Wo drei Flüsse sich kreuzen

von Hannah Kent 
4,4 Sterne bei27 Bewertungen
Wo drei Flüsse sich kreuzen
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sursulapitschis avatar

Spannend, ungewöhnlich und bizarr, allerdings etwas ausführlich.

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Düsterer Irland Roman aus dem 19. Jahrhundert über Aberglaube, Vorurteile und Armut. Konnte meine Erwartungen nicht ganz erfüllen.

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Inhaltsangabe zu "Wo drei Flüsse sich kreuzen"

Der große Roman von Bestseller-Autorin Hannah Kent über den Widerstreit von Glauben und Vernunft, Wirklichkeit und Mythen – inspiriert von einer wahren Geschichte aus dem 19. Jahrhundert.
Irland 1825: Die 14-jährige Mary soll der verwitweten Bäuerin Nora mit deren krankem Enkel Michael zur Hand gehen. Der kleine Junge, so munkelt man im Dorf, sei ein Wechselbalg, ein Feenkind, und mache die Kühe krank. Mary gibt nichts auf das Gerede, doch als Nora davon hört, reift in der einsamen, verzweifelten Frau eine ungeheuerliche Idee: Wenn es ihr gelingt, den Wechselbalg zu vertreiben, würde sie den gesunden Michael wiederbekommen und endlich wieder eine echte Familie haben. Fast verrückt vor Angst und Aberglauben und unterstützt durch die geheimnisvolle Kräuterfrau Nance ist sie bald bereit, alles zu versuchen – und Mary fällt es immer schwerer, sich gegen die beiden Frauen durchzusetzen.
Hannah Kent gelingt es durch ihre kristallklare Sprache erneut, eine grausame und wahre Geschichte eindringlich zu erzählen; die rauhe Schönheit Irlands verschmilzt mit dem Seelenleben ihrer Figuren, die dem Leser, wie schon in ihrem Debüt-Roman "Das Seelenhaus", ganz nahe kommen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783426306604
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:432 Seiten
Verlag:Droemer Taschenbuch
Erscheinungsdatum:01.02.2019
Das aktuelle Hörbuch ist am 08.09.2017 bei Hörbuch Hamburg erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    sursulapitschis avatar
    sursulapitschivor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Spannend, ungewöhnlich und bizarr, allerdings etwas ausführlich.
    Spannend, finster und ausführlich

    Feen und Geister bevölkern die irischen Wälder seit Urzeiten. Das weiß jeder Mensch in Nóras Dorf und sogar 1826 beherrscht vielseitiger Aberglaube noch das Leben der Dorfbevölkerung. Niemand vergisst ein Loch in ein frisch gebackenes Brot zu brechen, damit der Teufel herausfliegen kann. Geht man mit einem Stück Kohle ums Haus schütz das vor Schabernack des Feenvolks. Jede Menge Rituale sind zu beachten.
    Als Nóra merkt, dass ihr kleiner Enkel nicht mehr so normal ist wie sie ihn kennenlernte, steht bald fest, er muss ein Wechselbalg sein. Zusammen mit der alten Nance versucht sie das Feenkind zu heilen.

    Sehr plastisch beschreibt Hannah Kent das irische Dorfleben das verwoben ist mit althergebrachten Ritualen, die selbst bei Zeitgenossen Verwunderung auslösen. Das Leben dort ist wunderlich aber auch von Magie durchdrungen. Man liest und staunt, bis es dann zur unausweichlichen Katastrophe kommt.
    Die Geschichte ist an einen wahren Fall angelehnt, den man bizarr findet, bis man dieses Buch liest, das tatsächlich einen plausiblen Verlauf des Geschehens anbietet. Das ist toll.

    Trotzdem war mir das Buch die Spur zu detailverliebt. Zu oft wiederholen sich Gedanken, werden Motive vertieft, die man schon längst verstanden hat. So ist dann die eigentlich spannende Geschichte doch etwas zäh.
    Dieses Buch ist ein ungewöhnlicher historischer Roman zu einem interessanten Thema, den man etwas hätte straffen müssen. Lesenswert ist es dennoch.

