Die zwölf Leben des Samuel Hawley

von Hannah Tinti 
4,3 Sterne bei11 Bewertungen
Die zwölf Leben des Samuel Hawley
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

U

9/17 Der Typ nervt, toll aufgebaut toll erzählt. Geschichte über 12 Schussverletzungen

J

Spannende Unterhaltung.

Alle 11 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Die zwölf Leben des Samuel Hawley"

Loo und ihr Vater Hawley brauchen nur einander. Warum sie ständig umherziehen, weiß sie nicht, kennt es aber nicht anders. Hat Hawley etwas zu verbergen? Schließlich lassen sie sich doch im Heimatort der verstorbenen Mutter nieder, und Loo verliebt sich zum ersten Mal. Wird sie es schaffen, das Leben einer ganz normalen Jugendlichen zu führen?

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783036959818
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:576 Seiten
Verlag:Kein & Aber
Erscheinungsdatum:12.09.2018

Rezensionen und Bewertungen

Neu
4,3 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne4
  • 4 Sterne6
  • 3 Sterne1
  • 2 Sterne0
  • 1 Stern0
  • Sortieren:
    M
    michael_lehmann-papevor einem Jahr
    Mitreißender Roadtrip des Lebens

    Mitreißender Roadtrip des Lebens

    Tatsächlich passen die Kapitelüberschriften noch besser zur Grundtendenz dieses Lebens eines Vaters, Hawley, mit seiner Tochter und bevor diese geboren wurde.

    Zwölf Kugeln sind es, die die einzelnen Abschnitte dieses sprachkräftig auf Papier gebannten Lebens kennzeichnen. Durchaus passend zu einem Mann, der mit seinen Waffen eng verwachsen ist (typisch amerikanisch, kann man sagen und das Buch gibt durchaus auch in der Tiefe Einsicht in die inneren Gründe, die dieser amerikanischen Haltung zur Waffe zugrunde liegen).

    „Er atmete ein und stieß die Luft halb wieder aus“. Und genau dann ist es Zeit, den Abzug zu ziehen. Mit sicherem Stand. So hat es seine Mutter ihm beigebracht, so hat Hawley es verinnerlicht, so gibt er es an seine Tochter weiter.

    Es ist eine fast poetische erzählte Szene, als Loo, die Tochter, zum Geburtstag das alte Gewehr, Familienerbe, von ihm als Geschenk erhält. Wenn Vater und Tochter im Wald stehen, dann steht da keine martialistische Szene von „Schieß-Verehrung“ im Raum, sondern ein weitergeben einer Verschmelzung, eines natürlichen Vorgangs, sich im Leben wehren zu können. Eine intuitive Fertigkeit, wie die Szene in ihrem Finale aufweist.

    Mit großer Bildkraft beschrieben, die den Leser von Beginn an fesselt, die hineinzieht in diese besondere Familienatmosphäre (die im Übrigen, als Hawley beschließt, sesshaft zu werden mit und wegen seiner Tochter an dem Ort, an dem seine Frau, die Mutter Loo´s geboren wurde), die viel zu oft gestört wird von „Witwen“, die Hawley ihre Aufwartung zu machen gedenken (aus Eigennutz).

    Umso mehr klopfen die Frauen der kleinen Stadt Olympus an, nachdem Hawley eine Art Heldentat vollbracht hat (bei der ein mit Fett massiv eingestrichener Baumstamm über einer Hügelkante eine wichtige Rolle spielt).

    Doch an diesen schweigsamen, immer beherrschten, ganz für sich lebenden Mann heranzukommen ist ein Ding der Unmöglichkeit. Zunächst. Und auch auf den Leser wirkt dieser wortkarge, sich seiner selbst scheinbar immer sichere Mann zunächst befremdlich. Ein Rätsel. Eine Art Mann, wie Lee Child mit seinem „Reacher“ in etwa auf den Weg gebracht hat. Nur dass sich Hawley weitaus mehr Kerben und Niederlagen im Leben wohl bereits eingefangen hat. Ahnt man.

    Und wird es im Lauf der Lektüre genauer herausfinden, denn in Rückblicken erzählt Tinti von den verschiedenen Lebensstationen und den inneren Prägungen. Ein Lebensweg, der in der Gegenwart kulminiert, denn irgendwas ist da ja geschehen, was auch Loo nicht wirklich weiß. Mit ihrer Mutter, mit seiner Frau. Die nicht mehr vorhanden ist.

