Hannah Tinti

 4.2 Sterne bei 27 Bewertungen
Autor von Die zwölf Leben des Samuel Hawley, Die linke Hand und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Hannah Tinti

Hannah Tinti ist eine amerikanische Schriftstellerin und Herausgeberin der Literaturzeitschrift "One Story". Sie wuchs in Salem, Massachussetts, auf. Ihr erster Roman "Die linke Hand" erschien 2008 unter dem Titel "The good thief" in den USA und wurde mit dem American Library Association's Alex Award und dem John Sargent Sr. First Novel Prize ausgezeichnet.

Alle Bücher von Hannah Tinti

Die zwölf Leben des Samuel Hawley

Die zwölf Leben des Samuel Hawley

 (11)
Erschienen am 12.09.2018
Die linke Hand

Die linke Hand

 (9)
Erschienen am 10.01.2011
Tanz der Tiere

Tanz der Tiere

 (2)
Erschienen am 01.10.2007
The Good Thief

The Good Thief

 (2)
Erschienen am 09.07.2009
Animal Crackers

Animal Crackers

 (1)
Erschienen am 07.03.2005
The Twelve Lives of Samuel Hawley

The Twelve Lives of Samuel Hawley

 (1)
Erschienen am 08.02.2018
The Good Thief

The Good Thief

 (1)
Erschienen am 11.08.2009
Animal Crackers

Animal Crackers

 (0)
Erschienen am 01.06.2009

Neue Rezensionen zu Hannah Tinti

Neu
M

Rezension zu "Die zwölf Leben des Samuel Hawley" von Hannah Tinti

Mitreißender Roadtrip des Lebens
michael_lehmann-papevor einem Jahr

Mitreißender Roadtrip des Lebens

Tatsächlich passen die Kapitelüberschriften noch besser zur Grundtendenz dieses Lebens eines Vaters, Hawley, mit seiner Tochter und bevor diese geboren wurde.

Zwölf Kugeln sind es, die die einzelnen Abschnitte dieses sprachkräftig auf Papier gebannten Lebens kennzeichnen. Durchaus passend zu einem Mann, der mit seinen Waffen eng verwachsen ist (typisch amerikanisch, kann man sagen und das Buch gibt durchaus auch in der Tiefe Einsicht in die inneren Gründe, die dieser amerikanischen Haltung zur Waffe zugrunde liegen).

„Er atmete ein und stieß die Luft halb wieder aus“. Und genau dann ist es Zeit, den Abzug zu ziehen. Mit sicherem Stand. So hat es seine Mutter ihm beigebracht, so hat Hawley es verinnerlicht, so gibt er es an seine Tochter weiter.

Es ist eine fast poetische erzählte Szene, als Loo, die Tochter, zum Geburtstag das alte Gewehr, Familienerbe, von ihm als Geschenk erhält. Wenn Vater und Tochter im Wald stehen, dann steht da keine martialistische Szene von „Schieß-Verehrung“ im Raum, sondern ein weitergeben einer Verschmelzung, eines natürlichen Vorgangs, sich im Leben wehren zu können. Eine intuitive Fertigkeit, wie die Szene in ihrem Finale aufweist.

Mit großer Bildkraft beschrieben, die den Leser von Beginn an fesselt, die hineinzieht in diese besondere Familienatmosphäre (die im Übrigen, als Hawley beschließt, sesshaft zu werden mit und wegen seiner Tochter an dem Ort, an dem seine Frau, die Mutter Loo´s geboren wurde), die viel zu oft gestört wird von „Witwen“, die Hawley ihre Aufwartung zu machen gedenken (aus Eigennutz).

Umso mehr klopfen die Frauen der kleinen Stadt Olympus an, nachdem Hawley eine Art Heldentat vollbracht hat (bei der ein mit Fett massiv eingestrichener Baumstamm über einer Hügelkante eine wichtige Rolle spielt).

Doch an diesen schweigsamen, immer beherrschten, ganz für sich lebenden Mann heranzukommen ist ein Ding der Unmöglichkeit. Zunächst. Und auch auf den Leser wirkt dieser wortkarge, sich seiner selbst scheinbar immer sichere Mann zunächst befremdlich. Ein Rätsel. Eine Art Mann, wie Lee Child mit seinem „Reacher“ in etwa auf den Weg gebracht hat. Nur dass sich Hawley weitaus mehr Kerben und Niederlagen im Leben wohl bereits eingefangen hat. Ahnt man.

Und wird es im Lauf der Lektüre genauer herausfinden, denn in Rückblicken erzählt Tinti von den verschiedenen Lebensstationen und den inneren Prägungen. Ein Lebensweg, der in der Gegenwart kulminiert, denn irgendwas ist da ja geschehen, was auch Loo nicht wirklich weiß. Mit ihrer Mutter, mit seiner Frau. Die nicht mehr vorhanden ist.