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    N
    Nemsivor 3 Monaten
    Stimmig und spannend

    Ein atmosphärisches sehr dicht geschriebenes Buch mit spannender Handlung

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    SillyTs avatar
    SillyTvor 3 Monaten
    Was für eine Atmosphäre

    Irland in den Jahren 1825/1826 – in einem kleinen Tal, fern von den immer moderner werdenden Städten, herrscht immer noch der Glaube an Mythen wie Feenwesen, Wechselbälger und mehr. Nora Leahy, gerade frisch verwitwet, lebt auf einem kleinen Bauernhof, allein mit ihrem vierjährigem Enkel Micheál. Doch Micheál ist kein gewöhnliches Kind, er läuft nicht, er spricht nicht, des Nachts schreit er und auch am Tage findet er kaum Ruhe. Um Hilfe auf dem Hof und mit ihrem Enkel zu bekommen stellt Nora die vierzehnjährige Mary ein. Doch der Zustand des Kindes ändert sich nicht, ein Arzt diagnostizierte bereits unheilbaren Kretinismus und auch der Dorfpfarrer verweigert seine Hilfe. In ihrer Verzweiflung wendet sich NOra an Nance, die heilkundige Kräuterfrau und diese bestätigt Nora das, was sie schon lange vermutete: Micheál ist ein Wechselbalg.
    Meine Meinung
    Das Cover wirkt schon ein wenig düster und unheimlich und passt sehr gut zu der Geschichte. Denn diese ist sehr düster gehalten und ich muss sagen, dass es der Autorin hier absolut gelingt, die Atmosphäre des kleinen, abgelegenen Dorfes einzufangen. Man hat das Gefühl, die Költe und Dunkelheit des irischen Winters am eigenen Leib nachzuemfpinden. Durch die viele Details wird das Leben dort sehr atmosphärisch und auch glaubwürdig dargestellt. Die Autorin schafft es hier eine Dichte zu schaffen, die beim Lesen Bilder von damals lebendig werden lassen. Auch sonst schreibt Hannah Kent sehr einnehmend, beinahe schon poetisch und der Zeit und der Umgebung des Dorfes, in der die Geschichte spielt, hervorragend angepasst. Es ist kein leichter ROman für zwischendurch, aber er verfehlt seine Wirkung keineswegs, denn bei manch einer der Beschreibungen hatte ich Gänsehaut.
    Das Tempo der Geschichte ist relativ konstant, eher ruhig, denn es geht vielmehr um diese gesamte  Entwicklung rund um den Aberglaube und der Mythen, den die Charaktere, allen voran Nora durchlaufen. Es ist schon sehr erschreckend, wie sehr die Menschen früher glaubten, was man ihnen erzählte. Geschahen Unglücke wurden Schuldige gesucht, seien es mythische Wesen oder Reale, alle Schuld wurde bei anderen gesucht und der Aberglaube der Menschen war sehr extrem. All das gelingt es Hannah Kent glaubwürdig nachzuerzählen und ganz besonders interessant fand ich hier, dass die Autorin sich auf eine reale Begebenheit aus dieser Zeit beruft.
    Mit wechselnden Perspektiven erzählt ein personeller Erzähler in dritter Person die Geschichte. Wir verfolgen drei völlig unterschiedliche Frauen und deren Erlebnisse. Nora, die Witwe, Mary, die Magd und Nance, die Kräuterfrau. Alle drei Frauen sind sehr gut ausgearbeitet und man sieht sie direkt vor sich während des Lesens, aber auch sonst wird alles so intensiv geschildert, dass man einen Film vor dem inneren Auge verfolgt.
    Nora war eine mir alles andere als sympathische Person, sicher, sie muss in kürzester Zeit den Verlust der Tochter und des Ehemannes verarbeiten und sich um ein schwerbehindertes Kind kümmern, aber anstelle, dass sie selbst mehr eingreift, glaubt sie lieber, dass was man ihr erzählt und was man so im Tal über den kleinen Jungen munkelt.
    Mary schien mir hier ganz viel Herz zu haben, sie bekommt die nötige Tiefe und nimmt eine wichtige Rolle in der Geschichte ein. Dabei ist sie eine der wenigen, wie es mir schien, die hier zu Mitgefühl fähig war.
    Nance, die dritte der drei Frauen, aus deren Perspektive wir die Geschichte erleben, ist ebenfalls sehr glaubhaft dargestellt. Von ihr erfährt man auch mehr darüber, wie es dazu kam, dass sie die Gabe der Kräuterkunde und der Heilkunst bekam.
    Neben den drei Frauen gibt es noch einige weitere Charaktere, vor allem die Bewohner des Tals, die auf die Handlung Einfluss nehmen. Durch ihr Verhalten, ihren Aberglauben und auch teilweise durch ihren Tratsch nimmt die grausame Handlung gegenüber dem kleinen Micheál seinen Lauf. Gerade diese Momente der Geschichte ließen mich wirklich tiefes Mitleid mit dem Kleinen empfinden, denn es war wirklich grauenhaft, was er durchleben musste.
    Mein Fazit
    Absolut atmosphärische Geschichte, sehr düster, sehr kalt und dadurch sehr real dargestellt. Manch ein Moment brachte mir Gänsehaut und Entsetzen, wenn man überlegt, wie sehr diese Menschen sich beeinflussen ließen. Die Entwicklung der Geschichte und der Charaktere konnte mich absolut fesseln und überzeugen. Kein leichter Roman, aber wirklich empfehlenswert!