    Und wie das so ist, wenn einer kaum etwas von sich preisgibt, außer, dass er Konkurrenten und Gegner umgehend angeht und vor Gewalt nicht zurückscheut (auch wenn daraus später gar Respekt werden kann, wie man sehen wird). In einer solchen kleinen Stadt, da gehen Gerüchte schnell von Ohr zu Ohr.

    Und umgeben die trefflich gesetzte, diskrete innere Polung, die Tinti ihren beiden Hauptfiguren gibt. Denn dem beherrschten Vater der „wenigen Worte“ stellt sie eine Tochter mit Temperament und starkem Jähzorn entgegen (da unterscheidet sich Loo nicht vom Vorgehen ihres Vaters, wenn ihr Schulkameraden gehässig kommen, Was nicht jede Nase unbeschadet übersteht).

    Innere Spannung zwischen den Figuren, äußere Spannungen mit dem Umfeld, innere Spannungen in den Personen selbst und eine Entwicklungsgeschichte eines Mannes, die man mit Spannung liest und die fließend in die Geschichte der Entwicklung des Mädchens mit und durch diesen Mann mit eingeht.

    Eine hervorragende Lektüre.

    Kommentieren0
    5
    Teilen
    J
    jamal_tuschickvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Spannende Unterhaltung.
    Kunststoff Realität

    „Narben sind die Medaillen des Lebens“, sagt Hemingway. Körperliche Verletzungen verbinden sich nicht selten mit guten und starken Erfahrungen. In archaischen Gesellschaften fand man keine Aufnahme unter Erwachsenen ohne Verletzungsschmerz. Initiationskulturen überleben im Sport. Deshalb gibt es immer noch Vorgesetzte, die im klärenden Gespräch fragen: „Welchen Sport praktizieren Sie?
    Die Frage zielt auf die Belastbarkeit des Kandidaten jenseits von Anpassung und sozialer Geschmeidigkeit. Wer so fragt, will wissen: Wie verhält sich einer, wenn es hart auf hart kommt. Vorbildlich erscheint in diesem Zusammenhang Herkules. Der Olympier musste zwölf Aufgaben meistern, angefangen bei der Tötung des nemeischen Löwe, dessen Fell Panzerqualitäten hatte. Herkules verstand es, das Tier an seinem Schwachpunkt zu überwinden. Stichwort Achillesferse. Bereits im Titel erklärt Hannah Tinti ihren Roman zur Chronik einer Initiation im antiken Maßstab. „Die zwölf Leben des Samuel Hawley“ müssen in Todesnähe gewonnen werden. Zentraler Schauplatz der Ereignisse ist das Fischernest Olympus (Olymp wie der griechische Gipfel) nahe Rockport und Boston im uralten Essex County von Massachusetts. Olympus gibt es nicht, wohl aber alle Hügel und Weiler in der Umgebung als Fiktionsversteifungen mit dem Kunststoff Realität.
    Hawley fehlt ein Ohrlappen. Als junger Mann neigte er dazu, die Ansagen seiner inneren Stimme für Gerüchte zu halten, denen man nicht mehr Beachtung schenken muss, als dem Gerede von Betrunkenen. Tinti beschreibt die fatalen Folgen der Intuitionsverweigerungen. Mehr als einmal traf ihn eine Kugel, die eine Ahnung kommen sah.
    Tinti erzählt mit bewährten Mitteln. Ihr Ton amalgamiert historische Schreibweisen von Herman Melville über Jack London und John Steinbeck bis Nelson Algren. In einer „Schienenstrang“ und „Hobo Szene“ (nach London und Steinbeck) reicht der Landstreicher Jove einem vom Sozialamt Verfolgten die Hand. Hawley erschließt sich den Westen auf den Schleichwegen der wirtschaftlichen Depression - mit ihren Überlandelegien in offenen Güterwaggons.
    Als krimineller Laufbursche kriegt er es mit einem Wal zu tun. Melville lässt grüßen, zumal die südlich von Boston und so auch in Tintis Erzählkosmos gelegene Hafenstadt New Bedford in „Moby Dick“ eine Rolle spielt.
    Als Hawleys Tochter Louise (kurz Loo) ins Spiel kommt, ist der Rumpf des fähigen Vaters und treu das Andenken an Louises Mutter Lily bewahrenden, von einer Vergangenheit als Spezialist für kriminelle Rückholaktionen heimgesuchten Witwers bereits mit zwölf Narben skarifiziert. Die Beweise einer unerschütterlichen Kampfbereitschaft geben dem Mann die richtige Aura. Andere Männer bewundern und fürchten Hawley. Die Frauen begehren ihn. Nur die Schwiegermutter will nichts von dem Asphaltcharismater wissen. Mabel entwickelt aber ein freundliches Verhältnis zu der Tochter ihrer nicht einfach nur bei einem Badeunfall in Wisconsin gestorbenen Tochter. Das Kind übernimmt in der Zuneigung olympische Aufgaben, von denen es gar nichts weiß. Eines Nachts überlässt Mabel der Enkelin ihren Pontiac Firebird – ein magischer Moment im Leben der Adoleszentin.
    Louise überstrahlt Hawley. Die Geschichte beginnt an ihrem zwölften Geburtstag und bleibt immer viel mehr bei ihr als bei dem Mann mit den zwölf Narben. Für ihn hat Tinti nur Rückblenden übrig, die wie Folgen einer Schwarzen Serie über die Haupterzählachse flackern.

