Ein mögliches Leben

von Hannes Köhler 
4,4 Sterne bei76 Bewertungen
Ein mögliches Leben
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Positiv (72):
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Ein Buch ganz nach meinem Geschmack! Ein mögliches Leben steht schon jetzt auf der Liste der Lieblingsbücher 2018!

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Der stichwortartige Schreibstil ist nicht meins. 2,5 Sterne

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Inhaltsangabe zu "Ein mögliches Leben"

»Hannes Köhler schreibt von einer Reise in die Vergangenheit, die das Verzeihen möglich macht und die Gegenwart verstehen lässt. Ein ungemein wertvolles Buch.« Lucy Fricke

Ein Wunsch, den Martin seinem Großvater Franz nicht abschlagen kann: eine letzte große Reise unternehmen, nach Amerika, an die Orte, die Franz seit seiner Gefangenschaft 1944 nicht mehr gesehen hat. Martin lässt sich auf dieses Abenteuer ein, obwohl er den Großvater eigentlich nur aus den bitteren Geschichten seiner Mutter kennt. Unter der sengenden texanischen Sonne, zwischen den Ruinen der Barackenlager, durch die Begegnung mit den Zeugen der Vergangenheit, werden in dem alten Mann die Kriegsjahre und die Zeit danach wieder lebendig. Und endlich findet er Worte für das, was sein Leben damals für immer verändert hatte.

Mit jeder Erinnerung, mit jedem Gespräch kommt Martin seinem Großvater näher, und langsam beginnt er die Brüche zu begreifen, die sich durch seine Familie ziehen. Er erkennt, wie sehr die Vergangenheit auch sein Leben geprägt hat und sieht seine eigene familiäre Situation in einem neuen Licht.

Ein vielschichtiger Roman über die tiefen Spuren, die der Krieg bis heute in vielen Familien hinterlassen hat.

»In einer äußerst präzisen Sprache, mit sehr feinen Beobachtungen und der Genauigkeit eines Historikers hat Hannes Köhler eine literarische Studie über die Nachwirkzeit von Erfahrungen geschaffen.« Inger-Maria Mahlke

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783550081859
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:352 Seiten
Verlag:Ullstein Buchverlage
Erscheinungsdatum:23.02.2018
Das aktuelle Hörbuch ist am 23.02.2018 bei Hörbuch Hamburg erschienen.

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    Giselle74s avatar
    Giselle74vor 2 Monaten
    Eine Reise in die Vergangenheit

    Martin, Lehrer mit befristeten Verträgen, Single mit unehelichem Kind, das Leben irgendwie ziellos und in der Schwebe, fährt mit seinem Großvater nach Amerika. Der möchte sich noch einmal das Kriegsgefangenenlager in Texas ansehen, in dem er interniert war, möchte noch einmal amerikanische Luft schnuppern. Für den Enkel ist diese Reise nicht einfach, war sein Großvater doch kein liebevoller, in seinem Leben präsenter Mensch. Und so wird diese Reise auch zu einer Annäherung, je mehr Martin über die Vergangenheit seines Großvaters erfährt und seine Beweggründe verstehen lernt.
    Wer nun denkt, dies sei "schon wieder einer dieser langweiligen, staubtrockenen " Romane über den Zweiten Weltkrieg, der irrt gewaltig. Denn diese Spurensuche ist äußerst spannend. Köhler wechselt zwischen Gegenwart und Vergangenheit, räumt Puzzleteilchen zu Puzzleteilchen und hat scheinbar hervorragend recherchiert.
    Über das Leben kriegsgefangener deutscher Soldaten in Amerika wußte ich ehrlicherweise nur wenig. Und gar nichts über die Strömungen zwischen den hartgesottenen, unbelehrbaren Hitlerfanatikern und denen, die froh, dem Alptraum entronnen zu sein, mit den Amerikanern kooperieren; nichts über die Brutalität und Bandenbildung, aber auch nichts über die Bildungsmöglichkeiten in den Camps und die gute Versorgung.
    Der Autor ist ein Meister der Zwischentöne, einer, der nüchtern und doch einfühlsam schreibt, der nichts beschönigt oder wegredet. Und so wirkt die Unmenschlichkeit, die Verrohung der Hitlergetreuen noch unbegreiflicher, ist teilweise nur schwer erträglich zu lesen, eben weil die Sprache nicht roh ist.
    "Ein mögliches Leben" ist ein grossartiges Buch, ein wichtiges Buch, gerade derzeit, wo die alte Schlange "Faschismus" wieder ihr Haupt erhebt, wo gesellschaftsfähig wird, was nie wieder aus den Sumpflöchern hätte kriechen dürfen. Es ist aber auch ein großartiges Buch, weil es sich mit einem fast vergessenen Part deutscher Kriegsgeschichte beschäftigt und den Bogen zur Gegenwart zieht, zu den Kindern und Enkeln der Überlebenden, deren eigenes Leben natürlich beeinflußt wird von den Erlebnissen der vorangegangenen Generationen.