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    N
    nini_pagavor 5 Monaten
    Zwischen zwei Welten

    Hannah Kent schrieb diese Geschichte inspiriert durch eine Notiz, die sie während der Recherche zu ihrem vorigen Roman "Das Seelenhaus". Es ging um ein Gerichtsverfahren in Irland im 19. Jahrhundert, in welchem zwei ältere Frauen ein Kind ertränkten, da sie es für einen Wechselbalg hielten. 

    Die Geschichte bewegt sich in einer Zeit und an einem Ort, wo Christentum und Volksglaube noch gleichzeitig existierten. Während der verstorbene Pfarrer des kleinen irischen Dorfes in dem die Geschichte spielt, dies zuließ und unterstützte, gibt der neue Pfarrer den alten Traditionen und Geschichten keinen Raum mehr und verurteilt sie als Aberglaube, Hexerei und Teufelswerk. Die Bewohner des Dorfes sind hin und hergerissen. 
    Hannah Kent schafft es, beiden Sichtweisen den gleichen Raum zu geben und sich auf keine Seite zu stellen. So kann man den Protagonistinnen am Ende auch nicht wirklich böse sein, da man vollends davon überzeugt ist, dass sie nach bestem Gewissen gehandelt haben und dachten, das Richtige zu tun. DIese Urteilsfreiheit zeichnet den Roman für mich aus!

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    MikkaGs avatar
    MikkaGvor 5 Monaten
    Wechselbalg oder einfach ein Kind mit Behinderung?

    “Wo drei Flüsse sich kreuzen” wird mir mit Sicherheit noch lange in Erinnerung bleiben.

    Hannah Kent beschwört mit kristallklarer, ausdrucksstarker Sprache ein Bild des ländlichen Irlands von 1825 herauf. Das Leben der Menschen wird nicht nur von Hunger und tiefster Armut bestimmt, sondern auch von Religion und Aberglaube. Beides gibt ihnen Hoffnung und fördert ihren Zusammenhalt, kann aber jederzeit umschlagen in gegenseitiges Misstrauen und Vorurteile.

    Die schwierige Allianz zwischen christlichen Glaubensregeln und uralten, tief verwurzelten Volksbräuchen zieht sich als Leitmotiv durch das Buch.

    Die Bewohner des Dorfes, in dem die Handlung angesiedelt ist, gehen sonntags zur Messe, befolgen aber im täglichen Leben eine fast schon absurde Vielzahl von Regeln, um sich vor dem ‘bösen Blick’ zu schützen oder sich das Wohlwollen des ‘Guten Volkes’, wie sie die Feen nennen, zu sichern. Denn diese leben, so glauben die Dörfler, ganz in der Nähe und haben viel Einfluss auf das Leben der Menschen: sie können dafür sorgen, dass Kühe keine Milch und Hühner keine Eier mehr geben, sogar Missbildungen und plötzliche Todesfälle verursachen.

    Im Dorf geht die Angst um, man habe irgendwie das Unglück heraufbeschworen.

    Es gibt Missernten, Unwetter und Totgeburten, und dann verliert die angesehene Bäuerin Nora innerhalb kurzer Zeit erst ihre Tochter und dann ihren Mann. Kerngesund war der, munkeln die Dörfler, und nicht nur das: ist er nicht just zum Schlag des Hammers auf der Kreuzung vor der Schmiede tot umgefallen? Sicherlich ein böses Omen.

    Ein Aberglaube, der sich besonders hartnäckig hält, ist der Mythos vom Wechselbalg. Die Feen, so heißt es, entführen die schönsten, klügsten Menschenkinder und lassen im Austausch einen Doppelgänger des entführten Kindes zurück.

    Und so ist es Micheál, der kleine Enkel von Nora, der die Menschen am meisten verunsichert.

    Vor zwei Jahren war er noch ein gesundes, glückliches Kind, das herumlief und plapperte wie jedes andere. Jetzt ist er stumm, seine Arme und Beine sind mager und verdreht, und er  windet sich in Krämpfen und Zuckungen.

    Micheál muss ein Wechselbalg sein, ganz klar.

    Als moderner Leser zerreißt es einem schier das Herz, wie viel Angst, Widerwille und sogar Hass diesem offensichtlich behinderten Kind fortan entgegen schlägt.

    Im Mittelpunkt des sich entfaltenden Dramas stehen drei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: die überforderte, verzweifelte Nora, ihre 14-jährige Magd Mary und das alte Kräuterweib Nance, der nicht nur ein umfassendes Wissen um allerlei Heilmittel zugeschrieben wird, sondern auch eine Verbindung zum Guten Volk.

    Unter Nances Anleitung versucht Nora, den ‘Wechselbalg’ zu bannen, um die Feen dazu zu bewegen, den echten Micheál zurückzugeben – während Mary zunehmend verunsichert zusieht…

    Die Autorin zeichnet ihre Charaktere grandios: komplex, glaubhaft und bewegend.

    Auch wenn die Protagonistinnen aus heutiger Sicht auf tragische Art und Weise fehlgeleitet erscheinen, sind sie doch in keinster Weise böse. Was sie tun, tun sie mit den besten Absichten, und Nance, die vielleicht zwiespältigste Figur in dieser Geschichte, ist felsenfest überzeugt von ihren eigenen übernatürlichen Fähigkeiten.

    Das Buch zeigt die enorme Spannweite der menschlichen Natur und verzichtet dabei auf Stereotypen oder einfache Urteile. Hannah Kent erzählt eine spannende Geschichte, die dennoch einen ungeheuren Tiefgang entwickelt.

    Aber es ist mehr als nur eine Geschichte: das Buch beruht auf historisch belegbaren Tatsachen.

    Möglicherweise hieß Micheál nicht Michaél, aber es gab einmal einen Jungen wie ihn. Und es gab drei Frauen wie Nora, Mary und Nance. Natürlich möchte ich hier noch nicht verraten, wie die Geschichte ausging, im Buch oder in der Wirklichkeit, aber ich würde Lesern empfehlen, es selber herauszufinden.

    | FAZIT |

    Irland im Jahr 1825: in einem kleinen Dorf häufen sich die unerklärlichen Unglücksfälle, und die Menschen suchen nach Erklärungen – und einem Schuldigen. Genau deswegen versteckt Nora ihren Enkel Micheál, damit niemand dessen verdrehte Glieder sieht oder seine merkwürdigen Schreie hört. Aber schon bald beginnt sie selber zu befürchten, dass Micheál ein ‘Wechselbalg’ sein muss, ein Doppelgänger, der von den neidischen Feen gegen ihren echten Enkel ausgetauscht wurde.

    Es handelt sich hier keineswegs um Fantasy!

    “Wo drei Flüsse sich kreuzen” ist ein auf Tatschen beruhender historischer Roman, in dem der irische Volksglaube im Umfeld eines von Hunger und Armut gezeichneten Dorfes zum Auslöser eines Dramas wird.

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    WinfriedStanzickvor 7 Monaten
    Ein mitreißendes Drama um die Macht von Angst und Aberglaube - basierend auf einer wahren Geschichte




    Nach ihrem überzeugenden Debüt „Das Seelenhaus“. Dessen Handlung sie im Island des Jahres 1828 ansiedelte, verlegt die australische Schriftstellerin Hannah Kent das Geschehen ihre neuen Romans „Wo drei Flüsse sich kreuzen“ erneut nach Europa, dieses Mal nach Irland. Wieder schildert das Leben von Menschen im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts. Ein hartes, schweres Leben, in Irland geprägt von der Religion und von einer immer noch starken Macht eines jahrhundertealten Aberglaubens, gegen den auch Vertreter der Amtskirche nichts auszurichten vermögen.
    Die Handlung des hervorragend recherchierten Romans (Hannah Kent hielt sich hierfür monatelang in Irland auf) basiert auf einer wahren Geschichte.

