliche Kinder (wahrscheinlich hatte der Bauer sie vergewaltigt, bei dem sie arbeitete) und ließ die Kleinen irgendwann im Stich, weil sie stellungslos wurde, sie war schwanger. Die Gemeinde gab Agnes zu Zieheltern, die gut zu ihr waren, der Bauer sie aber nach ein paar Jahren zurückgab, da die Frau im Kindbett verstorben war (bei Eis und Schnee konnte man keine Hilfe holen) und durch eine schlechte Ernte der Bauer den Hof aufgab. Von nun an fristet die intelligente Frau das Dasein einer Magd, ein Leben voller Pflichten, mit wenig Rechten. Eine Geschichte über Vertrauen, Verrat und Lügen, von Gewalt, von der Übermacht der Männer: „Männer durften tun und lassen, was sie wollten.“ Ein Leben in einer düsteren Zeit in einem kargen, düsteren Land, einer geteilten Moral. Die Pfarrer mussten beim Landrat damals über jede Person Zeugnis ablegen. Menschen wurden als gut oder schlecht bewertet, je nachdem, wie gut sie des Katechismus mächtig waren. Es herrscht eine hohe Moral und Mägde, die uneheliche Kinder bekommen, werden in Schande vom Hof verwiesen, auch wenn klar war, dass das Kind ein Produkt der ewigen Vergewaltigung des Hofherren war. Auch Alkohol ist ein großes Thema. Agnes war stolz und hatte einen eigenen Kopf, konnte lesen und schreiben: „Aber die Leute merkten, dass ich denken kann, und sie finden, dass man einer denkenden Frau nicht trauen kann.“ Agnes Geschichte ist traurig, aber auf keinen Fall ein Einzelfall. Wir erfahren aber, dass ein Leben als freier Bauer auch nicht wesentlich besser bestellt war, als das von Magd und Knecht. Der Leser taucht ein in die Gedanken von Agnes und die der Bewohner des Hofs, des Vikars, taucht ein in ein hartes entbehrungsreiches Leben, das von Düsternis und Tod gekennzeichnet ist. Die Toten des Winters werden im Stall gelagert, auf dem gefrorenen Fisch. Die Rechtssprechung der damaligen Gesellschaft wird in diesem Roman geschickt dargestellt. Ein Gesellschaftsroman, zum Anfang des 19. Jahrhunderts, der das Leben der Klassengesellschaft der Isländer wiederspiegelt. Hannah Kent wertet nicht, sie lässt ihre Figuren berichten, eindringlich und atmosphärisch. Die große Erzählkunst der Autorin lässt niemanden unberührt zurück. Das Buch war nominiert für den Women's Prize for Fiction 2014, mit Recht.

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