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    Fortis avatar
    Fortivor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Die Geschichte des dt Soldaten in US-Kriegsgefangenschaft fand ich ungewöhnlich und interessant - aber auch etwas schwarz-weiß.
    Anders als erwartet

    Nach der Leseprobe erwartete ich eine Geschichte, die häufig zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her springt. Tatsächlich spielt aber der größte Teil der Geschichte in der Vergangenheit und zwar im texanischen Kriegsgefangenenlager in den Jahren 1944 und 1945. Das dort beschriebene Leben entsprach ebenfalls nicht meinen Erwartungen. Was weiß ich schon von deutschen Soldaten in Kriegsgefangenschaft - meist denkt man da ja an Sibirien oder an die Rheinwiesen. Beschrieben wird zwar auch, wie die Amerikaner das Lager führen (menschliche Behandlung, reichlich Essen und die Möglichkeit Englischkurse zu besuchen), aber der Autor beschreibt vor allem das Seelenleben des jungen Soldaten Franz und die Gruppendynamik unter den Gefangenen: Nazis gegen deren Kritiker. Das ist sehr interessant, vor allem da der Hauptteil der Handlung noch während des Krieges spielt, wirkt manchmal etwas schwarz-weiß und plakativ.

    Die Geschichte in der Gegenwart beschreibt die Dynamik innerhalb der Familie des ehemaligen Kriegsgefangenen Franz. Die einzelnen Personen fand ich hierbei ziemlich unnahbar, was vermutlich vom Autor so beabsichtigt war, da sie auch untereinander ein eher distanziertes Verhältnis pflegen.

    Auch die Sprache ist oft etwas distanziert, abgehakt. Ich habe mich irgendwann eingelesen, werde aber kein Fan dieses Stils. Meine zuletzt gelesenen Bücher waren recht eingänglich und leicht "runter" zu lesen. "Ein mögliches Leben" hat mich da wieder etwas entschleunigt. Das Buch ist nicht kompliziert oder extrem schwer zu lesen, aber es fordert vom Leser doch Zeit und Aufmerksamkeit. 

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    Petriss avatar
    Petrisvor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Ein Buch ganz nach meinem Geschmack! Ein mögliches Leben steht schon jetzt auf der Liste der Lieblingsbücher 2018!
    Ein mögliches Leben

    Ich mag es ja selber nicht besonders, wenn jemand sagt: „Dieses Buch musst du lesen.“ Weil man kein Buch lesen muss, sondern es lesen kann und darf. Aber bei diesem Roman liegt auch mir ein Müssen auf der Zunge, denn er hat einen Platz in der Reihe meiner Lieblingsbücher 2018 gefunden, und ich würde ihn am liebsten allen anderen Leser*innen ans Herz legen. Man muss ihn nicht lesen, aber es lohnt sich, es zu tun! Ein Roman, der mich anspricht, berührt, fesselt und mir wieder neue Welten eröffnet hat. Das Gelesene wird mich sicher noch einige Zeit begleiten.