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Blacksallys avatar
    Blacksallyvor einem Jahr
    Viel zum Nachdenken


    Protagonisten
    Samuel Hawley hatte kein einfaches Leben, aber er ist auch kein Einfacher Mann. Er hat zwar viel durchmachen müssen, aber an so manchem Schlamassel, den ihm in seiner Vergangenheit passiert ist, ist er auch selbst Schuld. Man merkt ihm schnell an, das er eher ein verschlossener Typ ist und eigentlich hat nur seine Tochter Loo einen richtigen Zugang zu seinen Gefühlen, denn Loo ist die einzige die Hawley noch hat. 
    Loo ist ein aufgewecktes Mädchen, das aber immer irgendwie vernachlässigt wirkt. Sie reist mit ihrem Vater ständig durch die Gegend und die beiden scheinen nie richtig anzukommen. Vielleicht ist Loo deswegen ein bisschen anders, als andere Kinder in ihrem alter. Da sie nie wirklich einen halt findet und nur ihren Vater um sich hat, der quasi der feste Bestandteil in ihrem Leben ist. Dennoch mochte ich sie gerne, auch wenn sie manchmal Handlungen tätigte, die ich so nicht für richtig halte.


    Schreibstil
    Der Schreibstil ist wirklich große Klasse gewesen. Für das Buch habe ich mehr als doppelt so lang wie normal für ein Buch dieser dicke gebraucht, da man sich unheimlich darauf konzentrieren musste und auch viel Material zum Nachdenken bekommen hat. So manches mal musste ich das Buch zur Seite legen und erstmal über das gerade geschehene Nachdenken.
    Was mir gut gefallen hat waren die Blicke in die Vergangenheit, die die Geschichte abgerundet und vor allem vervollständigt haben. So konnte ich mir alles gut zusammenreimen und vorstellen was passiert ist. Auch die Charaktere waren alles andere als Flach dargestellt, es waren super ausgearbeitete Personen, die mir gut gefallen haben.


    Autorin
    Hannah Tinti, 1973 geboren, wuchs in Salem, Massachusetts, auf. Sie studierte Literatur an der New York University und ist Herausgeberin der Zeitschrift »One Story«. 2004 veröffentlichte sie den Erzählband »Tanz der Tiere«, der für den PEN/Hemingway Award nominiert und in mehr als sechzehn Sprachen übersetzt wurde. Ihr erster Roman, »Die linke Hand«, erschien 2009 auf Deutsch und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Hannah Tinti lebt heute in Brooklyn.


    Einzelbewertungen
    Schreibstil 5/5
    Charaktere 5/5
    Spannung 3/5
    Ende 4/5
    Cover 4/5


    Fazit
    Ein Buch das nicht alltäglich ist, aber dennoch sehr mit seinem Schreibstil und den real erscheinenden Charakteren überzeugt

    Kommentieren0
    3
    Teilen
    Cleo22s avatar
    Cleo22vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Man kann seine Vergangenheit nicht komplett ausradieren, manchmal wird man sogar wieder von ihr überholt und sie wartet direkt vor einem.
    Wenn die Vergangenheit auf einen wartet...