    Nora Roche ist eine angesehene Bewohnerin ihres Dorfes, als sie einen schweren Schicksalsschlag erlebt, als ihr Mann plötzlich stirbt. Nachdem sie erst kurz davor den Verlust ihrer Tochter zu verkraften hatte, steht sie nun mit ihrem Enkelsohn Michael allein, der nach dem Tod der Tochter zu Nora und ihrem Mann gekommen ist. Vor zwei Jahren haben sie ihn zum letzten Mal gesehen und können ihn nun kaum mehr wieder erkennen. Das Kind, das jetzt bei ihnen ist, ist schwer behindert, sehr verzögert in seiner Entwicklung und sofort beginnen im Dorf die Gerüchte, das Kind sei ein von den Feen verwunschener Wechselbalg. Sogar den Tod von Martin und die Tatsache, dass die Kühe in der Gegend wenig Milch geben oder sterben, bringen die abergläubischen Menschen mit dem Kind in Verbindung.

    Weil Nora ohne Mann die ganze Arbeit , die sie insbesondere durch das bewegungsunfähige Kind hat, nicht allein  bewältigen kann, verdingt sie mit der 14- jährigen Nora auf einem Markt in der nahe gelegenen Stadt eine Magd, die ihr besonders mit dem Jungen  zur Hand gehen soll.
    Für das junge Mädchen ist das eine anspruchsvolle und anstrengende Aufgabe, die sie aber mit viel Empathie annimmt. Bald schon hat sie zu Michael eine starke emotionale Bindung aufgebaut.
    Von den immer heftiger aufkommenden Gerüchten, Michael sei ein von den Feen verwunschener Wechselbalg, halt Mary im Gegensatz zu Nora nichts.

    Nora indes schenkt den Gerüchten große Aufmerksamkeit und verfällt zunehmend dem Glauben, dass ihr kleiner Junge mit einem Feenwesen vertauscht wurde. Sie begibt sich zu der weisen Nance, die fachkundig in der Kräuterlehre ist und von sich selbst behauptet, mit den Feen in Kontakt zu stehen. Sie soll helfen, den wahren Michael wieder von den Feen zurückzuholen.  Der neue Pfarrer, der im Gegensatz zu dem alten vom Aberglauben der Landbevölkerung gar nichts hält,  droht Nora mit Folgen, sollte sie weiter den Kontakt zur weisen Nance halten.

    Nora, Nance und, mit vielen inneren Widerständen auch Mary, verfolgen aber ihren Weg weiter. Sie wollen Michael von den Feen zurückholen und sie riskieren dabei alles, zuletzt sogar sein Leben und ihrer aller Zukunft.

    Ein mitreißendes Drama um die Macht von Angst und Aberglaube - basierend auf einer wahren Geschichte aus dem 19. Jahrhundert.





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    Bücherfüllhorn-Blogs avatar
    Bücherfüllhorn-Blogvor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Düster. Tragisch. Stark. Wie konnte es soweit kommen? Lesen, dann weiß man es.
    Düster. Tragisch. Stark. Wie konnte es soweit kommen? Lesen, dann weiß man es.

    Das Setting 1825 in Irland in dem kleinen Tal ist richtig beengend und authentisch beschrieben. Dieser Herbst und dieser Winter, die Nässe, Kälte, der Nebel, der aufgeweichte Boden, die reißenden Flüsse … also, es war so richtig ungemütlich. Die verrauchten Katen der Bewohner, die abgrundtiefe Armut und dann dieser subtil bedrohliche Aberglaube.

     

    Die drei Frauen waren alle charakterlich tief erfasst. Nora, die mir immer unsympathischer wurde, konnte ich dennoch verstehen, in ihrer absoluten Trauer um den Verlust ihres Ehemanns, in ihrer Wut auf den kräfteraubenden Enkel Micheal, die Erschöpfung, die Melancholie und schließlich die Verzweiflung, weil keiner hilft, im Gegenteil, man wird noch selber als Aussätzige behandelt.

    Nance, die wie alle Heilkundigen den Spagat der damaligen Zeit zwischen Religion, Spiritismus und Heilkunde schaffen muss. Mary, die einzige, die mehr hinter Micheals Verhalten vermutet, auf die aber nicht gehört wird.