Und wie das so ist, wenn einer kaum etwas von sich preisgibt, außer, dass er Konkurrenten und Gegner umgehend angeht und vor Gewalt nicht zurückscheut (auch wenn daraus später gar Respekt werden kann, wie man sehen wird). In einer solchen kleinen Stadt, da gehen Gerüchte schnell von Ohr zu Ohr.

Und umgeben die trefflich gesetzte, diskrete innere Polung, die Tinti ihren beiden Hauptfiguren gibt. Denn dem beherrschten Vater der „wenigen Worte“ stellt sie eine Tochter mit Temperament und starkem Jähzorn entgegen (da unterscheidet sich Loo nicht vom Vorgehen ihres Vaters, wenn ihr Schulkameraden gehässig kommen, Was nicht jede Nase unbeschadet übersteht).

Innere Spannung zwischen den Figuren, äußere Spannungen mit dem Umfeld, innere Spannungen in den Personen selbst und eine Entwicklungsgeschichte eines Mannes, die man mit Spannung liest und die fließend in die Geschichte der Entwicklung des Mädchens mit und durch diesen Mann mit eingeht.

Eine hervorragende Lektüre.

Kommentieren0
6
Teilen
J

Rezension zu "Die zwölf Leben des Samuel Hawley" von Hannah Tinti

Kunststoff Realität
jamal_tuschickvor einem Jahr

„Narben sind die Medaillen des Lebens“, sagt Hemingway. Körperliche Verletzungen verbinden sich nicht selten mit guten und starken Erfahrungen. In archaischen Gesellschaften fand man keine Aufnahme unter Erwachsenen ohne Verletzungsschmerz. Initiationskulturen überleben im Sport. Deshalb gibt es immer noch Vorgesetzte, die im klärenden Gespräch fragen: „Welchen Sport praktizieren Sie?
Die Frage zielt auf die Belastbarkeit des Kandidaten jenseits von Anpassung und sozialer Geschmeidigkeit. Wer so fragt, will wissen: Wie verhält sich einer, wenn es hart auf hart kommt. Vorbildlich erscheint in diesem Zusammenhang Herkules. Der Olympier musste zwölf Aufgaben meistern, angefangen bei der Tötung des nemeischen Löwe, dessen Fell Panzerqualitäten hatte. Herkules verstand es, das Tier an seinem Schwachpunkt zu überwinden. Stichwort Achillesferse. Bereits im Titel erklärt Hannah Tinti ihren Roman zur Chronik einer Initiation im antiken Maßstab. „Die zwölf Leben des Samuel Hawley“ müssen in Todesnähe gewonnen werden. Zentraler Schauplatz der Ereignisse ist das Fischernest Olympus (Olymp wie der griechische Gipfel) nahe Rockport und Boston im uralten Essex County von Massachusetts. Olympus gibt es nicht, wohl aber alle Hügel und Weiler in der Umgebung als Fiktionsversteifungen mit dem Kunststoff Realität.
Hawley fehlt ein Ohrlappen. Als junger Mann neigte er dazu, die Ansagen seiner inneren Stimme für Gerüchte zu halten, denen man nicht mehr Beachtung schenken muss, als dem Gerede von Betrunkenen. Tinti beschreibt die fatalen Folgen der Intuitionsverweigerungen. Mehr als einmal traf ihn eine Kugel, die eine Ahnung kommen sah.
Tinti erzählt mit bewährten Mitteln. Ihr Ton amalgamiert historische Schreibweisen von Herman Melville über Jack London und John Steinbeck bis Nelson Algren. In einer „Schienenstrang“ und „Hobo Szene“ (nach London und Steinbeck) reicht der Landstreicher Jove einem vom Sozialamt Verfolgten die Hand. Hawley erschließt sich den Westen auf den Schleichwegen der wirtschaftlichen Depression - mit ihren Überlandelegien in offenen Güterwaggons.
Als krimineller Laufbursche kriegt er es mit einem Wal zu tun. Melville lässt grüßen, zumal die südlich von Boston und so auch in Tintis Erzählkosmos gelegene Hafenstadt New Bedford in „Moby Dick“ eine Rolle spielt.
Als Hawleys Tochter Louise (kurz Loo) ins Spiel kommt, ist der Rumpf des fähigen Vaters und treu das Andenken an Louises Mutter Lily bewahrenden, von einer Vergangenheit als Spezialist für kriminelle Rückholaktionen heimgesuchten Witwers bereits mit zwölf Narben skarifiziert. Die Beweise einer unerschütterlichen Kampfbereitschaft geben dem Mann die richtige Aura. Andere Männer bewundern und fürchten Hawley. Die Frauen begehren ihn. Nur die Schwiegermutter will nichts von dem Asphaltcharismater wissen. Mabel entwickelt aber ein freundliches Verhältnis zu der Tochter ihrer nicht einfach nur bei einem Badeunfall in Wisconsin gestorbenen Tochter. Das Kind übernimmt in der Zuneigung olympische Aufgaben, von denen es gar nichts weiß. Eines Nachts überlässt Mabel der Enkelin ihren Pontiac Firebird – ein magischer Moment im Leben der Adoleszentin.
Louise überstrahlt Hawley. Die Geschichte beginnt an ihrem zwölften Geburtstag und bleibt immer viel mehr bei ihr als bei dem Mann mit den zwölf Narben. Für ihn hat Tinti nur Rückblenden übrig, die wie Folgen einer Schwarzen Serie über die Haupterzählachse flackern.