    Inhalt:

    Die zwei Hauptpersonen Samuel Hawley und seine Tochter Loo sind während der Vergangenheit von einem Ort zum anderen gereist und an keinem sehr lange geblieben, doch in Olympus soll dies nun ein Ende haben. Nicht nur wegen Hawleys krimineller Vergangenheit haben die beiden es aber wieder schwer Anschluss zu finden und als Loo von ihrer Großmutter, die ebenfalls dort lebt, erfährt, dass es sich beim Unfalltod ihrer Mutter vielleicht gar nicht um einen Unfall gehandelt hat sind die Fragezeichen in Loos Kopf riesig. So beginnt sie ihren Vater mit anderen Augen zu betrachten und auch selbst nachzuforschen. Bisher hatte sie sich nie gefragt, woher all die Narben ihres Vaters kommen, doch jede einzelne davon hat seine eigene Geschichte. Und seine Vergangenheit ist es, die die beiden am Ende wieder einholt und in Schwierigkeiten bringt.

    Zunächst einmal hat mir das Cover sehr gut gefallen! Es ist einfach schön anzusehen und es sind viele kleine Details, auch hinter dem Schutzumschlag, die man unbedingt genauer anschauen sollte.

    Die Geschichte teilt sich mehr oder weniger in zwei verschiedene Handlungsstränge auf. Hier erfährt der Leser einerseits, wie es Loo und ihrem Vater in der Gegenwart ergeht und was sie dort für Erfahrungen machen, andererseits erfährt man aber auch, wie es zu Hawleys Narben, seinen 12 Einschusslöchern, die auch für die 12 Leben stehen, gekommen ist, was mir persönlich sehr gut gefallen hat!
    Jedes Einschlussloch hat seine eigene Geschichte und sie setzen sich nacheinander fort und sind als flüssige Geschichte verfasst, so erhält man einen guten Einblick in Hawleys früheres Leben und weiß, was er alles erlebt hat und kann vielleicht die ein oder andere Vorgehensweise in der Gegenwart verstehen, wieso er beispielsweise überall Waffen versteckt hält und immer mit einer versteckten rumläuft und so viel mit Loo gereist ist. Er hat immer wieder kriminelle Aufträge angenommen und hat sich so auch den ein oder anderen Feind gemacht, denen er im Verlauf des Buches das ein oder andere Mal begegnen wird und auch Loo bleibt davon letztendlich nicht verschont, auch wenn Hawley sich bemüht, sie zu schützen und die Vergangenheit vor ihr zurückzuhalten, verstecken kann er sie nicht. So erfährt der Leser auch, wie sich Hawley und Lilly, Loos Mutter, die schon zu Beginn der Geschichte verstorben ist, kennengelernt haben und wie ihre Mutter als Charakter war. So erfährt der Leser auch, was es mit ihrem Tod auf sich hat und auch Lilly kann nach und nach die Geheimnisse um den Tod ihrer Mutter entschlüsseln. Dabei macht sie auch den Kontakt mit ihrer Großmutter, bei der sie die ersten Jahre ihres Lebens, nach dem Tod ihrer Mutter, verbracht hat, bis Hawley sie wieder zu sich holte und ihrere Reiserei begann. Die Vergangenheitserzählungen waren sehr spannend und es hat mir Spaß gemacht es zu lesen. Im Gegensatz dazu waren die Erzählungen aus der Gegenwart jedoch stellenweise etwas langweilig und ich war geneigt, den ein oder anderen Satz zu überfliegen, bis etwas spannenderes passiert ist. Dort konnte ich keinen so schönen roten Faden, wie in der Vergangenheit finden und es wurden viele Nebencharaktere angeschnitten, wie auch Marshall, ein Junge im gleichen Alter wie Loo, in den sie sich verliebt, der dann aber auch schon wieder aus ihrem Leben verschwunden ist, wie als wäre nichts gewesen. Dabei hätte ich mir davon mehr erhofft, vielleicht habe ich in ihm den Anker gesehen, der Loo noch gefehlt hat. Auch die Beziehung zwischen Vater und Tochter war mir zu distanziert, es war schwierig, sich in die beiden hineinzuversetzen, weil sie durch ihre undurchdachten Handlungen sehr viel Distanz geschaffen haben und auch zueinander gab es nicht viel Liebe bei den beiden. Ich hätte mir vor allem, nach dem Loo mehr über Hawleys Vergangenheit und ihre Mutter herausgefunden hat ein klärendes Gespräch zwischen den beiden gewünscht, aber stattdessen schweigt jeder vor sich hin und das Leben geht weiter. Die Gegenwart war mehr ein 'leise vor sich hinplätschern', doch ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, bis es wieder in die Vergangenheit geht, die doch sehr viel aufregender war. Es waren jedoch spannende, etwas langweiligere, eine kleine Liebesgeschichte und zahlreiche abenteuerische Elemente enthalten, so dass man dem Buch eigentlich alles in allem nichts vorwerfen kann. Allerdings hat mir eine Entwicklung der Charaktere, oder zumindest von einem, gefehlt. Ich verfolge gerne mit, wie sich die Charaktere weiterentwickeln und dann auch aus ihren Fehlern lernen, was hier aber nicht der Fall war. Hawley hat sogar immer wieder die gleichen Fehler begangen und auch am Schluss war er immer noch nicht schlauer als zu Beginn der Geschichte und auch Loo hat nicht wirklich an innerer Stärke gewonnen. So war ich gegen Schluss doch verärgert über die Vorgehensweise der Charaktere. Hawley hat wohl mehr als Glück, dass er durch seine Lebensweise 12 Kugeln überlebt und trotzdem nicht daraus gelernt hat, das muss man auch erst mal schaffen. Am sympathischsten war mir Jove, ein "Kollege" von Hawley, der jedoch nicht wirklich zu den Hauptpersonen gehört. Das die Geschichte ein offenes Ende hat war für mich okay, doch hätte ich mir noch ein paar Dinge mehr erklärt gewünscht, beispielsweise hätte es hier noch Platz gegeben für eine 'Sinneswandlung' und man hätte den Charakteren doch noch eine Weiterentwicklung zuschreiben können, die kann ich mir nun selbst vorstellen.