    Franz kommt gleich nach der Offensive der Amerikaner im 2. Weltkrieg in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Damit hatte er wohl mehr Glück als viele andere Kameraden. Doch auch im Lager, in den USA, haben die Nazis noch ziemlich viel zu sagen. Er freundet sich mit Paul an, ein Deutschamerikaner, der sich freiwillig zur Wehrmacht gemeldet hatte, aber ziemlich schnell durchschaut hatte, welchen Lügen er aufgesessen war. Paul hält den Bergmann Franz zum Lernen an, er inspiriert ihn und bringt ihm echte Zuneigung entgegen.
    Franz hat seine Erlebnisse in der Gefangenschaft nie mit seiner Familie geteilt, erst im hohen Alter fährt er mit seinem Enkel zurück nach Amerika und begibt sich auf eine Erinnerungstour. Auch seiner Tochter Barbara, mit der er nie ein gutes Verhältnis hat, versucht er mitzuteilen, wie das damals war. Er hat ein mögliches Leben in Deutschland mit Barbaras Mutter gewählt. Vielleicht hätte es für ihn aber auch ein anderes mögliches Leben in den USA gegeben.

    Sehr ehrlich, sehr menschlich erzählt der Autor die Geschichte von Franz. Er ist ein aufrichtiger Mensch, aber auch er hat seine Fehler gemacht und trägt, wie so viele seiner Generation große Enttäuschungen mit sich herum. Wunderbar dargestellt wurde auch der Alltag im Lager, der Fanatismus der unbeirrbaren Nazis einerseits, die vorsichtige Kritik derer, die nie für Hitler waren oder durchschaut hatten, wohin seine Herrschaft geführt hatte. Für mich völlig neue Geschichten.

    Und selbst auf die Tochter und den Enkel haben Franz Erlebnisse Einfluss. Dadurch, dass ihn seine Erfahrungen zu dem Menschen gemacht haben, der er ist und der ziemlich klare, harte Urteile fällt, auch wenn es um seine eigene Familie geht.

    Vielschichtig, niemals schwarz weiß, unglaublich fesselnd und ganz ohne Kitsch wird diese Geschichte eines möglichen Lebens erzählt. Ich bin begeistert!

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    Corsicanas avatar
    Corsicanavor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Ein wichtiges Buch.
    Amerikanische Kriegsgefangenschaft - einmal anders beleuchtet

    "Weitermachen, darum ging es, und zwischendurch etwas Spaß haben, ganz egal, welches Leben man lebte" (S. 342)


    Sicher hätte es für Franz, den Großvater, ein anderes "mögliches Leben" geben können. In Amerika, wo er in Kriegsgefangenschaft war. Aber davon erfährt Martin, der Enkel, erst spät. Nämlich auf einer Reise in die USA zu den ehemaligen Kriegsgefangenenlagern, die Martin mit seinem fast 90jährigen Großvater unternimmt.

    Man erfährt, dass es im Lager genug zu Essen gab. Und sogar Englischunterricht. Und so hat der Großvater sich von einem Sprössling einer einfachen Bergmannsfamilie im Ruhrgebiet zum Dolmetscher entwickeln können. Und daran nach der Rückkehr nach Deutschland anknüpfen können. Aber ausgewandert ist er nicht. Sondern in Deutschland geblieben bei seiner Frau und seiner kleinen Tochter.

    Da der Enkelsohn gerade in einer ähnlichen - aber doch wieder ganz anderen - Situation steckt, bringt diese Reise ihn dazu, über seine Zukunft nachzudenken. Und darüber, welche Folgen der Krieg, die Kriegsgefangenschaft und die Erlebnisse des Großvaters für seine Familie hatten. 

    Wenn es in amerikanischer Gefangenschaft auch keine Toten durch Hungersnöte gab (was man immer über die Lage in den russischen Gefangenenlagern liest) so war die Stimmung doch schwierig. Der Krieg war nicht zu Ende. Und im Lager trafen die überzeugten Nazis, die auf den Endsieg hofften, auf diejenigen, die den Krieg längst verloren glaubten und einfach nur froh waren, überlebt zu haben. Und das gab großen Ärger im Lager. Und es kam zu viel Gewalt. 
    Und das war etwas, über das ich ehrlich gesagt noch nie nachgedacht hatte. Ich war (naiv?) weitgehend davon ausgegangen, dass alle Kriegsgefangenen zwar unfrei und zum Arbeitsdienst verpflichtet waren - aber doch weitgehend froh, überhaupt überlebt zu haben. Aber das scheint nicht ganz so gewesen zu sein.