     

    Ein Spannungsbogen wird psychologisch subtil-raffiniert aufgebaut. Die drei Frauen lernen einander kennen, jede ist alleinstehend und muss zusehen, wie sie in dem armen und kurz vor der Hungersnot stehendem Irland zurecht kommen. Aus drei Perspektiven verfolgt man langsam, wie sich etwas „ungutes“ aufbaut und auf ein Drama zusteuert. Der Erzählstil ist so aufwühlend, dass ich beim

    Lesen unbewusst den Atem angehalten habe. Nicht, weil es rasant gewesen wäre, sondern weil ein bestimmtes und undefinierbares Gefühl heraufbeschworen wurde, und man ahnt, das geht nicht gut aus.

     

    Die Geschichte hat mich emotional mitgenommen. Diese „Verblendungen“, diesen Aberglauben können „wir“ heute in dieser Geschichte erkennen. Aber hätten wir damals, wenn wir in diesem engen Tal abseits jeglicher Kultur, Gesellschaft und Bildung so aufgewachsen wären, nicht genauso daran geglaubt? Dieses Tal war ein Mikrokosmos, wer dort geboren wurde und nicht weg kam, wuchs damit auf und nichts wurde mit gesundem Menschenverstand erklärt.Wir lesen es und wissen, dass Micheal kein Wechselbalg war, und dass er nichts mit dem Unglücken im Tal zu tun hatte. Aber die Menschen damals hatten dieses Wissen nicht. Sie hatten so gut wie gar nichts.

     

    Der Erzählton war richtig gut getroffen. Eindrucksvoll wurden die drei Frauen mit tiefem Blick charakterisiert. Auch wenn sie einem nicht sympathisch waren (bis auf Mary), konnte man sich in sie hineinversetzen und wusste, warum sie so handelten und glaubten. Dadurch konnte ich Verständnis für die Figuren fühlen, auch wenn man das vielleicht gar nicht wollte. Diese Geschichte erinnerte mich übrigens an „Die Moortochter“ von Karen Dionne, hier wuchs ein Mädchen abseits der Zivilisation mit ihrer Mutter und einem psychotischen Vater im Moor auf. Es gibt Parallelen zu diesem Mikrokosmos in dem sie groß wurden und was sie glaubten. Ich wollte am liebsten alles schwarz oder weiß sehen, aber gerade wenn man das Urteil der Verhandlung für Nance und Nora Revue passieren lässt, sieht man auch die Graustufen.

     

    Das Buch ging mir noch ein paar Tage lang nach. Es hat eine depressive Grundstimmung, die dem einfachen und beschränkten Leben der Einwohner dieses Tales gezollt ist. Die Gerichtsverhandlung, nein eigentlich sind Nance und Nora eine Farce, weil sie an ihren Überzeugungen festhalten. Das Urteil ist diskussionsbedürftig, auch wenn ich es auf seine Art gerecht fand. Denn kann man jemanden bestrafen, der Zeit seines Lebens mit Feen, Sitten, Gebräuchen und abergläubischen Ritualen aufgewachsen ist? Der nur dieses Leben kennt?

     

    Am Schluss gibt die Autorin noch Tipps für Folge-Literatur.

     

    Alles in allem: Ein starkes Buch, das mich noch tagelang beschäftigte. Es herrscht eine depressive Grundstimmung und hinterher war ich eigentlich fix und fertig. Manchmal gehen mir bestimmte Geschichten, gerade wenn auf einem echten Fall basieren, sehr zu Herzen. Wie konnte es soweit kommen? Das ist hier sehr nachvollziehbar beschrieben.

     

    Sterne: Ich vergebe fünf von fünf Sternen, denn authentisch und nachvollziehbar wird der falsche Weg, den die drei Hauptprotagonistinnen beschreiten, heraus gearbeitet. Man kann nachvollziehen, wie es soweit kommen konnte. Man kann den Kopf schütteln und sich denken, ich hätte es anders gemacht. Aber hätten wir das tatsächlich, wenn wir genau so aufgewachsen wären? Wären wir nicht auch eher angepasst gewesen und hätten auch an Feen und Wechselbälger geglaubt? Die Frauen können einem nur leid tun. Es war keine Hilfe zu erwarten, und so kam es zum äußersten. Eigentlich sind nicht die Frauen schuld, sondern alle Einwohner in diesem Tal. Es hat alles gepasst in dieser Geschichte, auch wenn sie eher düster daher kommt.

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    schnaeppchenjaegerinvor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Beklemmende Geschichte über Aberglaube und Mythen - basierend auf historischen Ereignissen Anfang des 19. Jahrhunderts in Irland
    Beklemmende Geschichte über Aberglaube und Mythen - basierend auf historischen Ereignissen

    Der Roman handelt in einem irischen Tal von November 1825 bis März 1826. Nóra hat vor Kurzem erst den Tod ihrer Tochter Johanna verkraften müssen, als ihr Mann überraschend an einer Herzattacke stirbt. Sie ist nun allein mit ihrem Enkel Micheál, um den sich ihr Mann bislang überwiegend gekümmert hat, nachdem der Schwiegersohn nicht für das unterentwickelte Kind sorgen wollte. Micheál ist vier Jahre alt, kann sich aber nicht artikulieren und seine Beine nicht bewegen. Nóra empfindet den "Krüppel" als Last, versteckt ihn, und heuert auf dem Markt die 14-jährige Magd Mary an, die sich um das Kind kümmern soll. Mary macht sich Sorgen um das Kind und wie es von Nóra behandelt wird. So hatte sie mit Hilfe von Brennnesseln versucht seine Beine zum Gehen zu bewegen. Als sie dann glaubt, dass es sich um ein Wechselbalg handeln könnte, dass ihr vom Feenvolk im Austausch gegen ihren Enkel untergeschoben wurde, wendet sie sich an die Heilerin Nance Roche. Diese unterstützt Nóra in dem Glauben, dass es sich bei Micheál um ein Feenkind handelt und versucht die Fee zunächst mit verschiedenen auszutreiben, bis die Frauen zum Äußersten gehen und das Kind im eiskalten Fluss ertränken. 
    Nach "Das Seelenhaus" hat Hannah Kent wieder einen Roman geschrieben, der Anfang des 19. Jahrhunderts handelt und auf wahren historischen Ereignissen basiert. Es spielt in einer Zeit und an einem Ort, in welchem Aberglaube, Mythen und Traditionen eine große Rolle spielen, um sich manche Begebenheiten zu erklären. Der Roman ist atmosphärisch geschrieben, so dass man sich als Leser in das kalte, von Armut geprägte irische Tal hineinversetzt fühlt. "Wo drei Flüsse sich kreuzen" ist wie ein Schauermärchen. Es ist schier unglaublich zu lesen, was Menschen aus Hilflosigkeit und Aberglauben einem kleinen Kind antun, um in einer Art Exorzismus das Böse aus ihm auszutreiben. Sehr eindringlich ist beschrieben, wie der arme, wehrlose Junge von seiner Großmutter und der vermeintlichen Heilerin gequält wird bis er letztlich stirbt und Nóra Leahy sowie Nance Roche des Mordes angeklagt werden. 
    Es ist eine beklemmende Geschichte über Traditionen und Mythen, an denen sich arme Menschen festhalten, um Erklärungen für die Dinge zu finden, die sie nicht kennen und für die sie sich schämen. Der Roman ist besonnen, aber durchaus brutal erzählt und fesselt bis zum traurigen Ende.

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    Mira20vor einem Jahr
    Kurzmeinung: ein spannendes und eindrückliches Buch, die historischen Hintergründe sind gut recherchiert!
    Wenn Aberglaube auf Verzweiflung trifft!

    Wunderbar wie die Autorin es versteht Fiktion und Historisches zu verbinden. Obwohl der Leser sich durchaus bewusst ist, dass er einen fiktionalen Text liest, so kann er sich ganz auf die seriöse Recherche der Autorin verlassen. Inspiriert durch einen echten Fall, hat die Autorin eine sehr realistische Geschichte rund um die Fakten erfunden. Das Leben, das Drama packt den Leser und erschüttert ihn. 


    Irland 1825: Der Leser taucht ein in eine düstere Welt ohne viel Hoffnung. Armut und ein sehr einfaches Leben treffen auf viel Unheil. Ein harter Winter, unerwartete Todesfälle und ein mysteriös erkranktes Kind, lassen die Menschen in der ländlichen kleinen Gemeinschaft hilflos zurück. Was wenn das kranke Kind ein Wechselbalg ist? Die Verzweiflung, Verbundenheit und Furcht vor dem alten Feenglauben lösen in der kleinen Dorfgruppe eine unheilvolle Dynamik aus. 


    Denn die einsame und überforderte Grossmutter des schwer kranken und behinderten Kleinkindes sucht eine Lösung. Da trifft es sich gut, dass die alte Nance viel vom Feenglauben versteht. Diese verspricht den Wechselbalg den Feen zurückzugeben und im Gegenzug das richtige Kind wieder zurückzugeben.


    Es hat mich überrascht wie tief ich als Leser in den alten Feenglauben eingetaucht bin. Obwohl ich durchaus wusste, dass das überhaupt nicht gut gehen kann, so hoffte ich mit den Frauen auf ein gutes Ende. 


    Der Schreibstil der Autorin ist sehr lebendig und auch sehr realistisch. Unterschiedliche Sichtweisen der Protagonisten lassen auch den Leser immer wieder in die Realität auftauchen bevor er sich wieder tief im Feengeflüstert verliert. 


    Das Buch hat mich gepackt und gefangen genommen. Vergangene Zeiten sollten einem mit allen Sinnen packen. Der Autorin ist es auch gelungen, nicht verurteilend die Protagonisten abzuhandeln. Sie zeigt mit vielen Facetten wie verzweifelt Unwissenheit machen kann.


    Vorbehaltslos gebe ich dem Buch eine absolute Leseempfehlung!

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    detlef_knuts avatar
    detlef_knutvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Mag die Sonne in manchen Szenen auch scheinen so hat die Autorin doch einen düsteren Roman gezeichnet, der einen Einblick in die Lebensverhä
    Einblick in die Lebensverhältnisse der damaligen Zeit

    Irland zu Beginn des 19 Jahrhunderts. Bei den Bewohnern im Tal herrscht noch die große Macht der Mythen und des Aberglaubens.

    Nóra hat einen weiteren schweren Verlust zu verkraften. Einige Männer des Dorfes bringen ihren Ehemann tot zur Kate. Er war noch so kräftig und ganz normal am Morgen zur Arbeit gegangen. Doch er sei auf der Straße einfach umgefallen. Schon vor zwei Jahren hatte sie den Tod ihrer Tochter verarbeiten müssen. Das geschah sehr mühselig, denn schließlich hatte sie sich um ihren Enkel kümmern müssen, den ihr Schwiegersohn bei ihr abgeladen hatte.

    Nun beim Tod ihres Mannes gibt es Leute im Dorf, die meinen, da hätten die Feen ihre Hände mit im Spiel. Die Unterstützung von Nance, die sich seit vielen Jahren einen Namen als Heilerin erarbeitet hat, ist nicht gerade hilfreich bei der Bewältigung der Trauerarbeit. Zwar war Nance vom alten Pfarrer gerne gerufen worden, doch der neue Pfarrer wollte von ihr und ihren Heilmethoden nichts wissen. Er hielt es für Teufelszeug. Immer häufiger wurde Nance als Ursache für Leid und Misswirtschaft beschuldigt. So auch für die Krankheit, die Nóras Enkel seit dem Tod dessen Mutter heimgesucht hat.

    Hannah Kent hat einen tiefgründigen Roman um das Schicksal dreier Frauen im Irland der damaligen Zeit geschrieben. Schnell wird klar, dass Nance, Nóra und dessen Dienstmädchen Mary gegen die Macht der Mythen genauso ankämpfen müssen wie gegen einige Leute im Dorf, die sich auf ihren christlichen Glauben berufen. Dabei sind diese drei Frauen selbst noch mit dem Glauben an die Mythen behaftet. Besonders das junge Mädchen Mary scheint in einen ausweglosen Sumpf zu geraten. Wenn der Leser aufmerksam den Lebensweg der Heilerin verfolgt, wird er feststellen, dass Mary drauf und dran ist, einen ähnlichen Weg zu beschreiten. Ein Weg voller Armut, Hunger und Leid, mit einem täglichen Kampf ums Überleben.

    Mag die Sonne in manchen Szenen auch scheinen so hat die Autorin doch einen düsteren Roman gezeichnet, der einen Einblick in die Lebensverhältnisse der damaligen Zeit bietet. Sehr empfehlenswert!

    © Detlef Knut, Düsseldorf 2017

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