    Es gab viele Situationen während des Buches, in denen ich mich fragte, wie ich wohl entschieden hätte und ob es wirklich die beste Idee war. So bleibt das Buch auf jeden Fall im Kopf und das ist auch eine große Leistung, die nicht jede Geschichte bei mir schafft. Jedoch ist es keine wirklich abgeschlossene Geschichte für mich, da man zwar in das Leben der beiden hineingeworfen wird und auch ein paar Details aus der Vergangenheit erfährt, doch zum Ende hin ist man mit den Charakteren mehr oder weniger wieder am Anfang angelangt und ihr Leben wird mehr oder weniger genau gleich weitergehen, wo ich mir einen besseren Schlussstrich für den Leser gewünscht hätte, daher nur 4 von 5 Sternen, insgesamt geht mein Daumen nach oben für die tollen Erzählungen aus der Vergangenheit und die Dinge, über die ich lange nachgedacht habe und das sicherlich auch noch weiterhin tun werde.




    Kommentieren0
    7
    Teilen
    Buchlieses avatar
    Buchliesevor einem Jahr
    Kugel für Kugel erzählt

    Seit Jahren sind Samuel Hawley und seine Tochter Loo auf der Flucht. Doch jetzt, Loo ist beinahe im Teenageralter, soll das Umherziehen ein Ende haben. In Olympus wollen sie heimisch werden, ausgerechnet da, wo Loos Großmutter Mabel wohnt. Zurückgezogen lebt alte Dame seit Jahren ohne Kontakt zu Hawley und Loo. Sie gibt dem Vater ihrer Enkelin die Schuld am Tod ihrer Tochter, Loos Mutter. Doch was geschah damals? Auch Loo hat keine Ahnung von der kriminellen Vergangenheit ihres Vaters, die ihm immer knapp auf den Fersen scheint.

    Hannah Tinti erzählt ihren Roman auf zwei Ebenen. Zum einen trifft der Leser gemeinsam mit Samuel und Loo in Olympus ein und erlebt deren Neuanfang. Loo bleibt wenig zu fassen. Bereits von frühesten Kindheitstagen durch den Tod ihrer Mutter an den Vater gebunden und weitgehend ohne soziale Kontakte aufgewachsen, scheint sie lediglich ein Schatten Hawleys zu sein. Ohne Widerspruch, ohne Aufbegehren. Hawley seinerseits kann kaum Gefühle gegenüber seiner Tochter zeigen. „Du bist mein Job.“ antwortet er auf die Frage seiner Tochter, warum er keinen richtigen Job hat. Und genau dieser Satz kennzeichnet auch sein Verhältnis zu Loo.