    Leider kann ich meinen Vater nicht mehr fragen. Er war in amerikanischer Gefangenschaft. Zwar nicht in den USA sondern in Frankreich - aber vom vielen Essen hat er auch erzählt. Und von der Entlausung. Und von  Schokolade und Zigaretten - vorher im Krieg quasi nicht erhältlich. Und mein Opa war in englischer Gefangenschaft. In Italien und Ägypten. Dort zwar anscheinend nicht ganz so üppig verpflegt - aber doch froh, davongekommen zu sein.
    Gerne würde ich wissen, ob es dort auch diese Konflikte gab.

    Und so gibt zeigt dieses Buch einmal eine andere Facette der Kriegsgefangenschaft. Statt Massensterben in Russland schwere Konflikte und Vergangenheitsbewältigung. Der Autor dieses Buches erzählt dies sehr eindringlich und bildhaft. Ich konnte  das Buch kaum zur Seite legen.

    Die Haltung der Amerikaner, sich weitgehend an die Genfer Konventionen zu halten, die Gefangenen zwar arbeiten zu lassen - aber auch gut zu verpflegen und sich in kleinem Umfang um Bildung zu kümmern - das hat einen tiefen Eindruck bei den Deutschen hinterlassen. Bei den Kriegsgefangenen selbst - und bei den Familien und Freunden, denen das erzählt wurden. Nicht wenige sind danach in die USA ausgewandert. Und lange war Auswandern in die USA für viele Deutsche ein Traum.

    Als ich dieses Buch gelesen habe, ist mir wieder in Erinnerung gekommen, wie positiv das Bild von Amerika in meiner Jugend in den 70er Jahren war. Danach ist das Bild gekippt - heute ist vieles anders. Und auch ich bin viel kritischer geworden.
    Aber ich kann wieder gut verstehen, warum ich nach dem Abitur mein ganzes Erspartes zusammengekratzt habe für einen Flug nach Los Angeles.
    Und übrigens war ich gerade im Frühjahr wieder da. Diesmal aber mit einem ganz anderen Bewusstsein. Aber die unvorstellbare Weite der Landschaft ist unverändert. Und auch diese wird in diesem Roman eindrucksvoll dargestellt.

    Also: Unbedingte Lese-Empfehlung!

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    Caro_Lesemauss avatar
    Caro_Lesemausvor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Sehr gut erzählt in einfühlsamer Sprache, die oft unter die Haut geht. Endlich ein anderer (deutscher) Blickwinkel auf den 2. Weltkrieg!
    Desillusionierung in amerikanischer Gefangenschaft im 2. Weltkrieg

    Martin reist mit seinem hochbetagtem Großvater nach Amerika - auf Spurensuche in Texas und Utah, wo sein Großvater Franz ab 1944 in Kriegsgefangenschaft lebte und arbeitete. Martin erfährt nicht nur Geschichten aus dem Lageralltag, sondern beginnt auch zu verstehen, warum seine eigene Familiengeschichte und das Verhältnis zwischen seinem Großvater und seiner Mutter nicht unbelastet ist.


    Mein Urgroßvater war selbst in amerikanischer Kriegsgefangenschaft, so dass mich dieses Thema schon lange persönlich interessiert. Generell lese ich häufig Romane aus der Zeit des 2. Weltkrieges und fand diesen anderen Blickwinkel anhand des Klappentextes sofort spannend. Und ich wurde nicht enttäuscht!
    Die Perspektive wechselt zwischen der Gegenwart (wobei die Reise an sich zum Glück nicht zu vordergründig wird) mit Franz Erinnerungen an die Zeit im Lager. Die Blenden auf Franz Tochter Barbara (also Martins Mutter) und die Analyse des Verhältnisses der beiden hätte es für mich gar nicht so sehr gebraucht. Die Beeinflussung der Familiengeschichte durch seine Erlebnisse ist sicherlich wichtig, das Buch hätte aus meiner Sicht aber auch ohne diese Darstellung funktioniert.
    Die sprachliche Umsetzung des Romans hat mich von Anfang an überzeugt und in ihren Bann gezogen. Eindringliche Formulierungen bringen nahe, was Franz in den Lagern erlebte und wie ihn dies persönlich prägte. Manche Vorkommnisse  unter "Kameraden"  erscheinen unvorstellbar und machen dadurch umso betroffener. Als Franz und den übrigen Deutschen nach Kriegsende Bilder aus den befreiten KZs gezeigt werden, musste ich sehr schlucken. 
    Durch die Freundschaft zu Paul, einem Deutsch-Amerikaner, hält Franz auch nach dem Krieg Kontakt zu dessen Familie. Viele Jahre denkt er über eine Auswanderung nach Amerika nach. Was dann wohl anders gewesen wäre? Was wäre ein "mögliches Leben" gewesen?

    Fazit:
    Die einfühlsame und eindringliche Sprache hat mir besonders gut gefallen. Franz Geschichte und sein Charakter werden glaubwürdig dargestellt. Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der mal einen anderen Blickwinkel auf die Zeit des 2. Weltkrieges sucht. Gleichzeitig ist es auch ein Stück Familiengeschichte eines durch den Krieg geprägten Vaters und seiner irgendwann rebellierenden Tochter.

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    Hortensia13s avatar
    Hortensia13vor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Der stichwortartige Schreibstil ist nicht meins. 2,5 Sterne
    Stichworte

    Martin möchte seinem Grossvater Franz einen Wunsch erfüllen und reist mit ihm nach Amerika. Zusammen besuchen sie die Orte, die Franz seit seiner Gefangenschaft 1944 nicht mehr gesehen hat. Auf den Spuren der Vergangenheit fängt sich Franz an die letzten Jahre des Zweiten Weltkrieges zu erinnern. Diese Erinnerungen prägten und prägen ihre Familie heute noch.

    Der Einstieg fiel mir schwer, was hauptsächlich am Schreibstil lag. Der Autor versucht mit Schlagworten Atmosphäre zu schaffen. Diese stichwortigartige Aufzählungen behindern in meinen Augen den Lesefluss und bedingen eine grosse Konzentration, um folgen zu können. Auch fand ich die Sprünge zwischen den Erinnerungen zu willkürlich. Eindeutig nicht mein Stil des Buches und für mich 2,5 Sterne wert.

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    jenvo82s avatar
    jenvo82vor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Ein stiller, eindringlicher Roman über das Leben in Kriegsgefangenschaft und die Schatten einer verlorenen Zeit für die eigene Familie.
    Kamerad unter Fremden, Fremder unter Kameraden

    „Der Blick nach vorn hatte sein Versprechen von der goldenen Zukunft längst verloren. Am Ende lag Schwärze, das Nichts, da waren sie sich einig, sie und ihr Vater.“


    Inhalt


    Gemeinsam mit seinem Enkel Martin unternimmt der betagte Franz Schneider noch einmal eine Reise nach Amerika, besucht die Orte seiner längst vergangenen Kriegsgefangenschaft während des 2. Weltkrieges. Dort wo er einst in Baracken gelebt hat und Baumwolle pflückte, wo er Freunde fand, die ihm wichtig waren und Menschen, die ihre Hitlerliebe mitgebrachten um andere damit zu tyrannisieren. Rückblickend ergibt sich das Bild über die vielen Jahre in der Obhut einer fremden Regierung, mit der Franz durchaus sympathisierte. Es zeigt sich, warum der alte Mann, ein Geheimnis um seinen verlorenen Finger macht und warum er seiner Tochter Barbara die Briefe einer Freundin zukommen lässt, die vielleicht in der Gunst seiner Zuneigung noch weiter ober rangierte als ihre Mutter. Und auch Martin entdeckt Seiten an seinem Großvater, die ihm bisher unbekannt waren und beginnt seine eigenen Beziehungen zu überdenken.


    Meinung


    Der junge Hamburger Autor Hannes Köhler setzt sich in diesem Roman mit einer eher ungewöhnlichen Problematik der Kriegsjahre auseinander, die in der Literaturlandschaft relativ unbefleckt daherkommt. Denn obwohl in der Gegenwartsliteratur die Thematik des zweiten Weltkrieges und seine Ausuferungen gerne im Mittelpunkt stehen, fand ich diesen Abstecher in ein amerikanisches Kriegsgefangenenlager sehr inspirierend und informativ. Man merkt dem Text die fundierte Recherchearbeit an, obwohl er wie im Nachwort vermerkt, ein fiktives Werk ist, lediglich in Anlehnung an historische Begebenheiten.


    Eingebettet in eine Familiengeschichte erzählt der Autor aus dem Leben eines Mannes, der zwar dem Krieg in der Heimat entkam, nicht aber den Schrecken und Ängsten seiner fatalistischen Auswirkungen. Im Zentrum der Erzählung findet man eine besondere Spezies Mensch, ich würde sie als „Die Aufgelesenen“ bezeichnen, Menschen die in der Fremde für den offiziell politischen Gegner Strafarbeit leisten müssen. Doch die Lebensbedingungen sind nicht schlecht und die Arbeit zwar schwer aber auch gerecht. So dass es den Soldaten, die allesamt an der Front und im Hinterland gekämpft haben, gar nicht so schlecht geht wie anzunehmen. Vielmehr sind es ihre Einstellungen zum Leben, zum Krieg, ja auch zum Führer, die für Reibereien sorgen. Eine Art Gruppendynamik in den Lägern entsteht, zwischen denen, die auf den Endsieg Hitlers hoffen, anderen die sich klar auf die Seite der Amerikaner stellen und jenen, die sich schweigend zurückziehen oder ihr Fähnchen einfach in den Wind halten. Schon bald steuert der Leser auf den Kern der Geschichte zu, der sich zwischen Kameradschaft, Hass und Ausgrenzung befindet und der zeigt, welche Ausmaße das nationalsozialistische Gedankengut in den Köpfen der Menschen hinterlassen hat.


    Doch das ist nicht alles, die Erzählung streift sehr viele zwischenmenschliche Belange, nicht nur die Gefühle der Soldaten, den Zwiespalt, in dem sich die Verantwortlichen befinden, sondern eben auch die langfristigen Auswirkungen auf das normale Leben nach dem Krieg, auf Familienbande, die zwar entsteht aber längst nicht so unbelastet ist, wie gewünscht. Das Buch ist sehr vielschichtig, in leiser eindringlicher Erzählsprache gehalten, so dass man sehr gut in die Geschichte hineinfinden kann. Doch bis zur Hälfte des Textes konnte der Funke nicht so richtig überspringen, vielleicht weil mir persönlich zu Vieles angesprochen wurde. Einerseits ist es nämlich die persönliche Sicht, die Erlebnisse des Kriegsbetroffenen, die besprochen werden, andererseits die gegenwärtige Handlung einer eher schweigsamen, durchaus belasteten Familiengeschichte zwischen Vater, Tochter und Enkelsohn. Der Wechsel der beiden Handlungsstränge konnte mich nicht immer fesseln, erschwerte mir in gewisser Weise die Nähe zum Text.


    Fazit


    Ich vergebe gute 4 Lesesterne für diesen alternativen Kriegsroman, der in weiten Teilen auch eine Familiengeschichte ist. Mit einer großen Portion Einfühlungsvermögen, interessanten Fakten und ansprechender Schreibweise kann das Buch absolut punkten. Gefühle werden hier sehr sachlich, äußerst präzise und passend zu den geschaffenen Charakteren transferiert, was für eine hohe Glaubwürdigkeit sorgt. Manchmal muss man Schlucken, ob der Dramatik im Stillen, manchmal kann man lächeln über den sorgsamen Umgang mit lebenslangen Freundschaften und an anderen Stellen driftet man etwas ab, hinein ins Leben, so wie es ist, nur mit den tiefen Spuren seelischer Verletzungen im Gepäck.

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    Bellis-Perenniss avatar
    Bellis-Perennisvor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Ein bewegender Roman, gut erzählt
    Es ist an den Enkeln, die Geschichte der Großeltern aufzuarbeiten ...

    Der aus dem Ruhrgebiet stammende Bergmann Franz Schneider steht mit seinen Kameraden 1944 in der Normandie und ist Teil Hitlers „Gegenoffensive“. Doch daraus wird nichts. Schneider und seine Kameraden werden als Kriegsgefangene nach Amerika verschifft.

    70 Jahre später will der fast 90-jährige noch einmal nach Amerika, genauer gesagt nach Texas, um das ehemalige Lager zu sehen.

    Gemeinsam mit seinem Enkel Martin, einem arbeitslosen Grundschullehrer kehrt er an die Orte dieses Lebensabschnittes zurück.  

    Meine Meinung: 

    Autor Hannes Köhler ist ein bewegender Roman gelungen. Vielen Lesern ist wahrscheinlich unbekannt, dass auch die USA Kriegsgefangene gemacht und die Männer nach Amerika verbracht haben. Im Gegensatz zu den Lagern in Europa bzw. Russland, wurden die Männer in den amerikanischen Lagern recht ordentlich behandelt. Sie mussten zwar (Zwangs)Arbeit verrichten, wurden aber ordentlich verpflegt und untergebracht. Diese Tatsachen sind sauber recherchiert und macht Lust, sich mit diesem Thema näher zu beschäftigen. 

    Eindrucksvoll pendelt der Autor zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her. Wir lernen die Gedanken von Franz Schneider kennen und teilen mit ihm die Erinnerungen, die teils schön, teils schmerzlich sind. Endlich findet Franz Worte für das, was sein Leben seit damals verändert hat. Ein wenig klingt auch die verpasste Chance auf ein mögliches Leben durch. 

    Auf der Reise durch die Erinnerungen kommen Franz und Martin näher. Der Enkel erhält Einblicke in die Vergangenheit seiner Familie und beginnt langsam zu verstehen, warum sie so ist, wie sie ist.  

    Der Autor hat einen angenehmen Schreibstil. Die vielen Erkenntnisse, Eindrücke und Informationen werden subtil in die Geschichte eingeflochten. Niemals hat man den Eindruck mit „Infodump“ überschüttet zu werden. In der klaren Sprache schwingen viele Emotionen und Stimmungen mit, wodurch spannendes Kopfkino entstehen kann. 

    Ein witziges, aber stimmiges Detail ist das Cover: Das Bild der Landschaft ist hochkant gestellt. Nicht auf den Kopf, sondern nur um 90° verdreht. Das empfinde ich als Metapher auf Franz Schneiders Leben – nicht ganz auf den Kopf gestellt, aber ein bisschen.


     Fazit:

    Mein Fazit:
    Ein lesenswertes Buch, das nicht nur die Vergangenheit einer Familie, sondern einer ganzen Generation beleuchtet

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    92liberos avatar
    92liberovor 7 Monaten
    Eine Reise in die Vergangenheit

    Eine Reise in die Vergangeheit

    Cover und Gestaltung:
    Den Buchtitel finde ich passend zum Inhalt, denn es hätte auch anders verlaufen können. Das Hardcover gefällt mir auch nur die Umschlaggestaltung finde ich nicht so ansprechend, dafür aber die Idee, das Coverbild gedreht zu positionieren finde ich kreativ und abwechslungsreich.

    Inhalt und eigene Meinung:
    Der Autor Hannes Köhler hat mit seinem Buch „Ein mögliches Leben“ eine interessante und lesenswerte Geschichte geschrieben.

    Martin macht sich mit seinem Großvater auf eine große Reise. Eine Reise nach Amerika, eine Reise in die Vergangenheit.
    Die Erzählungen und die beschriebenen Erfahrungen seines Großvaters wirken sehr lebendig und ich als Leserin habe die Geschehnisse bildlich vor Augen. Franz war früher ein Wehrmachtssoldat im zweiten Weltkrieg. Am Ende dieses Krieges wurde er von den Amerikanern in Gefangenschaft genommen.
    Sie besuchen diese Orte und Franz öffnet sich immer mehr was diese schwierige Zeit angeht. Man erkennt, wie sehr ein Mensch von diesem Weltkrieg, dem Nationalsozialismus und all solchen Erlebnissen und Denkweisen geprägt wird. Er erinnert sich an die Gefangenschaft, Mitgefangenen und dieser schrecklichen Zeit und der Autor verbindet dies auch sehr gut mit seiner Familiengeschichte.

    Der Einstieg in das Buch ist mir etwas schwer gefallen. Gut gefallen hat mir dagegen der Schreibstil und der Wechsel der Zeiten - Gegenwart, Vergangenheit. Einige Fakten waren mir noch unbekannt, aber man lernt ja nie aus.
    Dieses Buch empfehle ich gerne weiter.

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    milkysilvermoons avatar
    milkysilvermoonvor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Ein lesenswerter Roman
    Eine Reise in die eigene Vergangenheit

    Eigentlich sollte Franz Schneider im Jahr 1944 ein Teil der Gegenoffensive Hitlers sein. Stattdessen landete der Bergmann in amerikanischer Gefangenschaft. 70 Jahre später ist Franz verwitwet und hat einen Wunsch: Der fast 90-Jährige will noch einmal zurück nach Texas und das ehemalige Lager sehen. Sein Enkel Martin, ein Lehrer in den unbezahlten Sommerferien, kann ihm die Bitte nicht abschlagen und lässt sich ein auf die letzte große Reise seines Großvaters. In den USA werden für den alten Mann die Kriegsjahre und die Zeit danach wieder lebendig. Endlich findet Franz die Worte für das, was sein Leben damals verändert hat. Mit jeder Erinnerung kommt Martin seinem Opa näher. Und langsam beginnt er die Brüche zu begreifen, die sich durch seine Familie ziehen…

    „Ein mögliches Leben“ ist ein bewegender Roman von Hannes Köhler.

    Meine Meinung:
    Aufgeteilt ist das Buch in sechs Kapitel. Darüber hinaus gibt es einen Pro- und einen Epilog. Passagen aus der Gegenwart wechseln sich mit Rückblicken beziehungsweise Erinnerungen ab. Die Verknüpfung von damals und heute ist fließend und dabei gut gelungen.

    Den Erzählstil habe ich als angenehm und anschaulich empfunden. Die Sprache ist sehr klar. Dennoch schwingen viele Emotionen und Stimmungen mit und es entstehen viele Bilder. Dadurch konnte mich der Roman in seinen Bann ziehen.

    Franz und Martin sind zwei interessante und authentisch dargestellte Hauptprotagonisten. Ich fand es berührend zu lesen, wie sich ihre Beziehung entwickelt. Trotz seiner zweifelhaften Vergangenheit war mir Franz nicht unsympathisch. Die Reise der beiden habe ich gerne verfolgt.

    Ein Pluspunkt des Romans ist es, dass hier das interessante Thema der Kriegsgefangenschaft so detailliert und glaubwürdig aufgegriffen wird. Es bietet dem Leser nicht nur einen Erkenntnisgewinn, sondern regt auch zum Nachdenken an. Dass der Autor zwei Monate lang auf Recherchereise in den Vereinigten Staaten war und sich fundiert in die Materie eingearbeitet hat, merkt man dem Buch an. Dennoch ist es keine trockene Lektüre, sondern eine Geschichte, die emotional berührt.

    Das Cover ist ein Blickfang, der neugierig macht und inhaltlich gut zur Geschichte passt. Auch der Titel ist überzeugend.

    Mein Fazit:
    „Ein mögliches Leben“ von Hannes Köhler ist ein lesenswerter Roman, der mir schöne Lesestunden bereitet hat. Eine überzeugende Geschichte, die nicht nur die Vergangenheit einer Familie, sondern einer ganzen Generation beleuchtet.

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