Hannah Rothschild Die Jazz-Baroness

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Inhaltsangabe zu „Die Jazz-Baroness“ von Hannah Rothschild

Als im März 1955 die Nachricht vom Tod Charlie Parkers New York erschütterte, hatte die Presse ihren Skandal: »Bop-König stirbt im Appartment reicher Erbin«. Wer war diese Frau, in deren Hotelsuite das Saxophon-Genie seine letzten Stunden verbrachte? Die mit Thelonius Monk oder Miles Davis in ihrem weißen Bentley Cabrio nachts von Jazzclub zu Jazzclub fuhr und als »Neger-Hure« beschimpft wurde?
Pannonica Baronesse de Koenigswarter, geborene Rothschild, was schon immer die Rebellin ihrer berühmten Familie gewesen: Sie hatte unter de Gaulle gegen Deutschland gekämpft, war Bomber geflogen und Jeeps gefahren. Nun hatte sie ihr ödes Leben als Diplomatengattin hinter sich gelassen und in New York eine neue Leidenschaft entdeckt: Die Millionen-Erbin half den schwarzen Musikern mit Geld und großem Herz, sie kümmerte sich um Kranke, sorgte für Auftrittsgenehmigungen – und wurde so zur Schutzpatronin des Bebop. Jazzgenies von Monk bis Horace Silver widmeten ihr eigene Songs. Und Clint Eastwood setzte ihr in »Bird« ein filmisches Denkmal.
Hannah Rothschild erzählt das stürmische Leben ihrer Großtante von der Kindheit in englischen Schlössern, der abenteuerliche Flucht vor den Nazis und den Schlachtfeldern des Zweiten Weltkriegs bis zu den Abgründen des schwarzen Amerika der sechziger Jahre. Eine faszinierende Biographie – und zugleich die unglaubliche Geschichte einer weltberühmten Dynastie.

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    Die Jazz-Baroness

    michael_lehmann-pape

    21. November 2013 um 13:33

      Es geht auch um „die Rothschilds“, eine er mächtigsten und reichsten Familien Europas. Eine Familie mit vielen Zweigen und so manchem Spleen (wer sonst würde in Teilen das gesamte Leben exotischen Tieren widmen wollen und fast fanatisch tausende von Schmetterlingen weltweit sammeln?).   Eine Familie, der sowohl die Autorin Hannah Rothschild als Nicht der „Baronesse“, als natürlich auch die Hauptperson des Buches selbst, Pannonica („Nica“) Rothschild angehören.   Eine schillernde Frau, deren Lebenslauf wie zweigeteilt vorliegt, ein Buchprojekt, das aus mindestens zwei Gründen von großer Besonderheit ist. Zum einen, weil „man“ nicht über die Familie schreibt. Wogegen Hannah Rothschild klar „verstößt“ und das wiederum hat mit dem Einfluss Nicas zu tun. Jene Tante, von der Hannah Rothschild nicht nur als Person fasziniert war, sondern die auch einen gewichtigen Einfluss auf die Autorin und deren sich entfaltender Lebenshaltung selbst hatte.   „Man lebt nur einmal“. Und das ganz. Hier und jetzt. Auch wenn das bedeutet, irgendwann den „Mainstream“ der Familie fast von jetzt auf gleich zu verlassen, sich vom standesgemäßen Ehemann zu trennen, die Kinder zurücklassen zu müssen und in New York ein komplett anderes, neues Leben in den Jazz-Kellern der Stadt mit den Jazz-Größen der Zeit („Schwarze“, noch schlimmer im Ansehen der Familie) zu gestalten. Eine Person, bei der Hannah Rothschild sehr treffend und differenziert herausarbeitet, dass Reflexion und Nabelschau nicht interessierten, sondern das „leben an sich“ genommen und genossen und gelebt wurde.   „Vielleicht war sie verrückt. Sie hatte einige ziemlich törichte Äußerungen von sich gegeben“. Und das in einer Familie, deren Macht ehern auf zwei Füßen ruhte: „Geld und absolute Verschwiegenheit“. So wird innerhalb der Familien gemunkelt.   „Vergiss nicht, dass sie als Zugabe auch noch den Suez-Kanal haben springen lassen“. Solcherart sind die lapidaren Sprüche der Frau mit der besonderen und starken Persönlichkeit. Die Whiskey aus Teekannen kredenzt, Kette raucht und mit dem „Einstein der Musik“, Thelonious Monk eng und intensiv lebte.   „Wenn es sieben Weltwunder gibt, ist er das Achte“. So sah Nica das.   In Lebensweise der Familie wirft Hannah Rothschild in fundierter Weise übrigens einen ebenso treffenden Blick, wie sie wie chronologisch und sehr flüssig im Stil die eigentliche Biographie Nicas nachvollzieht. Immer mit dem Vordergrund der Darstellung der Persönlichkeit, nicht als reines Herunterrasseln biographsicher Orte und Daten.   Von der „hochherrschaftlichen“ Geburt, von den einsamen Kinderjahren (man spielte nicht mir „Rotschild Kindern“, die als Juden auch in England im Privaten trotz der vielfachen gesellschaftlichen Verbindungen eher am Rande stehen gelassen wurden), von den absolut feststehenden, immer gleichen Tagesabläufen, umgeben von 30, 40 Bediensteten.   Von den Jahren als junger Frau im Jet Set Europas. Sorglos, reich, dann verheiratet, dann Kinder und dann plötzlich nur noch die Musik, die Jazz-Szene, New.   Jene Frau, deren Name sich von einem „Nachtfalter her ableitet, was im späteren Lebensverlauf ziemlich gut zu ihrer Person passte. Auch von der Suche nach dem „Namensgeber“ in hunderten von Schmetterlingsvitrinen durch Hannah Rothschild erzählt diese und legt, nicht nur mit diesem Beispiel, auch eine Breite der Beschreibung, der Familie, der Lebensweise, des Umfeldes vor.   Souverän, informativ und sehr fesselnd führt Hannah Rothschild den Leser ein in diese Welt und dieses besondere Leben, gibt dem Jazz Liebhaber(auch fotografisch) Einblick in das „Innere“ dieser bewegenden Musiker und macht die Atmosphäre, das „Leben als Rothschild“ fassbar. Aufgrund ihrer Hartnäckigkeit, gegen eine Gewohnheit des Schweigens eine Information nach der anderen im Laufe ihrer Recherche zum Buch „heraus zu locken“.   Eine sehr empfehlenswerte und gelungene Biographie.

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