Hannelore Cayre Der Lumpenadvokat

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Inhaltsangabe zu „Der Lumpenadvokat“ von Hannelore Cayre

Christophe Leibowitz ist ein Winkeladvokat, wie er im Buche steht: schlitzohrig, mit großem Herz und immer in Geldnöten. Dass er Karriere gemacht hätte, kann man nicht behaupten, denn als Pflichtverteidiger vertritt er vor allem Zuhälter und Kleinkriminelle aus der Pariser Banlieue.
Da bittet ihn sein erfolgreicher Anwaltskollege Lakdar um einen Gefallen: Für eine Million Euro soll er mittels Rollentausch einen üblen Schurken aus dem Knast holen. Der Coup gelingt, Leibowitz sitzt anstelle des Schurken die Strafe ab und freut sich auf den Lohn, den ihn erwartet. Doch Lakdar wird der Mitwisser Leibowitz nach getaner Arbeit lästig. Womit er allerdings nicht gerechnet hat: Leibowitz hat Sinn für Gerechtigkeit und kann ganz schön fies werden.

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  • Rezension zu "Der Lumpenadvokat" von Hannelore Cayre

    Der Lumpenadvokat

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    11. April 2012 um 10:50

    Auf diese Idee muss man erst einmal kommen: Christophe Leibowitz lässt sich für einen anderen ins Gefängnis sperren. Klar, es gibt eine Menge Geld, aber ein wenig Frust spielt auch eine Rolle und ganz gewiss ahnt Leibowitz nicht die gesamte Tragweite seiner Hilfsbereitschaft. Jetzt jedenfalls findet er sich mit Dostom in einer Zelle, einem Albaner, der für seine "unschuldige" Familie die gesamte Ladung Schuld aufgebrummt bekam. Und Leibowitz rekapituliert: Wie kam er hier rein und, vor allem, wie kommt er wieder raus? Leibowitz ist gewiss nicht auf den Kopf gefallen und abgesehen davon, dass er selbst keine Scheu vor dem einen oder anderen Trick hat, lernt er bei seiner Klientel noch einiges dazu. Trotzdem gibt es Typen wie Lakdar, die es zu mehr Kohle bringen und Leibowitz merkt am eigenen Leib, warum. Ein Gewissensbiss ist etwas, was einer wie Lakdar offensichtlich nicht einmal im Traum erwähnen würde. Nur: Wie zieht man seinen Kopf aus einer Schlinge, die von der Gegenseite von langer Hand vorbereitet wurde? Hannelore Cayre braucht nicht viel, um Christophe Leibowitz in die Bredouille zu bringen. Viel verdienen kann man nicht, wenn man ehrlich und integer in der Justiz arbeiten will; wer Geld scheffeln möchte, wird automatisch selber ein Trickser, so ihr ernüchterndes Fazit. Die Geschichte von Leibowitz blättert auf den wenigen Seiten des Buches munter in den Lücken und Miseren des französischen Justizsystems, das vielerlei Chancen bietet. Unter anderem eben die, Leibowitz gegen einen Gefangenen auszutauschen. Trotzdem muss man bei Cayre ziemlich gut aufpassen, denn sie bringt die Geschehnisse recht fix auf den Punkt und wechselt immer wieder zwischen Rückblenden und Tagesgeschehen. Und die braucht man, um am Ende alle Fäden beisammen zu haben. Eigentlich präsentiert uns Cayre einen Anwalt, den wir weder in seiner beruflichen Funktion noch privat gerne kennenlernen würden. Würde man ihm beruflich begegenen, wäre mächtig was schiefgelaufen, würde man ihm privat begegnen, träfe man auf einen kleinen Egoisten, der wenig rücksichtsvoll mit seinen Mitmenschen umgeht. Dennoch wartet man von Beginn an auf einem Moment, in dem dieser David dem Goliath Lakdar die Leviten lesen möge. Diese Sympathie für so eine Type rührt sicher daher, dass Hannelore Cayre die Szenerie aus dem FF kennt: Sie ist selber Strafverteidigerin und wie der Zürcher Tagesanzeiger treffend schreibt, "wirken die Details des Justizlebens hier nicht wie stolze Trophäen erfolgreicher Recherche, sondern wie die krummen Dielen des Alltags". Man sollte sich von Cayre wirklich einmal auf einen zynischen Streifzug durch die französische Justiz mitnehmen lassen, wo Verteidiger bei Schnellverfahren nur dann bezahlt werden, wenn der Angeklagte verurteilt wird. Wenn Verteidiger gut arbeiten, gehen sie leer aus. Ein ziemlich ernüchternder Anblick, wenn man hinter die Kulissen mitgenommen wird, aber einer, der sich absolut lohnt.

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