    Im zweiten Erzählstrang wird Hawleys Vergangenheit beleuchtet. Narben von Schusswunden verunzieren seinen Körper und jede dieser Schrammen erzählt ein Stück aus seinem Vorleben. Diese Passagen, Kugel für Kugel erzählt, fand ich besonders lesenswert. Sie waren lebendig, spannend und konnten viele in der Gegenwart zunächst unverständlich erscheinende Situationen aufhellen.

    Erzählt war der Roman sehr schön, aber leider konnten mich die beiden Hauptfiguren emotional nicht wirklich erreichen. Besonders erwähnenswert finde ich allerdings noch die Aufmachung des Buches. Erschienen bei Kein & Aber werden alle die Leser von einem wundervoll gezeichneten Cover überrascht, die den Schutzumschlag zur Seite legen. Danke dafür und für ein Buch, das mir auf jeden Fall in Erinnerung bleiben wird.

    Kommentieren0
    2
    Teilen
    Nyanshas avatar
    Nyanshavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Die Vergangenheit holt uns manchmal doch ein
    Stilistische Meisterleistung mit wenigen Emotionen

    „Die zwölf Leben des Samuel Hawley“ von Hannah Tinti erschien am 5. September 2017 im Kein & Aber Verlag. Die Originalausgabe trägt den Titel „The Twelve Lives of Samuel Hawley“. Der Roman umfasst 567 Textseiten, die in vierundzwanzig Kapitel aufgeteilt wurden. Dabei handelt es sich um zwölf Gegenwarts- und zwölf Rückblickskapitel. Die Rückblickskapitel tragen alle je den Titel „Kugel Nummer“ mit der jeweils aufsteigenden Nummer von eins bis zwölf. Das erste und letzte Kapitel trägt je den Namen eines der beiden Protagonisten.

    Worum geht es?

    Als Samuel Hawley mit seiner Tochter Loo nach Olympus zieht, soll das kleine Küstenstädtchen ihr Zuhause werden. Doch auch nachdem das ständige Umherziehen ein Ende hat, finden die beiden nur schwer Anschluss. Die Geheimnisse um Hawleys Vergangenheit machen die Einwohner von Olympus misstrauisch. Wieder sind Vater und Tochter sich gegenseitig die einzigen Freunde. Als Loo ihrer Großmutter begegnet, erfährt sie, dass hinter dem Unfalltod ihrer Mutter mehr steckt, als sie bisher glaubte. Loo wird eigenständiger, verliebt sich zum ersten Mal und sucht selbst nach Antworten. Hawleys Narben zeugen von seiner geheimnisvollen Geschichte, lange bevor es Loo gab. Und so sehr er auch versucht, seine Tochter zu schützen: Sein früheres Leben als Krimineller holt die beiden wieder ein.

    (Entnommen: https://www.amazon.de/Die-zw%C3%B6lf-Leben-Samuel-Hawley/dp/3036957693/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1505060460&sr=8-1&keywords=die+zw%C3%B6lf+leben+des+samuel)

    Das Cover

    Das Buch hat einen Schutzumschlag, der in dunklen Farben gehalten ist und einen Farbverlauf aufweist. Gleichzeitig gibt es zwölf unterschiedlich große, runde Löcher, die Einschusslöcher symbolisieren sollen. Nur durch die Löcher auf der Vorderseite kann der Leser durchgreifen. Der eigentliche Buchumschlag zeigt die Tierkreiszeichen und Sternenformationen in einem hellen, klassischen Design.

    Bewertung


    Die Erzähltechnik ist ein Punkt, der ganz klar hervorgehoben werden muss. So gibt es einen auktorialen Erzähler, der sich auf Loos und Hawleys Erlebnisse konzentriert. Doch auch die verwendeten Binnenerzählungen unterstützen die gekonnt verwendete Erzähltechnik. Hawleys Vergangenheit wird meist durch Analepsen eingefügt, die einen Bezug auf den Titel nehmen. So wird genau genommen wiedergegeben, wie er durch zwölf Kugeln angeschossen wird, die analog für die zwölf Leben stehen. Neben diesen zwölf eigenen Kapiteln gibt es auch noch zwölf weitere Kapitel, die nach und nach Loos Heranwachsen dokumentieren. Optisch scheinen alle Kapitel in einer Art Umarmung der beiden Protagonisten zu stehen, denn das erste Kapitel trägt den Titel „Hawley“, das letzte wiederum den Titel „Loo“.

    Das Lektorat ist auch lobend zu erwähnen, auf 567 habe ich lediglich zwei Fehler finden können.


    Die Atmosphäre des Romans ist eine sehr besondere, einerseits habe ich beim Lesen häufig einen Kloß im Hals verspürt, bei dem die Ahnung, dass es nicht gut enden würde, ziemlich deutlich zu spüren war. Andererseits gab es viele Momente, in denen ich schmunzeln musste und das Buch kaum aus der Hand legen konnte, weil rasant an Spannung aufgenommen wurde. Es lässt sich nicht genau einschätzen, welche Art von Lektüre der Leser bzw. die Leserin nun vor sich hat. Für jeden scheint etwas dabei zu sein, ob nun für die Krimiliebhaber, Fans der klassischen Liebesgeschichte oder diejenigen, die ein gutes Roadabenteuer genießen. Spannung ist an vielen Stellen vorhanden, obwohl einige Erlebnisse zu sehr in die Länge gezogen werden. Ab und an stieg in mir doch der Wunsch auf, dass die Autorin doch bitte mal „zum Punkt“ kommen soll. Dieser kam dann auch immer, das warten darauf hat den Lesespaß jedoch häufig etwas beeinträchtigt. Man könnte sagen, dass die Kernhülle definitiv einen Daumen hoch verdient hat, denn der Rahmen der Geschichte ist stimmig und lesenswert.


    Probleme gibt es allerdings bezüglich des Kerns selbst. Nach wie vor ist mir nicht ganz klar, worauf die Autorin denn nun eigentlich hinaus wollte. Die Figuren sind sehr verschieden, obwohl alle gemeinsam zu haben scheinen, dass sie einfach nicht miteinander und vor allem nicht über ihre Gefühle reden können. Das ist durchaus etwas anstrengend, denn häufig möchte man einen von ihnen einfach mal schütteln, damit die Geschichte in Sachen Emotionen vorangeht. Der eigentliche Knackpunkt ist jedoch, dass die Charakterentwicklung komplett auf der Strecke bleibt. Wir begleiten Hawley und Loo zu unterschiedlichen Zeiten ihres Lebens. Durch die Rückblicke wird hier häufig der Spannungsbogen angehoben, die Autorin arbeitet gut mit den ihr zur Verfügung stehenden Cliffhangern. Gerade Hawley macht in der Beziehung zu seiner Tochter grobe Fehler, die er zeitweise einzusehen scheint. Allerdings lernt er nicht aus ihnen und wiederholt sie sogar mehrfach, selbst im Finale. Das ist für den Leser bzw. die Leserin am Ende nur noch anstrengend, denn man fragt sich doch, warum man all die vorherigen Momente lesen musste, wenn sie sowieso nicht signifikant sind. Gerade Loo bleibt als Charakter leider enorm blass und unsympathisch. Ihre Zuneigung zu einem gleichaltrigen Jungen wird in den Raum gestellt, ist aber genauso schnell wieder unwichtig und scheint nicht in die Geschichte zu passen. Sicher, das Erleben der ersten Liebe ist wichtig für den Entwicklungsprozess, aber mir persönlich scheint dann entgangen zu sein, inwiefern sich bei Loo irgendetwas durch diese Bindung verändert hat. Auch die Beziehung zu Mabel, ihrer Großmutter, wirkt seltsam in den Raum gestellt. Hawley informiert den Leser bzw. die Leserin zwar, dass da eine Bindung sein sollte, die auch mehrmals versucht wird darzustellen, aber auch hier bleiben die Emotionen auf der Strecke. Er selbst scheint dazu unzerstörbar zu sein, denn er überlebt nicht nur zwölf Kugeln, sondern hat auch immer wieder wie aus dem Nichts auftauchende Retter, die ihm selbstlos und genau dann zur Hilfe eilen, wenn er sie braucht. Das ist letzten Endes doch ein wenig zu viel des Guten.


    Am vielschichtigsten erschienen mir ausgerechnet die Charaktere, die relativ kurze Auftritte hatten. So etwa Talbot, der für die Tragödie verantwortlich ist, die Hawleys Familie getroffen hat und natürlich Ed King, der Hawleys Leben über Jahre wie ein dunkler Schatten bedroht.