Kommentieren0
1
Teilen
Blacksallys avatar

Rezension zu "Die zwölf Leben des Samuel Hawley" von Hannah Tinti

Viel zum Nachdenken
Blacksallyvor einem Jahr


Protagonisten
Samuel Hawley hatte kein einfaches Leben, aber er ist auch kein Einfacher Mann. Er hat zwar viel durchmachen müssen, aber an so manchem Schlamassel, den ihm in seiner Vergangenheit passiert ist, ist er auch selbst Schuld. Man merkt ihm schnell an, das er eher ein verschlossener Typ ist und eigentlich hat nur seine Tochter Loo einen richtigen Zugang zu seinen Gefühlen, denn Loo ist die einzige die Hawley noch hat. 
Loo ist ein aufgewecktes Mädchen, das aber immer irgendwie vernachlässigt wirkt. Sie reist mit ihrem Vater ständig durch die Gegend und die beiden scheinen nie richtig anzukommen. Vielleicht ist Loo deswegen ein bisschen anders, als andere Kinder in ihrem alter. Da sie nie wirklich einen halt findet und nur ihren Vater um sich hat, der quasi der feste Bestandteil in ihrem Leben ist. Dennoch mochte ich sie gerne, auch wenn sie manchmal Handlungen tätigte, die ich so nicht für richtig halte.


Schreibstil
Der Schreibstil ist wirklich große Klasse gewesen. Für das Buch habe ich mehr als doppelt so lang wie normal für ein Buch dieser dicke gebraucht, da man sich unheimlich darauf konzentrieren musste und auch viel Material zum Nachdenken bekommen hat. So manches mal musste ich das Buch zur Seite legen und erstmal über das gerade geschehene Nachdenken.
Was mir gut gefallen hat waren die Blicke in die Vergangenheit, die die Geschichte abgerundet und vor allem vervollständigt haben. So konnte ich mir alles gut zusammenreimen und vorstellen was passiert ist. Auch die Charaktere waren alles andere als Flach dargestellt, es waren super ausgearbeitete Personen, die mir gut gefallen haben.


Autorin
Hannah Tinti, 1973 geboren, wuchs in Salem, Massachusetts, auf. Sie studierte Literatur an der New York University und ist Herausgeberin der Zeitschrift »One Story«. 2004 veröffentlichte sie den Erzählband »Tanz der Tiere«, der für den PEN/Hemingway Award nominiert und in mehr als sechzehn Sprachen übersetzt wurde. Ihr erster Roman, »Die linke Hand«, erschien 2009 auf Deutsch und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Hannah Tinti lebt heute in Brooklyn.


Einzelbewertungen
Schreibstil 5/5
Charaktere 5/5
Spannung 3/5
Ende 4/5
Cover 4/5


Fazit
Ein Buch das nicht alltäglich ist, aber dennoch sehr mit seinem Schreibstil und den real erscheinenden Charakteren überzeugt

Kommentieren0
3
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu
KEIN & ABER Verlags avatar
Als Samuel Hawley mit seiner Tochter Loo nach Olympus zieht, soll das kleine Küstenstädtchen ihr Zuhause werden. Doch auch nachdem das ständige Umherziehen ein Ende hat, finden die beiden nur schwer Anschluss. Die Geheimnisse um Hawleys Vergangenheit machen die Einwohner von Olympus misstrauisch. Wieder sind Vater und Tochter sich gegenseitig die einzigen Freunde. Als Loo ihrer Großmutter begegnet, erfährt sie, dass hinter dem Unfalltod ihrer Mutter mehr steckt, als sie bisher glaubte. Loo wird eigenständiger, verliebt sich zum ersten Mal und sucht selbst nach Antworten. Hawleys Narben zeugen von seiner geheimnisvollen Geschichte, lange bevor es Loo gab. Und so sehr er auch versucht, seine Tochter zu schützen: Sein früheres Leben als Krimineller holt die beiden wieder ein.

»Welch verführerischer Roman, welch lebendige Sprache, die tief in die Seelen zu schauen vermag, welch umwerfende Symphonie!«
The New York Times Book Review

»Die zwölf Leben des Samuel Hawley« von Hannah Tinti erscheint am 5. September 2017. Vorab verlosen wir 10 Bücher für eine gemeinsame Leserunde. Bewerbt Euch bis zum 16. August 2017 und mit etwas Glück haltet Ihr den Roman noch vor dem offiziellen Erscheinen in den Händen!
S
Letzter Beitrag von  SLovesBooksvor einem Jahr
Zur Leserunde

Community-Statistik

in 43 Bibliotheken

auf 8 Wunschlisten

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks