Rezension zu "Unser Bunker steht noch: Ein Kreuzberger Haus im Kriege" von Hannelore Rosenthal
solveigKreuzberg - bekannt als kultureller Treff- und Lebensmittelpunkt von Menschen zahlreicher Nationen - ist einer der am dichtesten besiedelten Bezirke in Berlin. Hier lebten bislang die sogenannten „einfachen“ Bürger. Um möglichst vielen Leuten hier eine Wohnmöglichkeit zu bieten, wurden Häuser derart in einem Viereck gebaut, dass sie so wenig Baugrundstück wie möglich in Anspruch nahmen.
Hannelore Rosenthal schildert das Leben der Bewohner eines dieser typischen Mietskasernen, bestehend aus Vorder-, Hinterhaus und Seitenflügeln, während der Jahre 1939 bis 1945. Im Mittelpunkt steht die Geschichte von Oma Hörmann, ihrer Tochter Gerta und der kleinen Anja, dem Alter Ego der Autorin. Geboren im Jahr 1935 erlebt sie aus der Perspektive des naiven Kindes die Veränderungen um sich herum, so etwa das Verschwinden der benachbarten Zigeunerfamilie und ihrer Spielgefährtin Hermine. Den Kriegsbeginn merkt Anja zunächst nur daran, dass ihr Stiefvater eingezogen wird, doch nach und nach spürt auch ihre Familie die stete Verschlechterung der Versorgungslage und das Problem, mit den Lebensmittelmarken zurecht zu kommen. Als schließlich die Bombardierung Berlins beginnt, werden Keller zu „Bunkern“ umfunktioniert. Die Nachbargemeinschaft, die zuvor nicht immer gut aufeinander zu sprechen war, rückt in diesen Zeiten der Not wieder näher zusammen. Sie alle fürchten um ihr Leben und hoffen nur auf eines: dass „ihr Bunker stehen bleibt“. Das Haus übersteht zwar schwer beschädigt die Angriffe, doch der Schrecken der Bewohner hat noch kein Ende; denn nun kommen die siegreichen russischen Soldaten…
Eine schlichte, unmittelbare Erzählung, die gerade dadurch äußerst eindringlich wirkt.