    Positiv zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang die moralischen Entscheidungen, die getroffen werden und den Leser bzw. die Leserin dazu anregen, ebenfalls darüber nachzudenken, was sie oder er an dieser Stelle getan hätte. Sehr häufig bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es auf den Standpunkt ankommt und es manchmal einfach kein Richtig oder Falsch gibt, solange man nicht selbst in der Situation steckt. Wenn ein Buch derart zum Nachdenken anregt, ist das eine sehr gelungene Wirkung, die ebenfalls erwähnt werden muss.
    Das offene Ende ist mit Sicherheit Geschmackssache, passt jedoch zu meinem Eindruck, dass an vielen Stellen nicht gewusst wurde, wie spannende Situationen gekonnt zu Ende gebracht werden. Das ist natürlich etwas schade und gerade im letzten Kapitel fehlte mir der Sinn des Ganzen im Hinblick auf die Gesamtgeschichte.

    Fazit

    Insgesamt hat die Autorin sich in meinen Augen vor allem mit der Liebesgeschichte keinen Gefallen getan. Es wäre sinniger gewesen, sich auf die Bindung zwischen Vater und Tochter zu konzentrieren, statt immer mehr Nebencharaktere einzufügen. Denn leider bleibt diese signifikante Bindung größtenteils distanziert und emotionslos. In diesem Fall haben mir die 567 Seiten auch oft gezeigt, dass es scheinbar schwer fiel, auf den Punkt zu kommen, den großen „Knall“, etwa in Form einer Aussprache und eines Streits zwischen Vater und Tochter, vermisse ich selbst nach der Lektüre noch. Einen dicken Daumen hoch gibt es von mir für die Vergangenheitsepisoden, ob nun die bezüglich Hawleys Vergangenheit oder der Bindung zu Lily. Diese waren fast ausnahmslos spannend, im Gegensatz zu den Gegenwartserzählungen.

    Empfehlung?

    Wer nach einem außergewöhnlichen Buch sucht und nicht zu sehr auf der Suche nach dem Sinn einer Geschichte ist, wird seine Freude bei der Lektüre haben. Ich habe leider keinen tieferen Zugang zu den Charakteren gewinnen können, sodass das Emotionale mich oft nicht berührt hat. Deswegen kann ich leider nur 4/5 Sternen vergeben.

    Kommentieren0
    2
    Teilen
    U
    UliDvor 4 Monaten
    Kurzmeinung: 9/17 Der Typ nervt, toll aufgebaut toll erzählt. Geschichte über 12 Schussverletzungen
    Kommentieren0
    krimielses avatar
    krimielsevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine wunderbar mäandernde Geschichte über einen Gauner und seine Tochter, der seiner Vergangenheit zu entkommen versucht. Sehr lesenswert.
    Kommentieren0
    Applebees avatar
    Applebeevor 2 Monaten
    zoefilizs avatar
    zoefilizvor einem Jahr

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu
    KEIN & ABER Verlags avatar
    Als Samuel Hawley mit seiner Tochter Loo nach Olympus zieht, soll das kleine Küstenstädtchen ihr Zuhause werden. Doch auch nachdem das ständige Umherziehen ein Ende hat, finden die beiden nur schwer Anschluss. Die Geheimnisse um Hawleys Vergangenheit machen die Einwohner von Olympus misstrauisch. Wieder sind Vater und Tochter sich gegenseitig die einzigen Freunde. Als Loo ihrer Großmutter begegnet, erfährt sie, dass hinter dem Unfalltod ihrer Mutter mehr steckt, als sie bisher glaubte. Loo wird eigenständiger, verliebt sich zum ersten Mal und sucht selbst nach Antworten. Hawleys Narben zeugen von seiner geheimnisvollen Geschichte, lange bevor es Loo gab. Und so sehr er auch versucht, seine Tochter zu schützen: Sein früheres Leben als Krimineller holt die beiden wieder ein.

    »Welch verführerischer Roman, welch lebendige Sprache, die tief in die Seelen zu schauen vermag, welch umwerfende Symphonie!«
    The New York Times Book Review

    »Die zwölf Leben des Samuel Hawley« von Hannah Tinti erscheint am 5. September 2017. Vorab verlosen wir 10 Bücher für eine gemeinsame Leserunde. Bewerbt Euch bis zum 16. August 2017 und mit etwas Glück haltet Ihr den Roman noch vor dem offiziellen Erscheinen in den Händen!
    S
    Letzter Beitrag von  SLovesBooksvor einem Jahr
    Zur Leserunde

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks